Vom Babyblues zur Depression

Stressed mother and her baby.

Von Müttern wird erwartet, dass sie dauerlächelnd durch den Tag schweben. Foto: iStock, Getty Images

Nach der Geburt meines ersten Kindes hätte es gut sein können, dass ich an einer Wochenbettdepression erkranke: Ich bin eine Perfektionistin und stellte hohe Ansprüche an mich als Mutter. Glücklicherweise blieb ich psychisch gesund. Mein Sohn, alles andere als ein Anfängerbaby, und der Schlafmangel brachten mich aber regelmässig an meine Grenzen – und an einigen Tagen auch darüber hinaus. Als ich einmal meiner Hebamme mit verheulten Augen die Wohnungstür öffnete, drückte sie mir eine Broschüre über postpartale Depression in die Hand. Wir besprachen gemeinsam meine Symptome. Ich befand mich mitten im ganz normalen Wochenbett-Wahnsinn, ja. Aber depressiv, nein, das war ich nicht.

Man liest oft, dass 15 Prozent der Frauen nach der Geburt an einer Wochenbettdepression erkranken. «Leider wissen wir bisher nicht genau, wie häufig postpartale Depressionen tatsächlich auftreten», sagt die Wissenschaftlerin Martina Papmeyer, die an der Universitätsklinik in Bern eine Studie zum Thema koordiniert. Die Dunkelziffer könne durchaus weit höher liegen. «Wir wissen, dass Depressionen nach der Geburt eines Kindes mit einem hohen Stigma besetzt sind und ein Tabuthema darstellen», so Papmeyer.

Das Bild der glücklichen Mutter

Von einer jungen Mutter erwartet die Gesellschaft, dass sie vor lauter Glückseligkeit dauerlächelnd und mit wogenden Stillbrüsten durch den neuen Alltag mit Baby schwebt. Frust, Trauer oder Wut – das sind keine Gefühle, die man mit einer frisch gebackenen Mutter in Zusammenhang bringt. Aber als Mutter wird man auch nicht gebacken, man wird ins kalte Wasser geworfen. Also muss man losschwimmen und gleichzeitig das Neugeborene mit beiden Händen über Wasser halten. Und dabei gut aussehen und lächeln.

Doch eine postpartale Depression (auch postnatal genannt) entsteht nicht einfach wegen gesellschaftlicher Erwartungen. Die Forschenden gehen davon aus, dass die typischen Symptome einer Wochenbettdepression mit bestimmten Hirnveränderungen in Zusammenhang stehen. «Wir wissen aus vielen Studien zu Depressionen ausserhalb einer Schwangerschaft, dass es bei den Betroffenen zu einer veränderten Aktivität des Gehirns in bestimmten Regionen kommt. Dies sind zum Beispiel Hirnregionen, die unser Stress- und Glücksempfinden regulieren. Das Gehirn ist sozusagen aus dem Gleichgewicht gerissen», erklärt Papmeyer. Mit ihrem Team untersucht sie derzeit, ob es bei postpartalen Depressionen zu einer veränderten Aktivität des Gehirns kommt und wenn ja, in welchen Regionen.

Das Hirn gesund trainieren

Die Studie, für die übrigens noch Teilnehmerinnen gesucht werden, soll nicht nur neue Erkenntnisse zu den Ursachen von postpartalen Depressionen bringen. Sondern allenfalls auch neue Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen. Bereits heute gibt es viele Wege aus einer Wochenbettdepression – nicht immer sind Medikamente nötig. Martina Papmeyer erklärt: «Zunächst ist es meist sehr entlastend für die Frauen, zu erfahren, dass sie keine ‹Rabenmütter› sind, sondern dass sie unter einer Krankheit leiden, von der viele Mütter betroffen sind. Und dass man diese Krankheit behandeln kann.»

Bei leichten bis mittelschweren Depressionen ist heute eine Psychotherapie die Behandlung der ersten Wahl. Vor allem, wenn die Mutter stillen möchte. Bei schweren Depressionen oder wenn die psychotherapeutische Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt, empfehlen Ärzte eine Behandlung mit Antidepressiva. Im Grunde werden also Depressionen im Wochenbett ähnlich behandelt wie Depressionen ausserhalb einer Schwangerschaft und Geburt. Mit den Forschungserkenntnissen möchte Martina Papmeyers Team ein spezifisches Behandlungskonzept für Frauen mit postpartaler Depression entwickeln. Möglicherweise komme für erkrankte Frauen auch eine sogenannte Neurofeedback-Therapie infrage: Hier würden junge Mütter lernen, ihre Hirnaktivität zu beeinflussen, um das verlorene Gleichgewicht wiederherzustellen – ohne Medikamente.

Je schneller, desto besser

Das Gespräch mit Martina Papmeyer war sehr spannend und lehrreich. Und ich frage mich, warum ich nicht schon viel früher mehr über dieses Thema gewusst habe. Wahrscheinlich auch deshalb, weil man mit anderen jungen Müttern gern über Dammrisse spricht, über Schlupfwarzen und über den besten Nuggi. Aber weniger darüber, wie es einem gerade geht. Wie und ob man mit seinem neuen Leben als Mutter klarkommt. Oder wie es dem jungen Vater geht. Auch Männer können nämlich nach der Geburt eines Kindes depressive Symptome entwickeln.

Mein Babyblues – ich war ein rohes Ei mit der emotionalen Ausgeglichenheit eines Teenagers – klang nach dem Milcheinschuss rasch wieder ab. Auch danach gab es ab und zu Tage, an denen ich schon morgens heulte. Aber nie mehrere am Stück. Hört der Babyblues nicht auf, kann das der Anfang einer postpartalen Depression sein. «Wenn die Symptome länger als 10 bis 14 Tage andauern, sollte man professionelle Hilfe suchen. Je schneller man die Krankheit behandeln lässt, desto besser», so Martina Papmeyer.

Wenn Sie also eine junge Mutter sind und Ihr Babyblues schon länger dauert: Sprechen Sie Ihre Hebamme, die Gynäkologin oder den Hausarzt ungeniert darauf an. Sie sind eine gute Mutter und tun damit das Richtige für sich und Ihre Familie.

Viele Infos zur Wochenbettdepression sowie Listen mit Fachpersonen und Selbsthilfegruppen gibt es auf www.postnatale-depression.ch.

128 Kommentare zu «Vom Babyblues zur Depression»

  • Claudia sagt:

    @lara Ich hoffe, dass du dich nach dem Erleiden von Geburtsschäden an einen Anwalt gewendet hast. Eine Freundin von mir erlitt nicht selbst Schäden, aber dafür ihr Kind. Sie hat sich an einen Anwalt gewendet. Falls du wissen möchtest welcher: http://www.holl.de/geburtsschaeden.html http://www.holl.de/geburtsschaeden.html
    Aber ich kann dich verstehen (relativ). Meine Freundin hatte auch massive Depressionen.

  • lara sagt:

    @redaktion

    wieso nicht mal allgemein von depressiven Eltern berichten? Das kommt ja unabhängig vom Geschlecht vor, aber die spezielle Situation mit kleinen Kindern macht eine entsprechende Behandlung sehr schwierig. Man kann sich ja nicht zwecks Erholung 3 Monate von den Elterlichen Pflichten entbinden. Schlafentzug, Erschöpfung, Zusatzbelastung mit Kinder/Job lassen sich leider nicht in Luft auflösen bis der Depressive wieder Boden unter den Füssen hat. Das wäre ein guter Beitrag!

  • Mamma-To-Be sagt:

    Ich persönlich und auch mein Mann, waren sehr froh wurde das Thema am Geburtsvorbereitungskurs thematisiert. Es ist schon so, dass sehr wenige Mamis offen darüber reden, und wenn, dann immer voller Scham. Wie bei vielem was Mutterschaft, Schwangerschaft und Wochenbett betrifft, „getraut“ man sich oft nicht; fürchtet man doch oft verurteilt zu werden, oder fühlt sich schnell verunsichert. Ich habe aber sehr gute Erfahrungen gemacht, ehrlich nach Erfahrungen zu fragen, und diese dann auch nicht zu kommentieren, sondern einen offenen Austausch zu führen. Ich wünsche mir das urteilsfreie Diskussionen auch hier Platz finden.

  • nina* sagt:

    vielen dank für diesen sehr wichtigen beitrag. ich erlaube mir noch diese vielleicht auch für andere nützliche bemerkung: die hormonellen veränderungen in schwangerschaft/geburt/wochenbett/stillzeit/abstillzeit können auch die schilddrüse enorm durcheinanderbringen. meine postpartale depression wurde zuerst erfolglos mit antidepressiva behandelt, nur im später festzustellen, dass der auslöser eine unterfunktion der schilddrüse war. verschriebenes hormon genommen, 12h später depression wie weggeblasen. ein grosses blutbild in der nachkontrolle hätte mir einiges ersparen können. darum immer auch schilddrüsenhormone prüfen lassen!

  • Tatjana Schärer sagt:

    Ich hatte nach der Geburt meines 1. Kindes eine postpartale Depression und hätte es weder ohne Medikamente noch mit Stillen geschafft- & ohne meinen Mann schon grad gar nicht. Es war die Hölle &ich erspare den Leser_innen hier, welches Gedankenkarusell in meinem Kopf umherging. Wenn ich heute meinen – mittlerweile 8jährigen Sohn – anschaue kommen mir manchmal noch die Tränen wenn ich daran denke, wie schlimm die ersten Wochen/Monate waren. Postpartale Depressionen machen Angst – auch dem Umfeld. Sie stellen die bedingungslose Liebe und Freude einer Mutter ihrem Kind gegenüber in Frage. Damit will aber niemand etwas zu tun haben. Das macht einsam & hilflos. Vorallem die betroffenen Mütter & Väter mit dazu. Das Leid könnte weniger sein wenn wir endlich darüber reden. Und wenn zugehört würde.

    • Yvette sagt:

      Sie schreiben, wir sollten darüber reden und wollen uns gleichzeitig Ihre Gedanken ersparen? Gehen Sie doch gerne mit gutem Beispiel voran! Es wäre spannend für vielleicht zukünftige Mütter wie mich und würde uns einen kleinen Schritt weiter bringen!

