
Gesund genug?
Warum darf eine Blogleserin im Kaiserschnitt keine Errungenschaft sehen, ohne unter Missionierungsverdacht zu geraten? Warum wird einer Kommentatorin die Orgasmuskompetenz abgesprochen, weil Sie das Gebären als lustvollen Akt empfunden hat? Warum konnte die ehemalige französische Justizministerin Rachida Dati ihren Babyurlaub nicht nach fünf Tagen abbrechen, ohne dafür in der ganzen Welt kritisiert zu werden? Warum ist eine Narkose beim Zahnarzt eine medizinische Selbstverständlichkeit, eine Päriduralanästhesie unter der Geburt aber eine medizinische Störung?
Die Diskussion um den Dokumentarfilm «Orgasmic Birth» hat etwas wieder einmal deutlich gemacht: Der privateste und vielleicht intimste Moment im Leben jeder Mutter, ist gesellschaftlich eines der am stärksten ideologisierten Themen. Diesbezüglich ist die Geburt unbestritten ein Höhepunkt. Der Höhepunkt eines beschwerlichen Wegs durch ein Minenfeld namens Mutterschaft, bei dem jeder Schritt den Sprengstoff auslösen kann. Kaum zeigt der Schwangerschaftstest zwei Streifen, beginnt für die Frau die Zeit des Dauerbeschusses: Im Schuhgeschäft wird man ungefragt in die Gesundheitsecke befördert, im Restaurant heissts: «In Ihrem Zustand koffeinfrei, oder?» und auf der Party kriegt man selbstredend nur noch Mineralwasser nachgeschenkt, als wär man wieder Sechzehn. Schwangerschaft ist ein unfreiwilliger Wiedereintritt in die Unmündigkeit - ohne Beistand. Oder anders gesagt: Zweimal zehn Monate wusste jeder, was für mich und mein Baby das Beste war, aber kaum einer räumte den Sitz im Tram.
Hier ein paar Stationen vor und nach der Geburt, die ideologisch ebenfalls vermint sind:
- Pränataldiagnostik ja oder nein? Wenn ja, wieviel? (Achtung! Dieser Sprengstoff ist altersabhängig. Bis 35 gilt möglichst wenig, ab 40 möglichst alles)
- Stillen ja oder nein? Wenn ja, wie lange? (Unter sechs Monaten gilt das Soll als nicht erfüllt, bis etwa ein Jahr ist brav, mehr als ein Jahr wird fragwürdig)
- Co-Sleeping ja oder nein? Wenn ja, wie lange? (Bis zum Abstillen darf man mit Verständnis rechnen, danach nur noch als Skandinavierin)
- Nuggi ja oder nein? Wenn ja, wie lange? (Wer es ohne schafft, darf mit meiner Bewunderung rechnen, wer den Nuggi bereits ins Spital mitnimmt, rechne mit mehrmaligem Besuch der Stillberaterin, wer ihn bis zum vierten Geburtstag des Kindes nicht los wird mit hohen Zahnkorrekturkosten)
- Arbeiten ja oder nein? wenn ja, wieviel? (Gar nicht gilt schon fast als Verrat an der Emanzipation, ein bisschen ist nett, ab 80 Prozent endet man in der Schublade Rabenmutter)
(na)


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Schön, kehrt Nicole Althaus auf rationalen Boden zurück. Klar, wird die Schwangerschaft in unserer männlich beherrschten, von Leistungsdruck bestimmten Gesellschaft als Misfit oder gar Krankheit betrachtet. Umso ärgerlich daher, wenn Nicole eine Geburt, die von einer amerikanischen Ärztin in die harmlose Nähe des Orgasmus gerückt wird, ganz ideologisch als “Höhepunkt des Schwachsinns” bezeichnet und Michèle Binswanger gleich mit der Befürchtung von “Geburtspornos” nachdoppelt. Und das alles wegen etwas Stöhnen in einem Filmtrailer, das sich tatsächlich weder von der Geburt, noch vom Fitnesstrainig oder Orgasmus unterscheiden lässt. Aber, aber – bitte etwas mehr Gelassenheit, meine Damen.
Danke, sehr treffend. Dazu kommt, dass einem jeder auf den Bauch langt und wissen will, was es denn wird.
