Das braucht es, damit ich heiraten würde

Couples in the crowd during the Midsumma Festival Gay and Lesbian Commitment Ceremony in Melbourne, Australia, Sunday 15 February 2004. Midsumma Festival president Kris Darmody said that as well as expressing love, Summa Vows would be a protest to demand that gays and lesbians be given the same legal rights as heterosexual couples. It was estimated that around 300 couples participated, making it, according to organisers of the event, the world's largest commitment ceremony. (KEYSTONE/EPA/STUART MCEVOY) === AUSTRALIA OUT, NEW ZEALAND OUT ===

Lesbische Paare bei einer Commitment Ceremony in Melbourne, Australien. Foto: Stuart Gevoy (Keystone)

«Nein, wir sind tatsächlich nicht verheiratet!» Obwohl die Mutter meiner Kinder und ich seit zwei Jahrzehnten liiert sind, Leute am Telefon verwirrt reagieren, wenn ich mich mit meinem Nachnamen melde und der Nachwuchs in regelmässigen Abständen anfragt, ob wir denn nicht endlich auch mal heiraten wollen, haben wir uns bislang nicht getraut. Das heisst, trauen würden wir uns schon. Es ist auch nicht so, dass ich die Ehe grundsätzlich als spiessigen Sargnagel für jede halbwegs erfolgreiche Beziehung betrachten würde. Für mich heisst das: Du und ich, das ist der Plan. Manchmal wird er wie geschmiert laufen, und manchmal werden wir ihn für vollkommen sinnlos und gescheitert halten, aber wir tun, was wir können. Bis es nicht mehr geht oder einer umfällt. Gut, der Papierkram wegen der Kinder und die Nachfrage, ob meine Liebste sich wirklich mit «DEM da» das Sorgerecht teilen will, die ihr auf dem Jugendamt in meinem Beisein gestellt wurde, blieben mir damit auch erspart, aber ich wollte ja romantisch werden.

Ich kann mich also für die Ehe durchaus erwärmen. Bis auf weiteres wird das aber trotzdem nichts. Stattdessen warte ich auf den Tag, an dem die Ehe vollständig für Lesben und Schwule geöffnet wird. Diese Institution ist einfach um so vieles cooler, wenn sie nicht dazu instrumentalisiert wird, Menschen ihre Bürgerrechte vorzuenthalten. Denn darum geht es. Nicht etwa darum, dass irgendwelche Religionsvereine dazu genötigt werden, Menschen zu verheiraten, die nach ihrer Glaubensauffassung nicht verheiratet werden sollten. Das mag mir nicht passen und für viele Gläubige ein fatales Signal sein, muss aber toleriert werden. Der Ausschluss aus einer zivilrechtlichen Verbindung allerdings nicht.

Niemandem wird etwas weggenommen, ausser Diskriminierung geht nichts verloren. Was es jedoch trotzdem gibt sind Bauchgefühle und Unwohlsein. Der Kinder wegen.


Hat in Deutschland für Aufregung gesorgt: Angela Merkels Kommentar zur Homo-Ehe. Quelle: Youtube

Das stellt nämlich das letzte grosse Hindernis dar, welches einer völligen Gleichstellung im Wege steht: Adoptionsrecht. Die Frage, warum man dieses Recht Homosexuellen vorenthält, wird allerdings gar nicht erst mit einer konkreten Antwort gewürdigt. Stattdessen werden Bedenken getragen. Weil man mittlerweile gelernt hat, dass «Die verschwulen uns die Kinder!» und «So etwas gehört sich nicht!» argumentativ nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, auch wenn solche Sätze noch in viel zu vielen Köpfen stecken. So als hätten heterosexuelle Paare nie homosexuelle Kinder. So als wären Liebe und Verantwortung gleichgeschlechtlich orientierter Menschen gleichsam anrüchig oder zweitklassig. Aber sei es drum:

Ohne Ehe für alle keine Ehe für mich.

whitehouse

Das Weisse Haus in Regenbogenfarben. Foto: Twitter

Das kann man übertrieben, weltfremd, dem Zeitgeist anbiedernd, gutmenschelnd oder was auch immer finden. Letztendlich möchte ich aus altruistischen wie aus egoistischen Motiven gerne in einem Land leben, in dem alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. In dem nicht wegen religiöser oder sonstiger Befindlichkeiten die Würde von Bürgerinnen und Bürgern angetatscht wird und man auch noch die Frechheit besitzt, mit dem Kindeswohl ein zu schützendes Gut herbeizuzitieren, das in homosexuellen Händen ebenso gut aufgehoben ist wie in heterosexuellen. Aber der Tag wird kommen. Die Bigotterie wird einmal nicht das letzte Wort haben. Ich und viele anderen werden landauf, landab «Ja, ich will!» sagen. Und das Bundeshaus wird in Regenbogenfarben grossartig aussehen.

