
Wann behindert eine Behinderung der Eltern die Entwicklung eines Kindes? Die Tetraplegikerin Kaney O'Neill mit ihrem Baby.
Vor ein paar Jahren habe ich für eine Reportage eine blinde Mutter durch ihren Alltag begleitet, bin mit ihr einkaufen gegangen und habe ihr beim Kochen geholfen. Ich habe zugesehen, wie sie das Kind, einen viermonatigen Jungen, wickelte und anzog, wie sie problemlos mit dem Ohr ortete, wohin der Nuggi gefallen war, wie sie dem Baby mit den Händen über die Wangen strich und feststellte, dass die eine Seite etwas röter war als die andere, ihr Söhnchen wahrscheinlich am Zahnen. Wenn man sie fragte, wie ihr Sohn aussah, sagte sie: «Seine Haare sind braun, wie ihr sagt, für mich aber fühlen sie sich an wie Moos nach dem Regen und die Haut ist zart wie der Frühlingswind. Nur seine Augen, die blau sind, wie ihr sagt, die würde ich wirklich gerne sehen.»
Die Mutter war Anfangs Dreissig, damals, arbeitete Teilzeit als Anwaltsassistentin und teilte sich Haushalt und Betreuung des Sohnes mit dem Mann. Sie liess sich durch scheinbar gar nichts behindern, aber sie kannte durchaus ihre Grenzen: «Jetzt ist es noch einfach. Jetzt braucht der Kleine nur Milch und Kleider und Liebe. Bald aber wird er sich alles in den Mund stopfen und später auf Bäume klettern wollen. Ich will nicht, dass meine Behinderung ihn behindert. Wohl kann ich mit ihm den ersten Schneemann bauen, aber das Klettern und vieles andere werde ich dem Papa überlassen müssen.»
Ihr Sohn müsste jetzt ungefähr vier sein, ein kleines Energiebündel also, das gerade seine körperlichen Grenzen am Ausloten ist. Was, wenn dieser Papa nicht mehr da ist? Wenn sich die Eltern, wie jedes zweite Paar, getrennt haben oder trennen wollen? Ich musste an die blinde Mutter denken, als ich auf einem Elternforum die Diskussion verfolgte, die ein Gerichtsfall, der zur Zeit in Chicago verhandelt wird, auslöste: Dort streiten sich Kaney O’Neill und David Trais um das Sorgerecht für ihren fünfmonatigen Sohn Aiden. Die Mutter ist Tetraplegikerin, seit ein Hurrikan sie vor zehn Jahren vom Balkon riss. Der Richter wird entscheiden müssen, ob der Vater Recht bekommt, der argumentiert, das Handycap seiner Ex schränke sie als Mutter so sehr ein, dass sie Aiden keine sichere und glückliche Kindheit garantieren könne. Oder ob er das Sorgerecht der Mutter überlässt, die auf gleiche Rechte für Behinderte pocht und glaubt, eine gute Mutter zu sein, auch wenn sie mit dem Bub nicht Fussball spielen könne.
