
Absatzfrei, alkoholfrei, stressfrei: Das freie Leben einer Schwangeren gleicht einem Gefängnis.
Schwangerschaft ist der unfreiwillige Wiedereintritt in die Unmündigkeit. Diesen Satz habe ich letztes Frühjahr in einem Blogeintrag zum Thema «Minenfeld Mutterschaft» geschrieben. Ich habe ihn damals auf ungefragte und harmlose aber nichtsdestotrotz ärgerliche Angriffe auf die Selbstbestimmung einer Schwangeren bezogen. Auf die Tatsache, dass eine Frau, kaum zeigt der Schwangerschaftstest zwei Streifen, am besten sofort und in aller Freiwilligkeit auf koffeinfreien Kaffee, absatzfreie Schuhe und alkoholfreie Getränke umstellt. Denn sonst sind gewisse Mitmenschen ihrerseits so frei, sie darauf hinzuweisen, was sich in anderen Umständen gehört.
Niemals hätte ich damals gedacht, dass sich der Satz in Florida gerade zur selben Zeit auch rechtlich bewahrheiten könnte: Samantha Burton war 25 Wochen schwanger, als sie im März 2009 Wehen spürte. Ihr Arzt verschrieb ihr Bettruhe bis zum Geburtstermin. Als die zweifache Mutter ihn bat, eine Zweitmeinung einholen zu dürfen, weil 15 Wochen Bettruhe mit zwei kleinen Kindern und einem Job nicht so einfach zu bewerkstelligen seien, alarmierte er die Behörden. Umgehend wurde die Schwangere per Gerichtsbeschluss ins Tallahassee Memorial Spital eingewiesen und dort gegen ihren Willen festgehalten. Weiter wurde verfügt, dass Burton sämtliche angeordneten medizinischen Eingriffe über sich ergehen lassen müsse, die für «Leben und Gesundheit des ungeborenen Kindes» als nötig erachtet würden. Nach drei Tagen wurde die Schwangere per Notfallkaiserschnitt entbunden. Der Fötus war tot.
Das klingt wie ein Ausschnitt aus einem Horrorfilm. Wie es sich angefühlt hat, möchte Burton «jeder anderen Frau ersparen». Deshalb verklagte sie, kaum wurde sie aus dem Spital entlassen, mit Unterstützung der American Civil Liberties Union die Behörden und das Spital wegen Verletzung konstitutioneller Rechte. Das Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet. Wird das Gericht für oder gegen die zweifache Mutter entscheiden? Samantha Burton hat immerhin zwei Kinder geboren und bisher erfolgreich aufgezogen. Sie wollte offensichtlich auch das dritte Kind, sonst hätte sie nicht fürsorglich einen Arzt aufgesucht, sondern abgetrieben. Schwangerschaftsabbrüche sind in Florida legal. Dass sie offenbar Mühe bekundete, mit dem Rauchen aufzuhören, ist ebenfalls kein Entmündigungsgrund. Genau das aber ist passiert. Die Frau wurde ihres verbrieften Rechts auf körperliche Autonomie und Unversehrtheit, auf Freiheit und damit auf die Möglichkeit, als mündige Person über medizinische Eingriffe zu entscheiden, beschnitten. Sie wurde behandelt wie ein Inkubator.
Nein, nur weil das in Amerika passiert ist und nicht bei uns, geht es uns noch lange nicht nichts an. Zwar ist es meines Wissens in der Schweiz noch nie vorgekommen, dass eine Frau auf ihre Funktion als Gebärmutter reduziert worden wäre, wohl aber gibt es auch hier die Tendenz, Schwangere, Gebärende, Stillende auf ihre Funktion als Mutter zu reduzieren und ihr Verhalten nach einem einzigen Aspekt zu bewerten: Gilt das, was sie tut, in unserer Gesellschaft gerade als gut, gesund, intelligenzfördernd für das Baby?
