
Zoë Jenny, 35, veröffentlichte mit 23 ihren Debütroman «Das Blütenstaubzimmer», der weltweit gefeiert und in 27 Sprachen übersetzt wurde. Seither hat sie zahlreiche Romane geschrieben und lebte unter anderem in Berlin und New York. Im Mai 2010 erscheint ihr erster in englischer Sprache geschriebener Roman «The Sky is Changing». Zoë Jenny lebt in London und erwartet ihr erstes Kind.
Lesen Sie auch die bereits erschienen Beiträge: «Das dreckige Dutzend» von Mona Vetsch, «Kränkung bei Kerzenschimmer» von Bänz Friedli und «Schenken und schenken lassen» von Christine Maier und «God bless the child, and the mother, too» von Chris von Rohr.
Die Wintermonate sind eine gute Zeit schwanger zu sein – das sagen mir jedenfalls alle Mütter – und die müssen es ja wissen. Der sogenannte «nesting instinct» werde in der kalten Zeit noch zusätzlich angekurbelt. «Aber wenn du noch etwas Vernünftiges machen oder schreiben willst, mach es lieber jetzt», warnte mich eine Freundin und Mutter von zwei Kleinkindern. «Denn», erklärte sie in sachlichem Ton, «in den ersten paar Monaten mit einem Baby gerät man in einen Zustand totaler Verblödung». «Baby Brain» heisst das Phänomen und soll mit der erhöhten Ausschüttung von Hormonen zusammenhängen. Dies muss der Grund sein, warum ich plötzlich nicht nur alles mögliche vergesse und verlege, sondern auch masslos fasziniert bin von der grossen neuen Welt der Babyprodukte. So habe ich mich beispielsweise in den letzten Wochen eingehend mit so unglamourösen Dingen wie Brustpumpen, Sterilisiergeräten und geruchlosen Windelentsorgungsmaschinen beschäftigt. Eine geniale Erfindung, die Windeln automatisch geruchlos macht und zur leichten Entsorgung in wurstförmige Tütchen verpackt.
Ein Produkt, von dem ich mir besonders viel versprach, ist das sogenannte Schwangerschaftskissen. Nach gründlicher Nachforschung im Internet – ja, es gibt Foren, die sich ausschliesslich mit dem Thema Schwangerschaftskissen beschäftigen! - entschied ich mich für ein U-förmiges Monstrum, das den Schlaf verbessern soll. Das Problem ist, dass das Kissen mindesten zwei Drittel des Bettes in Beschlag nahm – also eine Art Fort bildete – in dem ich auf Nimmerwiedersehen verschwand. Denn einmal in dem Kissen versunken, ist es nur unter grossen Anstrengungen und dank einigen Kletterkünsten wieder möglich, daraus hervorzusteigen. Mein Mann wurde an die äusserste Kante des Bettes verdrängt und beklagte sich, dass er das Bett jetzt nicht nur mit mir und meinem gigantischen Bauch, sondern auch noch mit einem überproportionierten Kissen teilen müsse. Es hat nicht lange gedauert, da ist das Kissen dann auch unter dem Bett gelandet, wo es jetzt von unserem Mops – unter den anfeuernden Rufen von meinem Mann – Abend für Abend als unerwünschter Eindringling genüsslich zerfleischt wird.
Die Veränderungen in einer Schwangerschaft sind beträchtlich. Nie und nimmer hätte ich es beispielsweise für möglich gehalten, dass meine heissgeliebten Louboutins jemals zuammen mit all den anderen glamourösen High Heels im Sibirien meines Schuhschranks verschwinden würden. Nachdem ich mich Winter für Winter gegen die unsägliche Mode der Klumpschuhe resistent gehalten habe, watschle ich jetzt zu meinem eigenen Entsetzen in herrlich bequemen Ugg-Boots durch die Gegend. Kürzlich habe ich beim Weihnachtseinkauf in einem Schaufenster meine Silhouette gesehen. Vor Schreck musste ich einen Moment stehen bleiben. Tatsächlich, von der Seite sehe ich jetzt aus wie ein Pinguin, der einen Wal verschluckt hat. Kein Wunder keuche ich schon bei der kleinsten Anstrengung wie ein nach Luft schnappender Fisch. Auch beim Schwangerschaftsyoga gebe ich kein besseres Bild ab. Bewegungen, die ich einst als geriatrisch eingestuft hätte, sind kaum mehr zu bewältigen. «Come on ladies!», ruft die Lehrerin aufmunternd in die Runde ,«get your legs up!» Schön wärs.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Korr.: von einem der Coca-Cola-Men
@Lina: ich sagte “sprachlich hat mir ihr Artikel gut gefallen”. Das ist eine Formulierung der Diplomatie.
…siehst du: man kann auch ohne viele worte viel sagen.
Entspannender Text, der nicht so bedeutungsschwanger daherkommen will wie die sonst üblichen hier. Und nach dem Christine Meier-Text hätte ich nicht gedacht, dass es noch Frauen gibt, die ihre Highheels vergessen *g*.
