Leben


Michèle Binswanger am Dienstag den 2. Februar 2010

Die Mechanik des Zweierglücks

MAMABLOG-ROMEO-JULIA-02

Romeo und Julia (Leonardo di Caprio und Claire Danes in «Romeo und Juliet», 1996). Am Anfang verleiht die Liebe Flügel, aber wie erklimmt man den Gipfel der Partnerschaft?

Liebe verleiht Flügel. Zumindest am Anfang. Aber eine langjährige Liebesbeziehung zu führen ist kein Spaziergang im Park. Wenn sich die Schwerkraft zurückmeldet, findet man sich eher im Gebirge wieder. Wer den Gipfel der Partnerschaft erreichen möchte, muss klettern. In den vielen Stunden, die ich am Fels verbracht habe, dachte ich oft darüber nach, dass eine Zweierseilschaft eine passende Metapher für eine Beziehung ist: Verbunden durch sein Seil erklimmt man schwindelerregende Höhen, jeder für sich selbst verantwortlich. Man muss in beengten Platzverhältnissen, in Krisensituationen und unter Stress funktionieren. Zusammen ist man alleine unterwegs. Zusammen scheitert man. Oder hat Erfolg. Dazu müssen allerdings einige Grundsätze beherzigt werden:

Klettertouren werden geplant, Beziehungen passieren einfach. In beiden Fällen aber sieht man sich mit demselben Problem konfrontiert: Die angetroffenen Bedingungen entsprechen bei einem ersten Augenschein selten den Vorstellungen, die man sich davon gemacht hat. Rollende Planung ist gefragt, sie müssen sich anpassen, die Route nach den Gegebenheiten und ihren Möglichkeiten ausrichten. Die Frage ist nur: Was ist überhaupt Sache? Was ist möglich? Und wie finden wir uns, damit wir zusammen weitergehen können?

Wir haben nie alle Informationen. Und jene, die uns zugänglich sind, filtern wir so, dass sie in unser Bild der Wirklichkeit passen. In Partnerschaften wachsen diese Wirklichkeiten zusammen, aber es gibt immer aufständische Gebiete, die autonom bleiben wollen, Konfliktherde, die das ganze System durcheinanderbringen können. Aber Eskalationen kosten Energie. Deshalb sollte man sich auf Lösungen konzentrieren. Auf Ziele zurückkommen, die eigenen Voraussetzungen thematisieren, sich fragen: Was könnte ich anders machen?

Nun kommt die Schlüsselstelle der Beziehungstour: Kommunikation. Sie sieht einfach aus, ist es aber nicht. Denn es reicht nicht, sich bloss Wörter zuzuwerfen. Man muss sie in die Hand nehmen und mit ihnen an der eigenen Wirklichkeit arbeiten, versuchen, einen Blick auf die Welt, die sie hervorgebracht hat, zu erhaschen. Wenn zwei in einer Beziehung interagieren, gleicht das einem chemischen Experiment, in der Reaktion entsteht alles mögliche, Hitze, Rauch, Feuer. Aber ohne Kommunikation entsteht niemals ein brauchbares Produkt.

Gute Bergsteiger können eine Sachlage analysieren und einschätzen. Die Meister der Disziplin haben dazu ein Bauchgefühl, eine Art siebter Sinn, der immer wieder unmögliches vollbringen lässt. In der Beziehung entspricht das vielleicht der Kunst des Paradoxen: sich auf den andern verlassen, ohne sich auf ihn zu stützen; sich binden, ohne sich zu fesseln; stolz sein, zu sich stehen und zugleich demütig, auch mal nachgeben, Dinge loslassen.

Hab ich noch was vergessen? Ach ja, man muss es natürlich wollen. Nennen wir es Liebe. Wer dazu nicht bereit ist, der kann die ganze Klettertour auch am Fernsehen verfolgen. Aber letztlich guckt man dabei in die Röhre.

91 Kommentare zu „Die Mechanik des Zweierglücks“

  1. Lea sagt:

    Die Ultima Ratio der Beziehungsmechanik ist der oder die True Companion.

