
Mit der Elternzeit lässt sich Politik machen – aber keine neuen Väter: Cem Özdemir, der Parteivorsitzende der deutschen Grünen, nimmt einen Strampler öffentlich entgegen. Das ist gut fürs Image.
Der Artikel «Vater Morgana», in dem das «Zeit-Magazin» Fazit zieht über die ersten Erfahrungen mit der Elternzeit, erschien am 30. 12., am zweitletzten Tag des Jahres 2009 also, und das ist durchaus programmatisch zu verstehen: Denn die neuen Väter waren die Stars der letzten Saison. In der Schweiz, in Amerika, vorab aber in Deutschland, wo Ministerin von der Leyen die modernen Papas seit zwei Jahren in den Wickeldienst befördert. Überall konnte man sie antreffen, die neuen Papas, die trösten, Brei kochen und sich kümmern. Auf den Strassen, auf den Spielplätzen, vor allem aber in den Medien. Auch zwischen Buchdeckeln verkauften sich die Wickelfront-Papas bestens. Ja sogar in der Politik hat man entdeckt, dass mit dem Papa-Image gepunktet werden kann, wie der Parteichef der deutschen Grünen Cem Özdemir beweist, der über seine Elternzeit («ich will das ernsthaft machen») öffentlich Fazit zieht: «Es war eine spannende Zeit, die ich nicht missen möchte». Schön, das glauben wir ihm gerne. Schade nur, dass die «spannende Zeit» bereits nach 6 Wochen wieder vorüber war. Und Vater Özdemir längst wieder in seinen «Politik ist ein Fulltime-Job» verschwunden ist. Wie 90 Prozent der neuen Väter in Deutschland. Da wird man irgendwie den Verdacht nicht los, dass Spannung für Väter ein Verfallsdatum von ein paar Wochen hat, und es danach mit Kindern vorab eines ist: anstrengend.

Ein Hoffnungsträger auch im Geschlechter-Match? Neo-Papa Roger Federer mit Familie.
Doch Polemik beiseite. Das Fazit, welches Jana Hensel im «Zeit-Magazin» über die ersten zwei Jahre Elternzeit zieht, ist zappenduster. Und muss uns trotzdem interessieren, denn ein Vaterschaftsurlaub hat man doch hierzulande auch schon diskutiert, um im trauten Heim die Ordnung der Geschlechter etwas zu verändern: «Die Elternzeit-Utopie ist abgestürzt wie eine Aktie, die an der Börse zu hoch gehandelt wurde. Die ehemalige Familienministerin und jetzige Arbeitsministerin Urula von der Leyen hat sich verspekuliert.» Denn: Rund 60 Prozent der Väter blieben bloss zwei Monate zu Hause, die Mindestzeit also, um das volle Elterngeld zu kassieren, und gern parallel zu ihren Partnerinnen. 90 Prozent kehrten danach zu 100 Prozent in ihren Job zurück. Vor der Elternzeit ist nach der Elternzeit: Papa bringt das Geld nach Hause und Mama verdient zu und kümmert sich um den Nachwuchs.
Zwar hätten die Väter durchaus einen grossen Schritt gemacht, analysiert Hensel, sie seien nämlich von abwesenden Vätern zu symbolisch anwesenden Vätern geworden, die wissen wo das Waschpulver steht und der Putzlappen. Die sogar mit anpacken, wenn es der Job zulässt. Zweimal pro Woche vielleicht, abends nach Büroschluss. Immerhin. Doch genügt das?
Natürlich ist die Realität des «Superernährers» nicht ein 8-to-5-Honiglecken. Natürlich gibt es gesellschaftliche Zwänge (ungleiche Löhne, Frauen in schlecht bezahlten weiblichen Branchen etc. etc. ) Natürlich tragen Frauen auch zur Traditionalisierung der Geschlechterverhältnisse bei, in dem sie lieber 40 Prozent arbeiten, und die ernsthafte Verantwortung für das Familieneinkommen an den Liebsten delegieren. Indem sie sich noch immer in den Haupternährer verlieben und nur einen Mann mit Status heiraten wollen. Das haben wir alles in diesem Blog schon diskutiert.
Trotzdem: Der Entwurf vom neuen Vater sah anders aus.
