
«Da Schätzeli, da hast du ein Schläckerli!!» - So aus der Nähe betrachtet, sieht das alles nicht so süss aus.
Meine Tochter stellt sich jeweils an, als wäre sie ein Hündchen, das um einen Knochen bettelt.
Sie streicht zuerst um die Kasse, baut dann ihre 101 Zentimeter vor der Apothekenhelferin auf, reckt ihre Kinn und sollte sie immer noch keine Beachtung finden, dann räuspert sie sich, dass es durch das ganze Verkaufslokal zu hören ist. Irgendeinmal kapiert es dann auch die gestressteste Apothekendame. «Ah! Yö! Darf ich der Kleinen einen Traubenzucker geben!? Ja, sicher doch! Gäll, der Papi hat doch nichts dagegen! Nicht? Da Schätzeli, da hast du ein Schläckerli!! Yö, so härzig!» Bevor ich jeweils auch nur ein einziges «Ähm» entgegenhalten kann, hat meine Vierjährige das «Schläckerli» – welch ekliges Wort! – bereits in der Hand. Und sofort schliesst sie es in ihr Fäustchen so entschlossen ein, dass man gar nicht auf den Gedanken kommen muss, es zurückfordern zu wollen.
«Yö, so härzig!», sagt dann die Apothekendame und wenn ich ganz schlecht gelaunt bin, möchte ich ihr am liebsten sagen: «Schlucken Sie diesen Süss-Shit doch selber.»
Ich möchte nicht kleinlich wirken, ich gönne meiner Tochter regelmässig Süssigkeiten. Aber müssen diese Sugar-Giveaways in Apotheken wirklich sein? Immerhin trägt das Personal in diesen Läden weisse Kittel, die Apotheken sind Teil unseres Gesundheitssystem, in jeder Ecke hängt ein Plakat, welches das Rauchen verteufelt, die richtige Ernährung anmahnt, vor Haarausfall, Herzinfarkten, Orangenhaut und natürlich auch Karies warnt. Apotheken sind so etwas wie Brückenköpfe der Gesundheitsindustrie, sie machen ein Heidengeld damit – weshalb fixt man ausgerechnet an solchen Orten Kinder mit Traubenzucker, mit all diesem Schleckdreck an?
Ich verstehe es nicht. Sorry, beim besten Willen nicht. Und übrigens, sehr verehrte Herren Apotheker: Traubenzucker, Glucose also, ist nur unbedeutend weniger kariesauslösend als die anderen Zuckerarten.
Beim Schweizerischen Apothekerverband hiess es Anfang Woche auf Anfrage, man schreibe den Mitgliedern nicht vor, ob an Kinder Süssigkeiten verteilt werden solle oder eben nicht; das liege in der unternehmerischen Freiheit des einzelnen Apothekers. Aber, so jedenfalls Marcel Wyler, Sprecher der Schweizer Apotheker, man werde ihm nächsten Verbands-Newsletter, die Mitglieder diesbezüglich sensibilisieren… Das ist ja toll!
Oder was meinen Sie?
Michael Marti, 43, ist Stellvertretender Chefredaktor von Newsnetz und Vater von zwei Töchtern. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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@alle: Es ist doch ganz erstaunlich, wieviel Staub auf- und Emotionen durcheinandergewirbelt werden von 2 Frauen und Männern (ab und zu), die sich ihre Haushaltskasse auf amüsante Weise etwas aufmöbeln. Bin seit 12 Jahren nicht mehr in der Schweiz zuhause und stelle mit Erstaunen fest, wie sich mein Heimatland (wohl nicht als einziges…..) immer mehr verkleingeistert. Die Rechten haben immer recht, die Linken sowieso, und dann die Frauen….. und die Männer….. und die Kinder….. und die Katholiken….. und die Muslime – alle haben recht – IMMER. Klar, dass da das Unrecht nur noch beim anderen gefunden werden kann.
Es scheint aus der Ferne – und angesichts der letzten Ereignisse in der Schweiz – dass der Polarisierungen kein Ende mehr ist. Der Traubenzucker wird geliebt und gleichzeitig bekämpft – obwohl er doch eigentlich den keimenden Minaretten in den kindlichen Mundhöhlen ordentlich Schaden zufügen könnte…… Haben wir da etwa in der Anti-Traubenzuckerfraktion das politische Gegenstück zur Anti-Minarettfraktion entlarvt?