In Amerika konnte ich, die damals mit dem zweiten Kind schwanger war, nicht einmal einen Kaffee trinken, ohne permanent über die Wirkung des Koffeins auf den armen Fötus belehrt zu werden. Ganz so schlimm ist es hier nicht. Aber nach einem Glas Wein ist auch in der Schweiz die Mündigkeitsgrenze der Schwangeren erreicht. Ganz zu schweigen vom herrschenden Diktat in Sachen Stillen und Gebären. Ausserdem vergeht kaum ein Monat, an dem nicht irgendwo, irgendein Forscher irgendetwas findet, das das Ungeborene schon im Mutterleib traumatisiert. Mütterlicher Stress zum Beispiel, oder ein Zuwenig an gedanklicher, taktiler oder sprachlicher Zuwendung zum Babybauch.
Der moralische Handlungsspielraum einer Schwangeren und Neo-Mutter wird in der westlichen Welt je länger je mehr beschnitten. Ist daran tatsächlich bloss der Wissensfortschritt schuld? Oder hat der Überwachungs- und Optimierungswahn andere Gründe? Wo fängt die Pflicht einer (werdenden) Mutter an und wo hört ihre Freiheit als Frau auf?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Sorry für die Tippfehler. Alte Tastatur und lebenslange Nachlässigkeit ….
Schwangerschaft als Gefangenschaft“
: eine lächerliche idee/aussage – lasst doch einfach den gesunden ,menschenverstand walten. wenn frau reif ist ein kind zu wollen, sollte sie doch eigentlich auch reif genug sein zu wissen was für das kind gut ist und was sie sich und dem kind zumuten darf. so sollte es eigentlich heute, mit all den verhütungsmitteln sein. heute sollte jede schwangerschaft gut geplant und überlegt sein.
manchmal bin ich aber trotzdem im zweifel über die gründe, die frauen heute schwanger erden lassen nicht nur eigenütz sind.. so z.b. das festigen einer schwierigen beziehung, weil die beste freundin oder die kolleginnen auch schwanger sind, weil man sich so auch bei einer scheidung finanziell absichern kann, oder eil es halt so cool ist zu heiraten, ein kiund zu haben und dazu noch im job seine frau zu stehen.
ob diese rechnungen dann auch aufgehen und niemand der verlierer ist, das bezweifle ich
so nun möchte ich aber endgültig diese ominöse Studie sehen auf die Sie sich da beziehen. Bitte um die Quelle.
Ich habe nicht ganz alle Beiträge im Detail durchgeackert, aber was geschieht, wenn ein Mann durch sein Verhalten die Gesundheit des Ungeborenen (potenziell) gefährdet? Wenn er z.B. in der Wohnung, die er mit der Schwangeren teilt, raucht, die Schwangere anbrüllt oder sonstigem psychischem Stress aussetzt, sie schwere Sachen tragen lässt? Soll dann auch der Staat eingreifen oder ist die Schwangere allein für die gesunde Entwicklung des Kindes verantwortlich?
Ein (im Haus) rauchender Mann ist meiner Meinung nach genauso daneben wie eine rauchende Frau. Egal ob vor oder der Geburt.
@max: Was soll denn mit Faktorenanalysen gelöst werden? Diese basiert genauso auf Korrelationen. Zudem ist es zulässig, Kausalaussagen anzustellen, wenn ganz offensichtlich eine inhaltlicher Zusammenhang zwischen den Variablen A und B besteht und A die zeitliche Priorität auf B hat. Das dürfte bei Rauchen und Lungenkrebs wohl der Fall sein. Auch Forscher dürfen den gesunden Menschenverstand einsetzen. Es braucht keine multivariaten Analysemethoden, sondern einen einfachen, sauber randomisierten (Randomisierung 1) t-Test mit parallelisierten Stichproben (oder je nach Skalenniveau sogar etwas Nonparametrisches), um nachzuweisen, dass Raucher häufiger Lungenkrebs/COPD bekommen als Nicht Raucher.