207 Kommentare zu «Das braucht es, damit ich heiraten würde»

  • Martin Keller sagt:

    Bei solchen grundsätzlichen gesellschaftlichen Fragen finde ich es immer wieder schade, dass so wenige Menschen mit dem Konzept des „Schleiers des Nichtwissens“ von John Rawls vertraut sind. Nah deisem intuitiv einleuchtenden Grundsatz würde sich die Frage, ob alle die gleichen Rechte haben sollten, gar nicht stellen. Absolute Gleichberechtigung wäre eine Selbstverständlichkeit. In der Frage der „Homo-Ehe“ sähe ich lediglich eine minimale Einschränkung als Teil einer sinnvollen Kopromisslösung an: Warum kann man für die zivilrchtliche Verbindung von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht einfach ein neues Wort erfinden. Genau die gleichen Rechte wie Heteros aber eben nicht „Ehe“ sondern irgendwas anderes. Damit würde man den verborten Konservativen den Wind aus den Segeln nehmen.

    • Sportpapi sagt:

      „Genau die gleichen Rechte wie Heteros aber eben nicht „Ehe“ sondern irgendwas anderes. “ Oh ja, das wäre die Lösung. Ich würde dem vielleicht eingetragene Partnerschaft sagen…

      • Martin Keller sagt:

        Wenn man die heute existierende eingetragene Partnerschaft um die Punkte Adoptionsrecht und Recht auf künstliche Befruchtung erweitert, würde das meiner Forderung schon sehr nahe kommen.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Keller: Klar. Aber genau darauf basiert vermutlich der Widerstand gegen die „Ehe für alle“.

      • Martin Keller sagt:

        Vollkommen Ihrer Meinung. Allerdings würde man durch die Schaffung einer anderen Bezeichnung die Diskussion auf eine sachliche Ebene zurückbringen. Heute ist doch das häufigste Argument: „Die Ehe ist definiert als Verbindung zwischen Mann und Frau, deshalb sollen homosexuelle Paare nicht heiraten dürfen“. Wenn man den Begriff der Ehe nun aus dem Spiel nimmt, müssten die „Verbohrten“ Argumente gegen die Adopton durch homosexuelle Paare finden. Und das dürfte ihnen ganz gewaltig schwerfallen, da das Geschlecht der Eltern für das Wohlergehen eines Kindes ganz und gar irrelevant sind. Dazu gibt es einerseits genügend Beispiele aus anderen Ländern und ausserdem ausreichend wissenschaftliche Studien.

    • Christoph Bögli sagt:

      Äh, das ist doch heute bereits so, ausser dass in einigen Punkten die eingetragene Partnerschaft nicht ganz gleichwertig mit der Ehe ist.

      Die entscheidendere Frage wäre aber doch: Wieso? Warum soll man eine zivilrechtliche Ungleichbehandlung hinnehmen, nur damit sich ein paar „verbohrte Konservative“ nicht ins Hemd machen müssen? Die einzig akzeptablen Lösungswege sind darum: Die zivilrechtliche Ehe für alle, oder für niemanden. Meinetwegen kann man ruhig die Ehe als solches umbenennen, dann können sich auch Teilnehmer der kirchlichen Ehe-Show ganz exklusiv dabei fühlen. Bloss dass halt auf rechtlicher Ebene niemand mehr benachteiligt wird..

    • 13 sagt:

      @ M.K.
      „Warum kann man für die zivilrechtliche Verbindung von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht einfach ein neues Wort erfinden. Genau die gleichen Rechte wie Heteros aber eben nicht „Ehe“ sondern irgendwas anderes. “

      Weil es genau darum geht. Die wirkliche, gesellschaftliche Anerkennung kann erst erfolgen, wenn die Unterschiede beseitigt werden und zwar durch wirkliche Beseitigung, nicht durch Schaffung neuer Unterschiede. Wenn Züge nun Abteile für Schweizer und solche für Ausländer einführen, dann spielt es keine Rolle, dass die Abteile genau gleich gestaltet sind. Es ist trotzdem diskriminierend, dass Ausländer nicht in die Abteile der Schweizer dürfen. Und natürlich auch umgekehrt.

      Und dabei stellt sich die umgekehrte Frage: Warum braucht es ein neues Wort?

