Michèle Binswanger am Mittwoch den 20. Januar 2010

Die Single-Mutter-Schlampen-Falle

MAMABLOG-WINIGER-STRIPPERIN-01

Melanie Winiger im Film «Love made easy», 2006. Die Schauspielerin mimt eine alleinerziehende Mutter und Stripperin.

Meine beste Freundin hat alles, was Frauen sich normalerweise so wünschen. Sie ist attraktiv. Sie hat ein Kind. Und sie ist single, wobei sie sich mit dem Kindesvater das Sorgerecht teilt. Drei Tage die Woche wohnt die Tochter bei ihr, zwei Tage beim Vater, die Wochenenden alternieren. Das lässt meiner Freundin viele Freiheiten. Perfekt, finde ich. Paradiesisch. Aber weil der Vertrag mit der Welt, gemeinhin Leben genannt, vornehmlich aus klein Gedrucktem besteht, hat meine Freundin auch ein Problem.

Nicht etwa, weil sie kurzsichtig wäre – denn dafür gibt es Brillen und auch Brillen stehen meiner wirklich bezaubernden Freundin ausgezeichnet – ganz im Gegenteil. Sie sieht fast schon zu klar, was ihre Situation betrifft. Aber lassen Sie mich kurz ausholen.

Abends treffen wir uns oft auf einen Tee. Dann sitzen wir in ihrer oder meiner Küche, und reden über unsere Arbeit, das Leben. Und weil die Männer meine Freundin mögen (die, wie erwähnt, rasend gut aussieht), und sie Männern auch nicht grundsätzlich abgeneigt ist, reden wir natürlich auch darüber.

Obschon jede Situation ihre Tücken hat, erscheint mir die ihrige nahezu ideal. Meine Freundin aber sieht klar genug, um Idealen zu misstrauen. Ihre Abenteuergeschichten bestehen zu einem grossen Teil aus Strategien zur Geheimhaltung selbiger. Wenn der Vorhang fällt, ich begeistert applaudiere und Zugabe verlange, schüttelt sie, statt sich zu verbeugen, oft wehmütig den Kopf und legt ihre wirklich hübsche Stirn in Sorgenfalten.
«Ach komm», sage ich dann jeweils. «Du kannst tun, was du willst, das geht niemanden etwas an.» Aber sie sagt: «Hast du eine Ahnung. Als Single-Mutter landest du so schneller in der Schlampen-Falle, als du das Wort denken kannst.»

Lange blieb mir ihr Problem schleierhaft, vielleicht, weil ich es immer nur aus dem Zuschauerraum betrachte. Denn wohl ist es immer noch so, dass sexuell aktive Frauen generell verdächtiger sind als Männer. Aber mit zunehmendem Alter und Selbstbewusstsein verliert dieses Problem an Schärfe. Und warum sollten Mütter mit anderen moralischen Ellen gemessen werden, als Frauen ohne Kinder? Und sowieso: Gilt das eigentlich auch für Väter?

Als ich dann jüngst mit meiner umwerfend schönen Freundin durchs Quartier spazierte, ging mir plötzlich auf, was sie meinte. Mütter von Schulkameraden unserer Kinder winkten uns auf der Strasse zu und plötzlich wurde mir klar, wo der Haken liegt. Als Single-Frau ohne Kinder bewegt man sich in dem sozialen Umfeld, das man frei wählt und man ist vornehmlich sich selbst gegenüber verpflichtet. Als Mutter überschneidet sich das soziale Umfeld notgedrungen mit dem des Kindes, dem man nichtsdestotrotz verpflichtet ist. Man wohnt gewissermassen im Dorf der Mutterschaft und unterliegt wohl oder übel seiner strengen Sozialkontrolle. Nun könnte einem das egal sein, wäre das Kind nicht auch betroffen.

Dennoch beklagt sich die Freundin nicht. Vielleicht gibt es einfach kein Paradies ohne Schlampenfalle. Aber wer würde es deswegen missen wollen?

188 Kommentare zu „Die Single-Mutter-Schlampen-Falle“

  1. max sagt:

    @DonClaudio
    Wie bitte? Nach dem Motto “Frauen wollen nur das Eine”?

  2. Rafael sagt:

    ich glaube die Single-Mütter suchen Bestätigung.
    Meistens hat sich ihr Ex, vielleicht ein gutaussehnder “Traumprinz”/oder der gutverdienende “tolle Hecht” doch als Frosch erwiesen.

