Leben


Nicole Althaus am Montag den 21. Dezember 2009

Eine Knacknuss für Aschenbrödel

Weissgepuderte Glückseligkeit. 35 Jahre nach der Premiere wird der Kultfilm von Vaclav Vorlicek wieder in Deutschen Kinos gefeiert.

Weiss gepuderte Glückseligkeit: 35 Jahre nach der Premiere wird die erfolgreichste Märchenverfilmung Europas «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» von Vaclav Vorlicek wieder in Deutschen Kinos gefeiert.

Es wird langsam Zeit ein bisschen Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Die kommt ja in emanzipierten Haushalten vor lauter absprechen, wer sich dieses Jahr um Chlaus und wer sich  um die Gans kümmert, zuweilen zu kurz. So dachte wohl meine Freundin, die Vierzigjährige, und lud drei Paare samt Anhang zum Nüsseknacken ein. Der Abend wurde zur Knacknuss. Und es lag für einmal nicht an den Kindern. Stammleser können sich vielleicht noch an meine Freundin erinnern, die Dinge so ungeniert beim Namen nennt, dass es ihr regelmässig gelingt, damit gesellige Runden auf mute zu schalten. Nun, am besagten Abend hätten wir den Ton fast nicht mehr gefunden. Dabei fing alles so schön an. Der Kinderschlaf war perfekt auf das Ende des Films «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» getimt und als die Jungmannschaft selig im Massenlager ihren Weihnachtsträumen entgegendämmerte, fing es draussen an zu schneien. Was grenzenlos romantisch, aber offenbar nur begrenzt zu ertragen war.

Vater 1 mit Blick aus dem Fenster: «Schenken wir uns eigentlich was?»
Mutter 1: «Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?»
Vater 1: «Doch. Jetzt hätt’ ich grad noch Zeit für den Einkauf.»
Mutter 1: «Ach, lassen wirs.»
Vater 1: «O.k.»
Mutter 2: «Irgendwie unromantisch, find ich.»
Vater 2: «Aber präventiv. Wer will schon einen Ehekrach unterm Tannenbaum.»
Mutter 2: «Dafür müssten wir erst heiraten, Liebster.»
Gastgeber: «Will noch jemand einen Schluck?»
Vierzigjährige: «Lass Mann, jetzt kümmern wir uns endlich mal um das Liegengebliebene.»
Gastgeber: «Eben.»
Vater 2: «Liegts am Film oder willst Du tatsächlich plötzlich eine Weihnacht und eine Hochzeit in Weiss?»
Mutter 2: «Das wollt ich schon immer.»
Vater 2: «Und das sagst Du mir jetzt?»
Vierzigjährige: «Hast du sie mal gefragt?»

Vielleicht lag es tatsächlich am Film, an diesen eineinhalb Stunden weiss gepuderter Glückseligkeit, in der die Liebenden zum Schluss auf zwei Pferden aber gemeinsam in die Zukunft reiten. Jedenfalls hörte man an diesem Punkt des Gesprächs eine ganze Weile den Schnee fallen. Eine gute Gelegenheit anzufügen, dass die Gäste einer Generation angehören, die das Unwort «Lebensabschnittspartner» in Umlauf brachte. Ein Begriff, welcher die Beziehung mit dem «bis das der Tod…» auch gleich vom Kitsch befreite. Wer über die Ehe sprach, nahm keine grossen Gefühle in den Mund, sondern argumentierte mit Zahlen (Progression) oder Statistiken (Scheidung) oder anderen generationstypischen Werten (Individualismus, Krippenplatz). Und wenn die Kosten-Nutzen-Rechnung doch mal für eine Hochzeit sprach, fand sie ganz nüchtern auf dem Standesamt statt. Ehrensache. Doch an diesem Abend fragte ich mich plötzlich, ob die tiefe Heiratsquote vielleicht gar nicht die Folge von Vernunftsentscheiden war, sondern das Resultat einer einfachen Frage, die während der Gleichberechtigung vergessen ging: Willst Du mich heiraten?

