
«Der Arzt wird gleich bei ihnen sein» – Cartoon von Leigh Rubin, 2007.
Wenn die Tage kürzer werden, ist dies das Fanal für Erkältungen, die Gehörgänge meines Sohnes zu belagern und schmerzhafte Attacken auf seine empfindlichen Mittelohren zu reiten. Dies führt dazu, dass er in dieser Zeit eine Standardantwort auf alle möglichen Fragen, Anwürfe oder Bitten hat. Sie lautet: «Was?»
Aus Sorge um sein Hörvermögen beschloss ich deshalb jüngst, in den Garten meines eng gefurchten Tagesablaufs einen Arztbesuch zu pflanzen. Ich machte einen Termin aus, um seine Ohren untersuchen zu lassen und präventive Massnahmen zu besprechen.
Nach dem Mittagessen brachte ich die Tochter zur Klavierstunde und hetzte dann mit dem Sohn durch die Stadt, um pünktlich beim Arzt einzutreffen. Mit einem herbstlichen Windstoss segelten wir in die Praxis, wo uns zwei Praxisassistentinnen mit Schutzmasken und einem vermutlich freundlichen Lächeln empfingen. Wir sollten doch Platz nehmen. Aber nein, nicht im Wartezimmer, denn da befänden sich Kinder mit einem ansteckenden Hautausschlag. Aber hier in der Ecke sei noch Platz.
Wir setzten uns also auf einen unbequemen Stuhl und warteten. Weil es in der Warteecke keine der üblichen Zerstreuungsmöglichkeiten gab, spielte ich gefühlte hundert Runden «Schäri, Schtei, Papier» mit dem Sohn und beobachtete dabei das Treiben in der Praxis. Mehr Eltern mit kleinen Patienten strömten hinein und drängelten sich in die Ecken, andere verliessen die Praxis und rieben sich auf dem Weg hinaus die Hände mit Desinfektionslösung ein, was ich einigermassen verdächtig fand. Schliesslich musste ich meinen Sohn um eine «Schäri, Schtei, Papier»-Pause bitten. «Was?», sagte er. Und dann: «Wie lang gohts no?»
Wir warteten. Um Konversation mit dem Praxispersonal zu machen, fragte ich, ob sie die Masken wegen der Schweinegrippe trügen. «Oh nein», teilten mir die Schutzmasken mit, «aber diese Praxis ist sozusagen ein Stelldichein aller möglichen Krankheiten, da schützt man sich besser». Ich begann mir langsam Sorgen zu machen, ob dieser von Keimen kontaminierte Ort unsere Gesundheit nicht erst recht gefährden könnte und beschloss, möglichst nichts mehr zu berühren und mir bei der nächsten Gelegenheit gründlich die Hände zu waschen. Das sagte ich auch meinem Sohn. «Was?», antwortete der. Und dann: «Wie lang gohts no?»
Dann fragte ich die Schutzmasken, ob sie denn gegen die Schweinegrippe impften – immerhin trugen sie das passende Outfit dazu. Aber sie hoben nur missbilligend die Augenbrauen und antworteten, die Frau Doktor impfe nur Risikopatienten, schliesslich sei das eine ganz normale Grippe und über die Impfschäden rede ja auch niemand. Ich malte mir aus, welche Flurschäden die Grippe in meiner Familie zeitigen könnte, wenn sie sie vier Wochen lang mit hohem Fieber und Erbrechen ins Bett werfen würde.
Nachdem ich vierzig Minuten gewartet und zehn Mal die Frage: «Wie lang gohts no?» mit «Ich weiss es nicht» beantworten musste, gefolgt von «Was?», wurde ich langsam nervös. Meine Tochter würde bald zu Hause eintreffen und vor verschlossenen Türen stehen. Ich erkundigte mich also vorsichtig bei der Schutzmaske, wie lange es wohl noch dauerte. Mit einer halben Stunde müsste ich schon noch rechnen, wurde mir mitgeteilt.
Ich bin in einer Arztfamilie gross geworden und hege grossen Respekt vor dem Einsatz, den Ärzte, besonders Kinderärzte leisten. Ich weiss auch, dass Menschen keine Maschinen sind und ihre Wartung manchmal mehr Zeit als geplant in Anspruch nimmt. Aber mit der Aussicht, über eine Stunde zwischen maskierten aber impfunwilligen Praxisassistentinnen auf einem Folterstuhl warten zu müssen und sich womöglich mit wer weiss was anzustecken, war die Sorge um meine eigene mentale Gesundheit schliesslich grösser, als um die Ohren meines Sohnes.
