Leben


Nicole Althaus am Dienstag den 9. Februar 2010

Ja zum Kinderwagenverbot in Szenebeizen!

mamablog verbot

Achtung, Satire!

Das Spannende am Mamablog ist es, sein eigenes Weltbild mit dem von vielen anderen Menschen abzugleichen. Ansichten kennenzulernen, die im Kreis, in dem man verkehrt, nicht vorhanden sind. Auf Gedanken zu stossen, die man sich selber nicht gemacht hat. Der Meinungsaustausch ist immer dann am lehrreichsten, wenn ein Thema polarisiert. Der Blog von gestern tat es. Und ich danke der Leserschaft für die angeregten Kommentare, auch wenn ich filetiert wurde.

Ganz offensichtlich habe ich die Realität und die Machtverhältnisse in dieser Stadt total verkannt. Zürich erstickt unter einem Tsunami an verzogenen Gören und geradezu rüppelhaften Müttern und ich beklage mich über ein Kinderwagen-Verbot:

Ich sehe nicht ein, was Mütter oder Väter mit ihrem wilden, ungezogenen und meist randalierenden Nachwuchs in einer Bar zu suchen haben. (Henri)

Diese Bars sind ja oftmals “Fick-Kontaktstellen” – selbstverständlich vergeht einem jegliche Lust aufs poppen, wenn man gleich am Nebentisch ein dringend zu vermeiden wollendes Ergebnis davon sieht…(:-) Saba)

In einem anderen, sehr kleinen vegetarischen Restaurant habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie eine Frau ihrem Baby während (!) dem Mittagessen die vollgekoteten Windeln auf der Sitzbank gewechselt hat. (Ninon)

Ein Kinderwagenverbot ist wohl die letzte Konsequenz, sich gegenüber der Flut an erzieherisch verwahrlosten Kindern und deren Eltern entziehen zu wollen. (ingo berner)

Wie konnte ich nur übersehen, dass die  1,3 Kinder, die in Zürich pro Frau noch auf die Welt kommen, den Erwachsenen den wohlverdienten Feierabend versauen, wenn nicht das ganze Leben, weil sie sich in Bars hinter Kinderwagenburgen verschanzen, weil sie Diskotheken und Clubs zu Kleinholz schlagen. Weil die dazugehörenden Mütter bei jeder Gelegenheit hinterhältig ihren Busen zücken. Und wenn das nichts nützt, die Gäste der Szenebeizen in die Flucht jagen, in dem sie mal schnell dem Nachwuchs auf dem Nachbarstisch die verkackte Windel wechseln.

Wahrscheinlich gehe ich einfach zu wenig aus. Wahrscheinlich bin ich als Mutter so verblendet, dass ich die Realität nur mehr verzerrt wahrnehme. Und die Gefahr der hochtoxischen Dosis an ungezogenen Bengeln verharmlose. Vielleicht wähne ich mich in meiner Verblendung nur in Zürich und lebe eigentlich in Bern oder Basel oder Luzern oder gar im Ausland. Dort nämlich scheint das Problem mit den ungezogenen Eltern nicht so gross zu sein. Da sitzen und trinken und essen Eltern und Kinderlose in denselben Lokalen. Manchmal sprechen sie sogar miteinander. Und am Nebentisch sitzt ein Punk oder ein Rentner. Und niemand stört das.

Aber den Anfängen muss man wehren. Sonst stehen nachts plötzlich so viele Kinderwagen in Zürcher Szenebars wie Minarette in der Schweiz.

Geschätzte Leserinnen und Leser
Der Mamablog lebt von Ihnen und Ihren Kommentaren. Deshalb finden wir es bedauerlich, dass die Umgangsformen in den Diskussionen in letzter Zeit zu wünschen übrig lassen. Pointierte Meinungen und zugespitzte Formulierungen sind erlaubt – nicht aber Beschimpfungen und persönliche Angriffe. Wir bitten Sie um gegenseitigen Respekt. Besten Dank. Die Redaktion

190 Kommentare zu „Ja zum Kinderwagenverbot in Szenebeizen!“

  1. Anastasia C. sagt:

    @max: Orgi69 findet man in youtube auch unter dem namen KIng Orgasmus One,dabei handelt es sich um einen deutschen Rapper mit stark explizitem Inhalt,der nebenbei auch noch Pornos produziert. In den Kreisen in denen ich verkehre (Langstrasse und so…), wird er noch gerne gehört.

  2. max sagt:

    @Mia
    Gleichfalls, von wegen den anderen belehren und korrigieren. Wenn ich eine Frau an technischen Dingen herumfigureetlen sehe, dann werde ich oft ganz nervös. Dennoch sind die meisten beleidigt, wenn ich gerne helfen möchte.