    Ich kann nur von meinem Deutschland reden. Das Deutschland mit all seinen Maccken. Hier sind sowieso die Hälfte der Ehen nach 3-5 jahren geschieden. Deshalb fragt man gar nicht mehr

    Gruss aus Germanien

  3. Raga sagt:

    Danke für das Mutmachen!! ich habe gerade entschieden, meine Zwillinge als single mama auf die Welt kommen zu lassen und aufzuziehen, in einem kleinen Dorf. Ich denke auch, je einfacher, pragmatischer, selbstbewusster und freudiger ich das machen kann, desto weniger kommen blöde Kommentare. Eben, auf die Kinder zu. Viva la vita, und basta!

  4. Eni sagt:

    @ Raga

    Ich wünsche Ihnen alles Gute mit Ihren Zwillingen. Lassen Sie sich nicht unterkriegen

  5. Nadja sagt:

    *hilfe-hilfe-hilfe*

    Fühle mich zu tiefst bestürzt.

    All diese Vorwürfe und Annahmen bis hin zu Anschuldigungen was Frauen wollen und warum sie nur alles daran tun um sich einen sorry ich spreche die Worte nur aus “deppen” zu finden der als Erzeuger dienst um diesen dann abzuschieben und das “schöne” leben zu geniessen…

    Ich bin bestürzt!!!

    Wiederholt kann ich nur sagen dass es sehr wohl auch noch andere Frauen und Situationen gibt!

    Meine Schwangerschaft war durchaus nicht geplant, aber mir war genauso sehr klar dass ich das Alkohol und Psychische Problem des Vaters als sein Problem belassen wollte dass er in den Griff bekommen muss. Und dass ergo für mich ausser Frage war bis er dieses Problem bzw. überhaupt unter einem Dach zu wohnen. Nein. Dieses Bild, diesen Ärger und auch die möglichen Konsequenzen in einer Beziehung wollte ich meinem Kind partout ersparen.

    Ich sagte zu diesem Leben ja, ergo auch zu der Verantwortung, der Aufgabe und all dem was kommen mag.
    Ich sagte ja dazu dass ich für mein Kind da bin und das bestmögliche aus allen Situationen mache. Dass ich lernen werde aus den Fehlern die ich mache zu lernen um diese nicht zu wiederholen.
    Ich sagte ja dazu dem Vater rein für dieses schöne Geschenk dass er mir machte zu trotz all seiner, unseren oder möglichst noch kommenden Problemen oder Situationen zu danken und Ihn dafür zu lieben.
    Ich sagte ja dazu bestehe noch heute darauf dass mein Kind seinen Vater kennt oder zumindest ihm die Türe offen zu halten dass er seine möglichen Fragen an ihn direkt an die richtige Person wenden kann.

    Mit all dem sagte ich ja zu der ach grosser Verantwortung der Welt gegenüber zu stehen und seine Meinung, sein Tun, seine Freiheit und seine Verantwortung dem Rest der Welt zu vertreten.
    Denn das ist der wahre harte Teil an der Sache.

    Oh nein, meine Herren ich lebte nicht als Nonne bisher, nein.
    Aber mein Verantwortungsbewusstsein verleitete mich dazu nichts zu vermischen.

    Ich wünschte mir nichts sehnlicheres als eine “normale” Familie zu haben.
    Einen Mann, ev. noch einige mehr Kinder, etc.
    Ja dieser Wunsch mit der stetigen täglichen wachsenden Verantwortung- 100% Arbeit, Familie, Haushalt etc.- gepaart mit der Einsamkeit die sich immer wie mehr still und heimlich um das Herz und die Seele geschlungen, langsam gewürgt, die Luft abgeschnürt, haben mich fast zerbrochen!

    Ich bin fast daran zerbrochen an dem Schuldgefühl dass ich mir- heute weis ich es- fälschlicherweise selbst aufgesetzt hatte. Ja, ich hatte mir den Druck aufgesetzt dass ich meinem Kind nicht gerecht bin, also keine gute Mutter bin wenn ich ihm weder einen Vater oder zumindest ein solches Vorbild- mit einem oder mehreren Geschwister geben kann!
    Ich setzte mich selbst derart unter Druck dass ich daran fast zerbrochen bin!

    Heute weis ich dass es ein totaler Unfug ist. Was soll das denn?
    Ich bin eine Gute Mutter in dem ich ihm die Erfahrung seines Psychisch sehr kranke Vater in einem Täglichem Kontakt vermieden habe. Ich bin eine gute Mutter in dem ich nicht sozial Beziehe sondern Arbeiten gehe und jeden Moment den wir haben geniesse.

    Ich musste aber eines Lernen und zwar mir selbst die Freiheit zu gönnen als Frau geliebt zu werden.
    Nicht als Mutter sondern als Frau. So wie ich bin, mich selbst, ganz und gar, mit allen Macken und Tücken. Einfach mich.
    Nur diese Freiheit die ich mir gönne ermöglicht es mir heute eine Partnerschaft zu haben in der ich den Partner nicht mit unterdrückten Erwartungen erdrücke. Mein Kind spürt dass es mir gut geht und blüht selbst auf. Ich bin mich selbst, und wem es nicht passt ist okay. Kein Problem. Lasst mir meine Leben, und ich Eures auch. Und seien wir alle Glücklich!

