Leben


Christine Maier am Montag den 28. Dezember 2009

Schenken und schenken lassen

MAMABLOG-Christine-Maier-01

Christine Maier, 44, ist Mutter von Naomi, 14, und Robin, 13. Seit 2001 moderiert die Zürcherin die Diskussionssendung «Club» auf SF 1. Vor drei Jahren übernahm sie auch die «Club»-Redaktionsleitung. Christine Maier ist mit David Dimitri verheiratet.

Morgen schreibt an dieser Stelle Chris von Rohr. Lesen Sie auch die bereits erschienen Beiträge: «Das dreckige Dutzend» von Mona Vetsch und «Kränkung bei Kerzenschimmer» von Bänz Friedli.

«Es git numme öppis ganz Chlises, wenn überhaupt», hab ich meinen Teenagern vor drei Wochen vollmundig verkündet, mit Blick auf Weihnachten und die Päcklischlachten der früheren Jahre. Unvergessen das Tohuwabohu, wenn alle Geschenke aufgerissen waren. Überall Papier, Bändeli, Gebrauchsanleitungen. Auf dem Sofa matte, satte Gäste mit einem Glas Wein in der Hand. Die Hausfrau – also ich – mit einem Abfallsack bewaffnet in den High Heels auf den Knien um den Baum rutschend, um Papier einzusammeln und Karton zu falten. Begleitet von meinen Kindern, die mitrutschen mussten. Was sie für einmal mit höchster Aufmerksamkeit taten. Schliesslich waren auch schon Playmobil-Monster und Gutscheine meiner weihnächtlichen Ordnungswut zum Opfer gefallen. Da mussten sie natürlich auf Nummer sicher gehen.

Jedenfalls sollten diese Zeiten vorbei sein. Nie, nie, nie mehr so, haben wir uns geschworen, mein Mann und ich. Schliesslich, und das erklärten wir unserem Nachwuchs mit Nachdruck, waren die Kinder schon das ganze Jahr über reich beschenkt worden, einfach so. Die Handys, der Laptop, das Tauchbrevet und und und. Die Kinder waren erstaunlich nachsichtig mit uns und fanden, dass das ganz o.k. sei und wir uns keine Sorgen machen sollten. Weihnachten würde sicher auch so ganz schön werden. Ich war ganz gerührt über das Verständnis der beiden. Und stolz darauf, dass unsere Erziehung doch noch Früchte zu tragen schien. Unsere Kinder waren nicht dem Konsumrausch verfallen, sie würden Weihnachten auch so geniessen. Wie wunderbar.

Die beiden zogen sich fröhlich in ihre Zimmer zurück, die sie bis auf Weiteres zur verbotenen Zone erklärt hatten. Geschenkpapier, Klebband verschwanden. Am Tisch flüsterten sie geheimnisvoll miteinander. Es weihnachtete. Ihre Eltern zerbrachen sich derweil den Kopf, was den «öppis Chlises» sein könnte. Ich wusste schon, was unsere Tochter sich von Herzen wünschte. Das sei hier nicht verraten. Und unser Sohn, klar, der würde so grosse Freude haben, an… Um es kurz zu machen: Ich habe es besorgt. Habe mich in den Weihnachtsrummel gestürzt und zu Hause eine geheimnisvolle Miene aufgesetzt.

Ja, ich war inkonsequent. Und ja, es hat mir Spass gemacht. Ich konnte einfach nicht anders. Meinem Mann hab ich nichts gesagt. Aber für ihn hab ich auch noch was gefunden, obwohl wir fest ausgemacht hatten, dass wir uns nichts mehr schenken würden. Er selber kam übrigens mit einem ganzen Sack voller «öppis Chlisem» von seiner Tour aus Frankreich zurück. Ohne es mir vorher gebeichtet zu haben. Wir mussten lachen. «Es ist ja nur einmal Weihnachten», meinte er. Und die Kids? Die waren nicht sonderlich überrascht über die Geschenke und erklärten ihren verdutzten Eltern: Sie hätten keinen Moment im Ernst daran geglaubt, dass wir unser Vorhaben durchziehen würden.

«Schliesslich sagt ihr das jede Weihnachten», meinten sie gleichmütig.

