
Zu den Pflichten einer Schwangeren gehört der Geburtsvorbereitungskurs, bei dem in der Schwangeren-Runde die Geheimnisse der Wehen-Beatmung gelüftet werden. So stelle ich es mir jedenfalls vor, denn ich habe nie einen besucht. Er fehlte mir auch nie. Was mir als Vorbereitung auf die Mutterschaft aber schmerzlich fehlte, war ein Kinder- Erste-Hilfe-Kurs. Denn in meiner mittlerweile achtjährigen Mutter-Karriere durfte ich zahlreichen Unfällen beiwohnen, bei denen Haut und Zähne auf der Strecke blieben. Und deshalb lasse ich Sie nun an meinem doch schon reichen Erfahrungsschatz teilhaben mit ein paar Tipps, worauf man im Falle eines Falles achten muss.
Das Simple ist zugleich das Schwierigste: Nicht in Panik geraten. Natürlich ist der Schock gross, wenn einem das Blut das eigenen Kindes um die Ohren spritzt, aber sie helfen ihm wenig, wenn sie in Ohnmacht fallen und nach Riechsalz verlangen. Mutterschaft (Vaterschaft natürlich auch) ist in diesen Fällen ein Dirty Job und Sie sind die Idealbesetzung. Also bleiben Sie ruhig. Erinnern Sie sich an die Geburtsvorbereitung, atmen Sie tief durch und versuchen Sie, von ihren Gefühlen zu abstrahieren. Dann zwingen Sie sich, genau hinzusehen, welcher Art die Verletzung ist, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Bei grösseren Platzwunden, Stürzen auf den Kopf und Zahnverletzungen gilt: Sofort zum Arzt. Rufen Sie an und nehmen Sie ein Taxi. Erstens könnte ihre Fahrtüchtigkeit durch den Schock beeinträchtigt sein und zweitens können Sie ihr Kind beruhigen, wenn Sie nicht selber am Steuer sitzen.
Wenn kleine Kinder sich verschlucken, macht das Mutterherz seinerseits gern einen Luftsprung. In den meisten Fällen ist der Schreck schlimmer als der Schaden und es genügen ein paar Schläge mit der flachen Hand gegen die Schulterblätter. Besteht jedoch akute Erstickungsgefahr, ist das Heimlich-Manöver angesagt. Dabei umfasst man von hinten den Oberbauch des Kindes und platziert eine Faust unterhalb der Rippen im Bauchraum. Mit der anderen Hand erfasst man diese und führt sie mit einem kräftigen Stoss nach hinten und oben. Durch den so erzeugten Druck kann der Fremdkörper durch die Luftröhre hinaus befördert werden. Nicht angezeigt ist das Heimlich-Manöver bei Kindern unter einem Jahr, wenn eine Fischgräte verschluckt wurde oder Wasser in der Lunge ist.
Ausgeschlagene Zähne können wieder eingesetzt werden, wenn man richtig und schnell reagiert. Entscheidend ist es, den Zahn feucht zu halten, damit die Zellen nicht absterben und der Zahn wieder am Kiefer anwachsen kann. Suchen Sie also zuerst den Zahn und geben Sie acht, die Wurzeloberfläche nicht zu berühren. Dann legen Sie den Zahn in eine Zahnrettungsbox, die Sie natürlich nicht zur Hand haben. Alternativ können Sie den Zahn in eine sterile Kochsalzlösung (aus der Apotheke) oder in Milch einlegen (H-Milch, aber keine Vollmilch) oder in eine Kunststoff-Folie einwickeln. Ungeeignet sind Wasser und Speichel. Dann rufen Sie den Zahnarzt an und fahren so schnell wie möglich hin.
Gerade bei Zahnärzten ist der Punkt mit dem Ruhig-Bleiben besonders wichtig, denn Zahnärzte haben mit Kindern meist kaum Erfahrung und sind deshalb selber sehr nervös. Beruhigen Sie also zuerst sich, dann ihr Kind, dann den Zahnarzt, sonst fahren Sie nämlich weiter ins Kinderspital und verlieren wertvolle Zeit.