Und ja, mit ihrer Schlussbemerkung hat die Autorin recht: Auch in meinem Bekanntenkreis zerbrechen viele Beziehungen, weil die Kluft zwischen erträumter und wirklicher Realität sich allzu stark öffnete. Auch in meinem Bekanntenkreis werden viele Väter erst nach der Trennung oder Scheidung zu wirklich neuen Vätern. Zu Papas, die in der Krippe oder Schule auftauchen, um die Kinder abzuholen, ihnen zu Hause das Abendessen zu kochen, ihre Wäsche zu waschen und sie ins Bett zu bringen. Regelmässig. Jahrein, jahraus. Auch in meinem Bekanntenkreis bringen viele Mütter erst nach der Trennung ein Einkommen nach Hause und nicht bloss ein Zuverdienst. Nach der Trennung gibt es manchmal so etwas wie Gleichberechtigung der Geschlechter und Mann und Frau bringen die gleichen Opfer für die Kinder: In Sachen Lohn, Beförderungen, Freizeit.
Entsteht Gleichberechtigung in der Familie nur durch finanzielle Not und richterlichen Zwang? Sind wir gesellschaftspolitisch gesehen mit dem Latein am Ende, jetzt wo sich der Vaterschaftsurlaub bloss als kurzer Urlaub vom traditionellen Modell herausstellt? Oder wollen am Ende beide Geschlechter sich gar nicht aus den angestammten Mutter- und Vaterrollen verabschieden?
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Die abgetakelten Superernährer
Feminisierte Väter


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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@Adi
Es gibt vermutlich mehr “arme Frauen mit reichen Ehemännern” als “Müllmänner oder Bauarbeiter mit Jetset Tussies” als Ehefrauen. Was eigentlich nur belegt das die Emanzipation und Selbstständigkeit nicht bei allen Frauen das grösste Anliegen bei der Partnerwahl ist.
Aber das sind nur herausragend Extrembeispiele. Tatsache ist doch, das heutzutage in den meisten Mittelschichtsfamilien mit einem oder zwei erwerbstätigen Partnern ein Grossteil der Budgetentscheidungen eher von den Frauen als von den Männern getroffen wird. Besuchen sie mal ein Warenhaus an der Bahnhofstrasse um morgens um 10 Uhr oder Nachmittags um 15.00 Uhr. Die anwesenden Kunden sind zu 80% weiblich. Die wahre Macht kommt vom Geld ausgeben und nicht vom Geld verdienen. Deshalb fallen auch die Budgetdebatten im Parlament meistens um einiges heftiger aus als die Frage welche Einkommensschichten mit welchen Steuersätzen belastet werden. Es gibt asiatische Länder die als ultrapatriarchalisch verschrieen sind, wo aber das ganze Haushaltsbudget von den Ehefrauen verwaltet wird und die Ehemänner nicht mal eine
eigene Bankarte besitzen mit der sie das verdiente Geld aus dem Bancomaten beziehen könnten.
@Vogelsanger: Ich will nicht Jammern sondern argumentieren. Bei Kinderlosen funktioniert die Gleichberechtigung prima, da haben Sie Recht. Sie hört aber – für beide Geschlechter im übrigen! – auf, sobald ein Kind unterwegs ist. Dann nämlich ziehen die Väter noch immer den Kürzeren wenn es um Unterhaltszahlungen udn Besuchsrechte geht. Vor dem Scheidungsrichter ist ein Vater eben nicht gleich wie Mutter. Und am Arbeitsplatz ist die Mutter nicht gleich wie ein Vater. Daran ist nicht die Natur schuld, sondern Ideologie. Und zwar am Arbeitsplatz wie vor Gericht dieselbe Ideologie, eine die besagt, dass das Kind zur Mutter gehört.
Mütter und Väter, Herr Vogelsanger, sind noch lange nicht so gleichberechtigt wie Mann und Frau. Ich stelle das fest, ich jammere nicht.
Nur weil die Frau die Ausgabe tätig, heisst das ja nicht implizit, dass sie die Entscheidung über die Ausgabe auch alleine getätigt hat. Zudem ist es nur logisch, dass die Hausfrau welche die ganzen Lebensmittel usw. einkauft den grösseren Ausgabenposten hat. Die Studie ist also nicht wirklich aussagekräftig.
