Der schlechteste Babysitter

Mit dem Tablet lernen Kinder nichts, dass sie ohne diese Geräte nicht auch – und besser – lernen würden. Fotos: iStock

Mit dem Tablet lernen Kinder nichts, was sie ohne diese Geräte nicht auch – und besser – lernen würden. Fotos: iStock

Am Wochenende fragte eine Mutter auf Twitter, ob jemand gute Apps für Dreijährige empfehlen könne. Meine Tochter ist doppelt so alt und benutzt keine Apps. Der achtjährige Sohn spielt jeden Tag auf dem iPad «Minecraft», Schach oder «Pflanzen gegen Zombies». Nach 15 Minuten piept die Backofenuhr und dann muss die geliebte Unterhaltungsmaschine weggelegt werden. Geschieht das nicht, gibt es am nächsten Tag keine Game-Zeit.

Mit diesen 15 Minuten pro Tag – nach den Sportferien wechseln wir übrigens auf ein selbstverwaltetes Wochenbudget von zwei Stunden – bewegen wir uns an der unteren Grenze, wenn man die Empfehlungen von Expertinnen und Experten anschaut. «Jugend und Medien» findet für Kinder von drei bis fünf Jahren bis zu 30 Minuten Bildschirmzeit pro Tag angemessen. Medienkonsumierende im Alter meiner Kinder dürften bereits fünf Stunden pro Woche fernsehen oder das iPad streicheln.

Ruhigsteller mit fatalen Auswirkungen

Wir sind bewusst zurückhaltend, was Bildschirmmedien angeht. Wir haben keinen Fernseher, unsere Handys sind für die Kinder tabu, und vor der dritten Klasse darf das iPad nicht regelmässig benutzt werden. Obwohl: So ein elektronischer Babysitter ist eben schon praktisch. Ich sah kürzlich ein entspanntes Elternpaar im schwedischen Möbelhaus beim Einkaufen, das Mädchen sass wie hypnotisiert mit dem Tablet im Einkaufswagen und schaute einen Film. Am Samstag lagen im Zara am Boden vor der Umkleidekabine gleich drei Kinder, die aufs mütterliche Handy starrten. Im Zug, im Restaurant, beim Kinderarzt: Überall Kinder, auch kleine, mit Bildschirmen vor dem Kopf. Und die Eltern haben ihre Ruhe.

Babysitter für Unterwegs: Kaum müsste das Kind ein bisschen warten, ist das Tablet zur Hand.

Babysitter für unterwegs: Kaum müsste das Kind ein bisschen warten, ist das Tablet zur Hand.

Natürlich haben auch schon Elterngenerationen vor uns den TV als Babysitter eingesetzt. Aber den konnte man nicht mitnehmen. Also mussten die Kinder unterwegs lernen zu warten, Leerzeiten zu ertragen, Langeweile auszuhalten. Die Handy-Kinder von heute lernen das nicht: K Meine Kollegin, sie hat einen zweijährigen Sohn, fuhr immer gemütlich Auto, während der Kleine hinten Filmchen schaute. Als das Gerät auf der Fahrt ins Tessin plötzlich streikte, drehte ihr Sohn komplett durch und schrie «Fiumli! Fiumli!», dass man es beidseits vom Gotthard hörte. Auto fahren ohne Filmchen, das kannte er gar nicht. Und später wundern wir uns dann über Teenager, die ihr Handy nicht mal nachts aus der Hand legen wollen.

Besser spät als früh ums iPad streiten

Mit den Bildschirmen für Kleine ist es ein wenig wie bei Goethes Zauberlehrling: «Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.» Anfangs scheinen die Ruhigsteller praktisch und für die Eltern entlastend. Aber kurz darauf beginnt der Terror. Ich kenne kaum Kindergärtler, die das iPad freiwillig wieder hergeben. Das Zeug macht süchtig. Und die Kleinen können ihren Medienkonsum in diesem Alter unmöglich selbst regulieren, also bieten die Eltern das digitale Zuckerbrot an und nehmen es mit der Peitsche wedelnd wieder weg. Zugegeben: Auch mein Sohn würde stundenlang gamen, wenn er denn dürfte. Die Diskussionen und Streitereien über den Medienkonsum kommen sowieso! Als Eltern tut man sich aber einen Gefallen, wenn man so spät wie möglich mit Apps und Games anfängt.

Mit iPads und Handy lernen kleine Kinder nichts, das sie ohne diese Geräte nicht auch – und besser – lernen würden: Beim echten Memory müssen sie mit ihren Patschhänden die Kärtchen umdrehen und können nicht einfach mit dem Zeigefinger auf einen Bildschirm tippen. Und sie müssen sich mit einem menschlichen Spielpartner auseinandersetzen. Ob Memory-App, Duplo-App oder Ausmal-App: Ich bin der Meinung, dass die Kinder das alles ausgiebig mit den eigenen Händen ausprobieren sollen, bevor sie digital spielen, bauen oder malen. Die besten Apps für Dreijährige? Gar keine!

Übrigens durften die Kinder von Steve Jobs, dem Gründer von Apple, zu Hause kein iPad benutzen. Auch andere Eltern, die in dieser Branche arbeiten, sind überraschenderweise sogenannte Low-Tech-Eltern. Und die müssen es ja wissen.

101 Kommentare zu «Der schlechteste Babysitter»

  • Lotta sagt:

    HAHAHA, sagt die, die Twitter als ihr Hobby bezeichnet. Irrsinnig komisch.

  • Reto sagt:

    Meine Meinung:
    – erziehen: ist vor allem vorleben, regeln & grenzen gehören aber dazu
    – tablets, …: ohne elektr. Unterhaltungsmedien ist / wird man kreativer.
    – Realität bei uns: alle unlimitiert auf smartphones unterwegs;
    seit 2 wochen mit verbot ab 19 uhr für unsere kinder (13 + 11 J.) wegen gefühlter gereiztheit / Überkonsum

  • Reincarnation of XY sagt:

    Wie sagte Susi neulich so schön?
    The return of Zwingli
    Streng, strenger, am strengsten: 3 h pro Woche aber Maximum.
    Die Mama selbst blogt und twittert, und ist so online, wie ich es nie sein werde.
    Wahnsinnig stimmig.

    Etwas anderes:
    Jetzt wurde ja schon zu unserer Zeit gesagt, dass wir Kinder viel zu viel fernsehen. Das konnte ja nur schlimm enden mit uns. Und obwohl der Konsum immer mehr wurde, wurden wir doch schlauer, kultivierter, korrekter, erfinderischer, abstinenter und gesünder als unsere Eltern und Grosseltern, die alle ohne diesen schädlichen Bildschirm aufgewachsen sind.
    Kann mir Frou M. all diese verwirrenden Widersprüche erklären?

  • marsel sagt:

    «Nadia Meier ist Texterin/Konzepterin. … Ihr Hobby ist Twitter.»
    .
    Das ist nun aber nicht die optimale Qualifikation, um vor übermässigem Multimediagebrauch zu warnen und mehr mechanische Tätigkeiten zu predigen.

  • Mlle Ry sagt:

    Siehe Link zur geistigen Entwicklung von Kindern und deren Medienkonsument aus der psychologischen Sicht:

    http://www.schleyer-stiftung.de/pdf/pdf_2011/thesen_berlin_10_11/Paschke_Kerstin.pdf

    Hoffe es regt einige Eltern zum Nachdenken an.

    • Sportpapi sagt:

      Habe gerade darüber nachgedacht – was Sie uns wohl mit diesem Link sagen wollen. Eine Studienplanung von 2011, in sowieso nicht repräsentativem Umfang, ohne Resultate.
      Aber gut, vielleicht ist das wirklich das Problem unserer Zeit, dass viel Information verbreitet wird, die man gar nicht versteht?

  • 13 sagt:

    Ich würde sagen: Das richtige Mass und eine grosse Portion Gelassenheit. Wir haben keine klaren Regel, sondern reagieren situationsbedingt. An einem Tag wird mehr gespielt, am anderen hat man keine Zeit dafür, weil wir auf der Eisbahn sind oder das Lego gerade interessanter ist. Und bei drei Kinder in verschiedenen Altersstufen kommt das IPad auch mal als Babysitter zum Zug, das streite ich nicht ab. Aber hier das Gleiche: solange es nicht stundenlang der Fall ist, ist das halt mal so. Wacht die Kleine auf, während man noch mit der Grossen die Hausaufgaben übt, dann darf auch sie 10 Minuten zusammen mit ihrem Bruder Fotos oder Videos (von sich selber) auf dem IPad schauen oder Tierstimmen abspielen lassen, bis wir fertig sind. Dafür gehen danach alle zusammen raus.

