Leben


Michèle Binswanger am Mittwoch den 25. November 2009

Der entlarvte Samichlaus

Ein Bilderbuchsamichlaus - nur der Bart wirkt unecht.

Ein Bilderbuchsamichlaus - nur der Bart wirkt unecht.

Es weihnachtet schon sehr – zum grossen Grauen vieler Zeitgenossen. Ja, im Dezember jagen sich die Traditionen: Adventssonntage, Samichlaus, Weihnachten, Silvester. Und stellen uns alljährlich vor die Frage: Warum tun wir uns diesen Stress eigentlich an? Darauf gibt es sicher viele Antworten. Zum Beispiel, weil man Kinder hat. Das ist ein guter Grund. Nicht wegen der Traditionen selbst, sondern weil sich an ihnen beobachten lässt, wie das Kind in die Welt hinein wächst und seinen Geist entwickelt. Nehmen wir zum Beispiel das einigermasse absurde Schauspiel, das in hiesigen Breitengraden jährlich für sie inszeniert wird: Samichlaus.

Wenn der in einen roten Mantel gekleidete Mann zum ersten Mal an die Wohnungstür pocht, um dann mit tiefer Stimme zu verkünden, was er in seinem grossen Buch alles notiert hat, macht das schwer Eindruck. Meine Kinder waren die ersten Male ganz Furcht und Zittern, obschon wir immer ausgesprochen freundliche Chläuse buchten. Und ich fragte mich jeweils, warum der gut alte Mann einen solchen Eindruck macht. Die ersten Male ist der Samichlaus ein singuläres Ereignis, das in den Alltag des Kindes einbricht und nach der kleinen Horroreinlage für süsse Belohnungen sorgt. Das Kind vergisst und wird im folgenden Jahr aufs Neue überrascht.

Doch wie die Kinder bei den Bilderbüchern irgendwann begreifen, dass es sich nicht nur um singuläre Bilder handelt, sondern diese eine Abfolge bilden, eine Geschichte erzählen, wo eines zum anderen führt, erkennen sie mit der Zeit auch, dass die Wirklichkeit eine Abfolge von Ereignissen ist, die sich zu Tagen, Wochen, Monaten, Jahren formen. Dass gewisse Ereignisse mit schöner Regelmässigkeit wiederkehren. Der Geist hat sich vom Schwamm zu einem Instrument mit Sinn für Zeit und Geschichte geformt.

Und jetzt beginnen seine korrosiven Kräfte zu wirken. Sie entdecken in der Abfolge der Chläuse verdächtige Inkohärenzen. Die Kinder beginnen Fragen zu stellen. Ist der Samichlaus eigentlich echt? Und wenn ja, warum sieht dann der Bart so unecht aus? Und was zeichnet diesen Samichlaus vor all den anderen Chläusen aus, die am 6. Dezember durch die Stadt ziehen? Irgendwann stellen sie dann keine Fragen mehr, sondern denken sich bloss noch ihre Sache, wie meine Tochter, die letztes Jahr mit zweifelnden Blick seine Robe musterte, unter der ganz ordinär Jeans hervor blitzten, die in etwas gar zu modischen Stiefeln endeten. Und der Sohn antwortete auf die Fragen des Samichlauses frech, warum er denn nicht einfach in seinem schlauen Buch nachschaue.

Das ist dann der Moment, wo sich die Eltern wiederum Fragen stellen müssen. Zum Beispiel, was der Zweck solcher Inszenierungen ist und ob man sie auch aufrecht erhalten soll, wenn die Fiktion durchschaut wurde.

Ich glaube, wir tun es, weil es eine Tradition ist und wir uns dadurch an die eigene Kindheit erinnern. Vielleicht ist es aber auch ein Ritual, das den Kindern genau diese Entdeckung ermöglichen soll, dass ihr Geist imstande ist, Fiktionen zu entlarven. Das mag einen als Mutter oder Vater vielleicht mit Wehmut erfüllen, weil es ein emanzipatorischer Schritt und damit Vorgeschmack auf die spätere Ablösung ist. Aber ich persönlich finde das schön. Die zweite Frage ist schon schwieriger zu beantworten. Bedeutet die Entlarvung des Samichlaus, dass man auf sein Erscheinen verzichten kann? Oder soll man die Tradition einfach um der Tradition willen beibehalten?

