Der Haushalt – Endstation für Verlierer?

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Low Performance: Hausarbeit inklusive Kinderbetreuung hat einen schlechten Ruf. (iStock)

Ganz schnell und spontan: Was fällt Ihnen zum Thema Familienmodelle ein? Denken Sie auch zuerst an Stereotype? An das kleinkariert beschürzte Heimchen am Herd und den erfolgreichen Anzugträger im mittleren Management? An den modernen, wenn auch etwas ungeschickten Hausmann und das ehrgeizige Karriereweib? Oder an die beiden Zumindest-probiert-Teilzeitler: Er arbeitet 80 Prozent als Gymnasiallehrer, sie behält ein 30-Prozent-Pensum als Arzthelferin?

Natürlich tauchen vor Ihren Augen nicht so bitterböse Bilder auf. Klopfen Sie sich dafür ruhig auf die Schulter. Aber in ähnlichen Kategorien haben Sie schon gedacht, stimmts?

Schämen Sie sich nicht, Kategorien strukturieren unser Denken. Dabei verkennen wir jedoch schnell, wie individuell Familienmodelle ausfallen. Fast wie Schneekristalle. Aber während Schneekristalle aus purem Spass an der Sache einzigartig sind, fliessen in die Wahl eines Familienmodells unglaublich viele Sachzwänge und Vorlieben ein. Nehmen Sie mein Beispiel:

Ich arbeite 60 Prozent, davon zwei Drittel im Homeoffice. Meine Frau studiert und hat einen kleinen Nebenjob. Wir leben an zwei Wohnorten, betreuen unser Kind selber und teilen uns die Haushaltsarbeit ungefähr hälftig. Historische, finanzielle und administrative Gründe haben zu diesem Modell geführt. Natürlich spielten persönliche Wünsche, unsere zeitliche Familienplanung sowie weitere Zukunftsüberlegungen ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Das Beispiel ist noch weit komplizierter, als es klingt. Vor allem, weil wir in zwei Ländern wohnen. Allein mit der Berechnung des Kindergeldes und der Zulassung des Familienautos könnten wir ein Rudel Juristen beschäftigen. Aber – und das ist mein Punkt hier – es funktioniert in unserer aktuellen Lebensphase bestens. Und am Horizont zeichnet sich bereits die nächste Lebensphase mit einem komplett anderen Modell ab.

Was ich damit sagen will: Jeder Familie gebührt ihr ganz persönliches Erfolgsmodell.

Komischerweise bewertet jedoch die Gesellschaft auch ähnliche Modelle sehr unterschiedlich – und zwar abhängig davon, welches Geschlecht in welche Rolle steigt. Der Mann, der einen Teil oder gar den ganzen Haushalt übernimmt, erntet Bewunderung. Im Gegensatz zur Frau, die dasselbe tut. Doch die Bewunderung gilt nicht seiner Leistung im Haushalt, sondern dem Umstand, dass er kürzertritt. Dafür, dass er seiner berufstätigen Frau den Rücken freihält. Welch selbstlose Tat. Preiset den Herrn!

Immerhin Bewunderung, könnte man denken. Aber nein: Hinter vorgehaltener Hand und gezogenen Vorhängen gesellt sich rasch Mitleid hinzu. Schliesslich ist besagter Mann im Rollenverteilkampf unterlegen. Seine Frau hat offensichtlich innerhalb wie ausserhalb der Familie mehr Erfolg. Ihm bleiben die Restposten im Spektrum der sinnvollen Beschäftigungen.

Die Hausarbeit inklusive Kinderbetreuung hat einen schlechten Ruf, auch wenn alle immer wieder ihre Bedeutung betonen. Man spürt es bei Euphemismen wie der «Familienmanagerin». Diesem krampfhaften Versuch, Arbeitslast und Verantwortung zu demonstrieren, indem man dem BWL-Jargon ein Wort abluchst, das sinnbildlich für die berufliche Karriere steht.

Hier hadere ich übrigens auch mit Frauenquoten in Chefetagen. Bei allem Verständnis für die damit verfolgten Ziele vermitteln sie eine unschöne Botschaft: Wer es nach oben schafft, ist erfolgreich. Wer in tieferer Hierarchie verbleibt oder sich gar zu Hause um alles kümmert, ist ein Low Performer. Ein Verlierer. Ehrenhaft, wenn er freiwillig kürzertritt, aber halt trotzdem ein Verlierer.

Ich wünsche mir einen gesellschaftlichen Wandel: auf dass die Hausarbeit ihr Stigma der minderwertigen Tätigkeit ablege. Ich will mir doch bei der familiären Rollenwahl keine Sorgen um meinen gesellschaftlichen Status machen müssen. Wo kämen wir da hin?

146 Kommentare zu «Der Haushalt – Endstation für Verlierer?»

  • Textonia sagt:

    Wichtig ist tatsächlich, dass man als Familie unbeirrt den eigenen Weg geht. Wir haben schon eine Menge Modelle gelebt, zuerst Frau 100% Arbeit, Mann selbstständig und Hausmann, Kind 2 Tage Kita. Dann Mann 3 Jahre Zweitausbildung, Frau 100% (trotzdem Mittwochnachmittags frei), Nanny für Kind für weitere kindergarten-/schulfreie Nachmittage. Danach Mann 100%, Frau 90%, Kind Tagesschule. Da der Mann im Schichtsystem arbeitet, haben beide auch Kind-alleine-Tage. Und wegen der vielen Schulferien auch einzeln Ferien. Das gefällt allen. Das einzige, was ich generell empfehlen kann: Tagesschule. Denn so kann Mann und Frau einer Arbeit einfacher nachgehen. So er/sie will. Und erfahrungsgemäss wollen das eigentlich alle. Mit Betonung auf «eigentlich».

    • Sportpapi sagt:

      Dank Tagesschule können die Eltern ihrer Arbeit einfacher nachgehen. Ob allerdings die Kinder das auch so toll finden, steht auf einem anderen Blatt.

  • Anh Toàn sagt:

    Als ich noch Kind war, habe ich am Radio die Geburtstagsgratulationen an die Ü95 gehört: Da hiess es oft, er/sie mache noch den ganzen Haushalt selber.

  • Reto sagt:

    In meinen Augen ist es vor allem wichtig, dass alle mit der Situation zufrieden sind. Meine Frau arbeitet 80%, ich ebenfalls. Unser 2-jährige Sohn geht 3 Tage in die KiTa. Pro Woche gibt es also einen Mama- und einen Papa-Tag, den jeder mit dem Kleinen gestalten kann, wie er/sie will. Die WE gestalten wir gemeinsam. Meine Frau kocht, ich kümmere mich um die Wäsche. Putzen und Bügeln macht uns beiden weniger Spass -also haben wie hier Hilfe engagiert, die wir uns mit 2×80%-Pensum auch leisten können. Für uns ist das so richtig. Der Kleine hat Freude mit anderen Kindern, ist aber auch gerne mal mit uns alleine unterwegs. Trotzdem ernten wir für unser Familienmodell immer wieder Kritik – vor allem seitens älterer Verwandtschaft, die meiner Frau die 80% vorwirft. Wir gehen nicht darauf ein.

  • Ash Thomson sagt:

    Was soll das hier? Wenn andere dich wirklich als Loser sehen soll das dir egal sein. Entweder erklären wie es wirklich ist und warum du dein Leben so lebst wie du willst, oder diese Leute einfach ignorieren.

    Wenn du dich selber als Verlierer siehst dann einfach mehr machen als jetzt. Ich selber habe 3 kleine Kinder und meine Frau und ich arbeiten beide vollzeit mit unsere eigene Geschäft. Keine Nannies, kein Hort, kein Problem.

    Schliesslich werden Taten belohnt und nicht nur Wörter. Willst du einen gesellschaftlichen Wandel dann zeig wie glücklich du bist zu jeder wer dafür interessiert in dem du Gesund und stressfrei bist und die Frage dich nicht interessiert. Oder mach so viel gutes aus deine Zeit das diese Frage die Leute gar nicht in Sinn kommt.

  • Edith Schmidt sagt:

    Da komme ich auch als fünffache familienfrau nicht mehr mit! Ich hatte nach 10 Jahren Beruf genügend Wissen wie Arbeit im Büro aussieht und blieb dann gerne mit der Erziehung der Kindern im Haushalt! Ich finde putzen reinigt die Gedanken kochen überlasse ich auch gerne mal meinem Mann ( ich räume auf) und den ganzen Wäscheberg wird wirklich 70 prozentig von Maschinen erledigt.. Bügeln na ja das kann dann einen kreativen Moment gebrauchen! Muss halt irgendwann sein ist aber nicht weniger frustrierend wie tippend am compi zu sitzen….und genussvoll sauber wohnen ist mir wichtig… Wer mich bezahlt? Unser gemeinsamer Geldbeutel! Wer mich lobt? Ich mich und das intensiv, denn Haushalten erspart mir das Sportstudio und gibt mir enorm viel Freiheit in der Zeiteinteilung! Edith Schmidt

  • Stefan Moser sagt:

    @Katharina: Da komm ich als Mann nicht mehr mit. Ich geh wieder Hemden bügeln.

    • Katharina sagt:

      Stefan: Wenn Du den Teil betreffend Kurzweil meinst: Ohne Kenntnis der Transhumanisten-Szene ist das wohl etwas unverständlich. Kurzweil (Technologie Direktor bei Google) ist bekennender Transhumanist (‚Die Singularität ist nah‘) und lautstarker Proponent des Singularitäts-Memes. Bekennend ist meine bewusste Wortwahl.

      POTUS bezieht sich auf Präsident der US. Im Zusammenhang des Witzes bezieht sich dies auf Zoltan Istvan (Transhumanist Wager – eine von ihm nicht als solche verstandene, aber geschriebene Satire, wo ein Bot Presi wird). Er gondelt mit einem zu einem Sarg umgebauten Trippy Bus (eine unbeabsichtigte Referenz auf die LSD Guru Busse Kaliforniens der Hippy Ära) im Land umher – in seiner privaten Kampagne als Presi-Kandidat (nicht lachen, er macht das wirklich).

      • Katharina sagt:

        2: Istvan folgt zudem einer ‚Church of Immortality‘.

        Welfare State ist ein Seitenhieb auf die Techno-Libertarianer (Eine der Transhumanen Strömungen und Gegner von Dingen wie BGE). BLM bezieht sich auf Milizen. Und Apple ist wohl selbsterklärend…. Neulich wurde eine 400 Tsd teure Drohne mit etwas Hardware für 40 USD gehackt.