An alle anderen: Lasst euch nicht durch Fachbegriffe wie Faktorenanalyse, multivariat etc. einschüchtern. Sehr oft hat der Parolenschwingende selber keine besonders fundierte Ahnung davon.
@Althaus, @alle: (wird etwas lang)
Mir scheint hier fehlt es etwas an medizinischem Wissen und viele alte “Märli” scheinen sehr verbreitet. Was am meisten auffällt ist die etwas naiive Haltung gegenüber dem Alkoholkonsum während der SS, 1 Glas ist keines usw. (who said that?)
Zuerst ein paar Grundlagen: Während bis zur Einnistung des “Ei” in der Gebärmutter Schädigungen meist zu einem “Abort” führen, so führen Noxen in den ersten 8(-12) Entwicklungswochen (Emryogenese, Anlegen der Organe etc.) zu den gravierendsten Schäden, danach ist das Kind bzw. der Fetus etwas resistenter. Das Kind ist also im ersten Trimenon (v.a. ersten 8 Wochen) am verletzbarsten. Hier ist bereits das erste Problem. Junge Frauen rauchen/trinken (zu und mit Recht) genauso wie Männer. Fakt ist, dass Frau aber oft erst NACH diesen 8 Wochen bemerkt, dass sie schwanger ist. Um also sicher zu gehen, dass ein Kind keinen Schaden nimmt, muss man entweder wirklich sicher Verhüten (z.B. Mirena) oder gar nicht trinken/rauchen (in Realität nicht praktikabel).
Welche Noxen sind denn nun schädlich, und wie viel davon? Grundregel: häufig (Alk, Nikotin) = sehr toxisch, selten (Canabis, Heroin etc.) = weniger toxisch. Wie viel Alkohol? es gibt KEIN Schwellenwert!!!!!! Vulnerabilität ist unterschiedlich -> Konsequenz: nur die völlige Abstinenz schützt. Wie viel Rauchen? (nicht genau bekannt, oder ich weiss es nicht)
Was bewirken Noxen? -> Entwicklungsstörung! (verminderter IQ). Je schwerer die geistige Behinderung desto eher ist ein genetischer Defekt verantwortlich. Bei den leichten geistigen Behinderungen (IQ <70), gerade mal 6% durch bekannte Noxen, 55% mit sog. unbekannter Ursache.
Fetales Alkoholsyndrom (ca. 1/1000 Geburten, Gesichtsdysmorphie, Entwicklungsstörung, Wanchstumsretardierung) ist nur die Spitze vom Eisberg. Sehr wahrscheinlich ist, dass ein grosser Anteil der leichten geistigen Behinderungen mit unbekannter Ursache und ein Teil der normalen Kindern mit "nicht erreichtem Potential" usw. durch Alkohol verursacht sind. (ca. 45% der Frauen im gebärfähigen Alter trinken Alkohol mind. 1-2 pro Woche, ca. 13% trinken auch während SS!!) Prävention: sichere Verhütung, KEIN (auch nicht NUR ein Glas) Alkohol während SS (alles andere ist inkonsequent)
Rauchen: 1/3 der gebärfähigen Frauen rauchen, viele auch während SS, zumindest oft passiv. Rauchen bewirkt (auch passivrauchen): Abnahme der Fertilität, erhöhte Abbortrate, erhöhte Frühgeburtlichkeit mit all seinen Problemen (z.B. die Cerebralparese, Blindheit, Taubheit, geistige Retardierung usw.), Untergewicht, Kleinwuchs. Postnatal: Entzugssymptomatik, Hauptrisikofaktor für "sudden infant death", vermehrt Asthma/Infekte usw. Prävention: NICHTRAUCHEN, kein Passivrauch wenn SS oder Kinder im Raum!
