Michèle Binswanger am Dienstag den 15. Dezember 2009

Mamablogs Erste-Hilfe-Kit

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Zu den Pflichten einer Schwangeren gehört der Geburtsvorbereitungskurs, bei dem in der Schwangeren-Runde die Geheimnisse der Wehen-Beatmung gelüftet werden. So stelle ich es mir jedenfalls vor, denn ich habe nie einen besucht. Er fehlte mir auch nie. Was mir als Vorbereitung auf die Mutterschaft aber schmerzlich fehlte, war ein Kinder- Erste-Hilfe-Kurs. Denn in meiner mittlerweile achtjährigen Mutter-Karriere durfte ich zahlreichen Unfällen beiwohnen, bei denen Haut und Zähne auf der Strecke blieben. Und deshalb lasse ich Sie nun an meinem doch schon reichen Erfahrungsschatz teilhaben mit ein paar Tipps, worauf man im Falle eines Falles achten muss.

Das Simple ist zugleich das Schwierigste: Nicht in Panik geraten. Natürlich ist der Schock gross, wenn einem das Blut das eigenen Kindes um die Ohren spritzt, aber sie helfen ihm wenig, wenn sie in Ohnmacht fallen und nach Riechsalz verlangen. Mutterschaft (Vaterschaft natürlich auch) ist in diesen Fällen ein Dirty Job und Sie sind die Idealbesetzung. Also bleiben Sie ruhig. Erinnern Sie sich an die Geburtsvorbereitung, atmen Sie tief durch und versuchen Sie, von ihren Gefühlen zu abstrahieren. Dann zwingen Sie sich, genau hinzusehen, welcher Art die Verletzung ist, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Bei grösseren Platzwunden, Stürzen auf den Kopf und Zahnverletzungen gilt: Sofort zum Arzt. Rufen Sie an und nehmen Sie ein Taxi. Erstens könnte ihre Fahrtüchtigkeit durch den Schock beeinträchtigt sein und zweitens können Sie ihr Kind beruhigen, wenn Sie nicht selber am Steuer sitzen.

Wenn kleine Kinder sich verschlucken, macht das Mutterherz seinerseits gern einen Luftsprung. In den meisten Fällen ist der Schreck schlimmer als der Schaden und es genügen ein paar Schläge mit der flachen Hand gegen die Schulterblätter. Besteht jedoch akute Erstickungsgefahr, ist das Heimlich-Manöver angesagt. Dabei umfasst man von hinten den Oberbauch des Kindes und platziert eine Faust unterhalb der Rippen im Bauchraum. Mit der anderen Hand erfasst man diese und führt sie mit einem kräftigen Stoss nach hinten und oben. Durch den so erzeugten Druck kann der Fremdkörper durch die Luftröhre hinaus befördert werden. Nicht angezeigt ist das Heimlich-Manöver bei Kindern unter einem Jahr, wenn eine Fischgräte verschluckt wurde oder Wasser in der Lunge ist.

Ausgeschlagene Zähne können wieder eingesetzt werden, wenn man richtig und schnell reagiert. Entscheidend ist es, den Zahn feucht zu halten, damit die Zellen nicht absterben und der Zahn wieder am Kiefer anwachsen kann. Suchen Sie also zuerst den Zahn und geben Sie acht, die Wurzeloberfläche nicht zu berühren. Dann legen Sie den Zahn in eine Zahnrettungsbox, die Sie natürlich nicht zur Hand haben. Alternativ können Sie den Zahn in eine sterile Kochsalzlösung (aus der Apotheke) oder in Milch einlegen (H-Milch, aber keine Vollmilch) oder in eine Kunststoff-Folie einwickeln. Ungeeignet sind Wasser und Speichel. Dann rufen Sie den Zahnarzt an und fahren so schnell wie möglich hin.

