
Gehen sie zu ihm - oder zu ihr? Hugh Grant und Julia Roberts in «Notting Hill» (1999).
Einer der am meisten gelesenen und am kontroversesten diskutierten Einträge im Mamablog trug den Titel «Einsam an der Spitze» und ging der Frage nach, warum gutausgebildete Frauen überdurchschnittlich häufig allein und kinderlos bleiben. Mittlerweilen beschäftigen sich auch Partnerschaftsbörsen und Soziologen mit dem Fakt, dass Frauen ihren Erfolg im Beruf und an den Unis offenbar mit dem Misserfolg in der Liebe bezahlen. Und alle paar Wochen sinniert eine schöne und kluge Frau in einer Frauenzeitschrift über ihre erfolglose Suche nach dem Traummann nach.
Kein Wunder ist das neue Buch von Lori Gottlieb mit dem Titel «Marry Him. The Case for Settling for Mr. Good Enough» seit Wochen Gesprächsthema Nummer eins: An Weiberabenden, in Blogs und auch auf Partnerschaftsforen. Denn die amerikanische Autorin stimmt nicht in das altbekannte feministische Klagelied ein, dass die Welt einfach ungerecht sei und den Männer der weibliche Hintern wichtiger als das Hirn. Sie sagt schlicht «selber schuld!» und behauptet, Frauen müssten sich vom Traumprinzen verabschieden und nach dem Herrn Gutgenug Ausschau halten.
Nein, liebe Single-Frauen, Lori Gottlieb verrät damit die Emanzipation nicht. Das wird zwar von vielen Kritikerinnen behauptet. Aber Gottlieb schreibt nirgends, dass Frauen heiraten und Kinder kriegen müssen, um glücklich zu werden. Sie stellt bloss fest, dass a) Frauen, die sich Kinder wünschen, stärker unter Zeitdruck stehen als Männer. Dass b) sie deshalb unter Handlungsdruck stehen, weil Männer auch mit der nächsten Generation von gebärwilligen Frauen noch eine Familie gründen können und c) die Traumprinz-Sucherinnen meist auch nur eine Frau Gutgenug seien. Das zu lesen mag weh tun, aber es ist wahr.
Und weil auch in meinem Freundeskreis einigen Töchtern der Emanzipation die biologische Uhr so laut in den Ohren tickt, als litten sie an einem Tinitus, habe ich mir das Buch angeschafft und möchte hier die 5 Dating-Fehler, die Lori Gottlieb bei Frauen in den Dreissigern diagnostiziert, zur Diskussion stellen:
- Frauen glauben, sie verdienen mehr: Frauen bestärken einander gegenseitig darin, dass sie eine Super-Partie sind und deshalb wie geschaffen für Mr. Perfect. Sie vergessen dabei, dass auch sie Seiten haben, die ein zukünftiger Mann grosszügig übersehen muss, um sich zu verlieben.
- Frauen halten ihre Optionen für unlimitiert: Dating funktioniert ein bisschen wie Shopping – Jede Frau hat natürlich das Recht, ewig nach der Jeans zu suchen, die den Bauch kaschiert, den Hintern in Szene setzt und nicht zu viel kostet. Aber man muss damit rechnen, dass man dieses Exemplar nicht findet. Und dass während der Suche die Jeans, die nur sehr gut, aber nicht perfekt gesessen ist, ausverkauft wird.
- Frauen setzen die falschen Prioritäten: Nicht jedes Attribut, das auf weiblichen Checklisten erscheint, ist für eine Partnerschaft überlebenswichtig. Grösse, Haarqualität, und Muskelkraft sagen nichts über die Qualität eines Mannes als Liebhaber oder Vater oder Partner aus. Nur weil der Kandidat auf der Onlineplattform geschrieben hat, er sei ein Fan von Madonna, sollte man ihn nicht ausmustern, bevor man ihn getroffen hat. Man könnte sich vielleicht in ihn verlieben.
- Frauen überschätzen die Romantik: Rosen, Candle-Light-Dinners, Sonnenuntergänge sind schön. Aber davon hat man weder gegessen noch sind deswegen die Kinder gewickelt.
- Frauen wollen alles teilen: Sie interessieren sich nicht für Fussball und halten sich trotzdem für attraktiv? Sie liegen goldrichtig, aber gewähren Sie dasselbe Recht auch den Männern. Man teilt in einer Partnerschaft weder jede Sekunde noch jedes Interesse. Und das ist gut so.
Hat Lori Gottlieb recht? Müssen Frauen, die Mütter werden wollen, lernen, das Zweitbeste zu lieben? Sind Männer in der Liebe tatsächlich weniger wählerisch? Und: Bestehen funktionierende Partnerschaften vielleicht generell aus Herr und Frau Gutgenug?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
auf Facebook





















Und was schliessen wir daraus, weder Mann noch Frau sollten sich selber unter Druck setzen, wie sagt man so schön unverhofft kommt oft
. LG
Hallo,
herzlichen Dank für den tollen Artikel. Ich habe leider auch schon oft schlechte Erfahrungen mit Frauen gemacht. Für mich muss die richtige wohl erst geboren werden. Ich war jetzt auf einer Webseite ” Anmachsprüche für Männer”, um mich mal zu informieren was Frauen eigentlich so wollen. Ich hoffe sehr, bald meine Traumfrau zu finden.