Das orgiastische Gebären, von unserer Autorin Nicole Althaus als «Höhepunkt des Schwachsinns» bezeichnet, sorgte hier im Blog für kontroverse Meinungen. Viele Leserinnen und Leser schlossen sich dem Votum der Autorin amüsiert an, der Film erntete aber auch Lob. Er hebe die Geburt aus ihrem «klinischen» Kontext, ermutige die Frauen zu positiven Gefühlen beim Gebären, einige Leserinnen jubelten sogar, schwer zuzuordnende Gefühle, die sie bei den Geburten ihrer Kinder erlebt hätten, seien endlich bestätigt worden.
So weit, so schön. Trotzdem fand ich den Filmtrailer ärgerlich. Es beginnt schon bei der Prämisse: Wir hören Stöhnlaute, ergo muss da Lust sein, was mit einem Zusammenschnitt gelöster Gesichter untermauert wird.
Aber Entschuldigung: Schmerz und Lust haben zwar ähnliche akustische Ausdrucksformen, aber Stöhnlaute kritiklos als Zeugnisse eines sexuellen Höhepunkts anzuführen, erscheint mir doch etwas übereilt. Ausserdem erinnert es mich an die ermüdenden Stöhnorgien pornographischer Filmerzeugnisse.
Und überhaupt: Ich habe keineswegs etwas gegen Orgasmen. Aber Aussagen wie: «Das Baby stimuliert auf seinem Weg durch den Geburtskanal erogene Zonen wie der Penis beim Sex» halte ich für eine befremdende Banalisierung des Geburtsakts. Warum muss eigentlich der entblösste, ekstatische, weibliche Körper so notorisch fetischisiert werden? Inzwischen auch und zunehmend von den Frauen selbst? Soll der sexuelle Höhepunkt die Geburt upgraden? Sind wir bessere Mütter, wenn wir beim Gebären kommen? Kriegen wir bessere Babys?
Eine Geburt ist eine alle Grenzen überschreitende Erfahrung. Vielleicht fehlt uns einfach das geeignete Vokabular für dieses Erlebnis. Geburtspornos braucht die Welt dennoch nicht. (mcb)


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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Schade ist eigentlich nur dass sich die Autorin bemüssigt fühlte für uns Leser/-innen das Unwort ‘Geburts-Porno’ zu erfinden. So zieht sie das ganze schon mal im Vornherein ins niveaulose und stachelt auch mal alle ‘Feministinnen’ dazu an sich schon wieder zum Sexobjekt degradiert zu sehen. Dabei hat der Film über den ‘orgasmic birth’ nun wirklich nichts das Weibliche degradierendes an sich. Wirklich irritierend dass uns der Mamablog mit so primitiven Porno-Querschlüssen nicht einfach verschont.
Ein Blog widerspiegelt eine persönliche Meinung und dient – insbesondere wenn an solch prominenter Stelle präsent – mitunter der Provokation. Weshalb nun miesepetrige LeserInnen sturmlaufen, kann nur mit deren Unerfahrenheit im Umgang mit neuen Medien erklärt werden. Dass jedoch eine hochoffiziöse Redaktorin in den Blog eingreift ist einfach nur peinlich.
Vielleicht sollten sich Frau Althaus und Frau Binswanger zuerst den Film anschauen, über den sie bloggen und den sie als “Geburtsporno” deklassieren? Wenn frau zum Ausdruck “Geburtsporno” greift, ist wohl bewiesen, dass “…einfach das geeignete Vokabular für dieses Erlebnis fehlt”. Danke für das Eingeständnis der Autorin, dass Ihr für einen fundierten Blog-Eintrag die Worte fehlen.
Frau Binswanger berichtet aus eigener Erfahrung “… von sexueller Lust, aber auch von Unlust, ist die Geburt indes etwa so weit entfernt, wie ein Raumflug vom sonntäglichen Familienspaziergang” – wo bleibt da die “ich” Botschaft? Sie spricht damit den anderen Frauen ab, eine Lustempfindung beim Gebären zu haben.
Und NEIN, nur weil keine Lust während der Geburt empfunden wurde, ist frau keine schlechte Mutter oder das Kind minderwertig. Es heisst nur, dass frau diese Erfahrung nicht geteilt hat. Punkt.