Ich bin froh, diese Entscheidung nicht fällen zu müssen. Denn das Kindswohl, das bei solchen Fällen zur Anwendung kommt, ist ein weites Feld mit unscharfen Grenzen. Und eine Entscheidung zugunsten des Vaters wird wohl schnell als Diskriminierung ausgelegt. Ich finde aber, dass der Fall diskussionswürdig ist, weil er zum Kern der Frage führt, wie wir heute das Kindeswohl definieren. Dass mütterliche Taxidienste und Skikurse nicht entscheidend sein dürfen, ob O’Neil das Sorgerecht für ihr Baby bekommt, darin gehen wohl die meisten einig. Was aber muss eine Mutter können, ausser Lieben und Dasein, um das Kindswohl nicht zu gefährden? Reicht es, wenn sie ihre Grenzen kennt und genügend Hilfe beansprucht? Wann behindert eine Behinderung die Entwicklung eines Kindes? Und – die etwas ketzerische, aber entlarvende Frage – wie sähen die Chancen eines behinderten Vaters aus im Kampf um das Sorgerecht?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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@Elisabeth: hatten Sie und Ihre Familie Unterstützung? Die Zusatzbelastung ist sicher existent, aber mit Hilfe vielleicht “ertragbarer”? Ich finde es von enormer Wichtigkei,t dass betroffene Kinder auch einen sicheren Platz zum mitteilen ihrer Wut, ihrer Frustrationen, ihres Widerwillens etc. hätten, sei es aufgrund einer körperlichen Behinderung die schon immer da war, oder auch aufgrund einer gewachsenen durch bspw. eine chronische Krankheit. Bei Blinden & Sehbehinderten gibt es Selbsthilfegruppen, auch für deren Kinder, um genau diese Gefühle zu thematisieren. Wenn Kind da alleine durch muss kann wirklich viel schiefgehen. Es ist nie nur der Behinderte oder Kranke der Aufmerksamkeit etc. benötigt, sondern immer auch sein Umfeld mit dazu!
Ein einzelner Mensch kann in der Regel nicht für das Kind da sein und den Lebensunterhalt verdienen, auch wenn er gesund ist. Es braucht jeder Unterstützung, wohl auch der Vater dieses Kindes.
Es wäre vermutlich besser, man hätte mit Tetraplegie nicht auch noch Kinder und macht damit auch noch die Kinder abhängig von auswärtiger Hilfe. Aber das Kind ist nun einmal da, und sie ist die Mutter. Kinder brauchen beide Eltern, und wer nun die Hauptbetreuung übernimmt, das muss anhand des Gesamten entschieden werden. Auch der Vater wird nicht alles alleine machen könnten, wie gesagt.
Beim Titel des Themas wird mir schon ein bisschen mulmig: “Eltern mit Handicap” klingt in den Ohren von Nichtbehinderten und JournalistInnen wohl zeitgemässer, da ja englisch. Auf Deutsch allerdings bedeutet das “handicap” eigentlich “den Hut in der Hand” halten und meint sowas wie “Bettelsack”. Ungeachtet der Fragestellung möchte ich Sie alle bitten, sich diesen Sprachgebrauch doch mal durch den Kopf gehen zu lassen und sich zu fragen, was denn so schlimm ist am Begriff “Behinderung”. Ich selber habe auch eine Behinderung, genauer noch eine Paraplegie oder deutsch Querschnittlähmung. (Doch glücklicherweise kein Handicap, verdiene meinen Lebensunterhalt nicht mit Betteln!)
Ob jemand mit einer Behinderung Kinder aufziehen kann oder nicht, entscheiden die Betroffenen, und weil es ja in jedem einzelnen Fall wieder anders ist, liesse sich diese verallgemeinernde Diskussion von individuellen Erfahrungen eigentlich ersparen.
Ich kenne mehrere behinderte Eltern: blinde, körperbehinderte und sogar ein geistigbehindertes Elternpaar. Daneben war ich jahrelang im Vorstand eines grossen Elternvereins in der Stadt Zürich und habe dabei hunderte unversehrte Eltern kennengelernt:
Mein persönliches Fazit:
Jede(r) erzieht so gut, wie sie oder er kann! Jeder Elternteil auf der Welt hat irgendwelche Defizite! Nobody is perfect!
Dein italienisches Sprichwort sagt:
Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf! Und dies gilt für allle Eltern!
Ob SIE das Kind bekommt WEIL sie behindert ist?
Ob ER das Kind bekommt WEIL sie behindert ist?
Was sind das für Denkweisen?
Und leider gibt es hier wieder viele Stimmen, welche Behinderten gar das recht auf ein Kind absprechen, wahrscheinlich von denselben, welche den “Gesunden” eine Pflicht zur Elternschaft inklusive Scheidungsverbot auferlegen wollen.
Gruslig.
Mein Vater hat auch nie Fussball mir mir gespielt und ist ebensowenig wie meine Mutter mit mir auf Bäume geklettert. Sie arbeiteten täglich 16 Stunden, 364 Tage im Jahr. Auch das könnte man als Behinderung begreifen.