  • Sina sagt:

    Also vielleicht reagieren ja Kinder unterschiedlich, aber im Vorschulalter musste ich bei meinen nie irgendwelche elektronischen Regeln oder Verbote aufstellen, das interessierte die damals schlicht nicht. Wenn sie überhaupt mal Lust auf Film hatten, war nach 5 Minuten Schluss. Aber ich hab’s dann natürlich nicht forciert, gemäss der Devise: solange sie nicht danach verlangen, kriegen sie’s nicht vorgesetzt. Jetzt im Schulalter verändert sich das alles, es interessiert sie und wir müssen Abmachungen treffen. Ist der Film z.B. zu lange, oder schauen sie zur falschen Uhrzeit, kriegen sie danach unglaublich schlechte Laune. Aber manchmal ist es für sie auch sehr erholsam, dieses Abschalten und dem Alltag entfliehen, nicht nur für uns als Eltern. Hoffentlich finden sie das später in Büchern.

  • Mac sagt:

    Ich bin kein Freund von Extremen – das totale Verbot von Medien (iPad oder TV) sehe ich als ebenso problematisch wie der ungeregelte Konsum. Unsere gut 3.5-jährige Tochter darf daher bis zu einem Maximum von ca. 15 min TV und/oder iPad ‚konsumieren‘, wobei wir ihr die Wahl lassen, was (aus einer von uns vorgegebenen Auswahl) und wir nicht hart nach 15. abschalten, sondern wenn eine Game oder eine Episode abgeschlossen ist.
    Zusätzlich sind diese Medien für uns keine Baby-Sitter: ein Elternteil konsumiert zusammen mit der Tochter – so können wir Einfluss nehmen, gesehenes Besprechen und im Weiteren Sinne unsere Tochter zu einem „sinnvollen Medienkonsum“ erziehen.

  • Karl von Bruck sagt:

    Die wahren Spielplaetze mit Befriedigung der Grundbeduerfnisse sterben immer mehr aus. Dafuer werden von Interessierten Beduerfnisse nach Ersatzbefriedigungen propagiert und – teuer – erfuellt. Das fing schon bei den Bauchlaedern des 18. Jahrhunderts auf den Bauernhoefen an, die den Maegden fuer nutzlosen Tand ihr mageres Taschengeld abzockten. Ein Haendy ist nuetzlich fuer unaufschiebbare Kontakte und schnelle (Beweis)fotos. Den ganzen Rest koennte man auch zu Hause im stillen Kaemmerlein erledigen. Immer mehr erleben die ersten wirklichen Ruhezeiten mit Nixtun als Wehrpflichtige. Wehrpflicht nach Kriegsrecht besteht nun mal in moeglichst kurzen maximal intensiven Einsaetzen und langen Ruhepausen davon. Und diese Ruhepausen werden bejammert statt genossen….

    • Christoph Bögli sagt:

      Unter Zwang wird halt alles unangenehm und störend, selbst Ruhepausen. Erst recht wenn man diese völlig sinnlos in irgendeiner stickigen Kaserne monatelang absitzen muss. Es hat ja auch einen Grund, wieso ein Gefängnisaufenthalt nicht als wünschenswerte Erholung gilt, selbst wenn man dort ganz viel Zeit zum Rumsitzen hat.

      Seltsam ist auch, dass es allgemein als Inbegriff der Gemütlichkeit und geistig-aktiven Entspannung gilt, daheim, im ÖV oder irgendwo draussen ein Buch oder eine Zeitung zu lesen. Macht man aber das Gleiche auf dem Smartphone statt auf Papier ist man plötzlich ein rastloser Suchthaufen..

      • Karl von Bruck sagt:

        Schon lange vor der Aufhebung der oder gleiche Wehrpflicht fuer Alle in den Nochrechtsstaaten war zwar Ruhe nach militaerisch kriegsnotwendigen Ueberfoderungen auch befohlen. Aber schon im 2. Weltkrieg war „Rest and Recreation“ nicht nur bei den Amis Standard. Neben der notwendigen Ruhe gabs auch artgerechten Ausgang. Entweder mit dem dafuer notwendigen Taschengeld – oder Toleranz von „Requisition“….

  • Muttis Liebling sagt:

    Ab 2030 zahlt die Krankenkasse die Implantation von Retina- und Innenohr- Chip mit 1 Gbyte Down- und Uploadgeschwindigkeit. Da kann die Mutti mal zusehen, wie sie Zeitbeschränkungen durchsetzt.

    Wer die Implantation verweigert, wird etwas später, so ab 2035 vorsorglich verwahrt. Denn mit den Chips ist jeder mit 50 vertonten Bildern/ sek. überwacht und es gibt weder Verbrechen noch Terror. Allerdings auch keine Persönlichkeit mehr.

    Was sagt uns die Satire: Fangt nicht bei der Technik an, nicht bei Zeitbeschränkungen oder Wegsperren der Geräte. Lehrt den Kindern den Umgang, so dass sie auch bei 100% Verfügbarkeit nur ihren Teil nehmen.

    • Carolina sagt:

      Da sage ich doch mal mit KvB: Bingo! 🙂

    • Karl von Bruck sagt:

      Und ich schliesse mich mal Carolina an….

      Das (Interessierten nicht unwillkommene) Roadpricing, wie das Scanning der Zugpassagiere fuer die „Billiet“rechnung wird ein wichtiger Teil der Verfolgung rund um die Uhr und den Kalender werden. Zuerst zum Staatsschutz und Verhinderung von Terror; zuletzt fuer jede neofeudal private oder gar Versicherungsbagatelle….

  • Rut sagt:

    schon lustig, ich sehe vorallem ERWACHSENE welche ihre Handys nicht mehr weglegen können. Vielleicht wäre das auch mal ein Thema.

  • Jänu sagt:

    Warum bloss entsteht beim Lesen der Blogbeiträge von Meier das Gefühl, hier möchte jemand zeigen, wie toll er alles im Griff hat und wie schlecht es das Umfeld handhabt? Und gleich wird einem wieder vorgeführt, dass eine Familie richtig unternehmerisch geführt werden kann: Kinder verwalten bald Zeitbudgets. Sprache und Denken (Einstellung) gehören immer zusammen.
    Und es zeigen sich auch wieder reaktionäre Anwandlungen: Hatten wir früher auch nicht, lernen nichts dabei (wirklich?), usw. – Und was war der Anlass für diesen Artikel? Eine Twitternachricht! Ausgerechnet!
    Dabei wäre das Thema durchaus interessant. Aber hier steht fast nur beschrieben, was die anderen falsch machen, was man selber richtig macht. Dazu hätte ein kurzer Abschnitt gereicht.

    • Lambda sagt:

      Genauso kommt das bei mir auch an… Was ich ein bisschen schade finde, da man über das Thema ja sehr wohl differenziert schreiben könnte! Es ist meines Erachtens eine Medaille mit zwei Seiten: einerseits ist es für das Kind bestimmt nicht gut, stundenlang vor dem Bildschirm zu hocken, andererseits profitiert es danach vllt von ausgeruhten Eltern, die in der zeit einmal durchschnaufen konnten und nun Ruhe und Musse haben, ein echtes Memory mit ihm zu spielen. Oder auf den Überforderungsartikel von letzter Woche bezogen: Vllt ist es sinnvoll, mal etwas weniger perfekt sein zu wollen, und dafür nicht total gestresst zu sein. Und von ungestressten Eltern profitieren Kinder ungemein!

  • Annelies Meyer sagt:

    Meine (5 & 7) dürfen iPad und Nintendo spielen so lange sie wollen (schon seit sie kleiner sind). Übertrieben haben sie es nie. Es ist sehr selten, dass sie 30 Minuten an irgendeinem Gerät hängen (der grössere Bub spielt manchmal Minecraft, der kleinere mit Wii-U Toad).
    Momentan steht eher Lego hoch im Kurs oder es werden Schiffe und ähnliches mit Streichhölzern gebaut (überall wird geleimt und alles im Kinderzimmer klebt leicht und das ganze treibt mich in den Wahnsinn….. 🙁 )
    Probleme mit iPad und Co. gibt es eigentlich nur wenn Besuch da ist. Manche Kinder möchten dann am liebsten nur am iPad hängen, was meine Buben dann nervt. Um mir (und den Jungs) die Diskussionen zu ersparen, sperr ich die Geräte dann manchmal vorher weg.

    • Jänu sagt:

      Danke, Frau Meyer! So geht es auch, meine dürfen zwar nicht so lange spielen, wie sie wollen, aber sie dürfen. Eltern müssen(!) sich darum kümmern, welche Apps/Spiele die Kinder benutzen. Und wer das tut, der wird dafür belohnt: Die Kinder werden vernünftig im Umgang, das Smartphone wird eines von vielen Spielzeugen. Und es ist nicht so, dass Kinder nichts dabei lernen. Im Gegenteil, sie lernen dabei und wenn es nur die Handhabung des Gerätes ist.
      A propos Umgang: Die Autorin sollte einmal nach Italien: Da sitzt beinahe jedes kleine Kind mit einem Smartphone im Restaurant während die Eltern gemütlich dinieren. Habe aber auch schon Restaurants mit Verbotschildern gesehen. Darauf angesprochen meinen die Inhaber: Terribile, con noi si mangia, non si guarda la TV.