Wie halten oder hielten Sie es mit dem Samichlaus?

89 Kommentare zu „Der entlarvte Samichlaus“

  1. Thomas sagt:

    …die moderne forensik zählt heute allerdings zeugenaussagen zu den wohl unzuverlässigsten beweismittel. wenn sie dann noch soweit zurückliegen…

    und dass in einem heer von propheten auch mal der eine oder andere zufällig “richtig” liegt, ist statistisch gesehen nichts aussergewöhnliches – siehe börse. echter glaube braucht keine zeugen und keine propheten, heinz oswald, und schon gar nicht in heeresstärke.

  2. Heinz Oswald sagt:

    Thomas:”…”echter Glaube braucht keine zeugen”.
    Hier geht es nicht darum, wie echt ein Glaube ist, sondern, worauf ein Glaube sich gründet.

  3. Thomas sagt:

    …zeugnisse und prophezeiungen?

  4. Heinz Oswald sagt:

    @Andreas Kyriakou:”…Jesus macht natürlich nur Sinn, wenn man am Konzept von Hölle und Teufel festhält.”
    Es macht Sinn, wenn man den wahrhaftigen Worten von Jesus Christus glauben schenkt, wie beispielsweise: “Es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werden wird.”
    Es könnte mir beispielsweise niemand seinen Glauben anhängen, dass Jesus Christus Aussagen unterstellt worden seien oder, dass jemand seine Worte gefälscht hätte. Betrüger betrügen nicht zu Gutem!!!

  5. Brunhild Steiner sagt:

    Zur Abwechslung was zur Ehrenrettung der einigermassen echten Samichläuse, ich war, noch kinderlos, am 6.12. mit meinem Mann in der Innenstadt unterwegs. Da bog ein echter (von der Chlausgesellschaft) Samichlaus um die Ecke und sprach uns an. Darauf war ich überhaupt nicht gefasst, dachte die würden sich auf die Eltern mit Kindern “beschränken”. Naja, es hat mich jedenfalls aller Aufgeklärtheit zum Trotz, sehr berührt, und was er uns sagte werd ich nie vergessen.
    So ein kleiner Moment wo man ein Bein in der Märchenwelt hatte, ich denk gern daran zurück.

  6. Heinz Oswald sagt:

    Thomas: …zeugnisse und prophezeiungen?
    Diese Arbeit nehme ich Ihnen nicht ab – wie kann ich wissen, ob Sie aufrichtig die Wahrheit suchen:
    “Ihr werdet mich suchen und finden, denn wenn ihr mich von ganzem Herzen (!) suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.” Jeremia 29.13
    Sie wissen, was der Mensch vorab von ganzem Herzen sucht: Ehre vor den Menschen, Macht, Reichtum, Triebbefriedigung etc. , also gibt er – befangen! – vor, die Wahrheit zu suchen, und gibt sich die grösste Mühe, die Wahrheit zu meiden.

  7. Tamara sagt:

    @Brunhild 15.30h: Was hat er denn gesagt? – Ich wüsste kein Sprüchli mehr auswendig; Du?

    @H. Oswald, 15.34h: Ja, danke für die Belehrungen, die Religionsdiskussion hatten wir hier schon mal. Es geht heute um Samichläuse und Kinder.

