Diplomierte Knigge-Kinder?

Edler essen: Mädchen am Kinderumzug vor dem Sechseläuten 2015. Foto: Urs Jaudas

Mark Zuckerberg und sein Facebook müssen irgendwie ahnen, wie es um die Tischmanieren meiner Kinder steht. Anders kann ich mir nicht erklären, was gestern passiert ist. Alles fing damit an, dass in meiner Timeline Kollege Tschannens Meinung aufpoppte über Restaurantrabatte für brave Kinder. Ich las und nickte. Es folgte ein Mittagessen mit zwei Kindern, deren Tischmanieren man mit keinem Rabatt quittieren würde, höchstens mit einem Kopfschütteln. (Ja, es waren meine Kinder.)

Während der Mittagspause entdeckte ich dann auf Facebook die Lösung aller Familientischprobleme, nämlich den Kinder-Knigge-Kurs der Klubschule. Dass diese Werbung genau mir angezeigt wurde, kann kein Zufall sein. Im Kursbeschrieb erfahre ich auch sofort, wo das Problem liegt: «Benehmen ist kein Schulfach. Doch gutes Benehmen ist für das Zusammenleben sehr wichtig.» Will heissen: Leider werden in der Schule keine Tischmanieren gelehrt. Und die Eltern können das ihren Kindern ja unmöglich selbst beibringen, oder? Also meldet man seine 6- bis 12-jährigen Kinder mit guten Deutschkenntnissen für diesen Workshop an. Weil: «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.»

Ich finde Tischmanieren wichtig – mein Nachwuchs nicht

In nur zwei Stunden und 50 Minuten werden den Kindern Umgangsformen und das Verhalten am (selbst!) gedeckten Tisch beigebracht. Das nenne ich mal effizient! Auf einen «spielerischen Theorieblock» folgt ein Praxistest. Und nach dem Workshop gibt es für alle Teilnehmenden ein Knigge-Diplom – die Erfolgsquote beträgt also offensichtlich 100 Prozent. Beeindruckend! Ich stelle mir vor, wie schon bald zwei goldgerahmte Auszeichnungen an der Wand neben unserem Esstisch hängen, wo zwei diplomierte Kinder mit Silberbesteck dinieren. Und das zum Schnäppchenpreis von nur 50 Franken.

Schade, dass meine Kinder doch nicht an diesem Knigge-Kurs teilnehmen werden. Auch wenn die Durchführung garantiert ist. Es mangelt ihnen klar und deutlich an der zweiten Voraussetzung: «Interesse am Thema». Tja. Dann werde ich weiterhin selbst versuchen müssen, aus meinen Hänschen einen adretten Hans und eine passable Hänsin zu machen, die nicht mit vollem Mund sprechen oder die Ellbogen auf der Tischplatte parkieren, dafür aber mit Hummerzange und Schneckengabel umzugehen wissen.

Das Problem: Ich finde Tischmanieren wichtig – mein Nachwuchs tut dies nicht. Das ist wohl auch der Grund, warum die Kinder noch immer keine diplomierungswürdigen Tischmanieren vorweisen, obwohl wir sie schon jahrelang erziehen und kniggen. Die Methodenvielfalt orientiert sich an der heiligen Dreifaltigkeit der Kindererziehung nach Tschannen:

Methode «schimpfen»

  • So gehts: Jedes Mal schimpfen, wenn das Kind ein Erbsenkatapult baut, das Essen mit der Hand auf die Gabel schiebt, einen Popel auf die Tischplatte schmiert, ins Wasserglas blubbert, die Hände unter dem Tisch hat, mit vollem Mund spricht, Ungeniessbares zurück auf den Teller spuckt, mit dem Ärmel den Mund abwischt, den Desserteller ableckt. Und! So! Weiter!
  • Ergebnis: Einigermassen gute Tischmanieren, aber dauernd schlechte Stimmung am Esstisch, weil keine Gespräche mehr möglich sind, wenn man alle drei Sekunden motzen muss.

