
Instinktiv nach der Farbe Rosa zu greifen, ist für Frauen mehr als eine Frage des Geschmacks. Es ist eine Frage des Überlebens.
Vor ein paar Wochen kaufte ich meiner Tochter eine Lederjacke, ein tolles Teil, in Schwarz natürlich. Anfang September brachte ich ihr einen Poncho nach Hause, in wundervollem Tannengrün und extra flauschig. Schliesslich schenkte ich meiner Grossen – sie wird im Dezember vier – kürzlich einen Trenchcoat von Zara, preisgünstig und in schickem Sandbeige. Man merkt, ich kaufe meiner Vierjährigen gerne Kleider – bloss: Derzeit ist diese Freude ziemlich getrübt, denn mein Töchterchen lässt all die schönen Sachen liegen. Sie zieht nur noch eines an: Kleider in Rosa.
Ob Unterwäsche, Pullover, Mütze: Rosa muss es sein. Ansonsten gibt es ein Geschrei. Und ihre grösste Liebe ist ein schlapper Stoff-Flamingo, denn: «Der trägt auch immer Rosa!»
Selbstverständlich fragte ich mich, was alles falsch lief, dass ich meine Tochter nicht vor solch einer Geschmacksverwirrung bewahren konnte. Aber dann las ich vor einigen Tagen, dass alle Frauen, auch meine Tochter, gar nicht anders könnten, als früher oder später zu Rosa zu greifen. Diese Erkenntnis verdanken wir der Neurobiologie, die behauptet: Frauen hätten deshalb einen Hang zu rötlichen Farben, einen geschlechtsspezifischen Rosa-Trieb geradezu, weil die Evolution es so eingerichtet habe. Die Sammlerinnen der Vorzeit nämlich hätten sich immer nach den besten, den reifen Früchten und Beeren umgesehen. Und die sind eben rosa. Instinktiv nach der Farbe Rosarot zu greifen, das war mal mehr als eine Frage des Geschmacks. Es war eine des Überlebens.
Nun gut, natürlich liebe ich auch eine Tochter in Rosa. Das ist nicht das Problem. Aber nachdenklich macht es einen als engagierten Papa schon, wie kümmerlich der väterliche Einfluss ist, wenn sich einem steinzeitlich geprägten Geschlechtermuster entgegenstemmen. Und wenn ich als Erziehungsberechtigter nicht mal gegen eine anämische Mischfarbe ankomme – auf was überhaupt kann ein Vater, eine Mutter Einfluss nehmen? Darauf, ob die Tochter mit Puppen spielt oder mit meinem alten Kovap-Blechtraktor? Ob der Sohn in den Fussballklub gehen wird? Oder womöglich ins Ballett? Ob ein Kind dereinst Betriebswirtschaft studiert an der HSG St. Gallen – oder 16 Semester lang am Kunsthistorischen Seminar der Uni Zürich herumhängt?
Früher hätte ich mich wohl als Anhänger des sozialen Determinismus bezeichnet. Früher glaubte ich an eine gesellschaftliche Prägung der Menschenkinder, an den dominanten Einfluss von Erziehung, Milieu, Zeitgeist – womöglich deshalb, weil ich damals selbst zu lange an einer Universität abhing, wo man viel von Gender und Geschlechterkonstrukten sprach. Doch mittlerweile, als Vater, weiss ich: All diese poststrukturalistischen und postmodernen Blödsinn-Modelle werden alleine durch ein kleines Mädchen falsifiziert, das jeden Morgen nach demselben hässlichen Sweater in Rosa verlangt, als ginge es um sein unschuldiges Leben. Denn dies liegt in seiner Natur.
Und wissen Sie was? Ich finde das irgendwie beruhigend.
Michael Marti, 44, ist Stellvertretender Chefredaktor von Newsnetz und Vater von zwei Töchtern. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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@simone: nein, freuen, und zwar ganz fest!!! Meiner trägt wenns hochkommt allerhöchstens bordeaux, alles andere hat zu feminimen Touch oder riecht (für ihn) nach anderem Ufer. Was ich persönlich sehr bedauere, mir gefallen die hellen farbigen Töne an Männern sehr.
so leid es mir tut, aber ich habe noch niemals eine rosarote, reife Beere gesehen. Reife Beeren sind tiefrot, schwarz, violett, aber doch nicht rosa!
ich selber mochte rosa noch nie, nicht mal als kind. halte nicht viel von solchen studien..