Hallo männlein und weiblein, lasst einander doch leben…
Möchte hier die nicht expertenhafte Meinung einer 4 fachen Schwangerschaftbegleitung kundtun:
1. Pränataldiagnostik:
Nur Ultraschall, Rest aufgrund der Bilder nicht nötig
2. Stillen:
Bei allen vieren ca. 14 Monate, wobei nach ca. 6 Mt. feste Nahrung dazukam und der Anteil sich bis zum Abstillen auf 100% erhöht hat.
Stillen ist gut wenn man kann, lässt den Mann allerdings ziemlich alt aussehen wenn die “Tränke” nicht verfügbar ist, da half bei uns nicht mal abgepumpte Milch im Schoppen.
3. Co-Sleeping:
Ca. 3-4 Monate bei uns, danach im eigenen Bett im gleichen Zimmer, ab ca. 1 Jahr zusammen mit den anderen Geschwistern in einem Zimmer.
Die Angst man könnte das Kind erdrücken ist unbegründet, finde es vor allem auch für den Mann schön die Nähe des Babys zu spüren. Hilft sicher auch dass sich die Kinder später nicht nur von einem Elternteil beruhigen lassen da als Baby beide erkannt wurden (Geruchssinn).
4. Nuggi:
Keinen, 2 haben eine Zeit lang am Daumen gelutscht (bis ca. 15 Mt.), die anderen zwei hat’s nicht interressiert. Hat ziemlich sicher damit zu tun, dass das Stillen den Nuggli ersetzt hat.
5. Arbeiten:
).
Da wir die sogenannt klassische Rollenteilung haben kein Thema.
Allerdings kam das für meine Frau auch nicht in Frage da sie für sich selber entschieden hat zumindest bis zum Schuleintritt für die Kinder 100% da zu sein (nicht 24 Std. pro Tag
Schwieriges Thema da stark abhängig vom Beruf, Arbeitgeber, Einkommen, etc.
Wir haben das Glück dass wir mit meinem Einkommen durchkommen und ich relativ flexible Arbeitszeiten habe. Dadurch bleibt nicht der ganze Haushalt an meiner Frau hängen.
Generell finde ich es begrüssenswert, wenn Frau wieder arbeiten will/kann/soll/muss etc. denke aber das man sich schon ca. 1 Jahr um das Baby kümmern sollte (Bindungsverhalten, etc.).
Für später finde ich, dass wenn die Kinder nach Hause kommen wenigstens ein Elternteil anwesend ist, schliesslich haben sie ja dann immer viel zu erzählen…
Betreffend Unmündigkeit:
Wir haben schwanger sein nie als Krankheit angesehen, meine Frau hat beim ersten Kind auch bis kurz vor der Niederkunft gearbeitet. Blöde Sprüche sind zu ignorieren und man sollte sich auf seine “innere Stimme” verlassen, damit sind wir zumindest bis jetzt ziemlich gut gefahren.
Man kann und soll es nicht jedem Recht machen.
Ging mir wie Dir Katharina, jeder und jede hat mir ungefragt an den Bauch gelangt – ich fand das ziemlich störend und übergriffig. Wenn ich mich getraut habe, zu protestieren, waren dann die Hormone Schuld, dass ich so sensibel reagierte….
Ich habe mich auch fast nicht getraut zu sagen, wenn ich auf Geburtsvorbereitungskurse, etc. angesprochen wurde, dass ich einen geplanten Kaiserschnitt machen werde. So schräg wurde ich jeweils angeschaut.
Als ich dann nach 3 Monaten abgestillt habe um ab dem 4. Monat wieder arbeiten zu gehen (80%, ach sooooviel), hiess es dann, Du kannst doch abpumpen, schliesslich musst Du an Dein Kind denken, all die Allergien, die es bekommen kann, etc., etc..
Die Umwelt macht es einem wirklich nicht einfach….
Alle wollen mitreden, alle wissen’s besser, man müllt sich gegenseitig mit Vorwürfen voll. Genauso hab ich es in diversen Foren beobachten können. Solange ich kinderlos bin, beobachte ich still und fasziniert. Sollte ich je selber Kinder haben, werde ich Diskussionen meiden. Da frau es ja eh nicht allen Recht machen kann, kann sie sich immerhin gehässige Kommentare sparen.
Das Unverständnis darüber ein Nicht-erwerbstätiges Mami zu sein, bekomme ich ziemlich zu spüren. Wir sind Spät-Eltern und haben “nur” ein Kind, welches jetzt bald 2 Tage in die Krippe gehen kann, damit ich all das erledige, was ständig verschoben wird, weil der Schatz mit Mami raus will, Essen braucht, krank ist, spielen will, etc.
