
Ihr Kind ist anspruchsvoll? Nein, es ist bloss eine Nervensäge!
Im Winter – und in diesem langen Winter ganz speziell – kommt man ja des Öfteren ganz nahe an andere Eltern ran. Weil es draussen sehr kalt ist. Weil es drinnen nach ein paar Stunden mit Kleinkindern nicht mehr auszuhalten ist. Weil die winterliche Kinderbeschäftigungsprogramme der meisten Eltern sich ähneln und man also die gute Idee Technorama/Tierlimuseum/Zoo/Mühlerama etc. mit ganz vielen anderen Familien teilt. Da hört man dann die anderen Mütter und Väter am Nebentisch dem Nachwuchs das Schlürfen verbieten und glaubt sich selber reden zu hören. Denn Eltern haben nicht nur dieselben Ideen zur Kinderbeschäftigung, sie haben im Grossen und Ganzen auch dieselben Erziehungsanliegen. Die meisten Eltern jedenfalls.
Es gibt nämlich auch Mütter und Väter, die sich um Erziehung futieren. Selbstverständlich würden sie das nie so nennen. In ihrer Sprache heisst das: «Die Kinder sollen sich frei entfalten können.» Oder: «Wir gehen mit der elterlichen Macht reflektiert um.» Das Resultat ist das gleiche: Der Nachwuchs tut, was er will. Mutter und Vater gehorchen.
Die Sozialverträglichkeit dieser Kinderaufzuchtsweise konnte man letztes Wochenende im Technorama geradezu modellhaft studieren: Das Haus war gut besucht, es hatte viele Kinder. Und die vielen Kinder fanden naturgemäss die gleichen Experimente am spannendsten. Etwa den Pendel, der ein Kreis- oder Kurvenmuster zeichnet, je nachdem wie man ihn anstösst. Brav stellten sich die Kinder auf Geheiss ihrer Eltern in die Schlange, warteten bis sie an der Reihe waren, stiessen das Pendel an und traten mit der Zeichnung wieder ab. Es ging lebhaft, aber ganz gesittet zu und her. Bis das blonde Mädchen auf der Bildfläche erschien.
«Ich will auch!», sagte die ungefähr Fünfjährige und drängte sich zum Pendel vor. Seine Mama flötete: «Schau, da hats eine lange Schlange, das machen wir später.» «Nein jetzt», antwortete das Mädchen und schubste den zweijährigen Jungen, der gerade den Pendel anstossen wollte, weg. Der Junge weinte. Mädchenmama sagte: «Du musst den Jungen zuerst fragen, ob es ihm recht ist, wenn du zuerst pendelst.» Das Mädchen jedoch war sich gewohnt, dass allen alles recht war, was es tat. Es futiert sich um den Jungen, um die Mama, um die lange Kinderschlange und stiess das Pendel an. Mädchenmama lächelt und raunte Papa zu: «Sie weiss sich halt zu wehren.» Dem Papa war das nicht ganz recht aber er nickte. Das Mädchen packte den Pendel, verlangt nach einem neuen Blatt Papier und stiess ihn nochmals an. Mama lobte: «Schön machst du das, jetzt kommt dann aber das nächste Kind an die Reihe, gell?» Das Mädchen schüttelte den Kopf.
Jetzt stellte sich die Jungenmama vor das Mädchen und sagte: «Doch, jetzt ist er dran!» Ungerührt stiess das Mädchen das Pendel nochmals mit aller Kraft an. Der Junge brach erneut in Tränen aus, was die Mädchenmama veranlasste, ihn zu trösten: «Du möchtest doch auch einmal, gell. Aber das hat sie nicht absichtlich getan. Sie ist eben anspruchsvoll und nie mit dem ersten Anlauf zufrieden.»
Ja, liebe Leserschaft, so klingen Eltern, die vom eigenen Nachwuchs regiert werden. Und falls Ihnen die Sprachregelung der Unterdrückten noch nicht geläufig ist, hier eine Übersetzungshilfe für die wichtigsten Interaktionen an öffentlichen Orten:
- Mein Kind ist anspruchsvoll = Mein Kind ist eine Nervensäge und ich bin machtlos
- Es hat besondere Bedürfnisse = Es hält sich an keine Regeln, und reagiert erst, wenn es von der Lehrerin vor die Tür gestellt wird
- Es ist hochbegabt (in Kombination mit anspruchsvoll) = verhaltensauffällig, egozentrisch, stört den Unterricht
- Es ist halt ein offenes Kind = Es lacht Kameraden aus, beschimpft Erwachsene und Respektspersonen, verweigert im Kindergarten das Tragen einer Unterhose, weil es die Zuhause auch nicht anziehen muss etc.
