Wenn sich Kinder für ihre alten Eltern schämen

Husband and wife actors Catherine Zeta-Jones and Michael Douglas arrive with children Dylan and Carys for the European premiere of "Ant-Man" at Leicester Square in London, Britain July 8, 2015. REUTERS/Luke MacGregor - RTX1JME6

Verschiedene Welten: Als Sohn Dylan im Jahr 2000 auf die Welt kam, war Michael Douglas 56, bei der Geburt von Tochter Carys 59 Jahre alt. Catherine Zeta-Jones, die Mutter der beiden, ist 25 Jahre jünger als Douglas, das Foto stammt aus dem Jahr 2015. Foto: Reuters

Er ist aufgeregt, erzählt mit Begeisterung von seiner baldigen Aufgabe. Es geht nicht um einen neuen Job oder Karrieresprung, nein. Mein Bekannter wird zum ersten Mal Vater. «Vater! Stell dir vor!» Er will es noch immer nicht recht glauben und in seine Vorfreude mischt sich etwas Nervosität. Vielleicht hat es auch mit seinem Alter zu tun; er ist 54.

Wie sich sein Leben wohl verändern wird, fragt er sich – und wie die Konstellation der Patchworkfamilie. Am Herzen scheint ihm zudem die Vorsorge zu liegen: Die finanzielle Absicherung sowohl seiner zwanzig Jahre jüngeren Frau als auch des gemeinsamen Kindes. Wir sprechen über die kommenden Veränderungen in seinem Leben und er fragt sich kurz, wie es für das Kind wohl sein wird, einen älteren Vater zu haben. Dabei erzähle ich ihm von dem sehr guten Buch, das ich erst kürzlich gelesen habe, wo es um eben diese Frage geht: Was es für die Kinder bedeutet, die Paare erst mit über 40 bekamen. «Späte Kinder» heisst das Buch, geschrieben vom Journalisten Eric Breitinger.

Breitinger thematisiert darin die Sichtweisen der Kinder von älteren Eltern. Er sammelt deren Erfahrungen, zieht Expertenstimmen und Forschungsergebnisse hinzu und lässt seine eigene Geschichte mit einfliessen. In einer Zeit, in der die Zahl der Paare, die mit über 40 Eltern werden, von Jahr zu Jahr steigt, ein überaus wichtiges Buch. Denn auch wenn spätes Kinderkriegen in den Medien oft thematisiert wird, so drehen sich die vielen Berichte dazu doch fast ausschliesslich um die eine Perspektive – jene der Eltern. Dabei kommen meist die Vorteile zur Sprache: Wie die Kinder davon profitierten, dass ihre Mütter und Väter psychisch etwas stabiler und finanziell abgesicherter sind als jüngere Eltern. Und sie mehr Zeit, Energie und Aufmerksamkeit in ihre Erziehung investieren könnten als jüngere Paare, die oft noch sehr mit sich und der Suche nach ihrem Weg beschäftigt sind. (Lesen Sie dazu auch das Posting «Die Gnade des späten Gebärens»).

Das mag tendenziell alles stimmen, doch erstaunlicherweise bekommen die Hauptbetroffenen des Trends der späten Elternschaft – die späten Kinder – bei dem Thema kaum Aufmerksamkeit. «Das ist umso verwunderlicher», schreibt Breitinger, «als viele von ihnen in ihrer Kindheit und Jugend oft grundlegend andere Erfahrungen gemacht haben als Gleichaltrige mit jüngeren Eltern.»

Dazu gehört eben auch, dass der grosse Altersabstand zu den Eltern die Kinder oft in zwei Welten leben lässt. Das erschwert laut Breitinger besonders in der Pubertät die Kommunikation. Schwierig seien dabei insbesondere die verschiedenen Wertvorstellungen von Kindern und deren Eltern. Späte Kinder erlebten ihre Werte als antiquiert, überholt oder «aus der Zeit gefallen». Gemäss Soziologieprofessor Francois Höpflinger, der im Buch zitiert wird, ist das nicht weiter erstaunlich: Der wertemässige Abstand zwischen Kindern und Eltern in späten Familien sei oft grösser und führe zu Konflikten. Nicht selten überschattet zudem eine schwere Krankheit eines Elternteils die gemeinsamen Jahre. Die Kinder werden oft früh Waisen. Zudem haben Kinder älterer Eltern häufig mit einer gewissen Stigmatisierung zu kämpfen – und sie schämen sich für deren Alter.

