Kürzlich bin ich auf einen Fotoband gestossen, der Aufnahmen von Vätern und Söhnen zeigt. Hemingway ist darin zu sehen, wie er mit Sohn Gregory auf einem Floss liegt, daneben Jagdgewehre. Oder Picasso, der hinter Claude sitzt und Faxen macht. Auch viele unbekannte Paare sind abgebildet, sie unterscheiden sich nicht von den prominenten. Sie alle transportieren das unglaubliche Glücksgefühl, einen Sohn zu haben.
Väter – auch das zeigen die Aufnahmen – posieren mit ihren Söhnen stärker, als es Mütter tun. Es ist, als ob wir sogar während der Kurzdauer eines Schnappschusses versuchen, unsere Rolle zu definieren. Etwas, das zunehmend kompliziert wird, nicht nur fototechnisch. Vorbei sind die Zeiten, als der selten in Erscheinung tretende Papa seinem Sohn durch Aufzählen aller Fussballweltmeister Eindruck machen konnte. Während Mütter meist Mütter sind und Kinder Kinder, ist der Vater heute Lehrmeister und Freund, dann wieder Beschützer oder Rivale. Und häufig, etwa beim Carrera-Plausch, auch bloss Primus inter pares.
Trotzdem! (und auf die Gefahr hin, als Hinterwäldler zu erscheinen): Ich habe mir als erstes Kind einen Stammhalter gewünscht. Vor allem, weil mir vor der Elternschaft bange war und ich in pränataler Naivität das Gefühl hatte, ein männliches Baby besser bewältigen zu können. Immerhin, dachte ich, ist es ein Mann, eine Art Kumpel also. Inzwischen haben diese diffusen Überlegungen konkreten Empfindungen Platz gemacht: Stolz natürlich, aber auch dem mir bisher unbekannten Gefühl, einen Geschlechtsgenossen zu lieben.
Die Geburt meines Sohns hat auch die Beziehung zu meinem eigenen Vater verändert. Seit ich weiss, wie viel Zeit er in mich investiert hat, bin ich ihm gnädiger gestimmt. Und über meinen Sohn erlebe ich vergessene Kinderjahre wieder: So wie ich ihn verhätschle, muss mein Vater mich verwöhnt haben. Mitsamt Grimassen und grotesker Babysprache – eine spezielle Vorstellung. Wer weiss, vielleicht gilt meine Zärtlichkeiten ja nicht nur dem Sohn, sondern auch meinem Vater. Jedenfalls wird der Raum, wenn wir drei zusammen sind, von einer genealogischen Wärme und Richtigkeit erfüllt.
Ganz unarchaisch gehts natürlich nicht. In dunklen Sekunden frage ich mich kindischerweise, ob mein zweijähriger Sohn einst grösser – und vor allem stärker – sein wird, als ich. Vielleicht, weil ich es als Achtjähriger nicht erwarten konnte, erwachsen zu sein – um dann meinen Vater zusammenzuschlagen. Dies, nachdem er mich nicht an ein Fussballturnier lassen wollte. Aus erzieherischer Notwendigkeit – oder war doch ein bisschen Neid im Spiel? Die welkende Pracht des Erzeugers? Schon bei den alten Griechen stürzte ja Kronos seinen Vater, um danach seine eigenen Kinder zu fressen, auf dass ihm nicht dasselbe widerfahre. Doch eins davon, Zeus, entkam, kehrte als Erwachsener zurück und tötete Kronos.
Das mag nicht jede Vater-Sohn-Beziehung erklären. Aber vielleicht, wer weiss, Hemingways Jagdgewehre.
Philippe Zweifel, 36, ist Kulturredaktor bei Newsnetz und Vater eines Sohnes. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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grööhl, diese Kommentare sind Realsatire… ewig diese Geschlechtervergleicherei bringt doch grad gaaar nix. Über diese Phase sollte die zivilisierte Menschheit hinweg sein, die Geschlechter sind halt unterschiedlich, Männer gehn ins Militär, Frauen werden schwanger, so ist’s halt nun mal.
Ich freu mich jedenfalls über meinen Sohn und freu mich auch, falls es mal eine Tochter gibt. Vorteil beim Sohnemann: Die Geschenke an ihn kann ich auch gebrauchen (Carrera, ferngesteuertes Auto etc.), wenn ich denn darf.