      • 13 sagt:

        Haben die Traditionalisten mehr Rechte als die Homosexuellen? Ich entscheide mich im Zweifel immer für denjenigen, der für Toleranz steht.

        @ SP
        Ich habe es oben schon geschrieben. Die Unterschiede sind nicht nur im Adoptions- und Fortpflanzungsrecht, sondern auch anderswo.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Die anderen Unterschiede sind für mich unverständlich. Es wird kaum viel Widerstand geben, da vollständig anzupassen. Oder sollte es?

      • Martin Keller sagt:

        @13: Der Vergleich mit den Zugabteilen hinkt ganz massiv. Denn selbst bei meinem Kompromiss dürfte ja jeder sowohl einen gleichgeschlechtlichen als auch einen andersgeschlechtlichen Partner haben und heiraten. Nur würde man das eine eben Ehe nennen und das andere eingetragene Partnerschaft. Ich finde es sowieso stossend dass die zivilrechtliche Partnerschaft und die kirlich getraute Partnerschaft beide Ehe heissen. Ich ändere meinen Vorschlag deshalb ab: Die standesamtliche Ehe wird als Begriff abgeschaftt, künftig resultiert aus einer solchen Hochzeit eine eingetrage Partnerschaft (egal ob bei heterosexuellen oder homosexuellen Paaren). Dann bleibt der Begriff Ehe den Kirchen vorbehalten, die können diskrimnieren wen sie wollen, denn da muss ja keiner Mitglied bleiben.

      • 13 sagt:

        @ MK
        Dieser Vorschlag würde natürlich ganz anders aussehen.

        @ SP
        Ob Widerstand da wäre oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Insgesamt ist das Gesetz mehr auf eine lockerere, unverbindlichere Beziehung ausgerichtet als das Eherecht, also Gütertrennung als Normalfall, Unterhalt nur in Ausnahmefällen etc. Ich bekomme beim Lesen nicht das Gefühl, dass die Ernsthaftigkeit eines solchen Zusammenschlusses gleich hoch ist wie bei einer Eheschliessung. Jedoch bleibt die Hauptfrage bestehen, warum eine Unterscheidung bleiben soll.

  • Martin S. sagt:

    Ich heirate erst dann die Mutter meiner Kinder, wenn die Gerichte einen unter Erwachsenen und juristisch Beratenen geschlossenen Ehevertrag auch vollumfänglich anerkennen und dieser bei einer allfälligen Scheidung nicht neu interpretiert oder „den veränderten aktuellen Umständen“ angepasst wird.

    • Laurence sagt:

      Bitte beachten Sie, dass wenn Sie die Mutter Ihrer Kinder nicht heiraten, nicht keine Regeln gelten! Es gelten die Regeln für die einfache Gesellschaft (nach OR).

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Ich denke, da leidet einer an Begriffsverwirrung.

    Der Witz vom Bund für Leben ist, dass diesbezüglich überhaupt gar nichts mehr für alle zugänglich ist. Wenn es nämlich für alle offen ist, dann nennt man das „Promiskuität“ und nicht „Ehe“.

    • Jürg Brechbühl sagt:

      Oder anders gesagt, warum sollte der Pkcert überhaupt heiraten, wenn er alle zusammen heiraten will? Und wieviele an der Zahl wären dann „alle“?

      Eine für den Montag, eine für den Dienstag, eine für den Mittwoch, eine für den Donnerstag, eine für den Freitag, einen für den Samstag und weil der Sonntag schön ist, halt grad zwei? Genügt eine Garnitur oder braucht man auch noch Ersatz auf der Reservebank?

      Und wenn dann die Midlife-Crisis kommt braucht man dann noch eine neue Frauenmannschaft als Lebensabschnitts-Ehepartnerinnen?

      Am Schluss wären es gut und gerne 50 Frauen in dieser Pkcert-Ehe, aber was ist mit den übrigen 6,999999950 mia. Frauen auf dieser Erde? Soll Pkcerts Ehe auch für all diese offen sein?

      • Melanie sagt:

        Eigentlich ist so ein Kommentar keine Antwort wert, aber ich mach es trotzdem: Sie haben die Diskussion überhaupt nicht verstanden sondern zettern einfach ihre Ideologie herunter und beschuldigen Leute Dinge tun zu wollen, die sie nicht so kommuniziert haben. Sie scheinen wirklich Probleme zu haben mit dem Thema..schöns Tägli no!

