
Zwei Väter und ein Baby: Wer hat für den Unterhalt aufzukommen?
Max, der selbsterklärte richtige Mann im Mamablog, fragte sich im gestrigen Thread, ob der arabische Super-Daad wohl sämtliche seiner zahlreichen Kinder einem Gentest unterzogen habe, um seine Vaterschaft sicher zu klären. Er brachte mich damit auf die Idee, den interessanten Fall eines amerikanischen Kuckucks-Vaters hier zur Diskussion zu stellen:
Im Juli 2007 entschloss sich Mike L. seine Vaterschaft beim Zivilgericht im US-Staat Pennsylvania anzufechten. Vier Jahre zuvor hatte er erfahren, dass das heute 11-jährige Mädchen, dem er jahrelang jeden Abend eine Gutnachtgeschichte erzählt hatte, nicht seine leibliche Tochter war. Das Ergebnis des DNA-Test, den er auf eine Vermutung hin heimlich machte, erschütterte ihn zutiefst und führte zur Trennung von seiner Frau, der Mutter des Kindes. Doch Vater wollte er bleiben. Mike L. liebte sein Mädchen, die Gene, die er nicht mit ihr teilte, so sagte er sich, vermögen das niemals zu ändern. Er befürchtete, das Besuchsrecht im Falle einer erfolgreichen Klage zu verlieren. Also zahlte er Alimente und kümmerte sich weiterhin regelmässig um das Kind. Erst als er erfuhr, dass seine Ex-Frau den Mann heiratete, der gleichzeitig biologischer Vater des Kindes war, fühlte er sich so gedemütigt, dass er die Vaterschaft anfocht: «Ich empfinde es als Zumutung, dass ich für ein Kind bezahlen soll, das bei seinen leibliche Eltern aufwächst.» sagte er der «New York Times», die in einer äusserst lesenswerten Reportage vor gut zwei Monaten den Fall des Vaters darlegte.
Trotz der Vaterschafts-Anfechtung hielt er den Kontakt zu seiner Tochter aufrecht. Der Liebe des Vaters zu seiner Tochter vermochte weder der DNA-Test, noch die Heirat der Mutter, noch die anschliessende Beichte über die wahren Elternverhätnisse etwas anhaben. Doch vor Gericht wurde dem Mann sein grosses Herz zum Verhängnis: Weil er dem Mädchen weiterhin sein wollte, was er seit seiner Geburt war, nämlich ein liebevoller Vater, verfügten die obersten Richter im vergangenen Juni, dass er auch weiterhin die volle Alimente zu bezahlen habe. Hätte er sich geweigert, das Kind weiterhin zu sehen, würde jetzt wohl der biologische Vater für den Unterhalt seiner Tochter aufkommen müssen. So aber wurden die Kinderalimente nicht einmal zwischen den Vätern geteilt, wie Mikes Anwalt vorschlug. Laut Gericht kann «eine Familie nicht aus einer Mutter und zwei Vätern bestehen.»
Da täuschen sich die Richter gewaltig: Heutige Patchworkfamilien bestehen fast immer aus einer Mutter und zwei manchmal noch mehr Vätern. Zugegeben, der Fall Mike L. ist selten. Doch er zeigt symptomatisch auf, worauf die heutige Gerichtspraxis Vaterschaft gern reduziert: auf pünktliche Unterhaltszahlungen. Der Veränderungsbedarf ist gross. Denn Vaterschaftsklagen häufen sich dies- und jenseits des Atlantiks. Die Kuckucksproblematik hat stark zugenommen. Auch in der Schweiz. Nicht unbedingt weil Frauen sich mehr Seitensprünge leisten, sondern weil es viel mehr Scheidungen und Patchworkfamilien gibt. Und Männer dank DNA-Tests heute die Frage, die sie seit Beginn der Menschheit umtreibt, einfach beantworten können: Bin ich wirklich der Vater?