Vater 2: «Mich hat auch niemand gefragt.»
Mutter 2: «Ich dachte, du wolltest nicht.»
Vater 2: «Willst du denn?»
Mutter 2: «War das eben ein Antrag?»
Die Vierzigjährige klatscht in die Hände: «Leute, habt ihr gehört? Das war der Antrag des neuen Jahrhunderts: Sie hat ihn eben gefragt, ob er sie fragen will, ob sie ihn heiraten will!»

Ja, liebe Leserinnen und Leser, so sieht emanzipierte Romantik aus! Aber dieses Jahr, da bin ich mir ganz sicher, schenken wir einander was. Ich wünsche Ihnen weisse Weihnachten.

65 Kommentare zu „Eine Knacknuss für Aschenbrödel“

  1. Rahel sagt:

    @ Hansueli

    Erbärmlich finde ich höchstens, wie Du Dich gegenüber Max äusserst! Es hat doch jeder hier das gleiche Recht, frei von seinen schlechten Erlebnissen und Erfahrungen zu schreiben, ohne gleich runtergemacht zu werden!

  2. Adi sagt:

    @Mia

    Interessante Erläuterungen zum Thema Ehe und Erbrecht. Hier liegt meines Erachtens sowieso das Hauptproblem, denn viele dieser Paragraphen werden der heutigen Zeit einfach nicht mehr gerecht. Ich persönlich weiss nicht ob ich einst heiraten werde oder nicht. Denn leider habe ich den Eindruck, dass viele Frauen die heutige Rechtslage wenns dann hart auf hart kommt (was eigentlich ja niemand will) ausnutzen um den Ex-Mann auszunehmen wie eine Weihnachtsgans.

    Hier wäre der Rechtstaat gefordert Mängel zu beseitigen. Dies betrifft ebenso die Erbsituation bei unehelichen Kindern oder das Besuchsrecht im Fall einer Hospitalisierung. Die aktuelle Gesetzeslage ist sehr “familienorientiert” und trägt der Tatsache dass heute vielerorts Freunde Rollen einnehmen, welche früher Familienmitgliedern vorbehalten waren zuwenig Rechnung.

  3. Thomas sagt:

    …jetzt bin ich aber etwas ins einzeilern geraten – nun aber husch husch weiter, ciao.

  4. Rahel sagt:

    @ Thomas

    Deine Sprüche sind ja witzig, tragen aber nicht sehr viel zu einer konstruktiven Diskussion bei!

  5. max sagt:

    @Hansueli

    Ja, so ist es halt wenn richtige Männer in den Krieg ziehen. Da muss man einstecken können und halt leiden.
    Und wie war das noch? In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt.

    Und nein danke, Mitleid brauche ich nicht.

    @Rahel

    Das war meine humorvolle Art, dem Mann zu gratulieren, der so eine tolle Frau gefunden hat. Also alles ganz positiv.

    @Mia

    Wenn ein richtiger Mann geradeheraus redet, dann kommt er in dieser Schweiz schnell in Schwierigkeiten. Wir leben hier in einer Konsensdemokratie, wo man Konflikte löst bevor sie entstehen.

    @Thomas

    Und wessen Brille hat sich beschlagen? Ihre oder die vom Freund?

    @Carine

    Was am Wurst-Kommentar war so lustig? Die wunderschön gemalte Weihnachtskarte für meine Herzensdame habe ich jetzt von einer Plakatmalerin geschenkt bekommen. Dafür habe ich in ihrem Atelier solange geplaudert und sie ausgefragt, dass ich die Wurst nicht mehr kaufen konnte.

  6. Adi sagt:

    @max

    Eines würde mich ja schon interessieren… wieviel Prozent der Männer hierzulande sind denn deiner Meinung “richtige Männer”, und was ist denn eine “richtige Frau” und was ist mit dem Rest? Und worin unterscheiden sich die richtigen von den falschen etc.

  7. Christchindli sagt:

    Ja, mit derm Versuch der Gleichmachung von Frau und Mann wird die schöne Romantik abgeschafft. Kehren wir wieder zurück zur wahren Romantik, zur wahren Schönheit und zum wahren Glück in dem eine Frau eine Frau sein darf und ein Mann ein Mann und wo beide einander in ihrer Verschiedenheit respektieren und lieben!

    Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute….

  8. max sagt:

    @Adi

    Kommt drauf an, die Männer, die das 1) Potential zum richtigen Mann haben oder diejenigen, die 2) das Potential ausschöpfen?

    Schätzungen
    1) 80%

    2a) in der Stadt 2%.
    2b) Auf dem Land 35%
    Durchschnitt auf die erwachsenen Männer der Schweiz 15% richtige Männer.

    Von wegen richtige Frauen, siehe meinen nächsten Einwurf (im Entstehen):
    Als richtiger Mann muss man gar nicht versuchen, die Frauen zu verstehen. Also gibt es von mir auch keine Schätzung, wer eine richtige Frau ist. Mir genügt die eine.

  9. Rahel sagt:

    @ max

    Wow……und das von einem richtigen Mann :-)
    ich fühle mich geschmeichelt ;-)

  10. max sagt:

    @Nicole Althaus:
    Wer sind Sie in dieser Geschichte? Die Mutter 1 oder die grandios unverblümte, alle belebende, beschleunigende 40-jährige?

  11. zysi sagt:

    @robert

    bei der ehe, sprich partnerwahl für das leben im hier (weiter gehen macht hier keinen sinn…) spielt geld nicht die erste rolle.
    diese aussage kann/sollte im kontext zum vorangehenden beitrag verstanden werden.

    denken sie darüber nach, wenn sie in den nächsten tagen (bis und mit silvester/neujahr) einkaufen gehen und beobachten sie …..

  12. zysi sagt:

    @max

    mein tipp: die feldforscherin ohne beitrag

  13. Adi sagt:

    @max

    interessant ;) woher nur dieses Stadt-Land Gefälle kommt…

  14. Mia sagt:

    @max: aha. Konsens Nonsens. Zum Trost: als richtige Frau hast du erst recht nicht Klartext zu reden. Sonst bist du wahlweise frigide und/oder hässlich und/oder frustriert und/oder eine Emanze und/oder gehörst schon lange einmal wieder richtig… und natürlich kriegst du deine Tage.

  15. Thomas sagt:

    @ rahel

    …steamy romance, „die frage“, geschenk – was war daran nicht konstruktiv bezogen aufs thema?

  16. Thomas sagt:

    …oder hätte ich als zeichen der emanzipation noch hinzufügen sollen, dass wir beide strings trugen.

  17. max sagt:

    @Mia

    Als richtiger Mann bin ich mir gewohnt, die Leute beim Wort zu nehmen. Da bin ich allerdings dann leichters verwirrt, wenn eine Frau alle 14 Tage und je nach Hormonspiegel das Gegenteil sagt vom letzten Mal.

  18. Rahel sagt:

    @ Thomas

    Klar war das Ganze themabezogen, aber trotzdem kann man bei so witzigen Kommentaren nicht ernsthaft diskutieren….aber ich habe mich köstlich amüsiert, war also keine eigentliche Kritik ;-)

  19. Thomas sagt:

    @ max

    …ich nehme richtige männer immer beim wort und nicht nur dort.

  20. mira sagt:

    Ich persönlich kann mit Romantik nicht sehr viel anfangen. Ich finde zwar Kerzenschein etc sehr schön, aber auf die Dauer ist mir das zu öde. Daher bin ich auch ganz froh, dass mein Mann ebenfalls eher praktisch veranlagt ist. Sein Antrag war dementsprechend spontan und da ich schwanger war, fand ich den Zeitpunkt auch sehr gut. Mir würde aber NIEMALS in den Sinn kommen, einen Antrag abzulehnen, nur weil er nicht nach Schema F aus Brigitte und co. verläuft. Ich finde das ehrlich gesagt unterste Schublade…
    Weiters denke ich, dass unsere gesellschaftliche Verknüpfung von einer “glücklichen Ehe” mit “andauernder romantischer Liebe” der Todesstoss für viele Beziehungen ist. Da könnten wir uns einiges in anderen Kulturen abgucken.

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