  • Reincarnation of XY sagt:

    Einmal mehr das übliche: die Gegner mit ihren homophoben Begründungen, die nun einfach politisch korrekter ausgedrückt werden. So im Sinne von: Homosexualität schadet der Gesellschaft nicht, ABER… wenn man sie gleichstellt, würden ganz andere Elemente unsere Gesellschaft in den Abgrund reissen. – Nichts Neues unter der Sonne.

    Bleibt nur noch den Schreiber zu fragen, ob ihm der Grund warum er persönlich nicht heiratet gerade kürzlich eingefallen ist, um wieder einmal einen Aufhänger für einen Text zu haben, oder ob er vor 20 Jahren, als er mit der Liebe seines Lebens eine Familie gründen wollte, tatsächlich sagte: „Ich würde liebend gerne heiraten, aber weil die Homosexuellen nicht dürfen, tu ich es aus Solidarität nicht.“

    • Brunhild Steiner sagt:

      …oder die global-footprinters welche aus Erd-Entlastungsgründen auf Kinder verzichten, und den Bekinderten Umweltzerstörung zum Vorwurf machen, dabei aber immer im Dunkeln lassen wo sich ihr eigener Kinderverzicht auf einer Schmerzskala von 1 bis 10 in etwa positioniert….

  • Pascal Meister sagt:

    Ich wäre eher für „Ehe für keine“ statt für alle. Das Modell ist ja für sehr viele Menschen ohnehin bereits gescheitert. Schwer aufzulösen, mit viel Bürokratie und Kosten verbunden ohnehin, schon am Anfang. Also besser eine simple Eintragung, die jederzeit von beiden wieder gelöst werden kann. Inklusive Besuchsrecht im Spital und Vorteile beim Erbrecht. Aber ohne jegliche Einschränkungen, was Geschlecht oder sogar Verwandtschaft der Beteiligten angeht. Nur für die Kinder braucht es eine glasklare Verantwortung, die amtlich festgehalten wird. Idealerweise verbunden mit einem zwingenden Vaterschaftstest bei Geburt, wobei das Resultat keine zwingenden Folgen für die Beteiligten haben soll, aber allen zur Kenntnis gebracht wird, bevor sie sich verpflichten.

    • Anh Toàn sagt:

      @Pascal Meister

      Danke! Ihre Skizze entspricht schlicht einer modernen aufgeklärten Gesellschaft, welche auf dem Individuum als kleinste Einheit beruht. Die Verantwortung für Kinder muss klar sein (wer ist Vater ohne eheliche Vaterschaftsvermutung, Mutter kann heikel werden bei Fortpflanzungstechnologien.) Registrierung von Partnerschaften braucht es nicht. Warum nicht jemand für Instruktionsrechte an Ärzte, und einen anderen im Erbrecht (steuerlich) Vorteile einräumen können, gegen Unterstützungspflicht, eine Dritten bei Rentensystemen begünstigen. Eine emanzipierte (bedeutet: ex- „manus“ der Macht des pater familias, diese schützende Hand hielt die Familie zusammen) Gesellschaft braucht das Konstrukt „Familie“ als kleinste Einheit der Gesellschaft nicht mehr.

      • Anh Toàn sagt:

        Die Religiösen dürfen in der Kirche weiss heiraten, bis dass der Tod sie scheide, genauso leben wie bisher, hat ja keiner etwas dagegen, vielleicht ist das das Beste, die moderne Welt lässt jedem die Freiheit, altmodisch zu sein.

        Da wäre halt auch z.B. Zugang zu Fortpflanzungstechnologie nicht mehr von einem Zivilstand abhängig machbar, sondern entweder frei oder begrenzt durch medizinische Indikation. Ich sehe keine andere Grenze. Warum darf ich keinen Klon von mir machen, indem ich einen Zellkern von mir in eine Eizellenhülle einer bezahlten Spenderin oder Leihmutter pflanzen lasse. (Etwa so, habe ich verstanden, geht das)Unser grösstes Gesellschaftsproblem sind die Möglichkeiten moderner Fortpflanzungstechnologien.

      • Muttis Liebling sagt:

        Die Struktur, in welchem das Individuum kleinste Einheit, Element ist, nennt man Bevölkerung oder Volk. Das muss man nicht neu erfinden und gab es schon lange vor Gesellschaften.

        Grundlage der Gesellschaft ist ein Gesellschaftsvertrag, nicht die Vertragspartner. Ein Volk wird zur Gesellschaft, wenn sie sich einen Vertrag gibt, eine Verfassung und flankierende Gesetze. Diese sind die Elemente der Gesellschaft, vom Vertragspartner, Mensch wird vollständig abstrahiert.