Nebst vielen weiteren Aspekten geht der Autor detailliert darauf ein, warum der späte Nachwuchs boomt und was späte Eltern wie auch deren Kinder tun können. So sollten späte Kinder wichtige Fragen an ihre älteren Eltern nicht auf die lange Bank schieben – und sich als junge Erwachsene nicht dazu verpflichtet fühlen, die Eltern zu pflegen.

Der Tipp an die Eltern lautet: Sich die eigene geistige Flexibilität sowie Gelassenheit erhalten ─ «und mehr gemeinsame Zeit mit den Kindern verbringen». Gerade ältere Väter hätten oft viel freie Zeit, doch einer deutschen Studie zufolge widmen sie ihren Kindern nicht mehr Zeit als jüngere Väter. Und dabei wünschten sich späte Kinder vor allem eines: mehr gemeinsam verbrachte Zeit.

Mein Bekannter und ich haben diese Themen in unserem Gespräch indes bloss kurz gestreift. Nach der Geburt kann er sich noch immer damit beschäftigen. Wir haben vor allem erst mal angestossen und uns gemeinsam über den bevorstehenden Lebensabschnitt gefreut.

138 Kommentare zu «Wenn sich Kinder für ihre alten Eltern schämen»

  • Reto sagt:

    Da man sein Leben allein den Eltern zu verdanken hat, sollte man sich nicht für sie schämen. Aber alle Kinder schämen sich wohl irgendwann mal wegen irgendwas für ihre Erzeuger.
    Ein Freund verlor früh seine Eltern und wuchs darum bei seinen Grosseltern bzw. seinem Grossvater auf. Mit 20 hatte er schon die halbe Welt und alle, wirklich alle Hauptstädte Europas gesehen. Sein Grossvater hatte Zeit und genügend Geld, sodass sie oft auf Reisen waren. Auch sonst war sein Grossvater immer für ihn da. Als er dann starb, erbte mein Freund noch das Haus. Welcher Mann Ende 20 hat heute schon ein Haus (notabene eines ohne Hypothek)? Mein Freund vermisst seine Eltern. Doch so viel wie sein Grossvater, das hätten sie ihm laut seiner Aussage wohl niemals geben können.

    • Brunhild Steiner sagt:

      Dieser Grossvater hätte das alles ja ohnehin mit dem Enkel unternehmen können, so wie auch nur finanziell solvent dastehende „alte“ Väter dies mit ihren Kindern machen können- dass man einiges über 50 ist sagt noch nicht viel über seine Zahlungskraft….

    • Bruno Juchli sagt:

      „verdanken“.
      Nein danke. Kinder zeugen ist ein egoistischer Akt und es gilt mal in erster Linie keine Dankbarkeit von den Kindern zu erwarten – das ist doch eine absurde Geisteshaltung!
      Den Dank hat man sich zu verdienen.

  • soswald sagt:

    Die Stimme der heutigen Kinder mit älteren Eltern fehlt in dieser Diskussion. Meine Mutter war 35 und mein Vater 34 Jahre alt, als ich (1. Kind) auf die Welt kam. Das galt damals als alt, und ich empfand es als uncool alte Eltern zu haben. Das lag überhaupt nicht daran, dass meine Eltern zu wenig, auch in sportlicher Hinsicht, mit uns unternommen hätten. Ich stellte mir einfach junge Eltern als viel cooler vor. Und ich glaube, es geht den Kinder mit älteren Eltern heute noch so.

