
Sollte es unfähigen Eltern nicht besser verboten werden, Kinder zu kriegen?
Zimperlich war der britische Komiker Ricky Gervais noch nie. Der Erfinder von «The Office» stellt zielsicher bloss, was sich zu ernst nimmt, und kennt dabei keine Bisshemmungen: grosse Egos von kleinen Chefs, AIDS, Dicke, Schwule oder die Hollywood-Prominenz – er macht sich über alles lustig. Ricky Gervais schiesst auf alles, was sich bewegt. Besonders das, was die Leute da draussen bewegt. Zuweilen wagt er sich damit auch an die Schmerzgrenze, als er etwa vor versammelter Hollywood-Prominenz die Golden Globe Awards moderierte. «Ich schaue mir all diese Gesichter hier an und muss an die grossartige Arbeit denken, die heuer bewerkstelligt wurde – von plastischen Chirurgen. Sie sehen grossartig aus!» So begrüsste er die säuerlich lächelnden Stars.
Vergangene Woche zielte er auf Mütter und Väter, als er in einem Interview mit der Sunday Times sagte, unverantwortliche Eltern zu sterilisieren erschiene ihm als probates Mittel gegen die Überbevölkerung. Der Journalist fragte nach, wie er sich denn das vorstelle. Darauf Gervais:«Auf der Basis eines dummen, fetten Gesichts. Wenn du eine Frau in Leggins siehst, die Chips frisst und dazu ne Kippe raucht, sterilisier sie. Unverantwortliche Eltern sollte man abschaffen.» Er selber habe übrigens nie Kinder gewollt, weil er nicht 16 Lebensjahre in etwas investieren wollte, was bloss Ärger bedeute.

Ricky Gervais in seiner Paraderolle als David Brent in der Serie «The Office» (2001).
Im Netz wurden die markigen Worte sofort verbreitet und zum Teil erschrocken kommentiert. Das war zu erwarten, aber Gervais nun gleich des Faschismus zu verdächtigen, hiesse die Blödelei zu ernst zu nehmen. Aber man kann sich natürlich fragen, welchen Nerv er damit trifft. Vielleicht zielte er mit seinen Worten auf die Welle der bloggenden und schreibenden Leute, die sich im angelsächsischen Raum neuerdings zum Bad Parenting bekennen und sich rühmen, wegen eines bisschen Babysittens nicht auf den alten Lifestyle oder einen Gin Tonic verzichten zu wollen.
Eher noch denke ich aber, dass Gervais einfach ausgesprochen hat, was viele denken, aber nicht zu sagen wagen. Weil es vielleicht wirklich schon zu viele Kinder gibt, weil in der Elternschaft im Grunde jeder versagt, weil wir alle zu egoistisch sind. Weil das Problem der Überbevölkerung vielleicht tatsächlich gelöst wäre, wenn nur die wirklich zur Elternschaft Prädestinierten sich fortpflanzen würden.
Vielleicht nehmen wir auch einfach alles zu ernst. Oder was meinen Sie? Brauchen werdende Eltern einen Fähigkeitsausweis? Und wenn ja, wer sollte Kinder haben dürfen und wer nicht?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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@Laura
eine von uns beiden sollte noch einen Buchstaben oder so hinten an den Nick setzen, damit man uns unterscheiden kann!
@Laura: Ist mir nicht so wichtig!
@Laura
mir schon. Stammtischmässige Rundumschläge unter der Gürtellinie in Fäkalsprache sind nicht mein Ding und ich möchte mich davon schon distanzieren.
meine eltern rauchen und tranken gerne mal ein glas zuviel und trozdem sind es die besten eltern der welt.
dieser ganze blog basiert doch auf vorurteilen
Bin seit einem Jahr Vater, nicht der beste, aber gebe mir Mühe. Die Vorstellung was “gut Eltern” sind gehen wahrscheinlich weiter auseinander als Anschauungen über Religion. Wer soll also entscheiden was zukünftige Eltern wissen müssen? Intelektuelle Akademiker? Frustrierte Pädagogen? Nationalistische Patrioten? Nei, da bin ich schon eher dafür dass wir auch weiterhin in einer nicht perfekten Welt leben in der nicht alles gleichgeschalten ist.