Aber sie verurteilten nie einen IV-Empfänger sondern empören sich bis heute auf, dass diesen ein Recht auf ein gleichwertiges Leben verwehrt wird oder dass diesen unterstellt wird, auf “unsere Rechnung” zu leben. Da empfinden sie wie ich, dass Gelder an ganz anderen Stellen verschwendet werden.
Ich hatte seit meiner Geburt eine behinderte Mutter (Polio) und sehr unter ihrer Behinderung gelitten. Auf Grund dieser gab es auch keine weiteren Kinder mehr, sprich, ich war ein Einzelkind. Keine Trips ins Kino, mal ein feines MutterTochter-Essen in einem Restaurant und Meitliriegentage alleine – weil Papa ja immer schaffen und sich am Feierabend erholen musste. Meine Freizeit widmete ich dem Haushalt – Fenster putzen, Wäsche waschen etc etc. Dazu kam, dass in den 70ern Behinderungen gerne weggeglotzt wurden, Hilfe von aussen gab es kaum. Es ging ja – das liebe Töchterchen half ja tatkräftig mit. Und verpasste so einen beträchtlichen Teil ihrer (wie soll ich sagen, normalen?) Jugend mit Ausgehen, ersten Freunden und so weiter. Ich will es nicht verallgemeinern, aber: Ja, behinderte Eltern behindern das Kind. Mental wird sehr sehr viel verlangt. Und das wird in der Sensationslust (Beispiel Tetraplegikerin) des erwachsenen Umfeldes sehr gerne vergessen. Denn Mama (oder vielleicht auch Papa) werden nie so “normal” sein, wie die Eltern Deiner Freunde. Und das schmerzt.
Man sollte auf die hören, die es erlebt haben. Sehr wertvoller Beitrag, Ines. Es geht hier nicht um “Gleichberechtigung” oder ähnliches. Es geht hier darum, was man einem Kind aus purem Egoismus oder weil man der Welt etwas “beweisen” muss, antut.
Die Geschichte hat für mich zwei Komponenten. Da ist einerseits das “Kindeswohl”. Die beiden Statements in diesem Blog von Kindern behinderter Eltern ergeben hier ein für mich plausibles Bild: Es ist für ein Kind sicher nicht “toll”, behinderte Eltern zu haben. Genausowenig “toll” ist es aber für ein Kind bspw. auch “arme” Eltern zu haben…
Die zweite Komponente ist die Frage danach, wer für die Verwirklichung der eigenen Wünsche aufzukommen hat. Hier bin ich ganz entschieden der Meinung, dass die heutige Anspruchshaltung vieler Gruppierungen zu weit geht. In dem Zusammenhang passt für mich auch der Bezug im Titel auf das “Handicap”, wie es Thea Mauchle kritisiert. Ich habe keinerlei Bedenken gegenüber behinderten Eltern, die trotzdem in der Lage sind, selbst für sich und ihre Kinder zu sorgen. Im Gegenteil, sie haben meine uneingeschränkte Bewunderung. Das gilt auch für jene, die durch einen Schicksalsschlag behindert werden, nachdem sie bereits Kinder hatten. Anders sieht es für mich dann aus, wenn jemand sich einen Lebensstil wählt, für den er selbst nicht aufkommen kann und dann von der Allgemeinheit Unterstützung beansprucht. Dabei mache ich keinen Unterschied, ob eine behinderte Mutter sich zusätzlich zur eigenen Betreuung noch eine Nanny für den Nachwuchs bezahlen lässt oder ob sich ein Ehepaar mit Kindern vom Sozialamt die Scheidung finanzieren lässt, weil das Einkommen nicht für zwei getrennte Haushalte reicht.