    • tststs sagt:

      „Ich stellte mir einfach junge Eltern als viel cooler vor.“ Sie bringen es auf den Punkt „Ich stell(t)e mir vor…“
      Ich empfand den Spruch „Wow, das ist deine Mutter, es könnte deine Schwester sein“ irgendwann in der Pubertät auch ziemlich uncool…
      Und ich wette, es wird die Zeit kommen, da werden Charlene, Myla, Leo und Lenny die Retrosperktive mit dem heulenden Papi von anno 2003 mit Augenrollen anschauen 😉

    • 13 sagt:

      Man kann natürlich nichts verallgemeinern, aber ich erlebte junge Eltern auch als viel cooler. Meine Eltern bekamen mich (1. Kind) mit 25 bzw. 27 Jahren. Da beide Akademiker sind, war das schon sehr früh. Und ich hatte oft das Gefühl, dass es bei uns zu Hause weniger spiessig zuging als bei vielen meiner Kameraden. Feste Essens- oder Schlafenszeiten? Fehlanzeige. Auch mal essen auf dem Sofa, kein Problem. Ausgang? Klar, wir fahren Dich hin, gehen selber in den Ausgang und holen dich auf dem Rückweg wieder ab. Ich bin davon überzeugt, dass meine Eltern mehr gefeiert haben als ich und auch sonst wurde vieles gerade so aus dem Bauch heraus entschieden. Gemeinsame Unternehmungen hatten wir sowieso en masse. Und doch sind wir gut rausgekommen 😉

      • 13 sagt:

        Und was man auch noch erwähnen muss: Unsere Kinder haben auch heute noch junge Grosseltern (bei der Geburt des ersten Enkels knapp 50, beim fünften und letzten knapp 60), die mehrere Wochen im Jahr mit ihnen in die Ferien fahren, Übernachtungspartys organisieren und vieles unternehmen. Ob sie das in 10 Jahren auch noch können, bin ich mir nicht sicher.

    • Jürg Brechbühl sagt:

      Mein Vater war 28, meine Mutter 27 und sie hatten bereits sechs Jahre lang in Ostafrika gelebt und 19 Staaten dieser Erde durchreist, bevor ich zur Welt kam. In der Schule hatte kein anderes Kind so alte Eltern.

      Dass ich Eltern hatte mit Lebenserfahrung und viele Geschichten von ihnen wusste, die sie immer beim Essen erzählten — das machte mich zum Aussenseiter in der Schule.

  • Rolf Ramseyer sagt:

    Mein Sohn ist 34 Jahre alt. Ich war alleinerziehender Vater, voll berufstätig, und habe in der Freizeit viel mit ihm unternommen. Eisenbahnfahrten, in den Zoo, ins Verkehrshaus, in die Ferien, etc. Keinen Sport, ich treibe keinen Sport. Heute wohne ich im Ausland und wir telefonieren jede Woche 1-2 Mal. Öfters hat er mir schon von Freunden erzählt, die keinen Kontakt zu den Eltern haben, weil diese früher auch nie Zeit hatten.
    Mit 62 habe ich nochmals geheiratet und habe nun zwei (Stief-)Kinder von 7 und 9. Wieder keinen Sport. Aber zum Fussballtraining fahren, ins Schwimmbad gehen, an den Strand, in den Zoo, gemeinsame Ferien, etc.
    Nicht der Sport ist wichtig, das hohe Alter von ‚Papa‘ ist auch kein Problem.
    Was zählt und bleiben wird ist einzig, dass zusammen Zeit verbracht wird.

  • Nina sagt:

    Ich hatte junge Eltern wie damals die meisten anderen auch, trotzdem hätte ich sie nicht uncooler finden können.