  • Mina Peter sagt:

    Bei mir hat die Hebamme sofort geschaltet. Und das wohl nur, weil sie keine Stillfanatikerin ist. Das Stillen hat nicht geklappt und das Abpumpen hat mich nach einem Kaiserschnitt noch zusätzlich geschlaucht. Wäre mein Mann nicht mehrere Wochen zuhause gewesen und hätte mich mit dem älteren Kind unterstützen können, ich weiss nicht, wie das rausgekommen wäre.

  • Jänu sagt:

    https://twitter.com/froumeier (Die Autorin des Textes)

    Und wer erklärt mir, wie das Wochenbett WIRKLICH ist für eine junge Mutter?

    Zwei Männer.

    #mansplaining #Kommentare #Mamablog

    Wo denn? Hier erklärt kein Mann einer Frau so etwas. Ist kein Feind da, wird einer erfunden? Um was geht es hier, um Feindbilder?
    Oben wird ohne Nachweis Männern pauschal etwas unterstellt und auf Twitter macht man weiter Stimmung gegen Männer? Also das empfinde ich als ganz schwach, was da abgezogen wird.
    (Ja, es gibt blöde Macker, die bei solchen Themen ausfällig werden, es sind aber nicht „die Männer“).

    • Jänu sagt:

      Die neueste Reaktion der Autorin auf Twitter zu diesem Forum. Wieder eine kontrafaktorische Feststellung:

      https://twitter.com/froumeier (Die Autorin des Textes)

      „Mamablog-Beitrag über Wochenbettdepression

      Frauen so: „Danke für den Beitrag!“
      Einige Männer so: „Wochenbettdepression gibt es gar nicht.“

      Das stimmt doch gar nicht. Was soll das eigentlich? Niemand hat behauptet, es gäbe _gar keine_ Wochenbettdepressionen. Man hat nur darauf hingewiesen, dass diese nicht in ICD10 erfasst sind und dass es womöglich schon vorhandene Depressionen waren, die durch die Umstände zu Tage treten.

    • mila sagt:

      PS, nur damit Sie so eine Ahnung bekommen: ‚der geht es doch viel zu gut‘, ‚die soll sich echt mal zusammenreissen‘, ‚Wohlstandsneurose‘, ‚ihr armer Mann‘ wären nur so ein paar Äusserungen der eher harmloseren Sorte. Kennzeichnend jedoch: die entsprechende Erfahrung wird verharmlost bis negiert, das Umfeld (statt der/des Betroffenen) bemitgefühlt. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor?

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Solche Reaktionen haben Sie irgendwo gelesen oder selber gehört? Ernsthaft?
        Wobei: Ja, das Umfeld leidet auch. Und ja, ich habe wie bei jeder Krankheit schon die Erwartung, dass man auch etwas dagegen tut, soweit es möglich ist. Dazu gehört insbesondere das vertrauensvolle Gespräch mit dem Partner.

      • mila sagt:

        Alles selber zu hören bekommen.

        Es ist klar, dass das Umfeld mit-leidet. Das weiss der/die Betroffene in den meisten Fällen selbst sehr gut. Aber das Umfeld in den Vordergrund stellen? In dem Sinne, als ob der/die Betroffene es dem Partner extra/aus Bosheit/aus Langeweile (weil es ihr ja so gut geht…) antut. Man würde es nicht für möglich halten, aber es passiert. Und zwar sehr nonchalant.

      • lara sagt:

        Ich habe das auch exakt so zu hören bekommen. ’selber Schuld, du musst deine Ansprüche reduzieren‘, ‚dein Mann arbeitet aber!‘ (was ich auch getan habe, nur fand das bei mir niemand erwähnenswert), ‚du musst dich halt organisieren‘, ‚deine Problem überträgt sich auf die Kinder, daher ist der Alltag so anstrengend‘ … das ging endlos so. Die Hauptaussage war immer die gleiche, ich sei gar nicht krank, es sei meine Schuld, ich mache es nur schlimmer etc. Das kann das Fass bei einer akuten Depression zum Überlaufen bringen. Ps. übrigens nicht nur bei Müttern sondern auch bei allen anderen Depressiven

      • mila sagt:

        Danke für Ihre Bestätigung, lara. Ich hoffe, es geht Ihnen inzwischen wieder gut. Für mich zeigt auch Ihr Beispiel eindrücklich, dass man heute zwar theoretisch über so gut wie alles ’sprechen‘ kann. Aber echte ‚Tabulosigkeit‘ bzw. thematische Unvoreingenommenheit würde meiner Meinung nach andere Reaktionen beinhalten.

      • Sportpapi sagt:

        @lara: Mich würde interessieren, wie Sie die Situation denn heute, aus Distanz, beurteilen. Was hätte man tun sollen, wie hätte man Sie unterstützen können, was hätte Ihre Leidenszeit allenfalls verkürzt?
        Und: Wie hätten Sie allenfalls auch selber eine Erschöpfungsdepression verhindern können, wenn Sie darauf vorbereitet gewesen wären? Welche Informationen haben Ihnen gefehlt?

      • lara sagt:

        Danke mila der Nachfrage, mir geht es nach 8 Monaten Antidepressiva und Psychotherapie wieder sehr gut.
        @ Sportpapi
        Heute wundert mich wie lange ich mich durchgeschlagen habe bzw. wie spät der totale Zusammenbruch kam. Aufgrund der Situation massive Geburtsschäden meinerseits (Dammriss 4. Grades, fekale & Urininkontinenz), Schreibaby, Schlafmankos (ich habe im ersten Jahr nie mehr als 3 Stunden am Stück geschlafen), finanzielle & berufliche Situation (ich musste trotz der Umstände nach 4 Monaten wieder teilzeit arbeiten gehen) glaube ich nicht, dass ich etwas anders hätte machen können oder jemand in meiner Situation nicht auch depressiv geworden wäre. Viele ungünstige Faktoren sind zusammen gekommen that’s it.

      • lara sagt:

        hmm was geholfen hätte?
        wenn der erste Arzt sich meiner angenommen hätte und mir zu einer Therapie sowie Psychopharmaka geraten hätte. Wenn mein Mann die Termine gemacht hätte und mich begleitet hätte. Ich hatte schlicht keine Energie mich durchzusetzen. Ich brauchte alle Energie es auszusprechen, dass ich depressiv war. Dann kam einfach keine Reaktion. Niemand half. Alle (inkl. Ehemann, Familie, Freunde, ÄRzte) sagte ‚du musst dich halt organisieren‘. Dafür hatte ich gar keine Energie. Manchmal brauchte 60 Min um ein einziges Telefonat führen zu können. Mein Mann hätte das Heft an sich reissen sollen. Im Sinn, heute gehst du um 10 da hin, dann 12 da… usw. Ich brauchte dringend Leute um mich, aber konnte mich nicht mehr aufraffen etwas zu organisieren.

      • lara sagt:

        Ich brauchte Routine, Ablenkung und Menschen um mich herum. Kurzfristige Entlastung à la ein Abend Ausgang oder nimm doch ein Bad haben die Situation nur schlimmer gemacht. Ich hätte langfristige Unterstützung gebraucht. Schon nur am Morgen duschen zu können und 10 min in Ruhe Kaffee zu trinken (aber jeden Morgen!) hätten mir geholfen. Ich konnte damals das aber nicht so formulieren. So hatte mein Mann nur die besten Absichten, hat aber so ziemlich alles falsch gemacht. Wo er sich hätte einmischen sollen, hat er es nicht gemacht. Heute würde ich jedem Partner raten, sich rasch auch selber zu informieren wie man einer solchen Person helfen kann. Intuitiv reagieren fast alle völlig verkehrt (hatte ich früher auch! man muss das mal selbst erlebt haben um das wirklich zu versteheb)

      • Sportpapi sagt:

        Danke für den Einblick, Lara. Tatsächlich hätte ich vermutlich auch im ersten Moment eine kurzfristige Entlastung angeboten.
        Aus meiner Erfahrung: Es ist halt wirklich schwierig, wenn Partner immer wieder nachfragen, was denn helfen würde, was zu tun wäre, und kaum eine Antwort kommt – oder dann gar eine aggressive.
        Selber sich schlau machen ist eine Möglichkeit.
        „Du musst dich halt organisieren“ hat eine gewisse Logik, aber wenn es nicht klappt, wäre tatsächlich der Partner gefordert, Vorschläge zu machen, Massnahmen zu ergreifen und Veränderung einzufordern. Auch wenn das nicht immer verdankt wird…
        Optionen gäbe es ja doch einige.

  • lara sagt:

    Als Betroffene muss ich leider sagen, dass das Screening bei Spital/Hebamme/Frauenarzt/Hausarzt voll versagt hatte. Ich hatte keine klassische postpartale Depression sondern eine Erschöpfungsdepression 9 Monate nach Geburt. Auch mit vielfachen Hinweisen von mir, fühlte sich kein Arzt zuständig. Jeder schiebte mich zum nächsten ab. Bis ich mich wieder aufraffen konnte um den nächsten Termin beim anderen Arzt zu machen verstrichen Wochen. Niemand wollte sich den extra Aufwand aufhalsen! Alle sagten zu mir ’sie müssen sich halt Unterstützung organisieren!‘ Was für ein Hohn für eine Depressive. Danke nochmals.

  • Priska sagt:

    war selber betroffen und möchte noch auf die Möglichkeit von Mutter-Kind-Häusern aufmerksam machen. Die Aufnahme war schnell und unkompliziert. Zur Überbrückung kann auch auf eine Kriseninterventionsstation des Spitals ausgewichen werden. Leider sind viele Angebote wenig bekannt, weil nur wenige berichten mögen.

  • tststs sagt:

    Gerne möchte ich noch auf eine Möglichkeit hinweisen, vor allem wenns akut ist und die beste Freundin/die eigene Mutter/der Partner gerade nicht verfügbar ist:
    Dargebotene Hand: Telefon Nr. 143 (auch via E-Mail oder Chat https://www.143.ch/)

  • Blog-Redaktion sagt:

    Liebe Leute (bzw. Männer), despektierliche Kommentare schalten wir nicht frei, sie landen im Papierkorb. Die Redaktion.

    • Adam Riese sagt:

      Liebe Blog-Redaktion (bzw. Frauen)

      Warum so selektiv? Warum muss dies überhaupt explizit erwähnt werden? Die betroffenen Personen merkten es schon seit jeher, dass ihre despektierlichen Kommentare nicht freigeschaltet wurden. Und die übrige Leserschaft bekam davon gar nichts mit.

