
Und wer pflegt Mutter, wenn sie krank wird?
Ich habe zwar noch leichte Temperatur, aber ich bin nicht mehr so überhitzt, dass die Gedanken, die ich produziere, sofort verdampfen und sich in nichts auflösen. Deshalb muss ich – bevor ich mich für den Rest des Tages da hin verziehe, wo ich eigentlich schon länger hätte liegen müssen, nämlich ins Bett - noch ein kleines politisches Anliegen loswerden: Krank sein dürfen gehört in den Kanon der Menschenrechte.
Es mag wie ein Paradox klingen, es ist aber in Wirklichkeit eine Folter, wenn man krank ist und nicht krank sein darf. Das wissen alle, die schon mal mit 39,2 Fieber, Schüttelfrost und Co. einen ganz normalen Tag mit zwei Kindern hinter sich bringen mussten, also vor allem Mütter. Speziell solche von Kleinkindern. Bevor diese sich übergeben müssen, haben Sie in der Regel bereits unzählige verkotzte Betten gewechselt, meist nachts, zig Liter Tee gekocht und eingeflösst, stundenlang getröstet und zugehört, sämtliche Kinderbücher im Haus dreimal vorgelesen, tubenweise Pulmex eingeschmiert, irgendwelche Kügeli abgezählt oder wirkungsvollere Medikamente auf diversen Wegen in Kinderorganismen gebracht. Denn Viren haben - das ist eine bisher leider noch viel zu wenig erforschte biologische Auffälligkeit – immer schon alle anderen Familienangehörige flachgelegt, bevor sie sich zusammenrotten und mit vereinten Kräften Mutter den Rest geben. Das erklärt dann auch, warum Vater bei der Arbeit ist, wenn Mutter krank wird, und dort auch grauenhaft viel aufzuarbeiten hat: Er wurde ja gerade eben von Mutter gesund gepflegt und kann nun nicht schon wieder im Büro fehlen, um seinerseits Mama aufzupäppeln.
Mutter ist also auf sich gestellt, wenn die Viren sie gebodigt haben. Aber leider nicht mutterseelenallein. Da ist ja noch der Rest der Familie, der wieder gesund und schampar hungrig ist und der auch Hausaufgaben hat oder Langeweile und genug Energie für Geschrei und Gezank. Das alles ist der Mamagesundung natürlich nicht förderlich. Aber wenn diese über Kopf-, Hals- oder ein anderes Weh klagen sollte, kann sie nicht mit grosser Empathie rechnen, weil das haben die Lieben ja bereits hinter sich: «Mir gings auch so», heisst es dann zum Trost, «ich habe geglaubt, ich schaffs nicht mehr zum WC. Machst Du mir noch eine Schokolade, bitte?»
Darum muss man die Mutter verstehen, die es für einmal nicht erwarten kann, dass die beiden geliebten, aber gottlob schulpflichtigen Kinder aus dem Haus sind und ihr wenigstens zwischen Frühstück und Mittagessen für drei Stunden erlaubt ist, da hinzugehen, wo sie hingehört: ins Bett. Doch dann kommt, Sie entschuldigen die Wortwahl, diese blöde Sau von Schweinegrippe und raubt Mutter auch noch dieses kleine bisschen Krankseindürfen. Die Kleine nämlich kehrt nach einer halben Stunde wieder heim, weil alle Kindergärtler und Unterstufenschüler im Kanton Zürich zu Hause bleiben müssen, wenn ein Familienmitglied angeschlagen ist. Auch wenn niemand weiss, ob das attackierende Virus H1N1 heisst und selbstverständlich auch dann, wenn das Kind bereits krank war und deshalb immunisiert ist. Das klingt paradox, ist aber in Wirklichkeit eine Folter. Das hab ich aber glaub schon gesagt, deshalb lege ich mich jetzt ins Bett.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Es scheint mir, dass hier einige nicht verstanden haben, dass Unterstufen-Kinder, d.h. bis ca. 9 Jahre von der Schule aus unter Quarantäne gehalten werden müssen (Kanton Zürich), d.h. die gesunden Kinder müssen zu Hause behalten werden, während ihre Gspänli in die Schule gehen und das weil Mama, Papa oder Geschwister krank sind. Das ist das spezielle an der aktuellen Schweinegrippe-Problematik … denn sonst haben die gesunden Schulkinder ja ihren Tagesablauf und man kann sich um die Kranken kümmern oder sich selbst ins Bett legen.