ich würde sagen, dass es niemals rechtlich möglich sein wird, einen Elterntest nötig zu machen. hingegen sinnvoll wäre, wenn angehende eltern psychologisch aufgeklärt würden, bezüglich Entwicklungspsychologie. Dabei würden meines Erachtens Fortsetzungskurse Sinn machen, die man zu Beginn jeder neuen Entwicklungsphase seines Kindes besuchen MUSS. Wichtig ist auch, den Eltern ins Bewusstsein zu rufen, dass sie dazu stehen sollten, wenn sie merken die Kontrolle über die Erziehung verlieren oder nur noch streiten mit dem kind. Es braucht sicherlich mehr staatliche Unterstützung der Eltern, denn eigentlich sollte es im Interesse beider sein, ein möglichst gesundes kind grosszuziehen. Also wünsche ich allen Eltern viel Glück bei der Auswahl der Erziehungsmethoden…
@max: Ich kenne eine ganze Menge “Junge”, die sehr wohl richtig haushalten können. Und von gesunder Ernährung versteht man heute wohl viel mehr als noch vor dreissig oder vierzig Jahren (vielleicht sogar zuviel). Mal ganz abgesehen davon besteht das sogenannte Haushalten ja nicht nur aus Kochen, sondern aus vielem mehr (und ich als Vollzeit-Hausfrau und -Mutter mit Haus und eigenem Gemüsegarten weiss wovon ich spreche).
nur wurden einzelne Fehlverhalten (wie es sie schon früher zu Hauf gab) der Eltern schlicht icht so breit geschlagen.
Übergewichtige Kinder, ja die gibt es, weiss Gott. Aber ich masse mir nicht an, diesen Eltern vorzuwerfen, sie seien schlechte Eltern. Denn wahrscheinlich meinen sie es nur gut, wenn sie ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, nach der Schule wieder abholen und gleich weiter zum Musikunterricht kutschieren, nur damit ihr Kind keinen Unfall auf dem gefährlichen (heutzutage zumindest gefährlicher als früher) Schulweg erleidet.
Welche Eltern – so sagen Sie mir – machen denn keine Fehler? Und welche Fehler – so sagen Sie mir – klassifizieren ihre Elternschaft in schlecht oder gut? Eine schwierige Frage.
Übrigens, meine Ansicht – oder Ideologie, wie Sie’s nennen – basiert weder auf Feminismus noch auf Feminazismus, sondern ganz einfach auch einer, ich sag mal durchschnittlich, modernen Weltanschauung.
Wie ich weiter zurück schon angedeutet habe, bin ich der Überzeugung, dass die meisten Eltern es mindestens so richtig machen, wie eine oder zwei Generationen älter – früher war nicht alles besser (ob nun mit oder ohne Rüebli-RS
@Laura. Sorry, habe meine Tage, deswegen bin ich zickig. Der Rest kommt von meinen Idiotischen Eltern, die sich auch der Fäkalsprache bedienten. Deshalb hebe ich mich entschieden davon ab, möchte schliesslich nicht die selben Fehler an meine besch…. Kinder weitergeben.
@Laura A. Unter Fäkalsprache verstehe ich etwas anderes. Waren Ihre Eltern Spiessbürgerliche Idioten?
seid ihr jetzt ganz übergeschnappt? No Kids No Wachstum… bitte erst denken und dann tippen
Neuerdings habe ich mit meinem Frauenarzt das Thema Sterilisation besprochen. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als mir mitgeteilt wurde, dass keine ohne ein psychiatrisches Gutachten vornehmen darf, da ich jünger als 35 Jahre bin. Hingegen darf man ohne jegliches Gutachten Eltern werden. Sogar für die Haltung eines Hundes braucht man einen Fähigkeitsausweis. Grundsätzlich sollte man, bevor man überhaupt Eltern werden möchte, sich über die Verantwortung klar werden.
Elterntests? – Find ich cool und bringt Arbeit für gescheiterte Psychologen. Und wenn der Test nicht bestanden ist, kann man sich die Antworten im Internet kaufen. Wer dann noch zu doof ist, die gestellten Fragen zur Zufriedenheit eben jener “Gescheiterten” zu beantworten, macht die “Chüngel” halt und kriegt eine Busse, wie es bei Chinesen geschieht, welche trotz 1-Kind-Politik ein zweites machen. So käme Herr Leuenberger zu mehr Geld, damit er die Strassen über unsere nicht mal 40-Tönner-Fähigen Pässe bald auch 60-Tönner-Sicher machen kann……….aber bitte nicht zuviel lächeln darüber. In einer Bananenrepublik, die Diskussionen zulässt, ob Grossmütter und Grossväter einen Fähigkeitsausweis zum hüten der Enkel brauchen, oder die Nachbarin mit 3 Kindern nicht befähigt ist, die Spielkameraden der Kids am Mittag Essen zu verabreichen, könnte dies bald Realität werden……verrückte Welt!
@rena: Übergewichtige Kinder, ja die gibt es, weiss Gott. Aber ich masse mir nicht an, diesen Eltern vorzuwerfen, sie seien schlechte Eltern. Denn wahrscheinlich meinen sie es nur gut, wenn sie ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, nach der Schule wieder abholen und gleich weiter zum Musikunterricht kutschieren, [...]
ah, eine wunderbare gelegenheit für den schönen spruch: das gegenteil von gut ist gut gemeint!
Typisch an der ganzen Diskussion ist, dass sie rein aus der Sichtweise der Eltern geführt wird. Kinder sind ja noch immer der Besitz der Eltern…