Methode «verhandeln»

  • So gehts: Nett: «Alle, die schön essen, bekommen einen Schokokuss, den sie natürlich mit Messer und Gabel essen!» Oder nicht so nett: «Keine Tischmanieren, kein Dessert!»
  • Ergebnis: Passable Tischmanieren, aber allenfalls essgestörte Kinder.

Methode «ignorieren»

  • So gehts: Aktives Wegschauen und Weghören. Sich selbst jedoch benehmen wie Adolph Freiherr von Knigge persönlich. Lächeln.
  • Ergebnis: Vermutlich keine guten Tischmanieren, bis die Kinder 14 oder ausgezogen sind. Danach hoffentlich einwandfreie Tischmanieren, gelernt durch Nachahmung.

Im Moment versuche ich es mit elterlicher Ignoranz, wobei ich bei gröberen Verstössen oder dünnen Nerven in den Schimpfmodus zurückfalle. Vielleicht buche ich also doch noch einen Kurs in der Klubschule. Halt nicht Knigge für Kinder, sondern Zen-Meditation für Eltern.

48 Kommentare zu «Diplomierte Knigge-Kinder?»

  • Peter Kobelt sagt:

    1) Betrachte ich allenthalben die volldurchgestylten Wohnungen im Blog von Frau Kohler, kommen mir immer Kinder in den Sinn. Wie passen die dort hinein?, frage ich mich. Lese ich dann den Mama-Blog, wird mir schlagartig klar: Gar nicht!
    Nicht, dass wir einen Bonzenhaushalt führen, aber Design und Antiquitäten sind im Vergleich zur Standard-IKEA-Wohnung überproportional vertreten. Und ja, ich gebe es zu, viele – nicht einige! – unserer Bekannten mit Kindern laden wir nur ein, wenn wir draussen sitzen können. Ich kann die Kindern mit ansprechenden Tischmanieren an einer Hand abzählen, und komme nicht auf 5! Dabei denke ich nicht einmal an diejenigen, die mit Besteckordnung oder korrekt mit Moules umgehen können, sondern profanste Dinge. Es ist mir absolut schleierhaft, wie Eltern …

    • Peter Kobelt sagt:

      2) solch‘ fressende, die Umgebung kontaminierende Kinder aushalten! Muss es sein, dass wir jeweils unsere dänischen, mit herrlichem Wollstoff überzogenen Stühle durch Holzstühle ersetzen müssen. Dass unser Hund vorgängig nichts zu fressen bekommt, da er sich an den heruntergefallenen Essensresten den Bauch vorschlagen kann. Dass Händewaschen oder der korrekte Umgang von Gabel und Messer gänzlich unbekannt ist.
      Niemand ist perfekt und die Ansprüche nicht übermässig. Nachlässigkeiten was den Ellbogen, die Sitzposition oder die Breite der Arme beim Schneiden betrifft selbstverständlich und leicht korrigierbar. Doch wenn die Verköstigung von Kindern dem Füttern von Schweinen an der Tränke gleichkommt, ist dies mehr als ein erzieherisches Defizit. Es ist ein gesellschaftliches Defizit!

      • Puh Herr Kobelt, sie haben Angst vor ungewaschenen Kinderhänden, halten aber einen Hund in der Wohnung. Den möchte ich persönlich auch nicht auf meinem dänischen Sessel – tja so sind die Wohnvorlieben. Daraus ein gesellschaftliches Defizit zu zimmern, ich weiss ja nicht …

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Wir haben sogar 2 Hunde im Haus und waschen trotzdem die Hände.

        Im Übrigen finde ich es sehr vielsagend, wenn meine Wohnung sauberer ist, als jene von Leuten welche Haustiere sus hygienischen Gründen ablehnen. Mag nicht auf alle zutreffen, aber auf alle die ich kenne.

      • Carolina sagt:

        Funktioniert das mit den Moules wenigstens bei Ihrem Hund? Puh, da bin ich aber froh!