@Lorelei
echt? Bei uns im Tessin fragt keiner, ob man daheim Kranke zu pflegen hat, die Kinder gehen brav zur Schule und Schulen oder Krippen werden nur geschlossen, wenn mehr als die Hälfter der Lehrer oder Kinder fehlen. Hier nimmt man es halt noch locker
@lorelei
Ja das ist bei uns auch so, aber die Schule kann mir nicht verbieten das Kind für einen Tag bei der Nachbarin welche auch Kinder hat zu parken. So jedenfalls machen wir dies bei uns im Dorf.
Diese Regelung ist eh ein Witz, die Freizeit ist ja viel “gefährlicher”, da könnten Kinder überall mit Viren in Kontakt kommen. Bei uns im Dorf hatten auch einige Kinder die Grippe, man ist sich nicht sicher welche. Diese haben teilweise jüngere Geschwister im Spielgruppenalter, dort können die Kinder mit oder ohne “Schnudderi” hin. Als das Turnerkränzli war, sind die Geschwisterkinder zwar nicht in die Schule aber am Abend mussten alle zur Hauptprobe antanzen.
@laura
Super, dass man das im Tessin etwas entspannter sieht. Im Kanton Zürich versenden sie lieber alle 2 Wochen neue Zettel zum Thema, da lesen wir dann zum 1000 Mal wie man Hände wäscht, wann Kinder zur Schule müssen und wann sie zu Hause bleiben müssen. Möchte gar nicht wissen was das Ganze bereits gekostet hat, nur schon das Porto und natürlich immer alles per A Post!
@Rahel
Nun ja, ich wollte damit ja nicht sagen, es wäre ihnen völlig egal. Es ist nur so, dass sie zurück in ihrem Leben sind und dabei schnell vergessen, das andere (noch) krank sind. lg, Michael
Fazit: Man weiss immer genau, wie es die andern zu machen haben und selbstverständlich sind sie selber schuld. Ich bin ja sowas von gut….
@ Michael
Ja da hast Du schon Recht……….und genau solche Situationen sind ausgezeichnet um gegenseitige Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft zu lernen! Und die Kinder lernen schnell………..
@Mia: nein, das ist eigentlich nicht die Botschaft. Aber auch ich brauchte ab und zu einen Anstoss, manchmal einen sehr deutlich kommunizierten, um mich fürs Hinterfragen zu stimulieren. Sicher gibt es Gegebenheiten die in Stein gemeisselt sind. Aber das sollte uns nicht dazu bringen allzu selbstverständlich in der “so ist es halt nun mal”-Spirale sitzen zu bleiben.
Es tut mir leid wenns besserwisserisch rüberkam, von mir her kann ich einfach sagen, am liebsten wär mir ich hätte alles selber unter Kontrolle und könnte alles eigenhändig, und wenns halt sein muss auch ein-händig managen.
Ein soziales Netz aufbauen und unterhalten IST Arbeit. Mut aufbringen und Hilfeanrufe starten IST mühsam, und natürlich hat jede/jeder ihren Terminplan gemacht. Aber diese jede und jeder sind eines Tages vielleicht auch für unsere Flexibilität dankbar, wenn bei ihnen das ganze innerfamiliäre System zusammenbricht.
Schaut doch mal auf die websites des Schweizerischen Roten Kreuzes http://www.redcross.ch Die haben Hütedienste für kranke Kinder und kranke Eltern! und zwar wirklich zu sozial verträglichen Preisen und äusserst unkompliziert und unbürokratisch und zwar bei den Familien zu Haus und dies in fast jedem Kanton.
was soll das denn zu wirksameren medikamenten greifen, als zu den kügelchen….das ist wohl eine sache des studierten…globuli nie ohne beratung…dann klappts auch….mit hausapothekenkurse..ist man noch lange kein spezialist…..
