Leben


Michèle Binswanger am Freitag den 29. Januar 2010

Die WEF-Mütter und der Mädcheneffekt

MAMABLOG-WEF-TRIPPLET

Drei Mal WEF: Marion A. Witzel-Pennekamp rührt im Fondue; WEF-Besucherin im Schnee; Joe Ackermann, das Gesicht der Hochfinanz.

Kraft meines Amtes als Gesellschaftsreporterin verbrachte ich diese Woche in Davos, besuchte Veranstaltungen, Events und Galadiners, studierte die kräftigen Kiefer der Wirtschaftskapitäne, lauschte ihren Sorgen und guten Hoffnungen und ernährte mich an üppigen Buffets. Und weil mich an solchen Veranstaltungen meist das Abseitige, Skurrile interessiert, besuchte ich ein WEF- Schlittenfahrt mit anschliessendem WEF-Fondue-Crashkurs im Landgasthof Lengmetta. Ich stellte mir vor, auf einen Haufen gelangweilte Wives and Girlfriends zu treffen, die ihre reichen Männer begleiten und das WEF sonst Käse finden. Die Realität hatte mit dem Klischee aber mal wieder gar nichts zu tun.

Im rustikalen Landgasthof versammelten sich sieben Frauen und ein Mann um drei Fondue-Caquelons, niemand von ihnen ein blosses Anhängsel eines Wirtschaftsbosses, sondern alle selber Player. Es war eine muntere Runde von Journalistinnen, Professorinnen und Unternehmerinnen aus aller Herren Länder: Chile, Slowakei, Frankreich, USA und England. Gemeinsam war ihnen, dass sie alle in ihrem Leben weit gereist sind, in verschiedenen Ländern gelebt und international gearbeitet haben. Und dass alle Kinder hatten. Warum ich das erwähne?

Weil ich glaube, dass Mütter einen Sinn für die basalen Bedürfnisse des Lebens haben und deren Wert schätzen. Es mag simpel scheinen, vor dem Hintergrund eines WEF mit all seinem hochwichtigen Brimborium, seinen Vorträgen und Diskussionsrunden, einen Fonduekurs zu besuchen, wo man sich weder profilieren noch networken kann. Aber es zeigte sich, dass die Gespräche in der Fondueküche genauso gehaltvoll waren wie an irgendeinem anderen WEF-Meeting.

Die Damen lauschten interessiert den Ausführungen über die Geheimnisse des Fonduekochens und machten sich Notizen. Während die Frauen im Fondue rührten, den Kirsch probierten und das Caquelon studierten, unterhielten sie sich über ihre Unternehmen, diskutierten die Veranstaltungen am WEF und sprachen von ihren Kindern. Und immer wieder über den Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Eine Professorin erzählte von einem Entwicklungsprojekt in Afrika, das von einer Studie begleitet wurde. Dabei habe sich ergeben – und ich zitiere jetzt nur die genannte Professorin – dass Entwicklungsgelder, die in Mädchen «investiert» werden, einen nachhaltigeren Effekt hätten als Gelder, die Jungen zugute kommen.

Sensibilisiert von den Diskussionen hier im Mamablog erkundigte ich mich, wie das zu erklären sei. Weil Frauen Kinder kriegten und meistens weitergeben würden, was sie selber bekommen hätten. Gebildete Mütter würden also eher gebildete Kinder hervorbringen, Mädchen und Jungs, derweil die Jungs ihre Erziehung meist nicht an den Nachwuchs weitergeben, sondern anderswo investieren würden. Ein interessanter Gedanke, fand ich. Vor dem Hintergrund des WEF, an dem die Finanz- und Bankenkrise das Hauptthema ist, wird deutlich, dass damit auch Risiken einhergehen.

Vielleicht hat diese Studie recht, wenn man voraussetzt, dass eine sozialere Welt wünschenswert wäre, in der eben nicht nur der kurzfristige Gewinn, sondern auch dessen Nachhaltigkeit berücksichtigt wird. Vielleicht haben Frauen hier den Männern tatsächlich etwas voraus. Und vielleicht hätte auch so mancher Wirtschaftskapitän beim Fondueplausch Sinnvolleres gelernt als am WEF.

62 Kommentare zu „Die WEF-Mütter und der Mädcheneffekt“

  1. Marco Lardi sagt:

    Da habe ich wohl den Nagel auf den Kopf getroffen.

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