      • 13 sagt:

        „die Ansprüche nicht übermässig“
        das wage ich aufgrund diesem Satz:
        „Ich kann die Kindern mit ansprechenden Tischmanieren an einer Hand abzählen, und komme nicht auf 5!“
        sehr zu bezweifeln.
        Ich weiss ja nicht, was für Kinder Sie jeweils am Tisch haben, aber die meisten, die bei uns so durchspazieren, benehmen sich altersgemäss anständig, was heisst, das klar mal eins kleckert oder etwas runterfällt, aber es flogen bisher noch keine Schüsseln in unsere Vorhänge. Allerdings haben wir weder dänischen Stoff noch Hund, sondern Leder und Laminat. Aber wie gesagt, waren bisher eigentlich praktisch alle anständig, vielleicht liegt es doch an Ihren Erwartungen?

      • Peter Kobelt sagt:

        @Tschannen
        Der Hund weiss sich im Unterschied zu vielen Kindern zu benehmen.
        @Carolina
        Um die Moules geht es ja eben genau nicht. 😉
        @13
        Die Frage ist nun, wie „altersgemäss anständig“ definiert wird und mit wem verglichen wird. Aus der Sicht von Krippeneltern, ist ein minimalster Standard zugegebenermassen schnell erreicht. Vergleicht man mit gängigen Stadtkindern von vor 20-30 Jahren, ist das Niveau deutlich gesunken. 10-jährige die Messer und Gabel nicht gleichzeitig benutzen können, Kopf aufstützen, Kopf zum Essen statt umgekehrt, ist das wirklich zuviel verlangt???
        @Papperlapapp
        Ganz im Gegenteil! Die Begeisterung der Eltern ist jeweils gross, wenn sie unseren Nachwuchs beim Essen sehen und ihren Kindern mit einem guten Beispiel dienen können.

      • Ich will auch wirklich nichts gegen Ihren Hund sagen, Herr Kobelt, der ist bestimmt sehr gut erzogen und schätzt Antiquitäten genauso wie Sie. Alles was ich sagen will: Die Ansprüche sind halt unterschiedlich. Sie scheinen mir bezüglich Kinder pingelig zu sein, auch wenn Sie es bestimmt abstreiten werden. Ich würde mich mit Kindern bei Ihnen unwohl fühlen, selbst mit gut erzogenen. Ich wiederum bin gegenüber Hunden pingelig, auch gegenüber den sauberen Antiquitätenliebhabern. Ich würde mich aber nie über die „kaputte Gesellschaft“ aufregen, schliesslich weiss ich, dass das Problem bei mir liegt.

    • Papperlapapi sagt:

      Wahrscheinlich sind viele, nicht einige, ihrer Bekannten froh, wenn der Pflichtbesuch absolviert ist und sie wieder nach Hause können…

    • Sisifee sagt:

      Ich muss Herrn Kobelt in Recht geben. Ich lade auch nur andere Familien ein, wenn wir draussen grillieren (und mit den Händen essen) können. Am besten gar nicht in unserem Garten, sondern direkt im Wald. Es kostet mich schon genug Energie, meine eigene Bande inklusive Katzen hygiene- und manierentechnisch unter Kontrolle zu halten. Da mag ich nicht noch fremde Dreckfinken. Im Winter kommen uns nur Kinderlose ins Haus!

  • Karl von Bruck sagt:

    Wenn den Kindern waehrend mehr als der Helfte der obligatorischen Schulzeit zu mehr als 90 Prozent nur in anderen Berufen brauchbarer Sondermuell ins Hirn getrichtert und geprueft wird, ob er sitzt, schweigen die Mama- und Pseudopapabloggerlaemmer. Ebenso wenn die fur das Leben als Mensch und Buerger (ueberlebens-)wichtigen Faecher wie Gewaltfreiheit, Knigge, koerperliche Ertuechtigung, Pfadfindern, Ruebli-RS fehlen oder gar gestrichen werden. In Polizei- und Offiziersschulen muss der Knigge nachgeholt, und in Rekrutenschulen waere ein ertraeglich geordneter Dienstbetrieb ohne durchgreifende vollamtliche Mutter (Hauptfeldweibel) und Vater (Furier) der Kompanie mit disziplinarisch bewehrter Befehlsgewalt schlicht unmoeglich….