    Zum Zusammehang mit diesem Blogg:
    Es kommt doch auf die Art an wie sich die Singel Mami selbst in der Gesellschaft und auch in Ihrem Leben sehen will.
    Will Sie der Gesellschaft treu sein und alles tun was diese von ihr verlangt im wohlwissen dass dies so oder so immer in den Einbahnstrasse den diese Erwartungen werden nie ganz erfüllbar sein.
    Will sie jedoch sich selbst sein und wie viele Ihre Entscheidungen und Ihr Leben selbst führen, dann soll sie es auch können! In dem Sie sich selbst treu ist und auch genug Freunde und Unterstützung bzw. einen Energie Auflade Punkt hat wo sie ihre Baterien aufladen kann.

    An alle Männer:
    Auch wenn Ihr gefühlsmässig euch mehr distanziert, so bedenkt mal dass nicht alle Frauen auf Euer Geld oder Samen aus ist.
    Ich habe bis heute- mein Kind ist 5j- keinen roten rappen vom Vater bekommen, gerichtlich wurde sogar entschieden dass ich keines brauche nicht mal von der Gemeinde vorgeschossen. Warum?? weil ich zu viel verdiene…
    Na und? Auch wenn ich es eine Sauerei finde weil ich dieses Geld sei en noch so klein beiseite für mein Kind gelegt hätte, so hält mich dies nicht ab weiterhin einen guten Kontakt zu dessen Vater zu haben. sehr zum ärger meiner engsten Bekannten muss ich zugeben.

    Was ich dem Zwischenmenschlichem Kontakt oder anderweilig Beziehung benannt ist die Ehrlichkeit und Offenheit und die Chance / Freiheit die man dem Partner gibt sich selbst zu sein und sich fallen zu lassen…. Frei zu sein in der Bezogenheit.
    Bezogenheit durch liebe, bezogenheit durch die Kinder. What else?

    Kritisiert nicht auf den Schein, sonder schaut hinter die Fassade, denn dort können sich wahre Wunder verstecken.

    @Mme Biswanger: Ihre Freundin hat wirklich keine Traumstellung oder dann nur teilweise. denn sie zahlt einen Hohen, sehr hohen Preis dafür, ausser sie ist kalt genug und macht sich nichts aus der Einsamkeit die einem Heimsucht wenn man es am wenigstens brauchen könnte. Wahre Nahrung für die Sehle findet sie- aus meiner Sicht- so nicht… aber ist Ihr Weg. Drücke die Daumen.

    *amen* und schönen Abend.

  6. Eni sagt:

    @ Nadja

    Weiterhin alles Gute.

    Ihre Geschichte erinnert mich stark an meine eigene.