Mich aus dem Stuhl faltend beschloss ich, der sicher völlig fertigen Ärztin beim Terminmanagement zu helfen und ihr unser nicht lebensbedrohendes Ohrproblem nicht auch noch zuzumuten. «Wie lang gohts no?», fragte der Sohn. «Gar nicht mehr. Wir gehen, du musst es mit deinen Ohren noch etwas länger aushalten.» «Was?», fragte er. Und dann: «Ach, es ist sowieso gar nicht so schlimm.»


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Praxisassistentinnen.
@Michèle Binswanger. Habe Ihren Bericht noch einmal gelesen. Das Problem ist nur am Rand die Ärztin, die nicht erscheint. Die Arztgehilfinnen verhalten sich vollkommen schnodrig, nachlässig und unprofessionell.
1. Die Damen geben Ihnen keine Auskünfte, sondern verarschen Sie. Was soll der dumme Spruch von wegen da kommt das ganze Sammelsurium von Keimen? Sie haben als besorgte Mutter eine ernste Frage gestellt wegen der Schutzmasken und der Impfung.
2. Die Damen haben den Überblick, wieviele Patienten noch warten. Sie können Sie darauf aufmerksam machen, so wie das bei meinem Arzt auch passiert. Dort werde ich vollkommen normal gefragt: “Haben Sie noch Kommissionen in der Stadt? Die Wartezeit ist ungefähr 45 Minuten.”
Dass Sie solch selbstverständliche Angaben nicht von Anfang an bekommen, ist frech und snobisitisch.
Ich glaube, ich muss mich zu keiner dieser Anfeindungen äussern! Habe mir aber meine Meinung gebildet! Und über so einen lächerlichen Vorwurf betr. unintelligenter Äusserung kann ich nur müde lächeln! Sowas lass ich erst gar nicht an mich ran! Fragt sich nur, wer hier arrogant und unintelligent ist…….hehehe
Man kann doch reden miteinander? Wenn man in eine Praxis kommt und das Wartezimmer ist bereits voll, dann kann man z.B. anmelden, dass man wegen dem anderen Kind nicht länger als bis zu einer bestimmten Zeit warten kann.
Man kann auch anrufen, bevor man hin geht, ob es schon Rückstau gibt.
Ich finde 30 Min. sind das äusserste, was man an “Verspätung” hinnehmen muss, ohne dass einem rechtzeitig angerufen wird, um einen neuen Termin zu machen.
Ich finde schon auch, dass man ab und zu etwas arg angestaubte Hausärzte antrifft, die jedoch eher “sonderbar” sind als arrogant. Aber ich habe letztlich einen gefunden, bei dem ich nie länger als 15 Min. warten muss…
@ rahel
…die letzten zweifel haben sie auch mit dem jüngsten post nicht ganz ausgeräumt.
@ Thomas
Das muss ich auch nicht, fühle mich wohl so! Und Zweifel habe ich eh am liebsten in Chips-Form
Aber eben, man darf sich da ja wohl frei äussern ohne gleich als durchgeknallt und arrogant angesehen zu werden! Habe einfach durch einige ziemlich schwere, negatie Erfahrungen, mir so meine eigenen Mauern aufgebaut!
Muss erwähnen dass ich, glücklicherweise, nur selten zum Arzt muss. Von daher wiegen die negativen Erfahrungen für mich halt einfach noch schwerer…..
@nathan rivar: ärztenetzwerke. was ist damit gemeint? hmo und so? damit mache sowohl ich wie augenscheinlich das personal ausgezeichnete erfahrungen. habe dort auch schon gewartet, aber sehr im rahmen und die ärztin ist nie gestresst, kann jederzeit bei kollegen rückfragen, die etwas andere schwerpunkte haben etc…. aber vielleicht sind ärztenetzwerke etwas anderes?
@ rahel
…na dann lassen sie’s mal krachen mit der nächsten packung chips! bon appétit.