  • Reincarnation of XY sagt:

    Ja, also, nochmals.
    Gestern erklärte uns Herr Tsch. dass man Angesichts von irrationalen Trotzanfällen bei zwei jährigen machtlos ist.
    Heute erklärt uns Frau M, dass man nur die Wahl hat zwischem nutzlosen Schimpfen, nutzlosem Verhandeln und hoffentlich irgendwann einmal in Zukunft sinnvollen ignorieren und besser vormachen.

    Meine Antwort darauf: auch wenn es nirgendwo absolut rund läuft, auch wenn alle Eltern bisweilen an ihre Grenzen stossen: es geht tatsächlich viel, viel besser. Wenn man als Eltern tatsächlich so ohnmächtig ist, wie Frau M. schreibt, dann macht man etwas falsch.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Wir haben mit unseren Kindern grossteils ein sehr einvernehmliches Verhältnis. Wir nehmen Rücksicht aufeinander, weisen uns gegenseitig zurecht. Gerade unsere (nicht in einer Sekunde geleugnete!) Unvollkommenheit, sorgt dafür, dass wir alle im gleichen Boot sitzen und wir nicht dieses vernünftige-Erwachsene-gegen-rebellierende-Kinder-Feeling erzeugen.

      Kinder sind weit besser als ihr Ruf. Es ist vielmehr so, dass die Erwachsenen ihre eigene Inkompetenz den Kindern anhängen.

      • Habig Regula sagt:

        Danke für diesen Kommentar, ich bin völlig einverstanden. Die Botschaften in diesem Blog sind tatsächlich widersprüchlich. Einerseits ist es sehr, sehr wichtig, dass Kinder in die Krippe gehen (damit ein ganzes Dorf miterzieht), mit 4 Jahren unbedingt allein in den Kindergarten laufen und draussen spielen (die Aermsten würden ja sonst dauernd überwacht), und am anderen Ende der Skala schreibt hier eine Bloggerin, dass sie es allen Ernstes in 6 Jahren nicht schafft, dass sich ein Kind am Tisch nicht benimmt wie am Trog … Bei uns lief auch nicht immer alles rund, aber was hier unter „Schimpfen“ an Verhaltensweisen geschildert wird, wäre wirklich und wahrhaftig schon im Kleinkindalter unterbunden worden. So schwierig ist das nun wirklich nicht, man muss sich halt darum kümmern …

      • Sisifee sagt:

        Teilweise bin ich einverstanden, RoXY: Schlussendlich tragen wir Eltern die Verantwortung für die Eltern-Kind-Beziehung, und diese Verantwortung muss man auch packen. Wenn es Situationen der Machtlosigkeit gibt, heisst das aber nicht, dass man die Verantwortung nicht trägt – sondern halt eben ansteht. Der Mamablog ist oft die Plattform für diese Momente und der Austausch darüber wichtig.

      • Sisifee sagt:

        Nur so als Seitenbemerkung: Nebst der oft nicht sehr effizienten elterlichen Triade Schimpfen / Verhandeln / Ignorieren gibt es die oft viel besser Möglichkeit der Konsequez. Eine konsequente Handlung als Reaktion auf unerwünschtes Verhalten verschafft einem Luft und kommt ohne viel Worte aus. Ich habe auch schon den Tisch verlassen, als es mir zu blöd wurde. Das macht Eindruck.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Sisifee – ich unterscheide zwischen Situationen der Machtlosigkeit und Machtlosigkeit als Allgemeinzustand.

        Meine wichtigsten Werte in der Erziehung sind Beziehung und Verständnis (gegenseitiges!).

