Ich bin nicht die Freundin meiner Tochter!

Komme, was wolle: Denn Mutterliebe ist bedingungslos. (Bild: Getty Images)

Vor ein paar Wochen erzählte ich meinem Mann am Esstisch von meinen Geburtstagsplänen. Am Nachmittag wollte ich meine Freundinnen zum Kaffee treffen. «Juhui», jubelte die Tochter, «dann darf ich auch mitkommen!» Ich kräuselte die Nase zu einem stummen «Hä?». Sie erklärte: «Du lädst ja deine Freundinnen ein. Und ich bin auch deine Freundin.» Sie schaute mich mit ihren grossen, grünbraunen Augen an und lächelte vorsichtig. «Oder?» Ach, ich musste ihr das Herzchen brechen: «Nein, du bist meine Tochter.»

Blut ist dicker als Prosecco

Ich bin nicht die Freundin meiner Tochter und werde es nie sein. Und das, obwohl ich sie über alles liebe. Oder genau deshalb. Ich liebe meine Tochter, weil sie meine Tochter ist. Meine Mutterliebe ist hoffentlich bedingungslos. Die Tänze, die das Kind mitunter auf meiner Nase aufführt, würde ich mir von einer Freundin auf Dauer nicht gefallen lassen. Freundschaften können enden. Aber Blut ist dicker als Kaffee und Prosecco.

Freundschaft ist eine wechselseitige Angelegenheit. Bei einer Mutter-Tochter-Beziehung ist das nicht der Fall. Das merkt man spätestens dann, wenn das geliebte Mädchen in die Pubertät kommt. Mami ist doof. Mami ist peinlich. Mami ist gemein. Das augenrollende Hormonopfer möchte nun alles andere als die Freundin der Mutter sein. Und das ist gut und richtig so. Denn wenn ich als Mutter nun einen auf BFF mache, sabotiere ich den Ablösungsprozess, den die Tochter durchmachen muss. Ich werde also nicht dieselben Kleider tragen wie sie. Ich werde mir keine Wörter aus ihrer Sprache borgen. Ich werde nicht versuchen, in ihren Augen eine coole Mutter zu sein. Weil ich auf ihre Freundschaft pfeife.

Mami ist die Chefin

Vielleicht wird das nicht ganz einfach werden, mal abgesehen von der Kleidersache. Aus funktionierenden Freundschaften und Partnerschaften ist man sich gewohnt, dass die Zuneigung gegenseitig ist. Als Mutter muss man die Erfahrung machen – und aushalten –, dass man nicht zurückgeliebt wird. Freunde sind einander ebenbürtig, Mutter und Kind aber nicht. Im familiären Organigramm, und seien die Hierarchien noch so flach, stehen die Eltern immer über den Kindern. Ich bin verantwortlich für meine Tochter und ihr Wohlbefinden. Umgekehrt soll sie sich nie verantwortlich fühlen für mich und mein Glück. Sie schuldet mir weder Freundschaft noch Liebe oder Dankbarkeit.

Dass meine siebenjährige Tochter uns (noch!) als Freundinnen sieht, hat mich durchaus gerührt. Für sie bedeutet Freundschaft, dass man sich gern hat und füreinander da ist. Dass man gemeinsam Zeit verbringt, zusammen lacht und auch mal streitet. Das trifft alles auf uns zu. Aber da ist eben noch mehr – und das hat meine Tochter nach einem klärenden Gespräch auch selbst entdeckt: «Du willst immer die Chefin sein und herumbefehlen. Das würde mich bei einer Freundin voll nerven. Und ausserdem wirst du ja 37. Kinder haben keine Freunde, die so mega alt sind!»

Auch nicht die Freundin ihrer drei Kinder: Kristina Kuzmic. (Video: Youtube)

37 Kommentare zu «Ich bin nicht die Freundin meiner Tochter!»

  • Barbara sagt:

    Klare Haltung. Das stimmt heiter. Ich habe viel anderes kennengelernt. Schön, wenn eine Mutter ein guter Chef ist und auch nicht die Sprache vom Schulhof übernimmt. Nicht alle sind dazu in der Lage.
    Meine Freundschaften mit Frauen sind/waren dafür nicht über Prosecco und Kaffee definiert. Wer mit Kindern und Ehemann zu tun hat, ist wohl einfach nicht in der Stimmung, sich auf Aussenstehende wirklich einzulassen. Die Freundin bleibt eine bequeme, oberflächliche Institution, sozusagen, und wenn es tatsächlich mal Verständnis bräuchte, scheitert der Dialog. Denn unter Frauen geht es immer um Macht, was sich bei Prosecco und Kaffee gut verdrängen lässt. Irgendwann kommt es zum Krieg der Gartenhäge. Ein Wissen um das Gegenüber gibt es nur ganz selten. Vielleicht will sie das sagen.