  8. Brunhild Steiner sagt:

    @Tamara: ich wusste auch kein Sprüchli mehr, rsp. nur so irgendwie zusammengemueselt. Er hat uns einfach total väterlich angeschaut und mit tiefer Stimme gesagt “hebet Sorg zunenand ihr beide”, das ging mir einfach “fadegrad ins Herz” :-)

    @max: weiss ja nicht ob Sie mitlesend sind, aber Sie sehen, an der Stimme ist was dran…

  9. Heinz Oswald sagt:

    @Thomas:”…oder mit einem chlaussack von dann ziehen”
    @Brunhild Steiner:”…ich denk gern daran zurück.”
    Gut, die Zeiten haben sich geändert, aber der Chlaussack kann einem wirklich so in Erinnerung bleiben, dass man sich keine Mühe geben muss, daran zurückzudenken…:
    Im Kindergarten hat mich das Biest von einem Klaus irrtümlich in den Sack gesteckt, da er das verabredete Zeichen der Kindergärtnerin falsch deutete – ich strabelte als 5-jähriger Kopf nach unten im Chlaussack. Wenn es sich um eine Turnübung gehandelt hätte, so hätte ich laut gejauchzt, so aber erlebte ich einen Total-Schock, da ich erstens nicht wusste warum, und zweitens, wie lange ich da Kopfvoran im Sack bleiben werde. Ein rettender Gedanke hat mich dann plötzlich erfasst: Jetzt sehe ich dann endlich, wo der Chlaus wohnt. Ich habe die Hütte nie zu sehen bekommen. Denn, kaum war ich von der priviligierten Hoffnung beglückt, da riss mich das Biest wieder aus dem Sack. Ich durfte das Tageslicht wieder erblicken, mit Seelen-Marathonschüttelfrost – im Angesicht der ganzen 40-köpfigen schuldfreien Kinderschar – von A-Z nachhaltig beschissen! Vom Klausfresssack – Entschuldigung Thomas – weiss ich leider nichts mehr!
    Und nun passt auf, dass Euch diese Geschichte nicht zu Falschinterpretationen meiner bereits verlautbarten Begründungen gegen die Einrichtung Samichlaus verleitet…

  10. Katharina sagt:

    Guten Morgen Alle!

    @Alexander. Mir gefiel der belehrende Ton Ihrer Antwort nicht. Ich habe nur gesagt dass ich FINDE usw. Währe des Thema im Rahmen der Philosophie, dann waere es eben in einer ideologischen Sandbox und damit politisch neutraler. Ethik konsequenterweise eine der Fragen die in der Philosophie behandelt werden.

    “die rosa Brillen von fünf Religionen” ist eine ideologisch wertende formulierung, genau, was sie den anderen vorwerfen.
    inkompatibel – operativ…. eine Gesellschaft nach Methoden des Software Engineering zu formen zu versuchen ist unmenschlich. Dass sich im Beraterumfeld viele Stealth Ideologists tummeln hat mich meine langjährige Erfahrung mit IT Projekten in 8 Ländern gelehrt. Realer Sozialismus war genau so ein Versuch, eine Gesellschaft als eine Art Hypersystem zu bauen. eine ikonoklastische Metapher dazu ist der Borgcube. Es funktioniert nicht.

    (Humoristische Einlage: obiger Borgcube wurde ja mit einer Raubkopie von Windows zerstört, weil die Anwalts-Bots von Microsoft den Cube auseinandernahmen, um die Raubkopie zu finden.)

    Sie trennen auch nicht die machtpolitischen Aspekte religiöser Organisationen von der Spiritualität von Religion per se. Spiritualität ist ein Aspekt des menschlichen Bewusstseins und war immer teil menschlicher Existenz (conditio humana).

    Paradies, Hölle, Dämonen und andere Metaphern sind teile einer Methode, um Gedanken zu steuern und in diejenigen Bahnen zu leiten, die den oben genannten Machtstrukturen dienen. es erfolgt da ein Hijacking der Spiritualität durch die Machtinhaber. Man kann das selbe Muster in anderen Begrifflichkeiten erkennen.

    Meine Überzeugung dazu ist, dass das wie alle Machtstrukturen stetig zu hinterfragen ist. damit sehe ich die Kernaufgabe jeder schulischen Ausbildung, das intellektuelle Instrumentarium zu schärfen, damit das auszubildende Kind niemals aufhört, fragen zu stellen, Informationen und antworten zu suchen.