  • LoriLo sagt:

    Mein Mann und ich sind erst spät Eltern geworden (ich 40, mein Mann 45 Jahre alt) – ganz überraschend und für uns das grösste Geschenk! Wir sind jung gebliebene, sportliche Eltern und fühlen uns total fit. Jedoch haben wir uns aus ‚Vernunftsgründen‘ bewusst entschieden, kein zweites Kind auf die Welt zu stellen (sofern es überhaupt geklappt hätte) denn auch wir haben uns gefragt, ob wir den Kindern solch alte Eltern überhaupt noch zumuten können, vor Allem wenn wir daran denken, wie alt wir sein werden wenn unsere Kinder in die Pubertät kommen. Der Preis dafür ist jedoch, dass unser Kind ein Einzelkind bleibt. Ist das wirklich die ‚vernünftigere‘ Entscheidung? So nach dem Motto: wie mans macht ists falsch.

    • Maier Tom sagt:

      Ein mutiger Entscheid, es kommt nicht darauf an ob Sie sich mit ü40 zu Alt oder eben nicht fühlen. Auch nicht ob Ihr Kind als Einzelkind oder Teil einer Horde aufwächst. Wichtig ist einzig Ihre Liebe und Zuneigung, Ihre Bereitschaft sich täglich mit Ihrem Kind auseinander zu setzten.
      Bin Vater mit 31 geworden, habe mich in Schule und privat bei Familien engagiert und kann sagen dass es Versager/innen in allen Altersklassen gibt, genauso wie es Väter/Mütter allen Alters gibt die sich für Ihr Kind hingeben.

      • LoriLo sagt:

        Danke. Aus Ihnen spricht die Erfahrung, das spürt man gut. Ich bin da ganz Ihrer Meinung, wenn Sie schreiben, dass das Wichtigste die Liebe, Zuneigung und das Auseinandersetzen mit dem Kind ist.

      • 40 und wohl zu alt für ein Zweites sagt:

        @Mair Tom Danke für diese weise und stärkende Antwort

    • Lena sagt:

      Wir sind – unfreiwillig – auch erst mit 41 Eltern geworden. Grundsätzlich finde ich das zu alt, aber es hat halt nicht früher geklappt. Um so glücklicher sind wir heute. Ich finde aber schon, dass wir es unserem Kind schuldig sind, so fit wie möglich zu bleiben; im Körper und noch viel wichtiger, im Geist. Zum Glück sehen wir beide eher jünger aus und haben schon immer Sport getrieben. Wir wohnen auf dem Land und ganz ehrlich, im Geiste sind da einige Vollzeitmütter, die 10 Jahre jünger sind als ich, sehr viel älter als ich.

  • alam sagt:

    Ich bin hier die älteste Mutter weit und breit… und trotzdem die einzige, die Familien-Zeltferien mit dem Velo macht. Je jünger die Eltern sind, desto schwerer fällt es ihnen, ihren A… auch nur ein paar hundert Meter ohne Auto zu bewegen. So sieht es jedenfalls in meinem Umfeld aus.

    • Simone sagt:

      spannendes umfeld, das
      sie haben..
      das, was sie beschreiben, hat doch nichts mit dem alter zu tun.
      meine kinder finden es toll und betonen immer wieder, dass sie junge eltern (ich war 28 und 30 bei der geburt der kinder, der vater der kinder 30 und 32) haben und auch relativ junge und fitte grosseltern mütterlicherseits. manchmal finden sie es uncool, dass meine freundinnen noch so kleine kinder haben.
      die eltern des vaters meiner kinder waren alte eltern und aus diesem grund wollte er immer schon früh vater werden. ich finde immer noch toll, dass wir uns so jung, kurz nach ende des studiums, für kinder entschieden haben.
      letzthin hat eine freundin meiner tochter gesagt, dass es ihr unangenehm sei, dass ihre mutter 55 sei (sie ist 14).

    • Sina Meier sagt:

      Ich bin knapp 30 und habe vor einigen Wochen unser zweites Kind zur Welt gebracht. Beim grösseren, war ich 27.
      Wir sind jeden Tag draussen, bei jedem Wetter. Dies ist für mich selbstverständlich und meine Jungs sind draussen glücklich. Hat also nichts mit dem Alter zu tun.