58 Kommentare zu „Schenken und schenken lassen“

  1. Rahel sagt:

    Viele Jahre war es bei uns Brauch, unter uns Erwachsenen Lösli zu ziehen wer wen beschenkt. So bekam einfach jede/r je ein Geschenk. In den letzten Jahren schenkten wir Erwachsenen uns nichts mehr. ( Dieses Jahr haben wir alle in dieser Hinsicht versagt, grins, aber irgendwie haben wir alle es genossen, auch mal wieder zu schenken und beschenkt zu werden ). Auch schon haben wir ein Kässeli aufgestellt und jede/r hat am Weihnachtsabend im Kreis der Familie den Betrag eingeworfen den er/sie sonst in etwa für Geschenke ausgegeben hätte. Der so zusammengekommene Betrag haben wir dann an eine Hilfsorganisation geschickt.

  2. Monsieur de Hummel sagt:

    @ Laura

    Arroganz finde ich auch etwas hart, aber der Ausdruck “Zeit schenken” kommt auch etwas gar gönnerhaft daher…Entweder man macht an Weihnachten etwas zusammen oder halt nicht. Wenn man es tut, würde ich aber nicht unbedingt davon sprechen, dass Zeit verschenkt wurde.
    Auf jeden Fall schenkt derjenige, der nur Zeit mitbringt, mit Sicherheit am wenigsten, da die materiell Schenkenden unweigerlich auch Zeit dafür opfern…;)

    Btw, gegen High Heels tragende Frauen auf Knien hat doch kaum ein Mann etwas einzuwenden. Ich auf jeden Fall würde mich stets freuen, derartiges unter dem Christbaum vorzufinden. ;)

  3. Laura sagt:

    @Monsieur de Humme
    ich werde dann heute Abend nach der Arbeit meine Nachbarin, bei der vor kurzem Knochenkrebs diagnostiziert worden ist und deren Sohn es vorgezogen hat, sie mit einem neuen Fernseher alleine zu lassen um in die Karibik zu fliegen mit seiner neuen Flamme, fragen, ob sie es auch als gönnerhaft empfunden hat, dass sie mit uns Weihnachten feiern konnte. Ach ja, die liebe Frau ist Sozialhilfe Empfängerin und kann es sich nicht leisten Geschenke zu machen, nicht mal an Weihnachten und nicht mal “öpis Chliises”. ich denke, wir hätten diese liebe Frau sehr in Verlegenheit gebracht, wenn wir auch noch Geschenke verteilt hätten. Aber die meisten von den Schreibenden hier, wissen wohl nicht, wie es sich anfühlt, wenn man alleine ist und was es bedeutet, wenn jemand da ist, der zuhört, aufrichtig zuhört, gerne zuhört, Anteil nimmt und nicht bloss die Augen verschliesst, weil es einfacher gehen würde.

  4. Rahel sagt:

    @ Laura

    Ich finde das eine wunderschöne Idee von Euch als Familie. eine einsame Person mit Euch Weihnachten feiern zu lassen!

  5. Katharina sagt:

    Als ich den Passus wegen den High Heels und auf den Knien las, dachte ich mir, oh nein, nicht wieder so wie beim vorhergehenden Eintrag mit den falschen Grössen.

    Aber mir hat Christine Maiers Beitrag gefallen, weil ich ihn ehrlich fand. und er gibt einen Einblick über den respektvollen Umgang zwischen Eltern und Kindern.

    Wir hatten ja anders gefeiert am 24. Der Forrest Gump Moment mit meinen pair o’ knockers fanden alle dermassen lustig, dass am Schluss alle UNISONO lautstark den Spruch wiederholten.

    Den Gschänkli-Trip wollten wir auch nicht machen. aber wie Christine schreibt, war dann doch ein kleines Päckli am morgen da für mich. da waren auch Kugeln drin. die sind dann mit einer art faden miteinander verbunden. den Rest des Spiels kann ich hier nicht schildern. Aber schön war das dann, mucho caliente.

  6. Katharina sagt:

    @Laura:

    das war eine sehr liebe Geste Eurer Nachbarin gegenüber.

    Auch wenn es aus der Distanz so ausschaut, dass der Sohn kaltherzig mit seinem Karibik-Trip kaltherzig ist, kann ich mir auch vorstellen, dass es schwierig ist, mit dem Thema Tod (wegen Knochenkrebs) umzugehen. Aber es ist feige, dann einfach davonzurennen. Vielleicht gibt es aber für sein Verhalten eine Vorgeschichte. Ich denke da an Dinge wie Co-Dependency.