        Pennsylvania Dutch sind eine Gruppe, die moderne Technologie ablehnt und in Pennsylvania und Ohio in Gemeinden mit Ross und Wagen leben. Wie zu Gründerzeiten meines Landes.

        Die Zeitangaben sind hebräisch und immer das Datum des Posts.

        Mir ging es darum, die wie auch immer es gesehen wird, also entweder dystopischen oder paradiesischen, Versprechungen der künstlichen Intelligenz zu relativieren. Erstens kommt es anders und zweitens als gedacht.

      • Katharina sagt:

        Ich selber unterschreibe aber ‚existential Risk‘ betreffend AI nicht. Die meisten ER Proponenten sind nicht Leute, die auf dem Gebiet Robotik und AI forschen und arbeiten.

        Aber: die Entwickung impliziert, was ich im ersten Kommentar skizzierte. Und da muss BGE für einen gesellschaftsverträglichen Wandel eine von mehreren Optionen sein.

      • Katharina sagt:

        Ethereum (Blockchain) ist ein technischer Ansatz, den wir (Transhuman National Committee of the US) zur Zeit genauer betrachten betreffend validierung von Abstimmungen, Verträgen und anderem in einem Kontext virtueller Gesellschaften.

        Das ganze einfach, wie der Wandel der Arbeitswelt und die Schätzung und Achtung gesellschaftlicher Teilnahme auch gesehen werden kann: Nicht als Kontemplation nur über Haushaltsämtli.

  • Katharina sagt:

    Die Wertschätzung von Arbeit – oder anders ausgedrückt, Mitgestaltung der Gemeinschaft- muss sich grundlegend ändern und von einer monetären Skala wegkommen.

    Warum? Arbeit mit ambivalent skalierter monetärer Abgeltung wird sich in der Zeit der nun heranwachsenden Generation sehr stark zurückgehen. Alleine in der Logistik, immerhin etwa 40% der entlohnten Stellen, entfallen diese Stellen in den kommenden 10 Jahren. Diese Revolution der Automata wird aber nicht durch ‚neue Jobs und Skills‘ aufgefangen werden können.

    Als Übergangslösung bietet sich BGE an. Längerfristig aber muss eine andere Lösung als der Austausch von Geld gefunden werden. Blockchain und Ethereum sind mögliche Ansätze – Ethereum auch in Hinsicht auf Demokratie Verträge (‚social contract‘).

    • Katharina sagt:

      aber: mein Standard Kommentar dazu ist ein nicht ohne Selbstironie geschriebener Transhumanisten-Witz:

      ‚LordBot Kurzweil will raise from the tea on 22nd of Adar I, 5776 as POTUS. He will proclaim that robots have created eternal and global public abundance.

      The Federal Bureau of Land-Mismanagement will grant territory in Utah to Cishuman Amish to labor the desert in the pre-singularity ways. Because we need to keep a reservation for the non-believers in the Welfare-State ™.

      But then LordBot Kurzweil was screwed by an Apple Backdoor and most of the DivineManna Bots were chased off the planet by …

      Uptight Pennsylvania Dutch Pitchforks.‘

  • Samichlous sagt:

    Ich finds toll, dass Sie momentan bescheidener leben und dafür ihr Kind und das Leben geniessen können. Der grosse Teil von uns versucht ja irgendwie alles unter einen Hut zu stopfen und ist städnig gestresst.
    „Zukünftige Generationen werden unsere Lebensläufe einmal als irrational bezeichnen. Wir komprimieren unser Arbeistleben in die Zeit, in der wir Kinder bekommen und gross ziehen könnten… wir verschieben die Freizeit unseres Lebens auf jene Jahre, in denen wir keine Kinder mehr zeugen können und die eigenen Kinder unsere Zeit und Kraft kaum mehr benötigen.“ , James W. Vaupel, Gründungsdirektor Max-Planck-Institut

  • Buchtipp für Brechts Papa sagt:

    @Herr Tschannen,
    kenne Sie das Buch von Ralf Felix Siebler ? Er bietet tolle „Argumente für unverkürzte Elternzeit“ und somit eben auch tolle Argumente Hausmann/Teilzeithausmann zu sein.

    Bin mir sicher, Sie würden das Buch lieben! Nicht vom Cover abschrecken lassen. Der Inhalt ist umso besser! Der Autor schreibt so herrlich, wie er erlebt, wie seine kleine Tochter zum ersten Mal kapiert, dass sie sie ist und mit ihrem kleinen Fingerchen auf ihre Brust zeigt, und was er sonst noch alles erlebt, weil er sich eben auch um die Hausarbeit und Kinderbetreuung kümmert.

  • Marc Altdorfer sagt:

    Ich denke, dass wie im Bericht des Autors erwähnt jeder sein eigenes Modell leben soll. Unabhängig vom Mainstream, Medien etc. Bezüglich der Hausarbeit kann ich nur folgendes sagen: Ich habe Hochachtung vor all den Elternteilen die hauptsächlich zuhause den Haushalt schmeissen und wirklich „chrampfen“. Den diese Arbeit beinhaltet ja nicht nur die reine Hausarbeit wie Kochen, Putzen, Waschen etc. Sondern sie fördern (im Idealfall) die Kids, beschäftigen sich mit ihnen und sind Blitzableiter. Mancher Erwerbstätiger hat im Gegensatz zu diesen „Homeworkern“ einen Easy-Job. Eigentlich sollten Hausfrauen-/Männer vom Staat eine Entlöhnung bekommen. Wer soll das bezahlen? All die kinderlosen „Egoisten“. 😉 Ja ich gebs ja zu, das letzte Statement war jetzt nicht ganz korrekt. 😉

    • Samichlous sagt:

      Meine Worte. Bezahlen könnte das ein reiches Land wie die Schweiz das bestimmt. Aber wir geben ja lieber enorme Beiträge für Waffen oder für die Subvention der Landwirtschaft aus…

    • Sportpapi sagt:

      Die „Entlöhnung“ und Wertschätzung kommt vom Partner. Reicht das nicht?

  • Nina sagt:

    Wann lernen wir endlich so zu leben wie wir es für richtig halten. Die Meinung von Anderen kann uns doch egal sein. Es sind individuelle Entscheidungen und es gibt viele verschiedene Gründe, warum Menschen sich für verschiedene Modelle entscheiden.

  • Claudia Blau sagt:

    Die Bewertung der Haus- und Familienarbeit wird erst besser, wenn genug Männer sich dieser widmen – denn jede Arbeit, die von Frauen erledigt wird, wird als „wertloser“ und jede Arbeit, die von Männern erledigt wird als „wertvoller“ betrachtet.
    Bei der Erwerbsarbeit liegt diese unterschiedliche Einschätzung statistisch erwiesen bei 20% (Lohnungleichheit). Bei unbezahlter Arbeit liegt dieser Wert natürlich noch viel höher.

    • fabian sagt:

      jö, ihr armen opfer!

    • Enrico sagt:

      Liebe Claudia Blau
      Lernen Sie doch erst mal eine Statistk lesen.
      Angst davor ?
      Im Tagi wurde erst kürzlich in einem Artikel diese Zahlen erklärt. Aber eben, sich als Opfer darstellen zu können ist Macht.

    • Marcos sagt:

      Das stimmt nur bedingt. So ist beispielsweise der Frauenanteil und in der Biologie genauso gestiegen wie die Reputation dieses Wissenschaftzweigs (zwar nicht wegen dem Frauenanteil sondern aufgrund der Entdeckung der DNA). Andererseits haben gewisse Berufe mit hohem Frauenanteil wie Lehrer, Apotheker an Reputation verloren. Ob das nur am Frauenanteil liegt bezweifle ich, denn die Grundbildung und intellektuellen Anforderungen sind heutzutage allgemein viel grösser. Lehrer hat längst keine herausragende Stellung mehr. Beim Fall des Apothekers ist auch klar warum. Selber Medikamente herzustellen ist längst nicht mehr nötig.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Im Übrigen: Hausarbeit soll einen schlechten Ruf haben, warum auch immer. Meine Frau und ich kochen zum Beispiel sehr gerne. Nun haben wir zusammen mit anderen Paaren eine Facebook-Gruppe nur für’s Kochen eröffnet. Kochen ist schön und macht sauglücklich- von wegen Hausarbeit ist schnöde..!

    • So sind die Geschmäcker verschieden. Ich mag von der ganzen Hausarbeit das Kochen am wenigsten und bin eher der Waschmaschinenfetischist.

    • alam sagt:

      Und wo sind all die vielen Facebook-Gruppen fürs Putzen, Einkaufen und Waschen?

      • Leidenschaftliche Putzer, Einkäufer und Wascher haben vermutlich ein kleineres Mitteilungsbedürfnis als die Köche.

      • Vali sagt:

        Mit Kochen kann man sich profilieren, deshalb, so vermute ich, ist das derjenige teil der Hausarbeit, der die Männer am ehsten übernehmen. Die Gäste loben und kommentieren ja eher das Menu, als dass sie über Sauberkeit der Wohnung oder gebügelte Handtücher schwärmen würden 😉

      • Sportpapi sagt:

        Viele Männer essen gerne. Entsprechend kochen sie auch gerne.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Solange alle Beteiligten in einer Familie das Beste im Rahmen ihrer Möglichkeiten geben und dabei auch noch zufrieden sind, ist es eigentlich vollkommen egal, was andere (der Nachbar, die Medien, die Politik, etc.) denken. Ganz zuoberst steht für mich die Lebenszufriedenheit. Ich bin ja schliesslich kein unmündiges, fremdgesteuertes Wesen, dass nicht in der Lage ist, zwischen Eigen- und Fremdbild zu unterscheiden! Ein nach aussen gerichtetes Leben stelle ich mir ziemlich mühsam vor: Warum sollte ich die Erwartungen Dritter erfüllen? Gleichzeitig freut es mich natürlich für meinen Nachbarn, wenn er sich bereits einen dritten, schnellen BMW leisten kann- ich selber habe kein Auto und bin glücklich dabei.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Es wurde schon gesagt: Wir müssen einfach lernen unser Ding durchzuziehen und ein Sch…. drauf zu geben, was die anderen denken.

    Gefallen hat mir der Satz: Jede Familie hat ihr eigenes Erfolgsmodell.
    Natürlich stimmt das nur, wenn die Familie selbstbewusst den eigenen Weg geht und damit zufrieden ist.