    Ironisch ist, dass der Firmenname Serendipities sehr spirituell ist:

    Serendipity bzw. Serendipität:

    Serendipity is the effect by which one accidentally stumbles upon something fortunate, especially while looking for something entirely unrelated.
    Serendipität bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist.
    – man beachte die Unterschiede in den zwei Sprachen.

    ‘Was jemandem zu-fällt.’
    ‘Der Weg führt zum Ziel, manchmal zu einem anderen als dem gesuchten, denn etwas, was beim durchwandern zu gefallen war, hatte die Richtung geändert.’

    Serendipität – die drei Prinzipien des Serendip – Buch 1 des Hasht Bihisht von Amir Khusrau – drei Prinzen – Die drei Könige aus dem Morgenland
    der Kreis ist wieder zurück bei Märchen, Magie und Traditionen der besinnlichen Tage.

    Drei – die dritte Dimension. Vielfachheit. Kreative Kraft. Wachstum. Vorwärtsschreiten. Das Überwinden von Dualität. Synthese.

  11. Heinz Oswald sagt:

    Ach, die süssen Sprüchlein! Wenn man sie vergessen hat, hat man nicht nachhaltig aufgepasst, und den Klaussack überhaupt nicht verdient!
    Für Tamara:

    Samichlaus du guete Maa,
    gäll ich muess kei Ruete ha
    gib mer lieber Nuss und Biere,
    dänn chummi hinderem Ofe füre.

    Samichlaus, Du Lumpepack
    nimmsch de falsch i dine Sack:
    häsch Di girrt i dr Adrässe
    chasch dini Bire sälber frässe…

  12. Heinz Oswald sagt:

    @Katharina:”Die drei Könige aus dem Morgenland.”
    Bedeutet Kolportage einer falsche Darstellung eines eindeutigen Textes:
    Matth.2.1: “Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen DIE WEISEN VOM MORGENLAND gen Jerusalem und sprachen…”
    Es waren weder Könige, noch kommt die Zahl “drei” darin vor!

  13. Katharina sagt:

    @Heinz. Auch wenn ich Deinen ersten Post (zu Huhn, Ei und dem Outsourcer) lustig fand, ist Dein Sack schon etwas ausgelutscht.

  14. Heinz Oswald sagt:

    @Katharina:”…ist Dein Sack schon etwas ausgelutscht.”
    Sorry, aber was ist darunter zu verstehen?

  15. @Katharina
    Da war wohl ich gemeint – auch wenn ich Andreas heisse… Vielleicht sollten wir anderweitig weiter diskutieren, da ich Michèle Binswangers Blogbeitrag eigentlich nicht kapern wollte, um ausgedehnt über den Zürcher Schulfach-Betriebsunfall zu sprechen – und schon gar nicht, um auf meine kleine Klitsche hinzuweisen.

    Deshalb nur so viel: Leider ist auch die rosa Brille im Fach «Religion und Kultur» Programm. Im Oberstufenlehrbuch ist nun zwar ein Kapitel «Sind die Religionen an allem schuld» vorgesehen, in dem die Schattenseiten der etablierten Religionen kurz aufgegriffen werden – allerdings auch nur, um gleich einem Dementi Platz zu machen. Die Gruppe von Religionsvertretern, welche die Entstehung dieses Fachs begleitet, betreibt keine grundsätzliche Reflexion über das Fach, sie verstehen sich vornehmlich als Interessenvertreter, die dafür besorgt sein müssen, dass nicht etwa eine andere Religion, bzw. innerhalb der eigenen Religion eine «falsche» Konfession zu viel Platz erhält. Da tritt man sich nicht gegenseitig unnötig auf die Füsse.