      Mir kommt es grad ein bisschen vor, als ob es sich hier um eine „Ätsch-euch-habe-ich-es-jetzt-aber-gezeigt“-Reaktion handelt.

      Pubertär, unprofessionell und schade.

      • Blog-Redaktion sagt:

        Weil offenbar Frauenbashing-Tag ist. Es geht heute um ein Thema, das vor allem Frauen betrifft und es schneien überaus viele üble Kommentare von Männern rein. Genau dasselbe kürzlich als es ums Thema Menstruation ging.

      • mila sagt:

        Liebe Blog-Redaktion, eigentlich wäre es sehr interessant zu wissen, wie viele dieser Basher und Hater tatsächlich unterwegs sind, und (bis) in welche kommunikativen Tiefen sie sich runterlassen. Einfach, damit die Beschwichtiger(innen) mal sehen könnten, was wirklich an ‚Despektierlichkeiten‘ gegenüber Frauen bei einem Thema wie diesem so abgeht…

        Aber ich kann nachvollziehen, weshalb aus Rücksicht auf Betroffene davon abgesehen wird.

      • 13 sagt:

        @ mila
        Sie haben nicht unrecht. Aber so können sich dann einige schön in die Opferrolle versetzen und behaupten, man dürfte ja nie etwas gegen Frauen sagen, weil die linken Feministinnen die Welt regieren oder so.
        Ich bin froh, um die Praxis der Redaktion. Es ist ja schon spannend, dass Männer bisher ausschliesslich dort kommentieren, wo es sie etwas kritisieren können, egal ob die „gesellschaftliche Ansicht“ der Autorin oder das Erwähnen der Männer von der Blog-Redaktion. Dabei wäre die Sicht des Mannes resp. Vaters zum Thema sehr spannend. Schliesslich sind auch sie bei einer Erkrankung der Mutter stark gefordert.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Und wenn die Männer sich dann ganz vorsichtig äussern, heisst es wieder, sie hätten bei einem Frauenthema nicht mitzureden.
        Aber danke dafür, dass Sie daran erinnern, dass Männer in der Situation zumindest auch eine ganz schlimme Zeit durchmachen, weil sie sich ja um ein Baby und eine kranke Frau kümmern müssen, und eigentlich in der Regel noch einen anderen Job haben.
        Noch schlimmer, wenn die Frau gar nicht zugeben kann, dass sie Hilfe braucht.
        @mila: Wäre es nun für Sie interessant zu wissen? Sie scheinen ja auch ohne diese Information bereits gut informiert zu sein…

      • Jänu sagt:

        @13: Männer (die ich kenne) springen mit aller Energie dort ein, wo ihre Hilfe in der Familie benötigt wird. ABER: Wir Männer werden so in eine subalterne Rolle geschoben. Sie sollen(!) helfen, wo Hilfe benötigt wird. Als ob Männer keine empfindsamen Wesen sind, als ob Männer keine Wünsche und Bedürfnisse hätten. Man kann hier leicht den Eindruck erhalten, der Frau, der Mutter gehe es darum, dass sich die Welt nur um sie drehe. Alle anderen sollen gefälligst zur Hilfe eilen, wenn sie Hilfe benötigt. Der Mann soll jede Laune aushalten, jede Lücke stopfen, sich selbst aufgeben für die Familie. Daneben soll er arbeiten und Geld verdienen. Er soll alles sein: Liebhaber, gut im Bett, Verdiener, starkt, hilfsbereit, usw. – Keine fragt, ob das ein Mann auch alles schaffen kann.

      • mila sagt:

        Was jeweils aufgeschaltet wird, SP, scheint mir bisweilen eine fast schon ironisch anmutende Spitze der Despektierlichkeit(en) zu sein, die jeweils nicht aufgeschaltet werden. In dem Sinn, dass gar nicht auf eine bestimmte (weibliche) Erfahrung eingegangen wird (könnte umgekehrt u. U. auch eine männliche sein), vielmehr verläuft der Grundtenor stets im Hab Dich nicht so-/Ist doch nicht so schlimm-/ist doch üüüberhaupt kein Tabu-Modus. Kaum ein Kommentator (abseits von Roxy), der sich ab und an mal auch einfach in eine fremde Perspektive hineinversetzen kann. Mich stimmt das beinahe bedenklicher, als das werweisseln darum, wie niveaulos es in den gesackten Kommentaren zu und her gehen muss.

      • 13 sagt:

        @ Sp
        Ich habe nie gesagt, Männer sollen bei Frauenthemen schweigen. Sondern sie haben nicht zu bestimmen, dass es kein Thema ist, nur weil es sie nicht etwas angeht. Das ist ein Unterschied.
        Bei Ihrem zweiten Satz kommt mir unweigerlich das Wort „Vaterschaftsurlaub“ in den Sinn. Das wäre immerhin eine Erleichterung in einer solchen Situation.

        @ Jänu
        Ein Gefühl, das Frauen sehr gut kennen…
        https://www.facebook.com/ndrtalkshow/videos/1046869092026588/

      • 13 sagt:

        Entschuldigung, ein falscher Link, ich suche den richtigen noch….

      • 13 sagt:

        Ich finde ihn nicht. Es war so eine Aufzählung, was Frauen alles erfüllen sollten, die ich sehr treffend fand…auf jeden fall wollte ich damit sagen, dass halt durch die Auflösung der konkreten Arbeitsteilung schnell das Gefühl entsteht alles leisten zu können. Wem alle Möglichkeiten offen stehen, wird sich immer dafür rechtfertigen müssen, eine nicht gepackt zu haben (Job, Familie, Partnerschaft, Freundschaft, Hobbys etc.). Das gilt für Mann und Frau, ich glaube schon dass da die gesellschaftlichen Anforderungen an beide Geschlechter gestiegen sind, jedoch glaube ich nicht, dass da wirklich grosse Unterschiede bestehen. Da braucht es aber oftmals die Kraft einen Schritt zurückzustehen und zu sagen: Nein, da mache ich nicht mit!

      • 13 sagt:

        So jetzt…entschuldigt die Verwechslung:

        https://www.youtube.com/watch?v=T_ZWIHcE4LI

      • Jänu sagt:

        @13 Ja, bin einverstanden. Das ist der gesellschaftliche und(!) der Druck, den man, gerade als Perfektionist*in, in sich selber projiziert. Aber genau dann heisst es aufpassen: Wieviel ist selbstgemacht? Die Versuchung ist gross, es zu nur externalisieren. Ein Artikel sollte sich dann aber auch damit auseinander setzen, wenn er ernsthaft eine Problematik an die Oberfläche bringen will. Sonst ist es so, dass es nur noch Opfer gibt. Dann wäre unsere Gesellschaft gescheitert. Ist sie aber nicht.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Eine Diskussion läuft nun mal so, dass nicht alle gleicher Meinung sind. Es ist doch nicht despektierlich, wenn man dies auch in angemessenem Ton einbringt.
        Und ich für meinen Teil finde es äusserst nervig, dass hier kein Frauenthema vorgetragen werden kann, ohne dass auf gesellschaftliche Erwartungen und TABU! verwiesen wird. Auf einer übergeordneten Ebene darf ich diese Übertreibungen durchaus kritisieren, ohne deshalb das Thema an sich zu bewerten.
        Und sich in eine fremde Perspektive hineinversetzen heisst nicht, immer nur zu nicken und beizupflichten.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Was aber meiner Meinung nach wirklich despektierlich ist: Wenn man hier als Auto r eine Plattform hat, seine Meinung einbringen und auf Kommentare reagieren kann, sich dann aber an anderer Stelle negativ über die Teilnehmer zu äussern (und dann noch so offensichtlich nicht dem Verlauf entsprechend). Ich finde, das geht gar nicht. Und da hat Jänu recht, dass er das kritisiert (und es passt, dass Sie das offenbar weniger stört).

      • Adam Riese sagt:

        Danke Sportpapi. Sie bringen es 23:27 auf den Punkt und bestätigen exakt meine Erfahrung mit dieser leider oftmals erlebten und heuchlerischen Doppelmoral, mit der ich so grosse Mühe habe. Anderen etwas vorzuwerfen, woran man sich aber selber nicht hält. Die Massstäbe nach eigener Lust und Laune anzuwenden und beliebig zu vergrössern oder zu verkleinern. Wie es halt grad passt. Damit läuft man unweigerlich in den Hammer bzw. fühlt sich unverstanden und angegriffen. Dann bleibt nur noch, die Schuld „den Anderen“ zuzuschieben. Spätestens in der Pubertät erhält man dann die Quittung von den eigenen Kindern, die sich ein solches Gebaren nicht mehr gefallen lassen. Der oder die Partner oder Partnerin wird wohl irgendwann resignieren und diese Pille schlucken. Die eigenen Kinder eher nicht.

      • mila sagt:

        SP: auf einer übergeordneten Ebene? Das klingt so sachlich nei Ihnen. Ihr entsprechender Kommentar war es nicht. Und wenn ‚kritisieren‘ (in diesem Fall: sich darüber lächerlich machen) und abnicken die einzigen Reaktionen sind, die Sie kennen, um (Nicht-)Empathie zu bekunden, dann sollte mich das eigentlich nicht mehr wundern. Wie Sie sich schützend auf die Seite von Desrespektierern stellen, tut es aber. Echt. Ich frage mich, ob Ihre ritterliche Galanz in einem umgekehrten Fall auch weiblichen Verunglimpfern gälte.

        Ich persönlich würde alles von jedem/r aufschalten. Für mich fällt jegliche Ausfälligkeit auf den/die Ausfällige/n zurück.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Welcher meiner Kommentare war Ihrer Meinung nach unsachlich?
        Und ja, ich beziehe eigentlich immer Stellung, wenn Leute zu unrecht angegriffen werden, da kommt es mir nicht auf das Geschlecht an. Und eigentlich bemühe ich mich, sachlich und fair zu bleiben. Machen Sie das auch? Oder wie kommt es, dass Sie einmal mehr hier nur Fehlverhalten von Männern sehen (das für uns aber gar nicht sichtbar ist, da gelöscht), aber wie gewohnt nichts auf der anderen Seite?
        Über Empathie mag ich mit Ihnen fast gar nicht mehr diskutieren. Für Sie ist das immer wieder ein Freipass, das eigene Empfinden als Massstab dafür zu nehmen, was richtig und was falsch ist. Da täte Ihnen jeweils etwas Abstand gut, der Fairness halber.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Ein längerer Beitrag wartet. Aber gerne: Welche meiner Aussagen war unsachlich? Welcher Beitrag hier hat irgendetwas lächerlich gemacht? Und wie stehen Sie denn zu diesen Twitter-Beiträgen, die nicht nur ich als höchst unsachlich und unfai r sehen?

