
So klein und irgendwie schon so monströs: Die vierjährige Suri Cruise mit Absätzen.
Ich mag es, wenn der Mann und die Tochter zusammen in die Stadt gehen, um Schuhe zu kaufen. Denn wohl habe ich selber eine Affinität für Schuhe, trotzdem bin ich nicht immer scharf auf Shopping. So war ich froh, als die beiden jüngst verkündeten, sie würden sich nach ein paar Winterstiefeln umsehen gehen. Noch froher war meine Tochter, als sie stolz ihre Beute in die Wohnung schleppte: hübsche, schwarze Lederstiefel. Hinterher schleppte sich mein Mann: auf dem Zahnfleisch. Erschöpft, als hätte er soeben einen neuen Speedrekord an der Eigernordwand erzielt, liess er sich auf einen Stuhl fallen und stiess klagende Laute aus. «Verdammtes Kinderschuhkartell», keuchte er. Ich musste mich auf ihn setzen und reanimierende Massnahmen ergreifen, um zu erfahren, was geschehen war.
Und das war Folgendes. Die meisten Geschäfte führten zwar wunderhübsche, flache Stiefel für Kinder in ihrem Sortiment, aber nur bis Grösse Dreissig. Stiefel für grössere Mädchen kämen fast ausschliesslich mit Absatz daher, sagte mein Mann. Und da weder er noch die Tochter das wollten, liefen sie sich die Füsse wund, um Stiefel mit flachen Sohlen zu finden.
Weder ich noch mein Mann haben grundsätzlich etwas gegen hohe Hacken, im Gegenteil. Aber sie sind das kleidertechnische Analogon zu Rauschmitteln. Man muss sie gezielt einsetzen, sonst wird es ungesund. Und sie gehören nicht in falsche Hände. Oder an Kinderfüsse.
Natürlich ist das nur meine persönliche Meinung, die nicht alle teilen. Inzwischen gibt es sogar schon Babyfinkchen mit Absätzen. Und Suri Cruise, Tochter von Katie Holmes und Tom Cruise und jüngstes Fashionvictim ever, sorgt in Amerika für eine kleine Debatte, weil die Dreijährige gern mit Kinderheels durch die Strassen stöckelt. Wie alle kleinen Mädchen, fände sie eben Absatzschuhe toll und habe deswegen unbedingt selber welche haben wollen, versuchte jüngst ihre Mutter die öffentliche Kritik zu verwedeln. Super Begründung. Meine Tochter tunkt ihren Finger auch gern in mein Weinglas und würde es am liebsten austrinken, wenn sie dürfte. Mir käme nicht im Traum in den Sinn, diesem Wunsch stattzugeben. Dennoch kann es mir natürlich egal sein, wenn Suri Cruises Mutter bescheuert ist.
Was mit aber nicht egal ist: Wenn die Industrie beginnt, ihre gierigen Finger nach den Kindern auszustrecken, um sie sich als kleine Erwachsene einzuverleiben. Wenn gleich neben der Spielzeugabteilung im Manor Kindertangas in Hot-Pink aushängen. Wenn sie ihnen Absätze andrehen will, damit sie ihren erwachsenen Mode-Vorbildern noch eifriger nacheifern und den Absatz der Firma steigern können. Wenn die Mission, in einem urbanen Zentrum ein paar flache Kinderschuhe zu finden, sich in eine epische Expedition verwandelt. Dann ist es Aufgabe der richtigen Erwachsenen, dagegenzuhalten. Deshalb würde ich meiner Tochter keine Schuhe mit Absätzen kaufen, selbst, wenn sie sie wollte. Zum Glück will sie aber nicht. Denn gerade für epische Expeditionen sind sie reichlich unbequem.
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Nicole Althaus ist Autorin und freie Journalistin in Zürich. Seit beinahe zehn Jahren betreibt Nicole Althaus Feldforschung in der eigenen Familie: Die Autorin ist verheiratet und Mutter zweier Mädchen im Alter von 10 und 6 Jahren.
Michèle Binswanger hat Philosophie und Germanistik studiert, war als Künstlerin und Kletterin tätig und ist heute Redakteurin bei Tagesanzeiger/Newsnetz. Sie lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter (8) und ihrem Sohn (5) in Basel. 












































































Irgendwie ist es merkwürdig, dass hier so viele Kommentare zu diesem unrelevanten Artikel erscheinen (der ohnehin zur Hälfte erfunden ist). Spielt doch in dieser Zeit besser mit euren Kids.
@ Ann:
Ich stimme Dir zu. Klingt etwas übertrieben wenn behauptet wird, dass ab Grösse 30 nur noch Schuhe mit Absatz in Basel zu finden seien. Aber das fällt wohl unter die gestalterische Freiheit der Autorin. Es ist ja ein Blog.
Mal ehrlich: Es steht doch allen frei zu solchen Ramsch-Anbietern wie H&M zu gehen oder nicht. Alternativen gäbe es genug. Und dann würde man u.U. auch keine Kinderarbeit in Bangladesch mit unterstützen … Oder die Umwelt und die Menschen in China kaputt machen.