
Natürlich nackt - aber wie viel Nacktheit ist zu viel?
Manche Leute behaupten, Kinderkriegen mache konservativ. Das mag sein oder auch nicht. In meinem Fall bewirkte das Familiendasein eher die Befürchtung, dass ich in gewissen Hinsichten nicht konservativ genug auftrete. Etwa wenn es um Fragen der Kleidung geht – beziehungsweise das gelegentliche Fehlen selbiger, wenn ich mich in der Wohung bewege. So lümmeln meine Kinder, wenn ich morgens aus der Dusche steige, gern im Badezimmer rum, um beispielsweise mit mir die gesammelten Werke Bill Wattersons zu erörtern, insbesondere die Frage, wie das mit der Existenz von Hobbes zu verstehen sei, der ja ein Stofftier ist, in Calvins Realität aber auch ein wirklicher Tiger.
Bislang habe ich mir darüber wenig Gedanken gemacht – nicht über die spezifische Existenzform eines Hobbes, sondern über die Tatsache, dass es ein Problem sein könnte, wenn Kinder ihre Mutter zuweilen nackt sehen. Aber jüngst stiess ich auf eine Kontroverse, welche die Schauspielerin Hilary Swank in den USA auslöste. In einem Interview bekannte sie, dass ihr sechsjähriger Stiefsohn sie ab und an auch nackt antreffe. Die internationale Presse kolportierte die Aussage eifrig und schob Befürchtungen aus Psychologenmund nach, dass Swanks Verhalten eine Gefahr für die psychosexuelle Entwicklung des Sohnes sein könnte.
Ich fröne weder der Freikörperkultur, noch rechne ich mich zum Naturismus, jener Lebensreformbewegung von 1900, die den Körper mittels Nacktbaden und Ausdruckstanz, Vollkornkost und Fleischverzicht aus den zivilisatorischen Fesseln und von seiner zwanghaften Sexualisierung befreien wollten. Allerdings führte eine Reportage mich einst in ein Camp solcher Naturisten, wo ich deren Lebensweise und Philosophie studierte, ihnen beim nackten Volleyball-Spiel, Kartenspielen und Kochen zusah – natürlich selber gänzlich unbekleidet. Zunächst war das etwas seltsam, aber wo Nackte die Norm sind, fallen Unbekleidete auch nicht auf, dafür die Hemmungen bald ab. Und so fand ich nichts mehr dabei. Nackt-Sein oder nicht Nackt-Sein – auch nur eine Frage gesellschaftlicher Konvention, sagte ich mir.
Auch ich sah meine Eltern unbekleidet aus dem Bett steigen, und ich glaube nicht, dass ich einen Schaden davon getragen habe. Im Gegenteil, ich mag meinen Körper, er ist mein bester Freund. Und bis zur Swank-Debatte kam ich noch nicht mal auf die Idee, dass dieser Freund eine unbewusste Gefahr für die psychosexuelle Entwicklung meiner Kinder sein könnte.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, sprach ich eine befreundete Psychologin auf das Thema an. Sie versicherte mir, dass FKK in der Familie, sofern nicht sexuell konnotiert, völlig harmlos sei. Natürlich seien Schamgrenzen individuell und müssten respektiert werden, so lange aber auf niemanden Druck ausgeübt werde, gebe es keinen Grund zur Besorgnis. Das hat mich beruhigt. Denn es ist ja nicht so, dass ich mich morgens darum reisse, nackt mit meinen Kindern über Calvin und Hobbes zu diskutieren. Vielmehr scheinen sie von Natur aus eine naturistische Einstellung zum nackten Körper zu pflegen – das also als völlig normal zu empfinden. Und ich finde das gut.
Und was halten Sie davon?



Nicole Althaus ist Autorin und freie Journalistin in Zürich. Seit beinahe zehn Jahren betreibt Nicole Althaus Feldforschung in der eigenen Familie: Die Autorin ist verheiratet und Mutter zweier Mädchen im Alter von 10 und 6 Jahren.