@ Thomas
Danke….:-)
gute besserung an “was?”
schrimpi
ein fan
@ Kurt
Igitt…….Honigwasser……….:-)
@Liebe Rahel, ich schulde Ihnen einen Nachtrag wegen der Bemerkung zu den Netzwerken. Ein wesentliches Problem ist die Veränderung des Berufes des Grundversorgers weg vom Unternehmer in Richtung eines Angestellten. Das ist nämlich, was in einem Netzwerk passiert. Man muss sich z.B. in dieses Netz einkaufen, mit z.T. beträchtlichen einmaligen wie auch fortlaufenden Beträgen. Dann muss man immer wieder seine Abende/Freizeit oder kostbare Arbeitszeit für Koordinationssitzungen opfern. Da wird einem dann von einem Betriebswirtschafter oder auch Anwalt vorgeschrieben, wie viel die Behandlungen der Patienten kosten dürfen. Anstatt dass ich nach meinem besten Wissen und Gewissen zusammen mit dem Patientenen über eine optimale Behandlung bestimmen darf. Diese für Administration zusätzlich verwendete Zeit muss man durch die Arbeit wieder amortisieren – oder das Einkommen sinkt. Mit sinkendem Einkommen werden die Aerzte aber immer weniger zu ausserordentlichen Arbeitsleistungen bereit sein und zunehmend eine Angestelltenmentalität entwickeln, wie man das heute schon vermehrt sieht. Die Tatsache des die Leute lange warten lassens ist ja genau so ein Ausdruck mangelnden unternehmerischen Denkens. Stellen Sie sich einmal vor, wenn die Rechnung nicht von der Krankenkasse, sondern von Ihnen bezahlt würde, wie viel mehr dann alle diese Aerzte sich Mühe gäben, um Sie als Patientin-Kundin zufrieden zu wissen, damit sie auch das nächste Mal wieder zu ihnen und nicht zur Konkurrenz kommen. Angestelltenmentalität: Wollen Sie wirklich, dass ich als Arzt von Punkt 8 bis 17 Uhr arbeite und jedesmal, wenn Sie mich am dringendsten brauchen würden, bekämen Sie nur meinen Telephonbeantworter zu hören? Wir wollen doch keine Beamte als Aerzte. Wir wollen doch Aerzte, die sich auch einmal auf ihre Hinterbeine stellen können, wenn Sie von ihrem Chef gemobbt werden, die mit Ihrem Partner oder Ihren Kindern einmal ein ernstes Wort reden können, als Persönlichkeit, nicht als Kassenangestellter, Aerzte, die sich der geballten Macht der Pharmawerbung mit ihrem gesunden Menschenverstand und ihrer Erfahrung entgegenstellen können, die auch einmal den Mut haben, ein Medikament nicht zu verschreiben, oder auf eine Impfung zu verzichten, wenn sie überflüssig ist. Was glauben Sie, was passiert, wenn wir eine Einheitskasse bekommen sollten? Im Nu sind die Aerzte alle bessere Funktionäre, Staatsbeamte, unter Kontrolle dieser einen Kasse. Und wenn diese eine Kasse ihnen dann drohen kann, mit ihnen nicht mehr zusammen zu arbeiten, müssen sie spuren, oder verlieren ihre Existenz – ein mächtiges Disziplinierungsinstrument. Diese Aerzte werden alles machen, was die Kasse will. Und die Kasse will sparen, und zwar auch dort, wo es stupid ist. Das garantiere ich Ihnen jetzt schon. Weil ein Kassenmanager im Zentralbüro von Alma Ata nicht weiss, was das WahreLeben für Ansprüche stellt. Der erste Schritt in diese Richtung war das überflüssige Krankenkassenobligatorium. Die, die sich nicht versichern wollen, tun das auch heute noch nicht. Die lassen sich sowieso mit einem Lächeln betreiben bzw. später einfach alles vom Sozialamt bezahlen. Die andern haben aber ihre Freiheit verloren, sich eine vernünftige Kasse zu suchen, und vor allem, einen Hausarzt, der mit ihnen eine auf ihre Verhältnisse angepasste, langfristige Strategie festlegt und ihnen seine Arbeit nach ihrem Vermögen berechnet und bei den Bedürftigen grosszügig einen Spezialpreis macht. Usw., das habe ich gemeint, mit der Aussage, dass da viele die Zusammenhänge nicht verstehen. Erstaunlich, wie viele liberale Geister der bürgerlichen Parteien das nicht verstehen, erstaunlich, wie das die NZZ nicht versteht. Die guten Lösungen, wenn es um Verantwortung geht – und das ist das zentrale Stichwort für die Gesunheit in unserem Leben – sind fast immer individuell, häufig im kleinen Rahmen, der grosse, nationale Wurf bringt mit sich die Gefahr, dass er weit vom Leben von Ihnen und uns allen entfernt ist.