  • Claudia Egger sagt:

    Alle Kinder schämen sich in einem gewissen Alter für ihre Eltern – egal, ob die nun alt oder jung sind. Spätestens in der Pubertät ist man für seinen Nachwuchs „voll peinlich“ und sollte sich darüber auch freuen: Das Kind nabelt sich ab und entwickelt sich „voll normal“.
    Und wenn ich mich (54) im Quervergleich mit den Müttern anderer 14 Jähriger anschaue, kann ich nur eines sagen: Das Alter ist definitiv nicht das, was ausschlaggebend ist. Es ist die Beziehung. Meine Tochter weiss, dass sie auf mich zählen kann und dass ich sie bedingungslos liebe.

    • LoriLo sagt:

      Das kann ich voll unterstützen!

    • Carolina sagt:

      Sehe ich genauso, CE. Ich würde noch weitergehen und sagen, wenn die Kinder in der Pubertät nach aussen ihre Eltern nicht peinlich finden, dann wäre das etwas merkwürdig. Die Eltern, die das einigermassen souverän ertragen, werden vielleicht sogar damit belohnt, dass das Verhältnis innerhalb der Familie immer noch innig und vertrauensvoll ist.
      Ich finde es eher lächerlich, eine gute Beziehung zu den Kindern daran festmachen zu wollen, ob man alt/jung/sportlich/unsportlich/unternehmungslustig etc ist – Eltern sind für Kinder Eltern, irgendetwas ist in der Pubertät immer peinlich, aber wenn sie sich auf sie verlassen können, ist es völlig wurscht, ob sie fünfmal im Jahr mit den Kindern durch Europa radeln…..

      • francesca sagt:

        Besser, die Kinder schämen sich eine Zeitlang für ihre voll peinlichen, alten/jungen/coolen/uncoolen/sportlichen/un-sportlichen usw. Eltern, als die Eltern sich für ihre Kinder. Ersteres geht irgendwann vorbei, das andere bleibt meistens bestehen.

  • Eveline Hasler sagt:

    Aufgewachsen sind meine Kinder leider ohne Grossvater. Mein Vater war etwa so alt wie der Grossvater meiner Mitschüler. Ein grauhaariger Herr mit Anzug und Krawatte am Besuchstag in der Schule.
    Ein guter Vater. Nur leider wurde er krank kurz vor seiner Pension. Einige Jahre Krebs, Chemo. Die Mutter überfordert, die Tochter (ich) im Teenageralter noch mehr. Das Thema hier ist nicht Sport oder Schämen, sondern dass die Kinder am Ende die Konsequenzen der späten Elternschaft tragen, zuviel Verantwortung ihrem Alter entsprechend übernehmen müssen. Alleine, denn leider sind die Grosseltern ja auch schon längst tot. Von mir kein Loblied auf die späten Eltern, auch wenn sie sich im Moment noch so dynamisch, fit und modern fühlen mögen, denn der Alterungsprozess lässt sich nicht aufhalten.

    • alam sagt:

      Krebs hat aber nicht unbedingt mit dem Alter zu tun, oder?

      • Eveline Hasler sagt:

        Es geht um Häufigkeit und Risiko. Informationen über den signifikanten Anstieg nach 55 nachzulesen bei: bfs.admin.ch unter: Todesfälle pro Krebslokalisation und Altersklasse.

  • alam sagt:

    Eine meiner besten Schulfreundinnen hatte alte Eltern. Der Vater war sogar schon pensioniert. Sie hatten viel Zeit, um mit ihr all die coolen Sachen zu unternehmen, für die unsere Eltern keine Zeit hatten. Sie hatte immer das coolste Velo, etc. Was haben wir sie beneidet…

  • Elisabeth Brunner sagt:

