Die Nachbarsbuben in unserem Haus sind grossartige Jungs. Aber manchmal geben sie es sich ganz schön. Zum Beispiel jüngst der Fall mit der Socke, die zum Stein des Anstosses wurde. Auf selbige beliebte es nämlich dem älteren Jungen, seinen Hintern zu platzieren. Das empfand der Jüngere als groben Affront und verlangte eine umgehende Entfernung des Hinterteils von der Socke, was wiederum für den älteren eine Zumutung schien. Der Grosse blieb sitzen, der Kleine zerrte dran, verlangte vom Grossen, er möge sie freigeben, was der dann tat, allerdings nur, um sich auf den zarten Hals des Jüngeren zu stürzen. Da eilte die Mutter aus dem Garten herbei, um den bevorstehenden Brudermord abzuwenden.
Geschwisterzoff – das Problem ist in der Ratgeberliteratur sattsam bekannt. Drei- bis Siebenjährige streiten 3,5-mal pro Stunde, so eine Studie der University of Illinois. Zwei- bis vierjährige Geschwister geraten sogar alle zehn Minuten aneinander. Für Erwachsene, welche von den Kindern notorisch als Klagemauer oder Schiedsrichter angegangen werden, ist das eine echte Prüfung, die selbst den von Zen und Yoga gestählten Geist im Nu niederringt.
Die gute Nachricht ist, dass Geschwisterstreit zwar lästig, aber als soziales Lernfeld auch unheimlich wertvoll für die Entwicklung des Kindes ist. Die Ratgeberliteratur hat auch wertvolle Tipps im Köcher. «Ansonsten sollten die Erwachsenen alles daransetzen, dass ihre Kinder Streitereien gemeinsam ausdiskutieren – etwa indem sie ihnen eine Redeplattform bieten mit Fragen wie «Wie fühlst du dich?» oder «Wie geht es wohl deinem Bruder, deiner Schwester dabei?»»
Nur unterscheiden sich die Rahmenbedingungen des Mutteralltags von denen einer Therapiestunde dramatisch. In besagtem Fall der Nachbarsbuben etwa stürmte der jüngere Bruder nach dem Streit wutentbrannt in den Garten, wo ganz baff der Vermieter stand, der eben noch mit der Mutter die Details der Bepflanzung erörtert hatte und jetzt vom Sohn beinahe über den Haufen gerannt wurde, wobei er die Terrassentür so heftig zuschlug, dass dem Vermieter das Glas um die Ohren splitterte.
Das ist natürlich ein Extremfall, bei dem Eingreifen angesagt ist. Ansonsten aber, da sind sich die Ratgeber einig, ist jegliche Einmischung Gift – und eher soll die Mutter selber Gift schlucken, als dass sie sich einmischt. Ein ziemlich schwieriges Unterfangen, wenn man das Klagemauersyndrom bedenkt. Ich persönlich finde, es gibt nur ein Mittel dagegen: Bad Cop. Das heisst Sanktionen der Art zu ergreifen, dass die Kinder einen gleichermassen blöd finden, worauf sie sich oft im Nu gegen den bösen Feind einen. Und dieser ist das Problem für ein paar Minuten los.
Wie gehen Sie mit Geschwisterzoff um?



Nicole Althaus ist Autorin und freie Journalistin in Zürich. Seit beinahe zehn Jahren betreibt Nicole Althaus Feldforschung in der eigenen Familie: Die Autorin ist verheiratet und Mutter zweier Mädchen im Alter von 10 und 6 Jahren.
Michèle Binswanger hat Philosophie und Germanistik studiert, war als Künstlerin und Kletterin tätig und ist heute Redakteurin bei Tagesanzeiger/Newsnetz. Sie lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter (8) und ihrem Sohn (5) in Basel. 












































































@marc – halten sie sich an meine Ratschläge, dann werden sich die Konfliktsituationen drastisch senken – so sparen sie sich teure Yoga und Zenkurse
Was ich bei mir noch häufig feststelle ist, dass ich mich selber in Frage stelle wenn meine Kinder streiten! So nach dem Motto: Was habe ich falsch gemacht, bin ich verantwortlich dafür, habe ich versagt?
Ein Stück Vorbild gehört zum Leben ohne zu moralisieren. Ich hatte miserable Vorbilder, meine Eltern haben sich ständig gestritten, gegenseitig haben die sich zerfleischt und kaputt gemacht, mein Rettungsanker war die Schule durch diese Erfahrung habe ich mich entschieden ich mach das mal anders hab das in die Praxis umgesetzt, hat gut funktioniert. Meine Tochter ist als Einzelkind aufgewachsen, die Gspänli von ihr waren mir immer willkommen, da haben wir gemeinsam das Schoggispiel gemacht. Kinder unter sich können gut mit Konfliken umgehen, ich halte nichts von allzuviel Einmischung, Kinder brauchen Ansprechspartner wenn Not am Mann ist.
@xyxyxy:….danke für den hinweis. zur information, bei mir gibt es keinen zoff bis sich das wieder einrenkt oder “blut” fliesst. ich greife je nach auslöser und grund ziemlich zackig ein, aber lasse die beiden auch bei irgendwelchen pille-palle den streit/kampf austragen und versuche so ein gewisses gleichgewicht zu erhalten, nach dem motto bei gewalt klare grenzen, auseineindersetzungen erwünscht. gute erfahrungen habe ich auch gemacht wenn ich mitstreite, weil das ist dann nicht mehr so lustig für die kinder, weil dann ärgert sich ja keiner mehr
Im Sommer müssen unsere zwei grossen sitzen bleiben, bis sie einander eine Streicheleinheit gegeben haben, im Winter dürfen sie auf dem Balkon weiterzanken. Frühling und Herbst gilt je nach Wetter die erste oder zweite Methode.
…wetterfeste burschen, wie mir scheint.