Nach solchen “Aufklärungen” zu einer weiteren “sexuellen Befreiung” der Frau wird es nur wieder noch mehr Idioten geben denen Kinderpornos, Sado-Maso-Praktiken und dergleichen noch nicht genug sind und die sich mit dieser neuen “Erotik” scharf machen. Schon bald wird es Geburts-Pornos geben, welch ein Fortschritt. Immerhin haben sich die Macher damit einen populären Namen gemacht und können ihre Publizität auskosten – am Ende dreht es sich ja nur darum, über die Folgen solcher “Untersuchungen” wird nicht nachgedacht und es ist ja auch egal.
Frauen, verweigert Euch doch solchem Mist und lasst Euch nicht unter Druck setzen. Der Kaiserschnitt ist die beste Erfindung, seit es Geburten gibt, schmerzlos schnell und komplikationsfrei. Wenn Frauen behaupten, beim Gebären einen Orgasmus zu kriegen, wissen sie ganz einfach nicht, was das ist. Aber eindrücklich, was frau sich alles einbilden kann.
Ich sehe nichts schlechtes an diesem Film. Es zeigt Frauen während sie gebären. Das ist etwas ganz natürliches. Falls eine Frau während des Gebärens tatsächlich einen Orgasmus haben sollte, was ich mir nicht vorstellen kann, dann gönne ich es dieser Frau ihre Schmerzen so überwinden zu können.
Eine Frau sollte in meinen Augen selber entscheiden dürfen, wie sie ein Kind zur Welt bringt. Es sind ja schliesslich ihre Schmerzen.
Au backe, Kaiserschnitt = schnell, schmerzlos und komplikationsfrei, da ist wohl jemand Arzt auf Provisionsbasis…
Kaiserschnittgeschädigte, meldet Euch zu Wort um dieser unerhörten Pauschalisierung entgegen zu treten
Letzten Endes ist es wieder eine Frage der persönlichen Moralvorstellungen ob man diesen Film als wertvoll/-los empfindet. Ich für meinen Teil kann gerne darauf verzichten.
Jacqueline liefert aber zugleich auch noch eine Steilvorlage für’s nächste Blog-Thema:
“Was ist ein Orgasmus?”
Ups, Kaiserschnitt gleich schmerzlos und kompikationsfrei-das ist wohl der grössere Mist, als der “Geburts-Porno”Titel-obwohl auch der sehr unpassend gewählt wurde!
Naja, es braucht wohl noch lange bis viele Frauen sich wieder getrauen ihrem Vertrauen in den eigenen Körper mehr zu vertrauen als dem Herr Doktor und dem KS…
Schade, die natürliche Geburt ist etwas vom bewegendsten und eindrücklichsten, das ich in meinem Leben erfahren durfte. Die Zeit der Wehen und der Schmerzen (ja ich hatte Schmerzen und keinen Orgasmus:-) )war einmalig und ich bin dankbar durfte ich wenigstens einem meiner Kinder diese Art des auf die Welt kommens schenken. Begleitet von einer tollen Hebamme, in einer ruhigen, persönlichen Umgebung!
Typisch Emanze. Hat was gegen Pornos und der “fetischisierung” des weiblichen Körpers.
Kaiserschnitt schmerzlos und komplikationsfrei?! Natürlich, meine Blutungen während des KS und die vereiterte Wunde danach waren ein Spaziergang! Kann keine Frau sein, die so was schreibt!
Ob man nun einen Orgasmus erleben kann oder nicht ist mir egal, ich frag mich einfach, wieso man jetzt auch noch die Geburt sexualisieren muss, nachdem es die Männer schon nicht schaffen, in einer stillenden Frau eine Ernährerin zu sehen, sondern nur ein paar nackte Brüste.. das einzig Sexuelle an der Entstehung meines Kindes war die Zeugung, fertig aus.
@mcb: Wenn für Sie der Hinweis auf die Stimulation der erogenen Zonen bei der Geburt eine befremdende Banalisierung des Geburtsakts darstellt, dann sind Ihnen offenbar ein paar (banale oder wundervolle, je nach Perspektive) physiologische Tatsachen über Ihren Körper verborgen geblieben. Alles was gross genug ist und durch den Geburtstkanal bewegt wird stimuliert diese Zonen, ob Sie wollen oder nicht. Z.B, auch das Spekulum bei der Gynäkologin. Mir fehlen aber die Hinweise wo der Film den Geburtsakt darauf reduziert – er stellt doch einfach nur den Zusammenhang her ohne zu behaupten dass das bei der Geburt das Wesentliche ist. Und die Stimulation allein bedeuted ja noch nicht Lustempfinden, da braucht es noch die emotionale Bereitschaft. Diese emotionale Bereitschaft ist auch bei der Geburt ein Potenzial, aber sicher kein Muss. Sie kann je nach Set und Setting der Geburt offenbar gegeben sein, oder auch nicht.