@Lea: Ui, Sie stellen sich aber selber grad gewaltig ins Abseits. Dermassen frustriert?
Ich arbeite als Dipl. Ing. und bekomme für gleiche Leistung gleich viel Lohn wie meine männlichen Kollegen. Allerdings stelle ich fest, dass meine männlichen Kollegen öfters bereit sind, deutlich mehr zu leisten als ich. Mir persönlich ist mein Privatleben mit allem drum und dran wichtiger. Ich finde es aber absolut gerechtfertigt, wenn mehr Einsatz im Job mit entsprechendem Verzicht auf Privatleben auch entsprechend entlöhnt sind.
Männer definieren sich eben viel mehr über die Arbeit als Frauen, jedenfalls in den meisten Fällen.
Gleichstellungsbüros sollten endlich geschlossen werden. Ich kanns nicht mehr hören…
@maya: Ich denke nicht dass Männer von Natur aus bereit sind mehr zu leisten. Das ist wohl sehr individuell. Allerdings fängt es bei der Berufswahl an. Frauen scheuen sich oft vor “trockenen” Ingenieurstudiengängen (obwohl sie gute Chancen hätten diese zu meistern). So war es jedenfalls bei uns… hier wurde gar aktiv Frauenförderung betrieben und Frauen haben klar den Minderheitenbonus.
…aber wenn der Wille fehlt, dann kann man noch lange jammern.
“Sie hört aber – für beide Geschlechter im übrigen! – auf, sobald ein Kind unterwegs ist.”
Die Gleichberechtigung hört nicht auf, aber es spielt die traditionelle, kulturübergreifende Rollenverteilung. Ich glaube nicht, dass Sie dies auf Ideologie reduzieren können. Im Gegenteil, es braucht einen ideologischen Unterbau um die Rollenverteilung in Frage zu stellen. Dieser Unterbau steht meines Erachtens auf sehr wackligen Füssen.
@Adi
Ich denke auch nicht, dass Männer grundsätzlich bereit sind, mehr zu leisten. Aber wenn’s um die Karriere geht vielleicht schon. Aber vielleicht ist das auch nur eine subjektive Empfindung von mir.
Eins weiss ich: Ich kann beruflich genauso viel erreichen und verdienen wie ein Mann, wenn ich will.
Das Modell der gleichberechtigten Partnerschaft lässt sich nicht mit politischen Mitteln künstlich herbeiführen, wie die allgemein bekannten Zahlen aus der Erwerbswelt und den Privathaushalten beweisen. Mit politischen Mitteln lassen sich lediglich die Weichen für ein neues Lebensmodell stellen. Den gesamten Rest muss man dem volkswirtschaftlichen Wandel- und den einzelnen Individuuen überlassen. Ein Beispiel: Nach gut 40 Jahren Feminismus praktiziert heute lediglich ein einziges Prozent (!) aller aller gemeinsamen Haushalte in der Schweiz die gleichberechtigte Partnerschaft (fifty-fifty in allen Tätigkeitsbereichen, Erwerbs- wie auch Haushaltsarbeit). Wenn wir in diesem atemberaubenden Tempo weitermachen, werden wir das Ziel eines gleichberechtigten Lebens für Männer und Frauen in spätestens 4000 Jahren erreicht haben…
Insofern- auf die kursiv geschriebenen Sätze im oberen Text bezogen- ist das feministische Lebensideal der gleichberechtigten Partnerschaft eindeutig gescheitert: Es ist deshallb gescheitert, weil man geglaubt hat, dass sich ein neues Lebensmodell sozusagen politisch inszenieren und durchsetzen lässt. Die Bilanz fällt aber nach 40 Jahren ernüchternd aus, so ernüchternd, dass man sich schon fragen muss, ob all die Gleichstellungbüros und Förderprojekte für Frauen überhaupt noch Sinn machen- verändert hat sich ja trotz alles Anstrengungen nur sehr wenig- im täglichen Leben, wohlverstanden. Nicht der Feminismus ist gescheitert, sondern einzig und alleine die Idee der gleichberechtigten Partnerschaft. Gleichberechtigt sind die Geschlechter mittlerweile in Bildung und Politik- und ich spreche da von Ausgangsgleichheit. Von Ergebnisgleichheit würde ich absehen- das läuft nur auf die sog. “positive Diskriminierung” hinaus. Ich wüsste nicht, was an einer “positiven Diskriminierung” so positiv sein soll- für mich ist das der Salto Mortale des Gleichheitsprinzips: Solange die “Richtigen” diskriminiert werden ist es recht, aber wenn die “Falschen” diskriminiert werden, ist es ungerecht.