So, kürzer ging es nicht. Wichtig zu wissen, ist, dass sich Risokofaktoren z.T. addieren! Am wichtigsten ist hier zu nennen der sozioökonomische Status der Eltern. So ist der durchschnittliche IQ bei Schulkindern ohne Noxen aus tiefem SÖS leicht über 80, während er bei Nikotin mit normalem SÖS bei ca. 90 ist! Zusammen liegt der zu erwartende IQ leider noch einiges tiefer. Mit geeigneten Vördermassnahmen, kann man allerdings im Frühkindesalter noch einiges bewirken, das geht nun aber etwas zu weit ins Detail.
Fazit: Verbot bringt nichts, da vulnerabelste Periode dann wenn Frau noch nicht weiss, dass sie schwanger ist. Einziges Verbot das ich unterstützen würde wäre ein Verbot von Rauchen zuhause wenn kleine Kinder da leben. Die können nämlich nicht wählen ob sie da sein wollen oder nicht. Aber die Eltern könnten rasch nach draussen gehen! Verbote bringen allerdings selten einen durchschlagenden Erfolg, Aufklärung wäre nötig und sicher die bessere Lösung!
Hoffe ich konnte etwas Licht ins Dunkle bringen.
@Dude
super Beitrag!
@rb
Schrieb ich etwa, Lungenkrebs sei das Thema der erwähnten Studie gewesen? Es ging um die ***Lebenserwartung*** und die ***Lebensqualität*** im Alter. Diese sind nicht abhängig von der Frage, ob jemand raucht oder nicht. Die Grenze in der erwähnten Untersuchung wurde gesetzt bei 4 bis 8 Zigaretten pro Tag.
Wenn unsere Gesundheitsapokalyptiker von Lungenkrebs reden, dann beziehen sich all die Schauermeldungen auf Kettenraucher. Und sogar in diesem Extremszenariol wissen Sie nicht, ob das Rauchen kausal war, wenn Sie a priori alle anderen Ursachen ausschliessen. Sie wollen sich einzig auf den “gesunden Menschenverstand” der Forscher verlassen. Ersetzen Sie einfach das Wort “gesunden Menschenverstand” mit “Vorurteil”, “beschränkter Vorkenntnis” oder ganz einfach “Faulheit”.
Eine multivariate Untersuchung benötigt keine solchen Vorentscheidungen und kann klären, welche Faktoren bestimmend sind. Wenn mehr als 80% der Variabilität erklärt werden, mit der Feststellung ob der Proband sich regelmässig bewegt und ob er täglich Gemüse und Früchte isst, dann braucht es den Zigarettenrauch ganz einfach nicht mehr, um irgendwelche Empfehlungen zu begründen.
Aber die Menschen wollen in Angst leben, sie wollen sich ducken. So kann man sich vor der persönlichen Freiheit drücken und die Entscheidungen für sein Leben an andere abtreten. Da ist es natürlich cool, sich vor dem Rauch das Fürchten einjagen zu lassen.
Für die von Ihnen bevorzugten randomisierte Stichprobe müsste man zu erst eine genügend grosse Zahl von Probanden haben. Sie müssten geschätzte 30 oder 50 Jahre mitspielen während der sie rauchen oder müssen oder nicht. Und nach all den Jahren könnte der Forscher dann feststellen sie vielleicht oder vielleicht nicht Lungenkrebs haben. Nicht einmal Ihren Ansprüchen genügen die von unseren Gesundheitsbehörden zu Rate gezogenen Medizininforscher.
@Dude
Danke für die Ausführungen. Besonders beeindruckend finde ich, dass die grösste Gefährdung in den ersten 8 Wochen passiert, wo die Frauen noch gar nicht merken, dass sie schwanger sind.
@dude: Danke! Damit ist eigentlich alles gesagt.