  • FrauLisasWelt sagt:

    Super geschrieben :-))

  • Hanspeter Amstutz sagt:

    Grossartig im Inhalt und witzig formuliert. Das ist ein Beitrag, der sich wohltuend abhebt von den oft kitschigen amerikanischen Serienfilmen über kumpelhafte Eltern-Kind-Beziehungen. Der Text kann auch für das Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern als Basis für ähnliche Überlegungen im Schulbereich genommen werden. Lehrpersonen tragen wie Eltern eine Verantwortung gegenüber den ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schülern. Wer schreibt dazu einen Beitrag?

  • Mark Sonderegger sagt:

    Ein wunderbarer Kommentar – Chapeau, Nadia Meier !
    Pfiffig, geistreich und dazu noch sehr schön formuliert.

  • Jan Keller sagt:

    stimmt alles aber ist dieser Artikel nicht einfach die Uebersetzung des gelinkten Videos? und warum leert sie im Video ihren Wein in Ihr Eis????

  • Seraina Müller sagt:

    Super geschrieben, super Artikel!!

  • Rabe sagt:

    Der Text von Frau Meier spricht mir aus dem Herzen. Analog dazu möchte ich noch hinzufügen, dass Lehrpersonen ebenso nicht die Kumpels der Kinder und Jugendlichen sein sollten, selbst wenn einige Jugendliche das cool finden. Als Musiklehrer bin ich immer etwas befremdet, wenn ich so etwas bei Kollegen oder Kolleginnen feststelle. In einigen wenigen Fällen ergab sich aus einem Lehrer/Schüler-Verhältnis eine Art Freundschaft zu einem späteren Zeitpunkt, d.h. nach Beendigung des Unterrichtsverhältnisses und im Erwachsenenalter des Schülers.

  • Mrs sagt:

    Und was ist mit später?
    Ich bin jetzt 31 Jahre alt und das Verhältnis zu meiner Mutter hat sich sehr (positiv) zu einer Freundschaft verändert! Und dies trotz einer sehr heftigen Pubertätszeit …

    • maia sagt:

      Bei mir war es auch als erwachsene Frau so, dass meine Mutter eben meine Mutter war. Diese Beziehung war mit der Beziehung zu einer Freundin nicht vergleichbar. Leider ist meine Mutter inzwischen verstorben……

  • Johnny Good sagt:

    Ist schon spannend.
    Ich glaube nur wir säkular aufgeklärten und staatsgläubigen Westeuropäer sind so dumm und sehen neben den Blutsbanden ein gleichwertiges Gut: Der mündige und vernünftige Staatsbürger, welcher sich produktiv und fair in die grössere sozial-staatliche Gemeinschaft einbringt.
    Donald Trump erklärt uns gerade, dass der „einzige Sinn und Zweck von Kinderhaben der Nepotismus ist“.
    Kein Wort von sozialer Verantwortung zwischen den Generationen und gegenüber dem Staat, welcher so klein sein soll, dass man ihn „in der Badewanne ersäufen kann“. (R. Reagan)
    Donalds einzige Freunde, welchen er wirklich trauen kann, sind seine Kinder und Verwandten, welche er mit Schlüsselposten besetzt hat, wie es alle Diktatoren tun.
    Nehmen sie Ihre Tochter doch mit zur Geburtstagsfeier.

  • Flo, die echte! sagt:

    Ich bin nicht die Freundin meiner Tochter!
    Es mag ja sehr altmodische sein; aber ich frage mich immer wieder wie, in meinen Augen, leichtfertig mit dem Wort FREUNDSCHAFT umgegangen wird.
    Dieses Wort hat für mich eine sehr grosse Bedeutung – bin ich damit allein?

  • Flo, die echte! sagt:

    Ich bin nicht die Freundin meiner Tochter!
    Das finde ich mal eine vernünftige Aussage!
    M.M. nach hat man als Elternteil nicht Freund seiner Kinder zu sein!
    Man ist Vertrauensperson, Vorbild und ErzieherIn.
    Nicht immer leicht umzusetzen, aber solange man es immer wieder von neuem versucht, kann es klappen – zum Vorteil von allen Beteiligten

  • Ri Kauf sagt:

    BRAVO! Ein total gutes Statement. Richtig so. Mutter und Tochter können, wenn, später Freundinnen werden. Ab dem 20. Geburtstag der Tochter ist das durchaus möglich. Obwohl die Tochter immer das Kind der Mutter bleiben wird.

