
Der Gegenstand der Erörterung ist lilafarben eingekreist und zur besseren Beurteilung durch den Leser vergrössert: «Blick am Abend» vom 11. Januar.
Als ich vergangenen Montag den «Blick am Abend» las, brüllte mich eine Schlagzeile mit Tinnitus-Effekt an: «Sieg der Schwerkraft» hiess ein Artikel, der sich Ladina Blumenthals Brüsten, beziehungsweise ihrer mangelnden Spannkraft beim Auftritt an den Swiss Awards widmete, aufgemacht mit einem Bild der Brust, die vom grünen, weit ausgeschnittenen Kleid auf die Rippen gedrückt wurde. Der Gegenstand der Erörterung war lila eingekreist und zur besseren Beurteilung durch den Leser vergrössert. Frau Blumenthals Hängebusen, so die Journalistin, sei das Gesprächsthema des Abends gewesen.
Am folgenden Abend schlug die Zeitung Frau Blumenthals Busen weiter breit, liess eine Expertin ran, die den Einfluss des Stillens auf die Busenform taxierte (die Frau von Ex-Mister Schweiz Renzo Blumenthal hat gerade erst abgestillt), schlug eine Therapie mit Silikon vor, gab dem Gatten das Wort, der den Artikel verständlicherweise daneben fand, zuletzt wurde dann noch vox populi bemüht, die beurteilen durfte, ob Frau Blumenthals Brüste einen solchen Ausschnitt erlaubten.
Ich las und musste dabei an einen anderen Artikel denken, der mir jüngst in die Finger kam. Darin erzählt William Leith, wie eine Frau ihm vom Würgegriff der schrecklichen Krise erzählt, in der das weibliche Geschlecht sich befinde. Dauernd paradierten in den Medien perfekte Brüste, Pos und Beine, sekundiert von Anweisungen, wie frau der Problemzonen Herr werden kann. Und deshalb hassten Frauen ihren Körper und es werde immer schlimmer.
Für Männer, so Leith, sei das schwer zu verstehen. Denn Männer tendierten dazu, weibliche Körper zu mögen, ja, sie zögen unperfekte Exemplare gar vor. Alles andere wäre zu einschüchternd. Aber die Männer seien an der Krise der Frau nicht ganz unschuldig, denn schliesslich hätten sie den Kapitalismus erfunden, ein System, das stetig wachsen müsse, um nicht zu kollabieren. Also müsse immer mehr gekauft werden und um das zu erreichen, ziele man auf den wunden Punkt der Konsumentin. Etabliere ein negatives Selbstbild, suggeriere, sie sei fett und unattraktiv.

Nachzug am folgenden Tag samt Vox Populi: «Blick am Abend» vom 12. Januar.
Aber die Männer steckten auch in der Krise, einer viel grösseren und fundamentaleren gar, als die Körperkrise der Frau. Diese liege wenigstens offen zu Tage, die Männerkrise hingegen sei wie ein Eisberg: grösstenteils verborgen. Denn niemals würde der Mann zugeben, einen wunden Punkt zu haben. Das sei genau sein wunder Punkt. Männer seien darauf programmiert, neue Territorien zu erobern, Rivalen zu bekämpfen und immer grössere Risiken einzugehen. Das Prinzip Mann, seine Ziele aggressiv und unter jedem Risiko zu verfolgen, habe lange gut funktioniert. Aber Beispiele wie das Bankensystem oder die Klimakrise zeigten, dass es sich am Abgrund befindet.
Und was hat das jetzt alles miteinander zu tun? Ich finde, der Mann hat recht. Tatsächlich sind es die Frauen, die dauernd am Körper herummäkeln, bezeichnenderweise stammte der Artikel auch aus der Feder einer Frau. Wahrscheinlich denkt sie, in der brutalen Branche ihren Mann zu stehen, wenn sie mit möglichst aggressiven Schlagzeilen die Reichweite zu erhöhen versucht und dabei den publizistischen Absturz inszeniert. Gute Nacht, «Blick am Abend», meine ich. Und was meinen Sie?