Dennoch: das teils bemühende Hin- und Her über Schädlichkeit oder Nicht-Schädlichkeit des Rauchens etc. grenzt an intellektuelle Selbstbefriedigung. Dass Rauchen für den Fötus schlecht ist, muss ja wohl nicht diskutiert werden. Schon mal Aufnahmen eines Fötus gesehen, dessen Mutter gerade raucht? Die deutlich wahrnehmbare Verzweiflung des Fötus, dem die Luft abgestellt wird, geht unter die Haut. Darum ist die Behauptung, dann und wann eine Zigarette schade ja nichts, völlig daneben. Das Argument “was Mama Spass macht, tut auch dem Kind gut”, mag ich schon lange nicht mehr hören. Diese einfältige Worthülse ist doch nichts weiter als die faule Ausrede von Egoisten, die der Befriedigung ihrer eigenen Gelüste oberste Priorität einräumen, auch wenns dem Kind schadet, und zwar vor und auch nach der Geburt. Manche werden es nicht gerne hören, aber Kinder haben bedeutet halt auch ab und zu verzichten.
@Lisa
Kein Problem. Es ist nicht immer einfach die Dinge so zu beschreiben, dass man sie auch als nicht-Mediziner nachvollziehen kann. Ich denke nicht, dass die schwangeren Frauen rauchen und trinken, weil sie dies einfach wollen. Wie in den meisten bereichen der Medizin ist es die mangelnde Aufklärung bezüglich den Risiken. In der CH ist die Krankheitsprävention leider sehr schwach ausgeprägt. Würde man in jeder Schulklasse/Berufsschule/Gymi etwas mehr Medizin einplanen und während den Arztkonsultationen etwas mehr Zeit haben über den Lebenstil zu sprechen, so könnten sicher einige überzeugt werden, während der SS nicht zu rauchen/trinken.
@max
Sie haben Recht, dass man mit solchen Multivarianzanalysen nie 100% sicher sein kann, auch wirklich den richtigen Faktor identifiziert zu haben. Bei der Verbindung Rauchen und Lungenkrebs ist der ätiologische Zusammenhang allerdings so eindeutig, dass es eine solche Analyse dazu gar nicht braucht. (schauen Sie sich mal die zeitliche Koinzidenz der Prävalenz von Lungenkrebs mit der Einfühung der Zigarette und mit der gesellschaftlichen Akzeptanz der rauchenden Frauen an. Vor der Einführung der Zigarette für die Massen war der Lungenkrebs einer der seltensten Tumoren, heute ist er der 2. häufigste) Ein schöneres Beispiel finden sie in der Epidemiologie fast nicht. Zu behaupten die Gesamtheit der Raucher würden sich im Schnitt anders ernärhen, bewegen usw. ist absolut lächerlich! (viele Raucher sind fit, sportlich, schlank, gebildet usw.,)
Bei anderen Problemen (wie z.B. Wein und kardiovaskuläres Risiko) ist ihre Beobachtung allerdings sehr richtig.
@max: Nö, dank Parallelisierung müssen keine Probanden 30 oder 50 Jahre lang “mitspielen”. Ich habe nie gesagt, dass einzig der gesunde Menschenverstand der Forscher eingesetzt werden soll, sondern, dass er zur Interpretation von Korrelationen manchmal nützlich sein kann. Es bleibt bei Studien immer ein gewisser Spielraum, der beginnt schon bei der Auswahl der einzuschliessenden unabhängigen und abhängigen Variablen. Wieso sie so in multivariate Statistik vernarrt sind, ist mir ein Rätsel. Natürlich ist sie interessant und bietet zusätzliche Möglichkeiten, aber diese Klarheit und Eindeutigkeit, die sie ihrer Meinung liefert, kann sie sicher nicht bewirken. Im Gegenteil, je komplexer die Zusammenhänge, desto mehr Interpretationsspielraum bleibt.
Variablität = Varianz, nehme ich an. Zu bedenken ist, dass die Prädiktoren (die übrigens nach dem gesunden Menschenverstand ausgewählt werden) untereinander korrelieren. Wenn sie also 80% der Varianz der Lebenserwartung durch z.B. Bewegung aufklären, und Bewegung mit Rauchen mit r=.85 korreliert, dann…ziehen Sie die Schlüsse selber.
