
Wann ist die Zeit reif, für eine neue Definition von Schulreife?
Erinnern Sie sich noch an die Plakate mit dem «weinenden Kind» am Strassenrand? 2008 protestierte damit die SVP in verschiedenen Kantonen gegen das Schulkonkordat HarmoS, welches den Eltern ihre Kinder bereits mit vier Jahren «wegnehmen» will. Die Partei erreichte mit den Tränen in einigen Kantonen ein Nein zur Schulharmonisierung an der Urne. Die Frage nach dem richtigen Einschulungsalter ist offenbar eines dieser diffusen und emotionsgeladenen Themen, mit denen ganze Abstimmungen instrumentalisiert und gewonnen werden können. Jedenfalls zeigte eine repräsentative Befragung von 1000 Schweizerinnen und Schweizer, dass eine Mehrheit zwar für eine Harmonisierung waren, aber gegen ein früheres Kindergarteneintrittsalter.
Wann sind Kinder schulreif? Darüber streiten sich nicht nur die Schweizer. Vor kurzem diskutierte ganz Grossbritannien über das ideale Einschulungsalter. Und das nicht minder heftig: Im Spätherbst ist der Schlussbericht des «Cambridge Primary Review» erschienen, der umfassendste Bildungsbericht für die britische Grundschule seit vierzig Jahren. Er wurde von 14 Autoren verfasst und wartet mit der Auswertung von mehr als 4000 Quellen auf. Interessant für die Diskussion hierzulande ist er deshalb, weil er entgegen der internationalen Tendenz zur früheren Einschulung eben diese in Frage stellt: «Dass England auf den frühestmöglichen Beginn der formalen Beschulung besteht, ist erzieherisch kontraproduktiv», heisst es im Résumé der Pädagogen von der Universität Cambridge. Eine Verschulung der Kindheit führe eben gerade nicht zu positiven Lernerfolgen. Sie empfehlen, die Preschool bis Ende des sechsten Lebensjahres auszudehnen und die Einschulung nach hinten zu verschieben.
In der Schweiz passiert zurzeit gerade das Gegenteil. Im Kanton Luzern etwa ist der Stichtag vorverlegt worden, so dass die jüngsten Kinder nun knapp vor ihrem sechsten Geburtstag die erste Klasse besuchen. In Zürich will man sich schrittweise der früheren Einschulung anderer Kantone annähern. Zwar sind Schweizer Erstklässler dann nicht jünger als die meisten anderen europäischen ABC-Schützen. Ausserdem sind nationale Grundschulsysteme nicht einfach eins zu eins zu vergleichen. Trotzdem scheint an der britischen Kritik etwas dran zu sein: Eine Untersuchung von zwei Darmstädter Wirtschaftswissenschaftlern bestätigt nämlich deren Befund. Patrick Puhani und Andrea Weber schauten sich unlängst die Leistungen hessischer Schülerinnen und Schüler bei einer Lesestudie sowie die Übertrittsquoten aufs Gymnasium an und stellten fest, dass Kinder, die erst kurz vor oder mit sieben eingeschult wurden, bei beidem besser abschnitten.
Warum, muss man sich da fragen, kann der Schuleintritt für viele Schweizer Eltern nicht genug früh kommen? In vielen Gemeinden finden zurzeit die Einschulungsgespräche statt. Und auch dieses Jahr werden wohl die Gesuche um frühere Einschulung von Sommer-Kindern wieder zunehmen. Ich kenne sogar ein Elternpaar, das sich wegen der Stichtage zur Einschulung für eine Wohnung im Nachbarskanton entschieden hat. Ist das fehlgeleiteter elterlicher Ehrgeiz? Oder wird in Schweizer Kindergärten zu viel gebastelt und zu wenig gefordert?
Klar ist, dass es kein wissenschaftlich begründbares ideales Einschulungsalter gibt. Körperliche Schulreife-Kriterien wie das Wackeln der Milchzähne oder der früher praktizierte «Philippi-Ohrläppchen-Test» (Fähigkeit des Kindes mit der rechten Hand, das linke Ohrläppchen zu erreichen, wenn es den Arm über den Kopf legt) sind zwar anschaulich, aber letztlich so wenig aussagekräftig wie das Alter. Schulreife ist nämlich wie so viele andere kindliche Entwicklungsschritte etwas Individuelles. Und nur eine Bildungsinstitution, die sich darauf einstellt und Durchlässigkeit praktiziert, statt mit Stichdaten zu jonglieren, kann die in periodischen Abständen aufkommenden Streitereien um das richtige Schuleintrittsalter ein für allemal lösen (etwa Dänemark).
Im Kanton Zürich wurde der letzte Versuch, genau diese Durchlässigkeit mit der Grundstufe einzurichten, 2002 vom Volk bachab geschickt. Aus Kostengründen, wie eine Nachbefragung der Stimmberechtigten ergab. Vorab Frauen haben sich übrigens gegen die Vorlage ausgesprochen. Und so bleibt die Frage ungelöst: Wie soll Schule die Schulreife definieren? Was ist wichtiger, die soziale oder die intellektuelle Schulreife? Und wenn schon Stichtage nötig sind, werden unsere Kinder zu früh oder zu spät eingeschult?
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Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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@ Rita
Bei uns gibt es die Möglichkeit das Kind ein drittes Jahr in den Kindergarten zu schicken.
ich selber als ich in den Kindergarten gewesen bin habe ich mich böse und unanständig genommen habe sogar das büroschlussel der lehrerin aus den fenster geworfen und es würde nicht mehr gefunden was bis heute immer etwas myseriös bleibt und meine Eltern sollte sogar 150 zählen für das und ich habe einmal Absichtlich an eine schulkamaradin die harre geschnitten und habe ich mich ein par mal verweigert in den kreis zu sitzen aber das ist jetzt 14. Jahre lange her und das schmerz mich heute noch immer sehr mit 21. Jahre 14. Jahre später und ich Scheme mich und beruhe es immer noch was ich damals gemacht habe und bin jetzt Mitglied der SVP geworden