  • Fabio Rossi sagt:

    Meine Eltern haben mir im Leben alles gegeben. Sie haben alles getan um mir ein gutes Leben zu ermöglichen. Für mich ist es daher keine Pflicht sondern eine absolute Selbstverständlichkeit, dass ich mich um sie kümmere wenn sie alt und krank sind. Ich kenne es auch in unserem Verwandtenkreis in Italien nicht anders. Das Leben ist ein nehmen und geben, und meistens ist es vor allem das geben welches mehr Befriedigung auslöst. Das gleiche gilt für die Ehe. Liebe heisst nicht immer eine tolle Zeit zu haben, und wenn dem nicht so ist einfach abzuspringen. Liebe heisst auch Opfer bringen.

  • Stefan W. sagt:

    „Ich bin verantwortlich für meine Tochter und ihr Wohlbefinden. Umgekehrt soll sie sich nie verantwortlich fühlen für mich und mein Glück.“

    Ich weiss nicht, ob ich das so absolut unterschreiben würde. Sicher, wir haben unsere Kinder auf die Welt gesetzt, ohne sie vorher zu fragen, und deshalb schulden sie uns erst mal gar nichts. Umgekehrt würden wir aber auch nicht ohne weiteres akzeptieren, wenn Eltern einem ungeplant gezeugten Kind dasselbe vorhalten würden: „Wir haben dich nicht gebeten, zu kommen, und darum schulden wir dir nichts.“
    Aus der Geburt eines Kindes ergibt sich nun mal ein Netz aus gegenseitigen Abhängigkeiten und Verpflichtungen. Und es schadet meiner Meinung nach nichts, wenn erwachsene Kinder sich dann auch für ihre alten Eltern verantwortlich fühlen.

    • Mariu sagt:

      Diesen (intelligenten) Spruch, „…ohne sie vorher zu fragen…“ liest und hört man immer wieder. Wie hätte man sie den fragen können, bitte schön, wenn sie ja noch gar nicht da waren und wenn sie da gewesen wären, hätte man sie ebenso wenig fragen können, denn sie waren ja bereits geboren und man hätte sie ja dann schlecht in die Tonne kippen können..

      • Stefan W. sagt:

        Es ist aber trotzdem so, dass wir sie nicht gefragt haben. Die Alternative wäre gewesen, sie eben nicht in die Welt zu setzen. Wir haben uns angemasst, ein Schicksal zu kreieren, deshalb sind wir, ob wir wollen oder nicht, für dieses Schicksal verantwortlich.
        Sicher, das ist arg dramatisch ausgedrückt für einen alltäglich zigmillionenfachen Vorgang. Andererseits finden wir dieses Wunder eines neuen Menschen nur deswegen so banal, weil es so oft geschieht, aber es bleibt trotzdem ein Wunder. Und zwar eines, das im Voraus gewisse Handlungen der Eltern erfordert.

        Deswegen können diese sich auch nicht um die Verantwortung drücken, nur weil sie den neuen Menschen vorher nicht fragen konnten, ob er geboren werden will. Die Frage ist mehr, ob es auch eine umgekehrte Verantwortung gibt.

  • 13 sagt:

    Auffallend ist ja schon N. Meiers: „Ich bin nicht die Freundin meiner Tochter und werde es nie sein.“ vs K. Kuzmics „until my kids are adults….“.
    Die Beziehung zwischen Eltern und Kind verändert sich stetig von Geburt auf bis zum Tod. Und je älter das Kind wird, desto mehr werden typische Eltern-Kind-Momente durch freundschaftliche abgelöst, was nicht heisst, dass die Eltern nicht die Verantwortung tragen und auch tragen sollen. Aber diese wird immer mehr den Kindern übertragen, bis hoffentlich irgendwann mit dem Erwachsenwerden die Hierarchie dahinfällt und man zu einem rein freundschaftlichen Verhältnis übergehen kann. Wer auch dann an dem, dass Eltern über den Kindern stehen, festhält, wird Probleme mit dem Ablösungsprozess haben, also nicht die Tochter sondern die Mutter.

    • 13 sagt:

      Ich habe zwei Töchter 2 und 9jährig. Für die Kleinere bin ich nie die Freundin. Ich springe nicht mit ihr auf dem Trampolin, mache keine Bobbycars-Rennen und erkämpfe mir keine Spielsachen, indem ich sie mit dem Bauklötzchen auf den Kopf schlage. Das alles tun aber ihre Freunde. Ich bin immer die Mutter. Die Ältere und ich habe beschlossen, fiter zu werden und gingen heute früh zusammen joggen. Es war super, wir plauderten über Gott und die Welt und ich habe sie in dem Moment weder „erzogen“ noch ihr etwas erklärt oder sie angeleitet. Es war ein freundschaftliches Gespräch auf gleicher Stufe. Als ich ihr eine Stunde danach erklärte, sie muss nun los oder kommt zu spät zur Schule, war ich wieder die Mutter mit Verantwortung.