  • Nick sagt:

    Jede Generation hat ihre angeblich ach so Kinder-gefährdenden Neuerungen. In meiner Kindheit (späte 1960er, frühe 1970er Jahre) waren das u.a. Comics (Micky Maus und so ..) und Fernsehen. Vor „Bonanza“, einer an Harmlosigkeit nicht zu übertreffenden Westernserie, wurden Eltern von der Kindergartenleiterin eindringlich gewarnt. Später war es dann der Walkman (macht taub), usw. usw. Was soll das Ganze? Hört endlich auf mit dem nostalgischen Rückblick, lasst eure Kinder in der Gegenwart aufwachsen und bereitet sie für die Zukunft vor. Mit den Mitteln der heutigen Zeit.

    • Frank Lauer sagt:

      Der Walkman kann tatsächlich taub machen. Wenn der Kopfhörer zu laut und zu lange auf die Kinderohren einwirkt, dann ist das sicherlich nicht gesund. Also auch hier: mit Mass und Ziel und vorallem mit guter Technik.

    • Jänu sagt:

      Die bösen, bösen, verderblichen Comics. Nicht einmal Tim und Struppi waren genehm. Superman haben wir heimlich unter der Bettdecke gelesen. Krimis (Derrick) waren verboten, auch als früher Teenager.
      Der Walkmann machte nicht nur taub, sondern führte auch zur sozialen Verkümmerung. Wo kämen wir hin, wenn alle nur noch mit dem Kopfhörer herumliefen und sich abschotten?
      Man schreibe den Artikel von Meier leicht um, versetze ihn 40 Jahre in die Vergangenheit, er würde bestens passen. Und wenn es passt, dann ist es reaktionär. Das war es früher nämlich auch schon: Der Bezug auf gute alte Erziehungsmethoden. Einzig Schlagen lag nicht mehr drin, das hatte die antiautoritäre Welle den meisten Eltern ausgetrieben.

  • Susi sagt:

    Argumente wie „als Kinder hatten wir auch keine iPads“ hinken für mich immer. Unsere Eltern hatten nämlich auch keine Smartphones, meine haben sogar kaum die Computer erlebt. Verzichten wir darum auf diese Geräte? Wohl kaum, wenn wir hier kommentieren…
    Ich bin auf jeden Fall für eine Einschränkung der Bildschirmzeit, aber bitte mit vernünftigen Begründungen.

    • Martin Frey sagt:

      @Susi
      Das ist für mich alles eine Frage des Masses, sowie des Alters. Es ist ein Riesenunterschied, ob wir von 14-jährigen (@Cathrin) oder 3-jährigen Kindern reden.
      In Sachen Vorschulalter gehöre ich zu den überzeugten Anhängern der Low-Tech-Bewegung… 🙂

      • Brunhild Steiner sagt:

        eher beinah-no-tech, abgesehen von Waschmaschine, Staubsauger etc 🙂
        jedenfalls wenn sich low-tech auf Handy&Co bezieht…

    • Mrs. Liberty sagt:

      Dieses Argument zielt tatsächlich ins Leere. Zudem war Steve Jobs jüngstes Kind 12, das ältestes bereits erwachsen, als das erste I-pad 2010 erschienen ist.
      In einem Artikel der Huffington Post hat Matt Walsh dies für die 68-er Generation einmal schön zusammengefasst: „Congratulations for not letting your kids use things that didn’t exist.“

  • Martin sagt:

    ich kenne aus unserem Umfeld Kinder, die wurden ab dem 13ten Monat mit der Nintendo aufgezogen. Danach Smartphone und Tablets. Die Folge war, im Kindergarten, Schule und Nachbarschaft staendig verpruegelt und gehaenselt. Die Kids wurden irgendwie autistisch und waren staendig suechtig nach dem Elektromuell, zeigten kein Interesse fuer andere normale Aktivitaeten, selbst wenn Verwandte Kinder da waren. Ich hatte in fruehsten Jahren bereits einen Commodore, aber wir wussten es zu schaetzen im Freien zu spielen, etwas zu bauen mit echtem Material, dreckig werden. Keine Scheu vor Regen und Schnee. Gestern sind wir trotz Regen und Dunkelheit nochmal fuer dreiviertelstunde raus Velo fahren. Danach die ganze Nacht durchgeschlafen.

  • Richi sagt:

    Was mich noch interessiert: Hobby – Twitter – machen Sie das eigentlich vor Kindern oder ziehen Sie sich dafür ins „stille Örtchen“ zurück? Ich meine ja nur – so wegen Vorbildfunktion und so…

    • Nadia Meier sagt:

      Ich verstecke mich nicht auf dem Klo, wenn ich twittere. Das tue ich übrigens auch nicht, wenn ich Rotwein trinken möchte. Für Erwachsene gelten andere Regeln als für Kinder. Meine Kinder sehen aber, dass auch ich meinen Konsum einschränke. Beispiel: kein Handy am Esstisch.

  • Cathrin sagt:

    Meine Söhne sind durchaus in der Lage die Geräte mit all den verheissungsvollen Spielen wieder wegzulegen, auch wenn sie da mal eine Stunde oder länger dran hängen. Und gerade bei Minecraft bauen meine Söhne mitunter wunderbare Dörfer, Wochenendvillen und Vergnügungsparks und ja manchmal sprengen sie sich auch gegenseitig in die Luft. Ich tendiere tatsächlich dazu meine Kinder (8 und 14) selbst über ihren Medienkonsum entscheiden zu lassen und wenn ich die Fingerfertigkeit beim Legobauen, beim Zeichnen und bei den Bügelperlen sehe, dann ist das nicht falsch. Beide können sich auch draussen frei bewegen ohne umzufallen. Ich will auch nicht, dass man mir nach 15min das Hörspiel abstellt oder mir Solitaire verbietet. Es braucht andere Argumente als die Küchenuhr und die verstehen auch Kinder.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Cathrin

      im Text gehts um jüngere Kinder, an Beginn ihrer „Konsumkarriere“, also wäre interessant zu wissen ob Sie das auch schon so handhabten als Ihr Ältester dreijährig war?
      Das ist ja noch nicht unbedingt das „Minecraft-Anlagen-konzipieren-Alter“.

      Die Küchenuhr ist vermutlich auch nicht das „Argument“, sondern lediglich Signalgeber dass die abgesprochene Zeiteinheit um ist.

    • Susi sagt:

      @Cathrin: „Ich will auch nicht, dass man mir nach 15min das Hörspiel abstellt oder mir Solitaire verbietet.“

      Kinder sind in gewissen Bereichen einfach weniger entscheidungsfähig als Erwachsene, darum sind sie ja auch auf die Eltern als Leitplanken angewiesen. Gewisse Regeln geben den Kindern zudem auch emotionalen Halt und Sicherheit.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Susi und Brunhild

        Danke für die Stimme der Vernunft. Es sind immer noch die Eltern, welche die Verantwortung für ihre Kinder tragen. Einem 8 jährigem Kind kann man diesbezüglich noch keine Entscheidungen überlassen.

    • Matthias sagt:

      @Cathrin: Besten Dank für ein vernünftiges Statement! Unsere Kinder konnten und können in jedem Alter im Prinzip soviele Medien aller Art konsumieren wie sie wollen. (Ich hör‘ ja schon die empörten Kommentare, die jetzt folgen werden. 😉 ) Es kann Phasen geben, wo sie es übertreiben, aber das regelt sich meist von selbst bzw. mit minimalen Regeln. Eigentlich mussten wir solche Regeln nur einmal einführen, als der Ältere anfing vor Schultagen bis Mitternacht und länger Minecraft zu gamen. Deshalb gab es einen „PC-Zapfenstreich“, den er erst nicht eingehalten hat, worauf der für diesen Fall angedrohte zweitätige PC-Entzug folgte. Danach hat’s bestens geklappt. Seit mehr als einem Jahr ist jetzt übrigens Fussball das grosse Ding und der PC vetstaubt weitgehend unbenutzt in der Ecke.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Matthias
        auch hier würde mich sehr interessieren ab welchem Alter Sie Ihren Kindern unreglementierten Zugang zu digitalen Medien ermöglicht haben.

        Und wie alt sind Ihre Kinder heute?

        Haben Sie Zugang zu den whatsapp-Verläufen (Klassenchat uä)? Meldungen spätabends bis nachts sind je nachdem keine Seltenheit, so erhaben-amüsiert drüber stehen nicht unbedingt wirklichkeitsbewusst.

        Wunderbar wenn das bei Ihnen beinah selbstregulierend läuft, die Regel ist es nicht.

      • Brunhild Steiner sagt:

        2/ mit „Zugang“ meine ich nicht „Kontrolle“ und „mitlesen“, sondern ob Sie darüber informiert sind, es Ihnen bekannt ist.