        So versteht man eine Familie nicht als Ansammlung von n Menschen, sondern als das Regelwerk, welche diese n Menschen zusammenhält. Aufgabe des Staates als Aktivum der Gesellschaft ist die Gestaltung des Regelwerkes. Menschen existieren für den Staat nicht, selbst wenn Exponenten des Staates das Gegenteil behaupten.

      • Anh Toàn sagt:

        @Muttis Liebling „So versteht man eine Familie nicht als Ansammlung von n Menschen, sondern als das Regelwerk, welche diese n Menschen zusammenhält. Aufgabe des Staates als Aktivum der Gesellschaft ist die Gestaltung des Regelwerkes.“

        Ein Volk kann den Gesellschaftsvertrag durchaus so regeln, dass es keines Regelwerkes wie Familie Bedarf. Die Aufklärung basiert auf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Der Individuen. Nationen gab es auch nicht.

        Sie gestehen den Individuen, die schliessen den Gesellschaftsvertrag, wer den sonst, nicht zu, in diesem auf die Familie zu verzichten, nur dieses Konstrukt, eine Gesellschaft in der Gesellschaft zu gestalten? Warum braucht es „Familie“? So viele leben mit Kindern ohne und ohne Kinder mit?

      • Muttis Liebling sagt:

        ‚Die Aufklärung basiert auf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Der Individuen. Nationen gab es auch nicht.‘

        Das ist falsch. Wenn man die Aufklärer liest, die meinten die sozialen Gruppen. Die Bauern sollten frei und den Bürgerlichen und Aristokraten gleichgestellt sein. Von Individuen war nie die Rede.

        Nationen sind viel älter als Staaten. Nationenbildung begann in Mesopotamien, aus den Semiten wurden die Araber und die Juden.

        In Europa begann es mit Karl dem Grossen, aus den Franken wurden Franzosen und Deutsche. Das war so um 950 n. Ch.

        Staaten kommen und gehen, Nationen bleiben etwas länger. In China ist sogar mal passiert, das die mongolischen Mandschu sich freiwillig in die chinesischen han integriert haben, obwohl sie die militärischen Sieger waren.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ Ich nehme an, Sie drücken sich inkorrekt aus. Staaten werden sehr bald verschwinden, deren Existenzrecht ist seit der Globalisierung abgelaufen.

        Mit den Staaten werden auch viele Regelwerke verschwinden. Das der Ehe wird überflüssig, aber das der Familie bleibt. Bleiben werden auch die Nationen, Deutsche bleiben weiter Deutsche und Vietnamesen weiter Vietnamesen.

        Schweizer, Syrer, Afghanen oder US- Amerikaner bilden keine Nation, werden also verschwinden, bzw. auf ihre Ursprungsnationen zurückgeworfen. Deutsche, Franzosen, Araber, Perser, usw. Nationalität definiert sich über Sprache und Kultur, nicht über Staat.

      • Muttis Liebling sagt:

        3/ Noch vergessen

        ‚Warum braucht es „Familie“? So viele leben mit Kindern ohne und ohne Kinder mit?‘

        Familie ist gemeinsamer Hausstand, im Regelfall mehrerer Generationen und ist von Ehe erstmal völlig unabhängig.

        Eine kinderlose Beziehung ohne parallele generative Beziehungen bedeutet das Ende dieser Familie. Eine Familie kann sich über Jahrhunderte hinziehen, wir kennen >1000jährige Stammbäume.

        Deshalb kann die gleichgeschlechtliche Beziehung nie den gleichen Rang wie eine potentiell fortpflanzungsfähige haben.

      • Anh Toàn sagt:

        @ML: In einer Nation ohne Staat, (Hoheitliches Gewaltmonopol gebildet auf Basis eines Gesellschaftsvertrages, wer sagt dann, wer zur Nation dazugehört? Wer sagt, ob mein Kind mit einer Vietnamesin nun zur Vietnamesischen oder zur Schweizer oder zu keiner oder beiden Nation gehört, wenn die Nation keinen Staat hat?

        Das Volk, die Nation, entsteht erst, indem es sich in einem Gesellschaftsvertrag einer Kratie unterwirft. (Sagt Rousseau, sagte dieser Geschichtsprofessor der in Rente ging, Burckhardt Jakob glaub, auf alle Fälle mit „ck“ „dt“, von wegen Bürgerlicher Stand

        „Die Bauern sollten frei und den Bürgerlichen und Aristokraten gleichgestellt sein“:

        Aber die Aristokraten waren nicht den Bürgerlichen gleichgestellt, wie konnten dann die Bauern beiden gleichgestellt sein.