Wichtig ist für mich der Aspekt der Wahl und aus diesem Grund finde ich das Beispiel mit der Tetraplegikerin zutiefst abstossend. Die Frau war bereits vor der Empfängnis Tetraplegikerin, d.h. es war da schon klar, dass sie niemals für ein Kind sorgen können wird. Der Entscheid, trotzdem Schwanger zu werden – der Mann muss nebenbei auch “besondere” Vorlieben haben, um an dieser Zeugung Spass gehabt zu haben – zeugt von absolutem Egoismus und totaler Verantwortungslosigkeit.
Es wäre schön, wenn die Redaktion ihre Drohung bezüglich “ehrverletzender Kommentare” und “falschen Namen” auch dann wahr machen würde, wenn es um behinderte Menschen geht.
“der Mann muss nebenbei auch “besondere” Vorlieben haben, um an dieser Zeugung Spass gehabt zu haben” ist eine ziemlich krasse Beleidigung gegen das Ehepaar und eine besonders verächtliche Abwertung der Ehefrau, die zivilrechtliche Konsequenzen hätte, wenn der User den Mut gehabt hätte, unter richtigem Namen zu schreiben. Schliesslich ist sie kein Tier, mit dem der Mann Unzucht getrieben hat, sondern eine vollwertige Frau, die genau so ein Recht auf Sexualität und Mutterschaft hat, wie alle Anderen.
Scheinbar hält die Redaktion die Ehre eines “Krüppels” nicht für schützenswert.
Unfreundliche Grüsse
Der anonyme Kommentar stammt von mir. Habe ich doch tatsächlich vergessen, den Nick einzutragen. Was die Angabe des “echten” Namens angeht, behalte ich mir im Internet die Anonymität vor. Die Redaktion verfügt allerdings über meine E-mail-Adresse und wahrscheinlich ist die IP auch irgendwo gespeichert. Wenn mich also jemand verklagen will, bitte…
@David Siems: Ihr Kommentar ist für mich wieder einmal ein schönes Beispiel dafür, Rechte auf alles anzumelden obwohl man gleichzeitig nicht in der Lage ist, die Konsequenzen zu tragen. Das geht nicht auf. Darum bleibe ich, was die Einschätzung des Verhaltens angeht, sich trotz offensichtlicher Unfähigkeit, ein Kind zu versorgen, schwängern zu lassen, bei meiner Einschätzung. Das ist unverantwortlich gegenüber dem Kind, dem Umfeld und gegenüber den Mitmenschen, die zu guter letzt die Kosten für den Spass tragen müssen.
Was Ihre empfundene “Ehrverletzung” angeht, ist es ihre Sache, wie sie das “besondere” interpretieren. Tatsache ist, dass Sex mit Behinderten insbesondere auch der Einbezug der häufig damit verbundenen Geräte (Rollstühle, Prothesen, etc.) als eine Form von sexuellem Fetischismus gilt, die nicht gerade als “normal” bezeichnet werden kann. Ob der Mann die Frau nur als Sexobjekt für sich selbst benutzt hat, kann ich nicht beurteilen. Ich gehe aber angesichts ihrer schweren Behinderung davon aus, dass sie weder etwas gespürt hat noch auf andere Weise am Akt teilnehmen konnte. Damit scheint mir die Wahrscheinlichkeit, dass sie für den Mann lediglich eine “Sexpuppe” war, recht hoch. Ich persönlich könnte mir Sex in dieser Form nicht vorstellen, tut mir leid. Von “Unzucht” würde ich dabei aber nicht sprechen, dieses Wort wurde in der deutschen Gerichtspraxis weitgehend durch “sexuellen Missbrauch” ersetzt. Dieser kann aber bekanntlich auch zwischen Ehepaaren vorkommen. Ob meine Aussage im letzten Statement zivilrechtliche Konsequenzen hätte, wage ich denn auch sehr zu bezweifeln.
Es würde mich sehr interessieren in welchem Käseblatt sie diesen Schwachsinn gelesen haben. Stellen sie sich vor: Es soll Menschen geben, die heiraten und miteinander schlafen, weil sie sich lieben und nicht bloss, um einen Sexualpartner zur Verfügung zu haben.