    Ich bin 3-fache Grossmutter. Meine Enkel sind 18/16J. und 9 Mon. alt. Mein Vater war 43, meine Mutter 24 als ich auf die Welt kam. Mein Vater war eher mein „Grossvater“. Zärtlichkeit, Verständnis für Kinder kannte er nicht. Es musste alles nach seinen Vorstellungen ablaufen, sonst wehe. Als Mädchen und als Erstgeborene wurde mir sehr viel Arbeit aufgebürdet. Einen Beruf durfte ich nicht lernen, „Mädchen heiraten sowieso“. Meine Mutter wagte es nicht ihrem Mann je zu widersprechen oder mir für die Berufsbildung zu helfen- trotzdem sie auch gelitten hatte, weil sie als Halbwaise keinen Beruf lernen konnte, trotzdem Geld da gewesen wäre. So meinte meine Taufpatin, als ich schon erwachsen war, ihr Bruder,mein Vater, sei ein richtiger Familientyrann gewesen.

    • Katja sagt:

      @ Elisabeth Brunner
      Ich finde es sehr bedauerlich, was Sie in Ihrer Kundheit und Jugend erleben mussten. Gleichzeitig stelle ich mir jedoch die Frage, ob der schwierige Charakter Ihres Vaters tatsächlich aufgrund seines Alters so zutage kam oder ob es nicht vielmehr an einer herrischen Persönlichkeit lag. Vermuten möchte ich fast letzteres. Es gibt einfach solche Menschen. Leider.

  • mia sagt:

    Na, erst steppt jahrzehntelang der Bär und es wird nichts ausgelassen, solange, bis bald der Sensenmann an die Tür kloppt. Dann fällt ihnen ein, dass man eigentlich noch Kinder in die Welt setzen könnte. Die späten Lendenfrüchte (falls es sich dann tatsächlich um diese Lenden handelt) dürfen den Papa dann spätestens mit 20 im Seniorenheim besuchen.

    • alam sagt:

      Nö, bei den Lendenfrüchten steppt mit 20-40 natürlich ebenfalls der Bär. Die sind hoffentlich nicht hier, sondern nutzen die Gelegenheit, über den Tellerrand hinauszuschauen.

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Ihr wisst aber schon, dass die Zeta-Jones um ihrer Karriere Willen ihre Geburtspapiere gefälscht hat und sie in Wirklichkeit 10 Jahre älter ist. Der Altersunterschied zwischen den Eltern wäre demnach nur 15 Jahre.

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Zitat: „Späte Kinder erlebten ihre Werte als antiquiert, überholt oder «aus der Zeit gefallen». “
    Mir kommt das komisch vor.

    Vor allem bei meinen jungen Studienkollegen an der ETH beoachte ich, dass sie die konservativen Werte ihrer Grosseltern leben, in allem was Ausbildung, Beruf, Beziehungen angeht. Sie verhalten sich so, wie das meine (80-jährigen) Eltern mich gelehrt hatten.

    Was meine Generation (um die 50-jährig) betrifft, so wurde sie kürzlich in der Weltwoche treffend als die „verlorene Generation“ bezeichnet, als die Generation ohne eigene Werte, ohne klare Zielvorstellungen ohne beruflichen Ehrgeiz, ohne den Mumm, etwas eigene anzupacken.

    • Jürg Brechbühl sagt:

      Darum habe ich grosses Vertrauen in diese junge Generation und ich würde jedenfalls gerne in meinem Alter noch mit einer jungen Frau eine Familie gründen.

      Und ja, das Hauptthema ist nicht die körperliche Fitness, sondern die zuverlässige finanzielle Vorsorge.

    • alam sagt:

      Ha! Ja klar, die Weltwoche, unser aller Lebensleitfaden würde am liebsten das Rad der Zeit um 50 Jahre zurückdrehen. Weil wenn der Herd die Frauen verliert, ist die ganze Generation verloren.

  • Christoph Meyer sagt:

    Bin etwa im selben Alter, was ich allerdings am wenigsten gebrauchen könnte ist eine schwangere Ehefrau… Stell dir mal vor, wenn das Kind volljährig wird hast du die 70 schon überschritten, schon ziemlich fragwürdig! Ein weiterer Gedanken ist derjenige, dass du bei der Einschulung deines Kind bereits 60 bist und sich in der Schule alle fragen: Wieso kommt der mit dem Grossvater?