Rüüüülps und Prost.
erlebe all’ diese vater-sohn-momente auch mit meiner tochter – die ist bubenhafter unterwegs als so mancher ihrer männlichen altersgenossen in der nachbarschaft (die oft keine ahnung haben, wie man mit pfeil und bogen umgeht, ein taschenmesser nicht benutzen können (weil’s mutti nicht erlaubt) und keinen nagel gerade einhämmern können…)
Angesichts dieser tatsächlich archaischen, längst überholt geglaubten Äusserungen, welche das männliche Glück im Gewehr, im vereinten Jagen (wonach eigentlich?) sehen, bin ich froh, dass ich von meinem Vater nicht viel gesehen habe. Das hat mir die Gefahr erspart, so einen Mist am Ende noch meinen Kindern weiterzugeben. Für die Männer, die es noch nicht gemerkt haben: Die Geschlechter nähern sich einander in ihrem Verhalten mehr und mehr an, auch wenn wirkliches gegenseitiges Verstehen immer noch eher selten gelingt. Das andere Geschlecht als Mysterium gleichberechtigt als solches stehen lassen zu können und anzunehmen, wäre sicherlich der befriedigendere Weg, als aus Unverständnis das eigene Geschlecht zu glorifizieren und überholtes Machotum hochzuhalten.
let the boys be boys…
Es gibt diese tiefe, archaische Beziehung zwischen uns Männern. Leider hat sie lange einen schlechten Beigeschmack gehabt, weil wir uns gegenseitig offenbar nur als Konkurenten gegenüberstanden. Ich bin froh, dass die Zärtlichkeit und Liebe immer mehr Raum einnehmen.
Interessant was aus Söhne von archtypischen Modell Vätern à la Hemingway wird und wie tragisch sie enden:
Das sind wirklich schöne Bilder! Die Vater-Sohn Beziehungen, die ich kenne zeichneten sich meist dadurch aus, dass die Söhne versuchten den Vätern nachzueifern. Die Angst den eigenen Vater zu enttäuschen oder nicht seine Fußstapfen ausfüllen zu können war oft Antrieb.
“genealogische Wärme und Richtigkeit” ist herrlich… lol
eine Anmerkung:
Ist nun das Bild des wohlwollenden zärtlichen Vater und der harmonisierenden Darstellung dieser Vater Sohn Beziehung nicht doch zu sehr verklärt. Der Autor scheint durch die Begurt des Sohnes dem Vater gnädiger gestimmt. Doch es bleibt aus wieso er dem Vater nun gnädiger gestimmt sei und dies früher vermutlich nicht so war.
Also insgesamt doch eine verkürzte Vater Sohn Beziehung, die im übrigen auch im Bild von Hemingway und seinem Vater eben alles andere als harmonisch ist, sieht mann die Geschichte des Sohnes an. Konkurrenz, Gewalt, Zerstörung, Neid und Eifersucht seien hier als wichtige zentrale Kräfte genannt, die die Beziehung zwischen Vater und Sohn immer wieder aus dem Lot bringen können oder eben auch eine dynamisierende Wirkung haben. Eigentlich sind die Väter ja schon längere Zeit in einer Krise zwischen traditionellen Rollenbildern und nicht mehr vorhandenen Frauen, die eine Ergänzung zu diesen Bildern wären. Die Krise der Männer spiegelt sich ja auch in den abwesenden weil geschiedenen von ihren Frauen und Kindern getrennten Vätern.
Herrgottnochmal. Wäre es einmal, ein einziges mal möglich dieses Forum hier nicht für irgendwelche klischierten links-vs.-rechts-Diskussionen zu missbrauchen?
Es ist doch wirklich langsam verdammt peinlich. Auf der einen Seite sitzen “konservative” rechte, auf der andern “anti-authoritäre” Linke und seit ca. 100 Blogeinträgen erscheinen die gleichen Vorwürfe.
Patriarchismus vs. Emanzipation, Staat vs. Eigenverantwortung, Kontrolle vs. Vertrauen, …
In jedem zweiten Post wird ein pauschalisierender Rundumschlag gegen eine x-beliebige Bevölkerungsgruppe vorgenommen, die im spezifischen Fall gerade als Sündebock für gefühlte(oder tatsächliche) Missstände hinhalten müssen. Die Rechten könntens sowieso besser als die Linken, weil die machen alles falsch und haben keine Ahnung; und die Linken könnens sowieso besser als die Rechten, weil die sind ja alles patriarchale faschos, … Am besten würzt man das ganze noch mit ein paar Beleidigungen–ja Herr Strasser, hier dürfen unter anderen vor allem Sie sich angesprochen fühlen.