Im Endeffekt könnte man jeder sexuellen Beziehung etwas fetischistisches unterstellen, sei dies weil die Frau mollig oder blond ist, oder weil sie grosse Brüste oder einen grossen Hintern hat, oder aber aus einer bestimmten Ecke der Welt stammt. Im Endeffekt zeugen solche Aussagen nur von einem: Frauenverachtung und Herabwürdigung zum reinen Sexobjekt. Als sei die Frau nur eine Ware, ein Stück Fleisch, das man “durchbumst”.
Man könte auch am Sex mit Leuten, die keine Ahnung haben, von was sie reden, aber trotzdem überall ihre unqualifizierten Binsenweisheiten dazu geben müssen, weil sie mit ihrem eigenen Leben nicht klarkommen, etwas fetischistisches sehen. – Das wäre ein ziemlich grosses Problem für Leute wie sie.
@David Siems: Vielleicht sollten Sie selbst ein wenig recherchieren, bevor sie andere der Verbreitung von “Binsenwahrheiten” beschuldigen. Sie beissen sich zudem an einem Nebensatz in meinem Statement fest, der nichts mit meiner Kernaussage zu tun hatte. In der Hinsicht gebe ich Ihnen recht, ich hätte mir den Einschub sparen können, war aber durch die empfundene Ignoranz des Pärchens etwas gereizt.
Mir scheint, wütend sind sie auch nicht primär wegen meiner diesbezüglichen Aussage – von der sich im Übrigen höchstens der Mann angegriffen fühlen sollte. Wahrscheinlich erbost es sie viel mehr, dass ich so political incorrect bin, Behinderten das Recht abzusprechen, sich alles zu erlauben, wenn sie nicht in der Lage sind , die Konsequenzen ihrer Aktion zu tragen. Vielleicht ist die gute Frau ja Millionärin und bezahlt die Amme selbst. Dann bliebe von meiner Kritik nur noch das “Kindeswohl”. Diesbezüglich habe ich aber bereits gesagt, dass auch andere Defizite als rein körperliche dem “Kindeswohl” abträglich sein können und daher nicht als alleiniges Kriterium gelten dürfen – ob Tetraplegie nicht auch unter dem Gesichtspunkt trotzdem etwas zu weit geht, naja…
@bigmac: ich schliesse mich deiner meinung an. es geht hier nicht darum ob diese frau hinkt und es deswegen bei ihr immer etwas langsamer geht. es geht darum DAS SIE ES NIE SCHAFFEN WIRD, SICH ALLEINE UM DIESES KIND ZU KÜMMERN.
alles wird irgendwer anders erleidigen müssen. ich finde das krank!!! wenn diese frau einen grund für weitere exisisstenz braucht, so soll sie sich bitte einen hund kaufen. ein kind braucht eine halbwegs normale umgebung und halbwegs normale eltern (oder auch nur `ne normale mami oder nur einen normalen papi), aber ES KANN DOCH NICHT SEIN, DAS DIESE FRAU EINFACH EINE ART SPIELZEUG IN MENSCHENFORM ERHÄLT , NUR DAMIT SIE WEITER EINEN GRUND SIEHT ZU LEBEN.
@ BigMac
Ihre geistigen Emissionen rauben mir den Atem…
Ob Nebensatz oder Kernaussage, Sie äussern hier Diskriminierungen, die ich nicht unkommentiert stehen lassen will.
Sie brauchen den “David Siems” nicht scheinheilig auf Recherche schicken, Sie wissen haargenau worauf sich seine Kritik bezog! Auf Ihre, kokett als PI bezeichneten, hässlichen Werte-und Moralvorstellungen Menschen gegenüber.