Coca-Cola-Men? Ich kenne nur Minutemen.
Ich habe das mit dem cute übrigens ironisch gemeint: Schönen Frauen verzeht man- unerklärlicherweise- meistens mehr, als den Halbhübschen, Dreiviertelhübschen, Vierfünftelhübschen oder Neunundneunzighundertstelhübschen.
Am besten stehen allerdings die attraktiven Modelle da, dieser unwiederstehliche Mix aus Reife, Intellekt, erotischer Ausstrahlung und intelligenz: Denen verzeiht man- völlig unerklärlicherweise- praktisch alles. Weiss der Teufel warum. Die brauchen nur zu lächeln- und schon ist ihnen verziehen.
Aber eben: Was machen wir jetzt gegen die unendliche Leichtigkeit des Banalen und Trivilalen, dass da immer noch in unserem Leben steht, wie ein Klotz?
Das ist eine Frage, die sowohl die formalen-, als auch die stilistischen und inhaltlichen Aspekte des Schreibens betrifft. Von den phonetischen ganz abgesehen.
Und den dialektischen natürlich.
@Marcel: wie machen sie es schon wieder in der Wüste mit der unerträglichen Hitze? Sie lassen sie einfach durch sich hindurchgehen oder so ähnlich? Dieses Verfahren liesse sich uU auch auf die unerträglichen Banalitäten des (Blog-)Lebens anwenden? Frau (oder auch Mann) muss sich ja nicht gleich mit den schlichteren Gemütern solidarisieren, aber verpassen wenn einem eines dieser schlichten Gemüter in einer Sternstunde eine durchaus wertvolle Lektion erteilen könnte, das finde ich auch nicht so erstrebenswert. Diese Aussage betrifft allerdings nicht Sie… .
@Tamara: konnte den Artikel nun in Papierform lesen, das Thema “vorgeburtliche Erinnerungen&Prägungen” begleitet mich schon seit Jahren. Ich finde es spannend wie es nun auch langsam Einzug in die “offiziellen Wissenschaften” hält.
“…siehst du: man kann auch ohne viele worte viel sagen.” Diplomatie ist auch mein Selbstschutz.
Marcel, du fragst, was mit der “unendlichen Leichtigkeit des Trivialen und Banalen” anzufangen sei, mit diesem “Klotz”. Ein Paradox, ein Widerspruch – das Allzuleichte und das Allzusperrige, beides irritiert uns und reizt, mehr Gewicht daran zu hängen oder das Hindernis aus dem Weg zu räumen oder zumindest einen kleinen Umweg zu suchen. Gefällt mir. Wir müssen das Triviale und Banale beharrlich auspressen, ihm die paar Tropfen Poesie entwinden; vielleicht ist es eine Lebens-Essenz? Oder wir müssen das Triviale und Banale noch trivialer und banaler machen und es zum Erhabenen geben, wie das Quäntchen Scheisse, das angeblich in jedem sublimen Parfum schwimmt. Ein unerträglich süsser Geruch wird dadurch vermieden und das kitschige Leben bekämpft, zu Gunsten echten Tiefgangs und Höhenflugs. Eine Schwangerschaft ist nun gerade beides: enorm banal, eine biologische Alltäglichkeit, fast belanglos, wenn wir uns die Schlange derer stellen, die das auch schon erlebt haben. Enorm banal und von einer überwältigenden Intensität und existentiellen Bedeutung, die viele Sehnsüchte stillt und weckt, die eher wenig mit Brustpumpen und Stillkissen zu tun haben… Eine verpasste Chance für eine Schriftstellerin, diese beiden Elemente nicht zu vermengen. Ein kurzer Text hätte Raum geboten für hohe Dichte und Konzentration. Du nennst die “Dialektik”. – Her mit der Synthese!
Das ist jetzt aber eine ausgesprochen interessante Wendung in diesem Thread, Lina!
Ja, was tun mit all dem Trivialen und Banalen, das unser Leben ausmacht? Meine Ambivalenz zu diesem Thema hast Du klar herausgespürt. Banal und trivial bedeutet eben häufig auch kleinlich und kleinkarriert, oder wird zumindest gerne damit assoziert.
Und wie umschifft man es beim Schreiben so, dass es nicht mehr auffällt? Wie verpacke ich das Triviale so, dass es für den Leser attraktiv und sogar spannend wird?
Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Ist es nicht so, wie bei einem Fotografen, der aus einem ganz normalen, alltäglichen Motiv mit der Kamera genau den einen Ausschnitt auswählt, der alles in ein ganz neues, ungewohntes Licht setzt?
Seien wir ehrlich: Das Leben ist überwiegend banal, besteht häufig aus Nichtigeiten und nicht selten auch aus Kleinigkeiten.
Wählen wir aber aus diesem Motiv den richtigen Ausschnitt- analog zum Fotografen oben- dann schaffen wir es, auch dem Alltäglichsten das letzte Bisschen an Spektakulärem zu entlocken, das in ihm steckt!