Also ich melde mich hier jetzt mal aus der Sicht der Praxisassistentin, ja wohl, der eines Kinderarztes sogar. Es ist leider nicht immer alles so simpel und sonnenklar. Klar gibt es da auch arrogantere Exemplare wie im Text beschrieben. Aber meistens probiert man ja so gut als moeglich seinen geliebten Job (jedenfalls bei mir ists so) auszufuehren. Und dass es einem vor lauter Arbeiten, dem Arzt assistieren, Sprechzimmer wieder aufraeumen (ja, die Kinder hinterlassen oft ein Schlachtfeld und die Eltern zucken nicht mal mit den Wimpen), Telefonaten (nicht grad wenige), Blut abnehmen und analysieren, erste Beurteilungen wie es den Patienten geht usw. entgehen kann, dass jemand schon EINUNDDREISSIG Minuten wartet ist wohl auch normal. Ich moechte nur versichern, dass wir auf der ‘anderen Seite’ es meistens wirklich nur sehr gut meinen mit euch Patienten.
Ich kann fuer unsere Praxis sprechen, dass wir stets das Wohl unserer kleinen Patienten und ihren Eltern als oberstes Ziel haben. Wir haben aber auch eher selten den Eindruck, dass wir als arrogant empfunden werden. Aber wenn, dann ist’s fuer mich persoenlich ganz wichtig die Giftpfeile am Abend einfach zu vergessen, bzw. an mir abprallen zu lassen.
Wie das logistisch und so ganz praktisch zu loesen waere, dass alle per Telefon oder SMS benachrichtigt werden bei Wartezeiten, ist mir schon eher schleierhaft. Wenn das Telefon schon so pausenlos laeutet, wie soll ich da noch eine ganze Reihe Leute zurueckrufen, wenn sie denn erreichbar sind??? Habe es in einzelnen Faellen versucht, nur dass mein Chef aufs Mal ‘aufgeholt’ hat und dann war niemand mehr im Wartezimmer….. Haha, Retourkutsche, denkt ihr jetzt wohl!! Tja…
Aber ich muss auch sagen, dass ich diesen Eintrag sehr lustig finde. Auch wenn es ein direkter Angriff auf mein Berufsbereich ist, hehe.
Und nicht vergessen, wir meinen’s meistens gut mit Euch
Erlauben Sie mir eine Bitte, Frau Binswanger: Bringen Sie bitte ihrem Sohn bei, es heisse nicht “was?”, sondern “wie bitte?” oder “bitte?”. Das macht ihn zu einem noch angenehmeren Zeitgenossen und wird ihm im hohen Alter helfen… Wir haben schon genug Leute, die “was?” und “hä?” durch die Welt bellen. Vielen Dank!
lieber herr rivar. meine frage, ob es sich bei den von ihnen erwähnten netzwerken auch z. b. um hmo-betriebe handelt, ist nicht beantwortet. aber grosso modo denke ich, ja. zudem denke ich, dass sie dort nicht gut aufgehoben wären. ich für meinen teil bin mit den pauschal entschädigten ärztInnen mit fixen arbeitsplänen und entsprechend ausbalanciertem innenleben bestens bedient. ich brauche keinen aufopfernden arzt, sondern eine organisation, in welcher immer jemand zuständig ist (ausgeschlafen, etc.). ich denke, dass wir da keine berührungspunkte haben, hoffe aber dennoch sehr, dass das von mir favorisierte modell sich durchsetzen wird, im sinn der qualität und der kosten.
@ Heiner Müller
Oh, bitte, bitte keine Erziehungsratschläge! Die gehören definitiv in ein anderes Kapitel!!!!!