  2. Auguste sagt:

    hmm…, max, in einer freiheitlichen gesellschaft wie der unsrigen (selbst iran ist keine völlig konformistische und inszenierte Oeffentlichkeit) ist es fast unmöglich, dass die indivduelle Vernunft die kollektive Vernunft übertreffen kann. beispiel: wenn einer denkt, alle ausser ihm sind idioten, ist es meist genau umgekehrt. gute beispiele sind auch die letzten armeeunfälle an der jungfrau und auf der kander. im streng hierarchischen und testosterongeladenen umfeld, wie es das militär nun einmal darstellt, führte die individuelle “vernunft” des bergführers/kommandanten bei der lagebeurteilung ins verderben.

    die kollektive vernunft konnte gar nicht spielen. wären die beteiligten zivilisten gewesen, hätte mit grosser wahrscheinlichkeit die gruppe, die es als zu gefährlich einstufte, nicht daran teilgenommen und die unentschiedenen hätten sich eher den zweiflern angeschlossen, was wahrscheinlich zum abbruch des unternehmens geführt hätte.

    was die qualität der eigenen anschauung angeht, ist diese nur soviel wert, wie die inputs die zu ihrer formung führen. beschränkte inputs = beschränkte anschauungen = geringe vernunft = ungünstige voraussetzungen für erfolgversprechendes handeln. nicht unbedingt meine idee eines rezeptes für richtige männer – von gipfelstürmern ganz zu schweigen.

  3. Lea sagt:

    Hu! Winnie the Touche Bag hat gesprochen. Beim Manitou.

    Richtige Männer haben eine Östrogen-Allergie.
    Richtge Frauen eine Testosteron-Allergie.

    Allergische Reaktionen sind dramatisch.
    Deshalb gibt es seit tausenden von Jahren Dramas.
    Seit der Erfindung von Antihistaminen sterben die Dramatiker aus.

    Sappho demonstriert dafür, dass endlich auch Antihertamine erfunden werden.

  4. Auguste sagt:

    @ lea

    hmm…, seit wir definitiv wissen, dass man dabei das augenlicht nicht verliert….what’s the big deal?

  5. Urs Luescher sagt:

    Beziehung, hmmm, den Begriff finde ich im Kontext des Blogeintrages von Michele Binswanger einfach zu beliebig. Man kann zu allem Möglichen eine Beziehung haben. Ich habe auch eine Beziehung zu meinem Kühlschrank, stecke ich regelmässig etwas rein, bekomme ich auch regelmässig etwas zurück (manchmal auch knapp über dem Datum….).

    Partnerschaft dünkt mich da der treffendere Ausdruck für das was der Blogeintrag aussagen will. Vielleicht ist es ja nur Haarspaltereri, oder der inflationäre Gebrauch dieses schwammigen Begriffes “Beziehung” in der Gesellschaft der mich stört. Und wenn dann noch das adjektive “funktionierende” dazukommt, dann denke ich halt wieder an den Kühlschrank. Geht viellieicht nur mir so. Keine Ahnung.

  6. Lea sagt:

    …augenlicht nicht verliert… ??????????????????????????????

  7. Auguste sagt:

    hmm…, wenn man masturbiert…

    aber wie schon gesagt, schön das sie noch leben und langsam wieder zu alter form zurück finden.

  8. Lea sagt:

    schön das sie noch leben> was soll das denn?

  9. Sam sagt:

    Meine Beiträge mögen belanglos sein und mitunter sogar zu erbrechen führen, aber wenigstens sind sie zum Thema.
    Ich bin auch daran interessiert was andere denken was denn eine gute Partnerschaft ausmacht und nicht daran wer denn längsten und grössten hat.
    Aber wenn ihr euch lieber darüber ereifert, so sei es…

  10. Maria sagt:

    Ich krank, du krank, ein Kind krank, Kühlschrank leer. Oma, Opa, Nachbarn, alle sind weg. Wer soll die Arbeit übernehmen?
    Natürlich die stärkere Person: die Mutter.
    Die Männer organisieren viel, am Ende gewinnt die Natur. Was bringt mir die Kommunikation wenn die Männer in Krisensituationen nicht helfen können?

  11. zysi sagt:

    @auguste
    lasse dein groupie von mir grüssen; namedroping auf neue art und weise – nun folgt also namefinding N°2 ? :-)

    frage:
    armee, unfälle – wenn zivilisten dabei gewesen wären, dann alles gut ?!?!
    auch schon nachrichten gehört z.b. vom Diemtigtal, also nicht unbedingt WK Ubg ???
    neuer versuch angebracht….