- Es ist interessiert = Es betritt fremde Wohnungen ohne zu klingeln und bedient sich von der Schokoladentorte ohne zu fragen
- Es ist kreativ = Es spielt Tsunami in fremden Kinderzimmern. Es teilt nur, was ihm nicht gehört und spielt ganz grundsätzlich nur nach seinen eigenen Regeln


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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@Auguste: vielleicht wurden die ruhigen Tage zur neuen Formfindung benutzt?
Oder Sie brauchen ein paar Tage Urlaub? (Aber gehen Sie ja nicht länger weg!)
Auf diese Studie bin ich dann übrigens gespannt, bitte um Hinweis wenns soweit ist.
Und was die Sprünge betrifft, bitte zu beachten dass nicht nur die eine Geschlechterhälfte blindfleckige, markige bis zuweilen verletzende Kommentare hervorbringt (okay, gebe zu, zusammengezählt fällt die Bilanz wohl zu ungunsten einer Seite aus), na dann mal gute Nacht und Erfrischung, verlieren Sie den Glauben an das Gute im Cyberspace nicht…;-)
@ brunhild steiner
hmm…, ich war übers wochenende auf der piste und nächstes noch einmal. bei mir kollidieren ein paar abgabetermine mit den schulferien dieses jahr. den knirpsen gefällts in der skischule und sie machen rechte fortschritte.
wie sie sicher bereits festgestellt haben, bin ich dienstuntauglich für den geschlechterkrieg. die prägenden frauen (inkl. mutter) in meinem leben waren allesamt frau genug, dass das für mich eigentlich immer ein abstraktes thema blieb, für das es sich nicht lohnte zeit aufzuwenden. der schlachtlärm erreichte mich eigentlich erst hier im mamablog.
wie könnte ich den glauben ans gute verlieren, wenn der mohikaner häuptling chingachcook am letzten wochenende zum gefühlten tausendsten mal den bösen huronen magua erledigt hat. wolfsblut liegt schon bereit für nächstes wochenende.
Neu ist die Form – leider – nicht. Die ominöse Studie interessiert mich langsam aber sicher auch. Mein Eindruck ist, dass in diesem Blog Netiquette nicht im Griff ist – beziehungsweise ein Gatekeeper politisch spielt. Spielt – leider.
hmm…, was ist ein gatekeeper, lea?
Wenn ein Beitrag auf Freischaltung wartet.
Zu Irritationen: Ostdeutsche Indianer-Plattfilme?
Als konkretes Beispiel:
“http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/8618/die-5-dating-fehler-von-frauen/comment-page-23/#comment-21420″
im Wortlaut:
“Lea sagt:
Ihr Kommentar wartet auf Freischaltung.
24. Februar 2010 um 22:58
@Strasser: zitiert aus Ihrem Beitrag heute abend hier “http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/8618/die-5-dating-fehler-von-frauen/comment-page-22/#comment-21396″ :
“…hu hu, unser Borderline-Offizier verliert bereits wieder die Haltung…Die Frauen brauchen deine paternalistische Fürsprache nicht, du machoistischer Hochstapler. Wenn du den lieben langen Tag in deiner Amtsstube nichts besseres zu tun hast, …SUCH DIR IRGEND EINEN FREUNDSCHAFTS-CHAT ODER FREUNDE IM RICHTIGEN LEBEN!”
Worte wie masochistischer Hochstapler und SCHREIENDE Aufrufe als Anspielung auf eine in die Lächerlichkeit gezogene Einsamkeit sind persönliche Angriffe. Solches ist respektlos. Es gibt weitaus schlimmere Zeugnisse Ihres grässlichen Tones.”
@Auguste: huronen magua und chingachcook? Also ich bin zu müde um das nun noch zu googeln, aber dass einer von den beiden hilft Ihren Glauben zu bewahren (den “gutes im cyberspace”) freut mich sehr!