Auch Platzwunden am Kopf oder im Gesicht kommen bei Kindern häufig vor. Sie bluten meist stark, weil die Kopfhaut gut durchblutet ist. Auch hier gilt es, genau hinzusehen. Ist der Schädel nicht verletzt, machen Sie mit einem Verbands- oder Mullpäckchen einen Druckverband, um die Blutung zu stillen. Dann fahren Sie möglichst schnell zum Arzt.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Gehirnerschütterungen sind auch so ein Thema. Erbricht das Kind, wird es schläfrig? Und wenn alles überstanden ist, eine Valiuminfusion fürs Mami…
Richtig: Erfahrungen mit den Kindern erweitern auch der Eltern Horizont. Zum Glück sind die Kleinen (nahezu) unverwüstlich. Allerdings scheinen mir die Eskalationsstufen (Arzt, Taxi, Kinderspital) etwas gar steil und nur in den seltensten Fällen wirklich nötig (Stichwort Gesundheitskosten), meist tut’s ein Verband.
http://www.samariter.ch/de/i/content—1–1085.html und so nebenbei für abenteuerlustige Väter: http://de.scoutwiki.org/Erste_Hilfe
@Opa Meier: In Bagatellfällen soll man natürlich nicht zum Arzt, aber um die geht es hier nicht. Sondern um ausgeschlagene Zähne, Platzwunden usw. Und wenn man schnell zum Arzt muss, und glauben Sie mir, das kommt vor, dann lieber nicht selber fahren.
@M. Binswanger: Mit dem Taxi haben Sie möglicherweise recht. Allerdings scheinen Sie eine Hochrisikofamilie zu haben
– bei uns kam sowas eigentlich nie vor, obwohl unsere nicht zu den Brävsten gehört haben (Knochenbrüche, blaue Augen, Prellungen oder gebrochenes Fensterglas waren so die häufigsten Auswirkungen)?
Als unsere Kleine, damals vierjährig, zusammen mit dem Papa,den Schlittelunfall hatte fuhren wir gleich in die Notaufnahme des Krankenhauses. Ich war mehr als froh, dass der Götti der Kleinen ( mein Mann war dazu nicht in der Lage ) uns gefahren hat, so konnte ich sie auf dem Rücksitz halten und beruhigen. Diesen Tag und auch die folgenden Tage und Wochen werde ich nie im Leben vergessen! Wir waren ja auch soo dankbar, dass alles noch relativ glimpflich abgelaufen ist! Und doch: solche Erlebnisse machen es einem erst wieder so richtig bewusst, wieviele Schutzengel unsere Kinder haben, es hätte schon so manches Mal echt ins Auge gehen können!
Unsere Kleine hat sich mal beim Spielen den Unterarm ausgerenkt. Das ist extrem schmerzahft, aber schnell wieder eingerenkt. damals gingen wir zum Arzt, aber ich denke, jetzt würde ich es selber hinkriegen. Ein Wort der Vorsicht an Eltern. Die leidige Gewohnheit, das unter 5-Jährige an einem Arm zu zerren, wie einen Hund an der Leine, kann genau den selben Effekt haben.
Ich staune immer wieder, dass Eltern nicht einmal Pflästerli / Veband dabei haben (auch nicht auf Wanderungen, Veloausflügen etc)…. Habe da schon so oft ausgeholfen. Ich habe zwar selber keine Kinder, aber so etwas gehört meiner Meinung nach einfach in jede Handtasche / Rucksack. z.T. habe nicht einmal Trainer von Sportgruppen eine Notfallapotheke dabei!?!
@opa meier: ich war einmal innert 18 Monaten 12 Mal auf der Notfall, als meine eine Tochter etwa zehnjährig war. Man kannte sie beim Namen. Und nie vergebens: den halben Daumen abgeschnitten, in ein Drahtseil gerannt und den Kehlkopf verletzt, Blinddarm, Gehirnerschütterungen, Brüche aller Art… eine Wildsau halt. Oder ein Hochrisikokind, wenn Sie so wollen. Dass das nicht nur in den besagten 18 Monaten so war, sondern Dauerzustand, ist klar, damals war einfach ein Kulminationspunkt erreicht, in jeder Hinsicht, bin um Jahre älter geworden…
Bei unserem Zahnarzt, bzw. auch dem da zuständigen Notfallzahnarzt werden Milchzähne nicht wieder eingesetzt.
Zeigen sollte man die Zahnlücke natürlich trotzdem (wegen Spätfolgen am bleibenden Zahn).