        @Habig – voll einverstanden. Würde hier noch anfügen: Hyperstrenge bezüglich Bildschirm und Gamen – und dann klappt sozusagen überhaupt nichts. Aber nein, man ist total überzeugt von seinen Methoden.

      • 13 sagt:

        „dass wir alle im gleichen Boot sitzen und wir nicht dieses vernünftige-Erwachsene-gegen-rebellierende-Kinder-Feeling erzeugen“

        Danke, danke, danke!

    • Mohohohoment! Niemand hat hier von Machtlosigkeit geschrieben. Wir thematisieren hier doch lediglich genau das, was Sie sagen: Dass es Herausforderungen gibt und wie wir diese meistern – manchmal mit Erfolg, manchmal ohne. Als ob Elternsein ein Reigen ständiger Souveränität wäre. Dass der Mamablog in sich immer wieder widersprüchlich ist, dürfen Sie übrigens gerne als Qualitätsmerkmal nehmen: Es gibt zum Glück keine gemeinsame Agenda oder ein Blogkonzept mit vorgegebenen Botschaften. Im übrigen lernt man als Mamablogger/in und hoffentlich auch als Leser/in ständig hinzu. Auch wenn ich es selten sofort zugebe: Ich habe hier beim Mitkommentieren schon oft meine Meinung revidiert.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Ja, Herr Tsch. , das spüre ich bei Ihnen (nur bei Ihnen) auch sofort. Mir geht es auch so.
        Ich sagte es bereits, wurde aber leider noch nicht freigeschaltet. „Ich unterscheide zwischen Situationen der Machtlosigkeit und Machtlosigkeit als Allgemeinzustand.“
        Nach Frau M.s Worten, scheint sie ein Allgemeinzustand zu sein: sinnloses Schimpfen, sinnloses Verhandeln oder ein Ignorieren, das hoffentlich irgendwann in der Zukunft Frucht tragen wird, gleichzeitig UND JETZT KOMMTS mit der KRITIK an Leuten die es anders machen, wie eben z.B. der Kurs.
        Ich finde dieses zelebrieren des eigenen Versagens verquickt der gleichzeitigen Kritik an Solchen die es anders machen (vielleicht sogar besser?) sehr fragwürdig. Ein Widerspruch sollte erlaubt sein und überdacht werden.

      • Fair enough, XY. Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass Frau Meier sich über den Kurs lustig macht. Sie bedauert doch, dass sie ihre Kinder nicht schicken kann, weil sie das Anforderungsprofil nicht erfüllen.

  • Marga sagt:

    Was haben denn die Leute (so genannte „Mamis“ vor allem) für Probleme?! Haben die keine Phantasie? Nein, offenbar nicht. Wenn ein Kind – eines, dem man es beigebracht hat und das feinmotorisch und intellektuell in der Lage ist, keines das dafür zu klein ist – „frisst wie eine Sau“, bekommt es eben ein Stück Brot und isst dieses in der Küche. Dann hat es schnell gelernt, dass man gewisse Standards erfüllen muss, wenn man dazugehören will. Das gilt übrigens am Esstisch so wie in der Handballmannschaft, an der Lehrstelle, in der Disco etc. – Abgesehen davon: Ich treffe kaum Kinder, die „Erbsenkatapulte“ bauen und „Böögen“ auf das Tischtuch schmieren. Aber das ist wohl eine Frage der Auswahl des persönlichen Umgangs.

  • Walter Boshalter sagt:

    Als erfolgreichste Methode stellt sich zumindest bei mir und meinem Nachwuchs die Kombination Vorbild, Erpressung und Training raus. Als Erwachsene haben deine Tischmanieren genau so vorbildlich zu sein wie du es vom Nachwuchs erwartest. Verhält dieser sich nicht so, wird erpresst wo es wehtut („Falls ich dich noch einmal beim Stuhlgagelen erwische wird heute deine Videogame-Zeit gestrichen!). Desserts würden da stoisch ignoriert. Und dann ja, man nimmt die Lleinen auch mal in bessere Restaurants mit (was bereits in ein paar Mamablogs heiss diskutiert wurde) und praktiziert das Gelernte.