Obwohl ich keine kleinen Kinder mehr habe, ist diese Untugend mit Süssigkeiten für Kinder leider weit verbreitet.
Man kann es auch bei der Post feststellen, sowie am Kiosk und fast allen Kassen wo man anstehen muss,
diese “Schleckereien” oder “Schläckerli” sind KINDERMAGNETE und Umsatzgaranten! Welche Mutter/Vater will schon aufsehen erregen und sie unterliegen dem “Betteln” regelmässig.
Umsatz kommt leider vor Verantwortung!!
Einfach nur kleinlich. Author nervt. Nichts besseres zu berichten???
…welcher author?
@ Body Shape
Weshalb Untugend? Kann man es nicht einfach als freundliche Geste ansehen? Ob man sie annimmt oder ablehnt ist doch jedem selber überlassen! Eltern, die ihre Kinder konsequent erziehen, scheren sich auch nicht um das Aufsehen das sich zwangsläufig ergibt wenn sie ihrem Kind in der Öffentlichkeit etwas verbieten! Das Abgeben von Süssigkeiten dauernd mit Hintergedanken oder gar bösen Absichten in Verbindung zu bringen nervt einfach gewaltig! Klar ist es den Geschäften wichtig dass auch die Kinder sie positiv in Erinnerung behalten, aber was ist daran falsch und so schlimm?
Die Kinder heutzutage haben sowieso zuviel Zucker. überall hat’s Zucker. Selbst in der Zweifel-Dip-chili-sauce für Tortillas-Chips, welches extra hot ist, hat an erster Stelle Zucker drin.
Und die Menschen sind Zuckerkrank. Kinder sind hyperaktiv und müssen mit Ritalin vollgestopft werden, damit sie sich beruhigen, anstatt dass sie weniger Süsses essen.
Und wenn es jetzt Familien gibt, die bewusst darauf achten? Die gehen dann in einen Laden und die Kinder kriegen Traubenzucker, Schokolade, Bonbons… und die Eltern müssen fast tatenlos zusehen, weil sie sonst böse Blicke von allen Seiten bekommen. Vorallem, wenn die Kinder dann noch zu weinen anfangen, müssen sie fast nachgeben.
Wir waren junge, vielleicht etwas überforderte Eltern und haben unserem Sohn jeweils vor dem einschlafen Honig an den Nuggi getan was zur Folge hatte dass seine ersten Zähne aussahen wie ein “abgebranntes Indianerdorf”. Heute ist der Sohn 35 Jahre alt, hat noch keine Plombe, d.h. Superzähne. Unser Zahnarzt sagte dass er einen Speichel habe welcher Karies nicht zulasse, rätzelhaft warum seine ersten Zähne total verfault sind.
Habt ihr selber noch eure Kindheitserinnerungen? Ihr wusstet doch ganz genau, wenn ich zum Metzger gehe mit meiner Mutter gibts es “Würschtli”, wenn ich zum Bäcker gehe gibt es “Chrömeli” und wenn ich ab und an zur Apotheke mitging gabs es “Trubezückerli”. Das hat mich als Kind immer sehr gefreut. Warum gönnen Sie es ihren Kindern nicht? Karies bekommt ein Kind nicht vom Traubenzucker in der Apotheke! Dick wird es weder vom Würschtli noch vom Chrömeli und auch nicht vom Trubezückerli. Ihre “Zuckerprobleme” muss nicht der Apotheker oder die Apothekerin lösen. So lange die Kinder eine gesunde, ausgewogene Ernährung im Alltag geniessen sind solche “Geschenke” auf keinen Fall schädlich für das Kind.
Ich erinnere mich auch noch an die Wurstli Zeit und den Traubenzucker etc. Heute, gut 35 Jahre später, habe ich immer noch alle Zahne. Mit dem Gewicht sieht es da schon anders aus, da muss ich schon immer wieder schauen, aber das liegt vermutlich nicht am Traubenzucker den ich mit 5 gekriegt habe. Mein Kleiner bewegt sich sehr viel und ist auch ab und an mal Süssigkeiten, aber genau diesen Zucker braucht er auch. Puzt er auch schön brav immer die Zähne, wird er auch im Alter noch fit sein und ein strahlendes Lächeln zeigen können!
wullewullewullewulle