Also, es gibt Frauen, die bei der Geburt Orgasmen haben und darüber einen Film machen. Und es gibt Frauen wie Sie und Nicole Althaus, die darin einen Porno sehen und dagegen anschreiben. Wir haben es gehört.
Für Ihre Meinung – mehr ist es nämlich nicht – hätte ein Kommentar, wie für uns Normalsterbliche auch, gereicht. Werden Sie jetzt jedesmal eingreifen wenn ein Thema kontrovers diskutiert wird um klar zu machen, welches die richtige Seite ist? Tun’s Sie’s bitte nicht – wie Marvin schreibt ist das nur peinlich.
Danke auch @Melanie und @Erika Halter für die Kommentare.
Vieleicht hat die Frau ja keine Kinder oder noch nie einen Orgasmus gehabt… Vieleicht sogar beides?
Meine Gefühle, bei der Geburt meiner Tochter, würde ich als Leihe folgendermassen einordnen: Schmerzen, Hormonumstellung, Liebe, Verantwortungsgefühl und nicht zu vergessen Muttergefühle! Warum denn immer was neues erfinden, wenn das alt bewährte schon perfekt war. Der Gefühls-Cocktail war interessant, meine Orgasmen fühlen sich aber doch komplett anders an.
Sollte es Frauen geben, welche die Geburt ihrer Kinder mit einem Orgasmus erlebt haben, dann bitteschön, ist doch toll wenn man beim eigenen Ehemann auch mit rein-raus Taktik zum Orgasmus kommt oder? Hat so was simples….
Einen Kaiserschnitt als schnell, schmerzlos und komplikationsfrei zu bezeichnen, ist eine verantwortungslose Banalisierung eines chirurgischen Eingriffs, der in unserer Gesellschaft als solcher unterschätzt wird. Schon allein das Wort “Kaiserschnitt” ist purer Euphemismus, wir sollten die Dinge beim Namen nennen und erkennen, dass es sich hier um eine Operation handelt, die wie alle Operationen gewisse Risiken und Folgeerscheinungen auf physischer und psychischer Ebene hat. Da diese Risiken und Folgeerscheinungen keineswegs banal sind, sollte diese Technik nur im Falle einer wirklichen Notwendigkeit angewandt werden.
Zur Diskussion um den Dokumentarfilm stimme ich mit Erika, Rahel und Melanie überein: jetzt ist schon ganz klar, dass die Journalistinnen des Mama-Blogs den Film nicht schätzen – ich finde es trotzdem herrlich, dass der biblische Fluch der unter Schmerzen gebärenden Frau von mutigen Filmemacherinnen entmystifiziert wird.
Beide Geburt und Orgasmus als auch Sexualität allgemein sind natürliche Ereignisse. Und es ist rein wissenschaftlich nachvollziehbar, dass die Geburt einen Orgasmus auslösen kann. Es ist überflüssig, moralische Predigen und Emanzipation hier mit einzuziehen. Es wäre jedoch bedenklich (allein und zumindest aus Datenschutzgründen gegenüber dem Kind), wenn das Geburt nun auch in der Porno-Szene eingesetzt wäre. Geburt ist immer noch eine private familiäre und sehr positive Sache und sollte als sollte auch betrachtet werden.
Es ist schon gemein genug, dass wir Männer nicht gebären dürfen. Jetzt wird uns auch noch der kostenfreie Orgasmus dazu vorenthalten. Und wer als Mann allein vom Zuschauen einen kriegt, der darf wohl hoffen, dass das die Spitze seines Fetischs ist.