  • Sisifee sagt:

    Meine 3jährige Tochter isst schöner als mein 9jähriger Sohn. Der ist absolut schwer erziehbar Punkte Tischmanieren.
    Als Motivation bei normal erziehbaren Kindern hilft das „Upgrade“ als Belihnung: wer den Mund zuverlässig trifft, muss kein Lätzchen mehr tragen, wer gut mit Besteck umgehen kann, kriegt einen Erwachsenen-Teller.
    Am allermeisten stört mich Streiten am Tisch. Das finde ich viel belastender als wenn’s mit dem schön Essen noch nicht hinhaut.

    • 13 sagt:

      Ich bin gerade sehr froh, dass Sie das schreiben, denn bei uns ist es genau so. Die beiden jüngeren Kinder haben altersentsprechend gute Manieren, dass bei einem knapp 2j Kind mal etwas daneben geht oder das 5j das Messer noch nicht perfekt beherrscht, erscheint mir normal, aber sie geben sich Mühe. Beim ältesten (knapp 9) hat man das Gefühl, dass sie bisher unter Wölfen lebte. Besteck ist eh doof, am liebsten abbeissen anstatt schneiden und alle 2 Sek aufstehen. Was jedoch gerade die „Erziehung“ in Frage stellt, denn wir behandeln alle Kinder gleich. Bei uns gilt dann einfach, es soll niemandem der Appetit vergehen, d.h. wer so isst, dass es andere ekelt, der isst halt später alleine und putzt auch alleine. Die Entscheidung liegt beim Kind und zu 99% nimmt sie sich dann zusammen.

      • 13 sagt:

        Bei Streit sitzen sie dann halt an verschiedenen Tischecken.

      • Sisifee sagt:

        In verschiedenen Tischecken sitzen unsere Söhne sowieso. Wenn sie trotzdem nicht aufhören können, sich anzukeifen, werden sie vom Tisch geschickt und müssen zuerst 5 Minuten ruhig im Zimmer sein, danach den Konflikt klären und erst dann dürfen sie wieder an den Tisch.

      • 13 sagt:

        Meine sitzen sehr gerne zusammen, resp. das jüngste Kind am Tischende (wegen etwas speziellen Tischbeinen geht der Hochstuhl nur da) und die anderen links und rechts von ihr. Eigentlich finde ich es gut, denn es gibt uns auch die Möglichkeit, zwei Worte miteinander zu sprechen. Meistens funktioniert es auch gut. Ich finde das Wegschicken durchaus legitim. Es gibt (zumindest bei uns) mehr als genug „Tobzeiten“, wo es auch mal wilder und lauter sein darf, aber doch nicht während des Essens. Das ertrage ich nicht.

  • Jürg. sagt:

    Den Kopf knapp über dem Teller, mit aufgestütztem Ellbogen, das Essen in sich hineinschaufelnd. Beim kauen die Lippen nicht geschlossen..
    Gibt’s auch Kurse für Familien?

  • Reincarnation of XY sagt:

    Ich weiss echt nicht wo ihr Problem ist. Gestern noch verwies man auf nicht kurierbare Trotzanfälle von 2 jährigen, die offenbar vereinzelt vorkommen, um das Thema Benehmen beim Essen lächerlich zu machen. Aber heute reden wir von 6-12 Jährigen! Was soll denn daran falsch sein, wenn sie lernen sich ordentlich zu benehmen?
    Ich meine, bei uns ist Essen kein Thema. Wir sind relativ unkompliziert. Für uns ist dies kein wichtiger Wert auf der Agenda. Aber ich habe keine Ahnung, warum man sich über so einen Kurs lustig machen soll. Zu wissen, wie man sich benimmt, kann tatsächlich nicht schaden. Und zwischen 6 und 12 ist man nun definitiv reif genug, um diesbezüglich Anleitung zu bekommen.

