
Die Jugend ist kein Picknick im Park. Aber sollten Jugendliche deshalb nicht mehr im Park picknicken dürfen?
Kinder brauchen Strukturen. An dieser nicht besonders originellen Weisheit wird wohl niemand ernsthaft rütteln wollen und ebenso wenig am Faktum, dass es zu den Aufgaben der Familien gehört, diese zu gewährleisten, mit geregelten Mahlzeiten, Betreuung, Erziehung. Wie so oft, zeigen sich die Differenzen erst, wenn man vom Allgemeinen aufs Besondere hinuntersticht, wenn die Phrase lebensweltlich einverleibt, verschlungen, verdaut ist. Dann zeigt sich, wo die Kacke am Dampfen ist.
Zum Beispiel in Basel. SVP-Mann Roger Stalder forderte nämlich jüngst Bussen für Eltern, die ihre Kinder mittags unbeaufsichtigt lassen. Nachdem Eltern hier schon gebüsst werden können, wenn ihre Kinder unausgeschlafen oder ohne Frühstück zur Schule kommen, erscheint dieser Vorstoss als erneuter Angriff der «Law and Order»-Fraktion auf die individuelle Gestaltung familiärer Strukturen. Mit pawlowscher Zuverlässigkeit meldete sich denn mit Sebastian Kölliker auch bereits die SP zu Wort und verkündete, der Vorschlag sei unsinnig. Gerade sozial schwächere Familien müssten eben arbeiten und könnten es sich auch nicht leisten, ihre Kinder ganztägig betreuen zu lassen.
Der Abwehrreflex ist verständlich – auch ich lasse mir in Sachen Kindererziehung nicht gern dreinreden. Schon die Androhung von Bussen für morgens unverköstigte Kinder finde ich idiotisch. Nachdem mir eine Lehrerin aber erklärt hatte, dass sie den Erlass als Ultima Ratio gegen notorisch renitente Eltern sinnvoll findet, begann ich dennoch über Sinn und Unsinn solcher Vorschriften nachzudenken.
Stalders Vorstoss mag fehl am Platz sein, oder nicht. Zumindest provoziert er interessante Fragen. Wie weit müssen Jugendliche noch betreut und wie viel Selbstständigkeit kann ihnen schon zugemutet werden? Und ist es Aufgabe des Staates vorzuschreiben, ab welchem Alter Teenager den Mittag eigenverantwortlich gestalten können? Mit Vorschriften, die die Eigenverantwortung der Eltern bevormunden?
Auf Nachfrage erklärte Stalder mir seinen Standpunkt folgendermassen. Es ginge ihm um Jugendliche im Alter von 10-14 Jahren, die, von überforderten Eltern allein gelassen, in Alkoholismus und Jugendkriminalität abzurutschen drohten. Um dies zu verhindern, sollten die Jugendlichen in soziale Strukturen eingebunden werden, etwa einen Mittagstisch, wo sie Ansprechpersonen und Betreuung finden würden. Viele Eltern dächten nur an ihre eigene Freiheit und schöben ihre Kinder gerne ab. Auch das finanzielle Argument zählt für ihn nicht, denn genau dafür bekämen diese Familien Kindergeld. «Das sollen sie auch in ihre Kinder investieren und nicht in einen Flachbildfernseher.»
Kölliker dagegen zweifelt am erzieherischen Wert von Bussen. «Mit Bussen ändert man keine Menschen.» Zwar sieht auch er ein, dass es tatsächlich Eltern gibt, die ihren Nachwuchs sträflich vernachlässigen, aber das seien schliesslich die wenigsten. Nur: Wie bringt man genau diese wenigen dazu, besser für ihre Kinder zu sorgen? «Eltern sollten nicht gezwungen werden, ihre Kinder mittags betreuen zu lassen. Aber sicher sollten allen entsprechende Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.»
Was meinen Sie? Könnte eine staatliche Forderung nach sozialen Strukturen ein Rezept gegen die Probleme mit der Jugendgewalt sein? Oder entspringt die Forderung nach Bussen der bürgerlichen Angst vor dem Kontrollverlust? Bestehen, wie die Linke sagt, einfach zu wenig Angebote und das Problem würde sich von selbst lösen, wenn diese gewährleistet würden?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Naja, zysi tönt halt irgendwie wie “sissy”…
schein und sein oder besser ton und sein hast du noch vor dir mein mia(u)-bysi
Don’t worry, mia, der Typ kennt die Welt halt nur aus dem Blickwinkel einer Albisgüetlirede und reagiert hier nur den Frust ab, der von der zwangsläufigen Diskrepanz zur Realität entsteht.
immerhin böte dieser blickwinkel einwenig distanz zur fiktiven blogwelt, gäu renéééééé
Hat man euch ins Hirn gekackt?