
Wenn Kinder spielen, gibt es kein Halten. So will es die Evolution.
Es geschah auf dem Heimweg von Freunden. Als es Zeit wurde zu gehen, sah die damals zweijährige Tochter das partout anders; zu jung sei der Abend noch, so meinte sie, die Puppen sollten noch ordentlich tanzen. Was auf dem Heimweg im Tram dann tanzte, waren unsere Nerven. Die Tochter warf sich auf den Boden wie ein Epileptiker, schrie herzzerreissend und verspritzte Tränen nach allen Seiten. Volle dreissig Minuten gab sie dieses Drama, vor einem abwechselnd stoisch oder mitleidig blickenden Publikum und kopfschüttelnden alten Damen.
Ich dachte immer, die Trotzphase ist eine Art Hochintensivtraining, um das elterliche Gemüt auf das Kommende vorzubereiten. Denn zwar wälzen sich meine Kinder inzwischen glücklicherweise nicht mehr im Staub, wenn ihnen etwas verwehrt wird. Trotzdem treiben sie mich mit ihrem impulsiven Verhalten oft zur Weissglut. So kann ich beispielsweise meinen Sohn bitten, nicht im Gang herumzutrampeln, wenn der Vater schläft, doch nach fünf Minuten dröhnt er bereits wieder als Sturzkampfbomber durch die Wohnung und inszeniert eine Neuauflage der Luftschlacht um England. Und obschon ich die Tochter täglich bitten muss, ihren Thek nicht einfach im Gang hinzuschmeissen, kommt sie nicht auf die Idee, ihn von Anfang an richtig zu versorgen.
An geduldigen Tagen ist das kein Problem. Manchmal aber schon. Dann schimpfe ich und argwöhne, die Kinder untergrüben meine Autorität systematisch. Denn wie, so frage ich mich, können Kinder sich die absurdesten Dinge merken oder messerscharf kombinieren, um dann an den simpelsten Regeln zu scheitern?
Seit gestern weiss ich die Antwort. Die Evolution ist schuld, wieder mal. Bei Kindern ist jene Region des Gehirns unterentwickelt, die das Verhalten steuert und Gefühle in Schach hält. Und warum galoppiert das Kinderhirn so ungezügelt über die Felder der unmittelbaren Triebbefriedigung? Im Dienste der Kreativität. Denn je mehr neue Information das Gehirn aufnimmt und vernetzt, desto lernfähiger und kreativer wird es letztlich, so haben Forscher der Universität Pennsylvania herausgefunden.
In der Trotzphase ist das noch einfach. Aber je älter die Kinder werden, desto mehr neigen wir dazu, sie als kleine Erwachsene anzusehen. Weil man sie auf die Erwachsenenwelt vorbereiten will. Und weil es für uns so bequemer ist. Nur vielleicht ist der Wunsch nach Bequemlichkeit nicht unbedingt der Vater des richtigen Verhaltens. Villeicht sollten wir Erwachsene generell geduldiger sein, einsehen, dass Kinder nicht einfach Natural Born Nervensägen sind, sondern gar nicht anders können. Dass vielleicht eher wir die Nervensägen sind, mit unseren erwachsenen Wünschen nach Ruhe und Ordnung. Beziehungsweise, dass man diesen Wunsch so umsetzen sollte, indem man selber ruhig bleibt, auch wenn man das Kind ein weiteres Mal aus der Luftschlacht um England holen muss. Natürlich ist das schwierig. Aber ich denke, mein erwachsenes, voll entwickeltes Gehirn sollte mich dazu befähigen.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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@ Roland Strasser und ihr Anderan
Lieben sie ihre Kinder mit all ihrem sein!
Das ist die Haupsache beim Erziehen.
Setzt sie klare Grenzen und bleibt bei denen.
Wenden sie NIE Liebesenzug an.
60% der Erziehung geschieht durch das Vorbild.
@ shlomo grünbaum: exakt! wie handhaben sie’s? in afrika und asien habe ich szenen gesehen, die unseren einheimischen lebensfernen bünzli-gartenzwerge das blut in den adern gefrieren liese. “huch die neg..afrofrau mit dem kopftuch und dem baby auf dem rücken schlägt den knaben windelweich, du, urs, unternimm doch was, der arme bub” – “ach yvonne, weisst du die machen das halt so” – “da sind dem strasser seine ohrfeigen ja noch heilig…schau mal wie die zetert und prügelt” – “der strasser ist ein weisser, böser imperialist” – “den sollte man kastrieren. du schau hin, jetzt kommt der mann und stüpft den jungen und schreit die frau an” – “die sind halt einfach so” – ” ja, es ist anders als bei uns” – “du, das ist schon diskriminierend, immer die anderen als andersartig zu diskriminieren” – “au, sorry! ich bin voll tolerant und so…guck, jetzt hat der mann die frau brutal in die hütte hineingestossen” – “meine güte, wie der tobt! aber wer sind wir, zu urteilen?” – “genau, der strasser ist viel schlimmer” – “schau jetzt kommen die jungen männer auf dem jeep mit den gewehren” – “hu, wir gehen besser ins hotel zurück. die sehen grimmig aus” – “warte, ich mach noch schnell ein foto von den äffchen auf dem baum da”.
@ Roland Strasser
Kannst ja auswandern nach Afrika………oder Asien………..:-)
@ zysi
Mit unpassenden Bibelsprüchen ist noch nie jemandem geholfen worden…
@ Roland Strasser
während meiner ganzen Zeit in Thailand, habe ich nichts gesehen, was du beschreibst… Also mutiere ich wie du zum Asim… Wohl eher nicht.
Asim…?
@shlomo
man hilft, wo man kann, wenn illusionen und wohlfühlbedürfnisse aufkommen
manchmal ist auch jede hilfe zu spät und die kinder sind ja gute versuchsobjekte
in dem sinn, finden sie ihr gutes karma und/oder trialen-und-erroren sich durch buddha-ebenen; auf gut glück lässt sich bekanntlich ewig warten
MICHELE… jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa – Sie haben Recht! Und ich danke für Ihren Artikel – wir Erwachsenen sind sooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo verdammt konditioniert! Ich sage: Es lebe die Revolution und alle Macht den Kindern – Schaut Euch nur an, was wir Erwachsenen mit dieser Welt machen – es ist eine Schande!
Ihnen einen Gruess und weiter so!