Gerade bei Zahnärzten ist der Punkt mit dem Ruhig-Bleiben besonders wichtig, denn Zahnärzte haben mit Kindern meist kaum Erfahrung und sind deshalb selber sehr nervös. Beruhigen Sie also zuerst sich, dann ihr Kind, dann den Zahnarzt, sonst fahren Sie nämlich weiter ins Kinderspital und verlieren wertvolle Zeit.

Auch Platzwunden am Kopf oder im Gesicht kommen bei Kindern häufig vor. Sie bluten meist stark, weil die Kopfhaut gut durchblutet ist. Auch hier gilt es, genau hinzusehen. Ist der Schädel nicht verletzt, machen Sie mit einem Verbands- oder Mullpäckchen einen Druckverband, um die Blutung zu stillen. Dann fahren Sie möglichst schnell zum Arzt.

39 Kommentare zu „Mamablogs Erste-Hilfe-Kit“

  1. zysi sagt:

    …oder beim erwachen am morgen danach…

  2. Barbara sagt:

    Ich schliesse mich Lena an, den Kurs “Nothilfe bei Kleinkindern” vom Samariterverein fand ich sehr nützlich. Kann ich nur allen empfehlen.

  3. Hotel Papa sagt:

    Hier meldet sich der Sprach-Taliban.

    Der Heimlich-Griff heisst auf Deutsch immer noch Griff und nicht Manöver. Aber hauptsache, man erinnert sich, wie er geht.

    Funktioniert auch bei Babies, aber da geht man etwas weniger Invasiv vor: Kind bäuchlings auf den Oberschenkel des Helfers legen, Brustkorb auf dem Knie, Kopf darüber hinaushängend. Kräftiger Druck mit der ganzen Hand auf den Rücken/Brustkorb.

  4. Raphi sagt:

    Hey uou nichts gegen Pfadi! Da lernt man wirklich viel! Halt nichts über Blogs, E-Banking oder Gucci. Macht aber nix.

  5. gargamel sagt:

    natürlich, nichts gegen pfadi, war selber lange genug dabei. aber erzieherische kalendersprüche alleine aus den erfahrungen aus dieser zeit abzusondern, das käme mir echt nicht in den sinn…

  6. max sagt:

    @gargamel: Das tönt nach schwarzer Pädagogik.

    Wenn Sie Heimlich-Griffe, ausgeschlagene Zähne und Platzwunden als erzieherische Massnahmen einsetzen, dann kann Ihnen echt kein noch so aufmerksamer, nachdenklicher und vorausschauender Forumsschreiber nützen.

    Warum schreiben Sie nicht zur Abwechslung Ihre eigenen Ideen, Beobachtungen, Erlebnisse auf?

  7. Sonja sagt:

    Ist Euch schon mal aufgefallen, dass ihr bei einem Thema, das von den beiden Frauen geschrieben wurde, Ihr aber dazu nichts zu sagen habt, einfach nichts schreibt? Und wenn ein, für Euch uninteressantes, Thema von einem Mann geschrieben wurde, er gnadenlos von Euch niedergemacht wird? Letztes Beispiel der Schleckdreck.

  8. katharina sagt:

    zu taxi: bis das Taxi bei uns im Outback angekommen waere, waere der kid entweder beruhigt, verheilt oder ein akuter fall.

    wir machen das meist so, dass wir dem nachbarn anrufen. dann geht es im konvoi in einem soliden fahrzeug (Ford F150 oder Dodge RAM) gen Hospital. der Nachbar ruft meist noch den county sheriff an waehrend wir schon losgehen, dass wir nun auf road so und so in den ER gehen. der schickt dann patroullie oder faehrt selber, sodass er dann mit blaulicht sirene und the whole show die strasse freihaelt.

    fuer die pfader empfehle ich mein kleines landgut. da hat es skorpione, klapperschlangen und manchmal spinnen in der goresse einer hand zum ueben. speziell die klapperschlangen haben es in sich. flink, schnell, und koennen in sekundenschnelle zubeissen.

    an nebligen tagen erdreisten sich sogar turkey voulchers mal, hinter einem bush … auf sonnigere momente zu warten. komischerweise piesacken die den arbusto nie… muss ne verwandschaft gebene dort…

  9. Pu sagt:

    “Rufen Sie ein Taxi”? Wie bekommt man denn im Notfall schnell ein Taxi mit Kindersitz? Oder haben Sie selber immer einen dabei?