Ihr Zitat: “Wichtig ist für mich der Aspekt der Wahl und aus diesem Grund finde ich das Beispiel mit der Tetraplegikerin zutiefst abstossend. Die Frau war bereits vor der Empfängnis Tetraplegikerin, d.h. es war da schon klar, dass sie niemals für ein Kind sorgen können wird”
Was wäre ihr Vorschlag? Die Frauen gleich nach Diagnosestellung zu sterilisieren? Oder das Kind abtreiben lassen? Wie würde die Begründung hierzu lauten? Das Kind liegt der Gesellschaft auf dem heiligen Geldsäckel und missbraucht unsere Steuergelder? Ihr Zitat: “Das ist unverantwortlich [....]gegenüber den Mitmenschen, die zu guter letzt die Kosten für den Spass tragen müssen.”
Oder: es wäre egoistisch von der behinderten Mutter das Kind auszutragen, weil es dann später auf dem Pausenplatz gehänselt werden könnte und sie ausserdem nie eine Klettertour zusammen unternehmen würden?
Natürlich könnte man das Kind auch zur Adoption freigeben, damit sich ein anständig-vollwertiges Paar seiner annehmen kann…. ja, da klingelts. Hatten wir doch schon. In übelstem Ausmass. Mehrmals. Quer über den Globus. Die Thematik ist Ihnen vertraut? Nein?
Aber dabei bleiben Sie nicht und holen zu Kahlschlag aus, indem Sie einer Tetraplegikerin erfüllende Sexualität, Erotik und das Lustempfinden absprechen und sie zu einer lebenden Masturbationsvorlage für den Mann degradieren!!
Ihr Zitat: “Ich gehe aber angesichts ihrer schweren Behinderung davon aus, dass sie weder etwas gespürt hat noch auf andere Weise am Akt teilnehmen konnte.Damit scheint mir die Wahrscheinlichkeit, dass sie für den Mann lediglich eine “Sexpuppe” war, recht hoch. ”
Und wer mit “solchen” Prothesenträgern und Rollstuhlfahrerinnen ins Bett geht ist natürlich “anormal”, denn Sie, Herr über Zucht und Unzucht, könnten sich das nie und nimmer für sich vorstellen….
Ihr Zitat: “Tatsache ist, dass Sex mit Behinderten insbesondere auch der Einbezug der häufig damit verbundenen Geräte (Rollstühle, Prothesen, etc.) als eine Form von sexuellem Fetischismus gilt, die nicht gerade als “normal” bezeichnet werden kann”
Ihr Zitat: “Ich persönlich könnte mir Sex in dieser Form nicht vorstellen, tut mir leid.”
Tatsache ist, dass es einen solchen Fetischismus gibt. Daraus aber abzuleiten, eine sexuelle Beziehung mit einer “körperlich behinderten Person” sei zwangsläufig unter dem Gesichtspunkt des Fetischismus anzusehen ist grundsätzlich falsch, beleidigend und mit Verlaub: jenseits von Gut und Böse!! Und bitte, wenn sich Ihr Nachbar vom Jahreskatalog des örtlichen Sanitätshauses sexuell erregt fühlt , was geht sie das an???
Um aber doch noch kurz auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen, ob man Menschen mit schweren Behinderungen das Kinder bekommen verbieten sollte….
Diese Frauen und Männer sind nicht verantwortungslos und egoistisch, wie hier so oft gesagt wurde. Wir, die Gesellschaft, sind es. Wir sind nicht bereit, ein System zu ändern, dass vielen von uns gar nicht mehr erlaubt mitfühlend zu sein und gemeinsame Verantwortung für den Mitmenschen zu sehen und zu übernehmen.
Was den Geldaspekt betrifft: Zusätzliche Assistenzstunden für die wenigen Kinder von schwerst Behinderten ruinieren diesen Staat ganz sicher nicht!!! Da gibt es ganz andere Gefahren…..
Wer bin ich, dass ich mir erlaube, jemandem sein RECHT auf ein erfülltes, möglichst selbstbestimmtes Leben abzusprechen? Ein Kind zu bekommen, ist für viele Menschen das Schönste überhaupt – selbstverständlich auch für viele Menschen mit Behinderung!