    Immer wieder wird über „die Gesellschaft“ geredet. Aber oftmals scheint es so, dass die ganze Gesellschaft findt, dass „die Gesellschaft“ zu wenig tolerant (o.ä.) ist.
    Ist es nicht auch so, dass viele sich selbst verurteilen und dann sagen, dass die Gesellschaft das tut?

  • HMH sagt:

    Ich frage mich, was eigentlich wirklich gesellschaftlich hoch angesehen wird: Als Mutter zweier kleiner Kinder arbeite ich (gerne) 100% und werde schräg angesehen – ebenso ergeht es der Mutter, die zu Hause bleibt. Der ‚Karrierevater‘ wird bedauert, weil er die Entwicklung seiner Kinder verpasst… Auch bei bezahlten Jobs gibt es jede Menge derer, die nicht ‚gut angesehen‘ sind, aber absolut notwendig und daher mehr Anerkennung bekommen sollten.
    Die Schlussfolgerung ist, dass man nur danach streben kann, im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten das Optimum für die eigene Familie zu finden.

    • Am höchsten angesehen wird wohl das Teilzeitpärchen, von denen beide 50% bis 70% in einem „gesellschaftlich respektierten“ Job arbeiten (Kinderärzte, Pfleger im Tierheim) und das Kind maximal 1 Tag familienextern betreut wird. Das Kind darf ausserdem weder einen zu ausgefallen noch einen zu oft vorkommenden Namen haben und weder zu stark noch zu wenig gefördert werden.

      • Marcel Zufferey sagt:

        Bemerkenswerterweise sind Teilzeiteltern mit gut 4,5% die zweitseltenste Familienform in der Schweiz. Noch seltener sind nur noch Familien mit einem Hausmann und einer Ernährerin (vollzeit erwerbstätig). Diese Konstellation findet sich, zumindest in Deutschland, in nur gerade 2% aller Familienhaushalte. Selbst in Schweden sieht’s nicht besser aus. Da muss man sich dann schon langsam fragen, wer genau in unserer Gesellschaft welche Erwartungshaltungen prägt. Und ob diese überhaupt realistisch- bzw. familienpolitisch je umsetzbar sind. Offenbar ist gewissen Kreisen hier der Realitätssinn abhanden gekommen. Das sind nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine Familienpolitik, die den Anspruch erhebt, die soziale Wirklichkeit abzubilden…

      • Jürg. sagt:

        Paare mit jüngstem Kind unter 7 Jahren, in denen beide Partner teilzeiterwerbstätig sind: 7,4%.

      • Sportpapi sagt:

        Andererseits geht es bei Politik ja nicht nur darum, abzubilden, sondern auch zu gestalten. Allerdings sollte auch das in „machbaren“ Schritten passieren.

      • Marcel Zufferey sagt:

        Nach neuesten Zahlen vom BfS (Das Engagement der Väter in Haushalt und Familie / Modul zur unbezahlten Arbeit 2010 der Schweizerischen
        Arbeitskräfteerhebung SAKE, BfS, November 2013, Seite 7) arbeiten in Haushalten mit Kindern unter 6 Jahren 5,5%- und in Haushalten mit Kindern von 7- 14 Jahren 3,9% beide Elternteile Teilzeit. Machen wir uns nichts vor, Jürg: Wir sprechen hier ganz eindeutig von einer kleinen Minderheit, da hilft alle Zahlenhuberei nichts! Wie die Lebenssituation dieser wenigen, voraussichtlich ausgesprochen privilegierten Eltern zum Massstab aller Dinge in der Familienpolitik werden konnte, ist mir Rätsel! Aber das hat wohl sehr viel mit dem Sendungsbewusstsein (und der Dominanz im gesamten, öffentlichen Raum) eines ganz bestimmten, sozialen Milieus zu tun…

      • Mich erstaunt die tiefe Zahl auch, aber ich nehme an, dass dafür die Gruppe der „Vollzeit und Teilzeit-Kombinierer“ gross ist. Also eine(r) arbeitet Vollzeit, der/die andere Teilzeit. Meines Erachtens sollte die Familienpolitik nicht bestimmte Modelle fördern, sondern die Voraussetzungen schaffen, dass die Familien ihre gewünschten Modelle ausleben können. Wenn dann nur wenige die „modernen“ Modelle wählen, dann sei es so.

      • Jürg. sagt:

        Meine Zahlen sind von der selben Quelle aus dem Jahr 2014.
        Die Jährliche Zunahme dieses Modells ist bereits 2014 bei 1,2 %. Die Entwicklung beschleunigt sich.
        Dieses Jahr sind es wahrscheinlich mehr als 10%..
        Es ist also bereits ein gängiges Modell geworden.

      • Marcel Zufferey sagt:

        Hm, Herr Tschannen: Wenn die Politik die Voraussetzungen dafür schaffen soll, dass allen Paaren mit Kindern alle Familien- und Erwerbsmodelle offen stehen, dann läuft das im Endeffekt darauf hinaus, dass die Mehrheit aller Haushalte (>80% bis 90%) das Familien- und Karrieremodell einer bestenfalls 10-prozentigen Minderheit (mit)finanzieren muss, konkret: Flächendeckende Kinderbetreuungsstrukturen u. ä. dürften Otto- und Emma-Normalverdiener mindestens ein bis zwei zusätzliche Lohnprozente kosten. Für die privilegierten 10% ist das natürlich ein Klacks- aber angesichts der seit 20 Jahren stagnierenden- und im untersten Bereich der Lohn- und Qualifikationsskala sogar sinkenden Erwerbseinkommen dürfte ein solches Ansinnen der Politik bei den meisten Haushalten auf Ablehnung stossen!

      • Marcel Zufferey sagt:

        @Jürg: Ich glaube nicht, dass sich diese Entwicklung weiterhin (exponentiell) beschleunigt- damit läge nämlich ausgerechnet die in Familienfragen viel gescholtene Schweiz plötzlich weit über dem Europäischen Durchschnitt! Selbst im Gleichstellungsparadies Schweden arbeiten über 90 Prozent aller Väter Vollzeit- und zwar unabhängig von der Zahl und dem Alter ihrer Kinder! Das ist insofern bemerkenswert, als dass beide Elternteile im Hohen Norden von Gesetzes wegen das Recht haben, ihr Erwerbspensum bis zum achten Altersjahr ihrer Kinder um bis zu 25 Prozent zu reduzieren!

      • Katharina sagt:

        Sowohl 4,5 % als auch 7,4 % sind Randerscheinungen.

        Ein Zuwachs von 1,2% in einem Erfassungsjahr postuliert weder einen Trend noch dass dieser exponentiell sei.

      • Herr Zufferey, vielleicht habe ich es etwas zu absolut formuliert. Will sagen der Statt soll Möglichkeiten schaffen, kein Modell durchsetzen. Natürlich haben diese Möglichkeiten Grenzen, z.B. was die Finanzierbarkeit angeht.

      • Katharina sagt:

        Herr Tschannen, MZ hat nicht Unrecht mit ‚Zahlenhuberei‘ – ergänzend muss dazu gesagt werden, dass ‚Datenjournalismus‘ oft dazu misbraucht wird, den Anschein für den Erfolg eines ideologischen Modells zu erzeugen. Manufactured consent bzw dissent sind dazu Stichworte.

        Die Frage bleibt offen, was ‚der Staat‘ in Zukunft heissen soll. mMn wird sich das auflösen in kleinere Strukturen auf freiwilliger Basis.

      • Marcel Zufferey sagt:

        @Tschannen: Der Hauptgrund, weshalb bisher alle Familieninitiativen an der Urne abgelehnt worden sind, liegt meiner Ansicht nach darin begründet, dass v. a. Emma- und Otto-Normalverdiener (also die Mehrheit der Bevölkerung mit durchschnittl. Bildungs- und Einkommensniveau) instinktiv- und gestützt auf ihre eigene Lebenswirklichkeit- begriffen haben, dass sie eine Familienpolitik, wie sie sich der obere Mittelstand vorstellt, ein Heidengeld kosten wird. Leider haben einfache Leute keine Fürsprecher mehr, weder in den Medien (s. Zielgruppendefinitionen der grössten, meinungsbildenden Presseerzeugnisse), noch in der Politik (2/3 aller Parlamentarier sind Akademiker) und schon gar nicht im ohnehin elitären Kreis der Kulturschaffenden. Hier liegt mMn eines der grössten Probleme unserer Zeit!

      • Katharina sagt:

        Dennoch ist die grösste Supportergruppe von Sanders – immerhin einem argen Populisten mit Allüren zum optimo primo lider – eine gebildete, privilegierte weisse Schicht mit akademishcme Hintergrund.

        Will sagen: gerade diese nun so PC präsentierte Anti-intellektuellen Haltung ist gefährlich – siehe auch Drumpfs Dankesrede an die ‚Ungebildeten‘ in Nevada.

        Dass die weniger gebildeten die intellektuellen nicht mehr versteht ist ein sprachliches Problem – indem die Hauptmedien im Zwang zu Clickraten schon längst eine simple vulgäre Sprache zum Inhaltstransport benutzen, MZ.

        Krassestes Beispiel dazu die SoMe Kampagnen gegen die DSI mit Nazikeule ‚extrascharf‘, bis das dann mit jenem Plakat im HB zur Erruption kam. Gesät wurde das aber von den linksorientierten PR Profis.

    • Jürg. sagt:

      @Markus
      für Paare mit Kinder unter 25 Jahren:
      Mann Vollzeit, Frau Teilzeit
      hat immer über 50% Anteil an den Erwerbsmodellen.

  • Rémy sagt:

    Sie können sich mit 60% job und einem Nebenjob zwei Wohnorte leisten?!?
    Dann gehören Sie definitiv nicht zu den Verlierern, Gratulation!

    • Jein. Ich will mich nicht beklagen, aber sparen und Ferien gibt’s momentan nicht. Das Modell funktioniert vor allem dank den tieferen Lebenshaltungskosten und den besseren Sozialleistungen in Deutschland.

      • Rémy sagt:

        Naja bei mir sind’s 80%, Einzelmaske (–> Steuern, viiiele Steuern, dafür keine Windeln), Frankreich Wohnhaft und sparen liegt definitif nicht drin. Ferien nur im Zelt. Und Familie liegt auch nicht drin, ausser Madame hätte selbst genug Chlütter.
        So gesehen trotzdem chapeau für die Budgetführung.