  • S. Albert sagt:

    ihr Artikel spricht mir aus der Seele. Ich habe genau das meinen 4 Kindern (6,11,14,17) auch bereits mehrmals so vermittelt. Und auch wenn dies im ersten Moment immer für Enttäuschung sorgte, hat es unsere Beziehung nur gestärkt. Ich sehe mich deshalb heute in der glücklichen Position selbst mit meinen 2 „Hormonopfern“ ein recht unproblematisches, vertrauensvolles und liebevolles Verhältnis zu haben. Das ist für einen allein erziehenden Vater besonders wichtig. Ebenfalls sehe ich immer wieder, dass es Eltern, die als „Freunde“ ihrer Kinder auftreten, über kurz oder lang vor dem Problem des mangelnden Respektes ihrer Sprösslinge stehen. Kinder brauchen Grenzen und diese lassen sie sich früher oder später von Freunden eben nicht mehr „diktieren“.
    Herzlichen Dank!

    • mila sagt:

      Ja, Kinder sollen und dürfen lernen, welche Regeln (Grenzen) im Leben ihrer Familie, ihrer Gesellschaft gelten. Aber eines scheint mir ebenso wichtig: wer respektiert werden möchte, muss selbst respektieren. Der Gedanke, den eigenen Kindern mit genausoviel Respekt gegenüber zu treten, wie einem guten Freund, ist hilfreich. Auch Freunde lassen wir (persönliche) Grenzen nicht übertreten. Aber wir schreien sie in aller Regel nicht an, und wir reagieren unsere Wut nicht an ihnen ab. Das scheint mir wesentlich, auch wenn das Verhältnis zu unseren Kindern bis zum Zeitpunkt, wo sie die Verantwortung vollumfänglich tragen, kein demokratisches ist. Aber ein autokratisches (oder gar despotisches) sollte es ebenfalls nicht sein.

      • Malena sagt:

        Word! Sehr gutes Leitprinzip, auch wenn man manchmal scheitert in der Umsetzung. Das mit dem respektvollen Umgang ohne emotional oder sonst übergriffiges Verhalten sollte auch in Liebesbeziehungen gelten.

      • tina sagt:

        wenn erwachsene meine grenzen mehrfach überschreiten und ignorieren dass ich wütend werde, schreie ich sie auch an, nur passiert das normalerweise nicht.

      • 13 sagt:

        Schön geschrieben, mila.

      • mila sagt:

        tina, da hast Du in jedem Fall recht. Deswegen fällt es mir zB auch leicht, den Respekt gegenüber meinem Mann zu wahren – ich habe ihn noch nie angeschrien, was bei meiner Tochter durchaus schon vorgekommen ist. Aber um Malenas Kommentar aufzunehmen: ich sehe darin (inzwischen) kein Scheitern (mehr), sondern eine Chance. Nämlich die, mir zu überlegen, ob mir die ‚verletzte‘ Grenze wirklich wesentlich und wichtig war. Und falls ja, sie bei anderer Gelegenheit früher – und klarer – zu setzen. Mir hilft diese Art von (Nach-)Reflexion enorm.

  • SanD sagt:

    Blut ist Dicker als Freundschaft… so einen Quatsch… Warum werden dann so oft Kinder abgetrieben oder zur Adoption gegeben oder noch schlimmer von den Eltern misshandelt?
    Freundschaft hat viele Facetten und nein, ich trage auch nicht die gleiche Kleidung wie meine Freunde…
    Und ja, meine Mama IST heute meine Freundin! Ich würde mich zur Zeit auch nicht als Freundin meiner Tochter sehen aber ich hoffe doch, dass wir es genauso schaffen wie meine Mutter und ich inkl. Ablösungsprozesse, die auch bei mir gut von statten gegangen sind.

  • Fabio Rossi sagt:

    Da spricht mir jemand aus dem Herzen. Die uncoolen und strengen Eltern sind jene für die man im späteren Leben ewig dankbar sein wird. Hatte strenge Eltern und mir wurden die Grenzen früh gezeigt, jedoch war auch immer sehr viel Liebe vorhanden. Man erhielt Anleitungen für das Leben. Heute sehe ich oft, dass sich Eltern jünger benehmen als ihre Kinder selbst, und gerade weil viele nur noch Kollegen sein wollen fehlt es oft am nötigen Respekt. Wäre mir jedenfalls nie in den Sinn gekommen meine Eltern als „Hey Alter“ zu begrüssen.