Was die von Ihnen empfundene “Ignoranz des Pärchens” betrifft: http://archives.chicagotribune.com/2009/dec/20/health/chi-custody-20-dec20
- “…..she always has another able-bodied adult on hand for Aidan – be it her full-time caretaker, live-in brother or her mother.”
- “….feeling she had the money and family support to make up for her paralysis….”
@ Anastasia C.
Sehen Sie, genau deshalb bin sicher nicht nur ich froh, dass Sie nicht das Bestimmungsrecht über “normal” und “abnormal” besitzen.
Bei jeder Person lassen sich negative und positive Punkte finden – es kommt immer auf den Standpunkt an…..
Wenn Kinder bewusst und gewollt auf die Welt gebracht werden ist das selten eine leichtfertig getroffene Entscheidung. Insbesondere mit dem Wissen, bereits jetzt auf umfassende Hilfe angewiesen zu sein. Mutige, engagierte, starke und liebende Eltern sind sicher nicht die schlechtesten Voraussetzungen für ein Kind…. das passende Sprichwort hierfür wäre: ein braucht ein Dorf um ein Kind gross zu ziehen! Der Rest liegt insbesondere auch an Menschen wie Ihnen….. und an Menschen wie mir.
Und ja, wo kommen wir da hin, wenn sich schwer behinderte Menschen lebensbejahend zeigen und sich eine erfüllte Existenz aufbauen wollen und, oh gott, evtl. sogar Mutter oder Vater werden? – “es kann doch nicht sein, das diese Frau einfach eine art spielzeug in menschenform erhält, nur damit sie weiter einen grund sieht zu leben”.
Wenn Ihnen die Thematik über den Kopf wächst, sollten sie vielleicht von Kommentaren diesbezüglich absehen!!!
@Lou Bernstein: meine mutter hat auch `ne behinderung, sie ist psychisch krank, um es genau auszudrücken. also weis ich von was ich rede. als meine eltern sich trennten kam ich zu ihr und mein ganz privater alptraum begann. wenn leute sich nicht um kinder kümmern können, dann sollen sich auch keine kinder bekommen. so einfach ist das. es geht mir weder um den staat, noch um ihr recht als mensch mit behinderung zu ihren rechten zu kommen. sondern um das kindswohl,was wohl selten eine grosse rolle spielt…
@ Anastasia C
Ja, Sie wissen mit Sicherheit wovon Sie reden. Mit diesem Hintergrund ist Ihre Wut, die beim letzten Posting zum Ausdruck kam, für einen Aussenstehenden nachvollziehbar. Ich weiss natürlich nicht, wie Ihr Kindheits/Adoleszenz-Alptraum ausgesehen haben mag und an welcher psychischen Erkrankung Ihre Mutter litt, aber es scheint, dass die Erwachsenen rund um Sie ganz grossartig versagt haben – dass Sie als Kind ignoriert und alleine gelassen wurden. Und das ist ein Verbrechen. Da haben Sie Recht! Aber: Sie können doch nicht von sich selbst auf andere schliessen und davon ausgehen, dass es allen Kindern so wie Ihnen ergehen muss.
In meinem Beitrag an Sie, sprach ich von mutigen, engagierten und starken Eltern. Das bedingt Verantwortungsbewusstsein. Und darum geht es doch, nicht? Verantwortungsbewusste Menschen, die sich in allen Belangen um ihr Kind kümmern. Und darunter fällt auch, Hilfe zu holen oder anzunehmen, wenn man etwas selber nicht (mehr) kann. Auch für Menschen ohne Behinderungen/Krankheiten etc. ist es doch eine Illusion zu glauben, dass man “das alles” problemlos alleine machen kann….
Bei der Mutter aus dem Artikel (haben Sie den Artikel der Chigaco Post über den angegebenen Link gelesen?) kam für mich klar zum Ausdruck, dass das Kind geliebt, wohl behütet und in einen Familieverbund “eingebettet” ist. Es stimmt, dass sich die Mutter nicht alleine um ihr Kind kümmern kann, nie können wird. Dessen ist sie sich bewusst, dazu braucht sie Hilfe – und die hat sie auch organisiert. 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Man braucht das nicht zu romantisieren, Konflikte wird es geben. Aber die gibt es immer. Lösungen auch. Ist das ein Grund ihr den Säugling wegzunehmen? Ich denke nicht.