      • mila sagt:

        Unsachlich: ‚Ein Tabu!‘

        Wie ich zu Twitter stehe? Ich lese/folge Twitter nicht (haben Sie Zeit für sowas, d. h. Zeit nachzulesen? Ich hab ja noch nicht mal wirklich Zeit für hier, und das mit nur einem Kind…) Deshalb klammere ich diesen Austausch aus, bzw. bezog mich nie auf ihn. Nur auf das, was in diesem Forum vorgeht. Und wovon ich die nicht-veröffentlichte Seite gerne kennen würde. Sei es, um meine Annahmen, basierend auf diversen Artikeln zum Thema verbale Gewalt in Online-Foren (nicht nur, aber auch spezifisch gegen Frauen) sowie wiederholten Äusserungen der Redaktion zu untermauern. Oder ggf. zu relativieren.

      • mila sagt:

        Korrektur: ‚Ein weiteres Tabu!‘ Waren Sie selbst je von einer Depression betroffen? Ich schon, wenngleich nicht voneiner postpartalen. Und ich kann Ihnen versichern, der feinen bis groben Despektierlichkeiten gegenüber dieser Art von Erkrankung sind so viele, sie sind so ganz alltäglich (weshalb reden manche lieber von einem wesentlich ’neutraleren‘ Burn out?), dass man sich als Betroffene wirklich gut überlegt, mit wem und in welchem Kontext man darüber spricht. Umd nein, es ist kein selbstauferlegtes Tabu. Sondern reiner Selbstschutz in ohnehin schwierigen Umständen.

      • Sportpapi sagt:

        mila, ich habe keine Zeit für Twitter. Aber wenn hier etwas direkt verlinkt wird, um eine Aussage zu belegen, dann schaue ich mir das kurz an. Ausserdem wurde einer von zwei Beiträgen ja sogar kopiert und hier veröffentlicht. Nein, ich glaube nicht, dass Sie das gar nicht mitbekommen. Und ich glaube auch nicht, dass es an der Zeit fehlt, sich kurz schlau zu machen. Sie lesen ja sonst auch so einiges.
        Aber Sie müssen ja nicht – ausser Sie wollen dann wieder die Männer kritisieren, die sich darauf beziehen…

      • mila sagt:

        Anders formuliert: heute, mach der Depression, kann ich problemlos und in jedwedem Zusammenhang darüber sprechen. Allfällige (Vor-)Urteile prallen an mir ab, denn es geht mir gut. Ich hätte aber darüber frei sprechen sollen können, als es mir sehr, sehr schlecht ging. Das ich es nicht konnte, hat mir gezeigt, dass sich ein sogenanntes Tabu(thema) oft eben nicht in einem eigentlichen Sprechverbot äussert. Sondern in einer (gut begründeten) Reaktionsangst.

      • mila sagt:

        Ich habe Jänu hier gelesen, ja. Aber ohne Kontextkenntnis auf Twitter äussere ich mich dazu schlicht nicht – das fände ich diskursiv ungebührlich. Und zu was ich momentan zu lesen komme… einmal Feuilleton queerbet wöchentlich. Höchstens. Fragen Sie mich also bitte nach nichts (welt-)politischem/-bewegenden, ich hätte darauf nichts zu erwidern…

      • Sportpapi sagt:

        Zum Tabu: Ich habe schon mehrfach angeführt, dass hier im MB immer wieder ein Thema damit interessant gemacht wird, dass man es zum Tabu erklärt. Das ist hier praktisch Standard. Damit nutzt sich der Begriff einfach ab. Insofern ist meine Rückmeldung einzig als Medienkritik zu verstehen.
        Ausserdem war es eine Antwort auf das: „„Von einer jungen Mutter erwartet die Gesellschaft, dass sie vor lauter Glückseligkeit dauerlächelnd und mit wogenden Stillbrüsten durch den neuen Alltag mit Baby schwebt.“ Nein, tut sie nicht, jedenfalls nicht im richtigen Leben…“
        Jedenfalls nicht die Gesellschaft, in der ich lebe, und in der Stillprobleme, Schlafmangel, sonstige Beschwerden usw. diskutiert werden.

      • mila sagt:

        Etwas ist nach oben verrutscht. Und ganz ehrlich, als letztes: über Schlafmangel, brachliegende Nerven etc. spreche ich nur mit Menschen, von denen ich weiss, dass sie es gut mit meiner Familie und mir meinen. Tatsächlich habe ich Kommunikationssperrzonen innerhalb unser beider Herkunftsfamilien errichtet, weil ich 1. nicht will, dass meine Tochter als Problemkind verschrien wird (von Menschen, die dauernd etwas zum fremd-nörgeln und -kritisieren brauchen, um sich entweder lebendig oder rückversichert zu fühlen).. Und weil ich 2. keine Zeit (und vor allem keine Geduld) für ausufernde Auseinandersetzungen über konträre Erziehungsansätze habe.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Ob Ihre Reaktionsangst gut begründet ist, kann ich nicht beurteilen. Was ich aber selber schon erlebt habe als Mensch und Partner, der Hilfe anbieten wollte und eigentlich auch konnte – dass die Betroffenen sehr Mühe hatten, Hilfe anzunehmen bzw. ihren Zustand auch als Krankheit wahrzunehmen. Und da steht man dann tatsächlich ohnmächtig daneben.

      • Sportpapi sagt:

        Kontext? Diskursiv ungebührlich? Sie winden sich wieder mal, statt halt auch mal auf die andere Seite Klartext zu sprechen. Warum fällt Ihnen das so schwer, wo Sie das doch gerne bei anderen einfordern?

      • mila sagt:

        Ich winde mich doch nicht. Ich müsste den dortigen Diskussionsverlauf anschsuen, und dazu fehlt mir angesichts von Jänus sondtigem Auftritt wirklich jede Lust (nebst der Zeit). Irgendwo setze selbst ich Grenzen, und halte mich daran. Twitter ist so eine, ich hab mich in meinem Leben noch nie (!) damit befasst. Ind tue es such jetzt nicht.

        Das Hilfe-nicht-annehmrn-weil-man-sich-das-Problem nicht-eingestehen-mag ist nun ein eigenes (Zweit-)Fass. Spannend und erörterungswürdig, aber zum ersten Fass hab ich nun glaub ich alles gesagt, was ich zu sagen hatte. Jetzt wartet meine Tochter, die schon den ganzen Morgen zu kurz kommt. Auf ein ander Mal.

    • Adam Riese sagt:

      Das mag ja sein. Aber die explizite Erwähnung und die dazugehörige Pauschalisierung hinterlassen bei mir einen unangenehmen Nachgeschmack.

      • Mina Peter sagt:

        Ich finde es sehr gut, dass die Redaktion hier durchgreift. Dass sollten Redaktionen und Moderationen vielmehr tun. Frauen-Basher sollen keine Plattform erhalten.

      • Sportpapi sagt:

        @Mina Peter: Durchgreifen reicht eigentlich und ist eine Selbstverständlichkeit, das muss man nicht noch verkünden.

      • maia sagt:

        Es gibt übrigens auch Männer, welche nach der Geburt eines Kindes in eine Depression fallen. Darüber liest und hört man kaum etwas und wenn, dann wird darüber „gewitzelt“.

      • Jänu sagt:

        @AR: Schauen Sie sich mal auf Twitter um, der Seite der Autorin des Textes. Was da steht, hat hier im Forum kein Mann behauptet. Aber fürs Stimmung-machen gegen Männer hält man sich nicht an Fakten, man erfindet selber welche, die ins Klischee passen.

      • mila sagt:

        Tut mir leid Jänü, aber irgendwie kommt es mir vor, als müsste in den letzten Wochen nahezu jeder MB-Text dafür herhalten, um eine wie auch immer geartete Stimmungsmache gegen Männer zu konstatieren… Respektive, unter dem Deckmantel der vorgeschobenen Feminismuskritik kocht ziemlich viel rein Misogynes rüber. Nur so als alternativ-ausgleichende Beobachtung zu Kommentaren wie den Ihren.

      • Adam Riese sagt:

        @Jänu

        Danke für den Hinweis. Ich kenne mich mit Twitter überhaupt nicht aus. Aber was ich da von der Autorin gelesen habe, befremdet mich doch sehr. Genau diese Art von Stimmungsmache geht mir gegen den Strich. Und es zeigt eine Haltung, die ich an drei meiner vier vergangenen Partnerinnen ebenfalls erlebt habe (und damit sage ich keinesfalls, dass ALLE Frauen so sind!): Sie bestimmen, was richtig und was falsch ist. Und was falsch ist, wird gnadenlos angeprangert. Aber selbstredend wird das Regelwerk von der Urheberin kurzzeitig ausser Kraft gesetzt, wenn es sie selbst betrifft. Denn dann ist es jeweils etwas ganz anderes. Oder ganz anders gemeint. Und deshalb in Ordnung und absolut richtig. Logisch, oder?

    • Katharina sagt:

      Was ich ganz sicher nicht will, ist hier in Austausch auf Twitter-Niveau. auch @Jänu oder frou meier .

      Immerhin fnden einige betroffene die Themensetzung positiv. Und jene sollten ohne gepöbel sich hier darüber austauschen können. Normalerweise bin ich redaktionellen eingriffen gegenüber eher kritisch eingestellt.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Lese diesen Streit hier gerade nach. Katharina bringt es auf den Punkt. Es ist nicht von Interesse, was anderswo von betreffenden Personen gesagt wird. Es geht hier um ein wichtiges und sensibles Thema.
        Ich finde es sehr gelinde gesagt „unreif“, dass man bei einem solchen Thema nun eine Riesendiskussion zu etwas ganz anderem veranstaltet.
        He Leute, wenn ihr oder eure Angehörigen noch nie von einer Depression betroffen wart, dann seid doch einfach mal still – hört zu!!!! (Denn vielleicht betrifft es euch (selbst/Angehöriger/Freund) morgen schon und dann wärt ihr vielleicht froh, ihr hättet besser zugehört.