    @urs(frigo war top!), sam

    vielleicht liegt auch daran, dass beziehung wie partnerschaft einer ehe nicht das wasser reichen können

  12. zysi sagt:

    @sam

    fünf sprachen der liebe, kann ich empfehlen

    gary chapman / 8. Auflage
    Taschenbuch: Flexibler Einband
    Sprache: Deutsch
    ISBN (13): 978-3-86122-621-5
    ISBN (10): 3861226219
    Erscheinungsjahr: 2006
    Umfang: 155 Seiten

    @maria

    mit der haltung ich kann nichts dafür reicht effektiv nicht weit warum nicht: aber, ich kann was dagegen tun

  13. Auguste sagt:

    @ zysi

    hmm…, wenn es die umstände verlangen, aber ursprünlich hatte ich das schon das letzte mal nicht im sinn. ich wusste das vorher auch nicht, aber ein cyber-hug fühlt sich überraschend gut an.

    zur ihrer frage: ich deponiere später eine antwort im “jenseits der stille” thread. der ist nach dem “steiner-gefecht” ziemlich ramponiert und definitiv ein ort “jenseits der stille” geworden. kein schlechter platz für off-topic dialoge also. Besonders in diesem fall und in anbetracht, dass auch schon das ursprüngliche thema zu einigen “militanten” voten geführt hatte.

  14. heidi reiff sagt:

    @ Sam

    Da haben Sie mich gründlich missverstanden, ich nerve mich nicht ab verwöhnten Wohlstandsbubis, nerve mich ab Müttern, die nicht loslassen können. Meine Kinder sind längst erwachsen. Mein ältester Sohn lebt in einem Heim für behinderte Erwachsene als Behinderter und wird liebevoll betreut. Eine gute Aussage gibt es von Kalil Gibran – Deine Kinder sind nicht deine Kinder –

    Ich habe da echt Mühe mit Heldentumgeschwätz. So wie ich das ab und zu noch so mitkriege, Sisiphusmanien sind da noch recht verbreitet, kennen Sie die Geschichte aus der griechischen Sage ?

    Jeder Mensch hat seine eigenen Makken auch ich. Erwartungshaltungen sind immens gross, was Beziehungen anbetrifft, er oder sie macht mich jetzt zum glücklichsten Menschen der Welt. Ich musste Schritt für Schritt lernen einmal Nein zu sagen. Jeder Mensch hat ja seinen eigenen Hintergrund. Ich habe meine Kinder nach meinen Möglichkeiten frei erzogen, meine Entscheidung war, meine Kinder sollen besser haben als ich.

    Um gesellschaftlich akzeptiert zu sein galt früher Familie zu haben mit möglichst vielen Kindern. Ich kenne einige Menschen die sich entschieden haben das eigene Leben einfach anders zu gestalten,

  15. zysi sagt:

    @auguste

    verzichte dankend auf ihre ausführungen

  16. Auguste sagt:

    hmm…, keine ursache, dann hat mich ihr “frage:” dazu verleitet, ihre fragen nicht als rein rethorisch anzusehen.

  17. zysi sagt:

    @auguste

    ja, gut(e)-menschen teilen sich gerne mit; auch ungefragt

  18. Auguste sagt:

    hmm…, basiert nicht ein wesentlicher teil ihrer weltanschauung auf den worten so eines? sie schlagen salti heute.

  19. Brunhild Steiner sagt:

    @Auguste: das war gar nicht so übel um 14.31,
    wenn es Sie nicht irritiert, rufe ich zum Rendezvous jenseits der Stille…, ich geh schon mal voran;-)

  20. zysi sagt:

    @auguste

    wir meinen den gleichen und verstehen ihn jedoch anders; sie als gutmensch – ich als das war er beschrieben wird und erlebt werden kann
    dabei können nebst einfachen saltis auch doppelte- und rückwärts-saltis stattfinden – aus dem blicke des betrachters

    schauen sie, ich will nicht den menschen gefallen um des gefallens willen – wobei echte hug’s eben vorzuziehen sind, weil untäuschlich

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