  • fabian sagt:

    „Der Mann, der einen Teil oder gar den ganzen Haushalt übernimmt, erntet Bewunderung. Im Gegensatz zur Frau, die dasselbe tut.“
    Es ist von unserer Gesellschaft und unserem Staat auch vorgesehen, dass die Mutter der Kinder einen Platz zuhause hat. Staatlich entlöhnte Leistungen: Mutterschaftsurlaub 14 Wochen, Vaterschaftsurlaub 1 Tag. Dass eine Mutter zuhause bleibt, vor allem wenn das Kind klein ist, wird erwartet und als normal erachtet. Dass Väter zuhause bleiben, wird als freiwillig und supplementaire angesehen (Man könnte jetzt hier auch noch auf die 95% Sorgerechte eingehen, die vom Staat gewohnheitsmässig der Frau zugesprochen werden, und andere Beispiele etc)
    Da ists doch klar, dass der Vaterjob zuhause extra spezielle Wertschätzung geniesst.

    • Gut, das mit dem Sorgerecht hat sich ja etwas gewandelt. Der Mutter-/Vaterschaftsurlaub ist in der Schweiz natürlich kläglich ausgebaut, aber hat dieses System wirklich einen massgeblichen Einfluss auf die Familienmodelle ab Woche 15?

      • Jürg. sagt:

        Für diejenigen die sich in anderen Rollen nicht vorstellen können wäre es eine Möglichkeit es zu probieren. Beispielsweise in der Forma als 1 Tag pro Woche. Gerade für Berufe wo Teilzeit sehr hart erkämpft werden muss. wär diese eine Chance.

  • Christina sagt:

    Ich bin selber eine solche „Verliererin“, die sich seit vielen Jahren (aus Überzeugung) um ihre Familie kümmert. Mich überrascht der positive Grundtenor der Kommentare zum heutigen Blog. Ich frage mich, ob diese genauso klingen würden, wenn eine Frau den Blog geschrieben hätte.

    • ruth sagt:

      Warum sollten Sie eine Verliererin sein? Weil Sie kein Geld verdienen? Oder weil Sie mit der Zukunft der Schweiz beschäftigt sind, ihrer Kinder?

  • Reisende sagt:

    Ist es nicht eher so, dass im Kopf der betroffenen Person dieses Gefühl der Minderwertigkeit besteht? Was soll den konkret passieren, um die Hausarbeit mehr Wertzuschätzen? Ist das nicht etwas was die Partner unter sich signalisieren müssen und selber empfinden müssen? Wer hinterher trauert, dass er lieber arbeiten würde, wird sich immer minderwertig fühlen, egal was draussen kommuniziert wird? In unserem Bekanntenkreis kenne ich rein niemanden, der die Hausarbeit als etwas lächerliches betrachtet, genauso wie Kinderbetreuung. Wenn ist es nur die difuse Angst, dass andere so evtl. denken könnten. Aber das liegt doch an einem selbst, wie man damit umgeht.

  • Sportpapi sagt:

    Ich finde, man sollte grundsätzlich zwischen Hausarbeit und Kinderbetreuung unterscheiden. Hausarbeit finde ich auch keine besonders „wertvolle“ Arbeit. Deshalb sollte man sie auch auslagern, wenn es möglich ist. Kinderbetreuung ist etwas ganz anderes.
    Ausserdem sollte die Kinderbetreuung (und vorweg das Lebensziel: Kinder haben) meiner Meinung nach als spannende Aufgabe und nicht als Ausweg aus einer gescheiterten Berufskarriere gesehen werden (können). Also ein bewusster Entscheid und nicht nur das „kleinere Übel“.

    • Hausarbeit und Kinderbetreuung ist schon nicht ganz dasselbe, lässt sich aber auch nicht komplett trennen, finde ich. Grosse Teile der Hausarbeit auszulagern kann sich ja auch nur ein kleiner Teil der Bevölkerung leisten.

      • Sportpapi sagt:

        Wenn ein Elternteil wegen Kind(ern) zu Hause bleibt, macht es natürlich Sinn, dass es auch einen rechten Teil Hausarbeit zeitgleich erledigt. Ansonsten kann es sich vermutlich jener Teil der Bevölkerung leisten, der mehr verdient als z.B. eine Putzfrau. Was ja auch nicht heisst, dass alles ausgelagert werden soll.

      • mila sagt:

        Seit wann ist es nicht mehr wertvoll, ein schönes, gemütliches und einigermassen gepflegtes Zuhause zu haben, in dem sich alle Familienmitglieder wohlfühlen? 😉 Das allein macht die Hausarbeit an und für sich wertvoll, und gibt ihr einen sehr lebensnahen Sinn. Wenngleich sie nicht immer sonderlich attraktiv für den/die sie Ausübenden ist… Aber das ist auswärts putzen ebenfalls nicht, und steigert der Verdienst den ‚Wert‘ der Tätigkeit als solche? Wohl eher nicht. Eher umgekehrt (ich putze jedenfalls lieber für die Meinen und mich, als ich es für Fremde täte).

      • Sportpapi, Hausarbeit ist ja weit mehr als nur putzen: zum Beispiel waschen, kochen, einkaufen, einrichten, aufräumen, Logistik, Finanzen, Termine, Planung, Autowäsche, Garten und je nach Definition eben alles rund um die Kinder. Diese Fülle und der Grad der Selbstbestimmung macht Hausarbeit in meinen Augen durchaus wertvoll und attraktiv. Aber es gehört auch die Einstellung dazu, den Haushalt nicht als notwendiges Übel zu betrachten.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Ich verstehe den Einwand nicht.
        @Markus Tschannen: ein Kontinuum von notwendigem Übel bis attraktiver Freizeitgestaltung. Einiges lässt sich auslagern, anderes macht man besser selber. Allerdings wundere ich mich manchmal, wie unterschiedlich viel Zeit dafür investiert werden kann.

      • mila sagt:

        Kurz gefasst: Hausarbeit mag nicht immer sonderlich attraktiv sein. Das Ergebnis ist jedoch wertvoll. Teils allemal wertvoller als das Ergebnis so manch anderer Tätigkeit, für die man bezahlt wird.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Eben. Aber es hat niemand in Frage gestellt, dass ein schönes, aufgeräumtes Zuhause wertvoll ist oder sein kann. Oder um den Gedanken weiterzuspinnen. Vermutlich ist es nicht nur bequemer/angenehmer, wenn jemand anderer putzt. Sondern das Ergebnis überzeugt auch mehr – zumindest in meinem Fall wäre das so.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Sportpapi

      „Hausarbeit finde ich auch keine besonders „wertvolle“ Arbeit. “

      Für diejenigen welche sie ua auch deswegen auslagern- was wäre denn ein angemessener/gerechter (nicht ausbeuterischer) Lohn für diese Arbeit?

      • Sportpapi sagt:

        Gute Frage. Dazu kommt noch die Qualität (die sich auch in der Anzahl Arbeitsstunden niederschlägt). Aber an sich ist es ein Arbeit, die meist durch „Ungelernte“ ausgeübt wird, und zudem körperlich zwar anspruchsvoll, aber doch wieder nicht so wie beispielsweise auf dem Bau ist.

      • maia sagt:

        @Sportpapie: „Ungelernte“ – und wie ist das nun zu verstehen? ist deshalb die Arbeit weniger „wert“?

      • Katharina sagt:

        SP: Dir ist hoffentlich klar, dass heutzutage ein Allgemeinarzt durch einen Bot ersetzt werden kann und dieser Anamnese sogar besser macht.

        Der Arzt (humane version) ist weniger gelernt als der bot, denn dieser weiss dank deep learning weitaus mehr – daher eben besser.

        warum wird dann die Arbeit eines ungelernten Arztes so hoch geschätzt?

      • Sportpapi sagt:

        @maia: Wollen Sie mich aufs Glatteis führen? Auf jeden Fall ist Arbeit, die durch Ungelernte ausgeführt wird, in der Regel schlechter bezahlt. Ob sie deswegen weniger wert ist, können Sie selber beurteilen.

      • Sportpapi sagt:

        Nein, Katharina, das ist mir keineswegs klar. Ebenso käme mir nie in den Sinn, Ärzte als ungelernt zu bezeichnen. Ich habe erlebt, was diese Ausbildung bedeutet.

      • Katharina sagt:

        SP, Dir ist die Allegorie eben nicht ersichtlich, was mich nicht überrascht.

        Google IBM Watson Health.

      • Sportpapi sagt:

        Ich habe gegoogelt. Aber mich überrascht auch nicht, was du daraus – aktuell – für überzogene Schlüsse ziehst.

  • soswald sagt:

    Danke für den Artikel, er spricht mir aus dem Herzen.
    Haushaltsarbeit wird nicht gewürdigt und eben auch nicht bezahlt. Unbezahlte Arbeit mache ich nur gerne, wenn ich mit Herzblut dabei bin. Nicht dazu gehört die Sisiphusarbeit im Haushalt (exkl. Kinderbetreuung). Und irgendwer muss diese Arbeit trotzdem erledigen (wenn nicht eine Haushaltsfee diesen Teil bezahlt übernimmt). Wenn sich das Gedankengut in den Köpfen aber nicht ändert, werden auch in Zukunft die Mädchen und Frauen aller Herren Länder in hunderten und tausenden Stunden die unbezahlte Arbeit erledigen – schlicht weil die Gesellschaft es von ihnen erwartet. Und wenn ein Mann mit anpackt, wird er erstmals zum Looser gestempelt. Dies muss sich ändern! Packen wir’s an!

    • Sportpapi sagt:

      Weil die Gesellschaft es von ihnen erwartet machen „die“ freien Schweizerinnen durchs Band unbezahlte Hausarbeit? Also bitte!

    • Vielleicht müssen wir Hausarbeit lustvoller angehen. Wir reden sie uns ja auch permanent schlecht.

      • Jürg. sagt:

        Wieviele Männer polieren in ihrer der Freizeit lustvoll ein Auto? Vielleicht sollte müsste einfach alle paar Jahre ein neues Haus angeschafft werden. Das würde die Arbeiten im Haushalt ungemein aufwerten?

      • Samichlous sagt:

        Genau!
        (Habe Hausarbeit jahrelang verachtet. heute sage ich: )
        Kaffe rauslassen/Tee angiessen und dann Musik an! Mit Musik und tanzend putzt es sich viel besser – Kinder liiiiieben Staub wischen. Dazu noch singen et voilà Ihr Körper schüttet Glückshormone aus 😉 Danach hat man wenigstens ein sichtbares Ergebnis. Je nach Job, den man sonst hat, ist dies nicht immer der Fall.