Setzen sich die von mir skizzierten Trends in der Arbeitswelt und im volkswirtschaftlichen Rahmen weiter so fort, wie im Verlaufe der letzten dreissig Jahre und vor allem in der jetzigen Krise beobachtet werden kann, dann sind solche Diskussionen wie die hier laufende bald (?) einmal nicht mehr nötig.
Weil dann den Menschen, Männern wie auch Frauen, gar keine andere Wahl mehr bleibt, als gleichberechtigt miteinander und nebeneinander zu leben.
Und auf diese Zukunft freue ich mich!
@gion Sarem: “Die wahre Macht kommt vom Geld ausgeben und nicht vom Geld verdienen.”
So habe ich das jetzt noch nie gesehen- aber iregndwie scheint das zu stimmen!
@henri: Ich bin froh, die ganzen Diskussionen um die Gleichberechtigung nicht schon vor dreissig Jahren erlebt zu haben: Bei mir sind es lediglich die letzten zwanzig Jahre.
Zum Glück leben wir jetzt im 21. Jahrhundert.
meinen wir wirklich, dass sich diese thematik für alle eltern (in der CH) stellt?
muss sich diese thematik überhaupt stellen; müssen wir wirklich immer alles auf Optimieren auslegen und wenn ja nach welchen gesichtspunkten (der mama, den papa, die kinder, oder für die ganze familie; sofern diese noch eine daseinsberechtigung hat)?
ich denke, wir führen uns selber an der nase rum….weil wir’s zulassen
@ henri: also bei mir funktioniert es schon: ich habe 3 kinder, arbeite & bilde mich weiter und meine wohnung sieht stets aufgeraeumt und sauber aus, so dass der unerwartete besuch sich immer wohlfuehlen kann…. meine frage ist nur: warum kann der mann nach seiner arbeit nicht auch hand anlegen? er sieht seine arbeit als seinen einzigen job und der ist gegen 18.00 uhr oder auch 20.00 beendet… dann einen drink mit den kerls von der arbeit im besten fall…. mein tag faengt am 06.00 uhr an und endet gegen 23.00 uhr…. warum ist es denn so, dass ich nach der scheidung soooooooviel freizeit habe, wenn die kids bei ihm sind. waere/ist dies nicht auch in der ehe moeglich? das hat doch alles nichts mit den arbeitsstunden zu tun, sondern mit der einstellung!! und glaubt mir eines: mein ehem. mann ist weder als pasha aufgewachsen, noch habe ich dies waehrend der ehe toleriert. die ganzen jahre habe ich ihn, mit teils viel humor, versucht zu ueberzeugen, dass man z.b. “beim zusammenfalten der sauberen waesche keinen muskelkrampf und auch keinen hautausschlag” bekommt.
@Marcel 19. Januar 2010 um 06:41: “Lea, Sie scheinen aber eine dumme Kuh zu sein, sorry.”
Ich habe nur darauf hingewiesen, dass die von Ihnen zitierten Statistiken genau das Gegenteil von zeigen, was Sie sagen wollen.
Die einzige Entgegnung Ihrerseits darauf ist, mich als dumme Kuh zu betiteln.
@maya 19. Januar 2010 um 11:33:
Sicher gibt es Firmen, wo Lohngleichheit besteht, insbesondere bei höher qualifizierten Stellen. Wäre das häufiger so, dann müsste dies in den Einkommensstatistiken sichtbar sein. Genauso ist es aber nicht. Sie erwähnen, dass Mehrleistung besser bezahlt werden soll. Wie messen wir Leistung oder Mehrleistung? Mehr Arbeitsstunden? eigentlich kann nur über den Umsatz gemessen werden. Werden Überstunden bezahlt, dann ergibt das mehr Lohn, aber genau genommen aus Unternehmersicht nur mehr Kosten– ausser in Situationen, wo Umsatz und Arbeitsstunden direkt korrelieren.