Michèle Binswanger hat Philosophie und Germanistik studiert, war als Künstlerin und Kletterin tätig und ist heute Redakteurin bei Tagesanzeiger/Newsnetz. Sie lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter (8) und ihrem Sohn (5) in Basel. 












































































Ich verstehe nicht ganz, wieso man/frau so besorgt ist, dass die eigenen Kinder etwas von der Sexualität ihrer Eltern “mitbekommen” könnten. Sexualität ist ebenso normal, wie Nacktheit. Ich denke ein forciertes Verbergen und Verheimlichen ist viel “unnormaler”. Wobei ich keineswegs Mindsmissbrauch schönreden will. Es ist aber ein sehr grosser Unterschied, ob jemand versucht Kinder in seine sexuellen Handlungen einzubeziehen, oder lediglich diese vor übergrosser (und derart auch traumatisierender) Prüderie schützt.
Ich (73) habe meine Eltern nie nackt gesehen. Gross war dann mein Schreck, als ich als 14jährige einen Mann am Strassenrand sah, der urinierte und ich das grosse Ding sah. Dieser Schock sass bei mir tief und ich weigerte mich bis über 20 hinaus, mit einem Mann intim zu sein und dies dann erst im dunk^len Schalfzimmer. Später wurde ich dann von meinem Mann auf die Schönheit eines menschlichen Körpers aufmerksam gemacht. Seit 40 Jahren bin ich eine eifrige FKK-Anhängerin, nichts ist schöner, als wenn der Wind sanft an der Haut vorbei streicht oder wenn man nackt im Meer baden kann. Schlechte Gedanken kommen da nicht vor, im Gegenteil, nackt sind wir doch alle gleich, ob Bankdirektor oder Kehrrichtmann. PS. Vegetarier sein oder nicht rauchen gehört auch beim FKK der Vergangenheit an.
Ich finde Nacktheit auch sehr natürlich und schön. Leider passiert es immer wieder, dass man auffällt, wenn sich der Körper nicht in einer bestimmten Norm befindet. So hat mein überdurchschnittlich stark entwickeltes Glied am FKK-Strand und auch in der Sauna schon zu Tuscheleien unter Frauen und zu Blicken anderer Männer geführt. Wieso kann man den Menschen nicht einfach respektieren und dies lassen, auch wenn er etwas anders ist?
Hallo Ihr Lieben…,
Michèle fragte nach der Psychologie im Zusammenhang >>nacktsein<< zwischen Eltern und Kindern.
Ihr habt aber eure Bedürfnisse und Erfahrungen dargestellt, welches nicht zu diesem Thema geeignet ist.
Ich(m34ig), und meine jüngere Schwester(32ig) wurden schon in Kindeszeiten sexuell und sehr offen erzogen. Das heisst aber nicht, dass wir bedrängt oder belästigt worden sind.
Unsere Eltern haben uns vom Kindesalter bis weit in die Pupertät, solange wie wir es wollten und zugelassen haben nackt herumlaufen lassen, ob zu hause und auch am öffentlichen Strand, oder in der Wohnung im beisein von Verwanten oder Bekannten.
Selbstverständlich haben sich unsere Eltern auch nackt vor uns präsentiert.
Von demher habe ich(wir) keine psychologischen Nachteile oder Schädigungen erhalten. ganz im Gegenteil. Ich wurde so erzogen, und ich finde es heute noch gut so. Ich gehe heute noch mit meinen Eltern, und oder mit der Schwester zum FKk.
Erst als meine jetzige Frau kennenlernte meinte sie zu mir in diesem Fall, dass es nicht so normal sei.
Was auf keinen Fall passieren darf, und das merkt euch bitte ganz genau. SEXUALITÄT UND BEDRÄNGEN DER KINDER IST ÄUSSERST VERBOTEN….
danke