Haben Kinder Geschmack? Musikgehör? Sinn für Kunst? Der Mamablog widmet sich der Kultur, die in der Familie beginnt. Lesen Sie Teil 1.

«Ich beschloss, aus meinem Sohn Olivier einen Techno-Fan zu machen»: DJ Oli.
Von Philippe Zweifel
Ein Freund berichtete kürzlich stolz, dass er seinen Sohn zum FCZ-Fan erzogen habe. Zwar gibt es keinen Fussballverein, dem ich verfallen bin, aber die Idee des Brainwashing gefiel mir. Ich beschloss, aus meinem Sohn Olivier (19 Monate) einen Techno-Fan zu machen, wie ich es auch bin. Das ist pädagogisch natürlich zweifelhaft, aber musikalisch abgrenzen, dachte ich, kann er sich in der Pubertät immer noch. Das Experiment war ein voller Erfolg. Je stampfender die Platte, desto wilder Oliviers Tanz. Bloss: Unter 100 Dezibel rührte er keinen Zehen – was mein Gewissen auf den Plan rief, das einen Baby-Tinnitus befürchtete. Ich ersetzte das Gewummer noch am gleichen Tag durch Kinderlieder. Olivier nahm dies apathisch auf. Mittelhochdeutschartige Texte («Kuckuck, kuckuck, trefflicher Held/Was du gesungen, ist dir gelungen…») und die Produktionsweise (Synthesizer meets Xylophon) können es mit knackiger Elektronika halt nicht aufnehmen. Ein paar Wochen später lief am Radio ein Technostück (naja, DJ Bobo, doch Hauptsache Bumm-Bumm). Olivier horchte auf, stürmte zu den Plattenspielern und hüpfte wie ein Gummiball umher. Ich war so glücklich wie 10′000 Raver auf Ecstasy. Seither läuft laut Techno im Kinderzimmer, Tinnitus hin oder her.
Musik, die mein Kind zum Tanzen bringt:
- DJ Pierre «What is House Music?»
- Laurent Garnier «The Man with the Red Face»
- Stiller Has «Walliselle» (wenn es mal kein Techno sein muss)

«Eltern mögen es, wenn ihre Kinder Geschmack beweisen, die kindlichen Vorlieben also mit denen der Eltern deckungsgleich sind»: Kinderbuch von Tomi Ungerer.
Von Michèle Binswanger
Kinder mögen Geschichten. Und Eltern mögen es, wenn ihre Kinder Geschmack beweisen, die kindlichen Vorlieben also mit denen der Eltern deckungsgleich sind. Nirgendwo ist das einfacher zu erreichen als in der Literatur. Im Gegensatz zur Musik oder zur Kunst, ist sie dem Kind nämlich nicht unmittelbar, sondern nur über einen Vorleser zugänglich, der natürlich zugleich die Qualitätskontrolle übernimmt. So habe ich mich mit meinen Kindern hingebungsvoll durch das Opus von Alois Carigiet, Tomi Ungerer und Hans Fischer gelesen, gefolgt von Astrid Lindgren und Michael Ende. Allerdings entdeckten meine Kinder bald, dass die literarische Welt der Comics ihnen auch ohne Vorleser offen steht. Fortan steckten sie ihre Nasen in «Asterix», «Tim und Struppi» sowie «Calvin und Hobbes»-Bücher. Und wandten sich dann dem Rest meiner Comic-Sammlung zu, beherrscht von den Werken von Lewis Trondheim, Allan Moore und vor allem Christophe Blain. Da musste ich mich allerdings auf meine Rolle als Zensorin besinnen und beeilte mich, die Bücher in die höheren Stockwerke des Bücherregals zu räumen. Denn sie wimmeln nicht nur von Superhelden und Monstern, sondern sind vor allem nicht jugendfrei. Doch schon jetzt freue ich mich auf den Tag, da ich sie freigeben und mich am hoffentlich exzellenten Comic-Geschmack meiner Kinder freuen kann.
- Alois Carigiet: «Zottel Zick und Zwerg»
- Tomi Ungerer: «Zeraldas Riese»
- Hans Fischer: «Pitschi»
- Astrid Lindgren: «Wir Kinder aus Bullerbü»
- Michael Ende: «Die unendliche Geschichte»


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Mein Vater hörte immer gern Jazz. Manchmal hauchdünn leise bis spät in die Nacht. Noch heute erinnere ich mich gerne an diese späten Sommernächte mit Jazz im Hintergrund. Und Jazz blieb mein Lieblings-Genre.
Meine Mama erschloss mir die Welt der Bücher mit Pinocchio und Marcellino (Sanchez Silva – Marcelino Pan Y Vino). Der Silva Verlag hatte mal eine Ausgabe von Pinocchio mit Reproduktionen von handgemalten Aquarellen zum Einkleben. Ich habe das Buch immer noch nach all diesen Jahren.
Mamma, was ist ein Regenbogen?http://angelones.wordpress.com/2010/05/06/pippo-fliegt-zum-regenbogen/