    • 13 sagt:

      Man sollte nicht nur aus eigenen Erfahrungen auf alle schliessen. Ich hatte eher coole und alles andere als strenge Eltern. Manchmal war es fast schon nervig, mit welcher Selbstverständlichkeit sie sich zu mir und meinen Freunden setzten und ein Bier mit uns tranken und wie toll das meine Freunde fanden. Doch sind wir recht gut gelungen, da wir halt auch vorgelebt erhielten, was man erreichen kann, wenn man will, und haben heute eine sehr enge, freundschaftliche Beziehung zu unseren Eltern. Ich bin ihnen auch sehr dankbar, wie Sie Ihren Eltern. Die Liebe muss aber vorhanden sein, dann ist auch Frage, wie streng sie waren, eigentlich zweitrangig.

  • Malena sagt:

    2. Ich denke nicht, dass man so schwarz/weiss sagen kann ob eine Beziehung eine „Freundschaft“ ist oder nicht. Vielmehr können Beziehungen verschiedener Art (auch Liebesbeziehung, Geschäftsbeziehungen, Eltern-Kinder) Freundschafts-Anteile enthalten. Es ist klar, dass man etwas anderes ist als „Freunde“, aber man behandelt sich trotzdem (manchmal) wie Freunde. Der beste Abschnitt in der Beziehung zu meinen Eltern war für mich jedenfalls eine Zeit mit viel Freundschafts-Anteilen.

  • Malena sagt:

    1. Dass Kinder sich nie verantwortlich fühlen sollen für das Wohl der Eltern und ihnen keine Liebe und Dankbarkeit schulden, entspricht auch meinem Gefühl – ist aber längst nicht überall in der Welt so. Wo es keine guten Sozialsysteme, Altersheime etc. gibt ist die Beziehung zwischen Eltern und Kindern tatsächlich gegenseitiger.

    • Carolina sagt:

      ‚Gegenseitiger‘ oder von neuen Arten von Hierarchie geprägt. Es ist relativ einfach, von Freundschaft zu sprechen, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus und selbstständig sind. Sollte sich aber die Rollenverteilung ändern und die Eltern krank, alt und pflegebedürftig werden, ist es fast unmöglich, dieses freundschaftliche Gleichgewicht beizubehalten. Daher wünschen viele sich im Westen, nicht von ihren Kindern gepflegt werden zu müssen. Und wer das erwartet von seinen Kindern, wird oft bitter enttäuscht.
      Freundschaft ist ständig in Bewegung, immer auch vom Zeit- und Umgebungskontext abhängig und die ändern sich im Laufe eines Lebens in der Regel. Ich würde sagen, Erwartungshaltungen aller Art sind Gift für jede Beziehung (es sei denn, sie werden benannt).

      • Malena sagt:

        Ja genau, im Westen ist das mehrheitlich so. Ich will auch nicht von meinen Kindern gepflegt werden. Ich würde mir aber nicht anmassen zu urteilen, dass das westliche System generell überlegen ist, es gibt sicher einen trade-off. Und: wer von „Freunden“ Unterstützung erwartet in schwierigen Zeiten wird ja nicht selten auch bitter enttäuscht…

      • tina sagt:

        ich finde es unrealistisch, dass man nichts erwartet von leuten, die man kennt. man erwartet doch allerlei und wenns auf abstand bleiben ist :). der level der erwartungen an interesse, rücksichtsnahme, hilfe usw ist einfach verschieden hoch, nicht? meiner meinung nach ist es aber nicht so, dass es nur dann gute freunde sind, wenn man immer zuverlässig für einander da ist. im gegenteil: bei guten freunden nimmt man „versagen“ hin, weil man sie so gut mag.
        geben und nehmen betrifft verschiedene leute, persönliche beziehungen sind keine geschäftsbeziehungen wo das aufgehen muss

      • Carolina sagt:

        Tina, Sie sprechen vielleicht auch eher von realistischen Erwartungen – ich hätte mich vielleicht klarer ausdrücken müssen. Natürlich haben wir alle Erwartungen und Hoffnungen – mMn ist es ein Gratmesser einer guten Beziehung, diese E miteinander abzugleichen und/oder zu lernen, dass andere meine nicht erfüllen können bzw müssen. Das gilt für Partner ebenso wie für Kinder oder Freunde. Also ja, gebe ihnen recht!

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