      • Susi sagt:

        @Brunhild: Wer hat das schon, Übersicht über WA-Aktivitäten anderer? Ein Bekannter von mir hat seiner damals 13-jährigen Tochter ihr Smartphone für eine Woche weggeschlossen, weil sie es entgegen der Vereinbarungen nachts benutzt hatte. Als es nach einer Woche wieder eingeschaltet wurde, schneiten über 11‘000 neue Nachrichten rein. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. „Elf.Tausend.“ Die meisten aus Gruppenchats. Mein Kollege war geplättet. Sowas übersteigt wohl die Vorstellungskraft der meisten Eltern. Die haben keine Ahnung und sagen dann: „Bei uns läuft das super mit Eigenverantwortung!“

      • Martin Frey sagt:

        @Susi: 😀
        Ich habe mal einen Abend für gut 2-3 h (!) von meinem Göttibueb den Klassenchat mitbeobachten dürfen (nur die Aktivität, nicht die Inhalte).
        Die Anzahl lag in einem sagenhaft anmutenden knapp dreistelligen Bereich.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Susi

        ich habe „die Übersicht“ weil ich von unseren Kindern darauf aufmerksam gemacht worden bin, gerade deshalb setze ich mich entschieden dieser „regelt sich alles von selbst-Haltung“ entgegen, es regelt sich eben meist nicht, die Ansprüche sind enorm und zumindest Eltern mit jüngeren Kindern können und sollen von den Erfahrungen „der Älteren“ profitieren.
        Das geht aber nur wenn man ua sich bewusst ist was ein Klassenchat, neben Infokanal, auch noch sein kann, und man das im Gespräch haben muss.

      • Matthias sagt:

        @Steiner: Ich könnte jetzt beim besten Willen nicht mehr sagen, wann meine Kids zum ersten mal ein Pad oder einen PC benutzt haben. Aber so ab Kiga-Alter hatten sie jeweils ein eigenes Pad, wobei beim Jüngeren (jetzt 1. Klasse) natürlich alles etwas früher kommt, da er’s beim Älteren (jetzt 6. Klasse) sieht und dann auch machen will. Der Ältere hat den eigenen PC in der 3. Klasse bekommen, der Jüngere hat bis jetzt noch keinen (aber seit einem Jahr eine PS4). Beide hatten natürlich „schon immer“ einen eigenen, frei zur Verfügung stehenden Account auf dem „Familien-PC“ im Büro. Whatsapp nutzt erst der Ältere – der „Klassenchat“ scheint ja heutzutage ab ca. Primarmittelstufe unverzichtbares Kommunikationsmittel zu sein. 😉 (… Forzsetzung folgt …)

      • Matthias sagt:

        … Was den „Zugang“ betrifft, könnte ich als IT-Security-Experte und Administrator aller heimischen Geräte und Netze problemlos jeden Pups überwachen und kontrollieren, den meine Kids (oder auch meine Frau) im Internet tun. Aber bei uns gibt es keine Überwachungssoftware und keine Kinderschutzsoftware und ich kontrolliere auch keine Chat-oder Surf-Verläufe. Ich halte mich da strikt an den Ehrenkodex jedes seriösen Systemadministrators und betrachte die Privatsphäre der von mir betreuten User als absolut unantastbar. (Einzige Ausnahme wäre bei akutem Verdacht auf schwere Straftaten oder ernsthaften technischen Sicherheitsrisiken.) Sehen Sie, ich rede halt mit meinen Kindern, mache sie auf die Gefahren aufmerksam, akzeptiere aber auch, dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen müssen.

      • Matthias sagt:

        … Sehen Sie Frau Steiner, ich bin in dieser Sache nicht so naiv, wie Sie vielleicht denken. Ich habe mit 13 Jahren meinen Vater beschwatzt, mir auf Weihnachten meinen ersten Computer zu schenken. Auf diesem habe ich Programmieren gelernt und damit den Grundstein für eine recht erfolgreiche Karriere als Software-Entwickler und Security-Spezialist gelegt. Ich habe schon in den 80er Jahren Neil Postmans Bücher über „das Verschwinden der Kindheit“ gelesen und beschäftige mich nun ein Leben lang intensiv mit der digitalen Revolution, deren Gefahren und sozialen Auswirkungen. Ich habe mich schon in den dunkelsten Ecken des Darknets herumgetrieben, wo man Auftragsmorde und Snuff-Filme kaufen kann. Aber ich sehe halt auch die vielen positiven Seiten dieser Technologie.

      • Matthias sagt:

        @Steiner, zum Abschluss: Ich denke halt, bei vielen kann die „Selbstregulierung“ nicht funktionieren, weil sie es gar nicht versuchen. Wenn Sie von Anfang an strikte Vorschriften machen („max. 15 Minuten pro Tag!“), dann kann ein Kind natürlich nie lernen, seine eigenen Grenzen zu finden. Sehen Sie, ein Kind muss sich doch einige Male den Magen wegen zuviel Süssigkeiten verderben, damit es lernen kann, dass Süssigkeiten zwar lecker sind, aber man ein gewisses Mass halten muss, um sich nicht selbst zu schaden. Je länger man Kinder vor solchen Erfahrungen „bewahrt“, desto schwerer und schmerzhafter wird es doch, später diese Lektionen nachzuholen. Mein Sohn hat schnell selbst eingesehen, dass es gar nicht so toll ist, den ganzen Tag übermüdet zu sein.

      • Matthias sagt:

        @Susi: Nichts für ungut, aber ich denke eher, dass Sie es sind, die „keine Ahnung“ hat! Ein Chat ist wie ein Gespräch. Wenn jemand in einem Gespräch alle ein, zwei Minuten einen Satz sagt, ist das wohl nicht sehr viel. Jetzt rechnen Sie kurz: 20 Leute chatten eine Woche lang täglich 2 Stunden, wobei jede(r) durchschnittlich alle ein bis zwei Minuten eine Nachricht schickt (die ja oft nur aus ein, zwei Worten oder einem Emoticon besteht). Macht total 8’000 bis 16’000 Nachrichten. Die 11’000 Nachrichten übersteigen also nicht „die Vorstellung“ sondern liegen exakt im zu erwartenden Bereich!

      • Carolina sagt:

        So sehr ich Ihnen im Prinzip zustimme, Matthias, folgende Einwände: wir sind nicht alle IT-Spezialisten, wir haben nicht alle die Selbstsicherheit im Umgang mit social media, die Sie qua Job und Neigung zu haben scheinen. Und natürlich gilt es als Eltern auch immer im Auge zu behalten, dass es peer pressure gibt, dass fast jedes Kind mitreden und nicht Aussenseiter sein will. Kommt hinzu, dass in diesem Bereich auch Suchtverhalten eine Rolle spielen kann – bei Kindern und Erwachsenen selbstverständlich.
        Mein Fazit für meine Kinder war immer: alles in Massen; je verantwortungsvoller sie mit dem Netz umgehen, desto länger wird die Leine. Trotzdem hatte/hat jedes Kind seinen eigenen Umgang damit zu finden – eines war viel anfälliger für Masslosigkeit als die anderen. Und da sind eben

      • Carolina sagt:

        /2 vor allem die Eltern in der Verantwortung, eine gewisse Kontrolle auszuüben, altersgerecht und je nach Kind das Verhalten zu beobachten. Nicht jedes Kind kann mit bedingungslosem Vertrauen bzw grosser Freiheit von Anfang an umgehen.

      • Matthias sagt:

        @Carolina: Klar kann und soll nicht jede(r) IT-Spezialist sein. (Wäre mir dann auch beruflich zuviel Konkurrenz. 😉 ) Und ich habe grösstes Verständnis, dass sich viele Eltern hier oft überfordert fühlen. Wie soll man denn soziale Regeln für die Kinder abstecken, wenn man schon gar nicht durchblicken kann, was die eigentlich im Internet genau machen und wie das technisch alles ungefähr funktioniert. (Ich kenne übrigens auch nicht alle angesagten Apps und Games und lasse mir das jeweils gerne von den Kids zeigen. 😉 ) Ich sehe es generell als eine der grossen Gefahren der digitalen Entwicklung, dass Laien leider oft ziemlich verloren sind. Das gilt nicht nur in der Erziehung sondern z.B. auch beim Schutz persönlicher Daten, E-Voting etc. Leider habe ich auch kein Patenzrezept. 🙁

      • Matthias sagt:

        @Susi, nur noch zur Einordnung der Zahl von 11’000 Nachrichten: Es wird geschätzt, dass WhatsApp ca. 42 Milliarden (!) Nachrichten pro Tag (!) versendet. Dagegen sehen läppische 11’000 pro Woche doch gleich nicht mehr nach sehr viel aus, oder? 😉

      • Carolina sagt:

        Danke Matthias! Mittlerweile hat sich dankenswerterweise auch etwas getan, unser jüngerer Sohn ist sehr viel besser informiert als es seine älteren Geschwister waren, bei denen wir so manchen wake-up-call als Eltern bekamen, der uns zwang, die Leine anzuziehen.
        Wie mit anderen Themen auch (Ausgang etc) waren wir eigentlich immer der Meinung, dass jedes unserer Kinder sich eine längere Leine verdienen müsste, wenn wir ihm mit einem Vertrauensvorschuss begegnen – hat sich im Prinzip bewährt, es war aber im Bereich Internet/social media bei einem unserer Kinder auch ein Kampf.
        Wir sind so gar nicht von der Fraktion, einfach alles zu verbieten bzw nach der Uhr zu gehen, aber das war dann doch notwendig.
        Und ganz ehrlich: wenn mir das passiert wäre, was Susi und MF oben schilderten,

      • Carolina sagt:

        /2 würden wir auch einem/r 14jährigen ungeniert das Mobile z.B. nachts abnehmen. Wenn mir das passiert wäre, was MF und Susi oben schildern, finde ich es schon richtig, das Kind (bzw den Jugendlichen) klar und deutlich darauf hinzuweisen, dass es sich nicht lohnt, wegen jedes Gedankenfurzes und jeder belanglosen Aeusserung die unmittelbare Umgebung nicht mehr wahrzunehmen.
        Im Prinzip bin ich aber absolut Ihrer Meinung: unsere Aufgabe ist es nicht, unseren Kindern die neuen Medien zu verbieten bzw den Zugang zu verwehren, sondern ihnen beizubringen, wie sie damit umgehen müssen – das haben oben schon einige gesagt. Laie oder nicht: die Verantwortung liegt bei uns.