    Und was Sie meinen ist die ewige Putzfrage? “Sie fragt Schatzi hesch hüt d’Chuchi scho putzt.” Er stolz vom Sofa aus: “klar, schon als ich am Mittag nach hause kam.” Und schon geht der Krach los. Warum?
    Männer putzen, um den Dreck wegzumachen. Frauen pützerlen bis es blizt und blankt. Warum denken Sie, spielt all die Fernsehwerbung für diese super luftibus-verschwindibus-blitzblank-glitzer-zwitscher-Putzmittel immer mit Frauen? Sicher nicht, weil nur Frauen putzen, sondern weil richtige Männer wissen, dass man das alles genausogut mit Schmierseife machen kann.

    @Anastasia C.
    Als die Sekretärin meines Vaters heiraten wollte, da wurde sie zusammen mit ihrem zukünftigen zu einem freundlichen und sehr gediegenen Nachtessen zu uns nachhause eingeladen. Dann erklärte mein Vater seiner Sekretärin:
    “Erna, Du hast jetzt drei Jahre Zeit, Deinen Fredy zu erziehen. Was eine Frau in den ersten drei Jahren nicht hinbekommt, wird sie das Leben lang nicht schaffen.”
    So weit ich weiss, sind die beiden nach vielen Jahrzehnten noch immer glücklich verheiratet.

  3. max sagt:

    @Anastasia C.
    Also, danke erstmal für den Link. Also, wenn ich da lese von “nebenbei auch noch Pornos produziert” und Rapmusik mit “stark explizitem Inhalt”, dann habe ich dann doch ein wenig Bedenken wegen Ihrem noch jugendlichen Alters.

  4. max sagt:

    @Matthea:
    Sie schreiben über Blicke, die Ihnen andere zuwerfen. Wie wollen Sie wissen, dass das böse Blicke sind?

    Wenn ich ein Kind täubelen sehe, dann schaue ich hin und überlege, ob ich zu dem Kind etwas sage oder nicht. Wenn sich die Mutter schon kümmert, gehe ich weiter. Wenn die Mutter woanders ist, dann gehe ich zu dem Kind und frage, was los ist. Ich habe mehrmals erlebt, dass Mütter grad mit dem Einkauf sehr beschäftigt waren, etwas aussuchten oder mit der Verkäuferin redeten und grad froh waren, wenn jemand anderes den Wildfang auffing, der rennend aus dem Laden wollte. Aber immer zuerst werfe ich der Mutter einen kritischen Blick zu, überprüfe die Situation und überlege mir, ob mein Handeln angemessen ist.

    Wenn ich jetzt also zu Ihnen Frau Matthea hinüberblicke, wie wollen Sie wissen, ob ich tadelnd oder hilfsbereit bin? Sie werden einen eindringlichen und prüfenden Blick sehen. Aber solange ich kein Wort sage, werden Sie alles mögliche meinen, was mein Blick bedeute.

    Wo ist der Vater Ihres Kindes, und warum hilft der nicht mit?

  5. Anastasia C. sagt:

    @max: wenn die musik von Herrn Romeike (so der bürgerliche name von Org69), das grösste problem auf dieser welt wäre, dann hätten wir es sehr friedlich,oder???
    nur so als info: ich gehe gerne ins museum, lese seeeeeeeeeeeehr viel,wie zum bsp. Bulgakov,Sorokin und verschidene Sachbücher, aber zum ausgleich tut mir der Porno-Rap gut.
    so wie ein gourmet, zum bsp. ab und zu einen döner isst.

  6. max sagt:

    @Anastasia C.
    Vielleicht esse ich darum nicht Döner, weil ich kein Gourmet bin?

    Lesen finde ich sicher eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, allerdings füllt mich lesen mit so viel Phantasie und mit eigenen Bildern, dass mir Porno zum Gähnen langweilig vorkommt.

  7. Anastasia C. sagt:

    ich sehe ja keine pornos. ich höre nur porno-rap,das ist ein unterschied. finde ich. sie können natürlich, das essen was sie wollen. den döner vergleich brachte ich nur,um zu veranschaulichen,das ich trotz meinem musik-geschmack nicht auf den kopf gefallen bin.

  8. Regula sagt:

    Ein herrlicher Beitrag, ich musste beim Lesen ganz schön schmunzeln. Dies natürlich als Halterin eines 10monatigen Sabberkackers, den ich in Zukunft auch gerne mal auf einem edlen Bartischli wickeln werde ;-)

  9. maurer sagt:

    unschön vom beizer. auf der anderen seite kommt das halt davon, wenn man mutter UND szenetussi zugleich sein will.