  10. Hier in Frankreich rufen wir das Ambulanz, das sehr schnell kommt. Aber es ist teuer.

  11. max sagt:

    @Katharina. Eine langjährige Freundin von mir hat mit den Jugendlichen in California und Arizona Ratten und Klapperschlangen gefangen und gebraten. Die Jungen und Mädchen kamen nach hause und berichteten voller Stolz und mit leuchtenden Augen. Die Mütter fielen in Ohnmacht.

  12. J_Randi sagt:

    @Max: Si non è vero è ben trovato. Vor allem der letzte Teil Ihrer Geschichte.

  13. Mia sagt:

    @ Pu: ja klar, als Eltern hat man logischerweise einen Kindersitz.

    @ Pfadi: Super. Wer verhindern will, dass seine Töchter so seltsame Sachen machen, wie Model spielen und sich dabei filmen, non-stop-chatten, Karaoke singen und das aufnehmen, einen Gucci-Tussi-Hang entwickeln und dauershoppen müssen, Kunststoffnägel aufkleben lassen und demgemäss notgedrungen auf betuchte Herren in ihrer Umgebung zu schielen beginnen… der schicke sie in die Pfadi.

    Die Tatsache, dass man zwei Wochen pro Jahr im Lauch lebt, die Latrine selber gräbt, sich nicht täglich duschen und eincrèmen kann und so weiter, dies ist unglaublich lehrreich und befreit von all den Tussi-Zwängen. Meine Töchter machen sich natürlich dennoch schick und schminken sich, aber es muss nicht sein. Weiterer Nebeneffekt: einmal pro Wochen stundenlang an der Luft, auch noch in der Pubertät, Abhärtung, robustere Gesundheit, Sozialverhalten anstatt Zickenkrieg. Ihr seht, ich bin echt begeistert und froh, dass ich das bei meinen Kindern durchgestiert habe. Sind heute beide begeisterte Leiterinnen.

  14. gargamel sagt:

    @max: was genau tönt in meinen 2 zeilen nach schwarzer pädagogik??? bzw. wissen sie, was schwarze pädagogik ist?

    gerne werde ich eigene eefahrungen kundtun, sobald ich ich weiss:
    - wie die einheit des ortes aus der einheit von zeit und handlung abgeleitet wird
    - ob sie selber kinder haben
    - was für andere erfahrungen sie im umgang mit (realen) kindern haben

    solange sie sich vor diesen antworten drücken, seh’ ich keinen anlass sie irgendwie ernst zu nehmen, geschweige denn, sie als “richtigen mann” wahrzunehmen, sondern v.a. als maulhelden.

  15. max sagt:

    @Mia

    Danke für den Beitrag über Meitli und Pfadi.

  16. max sagt:

    @J_Randi

    Die Geschichte hat noch einen Anfang: Diese langjährige Freundin war in Southern California bei einer Firma angestellt, die Erlebnisstrafen für Jugendliche Delinquenten vollzog. Jugendliche Mehrfachtäte, Ladendiebe, Sprayer wurden vom Jugendrichter verurteilt zum Überlebenstraining in der Wüste oder zum Wildwasserfahren. Da gab es dann einfach nichts ausser was man fangen und sammeln konnte – Klapperschlangen und Ratten eben.

  17. Eri sagt:

    Einfach herrlich, diesen Artikel zu lesen – vieles schon erlebt, aber vieles auch noch nicht…
    Dank dem Kinder-Nothelfer vom Samariterverein war ich aber zum Glück schon für vieles gut gerüstet.

  18. Thomas sagt:

    …und wen verpflegen wir heute?

  19. Alex sagt:

    Ein hilfreicher Beitrag! Ich denke dass fast jedes Kind irgendwann mal eine Notbetreuung braucht!

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