      • Susi sagt:

        @Matthias: Rechnen gehört sicherlich nicht zu meinen Kernkompetenzen, aber ich kam bei 11000 in einer Woche auf mehr als eine Nachricht pro Minute, Tag und Nacht. (Korrigieren Sie mich, falls ich falsch liege). Und ja, einige bestehen nur aus Emoticons, ich kenne es, ich habe selbst ja genug mit Klassenchats zu tun. Und genau bei dieser Art von Kommunikation sehe ich auch das Problem, für mich sind das sogenannte „Nonversations“, nicht vergleichbar mit einem richtigen Austausch. Die Jugendlichen übersehen dann wichtige Nachrichten in der ganzen Flut, alles schon erlebt, als ich beispielsweise mein Gottenmeitli (14) mehrfach versuchte zu erreichen. Die Jugendlichen befinden sich in einem „Überflieg-Mechanismus“, der nicht nur schlecht ist, aber schon kritisch angeschaut werden sollte…

      • Matthias sagt:

        @Carolina: Wenn Sie auf den WhatsApp-Konsum anspielen … Nun, die Zahl von 11’000 Nachrichten in einer Woche mag auf den ersten Blick „krass“ erscheinen. Aber wie ich oben vorgerechnet habe, ist das eigentlich gar nicht wirklich erstaunlich oder speziell hoch. Ich kann mich erinnern, dass ich in diesem Alter fast jeden Abend „stundenlang“ mit meiner Clique auf dem Spielplatz gesessen habe und wir über Gott und die Welt diskutierten. Wenn Sie da alle gesprochenen Sätze und Ausrufe mitgezählt hätten, dann wären Sie wahrscheinlich auch auf 11’000 pro Woche gekommen. Ich denke, die technischen Mittel haben sich geändert, aber die Jungen ticken immer noch gleich wie immer. Da geht es um Freundschaften und sozialen Austausch wie eh und je, heute halt einfach (auch) über WhatsApp.

      • Matthias sagt:

        @Susi: Ja, da müssen Sie nochmals nachrechnen: Eine Nachricht pro Minute macht (bei 2 Stunden pro Tag) 120 Nachrichten pro Tag, also 840 pro Woche. Das ist aber der „Output“ von nur einem Teilnehmer! Multiplizieren Sie das mit 20 Teilnehmern und Sie kommen auf 16’800 Nachrichten pro Woche für alle Teilnehmer zusammen. (Ich nehme an, Sie haben nicht berücksichtigt, dass es mehr als einen Chat-Teilnehmer gibt. Ich bin aber auch im Vorteil, da ich beruflich seit 20 Jahren fast täglich solche Abschätzungen mache. Da entwickelt man mit der Zeit ein recht gutes Bauchgefühl dafür, welche Dimensionen realistisch sein können 😉 )

      • Matthias sagt:

        @Susi, PS: Es ist natürlich Teil der vielgenannten „digitalen Kompetenz“, welche sich gerade heutige Kinder und Jugendliche ja aneignen sollen, dass man der heute unvermeidbaren Informationsflut irgendwie Herr werden muss, durch technische Hilfsmittel ebenso wie durch persönliche Strategien, die man über Jahre erlernen muss. Wann soll denn das bei den heute Jungen passieren, wenn nicht im Kindes- und Jugendalter? Wenn Sie erst einmal erwachsen sind, dann sollten sie das doch schon längst beherrschen! Ich sehe da in einem solchen Klassenchat primär eine ideale Übungswiese, um eben genau den Umgang mit solchen Schwierigkeiten zu üben. (Was das Gottikind betrifft: Haben Sie’s über WhatsApp versucht? Mein Sohn ist telefonisch schlecht erreichbar, aber per WhatsApp immer. 😉 )

      • Susi sagt:

        @Matthias: Die Rede war bei den 11’000 Nachrichten vom Eingang. Bei 10’080 Minuten pro Woche fällt die Schätzung nicht mehr allzu schwer, man erhält im Schnitt ungefähr eine Nachricht pro Minute. Und genau das führt dazu, dass man diese eben gar nicht mehr genau anschaut.
        Ich unterrichte Deutsch und Medienkunde (Gymnasialstufe), da ist das Thema Kommunikation sehr zentral. Man bemerkt einen starken Einfluss, alles verschwimmt, Mundart, Akronyme, Emoticons; die Schüler/innen sind heutzutage weniger gut in der Lage, Texte zu verfassen, die sich in den Bereichen Stil/Ausdruck, Struktur etc. auf hohem Niveau bewegen, weil sie sich so sehr an die fragmentarische Sprache gewöhnt haben. „Studierfähigkeit“ zu erreichen wird somit sicherlich erschwert…

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Matthias

        danke für die ausführliche Antwort was das Bild um wichtige Aspekte erweitert.
        Entscheidend finde ich die elterliche Begleitung und „hinsehen“, Ihr angesprochenes „ich rede halt mit meinen Kindern“ ist das Eine, aber wenn man davon ausgeht damit sei es schon gemacht, und man müsse sich im weiteren Verlauf nicht mehr gross drum kümmern, finde ich das nicht optimal.
        Nein, ich finde nicht dass man im schlechteren Fall zuwarten soll bis es das Kind vor lauter Übermüdung, Leistungsabfall und Dünnhäutigkeit „dann schon selber merkt dass es etwas ändern müsste“, es gibt welche die haben eine zu lange „Leidensaushaltfähigkeit“, schütten sich dann einfach morgens ein Energygetränk rein, holen die Noten nicht mehr auf mit anhaltenden Folgen und vieles mehr.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Matthias

        danke für die ausführliche Antwort was das Bild um wichtige Aspekte erweitert.
        Entscheidend finde ich die elterliche Begleitung und „hinsehen“, Ihr angesprochenes „ich rede halt mit meinen Kindern“ ist das Eine, aber wenn man davon ausgeht damit sei es schon gemacht, und man müsse sich im weiteren Verlauf nicht mehr gross drum kümmern, finde ich das nicht optimal.

        Nein, ich finde nicht dass man im schlechteren Fall zuwarten soll bis es das Kind vor lauter Übermüdung, Leistungsabfall und Dünnhäutigkeit „dann schon selber merkt dass es etwas ändern müsste“, es gibt welche die haben eine zu lange „Leidens aushaltfähigkeit“, schütten sich dann einfach morgens ein Energygetränk rein, holen die Noten nicht mehr auf mit anhaltenden Folgen und vieles mehr.

      • Matthias sagt:

        @Susi: Noch einmal: Sie rechnen nur mit einer einzigen Person! Sie müssen schon berücksichtigen, dass ich mit 20 Chat-Teilnehmern rechne (was für einen Klassenchat sicher nicht ungewöhnlich ist). und jeder (!) dieser Teilnehmer eine Nachricht pro Minute generiert. Bei einem Gespräch zwischen mehreren Leuten sagt ja auch nicht einer einen Satz und dann warten alle eine Minute bis der Nächste etwas sagt! Bei WhatsApp schreibt vielleicht einer einen kurzen Joke und 16 andere antworten innert Sekunden mit einem „lol“ oder Smiley, schwupp schon sind 17 Nachrichten generiert.

      • Matthias sagt:

        @Susi: Und Ihre Beobachtungen tönen stark nach Klagen, die man seit Anbeginn der Zeiten über die jeweils aktuelle Jugend hört. OK, lange Texte werden künftig halt weniger wichtig sein, dafür halt Videos, Listen, kurze Statements etc. Mein Chef ist 15 Jahre jünger als ich, hat studiert und währenddessen ein sehr erfolgreiches Startup aufgebaut, das jetzt mich und 20 weitere Leute beschäftigt. Ich war schon immer eine Leseratte und Literaturfan, und liebe es, z.B. Dokus in ausführlichem, elegant ausformuliertem Fliesstext zu schreiben. Aber ich darf nicht erwarten, dass er das jemals liest. Er sagt selbst, dass er Fliesstext „hasst“ und für ineffizient hält – zwei Sätze am Stück sind das oberste Limit. Er ist aber trotzdem Mitte 20 schon erfolgreicher als ich es jemals sein werde.

