Leben


Nicole Althaus am Montag den 15. Februar 2010

Schlafmangel macht Kinder dumm und dick

Sogar eine halbe Stunde weniger Schlaf pro Nacht hat einen Einfluss auf die Schulleistungen der Kinder

Jede verlorene Stunde Schlaf hat einen Einfluss auf die Schulleistungen der Kinder.

Schlaf ist ein Dauerbrenner in Gesprächen unter Eltern: Am Anfang tut man alles dafür, dass das Baby oder Kleinkind endlich ein- und durchschläft. Dann muss man sich plötzlich anstrengen , um den Teenager morgens noch wach zu bekommen. Es gibt unzählige Untersuchungen zum Babyschlaf und längst weiss man auch, dass das Schlafbedürfnis von Teenagern sich ändert, dass sie morgens mehr Melatonin ausschütten als Kinder und Erwachsene und deshalb ein früher Schulbeginn, wie in der Schweiz, nicht leistungsfördernd ist. Eine brandneue Studie, die anfangs Jahr im Magazin «Sleep»  veröffentlicht wurde, legt den Eltern nun ans Herz, dafür zu sorgen, dass der Nachwuchs um zehn spätestens im Bett liegt. Denn Jugendliche, die früher schlafen, sind leistungsfreudiger, ausgeglichener und weniger depressiv.

Wenig gekümmert haben sich Forschung und auch Eltern bisher um den Schlaf der ABC-Schützen. Zwischen dem dritten und zehnten Lebensjahr der Kinder fällt der Schlaf plötzlich von der elterlichen Prioritätenliste. Weil die gröbsten Einschlaf- und Durchschlafprobleme inzwischen bewältigt sind und die Kinder das elterliche Schlafensdiktat noch ohne grosses Murren akzeptieren. Doch offenbar schlafen auch viele Primarschulkinder zu wenig. Genauer: Rund eine Stunde weniger als noch vor 30 Jahren. Und das scheint einen dramatischen Effekt auf Intelligenz, Benehmen und sogar die Figur zu haben.

Avi Sadeh von der Tel Aviv Universität hat vor ein paar Jahren die Hirnleistungen von  77 Grundstufenschülerinnen (9- und 11-jährig) und Schülern untersucht. Die eine Gruppe hat über drei Tage rund eine Stunde mehr geschlafen als die andere. Nach der dritten Nacht wurden die Kinder neurobiologisch getestet. Der Leistungsunterschied, der eine Stunde Schlaf ausmachte, war grösser als der zwischen einem 11- und einem 9-jährigen Kind. In Sadehs Worten: «Der Verlust von einer Stunde Schlaf über mehrere Tage setzt die kognitive Kapazität des Gehirns um zwei Schuljahre zurück.»

Sadehs Ergebnisse wurden von jeder neuen Studie bestätigt. Paul Suratt von der University of Virginia zieht nach seinem Test von Schreibleistungen der Unterstufenschüler gar das Fazit: «Schlaf hat auf den IQ von Kindern genau so einen grossen Einfluss wie elterliche Frühförderung». Warum das so ist, erklärt Matthew Walker von der renommierten Berkeley Universität folgendermassen: Das kindliche Hirn speichere im Schlaf das Gelernte ab. Jede Fähigkeit werde in einer anderen Schlafphase bearbeitet: Das Vokabular einer Fremdsprache etwa werde vom Hypocampus in einer frühen, traumlosen Schlafphase abgespeichert, während die Hörerinnerungen in der REM-Phase memoriert werden. Das Problem sei, dass sich heute die Schlafdauer umgekehrt proportional zum Lernstoff verhalte. Das heisst, Kinder müssen immer mehr Stoff bewältigen, schlafen aber immer weniger. Nicht zuletzt, weil sie neben den Hausaufgaben auch noch Musik, Sport und andere Kurse bewältigen. Und die Eltern immer später von der Arbeit zurückkehren.

Doch nicht nur die Noten, auch das Gewicht hängt offenbar vom Schlaf ab: Sämtliche Studien über das Schlafverhalten von Kindern haben nämlich bestätigt, dass Kinder, die länger schlafen, weniger Übergewicht auf die Waage bringen, als Kinder, die weniger schlafen. Ab ins Bett, kann Mutter da nur noch sagen. Und zwar zeitig!

Wie sorgen Sie dafür, dass der Nachwuchs genug schläft? Wie strikt soll die Bettroutine sein? Und wann können/sollen Jugendliche selbst über ihre Schlafenszeiten entscheiden?

89 Kommentare zu „Schlafmangel macht Kinder dumm und dick“

  1. Eni sagt:

    @ Amélie

    Ich ‘zwinge’ meine Kinder auch während der Schulzeit früh ins Bett, aber das sie in der Regel innerhalb 10 Min einschlafen kannn es so falsch nicht sein.

  2. Hihi sagt:

    Am schlanksten bleiben die Kinder übrigens, wenn sie schon vor dem Abendessen ins Bett gehen. ;-)

  3. hans muster sagt:

    ojemine,
    natürlich kann das verwendete studiendesign kausalität nachweisen.

  4. HaegarCH sagt:

    Ich sehe, wir haben alles richtig gemacht. Unsere Kids (16 und 14) müssen um 21 Uhr ins Bett. Am Freitag und Samstag dürfen sie freiwillig (heisst, wann sie wollen) ins Bett, da sie am Samstag und Sonntag ausschlafen. Meine Frau ist Hausfrau und daher zuhause, wenn die Kids heim kommen. Das ist für die Kinder sehr gut und sie finden es auch toll. Vielleicht sollte man schon sich überlegen auf alte Familienstrukturen zurück zugreifen, wobei ich es offen lasse, ob Vater oder Mutter zuhause sein sollte.

  5. mamisu sagt:

    Leider wurde im Artikel nicht erwähnt, wie lange denn ein gesunder Schlaf dauern sollte.

  6. Dr. Bärenthal sagt:

    “Am schlanksten bleiben die Kinder übrigens, wenn sie schon vor dem Abendessen ins Bett gehen. ”
    Lieber „Hihi“ leider liegst Du absolut falsch. Die Ursache warum Menschen, speziell hier angesprochen die Kinder dick werden, liegt nicht an der Zuführung zu vieler Kalorien! Nein! Die Ursache liegt vielmehr in einer Schädigung der „biologischen Maschine“, des Körpers selbst.
    Zu wenig Schlaf, steht direkt in Verbindung mit zu wenig Melatonin, dem sogenannten Schlafhormon der Zirbeldrüse. Was allerdings nur wenige Menschen wissen:<>
    Ja ja die Wissenschaft von heute, daß sind die Irrtümer von morgen. Schon vergessen. Aber zählt mal ruhig weiter Kalorien. Davon leben mehr Menschen als es Dicke gibt (Diäten, Pharma usw.) . Nachhaltig reparieren kann man die Maschine allerdings nur, wenn man die Säuredepots mit Hilfe ausgesuchter Mineralien und Spurenelemente (alles basisch), sowie einer physikalischen Wiederbelebung, des geschädigten Metabolismus, mit Hilfe von wechselnder Erzeugung + und- Ionen im Körper, selbst reaktiviert. So gesehen sollte man es nie soweit kommen lassen. Ausreichend ruhiger Schlaf, einem erholsamen Schlaf, daß ist Reorganisation im Körper. Ein Garant für Gesundheit und langes Leben. Bleiben sie stark!

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