@ Hans Muster: Sie wollen doch nicht etwa im Ernst die Verbrechen der Nazis mit dem Feminismus vergleichen? So dumm sind Sie doch nicht, oder doch? Ihre Banalisierung des Leidens der Opfer der Nazis ist einfach nur widerlich! Das ist wirklich das Allerletzte. Schämen Sie sich.
@ bettina
also erstens, habe *ich* diesen vergleich nicht gezogen. den begriff haben andere in die diskussion gebracht.
zweitens war von einem vergleich mit den *verbrechen* der nazis, meines wissens nicht die rede. falls doch, möchte ich mich gerne entschieden davon distanzieren. verglichen wurde allerdings – so habe ich das zumindest verstanden – die *geisteshaltung* gewisser feministischer fundis mit derjenigen der nazis. und diese einschätzung teile ich persönlich durchaus. was den nazis der arier ist solchen feministen die frau, was den nazis der jude oder zigeuner ist ihnen der mann. und damals wie heute wird die eigene überlegenheitsideologie durch einen haufen pseudowissenschaftlichen mülls legitimiert.
drittens verwundert es mich sehr, dass sie ein scharfes verurteilen von aufrufen zur ausrottung ganzer menschengruppen (in diesem falle der aufruf gewisser feministen zur ausrottung der männer), als “banalisierung” des leidens der opfer der nazis betrachten.
@bettina: SCUM (dt. Abschaum) ist ein Akronym für Society for Cutting Up Men (dt. wörtlich: Gesellschaft zur Zerstückelung von Männern)
Schläckt ä kei Geiss äweg. Valerie Solanas war übrigens bekennende Lesbe.
Auf Wunsch bringe ich noch einen ganzen Berg von Zitaten in die Siskussion mit ein.
Aber nur auf ganz speziellen Wunsch.
Diskussion wollte ich selbstverständlich schreiben.
@Bettina
Die Massenvernichtungen im Europa des 20. Jahrhunderts nehme ich sehr ernst und habe absolut keine Absicht, irgendetwas zu verniedlichen. Stalin liess fast 20 Millionen umlegen, alleine 8 Millionen Bauern in der Ukraine. Seine Waffe war vor allem anderen der Hunger. Er liess einfach die Nahrungsmittel beschlagnahmen.
Was das Nazitum angeht, so sehe ich das als Ideologie, die als alleinige Wahrheit sich gibt und als Machtapparat, der sich über sämtliche gesellschaftlichen Spielregeln hinwegsetzt, demokratische Entscheidfindung unterläuft, Massenmanipulation betreibt und dabei niedere Instinkte anspricht, um das Denken auszuschalten.
Zweidrittel dieser Merkmale sind sowohl bei der feministischen Bewegung wie auch bei den “Gleichstellungsbeauftragten” und bei gewissen Vertretern von Vormundschaftsbehörden, Erziehungsberatungsstellen, Justiz und Justizvollzug zu beobachten, genauso wie in gewissen intellektuellen Kreisen und im Bildungswesen.
Auch damit verharmlose ich die Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg nicht. Bei denen ist eben die Frage, ob es die Nazi waren oder die Deutschen ganz allgemein. Das ist eine ernsthafte historische Diskussion. Sehr viele Deutsche haben sich in der Massenvernichtung hervorgetan, ohne dass sie in der Partei waren. Mehr als die Hälfte des Personals in den Vernichtungslagern war ukrainisch, weissrussisch, polnisch.
Sie würden es genauso wenig als Verniedlichung der deutschen Vernichtungspolitik bezeichnen, wenn ich heutige Deutsche Politik kommentieren täte.