      • Anh Toàn sagt:

        Die Stände haben also in der Aufklärung verlangt, alle gleich zu sein, sich abzuschaffen, obsolet zu machen.

        ?

      • Anh Toàn sagt:

        ML: Familie ist notwendig, weil sie Familie ist.

        Den Papst gibt es auch seit 2000 Jahren, darum muss es einen Papst geben.

        Warum muss etwas über Generationen weitergegeben werden? Dann werden doch die mit reicher Familie ungleich zu denen aus armer Familie, Sohn eines Grundbesitzers ist anders als Sohn eines Landlosen und der Sohn des Schumachers wird Schumacher und heisst Schumacher und ist Schumacher, und sein Sohn wird Schumacher werden, weil er die Produktionsmittel vom Vater erbt. Das ist doch Familie, das sind doch (Familien-) (Zivil)Standesvorrechte, wo bleibt denn da die Gleichheit?

        Wozu ist das alles noch gut? Damit es tausende Jahre weitergeht?

      • Anh Toàn sagt:

        By the rivers of Babylon

        „Carried us away to captivity,
        requiring from us a song
        How can we sing King Alpha’s song
        in a strange land“

        Die Juden blieben ein Volk, auch in Gefangenschaft, weil sie sich der Kratie, den Regeln Gottes, „King Alpha’s song“ verpflichtet fühlten. Die Vereinigung zum Volk beruht auf Unterwerfung unter diese Regeln. Nicht auf Gebiet oder Sprache.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Anh Toàn
        Sie stellen alle Fragen aus der m.E. falschen Richtung. Es interessiert niemanden, was irgend etwas für Sie oder Ihr Kind bedeutet.

        Fragen Sie Ihr Kind in 20 Jahren, welcher Nation es sich zugehörig fühlt. Es darf sich vietnamesisch fühlen, weil es die Sprache und die Kultur liebt und gleichzeitig CH- Staatsbürger sein.

        Die Familie ist wie die Nation intrinsisch. d.h. die haben keinen äusseren Wert. Ich bin Preusse, weil ich in dieses Regelwerk hinein geboren bin und bis dato kein Besseres kennengelernt habe. Das korrespondiert mit meiner Familie mit zwei protestantischen Pfarrern im 19. Jhd..

        Familie ist für mich mehr, als meine Eltern, meine Schwester und ich. Die beiden Pfarrer wären auch meine Familie, wenn ich elternlos im Kinderheim aufgewachsen wäre.

    • Muttis Liebling sagt:

      Familie und Nation korrespondieren stark, Staat dazu überhaupt nicht. Wenn Ihr Kind in der vietnamesischen Tradition lebt und vielleicht dahin zurück kehrt, ist es Vietnamese. Bekehrt es sich zur Deutschschweizer Kultur, wird es Deutscher (nicht Schweizer).

      Beides zusammen geht nicht, man kann viele Pässe haben, aber immer nur einer Nation angehören. Fragen Sie, in welcher Sprache es träumt, dann kennen sie die Nationalität.

  • Markus Schneider sagt:

    Ich finde das eklig. Ich möchte Herrn Pickerts Meinung über die Ehe nicht hören. Auch nicht lesen. Er ist schlicht für eine Menung dazu nicht qualifiziert. Und ich bin froh, dass er nicht heiratet, er soll bei seiner Entscheidung bleiben. Mir ist aber ganz egal, wen er nicht heiratet. Ich möchte das auch in seiner nächsten oder übernächsten Kolumne nicht lesen müssen.

    • Franz Vontobel sagt:

      Tja, Schneider, da geht es ihnen ja ganz ähnlich wie mir: Ich finde sie ja auch eklig und möchte ihre Meinung auch nicht hören oder lesen, weder hier noch an all den anderen Orten, wo sie jeweils ihren rechtsnationalen Giftmüll hinkotzen…

      • Swissgirl sagt:

        @ Schneider: Sie müssen seine Kolumne nicht lesen – weshalb tun Sie’s dann trotzdem? Und motzen dann auch noch? Ich würde ihnen empfehlen, sämtliche Mamablog’s in Zukunft zu meiden, nicht dass Sie weiterhin Meinungen lesen die Ihnen nicht passen.

      • Markus Schneider sagt:

        Leider typisch linke Sichtweise: Alles ausblenden, bis die Wirklichkeit endlich passt. Den Gefallen kann ich Ihnen leider nicht tun. Es tut mir auch leid, dass Sie meine Kommentare lesen müssen – aber machen Sie’s doch das, was Sie mir empfehlen: lesen Sie sie einfach nicht. Und F. Vontobel zum Letzten: Was soll rechtsnational Ihrer Meinung nach eigentlich heissen, ist das womöglich der Gegensatz zu nationalsozialistisch? Solange es keine Linksnationalen gibt bin ich sehr gerne „rechtsnational“.