Fachleute gehen davon aus, dass rund fünf Prozent der Kinder in der Schweiz Kuckuckskinder sind. Jährlich werden in den Schweizer Instituten für Rechtsmedizin gut 800 Vaterschaften abgeklärt. Dazu kommen, laut einer Recherche des «Beobachters», mehrere hundert Fälle, die in Privatlabors untersucht werden. Heimliche Tests sind vor Gericht nicht zugelassen und gelten seit Mitte 2006 sogar als Offizialdelikt. Kuckucksväter, die im Falle einer Trennung ungerechtfertigte Alimentenzahlungen vor Gericht anfechten wollen, müssen das innerhalb eines Jahres nach Kenntnis der Nichtvaterschaft tun, spätestens fünf Jahre nach Geburt des Kindes. Danach bleibt der Kuckucksvater rechtlich Vater, auch wenn er es biologisch nicht ist.
Zu Recht existiert ein gesellschaftlicher Imperativ, dass ein Mann für seine Kinder zu sorgen hat. Dass ein Mann, der eine Frau schwängert, zumindest zur finanziellen Vaterschaft gezwungen werden kann. Zu Recht auch wird bei Scheidungen das Kindswohl immer stärker gewichtet. Doch was ist zu tun, wenn der Mann, der jahrelang väterliche Pflichten erfüllt hat, nicht der biologische Vater ist? Soll er weiter Alimente bezahlen müssen, wenn er nicht rechtzeitig die Vaterschaft anfechten konnte? Soll er automatisch das Besuchsrecht verlieren, nur weil er keine Alimente mehr bezahlen will? In Patchworkfamilien kann die Vaterrolle zudem auf verschiedene Männer verteilt sein. Sollte ein Mann (seltener eine Frau), der als Stiefvater für das Kind da war, nicht auch das Recht bekommen, das Kind bei einer Trennung weiterzusehen? Wäre das nicht auch im Sinne des Kindswohles?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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@Hansjörg: ja, meinetwegen. es sollte halt einen guten mix geben. auffallend ist, dass sobald die grossen themen kommen, dass sofort die zahlen der kommentare in die höhe klettern. Streiten und provozieren ist doch gut! Nur Zanken und Beleidigen ist schlecht (Asche über mein Haupt)…:-)
@hansjörg Die Vision einer Gesellschaft in der die Allgemeinheit die Finanzierung und Betreuung unserer individuellen Nachkommen übernimmt tönt verlockend. Aber wenn sie die Geschichte studieren, werden sie bald merken das schon immer der Grundsatz galt: Wer zahlt befiehlt. Gesellschaften in denen das Kinderaufziehen als Allgemeinaufgabe angesehen wurde, waren meistens Diktaturen, angefangen vom alten Sparta bis zur DDR oder der Sowjetunion. Während 100 Elternpaare bis zu hundert verschiedene Erziehungsstile und Methoden anwenden können, wird im Falle einer Staatserziehung der Kinder zwangsläufig eine Einheitsdoktrin für alle angewandt. Eine Pluralistische Gesellschaft ist mit staatlich erzogenen Kindern nicht machbar.
@ Marcel
Es gab keine Kompromisse. Ich gab, er nahm. Ich drehte jeden Rappen fünfmal um, er warf das Geld zum fenster raus (alles nur für siene Bedürfnisse). ich habe jeden Tag auf seine bedürfnisse rücksicht genommen und er hat jeden Tag auf seine Bedürfnisse rücksicht genommen. Ich mussste beimeiner Mutter um Geld betteln für Essen und er hatte Motorrad und Computerspiele und Spielkonsolen und und und ……..
In guten wie in schlechten Tagen, dass ich nicht lache; es gab kiene guten Tage. Vielleicht bin ich egoistisch, aber mir ist es wichtiger meine Kinder mit Nahrung und Schuhen zu versorgen als einen Mann zu “bäbele” der in seinem ganzem Leben noch nicht mal versucht etwas richtig zu machen.