      • Jänu sagt:

        @Roxy: Erstens ist es die Autorin selber, die Twitter so nutzt, niemand anders hier und zweitens, was wissen Sie schon darüber, ob die Schreibenden hier keine Erfahrungen mit Depressionen gemacht haben? Also ich kann Ihnen sagen, was ich erleben musste geht ganz weit über das hier Besprochene hinaus. Da würden Sie nur noch leer schlucken, als solche abgehobenen Belehrungen zu äussern.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: Ich sehe keinen Streit. Aber dass Sie das so sehen passt zu dieser Empfindlichkeit, die hier offenbar gepflegt wird.
        Und ich habe sehr genau gelesen, was da steht. Und noch viel mehr, was Betroffene berichten – ist Ihnen auch aufgefallen, wie die Antworten dort jeweils ausfallen?
        Ist es denn unreif, eine meiner Meinung nach sauber abgetrennte Nebendiskussion zu führen, oder liegt das Problem nicht viel mehr darin, dass in den Texten solche Diskussi onen immer wieder geradezu provoziert werden? Man hält ja durchaus den Finger auf wunde Punkte, oder?
        Also: Ich werde weiterhin aufmerksam zuhören, wenn jemand aus Erfahrung berichtet. Und ich werde weiterhin dort etwas schreiben, wo ich mich für kompetent halte.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Reincarnation
        @Katharina

        danke!

    • Adam Riese sagt:

      @mila: Ich fühle mich durch Ihre Worte angesprochen. Ich war selbst betroffen von dieser Depression mit meinem ersten Kind. Nur habe ich mich nicht gegen „böse“ (oder viel eher ehrliche?) Kommentare aus meinem Umfeld reflexartig und in Kampfmanier gewehrt sondern den Inhalt dieser Aussagen neutral/sachlich hinterfragt. Mein Schluss: Ich durfte mich nicht länger zum Opfer meiner Krankheit machen. Denn ich war durch mein Verhalten selber dafür verantwortlich, dass es so weit kam. Also durfte ich mich nicht länger dahinter verstecken, mich selbst bemitleiden und Verständnis erwarten. Ich musste vorwärts schauen und den Finger rausnehmen. Pensum reduziert, Erziehungsstil hinterfragt, Prozesse optimiert. Von nichts kommt nichts. Sich gegenseitig zu bemitleiden bringt aber niemandem etwas.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Adam Riese – sie bringen ja alle Vorurteile gegen Depressionen auf einen Punkt „ich war selber dafür verantwortlich“.
        Das ist ja genau das Übel, dass die Menschen so denken. Und glauben Sie mir, ich bin der Erste, der sich immer selbst an der Nase nimmt. Aber eine Depression ist eben genau NICHT immer selbst gemacht. (Vielleicht war das in ihrem Fall so – aber das heisst überhaupt nicht, dass das immer so ist.)

      • Adam Riese sagt:

        @RoXY: Wie wir mit einer Depression umgehen, ist unsere eigene Entscheidung. Oder sind Sie genauso verständnisvoll einem Pädophilen gegenüber, der ja auch nichts für seine Krankheit kann? Folglich sollte man ihn schön in Ruhe lassen und einfach nur zuhören? Und bemitleiden? Aber ja nichts sagen dürfen, weil man selber ja nicht betroffen ist? Nein. Jeder soll das Recht haben, auch oder gerade aus neutraler Warte seine Meinung zu sagen. Jeder und jede kommt aus der Depression raus, wenn er/sie es will und sich entsprechend damit auseinandersetzt. Wir haben hier viele Tipps gelesen, wie man hormonelle Depressionen in den Griff bekonmt. Ambulante Therapeutische Massnahmen bis hin zu mehrwöchigen Kuren sind weitere Möglichkeiten. Nur bedeutet dies mitunter sehr viel Arbeit und K(r)ampf.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Reincarnation

        ebenfalls hier, merci!

        @Adam Riese
        einzig bei einer Erschöpfungsdepression, oder einfach hochgradiger Erschöpfungssymptomatik welche nicht zwangsläufig mit klassischen Depressionsmerkmalen (nur noch schwarzen Tunnel sehen, keinerlei Perspektiven) lassen sich, und nicht mal da- ausschlaggebend sind auch hier die Summe von Ereignissen welche zur Erschöpfung geführt haben- „selbstverantwortliche Faktoren“ niet/nagelfest erurieren- aber wissen Sie was? Meist betrifft das ja dann Leute welche alles andere als „Finger im A“ unterwegs waren… .

      • Carolina sagt:

        Danke, RoXY. Ich habe diesen Blog jetzt erst gelesen, erlaube mir, meine Eindrücke hier aufzuschreiben:
        Es hat etliche Frauen hier gegeben, die ehrlich und offen ihre eigenen Erfahrungen geschildert haben und dann ein paar, die hilfreiche Hinweise gegeben haben. Für manche dieser Frauen muss es wie ein Schlag ins Gesicht sein, wenn (von Männern in der Regel) dann relativiert, verharmlost, kleingeredet, auf den Nicht-Krankheitswert hingewiesen wird. Und es geht eben kein Weg daran vorbei, dass die gelöschten Posts anscheinend sämtlich von Männern waren.
        Ich bin übrigens – wie immer – der Meinung, dass jeder das Recht hat, auch die andere Seite (in diesem Fall die Betroffenheit von Männern) zu erwähnen; dass ein öffentlicher Blog dazu da ist, auch nicht so genehme Meinungen

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Adam Riese

        an Ihnen ist wohl der Top-Psychiater verloren gegangen?

        „Jeder und jede kommt aus der Depression raus, wenn er/sie es will und sich entsprechend damit auseinandersetzt.“

        Gilt das auch für an Krebserkrankte und sonst chronisch-Betroffene? Die müssen nur genug wollen und sich entsprechend auseinandergesetzt haben?

      • Adam Riese sagt:

        @RoXY: Natürlich ist die Depression immer selbst verschuldet. Oder werden wir zum Elternsein gezwungen? Jeder von uns, der sich einigermassen informiert, kennt die Risiken, die eine Schwangerschaft und die Folgen einer Geburt mit sich bringen. Deshalb darf man etwas mehr Eigenverantwortung erwarten. Selbstverständlich soll man Kranke Menschen unterstützen und ihnen helfend zur Seite stehen. Sei es nun der Pädophile, der Schizophrene oder eben der Depressive. Aber es hilft schon sehr, wenn man sich selber nicht als Opfer sieht, sondern anerkennt, dass man diesen Weg selber gewählt hat und daher auch selber dafür verantwortlich ist, wieder da rauszukommen. Mit oder ohne Hilfe. Positives Denken versetzt Berge. Aber bitte nicht hinter der Krankheit verstecken und in Selbstmitleid zergehen.

      • Carolina sagt:

        /2 zu zeigen. Ansonsten verstehe ich aber ganz und gar nicht, warum man bei Nicht-Betroffenheit dieses Thema nicht einfach zur Kenntnis und mit einem gewissen Wohlwollen lesen kann, ohne es dann qualifizieren zu wollen. Ob wir das nun wollen oder nicht: Eine Depression, ob pp oder nicht, spielt sich nicht nur in einem wissenschaftlich messbaren Bereich ab, sie ist auch meistens mit höchster Emotionalität verbunden. Und es sollte doch möglich sein, ohne gehässige, kleinliche und kindische Entgegnungen diese Erlebnisse schildern zu dürfen.

      • Carolina sagt:

        Redaktion: Ich kann einfach nicht begreifen, dass ganz normale Beiträge, die völlig der Sache dienen, wegen bestimmten Catchwörtern ins Netz fallen – es stört den Verlauf ungemein, wenn zueinandergehörige Beiträge zu völlig unterschiedlichen Zeiten veröffentlicht werden! Das ging doch lange gut, warum muss daran jetzt wieder herumgedoktort werden?

      • Carolina sagt:

        Schliesse mich BS an, AR. Es ist erwiesenermassen die sinnloseste Methode, einem Menschen mit Depressionen zu sagen, er solle sich mal zusammenreissen und den Finger aus dem A…. nehmen! Damit können Sie riesigen Schaden anrichten.
        Wenn es stimmt, dass Sie ohne äussere Hilfe und nur als Willensakt aus einer wirklichen Depression (und damit meine ich keine temporäre Melancholie) herausgekommen sind, haben Sie verd…..es Glück gehabt, sind aber eine Ausnahme. Und es steht Ihnen ganz sicher nicht zu, diese Erfahrung zu verallgemeinern.

      • Adam Riese sagt:

        @Frau Steiner:

        Dass Sie Krebs mit Depression vergleichen, ist jetzt schon etwas gar heftig. Nein, eine zerstörte Lunge bringen sie auch mit grösster Willenskraft nicht mehr zum Funktionieren. Aber mit einer Depression lässt sich gut leben, wenn man die richtigen Strategien kennt und auch anwendet. Sonst müsste man sämtliche Kliniken sofort schliessen, da sie ja nichts nringen.

        Ob man sie immer vollständig heilen kann, bezweifle ich. Aber Sie lernen damit zu leben, sodass das eigene Leben und dies des betroffenen Umfeldes wieder lebenswert ist. Und darum geht es schlussendlich. Wenn ich mich aber in meinem Schneckenhaus verkrieche, wird ganz sicher nichts passieren. Und das ist es, worauf ich hinaus will.

      • Sportpapi sagt:

        @Caro: Bist du der Meinung, dass Frauen, die hier „die ehrlich und offen ihre eigenen Erfahrungen geschildert haben und dann ein paar, die hilfreiche Hinweise gegeben haben“, dass diese Frauen in irgendeiner Form ungebührliche Antworten erhalten haben?
        Und: „relativiert, verharmlost, kleingeredet, auf den Nicht-Krankheitswert hingewiesen wird“. Ich für meinen Teil habe hier eigentlich sehr sorgfältige, sehr differenzierte Beiträge gelesen. Ausser du beziehst dich einzig auf ML, wobei auch er zwar relativiert hat, aber doch die Geschichte sachlich erläutert hat. Oder nicht?