Und jede Seite meint sie habe die Weisheit mit Löffeln gefressen. Könnten die frustrierten Menschen, die meinen jeden Problempunkt den sie in ihrem Leben oder der Gesellschaft sehen bitte mal damit aufhören alles den sog. linken oder rechten in die Schuhe zu schieben? Diese ganze Vorwurfs-Kultur, die hier von einigen Diskussionsteilnehmern gepflegt wird, entbehrt jeglichem Diskussions-fördernden Gehalt und legt nicht selten eine eklatante Unwissenheit bzgl. wichtiger Fakten an den Tag.
Darf ich um etwas zivilisierte Konversation bitten?
Vielleicht sollte mal ein Grundkurs in sachlicher Diskussion besucht werden. Stichworte Behauptung, Begründung, Beleg. (thèse, anti-thèse, synthèse, …)
Erfahrungsberichte zum Thema finde ich übrigens schön, danke an alle die hier private Erlebnisse teilen. Nur schade, dass jedes mal ein irgend eine frustrierte Person ihre bissigen beleidigenden Anmerkungen anbringen muss.
Bitte Männer,dazu hätte ich gerne Eure Meinung:wie dringend ist ein Vater,der Leibliche,wohlgemerkt!!!…wenn der Vater seine Vergangenheit verschwiegen(im Gefängnis für 10 Jahre,wegen Beteiligung am bewaffneten Banküberfall mit Geiselnahme)und,was nicht möglich zu verschweigen war,gänzlich anders dargestellt hat.Der sich jahrelang nicht wirklich um die Kinder gekümmert hat,erst einmal gar keine Zeit hatte,wo man immer hinterher sein musste,dass er überhaupt mal Zeit aufbringt;und dann danach für Monate,ohne Kontaktmöglichkeit verschwindet,dann für 2Tage kommt,um sich bei den Kindern unvergesslich zu machen,um gleich darauf wieder monatelang zu verschwinden.und das Ganze nicht nur einmal,sondern genauso im Abstand von 5,5,8 und zuletzt 10 Monaten.Dann auch nur zurück aus dem Ausland,aus gesundheitlichen Gründen,und nur deswegen hier geblieben,weil er mit einem Bekannten,selbst als stiller Teilhaber(Konkurs mit Restaurant),ein Baugeschäft in Dänemark betreibt.Der noch nie freiwillig für die Kinder gezahlt hat,obwohl er immer mindestens 2800 netto(weil zum grossen Teil schwarz)verdient hatte.Der ,seitdem ein neuer Partner im Leben der Mutter(nach fast 3!!!Jahren)ist,versucht,erst über Bedrohung der Mutter,später über Gericht mit 1000 Lügen,die geglaubt werden,”da Mütter ja per se nichts anderes tun,als die Väter schlecht zu machen und von den Kindern fernzuhalten:o-Ton,Anwältin,JugendamtAnwältin für die Kinder)hätte die Kinder so gerne rausgehalten,der Kleine war zu dem Zeitpunkt 4,der Grosse gerade in die Schule gekommen…Der Vater intrigiert,hetzt die Kinder auf,hält sie zum Lügen an(sagt das nicht..)erzählt ihnen,er hat früher Autos aufgebrochen,eine Pistole besessen,an Seancen teilgenommen,um mit seinem toten Bruder zu reden…lässt sie Horrorfilme gucken(jetzt 6 und9)sämtliche Männerfilme,ab 12,16,18,selbstredend zu Zeiten und auf Programmen,wo um die Zeit auch Sexwerbung läuft…Ach ja,seinen Kokainkonsum hätte ich fast vergessen,und er hat auch gedealt im Restaurant,Angestellte mit Pistole bedroht,die er ,ohne zu bezahlen rausgeschmissen hat…Das Letzte,was der Grosse bei ihm im Fernsehen gesehen hat:Rambo3,danach Spiegel TV-Chemie des Todes-Mordanalyse im Labor…wobei Szenen realistisch nachgestellt wurden…und der Vater die Bemerkung zu seinem Sohn machte:”davon kannst Du etwas lernen”-was,hat sich mir nicht erschlossen.Das Kind sagte zu mir:”Mami,wie kann ich das wieder vergessen,das war gruselig…”lief im Übrigen auf VOX,fing nachts um 00.05 an ging bis ca.4.30(haben nicht bis zum Schluss geguckt)Also,das ist nur ein echt kurzer Abriss von einer Endless Story(ach ja,der Vater hatte dem Kind,dem Grossen,auch schon direkt aufgetragen,die Mutter und ihren neuen Partner,mitdem die Kinder bis dahin verstanden,zu ärgern.aus einem wunderbaren,fantasievollen Jungen ist inzwischen ein agressiver,verhaltensauffälliger Junge geworden,der in der Schule auch noch von der Lehrerin getriezt und von grösseren Jungen verprügelt wird.Euch ist sicher klar,das für alles,die Mutter verantwortlich gemacht wird…warte gespannt auf Eure Kommentare,denn ich war nie ein Junge,Ihr könnt das sicher besser nachempfinden…
Mit diesem Thema Vater – Sohn setze ich mich schon längere Zeit auseinander. Ein spannendes Thema und ein Thema, welches eigentlich viel bewusster und viel gezielter in der Öffentlichkeit diskutiert wurde.