  7. DM sagt:

    Da 52% der Ehen geschieden werden, müssen wir aufpassen, dass wir nicht eine Generation von Kindern aufziehen, die nicht mehr weiss, wie die “Füllung einer richtigen Partnerschaft” aussehen könnte. Siehe Nadja@ (Was ich dem Zwischenmenschlichem Kontakt oder anderweilig Beziehung benannt ist die Ehrlichkeit und Offenheit und die Chance / Freiheit die man dem Partner gibt sich selbst zu sein und sich fallen zu lassen…. Frei zu sein in der Bezogenheit.Bezogenheit durch liebe, bezogenheit durch die Kinder. What else?). Wir als Eltern, sind immer auch ein Vorbild an dem sich die Kinder orientieren können, aber nicht müssen. Durch den gleichberechtigten Kontakt zu beiden Eltern, haben die Kinder zumindest die Möglichkeit einer Realitätskontrolle. Egal was der eine Partner über den anderen bewusst oder unbewusst verbreitet, es bleibt subjektiv. Die oft in Partnerschaften gesetzten Erwartungen und Schablonen, teilweise aus unreifem Intellekt heraus, ist das Perpetuum Mobile der Zerstörung, weil es beiden Partnern von vorne herein eben dieser Möglichkeit der freien Entfaltung beider IN der Partnerschaft beraubt. Dazu gehört Vertrauen,Achtung, Akzeptanz, Respekt und ein gewisses Mass an Demut, zu erkennen dass nicht alles im Leben planbar und machbar ist. (ein Wort welches in dem Masse, in dem wir technisch und medizinisch glauben alles machen zu können, immer seltener wird…) Ich als Vater, habe die Geschichte andersrum erlebt. “Ziehe aus, sonst ziehe ich aus und nehme MEINE Kinder mit mir…” welcher Vater, für den die Familie, Partnerschaft und Kinder der zentrale Bezugspunkt war, würde das den eigenen Kindern antuen? Dass das ein juristisch eingeleitete Falle war um alles, Haus, Unterhalt, etc, etc. zu bekommen, hatte ich damals nicht vermutet. Mein jahrelange Leidensweg in dieser Partnerschaft, in dem von Seiten der Mutter keine emotionale Investition in diese getätigt wurde, bzw. selten genug nur dann auftrat, wenn ich IHREM Bild und IHREN Erwartungen entsprach (Liebesentzug), habe ich erst nach dem Auszug und der durchlebten Brutalität ihrerseits durch aktive Vorenthaltung unserer Kinder mir gegenüber, erkannt. Der Kreislauf schliesst sich dann, wenn man aus der Distanz erkennt, dass ihr nicht existentes Verhältnis zu ihrem Vater und das Erlebte in der Scheidung ihrer Eltern, in der sie auch noch vom Vater aktiv verstossen wurde, der zentrale Punkt, das Epizentrum ist. Ihrerseits den Partner in ihrer Ehe nicht akzeptieren zu können und ihn ebenfalls zu verstossen, (bevor er gehen könnte), ist nur eine logische Folgeerscheinung. Deswegen ist die Auseinandersetzung mit beiden Eltern, nicht zuletzt zur Realitätskontrolle und zur intellektuellen Reife der Kinder, von entscheidender Bedeutung zur Vermeidung dass sich dieses Problem generationsübergreifend auf Kosten der nächsten Kindergeneration verbreitet. Dafür kämpfe ich jetzt, dass unsere Kinder ihren Vater haben dürfen und mit mir ein anderes Lebensmodel (a la Nadja @) als Alternative zum Lebensmodel der Mutter erleben dürfen. Welche Option die Kinder wählen, ist alleine ihre Entscheidung, aber sie haben eine Alternative.

  8. Jens sagt:

    @DM
    Hochachtung! Heutzutage braucht man sich aber darum, um den wichtigen Hintergrund kaum noch Gedanken machen. Selbst wenn die Ehefrau fremdf… geht wird alles schön “brüderlich und schwesterlich” geteilt und die Kinder werden zu über 95% auch noch der Mutter zugesprochen.(wie würde die Scheidungspraxis aussehen, wenn Ehevergehen dahingehend bestraft werden würde, dass der Fremd gegangene absolut keinen Anspruch an den gehörnten Partner stellen darf?) Wieso muss ich mir da noch Sorgen um den wesentlichen Charakter der “Institution” Familie machen? Warum auf meine “Freiheiten” verzichten, warum nich die “Fesseln der Sklaverei” abwerfen und sich aus der “Unterdrückung durch den Mann” befreien? Warum treu sein, wenn es doch sowieso “Jede und Jeder” macht? Warum zugeben, dass wir gar nicht mehr wissen wie Zusammenleben funktioniert, wo doch Jede(r) seinen Individualismus ausleben kann? Warum zugeben das wir immer manipulierbarer werden weil wir gar nicht mehr miteinander reden? Eine Gesellschaft heranwächst die allesamt schön Individuell sind, aber nicht mehr miteinander leben können und auch nicht reden.

    @ Michèle Binswanger.
    Sie schreiben es nicht explizit, sondern stellen es als frage in den Raum.. Sie würden auch gern diese Freundin sein, oder?
    Haben Sie evtl. einen “Klotz” am Bein, der diesem Paradies im Weg steht?
    Haben Sie mal was von Edward Bernays (Neffe von Sigmund Freud) im Zusammenhang mit “den Fackeln der Freiheit”(Zigaretten) gehört? NY 1920 “Er überredete eine Gruppe von reichen Debütantinnen aus bester Gesellschaft, Zigaretten unter ihren Röcken zu verstecken, an der Parade teilzunehmen und bei einem Signal von ihm die Zigaretten auf dramatische Art und Weise anzuzünden und zu rauchen. Dann informierte Bernays die Presse und sagte, er hätte gehört eine Gruppe von Suffragetten würde eine Demonstration vorbereiten, in dem sie etwas anzünden würden was sie „Fackeln der Freiheit“ nennen. Er wusste es würde einen Aufschrei geben und er wusste die Fotografen würden dort sein um diesen Moment festzuhalten. Den passenden Slogan „Fackeln der Freiheit“ hatte er schon als Schlagzeile den Journalisten vordiktiert.” aus http://alles-schallundrauch.blogspot.com/
    Kann uns heute nicht mehr passieren, da wir ja alle aufgeklärt sind und uns nicht mehr vorführen lassen. ODER?

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