Aktuelle Bettlektüre bei mir ist von Richard Breitman “Official Secrets – What the Nazis Planned, What the British and Americans Knew”. Da geht es um die ganz schwierige Frage, inwiefern die Westallierten über die Massenvernichtungen Bescheid wussten, ab welchem Zeitpunkt sie es wussten, welche politischen, militärischen und strategischen Entscheidungen sie trafen. Und dann wird noch behandelt, warum die Ami und Engländer die neutralen Staaten, die Schweiz und Schweden nicht in ihren erfolgreichen und sehr extensiven Rettungsaktionen unterstützten.
@ marcel
“Valerie Solanas war übrigens bekennende Lesbe.”
worauf wollen sie hinaus? ich persönlich habe einige lesben in meinem freundeskreis, aber keine einzige davon hegt groll oder hass gegen männer.
…(ergänzung)…
oder wollen sie mit der anspielung auf etwas ganz anderes hinaus?
@Hans Muster, Texte aus der Fachliteratur zum Feminismus (erster Text) und der Männerbewegung (zweiter Text):
“(…) Vor allem am Thema Sex spaltete sich die Bewegung: So standen sich etwa Hetero- und Homo-Frauen immer misstrauisch gegenüber. Die Frauenbewegung hatte als Befreiung der Mütter und Hausfrauen begonnen- also von eher heterosexuell veranlagten Damen. Lesben kamen in dem Konzept zunächst nicht vor, bis sich immer mehr Feministinnen outeten. Immer wieder erklärten einzelne Theoretikerinnen die Homosexualität zu einer politischen Entscheidung- anstelle einer persönlichen Entscheidung galt sie auf einmal als Vollendung des Feminismus. Wahre Befreiung von den Männern sei nur dann möglich, wenn Frauen zu ihnen auch keine sexuellen Beziehung mehr pflegten. Eine Lebenswelt ganz ohne Männer galt als Ideal. Derartige Debatten irritierten sowohl Hetero- als auch Lesben und brachten viele dazu, sich von dem Konzept des Feminismus zu distanzieren.”
Erstaunlicherweise ist in diesem Zusammenhang der deutsche Sonderfall (Anm. der deutsche Sonderfall beim Feminismus) nie reflektiert worden, dass die Galionsfigur der Frauenbewegung eine Lesbe und die Galionsfigur der Männerbewegung ein Schwuler waren. Aufgrund ihrer eigenen sexuellen Disposition sind sich denn auch beide einig im Kampf gegen die Heterosexualität. Das Fatale dabei war, dass sie ihre persönliche Eigenheit der gleichgeschlechtlichen Liebe zur Heilsbotschaft für alle Männer und Frauen stilisierten. So etwas hat es auf der ganzen Welt nicht noch einmal gegeben. (…) Je stärker sich die lesbische Fraktion innerhalb der feministischen Bewegung artikulierte, desto verschärfter wurde der Kampf gegen die Heterosexualität. Andrea Dworkin bezeichnete den “Penis als Waffe” und männliches Unterdrückungsinstrument.”
Und jetzt noch ein Zitat von Andrea Dworkin, einer mittlerweile zum Glück verstorbenen, lesbischen Feministin: “Ich möchte einen Mann zu einer blutigen Masse geprügelt sehen, mit einem hochhackigen Schuh in seinen Mund gerammt wie ein Apfel in dem Maul eines Schweins.”
Bemerkenswerterweise wird bis jetzt nur von Homophobie gesprochen- das es das Umgekehrte auch geben könnte, nämlich Heterophobie, ist bisher noch niemandem in des Sinn gekommen. Wahrscheinlich vor allem aus Gründen der “politischen Korrektheit”.
Ergänzung: Bei “Erstaunlicherweise…” beginnt der zweite Text aus der Männerliteratur, ist nicht klar ersichtlich.
@ marcel
danke für die antwort. ausführungen wie die von ihnen zitierte sind mir auch geläufig.
homosexuelle sind wohl kaum bessere menschen als heterosexuelle. insofern verwundert es mich grundsätzlich nicht, wenn sich darunter auch ‘heterophobe’ gestalten finden, so wie homophobe unter heteros zu finden sind. hier kritik zu üben ist sicher auch sinnvoll und notwendig. ich finde aber, dass man dabei keinesfalls alle lesben (oder schwule) über einen kamm scheren darf. gerade homosexuelle frauen sind eine gruppe welche wenig wahrgenommen wird und an welcher deshalb vorurteile wohl auch besonders leicht hängen bleiben…. z.b. das vorurteil, dass sie männer typischerweise hassen würden.
p.s: ich finde es bemerkenswert, dass im zitierten text homosexualität als persönliche *entscheidung* (?!!) dargestellt wird.