      • Sportpapi sagt:

        AR hat eigentlich nicht von „ohne fremde Hilfe“ gesagt. Ich verstehe ihn eher als Hilfe suchen und annehmen. Und so weit es geht im Anschluss präventiv ein paar Veränderungen im eigenen Leben vornehmen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Auch ein Hausarzt oder ein Gynäkologe kann eine der sehr seltenen Depressionen nicht von der häufigen depressiven Verstimmung ohne Krankheitswert unterscheiden. Da hilft nur die Konsultation eines Psychiaters. Der Austausch von zufälligen, unsachlich geschilderten Erfahrungen ist nicht nur wertlos, sondern kontraproduktiv. Das ist ein Mechanismus, warum psychiatrische Laien 20% Prävalenz an Depression zu sehen meinen, obwohl es tatsächlich so bei 2-3 % sind.

        Wer einmal eine depressive Frau im Schub gesehen hat, verwechselt das nicht mehr. Nur gesehen hat kaum jemand ausserhalb der stationären Psychiatrie so eine Frau. In meinem privaten Umfeld habe ich in Jahrzehnten nur eine Depression erlebt.

      • Adam Riese sagt:

        Noch zur Erklärung, wie ich das mit dem „selbst verschuldet“ meine: Jede Depression hat ihren Ursprung. Eine Verkettung ungünstiger Ereignisse und Einflüsse. Dies kann eine Geburt sein, ein familiäres Drama, ein Jobverlust oder eben körperliche Fehlfunktionen, die aber auch aus irgendeinem Grund entstehen. Wenn ich mir klarwerde, dass ich Herr über mein Denken und über meinen Körper bin und entsprechend die Verantwortung dafür trage, kann ich eher akzeptieren, dass ich Gegensteuer geben muss, weil eben nichts „einfach so“ passiert. Sehe ich mich aber als armes Opfer, das gar rein nichts für seinen Zustand kann, wird es viel schwieriger, da wieder rauszufinden. Und das Verständnis des Umfelds wird extrem strapaziert. Bis hin zur totalen Abwendung. Dann wurde meine Opferrolle bestätigt.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Herr Riese – wie gesagt: ich bin der Erste, der glaubt, dass wir bis zu einem gewissen Grad selbst unser Schicksal bestimmen.
        Aber in einer mittelschweren bis schweren Depression ist der Betroffene gar nicht mehr in der Lage, sich solch konstruktiven Gedanken zu machen. Wird ihnen jede Fachperson bestätigen. Uns ist nicht bewusst, wie viel die „Chemie“ ausmacht, wenn sie nicht im Lot ist. Manchmal braucht es Medikamente.
        Ich habe einen Fall erlebt, wo eine extrem schwere Depression, der keine Worte und Bemühungen mehr helfen konnte, praktisch über Nacht verschwand, als ein einziges Medikament abgesetzt wurde.
        Psychische Erkrankungen gibt es wirklich und die sind genau so real wie Krebs. (Inwieweit physische Krankheiten psychische Ursachen haben, sei nun mal dahin gestellt.)

      • Reincarnation of XY sagt:

        ML – sie erzählen nun einfach ein bisschen Käse.
        Genauso wie mit ihrer Behauptung bezüglich „6 Wochen“ etc.
        Eine Psychiater wird bei Symptomen die länger als 2 Wochen andauern, nicht bloss von einer depressiven Verstimmung reden, wie Sie das tun.
        Das Problem sind eben eher Ärzte, die Depression nicht als Krankheit erkennen und deshalb ihre Patienten nicht an Psychiater weiterleiten. (Von wegen 10 mal zu viel diagnostiziert.)

      • Muttis Liebling sagt:

        RoXY, was ich zu medizinischen Themen schreibe ist fast immer nur der aktuelle Stand der Literatur. Ich kann nicht zu jedem Thema eine eigene Meinung haben.

        Die Literatur sagt: Eine echte Depression ist zu selten, als dass nur eine Minderheit die jemals in der freien Wildbahn erlebt, geschweige denn, selbst durchmacht.

      • Carolina sagt:

        ML: In wieweit soll das hilfreich sein für die Betroffenen und ihr Umfeld? Ihnen ist es doch in der Regel völlig egal, ob der Schweregrad der Depression nun feststeht – wir alle wissen, dass das Thema Depressionen ein weites Feld sind. Da sich D auch hinter physischen Krankheiten verstecken können, in Episoden, mit ganz unterschiedlichen Symptomen (z.B. wird bei Männern öfter erhöhte Aggressivität beobachtet, Frauen tendieren zum kompletten Rückzug), die Ursachen oft nicht eruierbar sind, muss doch das wirklich Wichtige sein, wie Menschen in dieser Lage geholfen werden kann. Tatsache ist eben, dass nicht nur bei den von Ihnen, angeblich so seltenen, wirklich Depressiven eine hohe suizidale Neigung auftritt, grosse Lebensangst, eventuell das Umfeld gefährdende Aggressionsverhalten

      • Carolina sagt:

        /2 Panikattacken, erhöhtes Suchtverhalten etc, sondern Sie viele dieser Symptome eben auch bei einer PP-Depression oder depressiven Episoden finden (von der Sie erst im nachhinein wissen, ob sie rezidiv sein werden oder nicht), der Sie keinen Krankheitswert zuschreiben. Das halte ich für fahrlässig.
        Richtig ist es sicher, um endlich mal wieder zum Thema zurückzukommen, einer Frau, die nach einer Geburt den Babyblues hat, nicht gleich Krankheitscharakter zu geben, sondern ihr und ihrer Familie zu vermitteln, dass diese Gefühle völlig normal und natürlich sind. Trotzdem sollte man sie beobachten und vor allem ernst nehmen, wenn dieser Blues länger anhält oder während der nächsten Monate andere Symptome hinzukommen. Wichtig ist noch, dass viele Betroffene in dieser Situation

      • mila sagt:

        @Adam Riese, wie weiter oben erwähnt kenne ich mit dem Thema (langjährige) Depression bestens aus. Der Weg zurück in ein ’normales‘ Leben war hart und ohne Eigenverantwortung nicht zu meistern. Soweit meine Zustimmung. Aber wie Sie sich hier mit Ihrer Heilung brüsten und meinen, Sie wüssten aufgrund Ihrer eigenen Erfahrung alles über jegliche Erfahrung mit Depressionen, das befremdet mich doch sehr.

        Zudem: uns allen fiele es einfacher, fremde Meinungen anzuhören und entsprechende Inputs daraus aufzunehmen, wenn diese jeweils in guter Absicht geäussert würden. Aber oft dient ‚Kritik‘ dazu, via Rückversicherung die eigene (fehlende) Selbst-Sicherheit aufzupolieren, das Ego in der Richtigkeit des eigenen Handelns zu bestätigen, eigenen, ressentimentgespeisten Frust abzubauen,

      • Carolina sagt:

        /3 gar nicht in der Lage sind, ihre Befindlichkeiten zu schildern und nach Hilfe zu fragen – deshalb ist auch eine Sensibilisierung des Umfeldes so wichtig. Zu verlangen, wie SP das irgendwo tut, dass man halt mit dem Partner sprechen muss, beweist nur, dass man keine Ahnung vom Wesen von Depressionen, egal welcher Stärke, hat – manche Menschen sind vielleicht dazu in der Lage, andere aber nicht.

      • mila sagt:

        oder einfach nur jemandem, dem es scheinbar so viel besser geht als einem selbst, bei erster sich bietender Gelegenheit vor den Bug zu schiessen. Solcher ‚Kritik‘ lässt sich wenig mehr abgewinnen als der reflektierte Versuch, es möglichst oft selbst besser (oder schlicht: anders) zu machen. Wenn
        man nicht gerade in rhetorischer Kill-Bill-Stimmung ist.

      • Sportpapi sagt:

        Ich habe aber auch geschrieben: „Was ich aber selber schon erlebt habe als Mensch und Partner, der Hilfe anbieten wollte und eigentlich auch konnte – dass die Betroffenen sehr Mühe hatten, Hilfe anzunehmen bzw. ihren Zustand auch als Krankheit wahrzunehmen. Und da steht man dann tatsächlich ohnmächtig daneben.“

      • Carolina sagt:

        SP: Ja, das hast Du tatsächlich geschrieben – aber begreifst Du nicht, dass genau das Symptome von Depressionen sein können (nicht müssen)? Und ja, ich verstehe sehr, sehr gut, wie schwierig es ist als Partner, als Familie von Depressiven. Und es ist auch richtig – und das schrieb ich oben – auch beim Umfeld anzusetzen. Aber der Depressiven sozusagen Vorwürfe für etwas zu machen, was für sie selber nicht ersichtlich/verständlich ist, heisst für mich nur, dass Du auf einer Sachebene verharrst, auf der sich diese Krankheit eben nicht allein erschliesst.
        Im Gegenteil: wie ich oben schrieb, habe ich es selber erlebt, dass es relativ knallharte Folgen haben kann, wenn vom Umfeld Sätze wie ‚reiss Dich mal zusammen‘, ‚denk einfach positiv‘ etc fallen……..

      • Sportpapi sagt:

        @Caro: Klar begreife ich das. Und nein, es geht nicht um Vorwürfe. Aber natürlich ist der Schweregrad durchaus relevant – vom Blues zur Depression heisst ja nicht umsonst der Titel – und insofern ist es doch normal, dass man es erst einmal mit Ratschlägen und Entlastung versucht. Und vermutlich in den meisten Fällen erfolgreich ist. Ansonsten ist Rat und Behandlung eines Fachmanns erforderlich, was aber eben nur geht, wenn die Einsicht da ist, dass da überhaupt etwas behandelt werden muss oder zumindest kann.
        Also: Es geht nicht um Vorwürfe. Sondern darum, die Situation zu ändern, eine Behandlung in die Wege zu leiten. Und da braucht es wohl schon auch einmal klare Worte aus dem Umfeld, oder?

      • Adam Riese sagt:

        Ich finde es einfach sehr schwierig, es den Betroffenen rechtzumachen. Hält man sich raus, weil man ja keine Ahnung davon hat, wird es als Verständnislos und ignorant angeschaut. Gibt man eine neutrale Meinung als Aussenstehende Person, die sich nicht mit dem Erlebten deckt oder einen wunden Punkt trifft, heisst es, man soll sich raushalten, weil man eh keine Ahnung habe, was dieser Zustand bedeute.