Frau Blumenthal übrigens äusserte sich in der «Schweizer Illustrierten» folgendermassen zum Fall: «Mein Körper ist, wie er ist, dazu stehe ich. Ehrlich gesagt hätte es mich viel mehr getroffen, wenn man geschrieben hätte, ich sei dick. So was würde mich echt beschäftigen.»


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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ich hätte mich in grund und boden geschämt, hätte ich diesen artikel schreiben müssen. ich hätte mich schlichtweg geweigert. aber die besagte journalistin musste wohl unter dem druck der redaktion oder wie schon angetönt (um als cool dazustehen) diesen artikel schreiben. der trend des journalismus ist boulevard, und der blick am abend ist im gegensatz zu seinem vorgänger “heute” nur noch ein blick-abklatsch mit ganz komischen auswüchsen.
ich möchte gerne noch was zum selbstbild der frauen sagen. die einzigen die an diesem wahnsinn (erwartung perfekt auszuschauen) etwas ändern können, sind wir frauen selbst. schon alleine der ausdruck “perfekt” nervt mich. perfekt ist alles was gesund ist. perfekt ist alles was auf den strassen der welt rumläuft. die definition das eine brust sich silikonmässig dem betrachter gerade entgegen recken muss, wurde wie das wort schon sagt irgendwann wohl “definiert”. doch wer definiert schönheit? es ist wie ein einer beziehung, je niedriger dein selbstwertgefühl, desto schlechter wird dich dein partner, deine partnerin behandeln. wir frauen sind die einzigen die diesen wahnsinn stoppen können, indem wir zu unseren schönen körpern (so wie sie sind) stehen und ihn lieben. rundlich, etwas knochig, lange beine, kürzere beine, runde nase, grosse augen, kleine augen, kurze haare…egallllllllll! ich weiss, dies wurde schon tausendmal geschrieben, aber wann fangen wir an einfach das perfekte in uns zu sehen. jeder einzelne gesunde und gepflegte mensch ist ein kunstwerkt für sich, mann wie frau. es ist zeit, dass wir jetzt anfangen uns zu akzeptieren wie wir sind. niemand würde einen kolibri oder einen pfau als hässlich betrachten, trotzdem sehen sie anders aus als ein schöner weisser schwan. also bitte, time for change ladies and gentlemen.
Die Titelseite aus dem BAA setze ich etwa auf das selbe Niveau wie die Panik Titelseiten der Bild um den Kälteriesen “Daisy”: Wo bleibt die Schlagzeile?
Mich interessieren doch die Brüste von Frau Blumenthal nicht…
Silly silicone sucks!
ja genau! gute nacht, lowlevelblickamabend!
Den Artikel über die arme Frau Blumenthal hat nun wohl jeder und jede gelesen, der oder die an diesem Tag den Blick in die Hand nahm. Promis werden nun mal von der Klatschpresse gnadenlos auseinander genommen.
Dieses Aufgeheule wegen des Schönheitsideals, das uns Frauen aufgezwungen wird verschulden wir zu einem schönen Teil selber. Welche Frau nimmt ihren Körper einfach an wie er ist. Da wird gejammert was das Zeug hält (Stutenhintern…).
Ich ignoriere solchen Tratsch und versuche, mich einfach gern zu haben. Tatsache ist: Wenn die Beziehung und der Sex gut sind stören weder Hängebrüste noch ein Männerbäuchlein.
Hallöchen, gibt’s den nichts anderes zu schreiben – wie niveaulos. Na ja, so lange es Leser gibt, die an solchen Stories interessiert sind, so lange wird es auch die Autoren dazu geben. Das spiegelt doch auch die “Armut im Innern des Menschen” wider. Jedem das seine!
Ich kenne Ladina von früher, als sie noch Akrobatik-Rock’n Roll getanzt hatte (turniermässig); klar, sie war ziemlich eingebildet. aber so einen Schmarren hat sie trotzdem nicht verdient!
Ich habe davon gehört, dass “Blick” sie zerrissen hätte – und siehe da, nach Onkel Google-Suche – tatsächlich…
Was sind das überhaupt für absolute Nullen, die Blick auch nur anfassen? Für mich unverständlich – so ein Schandblatt, das nur zum Ziel hat, ungestraft Ruf-Mord zu begehen… erbärmlich!