Leben


Mamablog-Redaktion am Donnerstag den 19. November 2009

Jim Knopf und der neue Charme des Eiffelturms

Haben Kinder Geschmack?  Musikgehör? Sinn für Kunst? Der Mamablog widmet sich der Kultur, die in der Familie beginnt. Lesen Sie den Teil II der Mamablog-Kulturtipps.

MAMABLOG-MARIA-STUART

«Ob der Fähigkeit der Kinder, sich in die Phantasiewelten hineinversetzen zu können, könnte man fast etwas eifersüchtig werden»: Bild zu «Maria Stuart» der Theatergruppe 400asa.

Von Rico Bandle
«Geh ins Theater!», rief mir meine Tochter früher jeweils nach, wenn sie wütend auf mich war. Das ist das Los eines Theaterkritikers. Mittlerweile ist die Tochter fünf Jahre alt und wenn ich Abends die Familienrunde für einen Theaterbesuch verlasse, sagt sie: «Ich will auch mitkommen!» Das geht natürlich nicht, dafür besuchen wir ab und zu ein Kinderstück. Obwohl ich zugegebenermassen schon des Öftern beim nachmittäglichen «Kasperli» oder «Jim Knopf» eingenickt bin,  zu beobachten, wie Kinder die auf der Bühne gezeigten Geschichten aufsaugen und mit den Charakteren mitleiden, ist immer wieder faszinierend. Erst letzte Woche kam in einem Puppentheater ein niedlicher Stoffdrache vor, der etwas wütend geworden war, worauf selbst einige Buben im Kindergartenalter mit angstverzerrtem Gesicht Zuflucht im Schoss der Mama suchten. Meine Tochter lässt sich ihre Furcht während des Stücks jeweils kaum anmerken, dafür ist sie nach der Vorstellung während mindestens einer halben Stunde kaum ansprechbar, so mitgenommen ist sie vom Geschehen auf der Bühne. Das Interessante: In ihrem Alter ist es noch völlig egal, ob es sich um ein kleines Hausfrauentheater mit selbstgebastelten Filzfiguren oder ein professionelles Stück im Stadttheater handelt. Ob ihrer Fähigkeit, sich in die Phantasiewelten hineinversetzen zu können, könnte man fast etwas eifersüchtig werden – ein solches Erlebnis ist für einen Erwachsenen kaum mehr möglich.  Je mehr diese Fähigkeit abnimmt, desto mehr schwindet bei den meisten Kindern und Jugendlichen auch das Interesse für das Theater. Und so ist es möglich, dass bei meiner Tochter in einigen Jahren das Wort «Theater» die Augen bloss noch darum zum Funkeln bringt, weil es einen Abend ohne den lästigen Vater bedeutet.

  • Alle grossen Theater der Schweiz zeigen in der Vorweihnachtszeit ein Kinderstück (unbedingt Altersangabe beachten)
  • Vor allem für kleinere Kinder (Vorschulalter) sind Amateurstücke in Quartierzentren, Schulen etc. empfehlenswert.
  • Für Jugendliche bietet unter anderem das Junge Schauspielhaus Zürich das ganze Jahr über ein hervorragendes Programm. Auch freie Theatergruppen wie 400asa haben oft gute Stücke für Kinder und Jugendliche im Angebot.
MAMABLOG-Paris-02

«Das Schönste am City-Trip mit Kindern ist nämlich, dass man zwangsläufig ein Stück Alltag in der Fremde erlebt»: Windelträger in einem Park in Paris.

Von Nicole Althaus
Die stets behauptete Unverträglichkeit von Kinder und Städtereisen gehört zu den grössten elterlichen Missverständnissen überhaupt. Zwar haben Grossstädte durchaus Nachteile für Menschen, die mit Nachwuchs unterwegs sind: Das Tempo auf den Trottoirs ist hoch, die City-Spielplätze oft bloss eine mit Rutschbahn getarnte Verkehrsinsel. Aber das stört nur die Eltern. Kinder veranstalten spontan einen Hüpfwettbewerb auf den Treppen zum Montmartre oder spielen Verstecken in den engen Gässchen von Florenz. Auch sind sie durchaus empfänglich für Kultur, wenn man darunter nicht ein vollumfängliches Studium des Louvre versteht. Meine Töchter jedenfalls lieben Paris, London, New York. Und ich liebe die Entschuldigung, die sie mir jeweils geben, um wieder einmal das touristische Standardprogramm abzuspulen: Den Eiffelturm zu besteigen, den Wachen vor dem Buckingham Palace eine Gemütserregung abzutrotzen (die Kleine hats geschafft), über die Brooklyn-Bridge zu laufen. Ohne Trotzanfall kommt man sicher nicht davon. Aber das tut man am Meer oder auf dem Bauernhof auch nicht. Das Schönste am City-Trip mit Kindern ist nämlich, dass man zwangsläufig ein Stück Alltag in der Fremde erlebt. Wer innert Minuten eine Toilette suchen muss oder ein Pflaster für das aufgeschlagene Knie, der lernt Menschen und Orte kennen, die ihm sonst entgangen wären.

Lesen Sie auch den ersten Teil unserer Mamablog-Kulturtipps: DJ Oli und die bösen Räuber.

41 Kommentare zu „Jim Knopf und der neue Charme des Eiffelturms“

  1. Wolfgang R. sagt:

    Die Frau mit dem Schwert ist sexy.

Kommentieren

Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.