Da wir den Kleinen sonst nicht abgeben könnten, da die Grosis altersmässig nicht mehr wollen, ersetzt die Krippe diesen Teil sowie als Bereicherung durch den regelmässigen Kontakt zu anderen Kids.
Die erste Frage, wenn ich freudig vom baldigen Krippenplatz berichte, ist auffällig: “Dann gehst du also wieder arbeiten?” – “Ja klar, zu Hause.” sag ich dann. …und versuche das Augenbrauen hochziehen vom Gegenüber zu ignorieren, welches mir mitteilen will, dass dies doch fast anmassend ist, 2 Tage “frei”!!!. Tja, damit muss ich wohl leben…
Und wie sollen denn diese Themen ent-ideologisiert werden? Vor 50 Jahren gab es zur Geburt vielleicht die Ideologie der eigenen Mutter, die der Schwiegermutter, und dann noch der Hebammen und Ärzte. Wer eine andere Idee hatte konnte also auf vielleicht drei “Minen” treten.
Im Informationszeitalter und in einer pluralistischen Gesellschaft wissen wir heute zu jedem Thema von eine ganzer Palette von Meinungen, die sich zum Teil gegenseitig ausschliessen. Herauszufinden was zu einem selber passt ist anstrengender und aufwändiger geworden.
Dass all diese Diskussionen überhaupt geführt werden können hat doch mit einer an sich positiven Entwicklung zu tun weil sie belegt, dass nicht mehr einfach alles von der Gesellschaft vorgegeben wird sondern Wahlmöglichkeiten bestehen. Das hat seinen Preis – es verlangt eine individuelle Auseinandersetzung in Gebieten, wo man früher auf der sicheren Seite war wenn man es einfach so wie die anderen machte. Allerdings war das auch sehr autoritär. Möchte wirklich jemand diese Zeiten zurück? Ich jedenfalls nicht. Also heisst das wohl, dass wir mit mehr Unsicherheit leben müssen, weil diese Unsicherheit die Konsequenz von mehr Freiheit und mehr Wahlmöglichkeiten ist. Diese Freiheit bringt es mit sich dass man immer jemand findet der etwas ganz anders sieht als man selbst.
Aber Minenfeld? Ein starkes Wort und eine unnötige Dramatisierung. Wenn man weiss was reale Minenfelder anrichten sollten wir uns nicht so schnell auf die gleiche Stufe mit Minenopfern stellen.
@Rahel
Du hast Recht, die heutigen Freiheiten sind ein Geschenk, bringen aber auch Kontroversen und damit Unsicherheiten. Auch die Freiheit, sich einer Diskussion zu entziehen und sich selber zu vertrauen, kann übrigens verunsichern. Gerade wenn man dann von den Diskussionsbefürworterinnen kopfschüttelnd als “vergangenheitsliebend” verstanden wird.;)
Habe das nicht so erlebt. Keine Gesundheitschuhecke, Espresso und mal ein Glas Prosecco ohne schiefe Blicke. Kein mensch hat mir an den Bauch gefasst ohne zu fragen und das waren nicht unerträglich viele.
Habe “nur” 6 Monate gestillt. sie haben von Anfang an mit ausnahmen in ihrem Bettchen geschlafen. sie hatten einen Nuggi und nach ca 2 bzw. 3 Jahren ging das Abgewöhnen ohne grosses Drama.
Vielleicht habe ich alles zu unkompliziert gehandhabt und es war nicht jeder “Furz” der Nabel der Welt?
Heute sind meine Söhne 16 und 18 und erfreuliche Kinder.
LARGO sei dank für seine ‘Babyjahre’…..
ooooook, Aldo, bist Du sicher, dass Du den Beitrag richtig verstanden hast?
Ich kann fleurs erfahrung eigentlich nur teilen – was die Schwangerschaft. Natürlich war es für das nähere Umfeld eine “Sensation” und man wollte etwas teilhaben, aber das ist ja irgendwie auch verständlich. Mir ging es aber auch tipptopp, und ich war eher weniger empfindlich als sonst.