    Spiritualität ist ein Aspekt des menschlichen Bewusstseins und war immer teil menschlicher Existenz (conditio humana). [...] Ironisch ist, dass der Firmenname Serendipities sehr spirituell ist

    Falls mit Spiritualität als «Drang zu Religiosität» gemeint ist, ist die Behauptung klar zu verneinen: Es trifft schlicht nicht auf alle Menschen zu und je weiter wir in die Vergangenheit blicken, desto ungenauer werden Schätzungen, wie verbreitet denn dieser Drang wirklich war. Falls «Spiritualität» schlicht das Staunen über die Welt benennen soll, mag’s als Allgemeinformel zutreffender sein, so wird der Begriff aber inhaltsleer. Als Firmenname habe ich das Wort selbstredend wegen seiner Bedeutung gewählt – und ein wenig als Hommage an Umberto Ecos Buch «Serendipities. Language and Lunacy.» In Inseraten verwende ich gerne das Pasteur-Zitat «Le hasard ne favorise que les esprits bien préparés.» Es unterstreicht, dass eben nicht primäre märchenhafte Fügungen einen erlauben, überraschende Zusammenhänge zu erkennen, sondern Wissen und Verständnis über die Welt. (Wenn man sich nicht auf die «zufällige» Eingebung vorbereiten könnte, gäb’s auch wenig zu beraten ;-)

  16. Katharina sagt:

    @Andreas: Danke fuer die Antwort. Ich werden zum Thema Spiritualität morgen mehr gedanken beitragen. Heute ist es nun sapet und ein Post in einem anderen Thread hat mich sehr beschaeftigt.

    ich meine den Begriff als “Staunen über die Welt” und mehr. Ich vermute aus deiner Antwort, dass wir betreffend Machtstrukturen etc. aehnliche Meinungen haben.

    Thanks for the reference to Umberto Eco.