Vor ein paar Jahren hatte ich das Gefühl, ich habe ein Abo in der Notaufnahme des Spitals. Meine Tochter hatte sich den Arm gebrochen, der Kinderarzt hat uns zum röntgen ins Spital geschickt, am Sonntag danach hat sich mein Sohn den Finger so stark gequetscht, dass der genäht werden musste, kurze Zeit später hatte meine Tochter eine Blinddarmentzündung, das war auch an einem Wochenende, mein Sohn fiel vom Baum und hat sich das Bein gebrochen, kaum gesund hat sein bester Freund ihm die Fingerkruppe mit einer Schere abgeschnitten und zu guter Letzt hat er sich beim Spiel ein Stück Lippe abgeschnitten mit einem scharfen Gegenstand. Die Ärzte haben uns bereits gekannt und die einzige Frage war, der Bub oder das Mädchen?
Naja, zum Glück war es nie wirklich schlimm, kleinere Sachen wie Platzwunden und so, hab ich immer selber verarztet auch wenn es heftig geblutet hat, sterile Kompresse drauf, wenn nötig Eis zum Schmerzen stillen und dann an der Luft trocknen lassen. Pflästerli hab ich in meinem ganzen Leben noch nie besessen und werd ich auch nie besitzen, kleine Wunden heilen viel schneller, wenn sie nicht abgedichtet werden und so lange es blutet reicht eine sterile Kompresse völlig aus.
@Michele Binswanger
Die wichtigsten Ihrer Ratschläge habe ich in der Pfadi eingeübt und auch gebrauchen können. Allerdings waren die Buben ab 11 Jahre alt. Darum wundere ich mich schon, woher Ihre Kleinen soviel Temperament haben.
Übrigens hatten wir in der Pfadi immer ZWEI sterile Verbandpatronen dabei. Diese Päckchen sind 3×6cm gross. Das aktuelle Modell von Dermaplast ist wassserdicht verschweisst. Mit diesem wenigen Verbandszeug kann man die Erstversorgung von sämtlichen gefährlichen Verletzungen bewerkstelligen. Ausser natürlich den ganz spektakulären, wo man den Helikopter und die Rettungsmannschaft für den Transport braucht.
Neu ist für mich das mit der Zahnrettungsbox. Davon habe ich echt noch nie gehört. Also danke vielmals für den Hinweis. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wo man die kaufen kann.
@max: Ich glaub, Zahnrettungsboxen kriegt man in jeder Apotheke. Sonst Zahnarzt fragen.
gegen eine unangenehme gräte in der speiseröhre habe von meinen eltern folgenden tipp mitbekommen: brot essen, am besten ein ganzes stück… der rest erledigt die peristaltik. giltet dieser tipp wohl für kleine kinder?
schon wieder schleckdreck
Der Kurs” Notfälle bei Kleinkindern”, welche lokale Samaritervereine durchführen sind sehr gut:
http://www.samariter.ch/de/i/content—1–1253–328.html
mäxe, seh’ ich das richtig, dass ihr ganzes extensives erziehungs know how auf ihren hunderttausend jahre zurückliegenden erfahrungen als pfadi-pfüdi beruhen..?
@fischstäbli: das kommt doch auf die Grösse der Gräte an! Da gibt es Riesendinger, die felsenfest stecken, etwa vom Lachs, und feine, bei denen das mit dem Gedärm stimmt und manche, die sogar von der Magensäure aufgelöst werden. Meine Kinder tranchieren die Fische erst seit etwa 12 selber, zuvor habe ich peinlichst genau selber ausgebeinelt. Eine grosse Gräte kann gefährlich sein.
at opa meier: in meiner Kindheit ging es oft mit rasantem Tempo ab zum Arzt. Brueche, Verbrennungen, Platzwunden, Hirnerschuetterungen oder Vergiftungen waren bei unseren spannenden und abendteuerlichen Spielen an der Tagesordnung. Rueckblickend bin ich jetzt noch stolz auf jede Narbe, die mich immer wieder an diese wunderbare Zeit erinnern.
…abend-teuerlich wurde es wohl erst mit den ersten discobesuchen, stimmt’s?
zu meinem beitrag weiter oben: … beruht? sollte das natürlich heissen. dies nur für die rechtschreib- & grammatik-taliban hier im blog.
(wir brauchen eine edit funktion!)
…oder beim erwachen am morgen danach…
Ich schliesse mich Lena an, den Kurs “Nothilfe bei Kleinkindern” vom Samariterverein fand ich sehr nützlich. Kann ich nur allen empfehlen.