  • Franziska sagt:

    Moralinsaures Geschwätz wird nicht interessanter, wenn es statt wie früher von Kirche und Autoritäten von selbst ernannten „modernen“ Moralaposteln verbreitet wird. Selten so ein gewundenes Geschwurbel gelesen wie das des Autors. Eine Ehe ist ein rechtlicher Pakt. Er kann Vorteile und Nachteil in je einer bestimmten Situation bringen. . Und ja, die Gesellschaft muss sich überlegen, wem im Interesse des Gesamtstaates welche Rechte und Pflichten zustehen sollen. Wenn man genügend Leute für eine neue Idee hat, kommt es zur Gesetzesänderung. Da soll man sich doch besser konkret politisch einsetzen, statt irrelevant privat moralisch herumätzen. Wenn die Ehe nach coolem Rechnen eigentlich die bessere Lösung wäre, würde ich nicht Prinzipien reiten, sondern zugreifen, sonst lassen.

    • Muttis Liebling sagt:

      Die Ehe ist ein bürgerlicher Vertrag, welcher vor allem wirtschaftliche Beziehungen regelt, was in verschiedenen Kulturen und zu verschiedenen Zeiten selbstverständlich sehr unterschiedlich beinhaltet ist. Bestehende Eheverbote z.B. für nahe Verwandte weisen darauf hin, dass implizit auch die Fortpflanzung und damit das Konstrukt der Familie eine Rolle spielt.

      Jeder Staat behält sich vor, die Regeln dieser von ihm bevorzugten Partnerschaft zu definieren, wobei es nicht um Gerechtigkeit oder andere weiche Paramater, sondern um politische Ziele geht. In abhängigen Formen wie Ehe oder Familie ist der Mensch leichter domestizierbar, als individuell. Zeigt eine Beziehungsform keine politischen Zugewinne, wird die nicht bevorzugt.

      • Muttis Liebling sagt:

        Für die Rechtsform der Ehe spielt es keine Rolle, ob die zur Partnerschaft führende Beziehung auf Liebe, Habgier oder Sexualität beruht. Für den die Ehe definierenden Staat ist nur die leichtere Beherrschbarkeit der beteiligten Personen von Belang.

        Wie Franziska erwähnt, haben in Demokratien die Menschen grundsätzlich die Möglichkeit, das Ehe-/ Familienmodell zu verändern, tun das im Regelfall aber nicht, weil sie sich ausschliesslich mit den Belanglosigkeiten, nicht aber mit dem Wesen der Sache beschäftigen. Wofür dieser Blog um ein weiteres den Beweis gibt.

  • Flu sagt:

    Was nicht gleich ist( ohne zu werten) kann juristisch auch nicht gleich heissen oder?

    • Christoph Bögli sagt:

      Die Ehe ist grundsätzlich nur als rechtliche Verbindung zwischen zwei (mündigen) Personen definiert, mitsamt spezifisch zugewiesenen Rechten. Es gibt also keinerlei Ausschlussgrund, wieso eine Verbindung zwischen zwei Menschen nicht so genannt werden könnte. Alles andere ist irrelevant. Zumal sowieso keine Ehe „gleich“ wie die andere ist. Oder soll man mit der Begründung auch Eheschliessungen zwischen Menschen mit grossem Altersunterschied oder unterschiedlichen Nationalitäten nicht mehr erlauben, weil das nicht der Schweizer Normalität entspricht?

      • Sportpapi sagt:

        „Es gibt also keinerlei Ausschlussgrund, wieso eine Verbindung zwischen zwei Menschen nicht so genannt werden könnte.“ Ausser dem, was die meisten Menschen seit Jahrhunderten darunter verstehen.

      • Christoph Bögli sagt:

        @SP: Manchmal macht die Gesellschaft – zum Glück – halt auch Fortschritte. Wenn man sich immer nur daran orientiert, was andere Jahrhunderte lang geglaubt haben, weil sie es in ihrer Ignoranz nicht besser wussten, dann würden wir heute noch nicht einmal Höhlen bemalen.