  • Stefan Moser sagt:

    Mein Kommentar auch mal in Punkten.
    1. Das Foto erfüllt jedes Klischee. Ein dummes Bild zum schlauen Text.
    2. Es ist ein Irrtum, Hausarbeit und Erziehungsarbeit mit Erwerbsarbeit vergleichen zu wollen. Bei der Erwerbsarbeit geben mir der Chef oder die Umstände vor, was ich wann zu erledigen habe, habe ich oft wenig Gestaltungsfreiheiten und trinke dann Kaffee, wenn die Pause es vorsieht. Bei der Haus- und Erziehungsarbeit spielt meine Persönlichkeit eine stärkere Rolle, teile ich die Zeit nach meinem Gusto ein. Das sind relevante Unterschiede.
    3. Haus- und Erziehungsarbeit gut zu machen ist anspruchsvoller als mancher Job.
    4. Beides zusammen gut zu machen ist nobelreisverdächtig, denn:
    5. Arbeitskollegen ohne Kinder haben ja so was von keine Ahnung, was ein langer Arbeitstag ist!

    • maia sagt:

      und ArbeitskollegInnen mit Kindern vergessen oft, dass auch für kinderlose KollegInnen der Arbeitstag mit „offiziellem“ Arbeitschluss zu Ende ist. Auch die müssen nämlich einkaufen, putzen, waschen, kochen usw. usf.

      • Stefan Moser sagt:

        Maia, als ich nur für mich selbst (oder die Partnerin dazu) einkaufen, kochen, waschen, putzen musste, war das die pure Erholung. Machen Sie dasselbe für Fünf, mit einem Kind auf dem Arm und der Aussicht auf eine Nacht, in der sie alle 1,5 Stunden geweckt werden. Dann sind Sie bei den Leuten. Ich bleibe dabei: Kinderlose haben ja so was von keine Ahnung, was ein langer Arbeitstag ist. Und wissen Sie, was das Absurdeste daran ist? Ich würde nie, nie, nie mehr tauschen wollen. Es ist das Beste, was mir je passieren konnte, auch wenns mich ein paar Jahre Lebenserwartung kostet 🙂

      • maia sagt:

        @Stefan Moser: Ich weiss schon wie das mit Kindern ist, aber es nervt mich trotzdem, wenn ich um 17.00 Uhr höre: Du hast es schön, kannst einfach nach Hause und die Füsse hochlegen! Vorallem, nachem ich einige „Schichten“ für sie übernommen habe…..

  • Andy sagt:

    Ich finde der Schnauz müsste weg 🙂

  • Ramona Wyss sagt:

    Haha. Mein Freund und ich machen fifty fifty. Allerdings ist beidseitig weniger die Frage, wer wieviel „Karriere machen“ darf und wieviel zurückstecken muss, sondern wer wieviel (auswärtig) arbeiten MUSS und wer wieviel zuhause mit dem Kind sein darf. Wir sind beide keine Workaholics und so wird das Geldverdienen fairerweise gleichmässig aufgeteilt. Interessanterweise auch in unserem (linksalternativen) Umfeld die Ausnahme. Oft verdient er das Geld und sie macht irgendwas (Kreatives) nebenbei. Wenn man sie dann fragt, von was sie denn so lebt, muss sie einen Moment überlegen.

  • Manfred Grieshaber sagt:

    Eine Unternehmensberatung hat letztes Jahr alle Tätigkeiten in einem deutschen Haushalt dahingehend untersucht was diese Arbeiten kosten würde man sie durch Dienstleister ausführen lassen. Es ergab eine Summe vom 4,000 EURO. Setzt man das in Relation zu den in der BRD üblichen Salären ergibt sich ein überdurchschnittliches Einkommen. Die gleiche Analyse könnte man auch hier in der Schweiz machen. Das zeigt das beim Verhältnis Hauswirtschaft zur „normalen“ Arbeit die Relation nicht mehr stimmt. Es ist das gleiche Problem wie Herr Holler in seinem Kommentar schreibt. Ich persönlich empfinde es als eine Unverschämtheit die Arbeit einer Reinigungskraft für öffentliche WC oder die eines Kehrrichtfahrers herabzuwürdigen. Jede Arbeit ist gesellschaftlich wichtig, auch die im Haushalt.

    • Brunhild Steiner sagt:

      Das ist ziemlich kalter Kaffee, dazu genügt ein Blick in die Berechnungsgrundlagen für hauswirtschaftliche Leistungen wenn Solo-Lebender aufgrund Unfall/Krankheit auf Unterstützung angewiesen ist.

      Und, im Rahmen des UNO Jahres zur Freiwilligenarbeit, auch schon einige Jahre her, wurde erfasst wieviel unbezahlte Arbeitsstunden, bezahlten in Arbeitsverhältnissen gegenüber stehen plus, wie unser gesamtes System grandios zusammenbrechen würde für diese freiwillig und unentgeltlich erbrachten Leistungen (ob nun Vereine aller Arten, Kultur, Betreuung, Pflege etc) kein Freiwilliger mehr bereit wäre.

      Freiwilligen/Ehrenamtliche Arbeit ist eine Basis unserer Gemeinschaft, ohne geht es nicht. Resp ein grosser Teil der Bevölkerung müsste eine viel tiefere Lebensqualität in Kauf nehmen!

      • Brunhild Steiner sagt:

        Korrektur

        grandios zusammenbrechen würde, wenn für diese freiwillig erbrachten Leistungen kein Schw mehr bereit wär!

      • Muttis Liebling sagt:

        Würde niemand mehr, wie z.B. ich, auch nur einen Rappen spenden und keine Freiwilligenarbeit leisten, würde die Welt auch nicht zusammenbrechen. Es würde sich lediglich der Druck auf die reguläre Erledigung dieser Aufgaben an die verantwortlichen Staaten, gespeist zu 100% aus Steuergeldern, erhöhen und sich dieses dann auch einstellen.

        Jeder der spendet oder humanitäre Hilfe leistet, schadet dem Gesamtsystem, weil er die formale Erledigung der Aufgaben inhibiert. Vergleichbar schlechte Lösungen sind die passive, statt der aktiven Immunisierung oder das Verdrängen von Krankheitssymptomen.

        Der Bürger regelt alle Beziehungen zum Staat ausschliesslich über Steuern und wenn die zu niedrig sind, wie in den meisten westlichen Ländern, müssen die Krücken Freiwilligenarbeit und Spende her.

      • Sportpapi sagt:

        „müssen die Krücken Freiwilligenarbeit und Spende her.“: Oder umgekehrt. Wenn die in unseren Ländern traditionell gut funktionierende Freiwilligenarbeit/gelebte Solidarität nicht mehr funktioniert, wegen zu vielen Trittbrettfahrern oder zu wenig Freiwilligen, dann muss der Staat eingreifen. Dabei fallen dann auch ein paar Sachen weg, die als nicht lebensnotwendig gesehen werden. Ob das gut ist?

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling

        ja klar, dass sich das dann sehr gerecht und freundlich von selbst, resp über entsprechende, staatlich so umsichtig organisierten Steuern lösen würde, zeigen ja USA und Russland wunderbar…,

        nein danke, ich sehe wirklich nicht weshalb eine Entwicklung Richtung „alles nicht mehr leistungsfähige oder finanziell solvente landet am Ende unter der Brücke“ durch aktives Nicht-Engagement unterstützt werden sollte!

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Sportpapi

        vermutlich gehen Sie mit mir einig: das wäre nicht nur schlecht, sondern sehr schlecht- all diese Errungenschaften auf Vereinsebenen aller Arten, Kultur, Kunst, bis Betreuung/Pflege aufs Spiel setzen gehen, da muss man schon ziemlich ins eigene Weltbild vertieft sein, um das dermassen wenig wertschätzen zu können, schade…

      • Sportpapi sagt:

        @BS: Sehr einig.

    • ruth sagt:

      Für diese Feststellung benötigte man eine Unternehmensberatung?

    • Muttis Liebling sagt:

      Dieser Ansatz ist nicht zielführend. Der Fehler besteht, wie so häufig darin, Arbeit und Erwerbstätigkeit synonym zu setzen.

      Im eigenen Haushalt erbrachte Arbeit ist keine Erwerbstätigkeit. Hausfrau und Mutter ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, aber kein Job.

      Geld zu verleihen und samt Zinsen wieder eintreiben, ist eine lukrative Erwerbstätigkeit, aber keine Arbeit. Fussball oder im Film spielen, ist wie der Name schon sagt, auch keine Arbeit, aber kann ein sehr einträglicher Job sein.

  • Jan Holler sagt:

    Ich würde einfach einmal aufhören, mir darüber dauernd den Kopf zu zerbrechen und seine eigene Rolle in der Gesellschaft zu analysieren. Das Ganze sieht nämlich stark nach Minderwertigkeitskomplex und Opferrolle aus. Hausarbeit soll geschätzt werden? Ist es nicht eher so, dass die Person hinter der Hausarbeit geschätzt werden will? Oder macht man sich auch gleichermassen Gedanken über die Wertschätzung von Mitarbeitern der Müllabfuhr oder Strassenreinigung?

    • Natürlich sollen die von Ihnen angesprochenen Personen geschätzt werden, aber darum geht es nicht unbedingt. Ich finde, es geht darum, wie wir als Gesellschaft Erfolg definieren. Aus dieser Definition können sich dann natürlich als Symptom Minderwertigkeitskomplexe ergeben.

      • Muttis Liebling sagt:

        Die Gesellschaft kann Erfolg nur gesellschaftlich definieren. Individuen kennt die Gesellschaft nicht.

        Erfolg in der Gesellschaft bedeutet, dass diese um x > 0 Masseinheiten näher an den Sollzustand gerückt wird. Da sehe ich keinen Bezug zum Thema.

  • Michu sagt:

    «Der Haushalt – Endstation für Verlierer?»

    Nein nicht nur, aber auch.

    Und da liegt das Problem. Man kann sich noch so abchrampfen im eigenen Haushalt, man kann es aber genausogut schleifen lassen.

    Es gibt keine objektive Beurteilung von Aussen und ist deshalb nicht bewertbar.

    Im Job gibt es klare Hirarchien und Erfolg drückt sich oft mit höherem Einkommen aus, was bei der Hausarbeit fehlt.

    Deshalb wird sie wohl auch oft abgewertet. Jeder könnte das.
    Es gibt fast keine Prüfungen und wenn man die wenigen verhaut, geht es trotzdem weiter. Es existiert kein Qualitätsmastab.