So nebenbei finde ich die Erwartung, dass ein 100% Job selbstverständlich 120% Arbeitspensum ohne Mucken bedeute, falsch. Vielleicht eine der Gründe, dass Beziehungen kaputt gehen.
als Unternehmerin sehe ich das dann so: Person A erledigt ihre Projekte in 100% Pensum; Person b in 120%. Person B kostet mich mehr und wird irgendwann wegen Burnout um- und ausfallen. es kann für mich sogar eine Haftung entstehen. Somit ist B fuer das Unternehmen ein Risiko
Muss ich restrukturieren, geht Person B, nicht A.
Weshalb mein Ton frustriert war: Weil immer und immer wieder versucht wird, die Anliegen des Feminismus politisch tot zu reden. Genau dies wird von diversen Kommentatoren hier gemacht. Immerhin war es die Bewegung des Feminismus, die gesellschaftliche und familiäre Strukturen hinterfragt und doch einiges an Verbesserungen erreicht hat. Hinterfragen ist ein permanenter Prozess, selbstverständlich muss sich auch der Feminismus dem stellen
Die Diskussion hier zeigt doch genau, dass aber die wesentlichen Strukturen nicht verbessert sind und die WAHLFREIHEIT wer in einer Familie wie viel Brötchen verdienen geht, wieweit beide Eltern sich aktiv am Aufwachsen der Kinder beteiligen dürfen usw. eben NICHT besteht.
Wenn dann auf sexistisch und dumme Kuh gemacht wird, dann bestehe ich auf mein Recht, das verbal entsprechend zurückzugeben.
@Marcel 19. Januar 2010 um 06:41: “Lea, Sie scheinen aber eine dumme Kuh zu sein, sorry.”
Ich habe nur darauf hingewiesen, dass die von Ihnen zitierten Statistiken genau das Gegenteil von zeigen, was Sie sagen wollen.
Die einzige Entgegnung Ihrerseits darauf ist, mich als dumme Kuh zu betiteln.
@maya 19. Januar 2010 um 11:33:
Sicher gibt es Firmen, wo Lohngleichheit besteht, insbesondere bei höher qualifizierten Stellen. Wäre das häufiger so, dann müsste dies in den Einkommensstatistiken sichtbar sein. Genauso ist es aber nicht. Sie erwähnen, dass Mehrleistung besser bezahlt werden soll. Wie messen wir Leistung oder Mehrleistung? Mehr Arbeitsstunden? eigentlich kann nur über den Umsatz gemessen werden. Werden Überstunden bezahlt, dann ergibt das mehr Lohn, aber genau genommen aus Unternehmersicht nur mehr Kosten– ausser in Situationen, wo Umsatz und Arbeitsstunden direkt korrelieren.
So nebenbei finde ich die Erwartung, dass ein 100% Job selbstverständlich 120% Arbeitspensum ohne Mucken bedeute, falsch. Vielleicht eine der Gründe, dass Beziehungen kaputt gehen.
als Unternehmerin sehe ich das dann so: Person A erledigt ihre Projekte in 100% Pensum; Person b in 120%. Person B kostet mich mehr und wird irgendwann wegen Burnout um- und ausfallen. es kann für mich sogar eine Haftung entstehen. Somit ist B fuer das Unternehmen ein Risiko
Muss ich restrukturieren, geht Person B, nicht A.
Weshalb mein Ton frustriert war: Weil immer und immer wieder versucht wird, die Anliegen des Feminismus politisch tot zu reden. Genau dies wird von diversen Kommentatoren hier gemacht. Immerhin war es die Bewegung des Feminismus, die gesellschaftliche und familiäre Strukturen hinterfragt und doch einiges an Verbesserungen erreicht hat. Hinterfragen ist ein permanenter Prozess, selbstverständlich muss sich auch der Feminismus dem stellen
Die Diskussion hier zeigt doch genau, dass aber die wesentlichen Strukturen nicht verbessert sind und die WAHLFREIHEIT wer in einer Familie wie viel Brötchen verdienen geht, wieweit beide Eltern sich aktiv am Aufwachsen der Kinder beteiligen dürfen usw. eben NICHT besteht.