        Gerade bei der Revidierung von sehr tief wurzelnden Missständen ist darum die Vergangenheit der schlechteste Ratgeber. Mit der gleichen Begründung könnte man ja auch auf die lange und ausgiebig gepflegten Traditionen des Antisemitsmus und Sexismus verweisen, um Juden oder Frauen manche Grundrechte zu verweigern. Mit diesem „das war halt schon immer so“-Denken wurde ja u.a. den Frauen noch bis 1990 (!) in manchen Kantonen das Stimmrecht vorenthalten..

  • Olaf Plex sagt:

    Sie schreiben dass ‚Menschen ihre Bürgerrechte vorenthalten‘ werden. Dem ist nicht so, den Bürgerrechte stehen eigentlich nie allen ‚Bürgern‘ zu. Es ist heute (und noch viel mehrhistorisch gesehen) gängig, dass gewisse Bürgerrechte an Bedinungen geküpft sind, so z.B. das Wahlrecht welches man erst erhält wenn man Volljährig ist. Entsprechend ist auch die Ehe nach aktueller Definiton an die Bedinung Mann ehelicht Frau bzw. umgekehrt geknüpft. Verstehen Sie mich nicht falsch, mir ist es ziemlich egal wie die Definition von Ehe auszusehen hat, aber aus heutiger Sicht ein Bürgrrecht davon abzuleiten ist falsch.

  • 13 sagt:

    Herr Pickert
    Auch wenn ich Ihre Meinung zur Homo-Ehe zu 100% teile, verstehe ich den Grund nicht zu heiraten, darin nicht. Es gibt Länder dieser Welt, da würden Sie mit der Veröffentlichung dieses Textes ihr Leben riskieren und das ihrer Kinder und ihrer Frau (angeheiratet oder nicht). Und doch bedienen Sie sich Ihres Rechts auf freie Meinungsäusserung. Vielleicht auch für diejenigen, die das Recht nicht ausüben können/dürfen. Und sollte es beim Heiraten nicht gleich sein? Ich heirate und setze damit ein Zeichen dafür, dass die Ehe auch heute noch eine wichtige Institution ist. Ich bin dankbar dafür, die Person heiraten zu dürfen, die ich mir ausgesucht habe und kämpfe mit diesen Vorzeichen dafür, dass alle dieses Glück erhalten.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Sehr gut gesagt und argumentiert, 13.

      Allerdings leidet die Glaubwürdigkeit von Herrn P. sowieso, weil ihm das niemand so richtig abnehmen will.
      Er hat auch auf meine konkrete Frage nicht geantwortet, ob er tatsächlich bei seiner Familiengründung deshalb einer Heirat entsagt hat, oder ob ihm diese Idee erst später gekommen ist, als das Thema medial aktuelle wurde.

      • 13 sagt:

        Roxy
        Ob er die Idee bereits bei der Familiengründung hatte, weiss ich nicht, aber fairerweise muss man zugeben, dass Herr P. das Thema selber immer wieder medial aufwirft und zwar schon bevor die ganze CVP-Initiative und ihr Rattenschwanz ein Thema wurden.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Ja, natürlich.
        Ist ja auch schon länger ein Thema, als diese unsinnige Mogelpackung der Konservativen.

        Aber Sie haben ja selbst bemerkt, dass seine Argumentation keinen rechten Sinn ergibt und ich habe noch hinzugefügt, dass sie auch nicht sehr glaubwürdig erscheint.
        Manchmal wäre weniger mehr.

        Ich halte den Kampf übrigens auch für wichtig. Die Werte der Aufklärung müssen unbedingt in sowohl in unseren Köpfen, wie auch in unseren Gesetzen Niederschlag finden.

  • Zufferey Marcel sagt:

    Liebe kennt kein Geschlecht! Schliesslich sollen auch Homosexuelle ein Recht darauf haben, sich sauteure Rosenkriege zu liefern, um sich dann in buchstäblich jeder Beziehung gegenseitig zu ruinieren: Warum sollte dieses exklusive Privileg nur heterosexuellen Paaren zustehen..!

  • Cesar Mendel sagt:

    Kann die Merkel vielleicht mal sagen, warum es ihr unwohl ist? Sie ist super im Schwafeln, aber damit hat sichs!

  • Tobias Meyer sagt:

    Homoehe? Ja! Adoption für Homos? Ja! Aber nun sollen Heteros aus „Solidarität“ aufs Heiraten verzichten…? Ich glaube es hackt!

  • sione sagt:

    Nils Pickert, Sie haben meinen grossen Respekt. Sie kapieren etwas, was so viele nicht tun.

  • Dani Müller sagt:

    Das ist irgendwie ähnlich, wie aus Protest nicht Abstimmen gehen. Niemand merkt was davon.

Kommentar

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