    Es sollte aufgehört werden Job mit Beruf zu vergleichen. Beides sind wichtige Aufgaben, jede für sich aber nicht gegeneinander. Leider muss man sich für die jeweiligen Anteile trotzdem entscheiden.

  • Samichlous sagt:

    Ach und noch was Herr Tschannen,
    Wäre toll wenn Sie man etwas über die bedeutend längere und humanere Elternzeit in Deutschland schreiben würden. Das wäre doch auch ein guter Ansatz, die Haus- und Erziehungsarbeit aufzuwerten. Gäbe eine z.b 2-3jährige Elternzeit, von der 3 Monate vom Mann geleistet werden muss, dann hätten alle Männer mal die Chance, sich ganz auf ihre Kinder einzulassen. Sie wüssten sowohl wieviel Freude so ein Kind machen kann, als auch wieviel Mühe so ein Hausmannstag beinhalten kann. Das Verständnis und die Wertschätzung würden steigen. Ich bin froh, bin ich wenigsten einen ganzen Tag zu Hause, so verstehe ich meinen Mann, wenn er an einem Tag, wo das Baby gezahnt hat, kaum was im Haushalt hinbekommen hatte, weil er das Kleine non-stop rumtragen musste.

    • mila sagt:

      Alles gut und richtig, Samichlous. Nur: Wenn man für sich schon herausgefunden hat, wie wertvoll ‚Familienarbeit‘ ist, weshalb sollte man sich über deren angeblich miese gesellschaftliche Stellung beklagen? Ist diese denn tatsächlich eindeutig mies (das wage ich ehrlich gesagt in dieser Pauschalität zu bezweifeln)? Oder ist nicht vielmehr oft das Problem im Grunde das, dass man selbst, oder der Partner, sie nicht wertschätzen kann?

      Es kann einem doch so lang wie breit sein, was Hinz und Kunz (und Alice Schwarzer) denken, wenn man mit sich selbst, und ja, dem Partner, im Reinen ist. Dann muss man auch nicht auf (angeblich fehlende) Wertschätzung von aussen pochen – man gibt sie sich selbst. Und das ist doch ein verdammt gutes Gefühl.

      • Samichlous sagt:

        @Mila. Genau!

        Soweit bin ich heute auch. Wir geniessen beide unsere Mami-/Papitage in vollen Züge und jeder möchte noch mehr zu Hause sein. Trotz tollen Jobs, die wir lieben. Hätte ich mir früher nie vorstellen können. Vielleicht auch deswegen weil die Hausarbeit und Kindererziehung so wenig geschätzt wird? Oder weil man nicht über das tolle Gefühl Elternliebe redet. Über Liebe redet man ja eh nicht.
        Vor der Familiengründung – vorallem in der bei mir extrem langen Phase des ewigen „Will-ich-Kinder-oder-nicht-und-wenn-ja-wie-soll-ich/wir-das-dann organisieren?“ noch nicht um diese Erfahrung reicher. War noch blind und glaubte, man müsse um jeden Preis im Job bleiben – wenn nicht Vollzeit so zumindest Teilzeit.

    • Sportpapi sagt:

      Ist denn diese 2-3 jährige Elternzeit (bei einem Kind…) nun ein Symbol dafür, dass es sich lohnt, in den ersten Jahren beim Kind zu sein, oder eher dafür, dass man zwingend im Beruf verbleiben sollte? Und ist die grosse Differenz zur Schweiz nicht vor allem, dass diese Elternzeit bezahlt wird, und dass mit dieser Bezahlung eine bestimmte, als richtig bezeichnete Form (Mutter bleibt beim Kleinkind) stark gefördert wird? Brauchen wir das?

      • Elternzeit ist nicht bezahlt, Sportpapi. Sie meinen das Betreuungsgeld, auch als „Herdprämie“ verschrien, da es angeblich Mütter dazu verleitet, keine Fremdbetreuung in Anspruch zu nehmen. Ich bin da nicht ganz gleicher Meinung, weil ja auch Männer das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen können.

      • Samichlous sagt:

        Eine bezahlte Elternzeit würde uns die Wahlfreiheit bieten. Heute hingegen MÜSSEN die meisten Frauen nach rund 3 Monaten wieder arbeiten gehen, und jemanden Passendes für ihr kleines Baby finden, wenn sie die Stelle nicht verlieren wollen. Die Fremdbetreuung oder selbst die Betreuung durch Grosseltern /Tagesmutter kann ziemlich stressig sein für alle Beteiligten.
        Die sog. „Vereinbarkeit“ wäre viel eher möglich, wenn man den Job(Anschluss) nicht gleich verlieren würde, wenn man sich in der ersten sensiblen Zeit als Eltern selbst um seine Babies kümmern möchte. Zuletzt gibt es auch viele Eltern, die unter dem Trennungsschmerz leiden, wenn sie die Kinder schon im Babyalter ganze Tage abgeben müssen.

      • Sportpapi sagt:

        Hm. Eine bezahlte Elternzeit bietet Wahlfreiheit? Weil man ja sicher motiviert gratis weiterarbeiten kann, bzw. mit den Betreuungskosten für das Arbeiten noch einen Haufen Geld bezahlt?
        Und nein, es ist genausowenig Vereinbarkeit, wenn man den Kindern schaut und im Job pausiert (auch wenn dieser erhalten bleibt, trotz jahrelanger Absenz) wie umgekehrt.

      • Samichlous sagt:

        @Sportpapi

        Es muss ja nicht „Mutter bleibt beim Kleinkind sein“. Bei uns z.B. war es der Vater.

        Und doch es ist sehr wohl ein Unterschied, ob mir zur angeblichen „Vereinbarkeit“ bloss ein Kitaplatz angeboten wird, und Mann und Frau kaum sind die Dreimonatskolliken durch, das Baby morgens früh wecken und in die Kita bringen und arbeiten gehen müssen, abends müde versuchen sich nochmals voll auf das Kind einzulassen und sich beim Duplospielen zusammenreissen um wenigstens die angeblich ausreichende Qualitytime zu performen.

      • Samichlous sagt:

        2.Teil. ..Baby morgens früh wecken und in die Kita bringen und arbeiten gehen müssen, um brav Steuern zu zahlen, ooooder ob wir die erste intensive Zeit im Job pausieren oder reduzieren können, und uns selbst um unser Kind kümmern können, ohne befürchten zu müssen, danach keine Stelle mehr zu finden. Das käme der Vereinbarkeit viel näher. Im umgekehrten Fall hätte ich schlicht das Gefühl die Babyjahre zu verpassen. Ab Kindergarten/Schule brauchts einem weniger zu Hause und man kann wieder im Job hochschrauben.

      • Sportpapi sagt:

        @Samichlous: Sie wollen nun mal nicht vereinbaren, sondern nur einen sicheren Wiedereinstieg haben. Das verstehe ich nicht unter Vereinbarung von zwei Tätigkeiten, sondern gerade das Gegenteil.
        Die meisten Mütter, die ich kenne, machen das auch ohne Elternzeit. Sie nehmen eine Auszeit, und steigen dann wieder ein. Während die Väter eher mehr arbeiten, weil ja so auch Einkommen verloren geht.

    • An Samichlous: Ja, das System in Deutschland ist ganz interessant. Obwohl das Elterngeld etwas mehr hergibt als die Elternzeit, denn letztere ist zwar lang aber unbezahlt. Allerdings kenne ich das alles nicht wirklich aus eigener Erfahrung, da es uns nur teilweise betrifft. Die Frau studiert, da ist Elternzeit irrelevant und beim Elterngeld gibt es den Mindestsatz. Ich kann meinen Teil zudem nicht beziehen, da ich in der Schweiz wohnhaft bin.

    • ruth sagt:

      Genau Samichlous, und dann auch noch die tollen Jobs anpreisen, die dank der 2-3jährigen Elternzeit entstehen: jeder Arbeitgeber muss für die Zeit jemanden einstellen, natürlich nur auf Zeit, bis der „Besitzer“ des Arbeitsplatzes wieder zurückkehrt. Ergibt Jobs 1. und 2. Klasse und alle in der 2. Klasse warten bis sie endlich einen in der 1. Klasse erhalten, um dann schwanger zu werden. Eine wirklich grossartige Erungenschaft!

      • Samichlous sagt:

        @Ruth
        Eine richtige Elternzeit würde vorallem die Generation 50+ aufwerten. Die Arbeitgeber wüssten wieder, was sie an den Mitarbeitenden , welche nicht mehr in der Familienplanung drinn sind, haben. Sie könnten voll auf die Arbeitnehmer 50+ zählen! Das ist doch auch mal was!

      • Sportpapi sagt:

        Das stimmt. Plötzlich wären die 50jährigen wieder begehrt, während niemand mehr eine junge Frau anstellt…

  • Samichlous sagt:

    Was oft auch vergessen geht, ist dass die meisten Leute es im Alter bereuen, dem ganzen Prestige/Geld/Karriere nachgerannt zu sein, und die eigenen Kinder irgendwie verpasst zu haben. Viele Väter haben eine distanzierte Beziehung zu ihren Kindern. Sie finden den Zugang gar nicht. Wie auch, wenn sie abends erschöpft aus einer völlig anderen Welt heimkommen. Deshalb schreiben Sie bitte weiter ihre herrlichen Artikel, aus denen die Freude an Ihrer Tochter Brecht heraussprudelt. Das ist immer so ansteckend. Und wenn ich die Jüngeren in unserem Betrieb ansehe, so findet da schon ein Umdenken statt. Die rennen nicht mehr einer angeblich glücklichmachenden Karriere nach , sondern schauen dass auch die anderen Seiten des Lebens nicht zu kurz kommen. Zum Glück!

  • Samichlous sagt:

    Danke für den tollen und wichtigen Artikel!
    Kindererziehung und Hausarbeit haben in der Tat eine enorm miese Stellung. Dabei erzieht man die nächste Generation und hat somit auch grossen Einfluss auf die Zukunft! Ausserdem riesigeVerantwortung. In den meisten Jobs gehts ja nicht um Menschenleben, wenn sie mal eine Sekunde unaufmerksam waren.
    Vielleicht müssen wir Eltern, mehr darüber reden, dass diese Haus- und Erziehungsarbeit auch einfach verdammt viel Freiheit, Glück, Freude (nennen sie es Fun, wenn sich das besser verkauft – obwohl es ist eben nicht das selbe Gefühl) bedeutet. Und Prestige, Lohn etc will man ja vom Job um glücklich zu sein. Weshalb also Geld ausgeben für Putzfrau, Kita, Achtsamkeits-YogaKurs, wenn ich das mit Kind zu Hause haben kann.