Meine Meinung dazu ist klar. Selber habe ich zwei fast erwachsene Söhne und ich bin geschieden. Dadurch hatte ich das Glück, andere Familien kennen zu lernen. Fachliteratur und scharfe Beobachtungen lassen mich wissen, dass eine starke und zärtliche Verbindung zwischen Vater und Sohn zum Entwickeln des Kindes wesentlich beitragen. (Dasselbe gilt auch für Töchter, aber es ist anders.) Die erste Bezugsperson eines Kleinkindes ist neben der Mutter meist gleich der Vater. Der heranwachsende Junge sehnt sich nach männlichen Vorbildern und Mentoren. Der eigene Vater drängt sich ja da gerade auf. Was liegt näher.
Natürlich leben wir in einer Gesellschaft, welche archaische Ideen als weltfremd und altmodisch ansieht. Wider besseren Wissens. Das ist typisch, dass wir Menschen uns nicht mehr als ein Bestandteil der Natur und ihren Gesetzmässigkeiten verstehen.
Für mich sind archaische Modelle die modernsten aller, weil sie zeitlos und universell sind.
Nun zu einigen Beobachtungen, welche diese archaischen Thesen stützen.
Mein ältester Sohn hat ein ausgeprägtes ADS. Mit zehn Jahren war er auffällig und schlicht nicht zu ertragen und beide Eltern waren mit ihm überfordert. Sicherlich hat die sich abzeichnende Trennung sein Verhalten noch verstärkt. Das ist mir klar. Mit einer sorgfältigen psychologischen und medizinischen Abklärung konnte das Trauma von ADS als Ursache ausgeschieden werden. Ihn im regulären Schulbetrieb weiter auszubilden, war nicht möglich. Alle waren überfordert mit ihm. Auch die Lehrer konnten ihn nicht packen und das gängige Schulsystem konnte seinen Bedürfnissen nicht gerecht werden. Mit einem Internat letztlich haben wir für ihn einen idealen Platz gefunden. Hier war zu beobachten, dass seine männlichen Therapeuten seine Vorbilder waren. Er durfte sich mit ihnen freuen, streiten, reiben und messen. In dieser Zeit, als er unter der Woche im Internat war, habe ich ihm immer wieder zu verstehen gegeben, dass ich für ihn da bin und dass ich ihn liebe. In dieser Zeit habe ich seine positiven Schritte gelobt und die negativen wohlwollend kritisiert. In der ganzen Zeit waren seine Augen auf mich gerichtet. Meine Meinung war ihm wichtig und meine Zuneigung hat er gesucht. Die letzten Schuljahre absolviert er wieder in einer regulären Schule. Er ist erfolgreich und versteht sich nicht mehr als Versager.
Dies ist ein gigantischer Erfolg dieses unbeachteten archaischen Modells.
Eine weitere Erfahrung welche meine Überzeugung bestärkt, ist eine Beobachtung, welche ich in einer mehrjährigen Beziehung machen durfte. Der Junge wurde von seinem Vater nicht beachtet. Die Sehnsucht nach seinem leiblichen Vater war sehr lebendig. Jeder Versuch sich dem Vater zu nähern, wurde abgelehnt. Der Junge hat stets seinen Vater als Mentor und Vorbild gesucht, instinktiv. Die Ablehnung vom Vater führte in ein Trauma. Die Spuren sind tief und werden das Leben dieses Kindes beeinflussen und der Schaden wird wohl nie mehr geheilt werden können.