  17. Der Post wirft eine sehr interessante Frage auf: Ritual, Wiederholung, Vertrauen, Tradition. Und nach einigem Nachdenken erscheint mir der Chlaus als Archetyp für den Gottvater mit Rauschebart: er ist einsam, männlich, irgendwo vorhanden, hat ein dickes Buch, ist der “big brother” und führt mit dem Schmutzli eine Art “Jüngstes Gericht”.
    Bei meiner jüngsten Tochter (9) beobachten wir, wie sie allmählich durchblicken lässt, dass sie eigentlich weiss, dass es kein Christchindli gibt, sie aber gern auf dessen Segnungen, die in der ritualisierten Form dargereicht werden nicht verzichten will. Nur so ist Weihnachten “echt”. Jede Gesellschaft braucht solche Rituale, um die Kinderseele mit Gefühlen zu möblieren, die später zu blossen philosophischen Begriffen ausgebleicht werden oder in der Spiritualität vertieft werden können.
    Der Bischof von Myra war zudem eine wohl historische Figur, die wirklich gelebt hat und möglicherweise an dem Konzil von Nicea teilnahm, an dem das christliche Glaubensbekenntnis, das “Niceanum” 325 n. Chr. beschlossen wurde. Damals brauchte der Kaiser Konstantin eine klares Glaubensbekenntnis damit er wusste, wen er als Häretiker zu verfolgen hatte und wen eben nicht. Damals einigten sich die philosophisch Gebildeten Bischöfe, welche die christliche Lehre nun schon 200 Jahre auf griechisch in der Philosophiesprache gedreht und gewendet hatten, auf die Trinitätslehre (Gott ist einer in drei Personen: Vater, Sohn, heiliger Geist). Viele dieser Bischöfe waren noch gezeichnet von Folterspuren der letzten Verfolgungen.
    Kaiser Konstantin hatte also erkannt, dass das im staate nötige Grundvertrauen in die Institutionen nicht mehr länger durch den Kaiserkult der über einen multi-kulti-Polytheismus gestülpt wurde garantiert werden konnte. Wie auch die Amerikaner mit ihrem Multi-Kulit-Melting-Pot mit den Muslimen in der Armee an eine Grenze kommen (Vorfall in Ford Hood), so brauchten auch die römischen Legionen einen einheitlichen Glauben. Das Christentum hatte sich bezüglich sittlichkeit, Zuverlässigkeit und Loyalität als für den Staat am nützlichsten erwiesen. Und diese Ansicht, von der Kulturellen Superiorität des Christentums übernahmen sämtliche Germanen, die auf dem Schlachtfeld die römischen Legionen schlugen. Auch die Entwicklung des Islams ist dem Bedürfnis geschuldet aus rivalisierenden Beduinenstämmen eine schlagkräftige Reiterarmee für Eroberungern zu machen. Mohammed erkannte die soziologische Uerberlegenheit des Monotheismus und schmiedete im “Islam” eine Art vereinfachte Raubkopie der jüdisch-christlichen Religion. Der Erfolg war durchschlagend: in knapp hundert Jahren eroberten die nun untereinander befriedeten Reiterhorden Allahs das halbe Mittelmeerbecken. Es dauerte vom ersten Abwehrerfolg der Christen um 730 350 Jahre bis sich das christliche Rittertum so weit entwickeln und demografisch den Ueberschuss an Männern produzieren konnte, bis 1090 der Papst die überschüssigen Männer Europas zum Kreuzzug aufforderte. 1291 im Jahr als die letzten von Christen gehaltenen Burgen im Heiligen Land wieder in die Hand der Muslime fielen, hoben die drei Eidgenossen auf dem Rütli die drei Schwurfinger (Symbol der niceanischen Trinität) und gründeten unseren Staat als christlichen Gottesstaat.
    Zurück zum Chlaus. Er hat also die Aufgabe in der Kinderseele das Prinzip des Gerichts, der Belohnung und Bestrafung und des “inneren Big Brothers” des Gewissens zu verankern. Was die Eltern vielleicht durchlassen: der Samichlaus könnte es sehen. Im gleichen Monat wird ihm der Sohn im “Christkindli” präsentiert. Das Patriarchale Grundgerüst der christlichen Religion wird so gelegt: Samichlaus (als gütiger, allwissenden Mann), Christchindli (als Fleisch gewordener, knuddeliger Logos) und Heiliger Geist (Vertrauen und Liebe) der Weihnachtszeit. Diese Archetypen stehen dann nach dem Auszug aus der Märchenwelt als seelische Formen bereit um zu rationalen “Begriffen” zu werden. Bis hin zur Pickelharten überzeugung Einsteins: “Gott würfelt nicht!” Selbst die modernste Forschung im Cern geht noch von der These eines einheitlichen Ursprungs des Universums aus: von einem Schöpfungs-Samichlaus. Ohne diesen Glauben wäre kein Wissen zu haben.