  • Carolina sagt:

    Mir fällt bei dieser Diskussion (die wir ja nun wirklich schon lange führen) heutzutage vor allem auf, dass wir anscheinend mit dem Luxus, den wir haben, nämlich einer in der Geschichte einmaligen Wahlfreiheit – die gerade in der Schweiz durch grossen finanziellen Wohlstand und soziale Absicherung miterreicht wurde – nur schlecht umgehen können; was genau hindert denn den Einzelnen daran, das Modell zu leben, dass für ihn und seine Familie in jeder Hinsicht das beste bzw sinnvollste ist? Vielleicht wäre es sinnvoll, die Barrieren in unseren Köpfen, die es immer noch zu geben scheint und die lt Autor unsterblich zu sein scheinen, einfach mal eine Weile zu ignorieren bzw daraufhin abzuklopfen, dass sie Müll von gestern sind und wir sie gar nicht mehr benötigen!? Oder vielleicht bedeuten

    • Carolina sagt:

      /2 diese ‚alten Denkmuster‘ ja auch, dass in der ach-so-schlechten-alten Zeit manches gut war; dass wir es vielleicht insgeheim gar nicht so vehement ablehnen, ein althergebrachtes Familienmodell zu leben – gegen alle Widerstände heute; dass wir in der Diskussion immer noch zwischen den zwei Polen Nur-Hausfrau und Karriere hin- und herschwanken, anstatt endlich mal zuzugeben, dass die allerwenigsten Männer und Frauen Karriere machen: sie haben in der Regel Jobs – mit Glück solche, die sie einigermassen erfüllen -, die dazu dienen, das Allerwichtigste, nämlich die Familie, zu ernähren. Also: anstatt in unseren Köpfen ständig Konjunktive zu wälzen (ich sollte, ich hätte gern, ich müsste…..), einen alltagsfernen und manchmal sehr zerstörerischen Perfektionismus anzustreben, würde

      • Carolina sagt:

        /3 ich ab und zu ein wenig Dankbarkeit empfehlen, ein wenig – sorry, kitschig und altmodisch – Demut dafür, wie gut es uns wirklich geht; wieviel wir haben und welche Wahlfreiheiten: dann lernen wir vielleicht auch, mit diesen Freiheiten umzugehen, ohne uns ständig von Nachbars Meinung, Lifestylediskussionen und Maximalforderungen abhängig zu machen.

    • Hans Hintermeier sagt:

      Ich bin ja grundsätzlich einverstanden mit Ihrem Votum für Dankbarkeit und Demut. Trotzdem denke ich, dass es zu kurz gegriffen ist, alles auf „die Barrieren in unseren Köpfen, die es immer noch zu geben scheint“ zurückzuführen. Diese Barrieren kommen nicht von ungefähr, sondern sind das Ergebnis von jahrelangen Kampagnen in den Medien und Bildungsinstitutionen (das NFP 60 hatte z.B. 8 Millionen Franken zur Verfügung!). Dass heute z.B. Hausarbeit bei Frauen abgewertet, bei Männer gelobt wird oder Karriere bei Frauen in den Medien als gut und bei Männern als schlecht dargestellt wird, kommt nicht vom „blauen Himmel“, es wurde in unsere Köpfe durch ständige Medienkampagnen gepflanzt. Welche Interessensgruppen dahinterstehen ist glaube ich allen klar. Man hat es halt auch übertrieben.

      • Carolina sagt:

        HH: Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt: als Barrieren bezeichne ich Denk- und Verhaltensmuster, die irgendwann Denken und Verhalten zementieren statt Wachstum, Gelassenheit und Lebensfreude zuzulassen. Es ist mir in diesem Zusammenhang relativ egal, wem wir diese zu verdanken haben – ohnehin sehe ich sie als Anhäufung von Charaktereigenschaften, Lebensumständen, Erfahrungen, Trends, politischen und ideologischen Einflüssen. Die Gewichtung überlasse ich Ihnen (ich weise aber darauf hin, dass es noch nicht allzu lange her ist, dass es in unseren Breitengraden eine ganze Generation gab, die sich mehr oder weniger freudig im Krieg verheizen liess – insofern könnte man sich tatsächlich fragen, welche wirkliche Macht ein einzelner hat). Und ja, das ‚cui bono‘

      • Carolina sagt:

        /2 – da gebe ich Ihnen Recht – spielt tatsächlich eine grosse Rolle. Mich interessiert eher (und ich hadere damit auch!), wie es sein kann, dass wir eigentlich alle finanziellen, materiellen Sicherheiten haben, aber trotzdem nicht mit ihnen umgehen können: wir verurteilen immer noch Anderslebende (heute eben oft das Hausfrauenmodell), gönnen dem Nächsten nicht, dass er sein Lebensmodell lebt, reden salbungsvoll von Oekologie und oekologischem Fussabtritt, wenn uns etwas bei den anderen nicht passt und, noch viel schlimmer, machen Kosten-/Nutzenrechnungen in punkto Menschen (!) auf: ein Studium muss sich ‚lohnen‘, eine Hausfrau ist eine Belastung für das Sozialsystem etc. etc. Kommt hinzu, dass wir versuchen, sämtliche Lebensunwägbarkeiten versuchen, auszuschalten, als wenn das möglich

      • Carolina sagt:

        /3 wäre… Wenn wir bei all unserem Wohlstand Menschen nur nach Kosten und Nutzen beurteilen, blenden wir völlig aus (bzw können eben nicht mit Wahlfreiheit umgehen), dass wir grosse Gruppen von Mitbürgern (die nicht diskutieren, aber trotzdem da sind) einfach in die innere Resignation schicken; dass wir alle Lebensmodelle brauchen und immaterielle Werte, die diese Menschen einbringen, begrüssen müssen, nicht verurteilen.
        (Sie sehen, dieses Thema treibt mich um, sorry!)

      • mila sagt:

        Bin ganz bei Carolina, und würde es noch zuspitzen: das Problem sind mitnichten irgendwelche Barrieren in unseren Köpfen. Sondern offenbar die Unfähigkeit, mündig zu werden in dem Sinn, dass man stimmige Entscheidungen für sich fällt – und dazu steht. Dies gilt beileibe nicht nur für paarbezogene Arbeits- und Familienmodelle. Ganz generell sind viele augenscheinlich von den Multioptionen (‚Freiheiten‘) unserer gegenwärtigen Verhältnisse überfordert, hätten gerne ein bisschen vom jenem und von diesem. Dass das nicht aufgehen, man nicht zig Dinge auf einmal haben kann, wäre eigentlich selbst-verständlich. Aber irgendwie haben wir anscheinend, als Gesellschaft, verlernt, verständlich (respektive logisch) zu denken.

      • Carolina sagt:

        Noch dies und dann verschwinde ich im Büro, versprochen:
        Es gilt eigentlich immer das Gleiche: wenn man mit seinem Leben wirklich zufrieden ist, Dankbarkeit empfindet für das, was einem geschenkt wurde, dann sollte man es eigentlich nicht nötig haben, die Leben anderer zu verurteilen bzw negativ zu bewerten, oder? Man kann sich einfach neugierig und freudig auf die Vielfalt einlassen. Auch dieses noch: diejenigen, die bei allen möglichen Diskussionen immer nur eine mögliche ‚Lösung‘ oder Beurteilung bringen: auf die sollte man wirklich nicht hören!
        Einen schönen Tag allerseits.

      • mila sagt:

        Kurzum: Wir können mit unserer Freiheit, und den divergierenden Möglichkeiten, die diese bietet, offenbar nicht umgehen. Und werden dann (allzu) leicht abhängig von der Meinung anderer, sei es in medialen (‚gesellschaftlichen‘) oder persönlichen Verhältnissen.

        Ich habe zur Zeit das grosse Glück, Nur-Mutter-und-Hausfrau sein zu können. Und auch wenn ich mir, zumal zum jetzigen Zeitpunkt, nicht vorstellen kann, dies auf Jahre oder gar Jahrzehnte zu sein, so fühle ich mich zur Zeit ganz klar wie eine Gewinnerin. In dem Sinn, dass ich das tun und (aus-)leben kann, was für mich und meine Familie gut und richtig ist, im gegebenen Moment. Ich verstehe insofern nicht, weshalb mich irgendeine fremde Meinung, medial wie persönlich, etwas scheren sollte.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Carolina: „als Barrieren bezeichne ich Denk- und Verhaltensmuster, die irgendwann Denken und Verhalten zementieren statt Wachstum, Gelassenheit und Lebensfreude zuzulassen.“ Schön ausgedrückt. Der Mensch strebt ja nach Entfaltung seines Potentials d.h. nach Wachstum (humanistische Psychologie). Ich finde es deshalb auch schade, wenn die Menschen nicht mehr das machen, was sie gerne tun würden, aufgrund von „sozialen Druck“ (mal mehr oder weniger subtil). Dies kann leider zu Entfremdung führen. In einer fortschrittlichen Gesellschaft müsste eben die Pluralität aller Lebensentwürfe akzeptiert werden und nicht nur diejenigen, die gerade gefördert werden („politisch korrekt sind). Ich sehe aber, dass sich je länger je mehr, immer mehr Menschen von veröffentlichten Meinungen emanzipieren.

      • mila sagt:

        Schliesslich bin ich ja erwachsen, und eben: mündig. D.h., in erster Linie fähig, Verantwortung für meine ganz eigenen, individuellen Lebensverhältnisse zu tragen. Wer das nicht kann, und ständig auf gesellschaftliche Bevormundung etc. verweisen muss, ist in meinen Augen (noch) nicht erwachsen geworden. Und täte meiner Meinung besser daran, erst einmal innerlich aufzuräumen, statt sich über äussere Barrieren zu beklagen.

      • mila sagt:

        Respektive, verständlicher: von aussen eingepflanzte Barrieren. Gilt für den ersten wie letzten Kommentar.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Mila: Was Sie über „Mündigkeit“ schreiben hat sicherlich seine Richtigkeit. Sie sind jedoch eine „intellektuelle Person“ und können diese Mechanismen durchschauen. Spannender finde ich jedoch die Frage, in wie weit eine Demokratie durch professionelle Meinungsmacher beeinflusst werden darf (nicht alle sind so schlau wie Sie und können sich diesem Einfluss entziehen!). Bernays und Chomsky haben u.a. den Einfluss der professionellen Meinungsmacher auf die Gesellschaft untersucht. Bernays argumentierte:
        „Wenn wir den Mechanismus und die Motive des Gruppendenkens verstehen, wird es möglich sein, die Massen, ohne deren Wissen, nach unserem Willen zu kontrollieren und zu steuern.“ Vgl. auch das Propagandamodell von Chomsky. Sie haben eben ihre Techniken auch perfektioniert. Sapere aude!