Auch diese Erfahrung zeigt mir, dass das archaische Modell Urinstinkt ist und gelebt werden will.
Der heutige gesellschaftliche Trend Jungs den Müttern und Lehrerinnen zu überlassen wird mittel bis langfristig zu grossen gesellschaftlichen Problemen führen.
Ich bin überzeugt, das jugendliche Männer, welche den Vater nicht mehr vorgelebt bekommen, in eine tiefe Identifikationskrise führen. Alkohol, Drogen und Gewalt werden eine mögliche Auswirkung sein. Vor allem Gewalt. Die Vorbilder sind allgegenwärtig in unsere Multimediawelt…!
Liebe Leserinnen, liebe Leser, ihr seid doch mit mir einig, dass der Vater der realere Held ist, als diese vituellen Traumhelden.
Also, liebe Väter, nehmt euch bewusst wahr, folgt Euren Gefühlen, beobachtet und bildet Euch.
Ihr werdet nebenbei die Erfahrung machen, dass ihr letztlich zu Euch selber finden könnt.
Lieber Hanspeter, ein sehr schöner Beitrag, um die Woche zu beginnen, spricht mir aus dem Herzen!
Hallo Pipi
Danke. Heute abend ist Vater – Sohn das Thema von der Nachwache auf DRS 3. Zufälligerweise habe ich das gerade mitbekommen, dass dies ein Thema sein wird. Ich werde hier ein aufmerksamer Zuhörer sein. Auch wenn es zu später Stunde ist. Wenn es nötig wird und ich durchkomme werde ich meine Geschichte kundtun.
Merci, ich werde auch zuhören.
Ich möchte in meinem zweiten Beitrag noch ein wenig über die Entwicklung der archaischen Rituale in den letzten 300 Jahren sinnieren und würde mich freuen, wenn sich kompetente Menschen dazu auch äussern würden. Vielen Dank.
Einige Bloger finden das archaische Model sei überholt. Insbesondere wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass sich Mann und Frau immer wie mehr angleichen. Das geht in vielem aber nicht in allem. Geschlechtsspezifische Unterschiede werden bleiben und das archaische ist ein Teil davon. Dies bewusst zu sehen und mit dem richtig umzugehen, das ist unsere Aufgabe.
Nun zur Geschichte:
Die erneute Emanzipation der Frau begann Anfang des 20 Jahrhundert. Die Frauen markierten ihr Recht auf Selbstbestimmung immer wie klarer und wollten auch Verantwortungen übernehmen, welche sich der Mann selbst zu Eigen gemacht hatte und forderten von ihm Verantwortungen zu teilen oder gar abzugeben.
Der Mann aber hatte die Emanzipation schlicht weg verschlafen und wacht erst jetzt allmählich auf.
Moderne Männer heute helfen zwar mit in der Kindererziehung, nehmen Aufgaben im Haushalt wahr und ermöglichen der Partnerin auch am Erwerbsleben teilzunehmen. Das ist sehr zu loben.
Machen wir aber einen Schritt zurück in der Geschichte. Bevor die Dampfmaschine erfunden wurde, musste eine Familie Hand in Hand arbeiten um ihr finanzielles Überleben zu sichern. Die einen hatten ein Kleingewerbe wie eine Schmiede, Gerberei, Seilerei und die meisten ernährten sich mit den Erzeugnissen ihrer Landwirtschaft. In dieser Zeit konnten die meisten Kinder rund um die Uhr um Mutter und Vater sein. Es lag in der Natur der Sache, dass die Männer sich der körperlich härteren Arbeit annehmen mussten. Die Rollenteilung wurde schon aus existenziellen Gründen nicht in Frage gestellt. Ich möchte nur daran erinnern, dass viele alleinerziehende Frauen damals mehr als nur gefordert waren. Die wenigen, welche die physischen Kräfte dazu besassen und ihren unbändigen Willen zum Überleben zum Ausdruck brachten wurden meist verteufelt. Dies schildert Jeremias Gotthelf in „Der Schwarzen Spinne“ eindrücklich.
Die Kinder und die Kindererziehung musste geteilt werden. Die Jungs waren meist mit dem Vater auf dem Feld oder auf der Jagd und die Mutter und Töchtern haben sich um die körperlich einfacheren Arbeiten gekümmert und zugesehen, dass sie abends den erschöpften Männer etwas zu Essen anbieten konnten. Zu dieser Zeit mussten die archaischen Modelle gelebt werden und wurden fortlaufend im Alltag unterrichtet. Es gab keine andere Wahl.