@Lea: mir hats eigentlich gereicht das an anderer Stelle einmal zu lesen,
Sie werden nun nicht mit kopieren anfangen, oder?… (auch wenn es für die Beweisführung Sinn macht)
Er bezieht sich auf den letzten Mohikaner, den edlen Wilden. Historisch bezieht sich das ganze auf die Huronen, ein Stamm der Irokesen um den Lake Huron herum.
“mir hats eigentlich gereicht das an anderer Stelle einmal zu lesen,” verstehe ich nicht. der Beitrag wartet auf Freischaltung – somit von Ihnen nicht lesbar.
Damit verstehe ich auch das betreffend kopieren nicht.
@Lea: ich meine den 00:15post, dass es mir gereicht hat den Originaltext zu lesen, ich brauchs nicht unbedingt noch in Zitateform…;-), und danke für die Aufklärung, da hat also der Mohikaner versucht die Irokesen zu erledigen?
@Lea: “beziehungsweise ein Gatekeeper politisch spielt.”
Jep. Ein guter Blogeintrag ist einer, der viele Antworten generiert. Das erreicht man am einfachsten, in dem man, positiv gesagt, kontroverse Themen aufgreift. Negativ gesagt, in dem man Zwietracht sät.
Und wenn man dann solchen Polemikern auch noch interessante Schreibe unterstellt, wie andernorts geschehen, explodiert der Beitragszähler ins Unendliche.
@Brunhild: “da hat also der Mohikaner versucht die Irokesen zu erledigen?”
James Feninmore Cooper; Lederstrumpf. Ein Abgesang auf den edlen Wilden Native American.
@Hotel Papa: Ich spiele in keinem Sinne Gatekeeper. Wenn Kommentare nicht sofort aufgeschaltet werden, liegt das daran, dass die IP-Adresse unbekannt ist, dass die Kommentare nachts reinkommen, wenn niemand mehr auf der Redaktion sitzt (ich bin Freelancerin und kann nicht Tag und Nacht Kommentare aufschalten).
Ja der Beitrag war provokativ. Aber dass im Mamablog immer alles sofort auf das langweilige und längst obsolete Links-Rechts-Schema reduziert wird, dafür kann ich nichts. Oder soll ich künftig schreiben, welche Temperatur das Badewasser für Baby haben muss?
Und noch was: Schreibe ist wie Haarfarbe, Sofaform und Bundfaltenhose – Geschmackssache.
jesus f-ing christ! was ist denn das hier für ein zoo?!?
ja, frau althaus, bitte sorgen sie dafür, dass der blog mit einer registrierung ausgestattet wird (was auch dem wirklich ärgerlichen nick-napping einen riegel schieben würde). und wenn sie schon dabei sind: machen sie sich doch auch gleich für eine editier-funktion stark!
zum thema: kinder, die sich so benehmen wie im blog beschrieben, die sind nicht antiautoritär erzogen worden, die sind ganz einfach nicht erzogen worden.
@Nicole Althaus: “Aber dass im Mamablog immer alles sofort auf das langweilige und längst obsolete Links-Rechts-Schema reduziert wird, dafür kann ich nichts.”
Nein. Aber wenn hier jegliche gute Kinderstube mit Füssen getreten wird, dann brauchts ab und zu einen Rauswurf. Auch bei schon freigeschalteten IPs.
@Brunhild Steiner 25. Februar 2010 um 09:04: Der von mir erstellte Beitrag (comment-21420, die-5-dating-fehler-von-frauen) war sowohl um 22:58, als auch um 0:15 in der Warteschlaufe. Wie können Sie dann behaupten, das Original, also eben den Kommentar 21420) schon gelesen zu haben. Da könnte jemand auf die Idee kommen, Sie seien eine Gatekeeperin, was ich allerdings nicht glaube.
oder meinten sie Kommentar 21396 vom unsäglichen Strasser?
@Lea: also… ich meinte den Kommentar 21396 und Ihren 00:15post, den ich nach meinem 00.18 post schon lesen konnte, also zum zweiten mal sozusagen, und mich deshalb (wohl müdigkeitshalber) zu meinem 00.23 post anmieren liess. Dass Sie das anderswo auch schon platziert haben sah ich erst später. Keine Ahnung warum Sie ihn auf Ihrem Bildschirm noch unter Freischaltung abwartend hatten, ich bekam ihn auf ganz legalem Weg zu Gesicht, nix mit verkappter gatekeeperin oder so…;-)
@ lea
kennen sie hornblower?
@Auguste: war mir nicht bekannt. Meinen Sie Horatio Hornblower?