      • Matthias sagt:

        @Steiner: Ich habe nie behauptet, dass man einfach nichts machen soll, bis das Kind selbst etwas merkt und unaufholbare Rückstände entstanden sind. Als mein Sohn begonnen hatte, nächtelang zu gamen, ist uns das schnell aufgefallen. Er kam morgens nicht mehr aus dem Bett und zu spät zur Schule. Natürlich habe ich da sofort reagiert. Aber halt nicht mit einem diktierten Verbot, sondern mit einem Gespräch, in dem ich ihm klar gemacht habe, dass das so nicht funktionieren wird, und dass wir – gemeinsam – da etwas unternehmen müssen. Er konnte das nicht wirklich abstreiten, da es ja offensichtlich mit dem Aufstehen nicht geklappt hatte. Meinen „Vorschlag“ (gamen bis max. 20:30, sonst 2 Tage kein Compi) haben wir dann, da er gute Argumente hatte, auf 21:30 geändert und alle waren happy.

      • Susi sagt:

        @Matthias: Ich habe schon verstanden, dass Sie von der ganzen Gruppe ausgehen. Und normalerweise – bzw. im „richtigen“ Leben – sprechen eben nicht 25 Leute gleichzeitig, was bei WA-Chatgruppen keine Seltenheit ist.
        Wenn Sie persönlich irgendjemand kennen, dem Fliesstexte nicht wichtig sind und der trotzdem erfolgreich ist, schön, der ist nicht der einzige. Aber ich habe von etwas anderem geredet, eigentlich. Mir scheint, wir schreiben aneinander vorbei. Sei’s drum.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Susi

        nonversation
        🙂

      • Matthias sagt:

        @Susi: Ich denke, ich habe Sie schon richtig verstanden. Ich glaube, mein Chef ist halt ein Beispiel dafür, dass die nächste Generation weniger über Bücher und längere Texte kommunizieren wird, und auch ihre Gedankengänge weniger in dieser Form strukturieren wird. Das ist anders als wir es gewohnt sind, aber nicht unbedingt schlechter. Ich persönlich finde es ja auch bedauerlich, dass Bücher nicht mehr angesagt sind, aber deswegen lässt sich der Lauf der Zeit nicht aufhalten. Als Deutschlehrerin auf Gymi-Stufe ist Ihnen ja sicher bewusst, dass Sprache und Ausdruck in einem dauernden Wandel begriffen sind und sich halt immer den Erfordernissen der Zeit anpassen. Sprache hat ja nicht den Selbstzweck, Germanisten zu erfreuen, sondern ist ein praktisch genutztes Kommunikationsmittel.

      • Matthias sagt:

        @Susi, da ich gerade noch etwas Zeit habe: Mir scheint halt, dass Sie gar nicht wissen, wie so eine WA-Konversation abläuft. Ich bringe deshalb noch einmal mein Beispiel von oben: Ein Schüler schreibt eine witzige Bemerkung (ein, zwei kurze Sätze zu einem Ereignis des Schultages) und braucht dafür 10 bis 20 s. Die meisten der 19 anderen aktuellen Teilnehmer brauchen 5 s, um die Bemerkung zu lesen und weitere 5 s, um jeweils eine „Antwort“ zu schreiben, die aber meist nur aus einem Akronym wie „lol“ oder einem Emoticon besteht. In einem realen Gespräch würden die anderen an dieser Stelle z.B. lachen, eine Geste machen oder einen Ausruf wie „Spinnsch!?“. In WA geht das per „Nachricht“ und so kommen Sie halt locker und ohne Aufnahmeprobleme auf 40 „Nachrichten“ pro Minute.

      • Sportpapi sagt:

        @Matthias: Ihr Chef ist ein Beispiel, aber keineswegs ein Beleg dafür, dass künftig auf ganze Sätze, Fliesstexte, usw. verzichtet werden kann.
        Mir ist es persönlich egal, ob jemand Bücher liest. Obwohl ich das schön finde. Aber wenn ich Briefe oder Mails erhalte, die kaum verständlich sind und vor Fehlern strotzen, dann finde vermutlich nicht nur ich das nicht wirklich toll.
        Und lesen – die Verweigerung, sich mit einem Thema zu befassen, und das heisst nun mal in der Regel auch Texte über Twitter-Länge zu lesen und zu erfassen – führt wohl dazu, dass immer mehr junge Menschen gar nicht mehr wissen, worüber sie eigentlich abstimmen (sollten). Erschreckend! Und nein, da helfen dann SMS-Abstimmungen und Kurztext-Empfehlungen auch nicht wirklich weiter, im Gegenteil.

      • Matthias sagt:

        @Sportpappi: Teilweise einverstanden. Ich sehe die Entwicklung ja auch nicht unkritisch. Ich denke einfach, dass rigorose Vorschriften (z.B. bzgl. Benutzungszeiten von Medien) und strikte, dauernde Kontrolle (z.B. bzgl. Inhalte) unseren Kindern wenig weiterhelfen, sich in zukünftig einmal in einer Welt zu bewegen, die unweigerlich von diesen modernen Technologien und Medien geprägt sein wird. Und ich sehe halt auch nicht alles so negativ. Ich finde diese Technologien im Prinzip toll, nutze sie selbst und sehe darin auch riesige Chancen für die Menschheit. Ich versuche jetzt halt mehr dem Stil meines Chefs zu entsprechen, und wissen Sie was: Er hat gar nicht so unrecht. Vieles lässt sich in Stichworten, Listen etc. prägnanter und viel effizienter beschreiben als in einem Text.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Matthias

        „riesige Chancen für die Menschheit“?

        Aber auch nur wenn die Technologienutzer sich wenigstens, was die Verschleissdauer ihrer Geräte anbelangt, Genügsamkeit verschreiben würden.
        Und da sind Zeitkontingente gar kein so schlechter Anfang, allerdings müsste dies den Nachkommenden selbstverständlich auch vorgelebt werden, einerseits die rund-um-Uhr-verschmelzung mit meinem technischen Begleiter, andererseits die Neuanschaffungen.

        Stichworte Ressourcenverbrauch, Rohstoffausbeutung und so…

      • Susi sagt:

        @Matthias: „Mir scheint halt, dass Sie gar nicht wissen, wie so eine WA-Konversation abläuft.“

        Und mir scheint, dass Sie sich im „Überflieg“-Modus befinden, da Sie mir immer und immer wieder erklären, wie eine WA-Konversation abläuft, obwohl ich oben schreibe, dass ich mit Klassenchats zu tun habe. Sprich: Ich schreibe eine Frage in den Chat meiner Klasse: „Ist eigentlich jemand von euch im Chor?“ und bekomme innerhalb von 8 Minuten locker mal 30 Antworten, drei Viertel davon lustiges Geplänkel, Emoticons und Sprüche, alles auf Mundart, kein einziges Komma, weil das Komma halt auf einem Umweg geschrieben werden müsste. Ich bin mich das gewohnt, das läuft immer so ab. Ich frage mich lediglich, inwiefern unser Denken von dieser Kommunikationsweise beeinflusst wird.

      • Susi sagt:

        /2 Dies notabene in einem Chat mit der Klassenlehrerin; seit ich mich mal offen über die vielen Nachrichten genervt habe, hat sich das reduziert, vorher konnten die locker das zehnfache in eine solche Gruppe verschicken, obwohl sie wussten, dass ich mitlese, und obwohl sie noch eine Gruppe ohne mich haben.

      • Sportpapi sagt:

        @Matthias: Umgang mit Medien ist das eine. „Anständige“ Kommunikation das andere. Ich weiss, da ist heute einiges normal, was vor Kurzem noch undenkbar war. Aber wenn ich offizielle Anfragen per Mail auf schweizerdeutsch erhalte, hört es bei mir auf. Etc.
        Ich bin sicher, Textverständnis und die Fähigkeit, sich präzis auszudrücken – egal ob in ganzen Sätzen, oder allenfalls situationsgerecht in Stichworten oder in PowerPoint-Stil – wird wichtig bleiben.

      • Sportpapi sagt:

        @Susi: Ich bin auch in einem solchen Chat (Sportgruppe). Aber nachdem einige mit Austritt aus dem Chat gedroht haben, hat sich das gewaltig normalisiert.
        Zumal man gemerkt hat, dass wichtige Informationen nicht gelesen wurden, weil sie in einem Schwall von Geplapper untergegangen sind.