@max: würde immer noch gerne die Studie selbst sehen. Alleine schon wie denn genau “Lebensqualität” definiert wurde wäre spannend zu wissen. Schwammiger gehts erstmal kaum.
Ansonsten was das Thema Alkohol in den ersten 8 Wochen angeht: Ja das ist ein riesen Problem, dass man leider nicht sofort weiss das man schwanger ist. Lösung: Anständig verhüten, und ein Kind bewusst wollen. Wie gehts in der Wirtschaft so schön: Erst ein Planauftrag, danach kommt der Fertigungsauftrag. Und damit hätte man bis auf ein paar Unfälle das Problem gelöst.
„christoph, der hutter hat angerufen.“
„so, was wollte der denn – ist der menzi muck schon da?“
„er sagt, er habe langsam genug von der teleblocher reality-soap „alles in butter bei hutter“
„so, warum denn?“
„die jasmin müsse seit wochen rumlaufen wie ein dickes landei mit designerbrille“
„das ist doch nichts neues.“
„ob du mal dem ackeret sagen könntest, das ganze einen gang höher zu schalten.“
„das wird dem mörgeli aber gar nicht gefallen – hochgeschaltete schweizeridylle!?“
„der hutter sagt, er habe auf mtv etwas gesehen, was ihm noch gefallen hätte.“
„der soll teleblocher schauen. der andere zuschauer ist in spanien diese woche.“
„und ackeret?“
„der kann nicht gleichzeitig schauen, produzieren und den pilot fertig machen.“
„welchen pilot?“
„law and mailorder, die neue serie mit natalie rickli in der hauptrolle.“
„aber was will der hutter jetzt eigentlich?“
„er will, dass seine jasmin wieder etwas mehr sexy wird, trotz schwangerschaftsidylle.“
„das war vorher schon kaum machbar – und wie stellt er sich das vor?“
„pimp my trax“ mit jörg kressig styling, sagte er. weisst du, was er damit…?”
abspann: matthias ackeret verwahrt sich schärfstens dagegen, als weibliches gegenstück zu leni riefenstahl bezeichnet zu werden und er könne oscar nicht völlig ausschliessen, besonders in solch kalten winternächten. jörg kressig leistete ganze arbeit. jasmin hutter ist am diesjährigen trucker-treffen in interlaken als „trax of the year“ nominiert.
@rb
Eine multivariate Fragestellung, die eine Faktorenanalyse erfordert haben Sie wenn Sie die Rahmenbedingungen nicht unter Kontrolle haben. Ein einfacher t-Test ist nicht für eine solche Fragestellung gemacht. Er wird gerne bevorzugt von Forschern mit beschränkten Können, die quick and dirty schnell, schnell viele Pubklikationen in den Fachzeitschriften unterbringen wollen.
@Dude
Was Lungenkrebs angeht, da hüte ich mich, Ihnen zu widersprechen. Mich würde sehr wundern, wenn bei mässigem Zigarettenkonsum Lungenkrebs das grosse Thema wäre.
In der von mir erwähnten englischen Studie wurde nicht das Auftreten von Lungenkrebs untersucht, sondern die Lebensdauer, unabhängig von der Todesursache. Zudem beschränkt sich die Aussage, dass regelmässige Bewegung und genug Früchte und Gemüse als hauptsächliche Faktoren die Lebensdauer bestimmen auf Raucher, die 8 Zigaretten oder weniger pro Tag konsumieren.
@max:
Die Lebenserwartung wird durch viel Bewegung und gesunde Ernährung stark positiv beeinflusst, weil die häufigsten Todesursachen überhaupt, die herz-kreislauf-Probleme, bei solchen Menschen sehr viel seltener auftreten. Ausserdem fühlt man sich mit Herzproblemen sehr oft körperlich eingeschränkt, was die verminderte Lebensqualität erklären dürfte. Sie haben völlig Recht, mit Ernährung (v.a. ist hier das Übergewicht gemeint) und körperlicher Aktivität lassen sich sehr viele aktive Jahre dazugewinnen im Leben.