    Das finanzielle Problem mit dem Geschenk hätte ich so gelöst, dass ich mit ihr was einkaufen gegangen wäre und dann diskret im Laden meine Kreditkarte an das Verkaufspersonal gegeben hätte. Beim Auschecken hätten die dann Eurem Gast gesagt “It’s already taken care of’. – Würde, Dignity.

  7. Ela sagt:

    Mich macht das ” wir machen uns keine Geschenke, gäll” jeweils obersauer. Ich mache sehr, sehr gerne Geschenke. Es macht mir echt Freude, wenn sich die Gelegenheit bietet, dass ich jemandem etwas (zugegeben, wertmässig kleines) schenken kann. Nur kommt mit gewisser Regelmässigkeit vor Weihnachten die Abmachung auf, dass man sich nichts schenkt. Und an Weihnachten merke ich dann jeweils, dass ich die einzige Nuss bin, die sich daran gehalten hat. Das macht mich dann üblicherweise dermassen sauer, dass ich versucht bin den Krach unter dem Weihnachtsbaum eigenhändig vom Zaun zu brechen.

  8. mira sagt:

    @Katharina
    Geschenke fragen immer nach einer Gegenleistung. Wir fühlen uns nicht wohl, wenn wir beschenkt werden und nichts zurückschenken können. Und wenn jemand hinter dem Rücken einer Person ihr Geschenk bezahlt, dann versetzt das diese Person in ein ungutes Abhängigkeitsverhältnis. Denn diese Person wird das Bedürfnis haben, das wieder wettzumachen. Dieses Verhalten kann nicht verstandsmässig ausgeschaltet werden, da dieses Verhalten der Rasse Mensch angeboren ist. Siehe dazu auch: Caldini. Die Psychologie des Überzeugens. Daher finde ich es richtig, wenn Laura dieser Person nichts schenkt. Und da Laura ebenfalls knapp bei Kasse ist, hat sie ja auch gar keine andere Wahl.
    Ich finde Laura’s Verhalten der Nachbarin gegenüber schön. Unschön von ihr ist jedoch, Zeit gegen Geschenke aufzuwägen, da es sich um verschiedene Kategorien handelt. Zeit als “moralisch höherstehend” zu bewerten ist sehr fragwürdig.

  9. mueti sagt:

    Je länger ich hier die Kommentare lese, desto mehr habe ich das Gefühl, ich passe nicht wirklich hierher.

  10. Thomas sagt:

    …ob die Tessiner das Englisch auch verstanden hätten?

  11. Nelly sagt:

    Liebe Christine und Familie

    Schön wenn Weihnachten mit Kindern gefeiert wird und man sich kleine Geschenke macht, die man liebevoll füreinander ausgesucht hat.
    Es gibt aber auch Weihnachten, da kommen die erwachsenen Kinder gar nicht mehr nach Hause, einfach so… wegen Meinungsverschiedenheiten oder anderen Vorstellungen von Weihnachten.

    Da steht man ohne Geschenke da, weil niemand vorbei kommt, um beschenkt zu werden.

  12. Laura sagt:

    @Katharina
    Ich mach keinem einen Vorwurf, ich weiss auch nicht, wie ich reagieren würde, wenn meine Eltern krank wären. Leider bin ich auch nicht in der Lage, meiner lieben Nachbarin Geschenke zu kaufen, ich lebe selber unter dem Existenzminimum mit meinen Kindern, aber ich denke, es geht auch ohne.
    Ich lebe erst seit ein paar Jahren in der Wohnung hier, vorher hat jeder für sich alleine Weihnachten gefeiert, aber seit wir hier leben, hat sich das verändert, ich als Alleinerziehende, meine drei Nachbarinnen, die alleine leben und das ältere Paar, das meinen Kindern die Ersatzgrosseltern sind, wir feiern Weihnachten zusammen, schenken uns einfach ein bisschen Zeit und vielleicht auch ein bisschen heile Welt, in der jeder zu jedem steht und jeder jeden mag. Jeder steuert zum Fest bei, was er kann, eine feine Flasche Wein, einen Kuchen, ein selber gebackenes Brot, was braucht es da noch mehr Geschenke? Ist es nicht Geschenk genug, dass man in dieser Zeit nicht alleine ist? Dass jemand da ist, mit dem man lachen und mit dem man auch weinen kann? Für meine Kinder ist es auf jeden Fall erfahrungsreich, wenn sie sehen, was sie mit ein bisschen Initiative und ein bisschen Zeit alles bewirken können. Klar kann man argumentieren, dass sich in jemanden hinein fühlen um das passende Geschenk zu machen auch Zeit kostet, aber was ist das im Vergleich dazu, einen kranken Menschen lachen zu sehen und sagen zu hören, dass er an seiner vielleicht letzten Weihnachten glücklich und zufrieden gewesen ist.