      • Matthias sagt:

        @Susi: Dann wissen Sie ja, warum man innerhalb einer Woche auf soviele Nachrichten kommt! 🙂 (Es laufen im gleichen Chat ja auch oft mehrere solcher Konversationen parallel.) Da ist also nichts Erstaunliches oder Beunruhigendes dabei. Und ja, genauso läuft das halt ab. Ein Brief unterliegt anderen Regeln als ein Live-Gespräch oder ein Roman, und bei WA sind die Regeln halt wieder anders. Mein Ding ist es nicht. Ich chatte nie und schon gar nicht in Gruppenchats. Aber soll ich eine bestimmte Kommunikationsform „verurteilen“, nur weil sie mir persönlich nicht liegt? Und: Der Klassenchat, wie ich ihn kenne, wird von den Schülern für die Schüler organisiert. Als Lehrerin sind Sie da bestenfalls geduldeter Zaungast im Privatbereich der Schüler. Da müssen Sie sich schon anpassen. 😉

      • Katharina sagt:

        ‚Whatsapp ist eine Chance für die Menschheit‘

        lulz

        Genau deshalb hatten junge Stimmbürger in ‚murica keinen Clou, worüber abzustimmen sei.

        Registrierten sich zum Abstimmen – ist ja mit ein paar Clicks erledigt – und chatteten lieber Emoticons in Whatsapp statt den Hintern zum Abstimmungslokal zu bewegen.

        Schöne Chance für die Menschheit, denn deshalb haben wir ja einen faschistischen Coup am laufen. Live on Twittler.

        Zu den kognitiven Problemem hat Susi ja als Expertin und in der Praxis täglich damit arbeitende alles gesagt.

      • Matthias sagt:

        @Sportpapi: Da kann ich jetzt nicht so richtig mitreden. Geschäftlich hatte ich da bis jetzt nie so ein Mail erhalten, wobei ich da halt vorwiegend mit „Studierten“ kommuniziere, oft auf „technical english“. 😉 Und privat nutze ich halt kaum mehr E-Mail zur Kommunikation, sondern beschränke mich auf „Live-Kontakt“ mit Familie und wenigen, dafür guten Freunden. Sicher gibt es – wie in jeder „neuen Mode“ – Auswüchse bis – in einzelnen Fällen – zum Lächerlichen. Aber das korrigiert sich auch wieder. Letztendlich wird sich durchsetzen, was die Mehrheit für angemessen und „praktisch“ hält. Klar: Präzision wird auf vielen Gebieten immer wichtig bleiben – das hat ja nichts mit der Kommunikationsform zu tun! Die Fähigkeit lange Texte zu lesen aber vielleicht nur für eine Minderheit.

      • Katharina sagt:

        ‚Die Fähigkeit lange Texte zu lesen aber vielleicht nur für eine Minderheit.‘

        Von dieser Fähigkeit scheinen Softwareentwickler der neueren Generation ausgeschlossen zu sein, wenn ich die Unfähigkeit, eine Spezifikation zu lesen, anschaue. Die Produzieren wohl lieber technikverliebte Lösungen auf Wolke 7, wo Compliance keine Rolle spielt (e.g. dass ein sys-admin Korrespondenz innerhalb der Firma überhaupt einsehen kann).

      • Matthias sagt:

        @Katharina: Sie denken, bei der digitalen Revolution, ginge es nur um WhatsApp?? Das scheint mir schon in der heutigen Welt eine schwer nachvollziehbare Sichtweise und in den nächsten 10 bis 20 Jahren werden Sie wohl noch ziemlich geschockt werden. Da kommen enorme, sehr tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzungen auf uns zu. Und ja, indirekt gehört dazu wohl teilweise auch Trump. Ich bestreite auch keinesfalls, dass mit den grossen Chancen auch grosse Risiken und Gefahren verbunden sind (Hacking, staatliche Überwachung und Zensur, übermächtige globale Internetkonzerne, …), aber es gibt halt nichts „gratis“. Dafür wird die Digitaltechnologie z.B. eine fossilfreie Energieversorgung möglich machen („Smart Grid“ etc.) und kann so mithelfen, die kommende Klimakatastrophe abzumildern.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Katharina

        🙂
        solange es Menschen wie Dich, welche nicht bloss fähig Fliesstexte zu lesen, sondern tieffundierte zu erstellen (all das was Du schon allgemein oder spezifisch Transhumanismus ua zukommen liessest) gibt, ist die Hoffnung nicht verloren!

      • Matthias sagt:

        @Katharina: Wissen Sie, als SW-Entwickler hatte ich schon des öfteren mit völlig unverständlichen, arg unvollständigen, technisch unmöglich umzusetzenden und/oder in sich logisch völlig widersprüchlichen Spezifikationen und Anforderungen zu tun. Oft wird auch Business-Fachwissen vorausgesetzt, das ich als Techniker nicht unbedingt mitbringe. Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, deswegen die Nicht-Entwickler, die solche Specs erstellen generell als inkompetent zu betrachten. Das gehört halt zum Job und dann muss man nachfragen, Präzisierungen verlangen etc. Die Leute wissen ja nicht, wie Entwickeln geht und was für Infos ich dafür brauche. Aber natürlich gibt es überall auch „Pflaumen“, die ihren Job nicht beherrschen. Ich glaube aber nicht, dass das „früher“ besser war. 😉

      • Katharina sagt:

        ‚Und ja, indirekt gehört dazu wohl teilweise auch Trump.‘ klar. ein dumbette aus der Gruppe Donald and the dumbettes….

        ‚werden Sie wohl noch ziemlich geschockt werden‘

        Abgesehen davon, dass ich bei Carnegie-Mellon zum Thema künstliche Intelligenz doktorierte, auf dem Gebiet arbeite und im Weiteren im Transhumanistischen Kommitee der Vereinigten Staaten mitwirke. Letzteres ein PAC, das sich genau mit Opportunities, Risks and Challenges nicht nur der künstlichen Intelligenz befasst.

        Als Fachfrau sage ich Ihnen dazu: 99% was da prognostiziert wird, ist Hype.

      • Katharina sagt:

        Hier ging es mehr um folgendes: ‚if it walks like a duck, quacks like a duck and looks like a duck, it is a duck. If you can exchange the word duck with quack, you pass the test for semantic understanding of long text‘.

        Die Thematik des semantischen Unverständnisses zwischen technischen Entwicklern und Business Process Engineering und deren Specs ist mir schon bewusst. Aber wir leben in einer Zeit, wo den SW Leuten wesentliches nicht mehr gelehrt wird. Hat auch mit den Failures grosser BPE Projekten zu tun. Gerade jene Projekte besagen ja, dass genau den Technik-Verliebten nicht zugehört werden sollte.

      • Matthias sagt:

        @Katharina: OK, bin ordnungsgemäss beeindruckt. 😉 Aber Fachmann bin ich auch, und mir scheint, auch wenn ich ungern so ein obskures Modewort verwende, dass wir uns tatsächlich dem Punkt der „Singularität“ nähern. Vor einigen Jahren hätte ich das noch als billige Science-Fiction abgetan, aber jetzt scheinen digitale Computer auf vielen Gebiet langsam die „intellektuellen Fähigkeiten“ von Menschen zu erreichen und wohl bald weit zu übertreffen. Ich glaube, das wird in der Gesellschaft kaum einen Stein auf dem anderen lassen, wie schon (oder sogar stärker als) die industrielle Revolution. Letztere hat die „physische Produktivität“ der Arbeiter vervielfacht während die digitale Revolution gerade dabei ist, deren „intellektuelle Produktivität“ zu vervielfachen.

      • Matthias sagt:

        @Katharina: Die Enten-Sache verstehe ich leider nocht richtig. „If it walks like a quack, quacks like a quack and looks like a quack, it is a quack.“ Und jetzt? War das richtig? Was für einen Sinn soll das haben, was soll es beweisen? Oder hab‘ ich’s jetzt falsch gemacht, weil ich nur ein dummer SW-Entwickler bin, dem nicht das Richtige beigebracht wurde? Mit Verlaub, aber wenn Sie Ihre Specs so „verständlich“ formulieren, dann wundert mich gar nichts mehr. Aus dem Rest lese ich einfach einen „Rant“ gegen generell unfähige Entwickler, deren mangelndes Textverständnis anscheinend der einzige mögliche Grund dafür ist, dass manche grossen SW-Projekte scheitern. Vor allem aber scheint mir aus Ihren Zeilen extrem viel Verbitterung zu sprechen. 🙁

      • Susi sagt:

        @Matthias: Es geht ja nicht um ein Verurteilen, aber es ist auf verschiedenen Ebenen problematisch. Sportpapi schreibt beispielsweise: „Zumal man gemerkt hat, dass wichtige Informationen nicht gelesen wurden, weil sie in einem Schwall von Geplapper untergegangen sind.“ Wenn ich zudem tagsüber eine Nachricht schicke, beginnt das Geplapper unabhängig, ob Pause ist oder nicht, das passiert während des Unterrichts. Schüler/innen sind sehr versiert in unauffälliger Handybenutzung, wir merken das oft schlicht nicht in einem vollen Zimmer. Diese Sucht (vgl. auch Hinweis Carolina um 10:35h) nach Kommunikationsinputs absorbiert die Leute in einem sehr grossen Masse und nimmt Zeit/Energie weg, die anderweitig besser investiert wäre…

      • Katharina sagt:

        noch hierzu:

        ‚in sich logisch völlig widersprüchlichen Spezifikationen und Anforderungen zu tun‘

        Ausser bei einfachen Augaben sind eigentlich alle Engineering-Aufgaben solche mit widersprüchlichen Anforderungen oder Rahmenbedingungen. Das ist etwas, das schon im ersten Semester einer Ingenieurschule gelehrt wird. Diejenigen die das nicht begreifen oder zu meistern lernen, fliegen spätestens nach dem Sophomore Jahr raus.