@rivar
treffende hintergrunderklärung; leider sehen nicht alle die welt aus den augen der selbtverantwortung und fordern planwirtschaftliche system
wenn’s dann jedoch um die existenzen/finanzen geht, bin ich der meinung, dass die ärzte grundsätzlich andere vorraussetzungen haben, in dem sinne, dass menschen immer gebrechen haben werden und so die arbeitsbeschaffung sprich existenzsicherung nicht betreiben müssen – also verdienen wird ein arzt immer, und wohl auch genug
Stichwort “HMO” und “immer jemand zuständig” – HMO’s sind eine gute Ergänzung. Es gibt sowohl Aerzte, die diese Arbeitsform schätzen, als auch Patienten, denen es wichtiger ist, dass immer jemand Zeit hat, etc., wie @lisa das beschreibt. Wenn jedoch alle Aerzte und Patienten in Zukunft mehr oder weniger zu diesen Praxisformen gezwungen werden, dann ist es nicht gut. Es gibt viele Patienten, für die ist der Wechsel des Arztes mit a) Sorgen, ja Angst und, viel wichtiger, b) mit einem Informationsverlust verbunden. Man kann nicht alles, was man über einen Patienten weiss, aufschreiben und beim Schichtwechsel der Kollegin weitergeben. Gerade bei Personen, die häufig krank sind, ist mit der Zeit ein immenser Informationsschatz da, der bei Wechsel des Arztes jedesmal verloren geht. Ich arbeite in einer Gruppenpraxis und wir sehen das hier jedesmal, wenn ein Kollege in den Ferien ist. Die Behandlungsqualität ist sofort ein wenig reduziert. Oft rufen die Leute nur an – wenn ich die Patienten schon lange kenne, kann ich aufgrund eines kurzen Gespräches schon sehr genau sagen, was Sache ist. Und zuletzt aber vielleicht am wichtigsten, c) es ist auch eine Frage der Beziehung. Viele Patienten erleben die Beziehung zum Arzt als sehr persönlich. Das Vertrauen, das erst über die Zeit entsteht, ermöglicht ihnen, Dinge zu sagen und fragen, die sie sonst nirgendswo anders besprechen könnten. Ich hätte zu meinen Spitalzeiten – wo man ja eben auch systematisch von mehreren Aerzten in verschiedenen Schichten betreut wird – nicht gedacht, dass das so wichtig ist, und staune auch heute immer wieder, wieviele Leute das so wünschen. Und je älter sie werden, desto wichtiger wird es, ältere Patienten sagen z.T., sie wollen lieber vorher sterben, als dass ihr Hausarzt wieder wechselt. Das ist die Lebensrealität, nicht alle Leute wollen das gleiche. Und die Politik sollte diesen vielfältigen Wünschen Rechnung tragen, das ist eine Frage der Lebensqualität in unserer Gesellschaft. Ich selber fühle mich als Patient auch wohl in einer HMO, das stört mich überhaupt nicht. Aber ich bin jung und gesund. Wer weiss, wie das mit dem Aelterwerden ist…? Und wer weiss, ob die jungen HMO-Aerzte mit 50 Jahren nicht auf einmal auch das Bedürfnis haben, selber sagen zu können, wie’s läuft. Das würde mich gar nicht wundern, ja, eigentlich wäre es eine normale Entwicklung.
Wisst ihr über was wir uns hier Beschweren?
Um 45 Min. Wartezeit beim Arzt!
Ein wahrer Luxus-Staat mit richtigen Luxus-Problemen.
Irgendwie Beruhigend!
Denn lieber so, als sich darüber zu Beschwerden 2-3 Monate auf ein Termin zu warten, oder gar über Mangel an Ärzte oder med. Versorgung oder sonst noch was.
45 Min. das nehme ich in kauf!!!
Zunächst: jeder Arzt mit eigener Praxis ist Unternehmer, Besitzer einer KMU. Als solcher ist er wie jeder andere KMU-ler immer im Dienst. Hier sogar im Dienst an der Gesundheit des nächsten.
Natürlich kann ein Arzt nicht alles voraus planen – aber er kann flexibel planen, und statt von 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr die Patienten im fünf-Minuten-Takt durchzuschleusen, kann er Pufferzeiten einführen, in denen er diese Verspätungen wieder einholt. Und wenn es sich um einen wirklichen Notfall (der dauert dann wohl auch länger) handelt, kann die Praxisassistentin die Patienten informieren.
Ich kenne den Fall, da sagte die Patientin zum Arzt, nachdem sie für einen Routinetermin fast eine Stunde im Wartezimmer verbrachte und der Arzt ein lockeres Gespräch beginnen wollte: Herr Doktor, in einer Viertelstunde geht mein Zug, sie haben also noch genau 5 Minuten!
Der Arzt hat dann erst dumm geschaut, dann untersucht, und fertig wars.