        Bei diesem Thema geht es hauptsächlich um depressive Mütter, die sich nicht ernstgenommen und missverstanden fühlen, weil sie nicht über ihre Befindlichkeiten reden dürfen aber eigentlich wollen. Und es wird gefordert, dass die Gesellschaft dieses „Tabu“ brechen soll. Ein Tabu kann aber auch dadurch entstehen, dass man gewisse Rückmeldungen nicht hören will und deshalb lieber schweigt.

      • Reincarnation of XY sagt:

        ML – ja sie beziehen sich immer auf irgendetwas, das wir Normalsterblichen dann nicht verifizieren können. In besagtem Thema ist es nun mal so, dass ich wenigstens eine Fachperson persönlich kenne, die ihnen diametral widersprechen würde.
        Dazu auch zahlreiche Literatur von Fachpersonen.

        Carolina – das haben sie sehr gut beantwortet, danke. Manchmal bleibt Angehörigen nichts übrig als selbst eine Fachperson zu kontaktieren, um es besser zu verstehen. Selbst der Einsichtigste kann hier an seine Grenzen stossen, weil es eben eine Krankheit ist.

      • Muttis Liebling sagt:

        @RoXY und auch Carolina, für einen schnellen Überblick kann ich

        Markus Jäger: Aktuelle psychiatrische Diagnostik, Thieme 2015

        empfehlen. Insbesondere die Ausführungen zur Differentialdiagnose Depression gegenüber der depressiven Verstimmung.

        Ansonsten hilft die Beschäftigung mit dem AMDP- System weiter. Tiefere Einblicke in die moderne Psychiatrie kann man bei

        Andreas Heinz: Der Begriff der psychischen Krankheit, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 2108, 2014.

        sehr gut zusammengefasst finden. Depression ist bei Heinz keine eigenständige Krankheit mehr, sondern nur noch ein Symptom. Der Gedanke wurde im DSM 5 bereits partiell aufgegriffen, bzw. stammt daher.

      • Reincarnation of XY sagt:

        OK ML – danke für den Buchtipp –
        Wie immer gibt es bei Ihnen ja nur „eine Wahrheit“ und die verkünden sie dann auch in aller Verkürzung.
        Ich habe mich mal etwas schlau gemacht, was Heinz für ein Anliegen hat. Das kann ich als Laie nachvollziehen und es ist für eine wissenschaftliche Diskussion sicher berechtigt.
        Nichtsdestotrotz würden mir bekannte Psychiater ihren hier geäusserten Pauschalbehauptungen widersprechen. Was diese von den Ansichten dieser Kollegen halten, weiss ich nicht.
        Ich weiss aber, dass „Fakten“ je nach Zusammenhang in einer Diskussion auch richtig zitiert/Interpret werden müssen, sonst läuft man Gefahr selbst mit einer an sich richtigen Aussage, etwas komplett falsches zu sagen. (Z.B. wenn man von einer anderen Definition ausgeht, als die Diskutierenden.)

      • Muttis Liebling sagt:

        @RoXY, MamaBlog ist weder ein Medizin- noch ein Wissenschaftsforum. Deshalb kann ich nur pauschalisieren, wenn die Autorin einen Diagnosebegriff einführt, der nicht aus der Medizin, sondern aus dem Laienerleben stammt.

        Sie haben das mit den verschiedenen Definitionen sehr sicher ausgedrückt. Es schadet der Medizin, im speziellen der Psychiatrie, wenn die subjektiv verwässert wird. Es existiert ein gesellschaftliches Bedürfnis nach Mengenausweitung in Krankheit und ein individuelles, als krank zu gelten. Das hat dieser Blog bedient und dagegen argumentiere ich in der unzureichenden Tiefe, welche dieses Gefäss erlaubt.

      • Katharina sagt:

        ‚Das ist ein Mechanismus, warum psychiatrische Laien 20% Prävalenz an Depression zu sehen meinen, obwohl es tatsächlich so bei 2-3 % ist.‘

        Die Uni Cornell hat neulich dies gesagt:

        ‚Approximately 10 percent of Americans are diagnosed with clinical depression each year. It is, by some estimates, the leading cause of disability in many developed countries.‘

        Weiter: klinische Depression scheint auf abnormalen Verbindungen im Gehirn zu beruhen:

        http://neurosciencenews.com/depression-subtypes-neuroimaging-5691/

        Das stellt dann die Frage, inwieweit eine post-partum Depression durch temporäre Veränderungen solcher neurobiologischer Verbindungen ausgelöst werden können und ob und wie hormonelle Wechsel auf das komplexe Signalsystem im Gehirn Einfluss nehmen.

      • Katharina sagt:

        Zu A. Heinz hier eine lesenswerte Rezension:

        http://zfphl.de/index.php/zfphl/article/view/92/191

        Im Kontrast dazu sagen die Leute von Cornell dies:

        “Brain scans are objective.” und:

        “Subtyping is a major problem in psychiatry,” Liston said. “It’s not just an issue for depression, and it would be really valuable to have objective biological tests that can help diagnose subtypes of other mental illnesses, such as psychotic disorders, autism and substance abuse syndromes.”

      • Roxy sagt:

        Danke Katharina

        ML – ich glaube sie haben meinen Vorwurf nicht ganz genau verstanden.

      • Muttis Liebling sagt:

        Das wird so sein, RoXY.

        Ob 3, 10, 20% ist nur die Frage, wie man die depressive Verstimmung von der Major Depression (DSM 5) abgrenzt. Das dürfte sowohl lokalen Gewohnheiten (USA != CH != D), als auch Klinikrichtlinien unterliegen. Kommt hinzu, dass die Kriterien des ICD 10 nicht mit denen des DSM 5 decken. So dürfen wir alle recht haben und die Diskussion friedlich beenden. Heute ist ja MB- Ruhetag.

      • Muttis Liebling sagt:

        Da wir schon relativ weit weg von der Ausgangssituation PPD sind, noch eine Bemerkung vor allem an Katharina.

        Ich postuliere, weiss es also nicht, das Psychosen Krankheiten ohne morphologisches, physiologisches und selbst biochemisches Substrat sind. Das SSRI bei Depression wirken, heisst ja nicht zwingend, dass der Serotonin- Stoffwechsel ursächlich im Spiel ist. Umgekehrt, hat ein Phänomen ein biologisches Pendant, ist es keine Psychose.

  • Adina sagt:

    2. Was mir geholfen hat war eine 3-fache Mutter, die ich damals regelmässig traff und die bemerkt hat mir geht es nicht gut. Sie hat mich damals angesprochen, 1 mal, 2 mal, das 3te mal hat sie mir erzählt dass sich ihre Schwägerin nach dem dritten Kind sich selbst umgebracht hatte. Postpartale Depression. Dannach ist sie selber in Tränen ausgebrochen, und hat noch gesagt sie hätte ihr eigenes drittes Kind nach diesem tragischen Vorfall bekommen. Und dass sie es gut schafft, es ginge allen, ihr inklusive, gut!
    Da habe ich mich selber zusammengeriessen und festgestellt, es geht mir noch eingermassen ok und es soll mir weiterhin möglichst gut, ja sogar besser gehen. Ich hab mehr auf mich geschaut und es ist besser geworden.

  • Adina sagt:

    1. Eigentlich wollte ich den Hobby wechseln, und hier seltener mitkommentieren. Aber dieses Thema ist doch auch sehr wichtig. Und es tut mir schrecklich leid zu hören dass auch andere Mütter betroffen waren/sind.
    Jane B. hat recht, mit dieser Blase und die Einsamkeit. Aber manches hängt nun mal nur an der Mutter (Stillen zB). Zum Glück werden da Glückshormone ausgiebig ausgeschüttelt, wohl aus gutem Grund… Mir war es gar nicht bewusst wie sehr sich das Mutterwerden auf das Gehirn auswirkt!
    Ich hab halt Pech gehabt, bei mir kamen mehrere Sachen zusammen. Nur dank meinem angeborenen Optimismus bin ich am Leben geblieben. Und meinem lieben Mannes und meiner gutmütigen Mutter.

  • Vanessa sagt:

    Danke für den Artikel! Ich möchte als wichtige Zusatzinformation darauf hinweisen, dass Depressionen auch erst beim Abstillen auftauchen können. Ich selbst hatte nach dem relativ raschen Abstillen im 5. Monat nach der Geburt plötzlich ziemliche Stimmungsschwankungen und habe mich darum über diesen Zusammenhang informiert.

  • Jane Bissig sagt:

    Ein Problem bei Depressionen, wie auch bei anderen Unglücken, ist ja, dass es die Leute schnell langweilt. FreundInnen, die auch am Ball bleiben, wenn es länger dauert, muss man erstmal haben. Wenn man dann zusätzlich frisch Mutter ist, also mit einiger Wahrscheinlichkeit sowieso aufpassen muss, dass man sich nicht einsam fühlt, macht es das nicht leichter. Das Leben mit kleinem Baby hat ja etwas von einer Blase, in der man lebt. Wenn es dort drin traurig und trostlos ist weil man eine Depression hat… Das stelle ich mir grausam schwierig vor.

  • Larifari sagt:

    Vielen Dank für den Artikel. Ich war selber betroffen und wurde Gott sei Dank mit Medikamenten und Therapie wieder gesund. Weil es so ein Tabuthema ist, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, das Thema immer mal wieder zur Sprache zu bringen, wenn ich mit einer Neumutter spreche – eben sagen, dass es okay ist, wenn sie sich nicht gut fühlt und sie mit ihrer Hebamme oder ÄrtzIn oder mit mir darüber sprechen kann. Viele schauen erstaunt und sagen „Das hätte ich bei Dir nie gedacht“, aber das ist ja eben das Vertrackte, jedeR kann an Depressionen erkranken und man sieht es den Leuten von aussen nicht an. Drum: Sprecht drüber, weist auf Hilfsangebote hin, sprecht die Mütter an, von denen Ihr denkt, dass es vielleicht nicht alles supertoll ist. Danke!