Doch doch, ich bin eine Frau und weiss, was ein Kaiserschnitt bedeutet. Im Vergleich zu einer normalen Geburt wirklich ein Spaziergang. Aber das darf eine Frau natürlich nicht sagen, ja es sich nicht einmal eingestehen, falls sie es erfahren hat, schliesslich hat sie unter Schmerzen zu gebären, so steht es schon im alten Testament. In diesem Zusammenhang ist es sicher interessant zu erwähnen, dass sich, nach Berufen aufgeschlüsselt, die Gynäkologinnen am ehesten für einen geplanten Kaiserschnitt entscheiden, wenn es um die Geburt der eigenen Kinder geht (diese Studie wurde in Deutschland gemacht und vor einigen Jahren u.a. in der Weltwoche veröffentlicht). Eben, eine Geburt ist nie ein sanftes Erlebnis, da helfen auch Dämmerlicht und Duftkerzen nicht. Ich wusste das, weil ich auf dem Land aufgewachsen bin und oft Gelegenheit hatte, bei Geburten von Kälbern – was mit menschlichen Geburten vergleichbar ist – dabei zu sein. Frauen sollten sich informieren und selbst entscheiden, ob sie freiwillig leiden wollen und @Corina “für die Schmerzen dankbar sein”.
Ach soooooo, da hab ich ja ganz schön was falsch gemacht, bei mir tat das Gebären nämlich einfach nur höllisch weh. Und auch wenn die Gynäkologin mit ihren Instrumenten an mir rumwerkt, finde ich das nicht besonders berauschend. Bin ich jetzt frigide, oder was?
Ich bin ehrlich gesagt ziemlich schockiert von diesem unsäglichen Film, fast noch mehr aber über die vielen positiven Kommentare. Als nächstes kommt dann die Doku über stillende Mütter, die beim Stillen usw. weil ja da die Brustwarzen so schön stimuliert werden.
Es folgt einer gewissen Logik, dass die Suche nach dem weiblichen Orgasmus dort endet, wo Mann nicht mehr mitreden kann. Vielleicht wird es die Medizin eines Tages ermöglichen, den Körper zu tauschen oder das Empfinden zu dekodieren und allgemein verständlich zu beschreiben oder sogar nachempfinden zu lassen. Aber bis es so weit ist, könnte man sich vielleicht damit zufrieden geben, dass es große individuelle Unterschiede gibt, dass manche ihre Gefühle lieber für sich behalten und andere lieber hinausposaunen. Ich plädiere für Vielfalt und gegen generelle Kategorien und Urteile. Jede gebiert für sich allein!
Diese Mär vom Geburtsorgasmus wurde schon vor mehr als 24 Jahren in den VSA verbreitet. Eine Frau schrieb in einem Buch dazu: … like fucking with God (was immer das heißen mag). Warum erregt dieses uralte, ausgelutschte Thema heute die Gemüter? Gibt’s keinen Fortschritt?
Nun ja, sexuelle Gefühle sind schlecht und wenn es bei der Geburt so etwas wie sexuelle Gefühle gibt, dann ist das logischerweise ebenfalls schlecht. Und zwar grundsätzlich, damit man sich überhaupt nicht die Mühe machen muß, auch nur ansatzweise darüber nachzudenken.
Frau Althaus macht hier nicht mehr und nicht weniger, als den Produzenten der Dokumentation einen Betrug vorzuwerfen – und zwar nur mit dem Hinweis, daß das Stöhnen und die Gesichtsausdrücke etwas anderes als ein Ausdruck der Lust sein *könnten*. Aber so geht das nun einmal nicht, das ist kein sauberer Journalismus. Auf die gleiche Weise könnte man ziemlich viele Fotos aus dem Verkehr ziehen lassen, weil der Gesichtsausdruck auf eine Gewalttat hinweisen *könnte*.
Nichts gegen sachlich begründete Kritik, aber hier ist Frau Althaus auf ihrer eigenen Ideologie ausgerutscht und hat (zumindest grundsätzlich) gesehen, was sie sehen wollte. Ich finde das unmöglich, denn die angebliche Schützenhilfe, die Frau Althaus uns Frauen mit dem Hinweis die “Banalisierung des Geburtsakts” und die “notorische Fetischisierung des weiblichen Körpers” bringen will, ist doch letztlich nur eine neue Gefangennahme – nämlich die prüder Normierung. Solche, die noch immer viele Frauen steif und unglücklich im Bett macht, uns Schuldgefühle beim Stillen beschert, falls sich das angenehm anfühlt – und eben auch von vornherein den Versuch unternimmt, von den Schmerzen der Geburt zu einem anderen Erlebnis zu führen. Ich sage ja gar nicht, das das jede Frau potentiell können oder wollen muß oder was auch immer in dieser Richtung. Aber was Frau Althaus sich hier geleistet hat, ist kein Akt der Emanzipation, sondern das völlige Gegenteil.