Wenn dann auf sexistisch und dumme Kuh gemacht wird, dann bestehe ich auf mein Recht, das verbal entsprechend zurückzugeben.
Na was denn jetzt: Leo oder Lea? Item: Der eigentliche politische Skandal liegt für mich in der Differenz zwischen den offiziell portierten 21 Prozent und dem noch übrig gebliebenen Rest von 8 Prozent. Diese 11 Prozent dazwischen- und die Wirklichkeit über die sog. “Lohndiskriminierung” ist in wissenschaftlichen (und übrigens auch politischen) Kreisen längst hinlänglich bekannt- ist genau das, was ich unter dem Begriff Ideologie verstehe: Das ist gezielte Desinformation- und nichts anderes! Doch ich gehe heute wie gesagt nur noch von 5 Prozent aus (wenn überhaupt). Man muss dazu nur die durchschnittliche Jahresarbeitszeit und die Überstunden von Frauen und Männern miteinander vergleichen, dann wird einem sehr schnell klar, dass es auch mit diesen 8 Prozent nicht sehr weit her ist. Ergo 5 Prozent- und auch die werden noch dahinschmelzen, wie wir gleich sehen werden:
Zu diesem Zweck schlage ich vor, einen kurzen Ausflug in die berufliche Wirklichkeit zu machen! Ich persönlich habe schon mehrere Male die Erfahrung gemacht, dass Männer und Frauen gleichen Alters, gleicher Qualifikation, gleich langer Betriebzugehörigkeit und gleicher Erfahrung ungleich bezahlt worden sind. Der Grund dafür ist genauso einfach wie einleuchtend: Es sind die (alljährlich wiederkehrenden) Lohnverhandlungen, die die Spreu vom Weizen trennen! In besagten Fällen lag die Differenz durchschnittlich zwischen 5 und- im extremsten Falle- gut 10 Prozent! Welche Interessen verfolgt jede(r) Arbeitgeber(in)? Die Arbeitskräfte so günstig wie möglich einzukaufen und zu beschäftigen, was denn sonst?! Ausser im Kommunismus ist das überall gleich- logisch oder?
So erstaunt es eigentlich kaum, dass Ingrid Deltenre, die Chefin von SF DRS / Idée Suisse, kürzlich in einem Interview sagte, dass sie die interne Gleichstellungsstelle gleich als allererstes abgeschafft habe- sollten Lohnungleichheiten beim Scheizer Fernsehen existieren, würde sie sich persönlich darum kümmern. Doch es kam bis dato nie etwas.
Der deutsche Arbeitgeberverband geht heute von 0 (null) Prozent Lohndiskriminierung aus, das nur so nebenbei bemerkt.
Null Prozent also.
Der ganze Rest ist nicht anderes als interessensgesteuerte Polemik.
Schönen Abend
Marcel
@Marcel
ich hatte früher mal eine super Job, den ich geliebt habe und für den ich mein letztes gegeben habe. Ich war auch sehr gut und habe meine Forderungen betreffend Lohnerhöhung immer durchgesetzt, zudem gab es leistungsabhängige Lohnbestandteile und Boni. Nun wie auch immer, damals hat ein gleichaltriger Mann mit etwas mehr Berufserfahrung als ich, mir gegenüber mal eine Lohnzahl erwähnt und ich platzte raus” nur?”, das war vor 20 Jahren. Wenn eine Frau gewillt war vollen Einsatz zu zeigen und volle Leistung, dann war das schon damals keine Frage des Geschlechts wieviel man verdiente und ich denke, dass das heute nicht anders geworden ist, im Gegenteil. Ich denke auch, dass ich zwar einen herausragend guten Arbeitgeber hatte damals,aber trotzdem war der nicht viel anders als andere vergleichbare. Ich kann das Gejammer auf hohem Niveau nicht mehr hören. Ich bin alleinerziehend, jetzt im Mittleren Kader tätig, das bedeutet längere Arbeitszeiten als vorher, mehr Präsenzzeit, mehr Arbeit mit nach Hause nehmen, dafür mehr Lohn, eigenes Büro, mehr Freiheiten in der Planung,mehr Kompetenzen. man muss doch einfach abwägen, wieviel einem der Job bedeutet und wieviel die Familie, wieviel will man investieren an Zeit und Kraft, aber alles kann man nicht haben, man kann keinen 0815 Job haben und gross Kohle absahnen, dabei Zeit um ins Fitnessstudio zu gehen und die Kinder von der Schule abzuholen. Und alle die, die jetzt sagen, dass der Papi auch mal Zeit haben soll um in die Schule zu gehen oder so, das macht er schon, aber der Papi , der macht dafür ein anderes mal Überstunden um das wieder kompensieren zu können, die vollberufstätige Mami übrigens auch.