Ich fand eher die Tipps nach der Geburt lästig (vor allem die meiner esoterischen Mutter…), war da aber auch viel unsicherer. Den wertvollsten (und einzigen…) Tipp hat mir meine Schwiegermutter gegeben: Ich solle einfach immer auf mein Gefühl hören und mich nicht von allen möglichen Meinungen verunsichern lassen. Das kann ich nur weiterempfehlen…
Und auch der Druck, 6 Monate zu stillen. Ich bin bei beiden Kindern 5 Monate nach der Geburt wieder zu 50% an meinen Arbeitsplatz zurückgekehrt, beim ersten habe ich den 6. Monat voll still noch durchgezogen, das war vielleicht ein stressiges Hin und Her! Wenn das lange Stillen schon so essentiell sein soll, dann soll doch wenigstens der Mutterschaftsurlaub entsprechend dauern!!!
@STINA
Falsche Antwort: “Ich arbeite zu Hause……”
Richtige Antwort: “Ich bin sehr priviligiert, nicht ausser Haus arbeiten zu müssen und in aller Ruhe in 2 Tagen zu Hause meine privaten Dinge zu erledigen. Mein Kind ist sehr privilegiert, als Einzelkind nicht in Isolation aufzuwachsen!”
95% der berufstätigen Mütter stehen deiner Situation ganz einfach überfordert gegenüber, denn solch ein Luxus kann sich praktisch niemand leisten! All diese Frauen erledigen die Arbeit zu Hause zusätzlich auch – oft ohne Putzfrau und ohne Partner – oft mit mehr als einem Kind…..
Also bitte nicht über faule Kommentare aufregen, denn das ist der pure Neid. Sei einfach dankbar, dass es DIr jetzt so gut geht und hoffe, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.
Ich habe auch auf meine Gefühl gehört. Jede Schwangerschaft und Geburt ist etwas einmaliges, da auch jeder Mensch einmalig ist. Die Arztwahl ist noch wichtig. Es sollte einer sein, der sich bewusst ist, dass er eine Schwangerschaft und Geburt nur theoretisch also von aussen erfahren kann. Wie sich das anfühlt wird er nie wirklich wissen. Wirkt manchmal etwas schizophren wenn Aerzte bei der Geburtsvorbereitung den Frauen mit Bildern erklären, was gerade in ihren Bäuchen abläuft.
Mir geht es wie fleur. Keiner fasste mir an den Bauch, und niemand wollte mir weismachen, was ich zu essen und zu trinken habe. Jetzt nach der Geburt geht es ähnlich weiter. Ich würde mir sogar manchmal etwas mehr “Tipps” wünschen. Ideologische Gespräche führte ich nur in der Zeit, als der Kinderwunsch noch gar nicht aktuell war. Da war alles so schön theoretisch abhandelbar. Ist das Baby mal da, gilt es zu handeln und für esoterisches Geblabla bleibt auch gar keine Zeit mehr.
@mami mit Berug
yep, Siehe letzter Abschnitt <>
Ich werde den Verdacht nicht los, dass es allen (Müttern, Vätern, Kinderlosen, berufstätig oder nicht) besser ginge, wenn:
1. Das Motto ‘Leben und leben lassen’ wirklich zur Anwendung käme;
2. Man einander mit echtem Respekt vor der individuellen Situation des anderen und von seinen getroffenen Entscheidungen begegnen würde, auch wenn sie sich stark von den unseren unterscheiden;
3. Man sich die Bemerkungen anderer mit gesunder Distanz anhören würde, und dabei begreifen, dass man seinen Weg ohnehin selber entwerfen und gehen muss. Widerstände finden wir überall. Warum sind wir in diesem Bereich so empfindlich?
Kinder (alle Menschen eigentlich) können auf sehr unterschiedlichen Wegen glücklich werden, und wahrscheinlich am ehesten, wenn die Eltern die Sache gelassen angehen können.
ich finde die überall zur Schau gestellten dicken Bäuche einfach nur hässlich. Wer will, kann sich ja zu Hause exhibitionieren.
Ich werde nie vergessen, wie im Geburtsvorbereitungskurs die Leiterin eine Dame neben mir ins Visier nahm. Blick wanderte nach unten, zu den Füssen. “Das geht denn aber nicht!” Sie trug heisse Pumps mit Absatz… So beendete ich diesen Kurs sofort und versuchte nicht mehr perfekt zu sein.
@Max Meier
von wegen zurr Schau gestellten dicken Bäuche??? das ist so ziemlich das natürlichste der Welt!! aber die dicken Bierbäuche stören dann nicht?? Vor allem sind die dann nicht einfach nach 10 Monaten so gut wie weg……