  13. Thomas sagt:

    …da ist die rote socke wieder!

  14. Laura sagt:

    @Thomas
    Tessiner sind sprachbegabt!

  15. Katharina sagt:

    @mira:

    das mit der Gegenleistung zu Geschenken hab ich nicht so gesehen/erkannt. Aber was Du wegen Abhängigkeitsverhältnis sagst, hat schon was. – Wohl der Grund, dass Geschenke Austauschen hinterfragt wird. In der Situation, so wie Laura es schildert, ist mein Vorschlag vielleicht etwas dumm.

    Ich finde, dass der Aspekt miteinander Zeit zu verbringen und das Gefühl der Gemeinschaft miteinander zu teilen, das wichtigste ist. – das war die Lektion, die ich bei meiner Mitwirkung in der Obdachlosen-Küche am 24. lernte. Ich wollte eigentlich zuerst dort nicht mithelfen – aus Angst vor meinem eigenen psychologischen Gepäck.

    Aber wie ich schon geschrieben habe, hatten alle eine sehr schöne Zeit. auch wenn davon etwas auf meine Kosten war. (Thommy Knockers, gäll Thomas ;-) und ne watsch’n kriegst Du nicht mit denen – Silverlake war ja auch mal eine Computerplattform)

    ich habe im Thread über TS etwas wegen Quantenfluktuationen geschrieben. ich sehe es so, dass unser umgekehrter Weg am Ende dorthin zurückgeht.

  16. Becky sagt:

    Nach dem unsere Kinder (4 & 2 J.) letztes Jahr an ca. 5 Abenden jeweils soviele Geschenke auspacken konnten, wie wir früher an ganz Weihnachten, haben wir dieses Jahr rigorose Geschenke-Spar-Parolen durchgeben. Mit teilweise etwas pikierten Minen haben sich dann Verwandschaft und Bekanntschaft daran gehalten, und kein Wettschenken veranstaltet. Die Kinder haben es mit echter Freude und konzentriertem Spielen mit den wenigeren und kleineren Geschenken gedankt!
    (Schliesslich wollen wir Eltern auch noch etwas zu Schenken haben ;-)
    Mein Mann und ich schenken uns sehr gerne etwas. Dieses Jahr wussten wir jedoch von einander, dass zündende Ideen ausgeblieben sind und haben auf Verlegenheitsgeschenke und den damit verbundenen Stress verzichtet.
    In der Familie ziehen wir Lose – so kann man sich in Ruhe um ein passendes Geschenk kümmern.

  17. Katharina sagt:

    “…da ist die rote socke wieder!” Was soll das? Powertrip als Gatekeeper in der Spaetschicht?

  18. Monsieur de Hummel sagt:

    Natürlich ist das (auch) schön. Aber wie schon gesagt wurde, es ist morlaisch nicht unbedingt besser, nur Zeit zu schenken. Lieber nur Zeit mit jemandem verbringen, als ihm gezwungenermassen ein Geschenk zu machen, das ist klar. Aber wenn man z.B. mit jemandem Zeit verbringt, weil man sich wieso auch immer dazu verpflichtet fühlt, ist das dasselbe.

    Wenn man sich mag und sich umeinander kümmert (oder im Notfall auch mal ohne das “Mögen”), ist das natürlich immer schön. Nur stört mich ein wenig, dass Geschenke geben fast schon als etwas Negatives angesehen wird. Ähnlich der Ansicht, dass die armen Leute automatisch die herzlicheren und besseren wären als die besser verdienenden.
    Denn wenn du nicht unter dem Existenzminimum leben würdest und deine Nachbarin auch nicht, würdet ihr euch vielleicht ja auch etwas schenken, wenn ihr Lust hättet. Somit ist keines besser als das andere, alleine auf das Motiv kommt es wohl an.

  19. Thomas sagt:

    Weihnachten ist Scheisse und gottseidank vorbei.

  20. Klaus Fleisch sagt:

    Und dann fragen sich die Eltern – zurückkommend auf den Beitrag von Christine Maier – warum sich die Kinder an keine Regeln halten wollen und keine Grenzen kennen. Warum sollten sie auch, wenn es nicht nicht mal die “Alten” tun.

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