  10. Roland Strasser sagt:

    @pippi langstrumpf: oh, verkünderin von einer neuen, besseren welt. kämpferin wider alles alte, bünzlige und reaktionäre. wie kann ich auch so progressiv-aufgeschlossen-aufgeklärt-unverstockt werden wie du. o please tell me how! vorschlag: ich fange mal an ebenso mainstream-links zu denken wie du, vielleicht bin ich dir dann ein kleines bisschen näher. und in zukunft mach ichg einfach nur noch, wozu ich lust habe und was mir spass macht, dann entstocke ich vielleicht auch schon bald. als lebensphilosophie reicht ja “trial and error”, es gibt keine werte mehr, alles ist relativ und (moment…*tief am joint zieh*) mein hirn wird langsam ganz matschig….jupiiiieh!

    hu-hu, schöne neue welt. in bewunderung, ein (ziemlich gut) dressiertes äffchen :-)

  11. Auguste sagt:

    hmm…, könnte es sein, dass das mit dem hirn schneller passierte, als sie meinen, roland strasser?

  12. Pipi Langstrumpf sagt:

    Ach Roland, du hast sowas von keine Ahnung…..
    Aber gräm dich nicht, bist nicht der Einzige!

    Was macht eigentlich so ein gestandenes Mannsbild wie du im Mamablog, ist doch weibisch?

  13. maurer sagt:

    super beitrag roland strasser, ziehr nur weiter am joint, noch matschiger kann ein hirn eigentlich nicht werden…..

  14. Marlen Frey sagt:

    “Diese Bars sind ja oftmals “Fick-Kontaktstellen” – selbstverständlich vergeht einem jegliche Lust aufs poppen, wenn man gleich am Nebentisch ein dringend zu vermeiden wollendes Ergebnis davon sieht…(:-) Saba)”
    Bester Kommentar ever. Verhütung mal anders! :D

  15. Roland Strasser sagt:

    @Auguste: es wirkt schon ein bisschen, ihre einwürfe erscheinen grad viel origineller, wenn man nur matsch im hirn hat. Halelujah!

  16. Eni sagt:

    @ Roland Strasser
    Habe leider immer noch keine Antwort von Ihnen auf meine Frage vom 8.Februar 11.40h beim Thema ‘Kinder müssen draussen bleiben’
    Schade

  17. Auguste sagt:

    hmm…, roland strasser, wie wärs mit einem kleinen denkanstoss?

    wenn man nicht genau weiss, wie man sich in gesellschaft angemessen zu benehmen hat, dann mag das folgende vielleicht helfen:

    in einer blog-community sollte man sich so verhalten, dass wenn man mit den leuten, mit denen man sich austauscht, diskutiert, evtl. sogar streitet im realen leben unter einem dach zusammentreffen würde, dass man nicht derjenige ist, von dem sich alle abwenden, wenn sie sein namensschild gelesen haben – und auch die erdnüsschen und das getränk wieder mitnehmen, dass sie eigentlich anbieten wollten.

    mit beinahe jedem auftreten hier, hinterlassen sie das bild eines sozial unreifen. dass sie sich in dieser rolle offenbar auch noch gefallen, macht das ganze nicht angenehmer. auch sollten sie vielleicht berücksichtigen, dass man sich intellektuel nur soweit herauslehnen sollte, wie man noch sicheren boden unter den füssen hat.

    nehmen sie ein time-out, denken sie ein bisschen nach und treffen sie die richtige entscheidung.

  18. Laura A. sagt:

    @Marlen Frey: Was ist den schon dabei? Wenn ich in eine wie Sie es schreiben, “Fick-Kontaktstellen” meinem Kind die Brust gebe, weiss das Gegenüber gleich was ihn erwartet und somit ist die Katze aus dem Sack.

  19. max sagt:

    @auguste

    Kurzum, Sie meinen Roland Strasser sei ein Flegel. Ich lese sein Einwürfe anders, mehr von der realen erziehungsorientierten Seite. Wenn er sich lustig macht über Pippi Langstrumpfs “trial and error”, dann finde ich das gerechtfertigt. Sie meint nämlich, herumpröbeln ersetze Konventionen und guten Anstand.

    Nun kann eine Mutter beliebig pröbeln, wenn man vorher kein Ziel definiert wird man den error nicht bemerken. Pippi Langstrumpfs Vorstellung von gelungener Erziehung enthält implizit einen logischen Fehler.

  20. Auguste sagt:

    hmm…, max, es widerstrebt mir etwas, mich gegenüber dritten über pipi langstrumpf auszulassen, aber weil ihre beiträge ein gerüttelt mass an erfahrung und gesundem elternverstand ausdrückten und im alltag die erziehung von kleineren kindern (meine söhne sind 7 und 6) tatsächlich oft “trial and error” situationen sind, neige ich stark dazu, mich ihren ansichten anzuschliessen und nicht denen von roland strasser. übrigens, die “trial and error” methode kann man nur in betracht ziehen, wenn man weiss, was am langen ende dabei heraus schauen soll. das ist keineswegs ziellos. punktlandungen gibt es in der erziehung sowieso nicht, ausser beim militär, aber da hat man ganz andere mittel und methoden zur verfügung, um zum ziel zu kommen.

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