        Nicht ohne Grund wird von IngenieursKUNST geredet.

      • Matthias sagt:

        @Susi: Klar habe ich Verständnis für diese praktischen Probleme im Unterricht. Aber grundsätzlich ist das ja auch nichts anderes als früher das heimliche Comic-Lesen oder Zettelchen-Herumreichen. (Zu meiner Zeit hat immer ‚mal wieder einer versucht, im Unterricht Walkman zu hören. 😉 ) Das gehört halt wohl einfach auch zu den Schwierigkeiten, die man in diesem Job täglich meistern muss, idealerweise mit Geduld und pädagogischem Geschick, denken Sie nicht? Ich könnte es wahrscheinlich nicht, und bin froh wenn das Leute wie Sie engagiert und professsionell machen. In unserem neugebauten Schulhaus gibt’s übrigens eine einfache wenn auch radikale Lösung: Das ganze Gebäude ist gegen Handystrahlung vollkommen isoliert! 🙂 🙂

      • Susi sagt:

        @Matthias: P.S. Ich bin kein Zaungast dieser WA-Gruppen, sondern habe die Administration. Die Gruppen dienen eigentlich dazu, Info klassenspezifisch zu vermitteln. („Bin krank, die ersten zwei Lektionen fallen morgen aus“, und ähnliches.)

      • Matthias sagt:

        @Katharina: Ach kommen Sie, Katharina. Irgendwie möchten Sie doch einfach nur meckern. Woher wohl Ihr ganzer Frust komm? … Klar gibt es immer widerstreitende Anforderungen zwischen denen ein Kompromiss gefunden werden muss. Wenn aber auf Seite 10 steht, dass der Kunde sich nur mit einem frei gewählten Usernamen und Paswort registrieren kann, explizit ohne eine Mailadresse angeben zu müssen, und auf Seite 12 steht, dass es zwingend môglich sein muss, jedem registrierten Kunden jederzeit ein Mail zu schicken, dann besteht da halt ein Widerspruch, den ich als Entwickler leider nicht auflösen kann, ohne nachzufragen, welches von beiden es denn jetzt sein soll. Beides geht leider einfach nicht. 😉

      • Matthias sagt:

        @Susi: OK, da würde ich grundsätzlich sagen, dass eigentlich Sie bestimmen, wie kommuniziert werden soll. Aber ich finde es viel verlangt, dass die Kids den „Stil“, den sie sich sonst von WA gewohnt sind, auf “ Ihrem“ Channel so komplett ändern sollen. Ich würde das ganz anders lösen: Auf meinem Info-Channel kann nur ich selbst posten und keine Schüler. Diese können nur lesen. Eventuelle Rückmeldungen (so nötig) sollen an mich gehen. Nur wenn diese ausnahmsweise für alle interessant wären, dann würde ich sie manuell an den Info-Channel weiterleiten. (Bin kein WA-User, aber ich würde erwarten/hoffen, dass so ein Channel mit eingeschränkten Post-Rechten möglich sein müsste.) Das wäre halt die allgemein übliche technische Lösung dieses „IT-Standard-Problems“. 😉

      • Susi sagt:

        @Matthias: Ich brauche manchmal auch Antworten, die in der Gruppe für alle sichtbar sind, z.B. auf Exkursionen u.ä. Aber es hat sich sehr gebessert, seit ich mal gesagt habe, dass mich die Vorschau der vielen Nachrichten beim Netflix-Schauen stört. 😀
        Zum anderen: Was nützt mir mein pädagogisches Geschick, wenn ich meistens nicht mal merke, was da alles heimlich läuft? Ich habe dafür vollstes Verständnis, denn ich war in der Schulzeit die erste, wenn es um Briefchen herumreichen ging. Problematisch ist es dennoch, und eben leider kaum lösbar, weil nicht wirklich kontrollierbar. Handys einziehen bedeutet jedes Mal ein Verlust von ein paar Minuten, zudem besitzen viele Zweithandys. Neuerdings ist auch die iWatch sehr verbreitet, das ist einfach ein Fass ohne Boden.

      • Matthias sagt:

        @Susi: Ohne jetzt Ihre täglichen, sicher oft ermüdenden Probleme kleinreden zu wollen, scheint mir halt, dass Sie das alles etwas gar schwarz sehen. Oft wenn ich auf heutige Kinder und Jugendliche treffe, staune ich, wie reif, abgeklärt und vernünftig diese denken, argumentieren und handeln. Da ist es dann schon fast „erschreckend“, dass kaum einer von denen – wie ein Kollege von mir als Teenie – jemals einen Bagger auf einer Baustelle kurzschliessen und mit Karacho in die Baugrube fahren wird. (Aus dem ist übrigens trotzdem noch „etwas Anständiges“ geworden. 😉 ) Tja, was soll ich sagen, ich sehe „die heutige Jugend“ als vielleicht etwas sehr hedonistisch und angepasst und einen Tick zuwenig rebellisch und idealistisch, aber ansonsten im grossen Ganzen sehr positiv.

      • mila sagt:

        Im Ernst, Zweithandies…? Also vorbeugend für einen Entzugsfall (oder warum sonst bloss)?

      • Susi sagt:

        @Matthias: Was die Bereiche Handybenutzung während des Unterrichts und Mediengebrauch bei Jugendlichen betrifft, tue ich hier nicht wirklich meine subjektive, persönliche Sicht kund, sondern das, was allgemein immer wieder thematisiert wird. Und es ist ja nicht so, dass das Thema riesig wäre, aber es ist dennoch präsent und im heutigen Blog zentral, darum äussere ich mich heute halt einfach konkret dazu. Schwarz sehe ich es nicht, aber man kann auch nicht einfach darüber hinwegblicken…

      • Matthias sagt:

        @Susi: Finde ich ja auch OK. Und auch bei mir würde im Unterricht natürlich striktes Handyverbot herrschen (ausser es wäre gerade Gegenstand oder Werkzeug im Unterricht 😉 ). Aber im Blog ging es ja eher um die Regeln in der Familie. Da kann ich sagen, dass ich unserem Sohn natürlich schon bei Übergabe des ersten Handys klargemacht habe, dass das Handy grundsätzlich in der Schule eher nichts verloren hat, die diesbezüglichen Regeln der Schule strikt zu befolgen sind und es insbesonders während des Unterrichts komplett ausgeschaltet (oder mindestens auf stumm gestellt im Thek versorgt) zu bleiben hat. Privilegien und Freiheiten sind halt immer mit Verpflichtungen und Verantwortung verbunden. Das ist aber nicht meine „Erziehungsidee“ sondern einfach eine Eigenschaft der Welt.

      • Susi sagt:

        @Matthias: Es geht im Blog um die Bildschirm-Sucht, die bereits bei Kindern anfängt, und diese zieht sich dann weiter. Ich habe einfach aus meinem Standpunkt argumentiert in Bezug auf den vermeintlichen Überblick, den man als Erwachsene eben nie hat. Da ich so viel Kontakt habe zu Schüler/innen der verschiedensten Altersgruppen (12Jährige bis 20+) und auch mitbekomme, wie viele der Eltern das handhaben, glaube ich mittlerweile, dass es eine Illusion ist, diese Dynamik kontrollieren zu können. Klar können Sie Ihren Kindern sagen, das Handy soll in der Schule in der Tasche bleiben, aber glauben Sie mir, solche Ratschläge gehen meistens sehr schnell durch den Fleischwolf, sobald die Kids aus dem Haus sind. Alles andere wäre nicht normal, Kinder suchen nun mal nach Lücken, wo sie Regeln breche

      • Matthias sagt:

        @Susi: Nun, bei 20jährigen ist das dann vielleicht etwas anders, aber bei unserem Sohn in der Primarschule würde ich schon erwarten, dass die Lehrerin mich allerspätestens über das Problem informiert, wenn eine erste Verwarnung ihrerseits nichts genützt hat. Und dann wird halt sein Handy vorübergehend eingezogen, bei wiederholten Verstössen ggf. auch längerfristig. Ich hin ja verantwortlich dafür, dass er seiner Schulpflicht nachkommt. Wenn ein Handy, das ich ihm zur Verfügung stelle, dies verhindert, habe ich doch gar keine andere Wahl! Und das weiss mein Sohn auch ganz genau. Bei anderen Eltern mag es anders sein, aber da würde bei mir eine kurze Mitteilung Ihrerseits reichen und das Problem wäre für Sie gelöst. Mit Medienkonsum zuhause hat das aber nix zu tun.

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