      • mila sagt:

        @HH: Ich halte es ehrlich gesagt für brandgefährlich, den ‚unintelligenteren‘ Massen die Fähigkeit zur Mündigkeit abzusprechen, wie das unter Akademikern gerne und oft geläufig ist. Tatsächlich ist es meiner Beobachtung nach nicht selten so, dass es gerade die höher bzw. akademisch geschulten sind, die sich nur zu gerne selbst zerfleischen, respektive höhere (und teils unrealistische) ‚Forderungen‘ an die Gesellschaft stellen, gerade in punkto ‚Vereinbarkeit‘ von Familie und Beruf. Während die ‚Normalen‘, ebenfalls nicht selten, mehr oder weniger zufrieden mit ihren, bzw. den gegebenen, Verhältnissen sind. Wir sollten also sehr vorsichtig damit sein, über wen wir in solchen Zusammenhängen sprechen, und wie. Differenzierung tut not,

      • mila sagt:

        wenngleich ich keineswegs behaupten würde, dass die (sozial- und familienpolitischen bzw. ökonomischen) Verhältnisse ‚ideal‘ sind. Das sind sie mitnichten, werden es aber – angesichts der Vielzahl unterschiedlicher (Partikulär-)Interessen – auch niemals sein. Man kann lediglich das Augenmerk auf eine grösstmöglichste Schnittmenge richten, und da denke ich durchaus, dass wir als Gesellschaft auf einem guten Weg sind, bzw. es in den letzten Jahrzehnten waren. In dem Sinne, dass es besagte Freiheiten für individuelle Lebensgestaltungen gibt, und zwar weit mehr, als in der Vergangenheit. Nun müssen wir, wie gesagt, auch lernen, damit selbstverantwortlich umzugehen.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Mila: dann haben Sie mich falsch verstanden und/oder ich habe mich ungeschickt ausgedrückt: ich möchte zuletzt irgendjemandem die Mündigkeit absprechen, im Gegenteil. Vielmehr dünkt es mich wichtig, in einer Demokratie „professionelle Meinungsmacher“ und deren Mechanismen (z.B. doing social problems: u.a. Probleme von Karrieremenschen zu allgemeinen Problemen der Gesellschaft machen zu wollen) zu benennen. Diese Mechanismen ganz auszublenden und so zu tun, als gäbe es sie nicht, dünkt mich eben auch verkehrt.

      • mila sagt:

        Da haben Sie recht, Herr Hintermeier. Zugleich ist das letzte, was wir brauchen, eine neue Welle von selbsternannten ‚Aufklärern‘ und ‚Massenrettern‘. Es gibt daher für mich einen schmalen Grat zwischen ‚Probleme benennen‘ und ‚bevormunden‘. Oder vielleicht ist er auch gar nicht mal so schmal. Bezeichnend ist jedenfalls, dass sich viele ’normale‘ Menschen längst entweder von den gesellschaftlichen Debatten abgehängt (da von Intellektuellen und ‚Meinungsmachern‘ bevormundet) fühlen, oder sich schlicht nicht dafür interessieren (da besagte Debatten auf eine Art und Weise geführt werden, die entweder als nicht relevant, oder aber als abgehoben empfunden wird).

      • mila sagt:

        Darüber würde es sich allemal lohnen nachzudenken, bevor man sich in irgendeiner Weise ‚aufklärend‘ in eine Debatte einklinkt. Die medial-öffentliche ‚Meinungsmache‘ geht nämlich, wie es scheint, zunehmend an breiten Teilen der Bevölkerung vorbei, blendet deren Realität(en) aus – und wird entsprechend von diesen ausgeblendet.

        So, damit auch von mir: einen schönen Tag noch.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @ Mila: wir sind hier in einem Blog. Hier teilt jeder seine Meinung mit. Warum schreiben Sie so viele Beiträge?
        So, damit auch von mir: einen schönen Tag noch.

      • mila sagt:

        Doch noch kurz, um Missverständnissen vorzubeugen: ja, ich teile – hier und andernorts – gerne meine Meinung, respektive meinen persönlichen Standpunkt (allerdings sehr viel weniger umfangreich als auch schon, das sollte gerade Ihnen nicht entgangen sein…). Ich verstehe mich aber mitnichten (mehr) als ‚Aufklärerin‘, sondern suche ganz einfach einen Dialog, für persönliche Meinungsentwicklung. Bei Ihnen scheint mir das Bedürfnis etwas anders gelagert. Daher mein Rat: wollen Sie explizit für den ‚gemeinen‘ Mann (oder die ‚gemeine‘ Frau) sprechen, mit einem emanzipatorischen Anliegen, sollten sie deren Sprache benutzen. Ansonsten laufen Sie Gefahr, exakt in dieselbe Intellektuellen-und-Meinungsmacher-Diskursfalle zu tappen wie diejenigen, gegen die sich Ihre Voten richten.

    • Muttis Liebling sagt:

      Carolina

      1. ist der Mensch ein Differentialregler. Zustände, seien sie noch so gut, gehen in die Bewertung nicht ein, nur Veränderungen. Gut ist es, wenn es immer besser wird. Alles andere ist nicht so gut.

      2. Gerade in Hochlohn- Staaten, wie der Schweiz, dient die Erwerbstätigkeit auch der Wahrung einer sozialen Rolle. Nur deshalb kann die Hausfrauen- Rolle überhaupt mit der seltenen Karriere- Rolle konkurrieren.

      Im Gegensatz zu Erwerbsvarianten wie z.B. des Berufssportler, Werbetexters, u.ä. ist Hausarbeit, wie der Name es richtig sagt, eine echte Arbeit, nur ohne Einkommen. Die anderen Tätigkeiten sind zwar erwerbend, aber keine Arbeit, weil nicht wertschöpfend.

      Allerdings zählt in Staaten, welche das Geld als Universalmassstab nutzen, nur das Einkommen, nicht die Arbeit.

      • Carolina sagt:

        ML: Ich kann nur das sagen: Diese Haltungen sind keinesfalls auf die Schweiz bzw Hoch-Lohn-Staaten beschränkt. Ich erinnere Sie daran, dass gerade Sie aus einem Land stammen, in dem nur zählte, wer produktiv war (und zwar ideologisch, pekuniär und persönlich). Und Produktivität als Massstab für die Beurteilung einer Gesellschaft – es schüttelt mich!

      • Sportpapi sagt:

        Weshalb ist Hausarbeit (die sich immer wieder wiederholt) wertschöpfend, das Produzieren von Unterhaltung für die Massen aber nicht?

  • Martin Frey sagt:

    Der Artikel arbeitet treffend heraus wo das Problem liegt. Es ist die Wertschätzung respektive Geringschätzung aller Arbeiten zuhause. Es gibt sicher viele Männer die diese Arbeit geringschätzen, wohl meist aus Gründen der Unkenntnis da sie in aller Regelnie selber über eine gewisse Zeit den Haushalt mit Kindern ganz allein geschmissen haben. Es sind aber va die Frauen die das Leben und die Arbeit zuhause geringschätzen, obwohl diese Arbeit oft strenger als die der Leute die nur hinter vorgehaltener Hand zugeben, sich in irgendeinem Büro davon zu erholen.
    Solange diese selbstauferlegte Stigmatisierung in den Köpfen ist, werden zeitgemässe Familienmodelle es schwer haben. Nicht nur wegen den Möglichkeiten die die Arbeitswelt bietet, sondern wegen dem, was in unseren Köpfen sich abspielt.

  • Malena sagt:

    Gute Analyse. Die gefühlte Zwang, sich über Karriere und materiellen Erfolg zu definieren, beeinflusst Menschen tatsächlich bei der Wahl ihres Familienmodells (abgesehen davon, dass in tieferen Einkommenssegmenten ein Lohn oft nicht ausreicht). Andererseits denke ich, dass wir in unserer individualisierten Gesellschaft mehr Freiheiten haben als je zuvor, uns auch entgegen gängiger Vorstellungen zu entscheiden und trotzdem Unterstützung aus dem Umfeld zu erhalten. Richtig schwierig wird es, wenn das Verlierer-Stigma innerhalb der Familie besteht, z.B. wenn ein Partner erwartet dass der andere den halben Haushalt schmeisst aber trotzdem eine steile Karriere macht, viel Geld verdient und an prestigereiche Parties mit wichtigen Leuten eingeladen wird.

    • Martin Frey sagt:

      An diesen Erwartungen zerbrechen die Leute ja oft, malena. Erwartungen an sich selber, an „Karrieren“, angeblich so viel Interessanteres zu erleben, viel Geld zu verdienen und Entscheidungen zu treffen. Mit anderen Worten, irgendwie wichtig und bedeutsam zu sein. Viele Frauen messen nach wie die Männer daran, aber auch sich selbst. Was neu dazu kommt ist der Wunsch, trotzdem viel Zeit für sich, die Partnerschaft und die Kinder zu haben, immer ausgeruht, kraftstrotzend und gutaussehend zu sein. Dass das irgendwo nicht aufgehen kann liegt zwar auf der Hand, kann aber nicht akzeptiert werden. Die Männer suchen, etwas plakativ formuliert, ab Mitte 40 ihr Seelenheil in Mountain Marathon und dergleichen, während die Frauen die Lösung ihrer Komplexe oft durch Quotenregelungen usw. herbeisehnen.

  • Lisa sagt:

    Gerade auf dem Weg zur Arbeit – und zu Hause kein Auge zugetan, weil Tochter Grippe hat. Da erinnere ich mich an die anstrengende Zeit, als sie noch im Kleinkindalter war. Da war ein Arbeitstag als Kindergärtnerin reinste Erholung. Finde es auch sehr tragisch, dass Kinderbetreuung und Hausarbeit so niedrig geschätzt wird. Dabei gibt es fast keinen Job, der eine solch hohe Dichte an Präsenz verlangt (dies trifft jedoch nicht auf jene Säuglinge und Kleinkinder zu, die stundenlang mit sich selbst zufrieden sind keinen Pieps machen, wenn Elternteil mal duschen geht).

  • Nicola sagt:

    Danke für den Artikel.
    Ich wünsche mir dasselbe!

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