    • Brunhild Steiner sagt:

      🙂

      das Problem sehe ich eher im offenbar vorhandenen Bedürfnis, geht für mich in ähnliche Richtung wie die zunehmenden „schulfremden“ Gebiete, welche inzwischen Lektionen beanspruchen weils die Mehrheit offenbar nicht vermittelt bekommen hat.

      • Reincarnation of XY sagt:

        hier stellt sich einfach die Frage: ob das Glas halbleer oder halbvoll ist. Sehen wir eine Entwicklung der Gesellschaft oder eine Degeneration? Bzw. hatten die Kinder/Menschen früher wirklich mehr Manieren? Ich zweifle daran.
        Man höre sich nur an, was früher beim Schweizer Fernsehen zu Tagen Hans Juckers offiziell geduldet wurde. Heute unvorstellbar!
        https://www.youtube.com/watch?v=N9UZk1svQR8

        Man könnte die Existenz eines Kurses für Manieren auch als eine positive Erscheinung betrachten. Nicht als Gradmesser dass es schlimmer wird, sondern vielleicht sogar besser.

    • Sisifee sagt:

      Ich finde auch, gegen Knigge ist nichts einzuwenden. Ein Kurs würde vermutlich an der Motivation meiner Söhne scheitern. Die beiden haben aber von ihrer Grossmutter je ein Knigge-Buch für Kinder erhalten, das ist recht gut und handelt nicht nur Tischmanieren, sondern auch Sozialverhalten ab. Ab und zu müssen sie drin lesen, wenn es überbordet…

  • Nick sagt:

    Der Köder muss bekanntlich dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Damit meine ich nicht die dargereichten Speisen sondern die Erziehungsmethode. Was ist den Kindern wichtig? Womit kann man sie motivieren? Meiner Mutter waren (Tisch)Manieren extrem wichtig und sie hat mich sehr clever beeinflusst: Mit dem Hinweis auf das (angebliche) Verhalten wichtiger und vornehmer Personen im Kontrast zu „primitiven“ Menschen hat sie ohne grossen Druck erreicht, dass ich mich am Tisch lieber wie der König und nicht wie der Holzfäller benommen habe.

    • Flo sagt:

      also ich glaube die beste Erziehung ist, in vielen Fällen, das Vorbild.
      Und solange sich Eltern/Erziehungsberechtigte der Situations angemessen benehmen, können die Kinder nicht viel falsch machen.
      Und das man sich bei einem Picknick im Grünen etwas legerer benehmen kann als wenn man im Speiserestaurant zu Mittag oder Abend isst, das merken Kinder ziemlich schnell.
      Leider ist es so, das man hie und da Erwachsene beobachten muss die nicht wissen wie man am Tisch sitzt, Messer und Gabel/Löffel in die Hand nimmt und das man nicht mit vollem Mund spricht und seinen Mitmenschen nicht unbedingt zeigen muss wie weit der Kauvorgang gediehen ist..
      Mein Sohn geht hie und da mit seinen Auszubildenden essen und was er da zu sehen bekommt kann einem schon den Appetit verderben.

      • Sisifee sagt:

        „Und solange sich Eltern/Erziehungsberechtigte der Situations angemessen benehmen, können die Kinder nicht viel falsch machen.“
        Wie schön wäre es, die Erziehung wäre mit dem guten Vorbild erledigt! Meine Kinder machen ganz viele Dinge, die sie nie vorgelebt bekommen haben. Es gibt auch Einflüsse von aussen und der Charakter/ das Temperament, das von Kind zu Kind verschieden ist.