Wenn Sie manche Beiträge hier zu diesem Thema verfolgt haben, ist Ihnen sicherlich klar, worauf ich mit meinem Posting hinweisen wollte. Es geht mir nicht darum, das Recht auf Selbstbestimmung über das Kindeswohl zu stellen. Bei niemandem. Mir kommt aber die Galle hoch, wenn man genau *das* per se “behinderten” Eltern unterstellt. Es ist absolut klassisch, dass man Behinderten mit Kinderwunsch pauschal Egoismus und Verantwortungslosigkeit (manche rücken es beinahe in die Kindesmisshandlungsecke) unterstellt. Diese Meinung vertreten insbesondere phantasielose Leute, die in der Thematik nicht bewandert sind und andere dummdreist diskriminieren ,weil sie “es” sich nicht vorstellen können. Das war noch nie eine gute Grundlage um sich eine Meinung zu bilden. Und besonders nicht, um ein Urteil über andere zu fällen.
Ich wünsche Ihnen alles Gute.
ich finde es trotzdem immer noch nicht sinnvoll, das die frau das kind bekommt( und dem mann würde ich es, ehrlich gesagt auch nicht geben). man kann sich einfach nicht immer auf andere leute verlassen. ich bin immer noch der meinung, das nur die personen kinder bekommen sollen, die ihr leben ALLEINE im griff haben. sorry,für diesen vergleich,aber ich würde auch einem junkie das kind wegnehmen wollen.
@Thea Mauchle: Der Begriff Handicap kommt nicht vom Betteln, das ist eine “urban legend”. Siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Disability#Handicap / http://www.snopes.com/language/offense/handicap.asp
Meine Mutter hat mich und meine Schwester trotz Polio grossgezogen, nach der Scheidung alleine. Sie ist ein wunderbarer Mensch und war ganz aufopfernd und sehr liebevoll. Sie hat sich zusammengerissen und soviel selbst gemacht, wie es nur irgendwie ging und das war fast alles, auch wenn es ein Krampf war. Klar, Skifahren gab es fast nur im Schullager und mit Freunden und so. Aber verzichten musste ich doch darauf keineswegs. Wenn ich von der Schule kam, hat sie mir zugehoert und gekocht. Sie hat mit mir gebastelt und gelacht. Sie hat tolle Kindergeburtstage organisiert und mir bei den Hausaufgaben geholfen, z.B. mich Franzwoertli abgefragt. Ich durfte mit ihren Gehstoecken turnen, z.B. darauf balancieren ohne einen Fuss auf dem Boden zu haben. Mein Papa hat die eher koerperlichen Sachen mit uns gemacht, bis zur Scheidung: Baumhuette, Holz hacken lernen, naegele, zeigen wie man die Heizung flickt, ums Haus Fangis spielen, Schneeiglu bauen, und so weiter.
Ich haette mir kein besseres Mami wuenschen koennen und wuerde sie mit niemandem tauschen wollen. Ich fuehle mich als ein reicher Mensch. Ein Mensch,
- der andere nicht verurteilt wegen einer Aeusserlichkeit,
- der neben Selbstliebe (und Selbstmitleid) auch noch TAETIGE Naechstenliebe empfindet,
- der sich fuer das Wohl der Gesellschaft jeden Tag beruflich einsetzt (als Anwaeltin, die sich nicht nur um verrechenbare Stunden kuemmert),
- der sich ein bisschen sensibel gegenueber den Gefuehlen anderer zeigt.
Und geschadet hat es noch niemandem, ab und zu Geschirr zu waschen und ein bisschen Staub zu saugen.
Wie ich jetzt waere, wenn ich eine gesunde Mutter gehabt haette, weiss ich nicht. Und es mir vorzustellen, wuerde ich als abartig und krank empfinden.