@henri: “>> entweder verdient eine Person den gleichen Betrag für die gleiche Stelle oder eben nicht <<
sollten Sie bedenken, dass in der Privatwirtschaft nicht primär die Stelle, sondern die Leistung bezahlt wird.
Vereinfacht gesagt, was ich zugebe.
Und Leistung definiert sich nicht durch das Frau-Sein an und für sich, sondern durch Leistungsbereitschaft, Fleiss und Pflichterfüllung – auch heute noch."
Sehr treffend bemerkt: Genau diesem Umstand wird in keiner einzigen Statistik genügend Rechnung getragen!
@Laura: Punktlandung, genau!
@kathrin 19. Januar 2010 um 16:01
Über die Dinge im zweiten Tel deines Posts kann man nicht diskutieren – sie sind ein Resultat der jeweils eigenen Biographie und sehr individuell.
Vielleicht war (ist?) Dein Mann ein Fauler?
Vielleicht wolltest Du zuviel?
Ich kann es nicht sagen – niemand kann das objektiv bestimmen, nicht mal Ihr beide, denn es gibt kein gerechtes Mass – es gibt nur das individuelle Mass.
Bei mir war es so: ich kam nach Hause, und meine Frau wollte, dass ich sogleich voll einspringe. Ich hatte aber auch einen vollen Tag mit Stress hiner mir, und manchmal hatte ich Angst, meine Familie nicht mehr versorgen zu können – kurzum, ich hielt das nicht aus.
Irgendwann platzte mir der Kragen, und wir vereinbarten, dass ich nach Hause komme und dann mich zuerst 20 Min hinsetzen kann und etwas Zeitung lesen kann, ungestört. Dann konnte sie kommen mit ihrem ganzen Tag, und ich spang voll ein.
Mit dieser Regelung kamen wir beide dann recht gut hin.
Was ich damit sagen will: beide bringen ihren Teil, müssen aber darauf Rücksicht nehmen, dass der andere das eben auch tut – im jeweils eigenen Leistungsfähigkeits-Masstab – das heisst, wenn ein Mann ein “Weichei” ist
ist er schlecht belastbar und darum kann man ihm weniger zumuten. Gilt natürlich umgekehrt auch für die Frau ebenso.
Das muss man wissen bzw. lernen, wenn man sich mit jemandem einlässt.
Denn Menschen lassen sich nicht ändern.
a) Zur angeblichen Lohndiskriminierung der Frau: In meinem letzten Job verdiente der eine Mitarbeiter schätzungsweise 50% mehr als ein anderer, obwohl “der gleiche Job”. Beides waren Männer. Auch ich habe massiv weniger verdient als er. Lohnungleichheiten haben ihre Gründe, die nicht zwingendermassen und ausschliesslich im Geschlecht zu finden sind. Wenn eine Frau sagt, sie verdiene wegen ihres Geschlechts weniger als ihr Arbeitskollege, dann machts sie es sich etwas zu einfach.
b) Wenn sich Lebenshaltungskosten und Löhne weiter so auseinander entwickeln reichen die heute üblichen 150 Stellenprozente pro Haushalt mit Kinder(n) nirgendwo mehr hin und die Frage, wer von beiden denn nun Teilzeit arbeiten soll/darf, hat sich erledigt. Zu dumm nur, dass die Anzahl Stellen in der Schweiz und die Zahl Stellensuchender … sich ebenfalls auseinander entwickeln