Bezüglich Rauchen liegen Sie leider falsch. Oft liest man, dass es “mindestens” 10 sog. pack years (1 pack pro Tag während 1 Jahr) braucht um einen Lungenkrebs zu entwickeln. Das trifft sicher für die meisten Patienten zu (die meisten haben 30-80 oder mehr pack years). Allerdings gibt es auch Leute die ohne Rauchen einen typischen Raucher-Lungenkrebs entwickeln und solche die dies mit weniger als 10 pack years, ev. sogar mit nur passic rauchen tun, oder sogar solche die viel Rauchen und nie einen Tumor entwickeln. Das hängt von der individuellen Disposition des Körpers auf die Noxe Rauchen ab. Da man aber nicht weiss in welche Gruppe man gehört, sollte man am besten nicht rauchen, dann ist das Risiko am kleinsten aber nicht 0. Rauchen macht übrigens auch COPD, Schlafapnoe, Herinfarkte, Raucherbeine, Hirnifarkte, Zungen/Mund/Kehlkopfkrebs usw. Viele Gründe um die Finger davon zu lassen
hmm…, dude mit ihren äusserst lesenswerten beiträgen haben sie aber ein paar rauchern/innen in hohem bogen auf den teppich gepinkelt. aufklärung lebowski-style.
Ich find’s lächerlich über mal ne Zigi oder ein Glas Wein während der Schwangerschaft zu diskutieren, während wir mit unserem Verhalten (Verkehr, Konsum etc.) die ganze Welt zur S*** machen. Ein Zumutung für alle Menschen insbesonder für die Kinder, die sich nicht wehren können….
@Dude
Bei mir kommt nicht der Eindruck, dass Sie mir widersprechen. Ich finde Ihre Auslegeordnung sehr bereichernd und ergänzend. Ich rede nicht einmal dem Rauchen das Wort. Ich habe ein einziges mal eine Raucherin geküsst und der Geschmack von staubigem Aschenbecher grusst mich heute noch. Schneesport mit Raucherinnen ist überhaupt nicht lustig, weil die immer grad herumjammern, dass es sie friere.
Einzig, mich nervt, wenn mit schlechter Wissenschaft und gezielten Lügen die halbe Bevölkerung schikaniert, verängstigt und für dumm verkauft wird.
Aus Ihren Ausführungen schliesse ich, dass es oft Patienten mit Lungenkrebs gibt, bei denen man keine Rauchergeschichte kennt und auch sonst auf keine andere Ursache schliessen kann. Dann redet man einfach von “Disposition”. Das ist einfach die moderne Art, den Herrgott zu zitieren, wenn man nicht mehr weiterweiss. Inschallah!
Wenn ich die Kommentare hier so lese denke ich, die Schweizer haben zu wenige existentiell wichtige Probleme. Man kann natuerlich sein Leben mit Statistiken verbringen oder es einfach geniessen. Es gibt uebrigens wissenschaftliche Studien, die beweisen dass roter Wein gesund ist und Kaffee das Risiko an Alzheimer zu erkranken wesentlich verringert. Der Glaube, dass Wein und Kaffee schaedlich ist waehrend eer Schwangerschaft ist uebrigens meistens genau das: ein Glaube patriarchalischer Mediziner. Schaedlich ist das nur in den ersten 8-12 Wochen, wenn ueberhaupt falls in Massen genossen. Wenn Rauchen an 100% der Lungenkrebse schuld ist, habe dann Amerikaner die im Schnitt weniger rauchen eine nidrigere Krebsrate?. Oder haben die die gleiche Luftverschmutzung wie wir? Leute sollten wieder anfangen, vernuenftig zu denken und ich meine nicht in Varianzen und T-tests, sondern mit ihrem gesunden Menschenverstand. Dafuer braucht man kein Hochschulstudium, eher im Gegenteil. Und ich bin uebrigens in der Forschung taetig.