Warum, Eni, habes Sie denn einen solchen Mann überhaupt geheiratet? Ich dachte, Frauen hätten für Menschen so etwas wie einen 7. Sinn..?
Ja, wenn Geben und Nehmen einseitig verteilt sind, dann hat es eindeutig keinen Sinn mehr. Aber so etwas, denke ich, merkt man schon früh.
Oder nicht?
@Marcel: Solange das emotionale noch einigermassen stimmt, nimmt man soche Ungleichgewichte in Kauf. Ist ja schliesslich eine Solidargemainschaft. Wie heisst es so schön? “Ein jeder nach seiner Kraft.”
Ich habe jeweils gescherzt, mein Einkommen sei für die langweiligen Dinge des Lebens da: Miete, Steuern, Altersvorsorge (sie musste nicht, da selbständig), Krankenkasse, Schulgeld… Ihres für das was Spass macht: (Ihre) Mode, Ferien, auswärts essen…
Als es dann irgendwann nicht mehr genug war, wurde das nur noch bittere Gewissheit…
@Hansjörg: die Idee eines Ehe-TÜV gibt es schon länger, entsprechende Literatur ist ebenfalls vorhanden.
Ansetzen müsste man aber schon vor der Hochzeit, da wo noch alle Beteiligten denken sie kriegen das Ding locker geschaukelt- die Sprengstoffthemen wie der Umgang mit Geld (siehe Eni), Umgang mit der angeheirateten Familie, der Freizeit, wie man zu Entscheidungsfindungen kommt usw. das sollte alles schon vorher ausgiebig besprochen werden können. Verliebte mit einem verantwortungsbewussten, oder sensiblisierten Umfeld werden vielleicht mutig darauf angesprochen, Menschen die sich in kirchlichem Umfeld bewegen bekommen vielleicht einen Flyer zur Ehevorbereitung in die Hand gedrückt, oder der Pfarrer erklärt das sogar zur Pflicht, weil er genug davon hat die Leute ohne Vorereitung auf den Mount Everest zu schicken.
Wenn da über die Standesämter entsprechende Angebote gemacht werden könnten, würde das zwar im Moment die Kosten erhöhen, die Einsparungen auf der Ausgabenseite im Scheidungsfall (wirtschaftliche bis körperlich und psychische Folgekosten) machte das aber mit Sicherheit mehr als wett.
Jedes Auto wird regelmässig gewartet, in sovielen Berufsgruppen finden Teamsitzungen, Intervisionen und Supervisionen statt, bloss in der kleinsten Beziehungs-und Arbeitseinheit nicht…,
klar, es liesse sich nicht jede Scheidung verhindern, aber der positive Effekt wäre bestimmt nicht zu vernachlässigen…
Langjährige Erfahrung als alleinerziehender Vater schlage ich vor, dass automatisch bei jeder Geburt die Vaterschaft geklärt werden muss!
@ Hotel Papa
Das was Ihre Frau tut,ist einfach nur wiederlich, ein Mann ist doch kein wandelnder Geldsack.
@ Fibel
Ja das wäre das einzig Richtige und hätte ja auch gleich prophilaktische Funktion. So kann Frau erst gar nicht versuchen Mann ein Kind unter zu schieben
“Streiten und provozieren ist doch gut! Nur Zanken und Beleidigen ist schlecht (Asche über mein Haupt)…:-)” Strasser der Heuchler.
@ brunhild steiner
hmm…, ich werde ihren 11.52h post an jemanden weitergeben, wenn sie erlauben. perfektes timing.
@Lea: “Das was Ihre Frau tut,ist einfach nur wiederlich, ein Mann ist doch kein wandelnder Geldsack.”
Ich muss das relativieren. Es hat immer recht gereicht. Wir haben uns auf den Standpunkt gestellt: “Ist alles ein Topf!”