Mit der Industrialisierung brach auch ein neues Zeitalter an. Tausende von Männern liessen sich von geldgierigen Patriarchen einstellen. Der Arbeiter wurde erfunden. 16 Stunden Arbeit pro Tag und mehr war die Regel. Zuerst konnten Frauen und Kinder zu Hause bleiben. Aber auch diese Ressource wurde bald einmal Opfer von einer rasanten wirtschaftlichen Entwicklung. Bitteres soziales Elend brach über die Arbeitenden aus. Alkohol und Gewalt vor allem im Häuslichen haben die Industrialisierung geprägt. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts kam es zu sozialen Unruhen. Mit Gewalt und Demonstrationen versuchten sich die Arbeitenden und Unterdrückten aus dem Elend zu befeien und haben das auch im Laufe der letzten 100 Jahre mehr weniger geschafft oder das Problem in erträgliche Strukturen gelenkt. Dank Maschinen und der aufkommenden Elektrizität und Mobilität konnte man die Arbeit auf weniger Menschen verteilen. So blieben Kinder und Frauen zu Hause und die Mütter kehrten wieder in ihre ursprüngliche Rolle zurück. Sie besorgten das Haus und den Garten. Etwas aber hatte sich zur Vorindustrialisierung geändert. Die Kinder waren während den sehr langen Arbeitstagen des Vaters nur noch bei ihrer Mutter und bekamen ihren Ernährer fast nie mehr zu Gesicht. Der Sonntag wäre die einzige Gelegenheit gewesen. Viele Väter waren dann zu müde oder zu besoffen, um sich noch ausgiebig mit ihren Liebsten zu beschäftigen. Die Mutter wurde schon damals zur einzigen noch existierende Bezugsperson im Leben der Kinder. Einige gebildete Frauen fingen zu Beginn des 20. Jahrhunderts an, dieses System zu hinterfragen und forderten die Gleichberechtigung. Damit begann die Emanzipation des weiblichen Geschlechts. Der Mann aber verpasste genau diesen Zeitpunkt und konnte nicht mithalten. Einige Männer haben dies in den achtziger Jahren entdeckt und wollen dem Wachstum folgen. Dieser Trend wird nicht mehr zu stoppen sein Darüber freue ich mich und es ist nötig.
Immer wie mehr drängen uns die Bedürfnisse wieder zurück zur Gesellschaft der Vorindustrialisierung mit angenäherten und zeitgemässen Strukturen. Beide beteiligen sich am Sichern der Existenz und an den anfallenden Arbeiten rund herum und folglich bekommen auch die Kinder wieder mehr vom Vater Doch etwas wird wiederum fehlen: das Wissen um archaische Strukturen und nicht zuletzt auch Rituale. Vor diesen wurden die Heranwachsenden von ihren Mentoren, Vätern und Müttern über die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, Frauen und Kinder aufgeklärt, Spiritualität vorgelebt und ausserdem zur Achtung der Schöpfung erzogen. Mit einem Initiationsritual wurde vor allem jungen Männern diese Verantwortung übertragen. In der protestantischen Kirche haben wir heute noch Reste einer Initiation: die Konfirmation. Zu meiner Zeit war sie noch eher ein Zeichen des Übergangs vom Heranwachsenden zum Erwachsenen als heute. Wie es in den andern Kirchen ist, weiss ich nicht. Ansonsten weiss ich nicht, dass es hier solche Formen gäbe. Nur wenige Männer gehen heute auf die Suche nach diesem verlorenen Schatz und geben ihre Lebenserfahrungen an ihre Nachkommen in Gesprächen unter vier Augen weiter. Es ist eine Herausforderung diesen Weg zu gehen und das Wissen muss erarbeitet werden. Die bewusste Übergabe der aufgezeigten Verantwortungen, Rechte und Pflichten eines Mannes, der Weg zur Spiritualität und zu sich, könnte unsere Gesellschaft nachhaltig verändern .
Die nachhaltige Änderung der Gesellschaft beginnt bei mir, bei jedem einzelnen und kann nicht gefordert werden. Nur das überzeugte Vorleben wird Nachahmer finden und wird dieses Bewusstsein Schritt für Schritt in unsere Gesellschaft einfliessen lassen.