Na… Da wünsch ich Ihnen von ganzem Herzen eine gute Besserung und hoffe dass Ihr Mann wenigstens dieses Wochenende einen Grossteil der Kinderbetreuung übernehmen kann damit Sie sich erholen können…
Auspannen, relaxen… Stehlen Sie sich einige Stunden – ohne Reue und Scham- und gehen Sie irgendwo relaxen!!!
Sofern Sie nicht noch ansteckend sind, versteht sich…
Dieses Leidwesen ist auch mir bekannt, wobei ich ja immer alleine bin (Singel Mami).
Schlimmsten ist es mit Magendarm grippe. Da störrt es mich dann mal nicht wenn ich den Junior TV gucken lasse- wenn sein muss die ganze DVD Sammlung um wenigstens 3 Stunden am Stück schlafen zu können. Die Frage ist schnell geklärt, entwederr dass, oder dann 4 Tage mehr krank und Erholungsbedarf… da sind diese Ausnahme Stunden ja schnell rentabilisiert.
An Ausnahmezustand Ausnahmelösungen….
in dem Sinne- Hatschi— öhm, falsch—- Gute Genesung!!!
oje gute Besserung! Kenne das nur zu gut, bin schwanger mit Schweinegrippe und mit schulpflichtigem Kind unter neun Jahren…. die Freude kann man sich ja vorstellen, als ich erfuhr, dass mein quicklebendiger Sohn zu Hause bleiben musste, obwohl er kerngesund ist. Zusammen mit mir, die der totalen Schlafkrankheit unterlag… natürlich war ich zum Glück nicht dem Tod nahe…
aber alles was ich brauchte wäre Ruhe gewesen….. Echt nervig!
Eine verdammte Sauerei finde ich…. Zudem hat es x-leute mit Schweinegrippe umher, die gar nicht getestet wurden, aber ich armes schwangeres “Schwein” musste mich testen lassen und quasi in Quarantäne, dank neuer Pandemie-Definition der WHO…. Ja und meinen Arbeitgeber freut es auch riesig, dass ich noch länger zu Hause bleiben musste, da ohne Ruhe keine Genesung…..
@lupna: tja, dann auch gute Besserung zu Ihnen…, aber bloss kein schlechtes Gewissen wegen dem Arbeitgeber! Entweder sollen die Mütter im “Wirtschaftsprozess” aktiv bleiben, und dann erhöht sich das Absenzrisiko halt mit steigender Kinderzahl, oder dann muss ne andere Lösung her. Aber dass sich die Mütter&Väter noch ein schlechtes Gewissen machen sollen, nein, die haben schon genug mit rundherum zu tun!
Als kranke Mama, muss du noch funktionieren, organisieren, managen und kannst dich nicht einfach fallen lassen. http://www.redcross.ch ich glaube diese Adresse sollte jede Mutter mit allen anderen Notfallnummern speichern und gut sichtbar aufhängen. Es wäre schön, wenn es so ein Nottelefon gäbe wie die Dargebotene Hand, die alles für ein krankes Mami organisieren könnten, inklusive Tee und Wickel.
oh ja, das kenne ich sooo gut! wenn ich kopfweh habe, wirklich KOPFWEH!!!! heisst es: oh, du hast kopfweh? und was machst du zum Abendessen? alles klar, statt tablette und ruhe, ran an den herd. aber mittlerweile nehm ich’s mit humor. dann gibt’s ja auch noch pizzaservice etc. man muss sich selber helfen, oder?!
In der Stadt Zürich können sich kranke Eltern an “Rotkäppchen – Kinderbetreuung zu Hause” wenden. Kurzfristig und zuverlässig kommen erfahrende und kompetente Betreuerinnen, die vom Roten Kreuz Zürich angestellt sind zu den Kinder nach Hause und betreuen sie stellvertretend für den Elternteil, der im Bett liegt. Das Angebot ist kostengünstig und eine effiziente Entlastung.