Bloss ist die Hemmung, in den aus dem Verdienst des anderen gespeisten Topf zu langen halt doch da. Und bei Doppeleinkommen, ganze Steuern von ihm bezahlt und Steiner-Schule bleibt beim Hauptverdiener nichts übrig. Sie als selbständige mit Laden war aber immer flüssig. Wenn allerdings die grossen Rechnungen für den Laden kamen wurde es öfters eng. Und dann hatte sie einfach eine niedrigere Hemmschwelle beim Geldausgeben (ich sag nur Schuhe…).
Aber diese Arbeitsteilung ist doch immer noch recht üblich: Er bringt das Geld nach Hause, sie schaut, dass es wieder unter die Leute kommt.
Wie gesagt: Bittere Gefühle kommen erst hinterher. Besonders das BVG-Guthaben teilen stösst unter diesen Verhältnissen sauer auf.
Sorry, das war an Eni gerichtet.
@ Marcel
Ja, ich kann Menschen sehr gut einschätzten und liege auch immer richtig damit, nur wenn ich verliebt bin, haue ich daneben. War einfach dem Irrtum erlegen, dass Liebe alles möglich macht. Er behauptet noch heute, dass er mich über alles liebt ( nur um mir im nächsten Momment wieder eins vor den bug zu knallen) leider habe ich nie etwas davon gemerkt und irgendwann liebt man dann halt auch nicht mehr
@Auguste: aber klar doch, Sie dürften es sogar ausdrucken, kopieren und bei allen Standesamteingängen aufhängen gehen, aber bitte so fest in Plastik einpacken und verleimen dass es nie mehr wegzukriegen ist!!!…;-)
würd wohl bei zu Herzen nehmen auch einige Vaterschaftsunsicherheiten verhindern…
(vorausgesetzt die zu trauende ist noch nicht schwanger!)
@ brunhild steiner
hmm…, na ja, an eine aktion vom umfang des toyota-rückrufs habe ich ursprünglich zwar nicht gedacht, aber eine kandidatin für ein hand-out gibt es definitiv. danke fürs überlassen der rechte.
@Auguste: wenn ich mir das so visualisiere, in allen Tageszeitungen und anderen Medienerzeugnissen
ganzseitige Aufrufe für Theoriestunden, die Theorieprüfung und spätere Ehe-TÜV’s
(Kurskosten von den Steuern absetzbar da mit volkswirtschaftlichem Folge-Nutzen gerechnet werden muss)
@ brunhild steiner
hmm…, auf dem papier in der konstruktionsabteilung sahen diese gaspedale noch völlig in ordnung aus. im banalen alltagsbetrieb wirken dann halt manchmal kräfte, die so nicht planbar waren. und das nicht nur im verkehrsgetümmel.
@Auguste: stimmt, aber die Rückrufaktion ist ins Rollen gekommen
bevor nun jedes einzelne missratene Gaspedal aufgrund ungünstiger Begleitumstände das totale Desaster verursacht hat, so schätze ich eine Chance für Kollateralschadenverminderung durchaus gegeben,
Sie kennen mich ja mittlerweilen, die Hoffnung stirbt zuletzt oder so ähnlich…
@ Hotel Papa
bei uns “hätte” es auch gereicht, aber hat es eben nicht. Es war auch so gedacht, dass sein Einkommen für das langwielige da ist und meines für Extras. Leider hat es für siene Extras gereicht ( oder auch nicht…. Kredite) aber für Essen reichte es dann nicht. Das kann es ja auch nicht sein.
Totales Desaster wegen einem Gaspedal? Es gibt blöde Autofahrer.
Man kann die Kupplung drücken, man kann ein Automatikgetrieben auf N stellen, man kann die Zündung ausschalten und wieder auf die erste Position (wegen Wegfahrsperre).
Oh jeh, und dann gibt es all die vielen Leute, die im Notfall den Kopf verlieren und die einfachsten Ideen nicht haben.
RICHTIGE MÄNNER BEKOMMEN EIN SOLCHES PROBLEM RECHTZEITIG IN GRIFF.
Autos sind nur für richtige Männer, nicht für Bubis und auch nicht für kreischende Blondinen.