Es käme mir nie in den Sinn, Lesben und Schwule über einen Kamm zu scheren! Mir persönlich ist die sexuelle Disposition eines Menschen völlig egal. Es war mir war nur wichtig, aufzuzeigen, dass man das Prinzip der gegenseitigen Toleranz z. T. auf beiden Seiten nicht so genau nimmt. Natürlich gibt es auch heterophobe Homosexuelle, ich denke, das liegt in der Natur der Sache. Damals, in den dogmatisch verwüsteten Siebzigern, wurde Sexualität grundsätzlich zum Poitikum erhoben- daraus resultierten dann auch Aussagen, wie die von Ihnen aufgezeigte- nämlich dass die eigene Sexualität eine persönliche Entscheidung sei..!!
“Es war mir war nur wichtig, aufzuzeigen, dass man das Prinzip der gegenseitigen Toleranz z. T. auf beiden Seiten nicht so genau nimmt.”
sehe ich (leider) genauso. danke für die aufklärung.
Jetzt sehe ich es auch: Tatsächlich, eine persönliche Entscheidung- und das im 21. Jahrhundert! Wohl ungeschickt formuliert. Hoffe ich zumindest.
Die persoenliche Entscheidung ginge nur, wenn die Ueberscrhift la bie ein rose waere.
Zur erwähnten Studie: http://www.badscience.net/2007/08/pink-pink-pink-pink-pink-moan/
Wäre es eigentlich vermessen, zu vermuten, dass aus dem ursprünglichen Kampf von Teilen der Homosexuellen gegen die Heterosexualität heute einfach die Gender-Theorie geworden ist?
@Marcel.
Jede Kopfgeburt aus den USA ist vermessen. Die Gendertheorie genauso. Und nein, so etwas entsteht dort nicht aus einem realen Kampf sondern aus einer Kombination zweier Dinge: Einer populären Modeströmung wird ausgenutzt von akademischen Karrieristen, die sich mit irgendeiner beliebigen zusammengebastelten Wissenschaft hervortun wollen. Daraus entstehen regelmässig Massenhysterien.
Ein ähnlicher Vorgang war zu beobachten, als aus der Schlankheitswahn aus Hollywood Ende 60er Jahre über die USA schwappte und man eine wissenschaftliche Rechtfertigung für ein modisches Vorurteil suchte. Was ist heute das Resultat: Wir sind so weit, dass man im Ernst über eine Fettsteuer diskutiert. Solches wird noch immer diskutiert in einer Zeit, wo wissenschaftlich belegt ist, dass Leute mit 20% sog. “ÜbergewichtW länger leben, weil sie im Krankheitsfall mehr Reserve haben (schwere Operationen, Unfälle, etc.)
Die Massenhysterie des GENDERIMSUS wurde hier von karrieregeilen Gleichstellungsbeauftragten ausgenutzt und von den Feminazen für die Rechtfertigung ihrer Zerstörungswut vorgeschoben.
@Naja:
Der Guardian gibt ein paar kurze Anhaltspunkte, warum es schlechte Wissenschaft ist, wenn mit einer einfachen Zählung anhand eines allzu simplen Experimentes weitreichende evolutionshistorische Schlussfolgerungen gezogen werden.
Der Hintergrund ist, dass in den USA jeder College-Absolvent eine solche Zahlenspielerei abfassen und mit Sicherheit ein Journal findet, dass den Unsinn auch noch abdruckt.
Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Sozialwissenschafter mit evolutionstheoretischen Phantasien hantieren und dabei zugrunde legen, was sie meinen, was sie verstanden hätten von dem was vermutlich Darwin geschrieben hätte, wenn er es denn nun geschrieben hätte. Nur leider haben Biologen ganz andere Vorstellungen von Evolution entwickelt.. Die Zeit ist bei den Biologen nicht stehengeblieben.