  • 13 sagt:

    Danke für diesen Beitrag. Es ist ein wichtiges Thema auf das hingewiesen werden sollte, aber gerade in Geburtsvorbereitungskursen, Gesprächen und Untersuchungen wenig Platz hat. Nicht ganz verstehe ich aber, warum eine Psychotherapie v.a. für Stillmütter empfohlen wird. Wie ist das gemeint? Grundsätzlich beugt das Stillen durch die Hormonausschüttung Depressionen vor und hilft beim Bindungsaufbau, was natürlich nicht heisst, dass eine Frau, die stillt, nicht eine Depression entwickeln kann.

    • Vierauge sagt:

      gemeint ist, dass Stillmütter besser erstmal keine Medikamente, dafür aber eine Psychotherapie machen sollten. Für alle anderen ist eine Psychotherapie auch gut, zusätzlich sind aber Medikamente eine Option.

  • tommaso sagt:

    „Von einer jungen Mutter erwartet die Gesellschaft, dass sie vor lauter Glückseligkeit dauerlächelnd und mit wogenden Stillbrüsten durch den neuen Alltag mit Baby schwebt.“ Nein, tut sie nicht, jedenfalls nicht im richtigen Leben…

    • Ulrich Gassner sagt:

      Ich habe mich bei diesem Beitrag auch zum wiederholten Mal gefragt, auf welchem Planeten sich das abspielen soll.

      • Michael sagt:

        Wäre mal interessant zu erfahren, woher die Frau Meier diese Auffassung hat, das die Gesellschaft eine stets glückseelige Mutter erwartet.

    • Sportpapi sagt:

      Ein weiteres Tabu!

      • Reincarnation of XY sagt:

        Postnatale Depressionen sind immerhin noch „anerkannter“ als Depressionen an sich. Jeder kennt den Baby Blues. Und ein rapider Gemütswechsel nach einer Geburt, hat leichter die Chance, als Krankheit erkannt zu werden.

        Wenn jemand an einer Depression leidet, geht es oft sehr lange, bis das Umfeld begreift, dass es um eine Erkrankung geht. Das ist das Problem.
        Es ist nicht unbedingt ein Tabu, sondern man versteht es nicht. Das ist das Problem. Deshalb sollten Depressionen im allgemeinen mehr thematisiert werden.

      • Muttis Liebling sagt:

        Nein, RoXY, es ist umgekehrt. Die Diagnose postpartale Depression gibt es weder im ICD 10, noch im DSM 5.

        Es besteht in der Psychiatrie weitgehender Konsens zum Bestehen gelegentlicher Episoden leichter depressiver Verstimmungen, die aber keinen Krankheitswert haben und damit keiner Therapie bedürfen.

        Einen ätiologischer oder pathogenetischer Zusammenhang zu Schwangerschaft und Entbindung wird verneint. Es ist nur auffälliger, wenn eine Postpartale melancholisch wird, als wenn das zu einem anderen Zeitpunkt passiert.

        Ein Psychiater würde erst nach 6 Wochen eine Therapie anbieten, dann aber eine allgemeine Diagnose, nicht PPD, stellen. Sonst zahlt die Kasse nicht. Kassen zahlen nur für die Behandlung von Krankheiten, nicht von Missempfinden.

    • Jänu sagt:

      @tommaso: Das sind wahrscheinlich (auf die Gesellschaft) projizierte eigene Erwartungen. Sie sagt ja, sie sei perfektionistisch. Es ist halt einfacher und sehr beliebt, die Gesellschaft pauschal für etwas verantwortlich zu machen. Es kann ja niemand beweisen, dass die Behauptung nicht stimmt. Interessant auch, was ML schreibt, dass es „postnatale Depression“ im ICD10 und DM5 gar nicht existiert. Ich würde gerne wissen, warum.

      • Muttis Liebling sagt:

        Ich habe das oben erwähnt. Der zeitliche Zusammenhang zur Geburt wird nicht als ursächlich angenommen. Alle Menschen haben ab und an depriforme Episoden, die werden bei Bestehen meist verdrängt und hinterher vergessen. Nicht aber postpartal, da steht die Frau unter stärkerer Fremd- und vor allem Selbstbeobachtung.

        Dazu kommen die wenigen Frauen, welche schon vor der Schwangerschaft echt depressiv waren. Eine eventuell bestehende Therapie wird unterbrochen, was bis zur Geburt wegen maniformer Grundstimmung auch möglich ist. Dann aber kommt die Rache für den Therapieunterbruch. Das sind die schweren Fälle.

        Die Geburt ist nicht ursächlich, sondern bestenfalls vermittelnd für die seltenen Krankheitsfälle und die häufigeren Stimmungs- Episoden.

      • Jänu sagt:

        Danke ML. Wenn es also keine spezielle postportale (-natale) Depression gibt, resp. diese nur durch eine scheinbare Korrelation feststellbar ist, dann stellt sich mir die Frage, warum die Autorin das nicht einordnet. Wenn man über solche Themen schreibt, ist es doch allererste Pflicht, sich damit näher auseinander zu setzen.
        Aber vielleicht geht es im MB gar nicht um das Auseinandersetzen, sondern um persönlich wahr genommen zu werden. Der Gegenspieler ist meist, wie man hier auch wieder liest, die Gesellschaft, resp. die ihr zugeschriebenen Erwartungen, die sie gegenüber den Leidenden so unbarmherzig hat.

      • Barbara Labbé sagt:

        Die Tatsache, dass die eigene Befindlichkeit keine Korrelation im ICD-Katalog hat (wow, alle diese Fremdwörter!), wird die betroffenen Frauen bestimmt fröhlicher stimmen. Ich finde solche Kommentare hier schade. Vollgepumpt mit Hormonen, von denen sie nicht mal wusste, dass sie sie hat, und der über sie hereingebrochenen Verantwortung für das Leben(!) eines neuen Menschen, kann einer Frau nach der Geburt schon einiges über den Kopf wachsen. Was hätte ich damals darum gegeben, wenn ich am Morgen hätte zur Arbeit fahren können, anstatt mein Mann. Andererseits verstehe ich, dass die Männer das wirklich nicht nachvollziehen können, sie haben diese Hormonschübe einfach rein physiologisch nie erlebt, hier können sie nur daneben stehen, sich zurücknehmen und ihren (guten) Gefühlen gehorchen.

      • Sportpapi sagt:

        @Barbara Labbé: Glauben Sie wirklich, Männer können das nicht nachvollziehen? Die sind doch auch dabei, erleben alles mit, haben selber Ängste, sind ebenfalls todmüde und stehen ihren Frauen bei, so gut sie es selber auf die Reihe bekommen.
        Deshalb hat sich auch niemand hier negativ über die Frauen geäussert, denen alles über den Kopf wächst, die eine Depression erleben. Niemand hat das Thema an sich in Frage gestellt. Niemand hat sich despektierlich geäussert, auch wenn das schon wieder behauptet wird.
        Vielmehr wundert mann sich über die einmal mehr angeführten gesellschaftlichen Erwartungen und Tabus, die man doch selber so gar nicht erlebt.

      • Kaja sagt:

        Ich möchte darauf hinweisen, dass in der deutschsprachigen Version des ICD-10, dem ICD-10-GM sehr wohl ein Code für die postpartale Depression existiert (F53.0 und F53.1). Dieses Klassifizierungssystem ist für die hiesigen Krankenkassen ausschlaggebend.

      • Jänu sagt:

        Kaja, da steht jedoch auch, dass dies dann gilt, wenn eine Klassifikation an anderer Stelle als unangemessen erscheint. Erwähnt sind auch F53.1. was zu dem hier führt:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Postpartale_Stimmungskrisen

        Das lohnt sich durchzulesen. Darin steht, dass neben Frauen auch Männer (in kleinerem Masse) betroffen sind. Interessant auch der Abschitt über die Ursachen. Perfektionismus wird auch aufgeführt. Speziell sollte man auch auf Psychosoziale Ursachen achten. Dort wird das mehr das soziale Umfeld angeführt und weniger die Gesellschaft im Allgemeinen.

        Deutlich unterschieden wird zwischen Babyblues und PPD

    • tststs sagt:

      Mich stört dieser Teil auch; ABER genauso wenig wie „die Gesellschaft“ nach Dauerlächlerinnen verlangt, will „die Gesellschaft“ auch nicht, dass Mütter brutal ehrlich sind. Es gibt beides. Dementsprechend wünsche ich allen Müttern die Weisheit, die einen von den anderen zu unterscheiden und die Kraft nur auf die anderen zu hören!

  • Sofie sagt:

    Merci für dieses thema, war selber betroffen und niemand merkte es( psychologin, hebamme, hausarzt, frauenarzt, letztere sagte mir einfach ich soll es etwas lockere nehmen)leider sind oft auch fachkräfte unerfahren in diesem bereich! Und ja es ist ein riiiiieeesen tabu thema

    • Beatrice sagt:

      @Sofie,

      ja, da kann ich Ihnen nur zustimmen. Ich bin selber auch betroffen gewesen nach der Geburt des 2. Kindes vor 14 Jahren. Meine Mutter war die Einzige die realisierte, was geschah. Ich hatte Suizidgedanken und ertappte mich mit Gedanken, wie mein Mann wohl alleine mit den 2 kleinen Rackern den Alltag meistern wird.

      Rassig schickte mich meine Mom zum Arzt, der mir Antidepressiva verschrieb. Es ging zwar relativ schnell bergauf aber es dauerte eine lange Zeit, bis ich alles überwunden hatte.

      Im Nachhinein denke ich, dass ich nicht gleich Medis haette nehmen sollen aber damals wusste man einfach zu wenig. Und ich war wie ferngesteuert.

      Ich wuensche den jungen Muettern heute, dass sie selber das Tabu brechen und sich trauen darueber zu reden.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        So schön wenn man Hilfe hat: ich selber wurde bei Äusserungen von Suizidgedanken daran gemahnt, gefälligst an meine Kinder zu denken. Noch heute sind meine Depressionen bei einem Teil meiner Kernfamilie nicht existent.

      • Beatrice sagt:

        @Tamar,

        das tut mir sehr leid.

        In unserer Familie sind Depressionen und andere psychische Erkrankungen und Stoerungen fast normal! Mein Vater war depressiv, mein Grossvater, mein Cousin ist manisch-depressiv und weitere andere Familienmitglieder dieser Linie.

        Drum ist es bei uns kein Tabu!

        Was es aber nicht einfacher macht 🙁

        Zum Glueck hatte ich meine Mutter. Mein Ex-Mann vestand es ueberhaupt nicht, konnte nicht damit umgehen.

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