  • Karin Stepinski sagt:

    Kurz mal nach Paris reisen und Anschauungsunterricht nehmen! Unsere Kinder haben vor allem durch Vorleben und Korrektur gelernt. Und wir essen bis heute täglich gemeinsam am schön gedeckten Tisch (ja mit Serviette, Silberbesteck und Kerzen). Es wir fast ausnahmslos frisch gekocht und vor dem Essen gebetet. So bekommt das „Ganze“ den Rahmen in dem Kinder auch spühren, dass gutes Benehmen einfach dazu gehört (klappte natürlich als sie ganz klein waren, nicht immer, aber je grösser sie wurden, immer öfter;-))

  • Stalder sagt:

    Unsere erwachsenen Kinder (Sohn 24, Tochter 22) haben tadellose Tischmanieren – ganz im Gegensatz zu deren Vater! Ich denke, sein „Vorbild“ war die beste und einfachste „Erziehung“ für die Kinder…..nur nicht für mein Seelenheil als Ehefrau…..

  • Brunhild Steiner sagt:

    So langsam weiss ich gar nicht was ich übler finden sollte, die „nicht-erziehen!“-Ideologie, oder das seltsame Erziehungskonzept „schimpfen-verhandeln-ignorieren“.
    In den ersten Jahren wurde ein altes Leintuch (doppelt gefaltet) unter den Hochstuhl gelegt, dann hats mich viel weniger gestresst wenn Zeug runterkam. Später, als „Essen mit Anstand“ erwartet werden konnte, wäre der Teller ziemlich schnell mit 1 Stück Brot/Karotte ausgetauscht worden bis die Bereitschaft/Aufmerksamkeit zurück ist- war aber fast nie nötig, das Menue doch verlockender.
    Von Beginn weg eine klare Haltung und viel Stress entfällt.

    • Brunhild, bevor hier Verwirrung entsteht: Bei „schimpfen-verhandeln-ignorieren“ handelt es dann nicht öppen um ein ernsthaftes Erziehungskonzept, das Nadja und ich in jahrelanger Forschung ausgetüftelt haben. Mehr um eine scherzhafte Beobachtung üblicher Verhaltensmuster von Eltern.

      (Ich lebe ja in permanenter Angst, dass meine Aussagen ernst genommen werden könnten.)

      • Brunhild Steiner sagt:

        … verehrter Herr, ich hab mich ja beim abschicken gefragt ob der Kanal von Ihnen überwacht werden wird und mit allfälliger Reaktion zu rechnen wäre…, die Angst ist offenbar nicht unberechtigt, vielleicht bietet sich eine Art label-System an um Missverständnisse zu reduzieren? Wobei, angesichts des schon herrschenden label-Durcheinander bei den Grossverteilern möglicherweise nicht mit Erfolg was die Klarheit betrifft gesegnet…

      • Normalerweise überwache ich ja gar nichts und bin mit der strengen Erziehung des Kindes beschäftigt. Aber wenn irgendwo mein Name fällt, juckt aufgrund einer alten Kriegsverletzung meine Nasenscheidewand.

        Als Hinweis meinerseits: Nicht ernst gemeinte Erziehungskonzepte leite ich in der Regel mit einem Hauch von Blasphemie ein. In diesem Fall war die „heilige Dreifaltigkeit“ der versteckte Hinweis.

  • Maier Tom sagt:

    nun so schlimm wars nicht .. unsere Kleinen hatten viel Freiraum für Spiele und Blödsinn, aber am Tisch haben sie sich benommen. Dies war uns wichtig und das haben die Kids auch gemerkt, .. was nicht heisst das zwischendurch nicht mal eine Serviette dem Papi angeschossen wurde, aber im Generellen war Ordnung und wir haben das Essen zusammen genossen.

  • Monika sagt:

    Danke für den erfrischenden Text. Einfach herrlich – ich erkenne unsere Tischsituationen 1:1 🙂 Das Interesse am Thema ist oftmals gering, die Experimentierfreude enorm.. Trotzdem bin ich optimistisch, dass wir das an unserem Tisch zu gegebener Zeit erreichen werden. Ich kann mich aber noch lebhaft erinnern, dass ich die Basics guter Tischsitten in einer Landschulwoche (also von einer Drittperson) erfahren habe. Ich bin der Lehrerin heute dankbar und konnte es annehmen weil es ohne „Moralin“ daher kam.

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