Nur wählen die allermeisten von uns den falschen Ausschnitt. Oder haben die falsche Kamera. Oder könne eigentlich gar nicht fotografieren…
Ich muss Dir sagen, Frau Steiner, dass mir das Alltägliche sehr bewusst ist. Ich sehe in der Alltäglichkeit auch keine Langeweile mehr (wenn man jünger ist, sieht man das natürlich anders). Die schönen Momente des Lebens geniessen, ohne sich immer hinterfragen zu müssen, ob das jetzt nicht irgenwie bünzlig oder spiessig oder … sei, macht die wahre Qualität (m)eines Lebens aus. Ja, der Vergelich mit der Wüste ist richtig.
Die grössten Philosphen seien die Müllmänner, hat Charles Bukowksi (Achtung: Mitunter derbe Kost!) einmal gesagt. Gut, das war in einer anderen Zeit. Dieser Autor hat sich übrigens ganz der Wirklichkeit verschrieben und stellt sie vor allem auch sprachlich völlig ungeschönt dar. Den “ganz normalen, alltäglichen Wahnsinn” verstand er brilliant zu beschreiben, nur schon der Titel eines seiner Bücher ist spektakulär: Gedichte die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang Auch sehr schön: Diesseits und jenseits vom Mittelstreifen Oder: Gedichte vom südlichen Ende der Couch
Auf einfache Gemüter (im positiven Sinne) sollte man nicht einfach so herabschauen. Und den einfachsten Gemütern unter den Einfachen hingegen kann man auch aus dem Wege gehen.
Ja, die Müllmänner- ich liebe sie, genauso wie die Strassenkehrer und Strassenteerer, die Siedlungsputzfrauen usw.
Wer gehörte denn in die Kategorie “die Einfachsten unter den Einfachen”? Manchmal finde ich die perfid Intrigierenden schwerer zu ertragen; wobei mein den ” EudE” diese Fähigkeitz abzusprechen möglicherweise auch nicht ganz korrekt ist.
Diesen Autor werde ich mir wohl mal aus der Bibliothek ausleihen müssen, welchen Titel würdest Du mir zum Einstieg empfehlen?
Wünsche euch allen guten Rutsch – und danke, insbesondere @Brunhild und @Laura, für eure geduldigen und lebenspraktischen Ansichten, die mich oft angesprochen haben. Alles Gute im 2010!
Das war jetzt ironisch beimeint oder?
Jaja, mit dem Banalen und dem Trivialen ist es wie mit dem Kitschigen – man muss einfach den Mut haben, dem nachzuleben.
Kleinlich und kleinkariert ist es vielleicht im Auge des Betrachters – aber das ist denn auch allein des Betrachters Problem.
@Marcel 31. Dezember 2009 um 12:12
100% Zustimmung.
PS
@Lina, 30. Dezember 2009 um 12:17
Es heisst “prätentiös” – sogar in der neuen deutscvhen Rechtschreibung.
Im Internet findet man zwar mit Leichtigkeit 1000 Vorkommen von “prätenziös”, das macht es aber deswegen nicht richiger ….
Ach ja, ich vergass:
allen einen guten Start ins neue Jahr!
@Tamara: vielen Dank und gleichfalls nur das Beste. Auch Deine Posts waren immer wieder gute Herausforderungen, einmal war ein link dabei (weiss nicht mehr welcher Thread, jedenfalls nicht der mit den Religionsstunden), sehr konträr zu meinem Weltbild, aber ich bin hin und werd auch wieder mal hingehen. In meinem “normalen” Alltag wär ich wohl nie auf sowas gestossen, und um ein paar “Verständnis-inputs bezüglich Andersdenkenden” ärmer… .
@alle: bleibt ja nicht mehr so viel Zeit, nach allen Seiten guten Rutsch, viel Gelingen, Gesundheit/Durchhalten/Aushaltenkönnen, Sternstunden, tolle Begegnungen mit Mit-Menschen und Bewahrung wo immer Ihr seid, was immer Ihr macht im 2010.
Einfach mit dem Hintergrund des Gedankengutes von Alice Miller, der engagierten Kindheitsforscherin, eine Frau die aufklärt schonungslos, leider sind solche Menschen nach wie vor wie eine Nadel im Heuhaufen zu suchen. Ich habe viel von meinen Kindern gelernt, ich mache meine Kinder nicht zu SÜNDENBÖCKEN, das ist der Punkt, Kinder sind Schwämme und spühren alles, blînd werden diese destruktiven Muster gegeben ‘, die Geschichte von Adolf Hitler spricht Bände wo ist das JA ABER , wäre ja auch eine Chance, das JA ABER mal zu hinterfragen, Fanatische Rechthaberei mag ich nicht die Aussage meiner Tochter als sie sprechen konnte war “mammi mir muend nüt usser Stärbe, eine Aussage eines kleinen Kindes, erstaunlich. Nehmen wir doch endlich unsere Kinder ernst und rächen wir uns nichtmehr an unseren Kindern blindlinks mit Fanatismus “Nur zu deinem Guten”, ich hoffe Mensch hat endlich diese Verlogenheit durchschaut