    Die Alten Eidgenossen machten die Erfahrung, dass sie durch ihr berühmtes Gebet “mit zertanen Armen” stets mehr Erfolg auf dem Schlachtfeld hatten, als die christliche Ritterschaft. Sie kamen zur Ueberzeugung, Gott sei auf ihrer seite. Sie sprachen von der “usserwälten Eidgnoschaft”. Und dieser Glaube an die besondere Gnade Gottes wurde nach Marignano zum Ansporn wieder “gottgefällig” zu werden: zur Reformation, die den “Auszug” der Humanisten aus der geistigen Gefangenschaft der Papstkirche bedeutet. Diese sich stets verbessernde “autopoetische” Religiöse Software wurde dann vom Humanisten Calvin in die klarstmöglichen Begriffe gesetzt. Die Genfer jagten ihn 1538 zum Teufel, mussten ihn aber 1541 wieder holen, weil nur er mit seiner unerbittlichen Gerechtigkeit die Stadt Genf vom katholischen Umland sichern konnte.
    1563 wollte der Kurfürst der Pfalz sein Fürstentum zum Calvinismus führen. Das erbitterte die Katholiken und Lutheraner im Deutschen Reich, denn seit 1555 waren nur diese beiden Konfessionen (christliche System-Plattformen) im Deutschen Reich zugelassen. So brauchte der Kurfürst dringend ein “Schweizer Glaubensbekenntnis”. Zwingli war 1531 gestorben, Calvin 1562. So liess der Kurfürst den berühmten “Heidelberger Katechismus” erstellen und verlangte von Zwinglis Nachfolger, Heinrich Bullinger, er solle ein “Helvetisches Bekenntnis” erstellen, was dieser 1566 bereitstellte. Von allen reformierten Orte der Eidgenossenschaft (ausser Basel) anerkannt, wurde es zur Glaubensgrundlage der reformierten in der Schweiz aber auch in Ungarn, +Osterreich (ref. H.B.) und auch in den USA. Wir Schweizer haben bevor wir Uhren und Schokolade exportierten mit Calvin, Zwingli und Bullinger die wirkungsmächtigsten Designer von theologischer Software gehabt. Genf verdankt seine Roller als “Neues Jerusalem” dem Wirken Calvins. Darum wird nun in Genf am Cern nach Gottes Schöpfungsplan geforscht,wo auch das “world wide web” erfunden wurde.
    All dies – wie auch die Vereidigung unserer Bundesräte und Parlamentarier – setzt die Setzung eines Vertrauens-Symbols in die Kinderseele voraus: dem Samichlaus.
    Auch die Idee des “Auszuges” lernt das Kind aus der biblischen Geschichte. Abraham zieht aus Ur aus, weil er nicht mehr an die Götzen glaubt. Moses führt sein Volk aus Aegypten ins “gelobte Land”. Nur wer diese Auszüge begriffen hat, wird im späteren Leben wachsen können: Jahrring um Jahrring. Jesus führt aus dem Gesetz in die Gnade. Luther führt die Kirche aus der “babylonischen Gefangenschaft”. Kant aus der “selbstverschuldeten Unmündigkeit”.
    Wenn man diese Denkbewegung begriffen hat, kann man auch den armen Andreas Kyriacou verstehen: Atheismus ist die Schockgefrierung der Auszugsbewegung. Der Atheist meint ihm sei es gelungen aus dem Zwang des Glaubenmüssens und Hoffenmüssen und Liebenmüssens ausbrechen zu können. Er bleibt ständig im NIemandsland zwischen dem zerstörten Gott und dem gelobten Land der “Utopie”. Und hier ist der gewaltige Unterschied zwischen Max Frisch, einem schockgefrorenen auszieher und “Utopisten” und dem Friedrich Dürrenmatt der schrieb: “der Wissende weiss, dass er glauben muss”.
    Die Fortpflanzungsrate ist ein guter Massstab für den Erfolg einer konfessionellen Glaubensplattform: Atheisten haben 0.86 Kinder, Prostesten 1,3, Katholiken 1,5 und Muslime 2,7.
    Quod erat demonstrandum: “Atheismus” ist nicht nachhaltig. Wir brauchen den Glauben an “Glaube, Liebe, Hoffnung”. Gerade die Frau, braucht die Gewissheit, dass sie für ihren “Heiligen Geist” der Liebe einen “Vater” und einen “sohn” bekommt. Dies ist die Gretchenfrage: wirst du da sein, wenn ich in den Wehen liege, selbst wenn es ein Kuckuckskind sein sollte (wie der heilige Joseph). Der Samichlaus ist also der erste Repräsentant der christlichen Nächstenliebe (oder des Sozialstaates), dass eine Person ausserhalb der Familie gütig mich begleitet. Und da Männer im Kneifen so begabt sind muss es ein Mann sein, der dies garantiert: ein Allmächtiger Herr. Der Samichlaus ist daher der wichtigste Geburtshelfer. Ohne Samichlaus kein “mama-blog”.

  18. zysi sagt:

    @giorgio

    bhüeti gott

  19. Tamara sagt:

    Gehe mit Giorgio einig, dass der Mensch solche Märchen-Konstrukte braucht für eine sinnvolle Entwicklung, deshalb sollte man die Samichlaus-Tradition abschaffen. Später werden’s die Kinder dann selber merken und sich eventuell neu orientieren.

  20. Tamara sagt:

    meinte natürlich die Samichlaus-Tradition NICHT abschaffen. Ist wohl noch zu früh für mich.

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