
Weiss gepuderte Glückseligkeit: 35 Jahre nach der Premiere wird die erfolgreichste Märchenverfilmung Europas «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» von Vaclav Vorlicek wieder in Deutschen Kinos gefeiert.
Es wird langsam Zeit ein bisschen Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Die kommt ja in emanzipierten Haushalten vor lauter absprechen, wer sich dieses Jahr um Chlaus und wer sich um die Gans kümmert, zuweilen zu kurz. So dachte wohl meine Freundin, die Vierzigjährige, und lud drei Paare samt Anhang zum Nüsseknacken ein. Der Abend wurde zur Knacknuss. Und es lag für einmal nicht an den Kindern. Stammleser können sich vielleicht noch an meine Freundin erinnern, die Dinge so ungeniert beim Namen nennt, dass es ihr regelmässig gelingt, damit gesellige Runden auf mute zu schalten. Nun, am besagten Abend hätten wir den Ton fast nicht mehr gefunden. Dabei fing alles so schön an. Der Kinderschlaf war perfekt auf das Ende des Films «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» getimt und als die Jungmannschaft selig im Massenlager ihren Weihnachtsträumen entgegendämmerte, fing es draussen an zu schneien. Was grenzenlos romantisch, aber offenbar nur begrenzt zu ertragen war.
Vater 1 mit Blick aus dem Fenster: «Schenken wir uns eigentlich was?»
Mutter 1: «Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?»
Vater 1: «Doch. Jetzt hätt’ ich grad noch Zeit für den Einkauf.»
Mutter 1: «Ach, lassen wirs.»
Vater 1: «O.k.»
Mutter 2: «Irgendwie unromantisch, find ich.»
Vater 2: «Aber präventiv. Wer will schon einen Ehekrach unterm Tannenbaum.»
Mutter 2: «Dafür müssten wir erst heiraten, Liebster.»
Gastgeber: «Will noch jemand einen Schluck?»
Vierzigjährige: «Lass Mann, jetzt kümmern wir uns endlich mal um das Liegengebliebene.»
Gastgeber: «Eben.»
Vater 2: «Liegts am Film oder willst Du tatsächlich plötzlich eine Weihnacht und eine Hochzeit in Weiss?»
Mutter 2: «Das wollt ich schon immer.»
Vater 2: «Und das sagst Du mir jetzt?»
Vierzigjährige: «Hast du sie mal gefragt?»
Vielleicht lag es tatsächlich am Film, an diesen eineinhalb Stunden weiss gepuderter Glückseligkeit, in der die Liebenden zum Schluss auf zwei Pferden aber gemeinsam in die Zukunft reiten. Jedenfalls hörte man an diesem Punkt des Gesprächs eine ganze Weile den Schnee fallen. Eine gute Gelegenheit anzufügen, dass die Gäste einer Generation angehören, die das Unwort «Lebensabschnittspartner» in Umlauf brachte. Ein Begriff, welcher die Beziehung mit dem «bis das der Tod…» auch gleich vom Kitsch befreite. Wer über die Ehe sprach, nahm keine grossen Gefühle in den Mund, sondern argumentierte mit Zahlen (Progression) oder Statistiken (Scheidung) oder anderen generationstypischen Werten (Individualismus, Krippenplatz). Und wenn die Kosten-Nutzen-Rechnung doch mal für eine Hochzeit sprach, fand sie ganz nüchtern auf dem Standesamt statt. Ehrensache. Doch an diesem Abend fragte ich mich plötzlich, ob die tiefe Heiratsquote vielleicht gar nicht die Folge von Vernunftsentscheiden war, sondern das Resultat einer einfachen Frage, die während der Gleichberechtigung vergessen ging: Willst Du mich heiraten?
Vater 2: «Mich hat auch niemand gefragt.»
Mutter 2: «Ich dachte, du wolltest nicht.»
Vater 2: «Willst du denn?»
Mutter 2: «War das eben ein Antrag?»
Die Vierzigjährige klatscht in die Hände: «Leute, habt ihr gehört? Das war der Antrag des neuen Jahrhunderts: Sie hat ihn eben gefragt, ob er sie fragen will, ob sie ihn heiraten will!»
Ja, liebe Leserinnen und Leser, so sieht emanzipierte Romantik aus! Aber dieses Jahr, da bin ich mir ganz sicher, schenken wir einander was. Ich wünsche Ihnen weisse Weihnachten.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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Warum braucht es denn überhaupt einen Antrag? Ich hab mich mit meiner Partnerin zusammengesetzt und die Situation analysiert. Da wir einen Hausbau planten und uns Kinder wünschten, war eine Ehe das vernüftigste. Also haben wir geheiratet. Und es war ein wunderschöner Tag.
Wenn sich Männer unerwartet verändern, steckt meist eine Frau dahinter. Bei der Verwandlung von Thomas dem “Homo-Einzeiler” in Thomas den “Einzeiler-Homo” scheint aber wohl eher, ein Mann dahinter zu stecken. Irgendwie typisch Mamablog – auf mitunter schräge Themen folgen noch schrägere Threads. Höchst unterhaltsam das Ganze.
@max: nur alle 14 Tage? Das geht ja noch, ist ja schon fast saumässig stur. Ich bin viiiel flexibler.
@Mia
In dem speziellen Fall war es so, dass ich Kreuzchen in den Kalender machte. Immer die letzte Woche vor Neumond habe ich mich rechtzeitig vorgesehen und in Sicherheit gebracht. Woher dieser gleichförmige Rhythmus kam, habe ich nie herausgefunden.
Ein richtiger Mann geht keine unnötigen Risiken ein. Es gibt sinnlose Kämpfe, die man sich sparen kann. Sun Tsu meinte zum Thema, dass nicht der beste General ist, wer die ruhmreichsten Schlachten schlägt, sondern derjenige, der den Reichtum seines Kaisers mehrt.