  • Mody Bühler sagt:

    Den Kindern ist’s egal, schliesslich schämen sie sich auch nicht um ihre Grosseltern. Die Gesellschaft muss ihnen einfach nichts reinreden. Schliesslich ist’s auch ein Vorteil, wenn der Papi im AHV-Alter Kinder zeugt, dann hat er viel Zeit, um sich um sie zu kümmern..

  • Rosa Grün sagt:

    Irgendwie scheint das Alter des Kinderkriegens sich an die Lebenserwartung anzupassen, und die ist nun mal gestiegen… um fast 20 Jahre seit 1920

    • Muttis Liebling sagt:

      Das erscheint auch mir seit langem plausibel, wenngleich ich mir den Mechanismus nicht vorstellen kann. Fakt ist, dass bei einem Median der Geburtlichkeit um 20-25 Jahren 4 Generationen einer Familie gleichzeitig leben würden. Das gäbe enorme Spannungen und eine zu grosse Menge familiärer Verpflichtungen.

      Die meiste Zeit der Menschheit betrug die Lebenserwartung ca. 30 Jahre, die Hälfte davon Adoleszenz und die andere Hälfte Erwachsensein, Kinder, usw.

      Heute sind die Proportionen bei einer zunehmenden Anzahl Menschen analog. Kindheit und prolongierte Pubertät bis 35-40, danach, in der zweiten Lebenshälfte, der Beginn, wenn überhaupt, von eigener Familie und Kinder.

  • Hannes Müller sagt:

    Mein Vater war 60, als ich auf die Welt kam. Ich werde ungern grob, aber hier fällt es mir schwer. Ich finde es völlig rücksichtslos, in diesem Alter noch Kinder zu haben. Meine Mutter war 40, und ich habe schon sie immer als alt empfunden, geschweige denn den Vater.

    Von Grosseltern ganz zu schweigen (es gab noch eine Grossmutter, die aber das Zeitliche segnete, als ich etwa 6 oder 7 war. Sie ist mir in Erinnerung, weil sie immer jedem Enkelkind etwas zu Weihnachten buk. Das kam dann per Post, weil sie woanders wohnte, aber die Mühe, das überhaupt zu machen, habe ich schon früh als lieb empfunden.)

    Nein, Leute, macht die Kinder in euren Zwanzigern. Da macht ihr noch Fehler, da habt ihr noch Träume, da habt ihr noch Energie.

  • franziska sagt:

    Alten Eltern bzw. hauptsächlich alte Väter müssen aus ihrem Einkommen kaum für Kinderkosten aufkommen, weil das immer noch durch die Allgemeinheit per Giesskanne stark subventioniert wird:
    – Kindergeld bis 940.- von der AHV
    – 20% der BVG-Rente zusätzlich als Kinderrente
    – das normale Kindergeld von 200.- bzw. 250.-, das alle bekommen

    Für mich ist nicht einsichtig, weshalb bei Kindern von Rentern, die erwerbstätig waren, andere Masstäbe gelten sollen, als bei jungen Eltern, die oft deutlich weniger Geld zur Verfügung haben.

    Zumindest heute ist üblicherweise ein Elternteil beim Kinderbekommen durchaus in der Lage, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und für das Kind aufzukommen. Dieser alte Zopf kann also diskussionslos abgeschnitten werden – 1947 war das sicher noch topaktuell.

  • Rolando sagt:

    Was für eine Diskussion!
    Mit 40 wurde ich Vater. Mit meinen beiden 8-jährigen Töchtern unternahm ich div. Trekking-Touren auch in Neuseeland. Seit 3 Jahren fahren wir Ski oder Spielen Hockey. Seit 2 Jahren bringe ich meinen Kindern Kung Fu bei und mittlerweile beteiligt sich das halbe Quartier. Diesen Frühling startet die ganze Familie eine Motorrad-Tour durch Frankreich. Bin ich nun un-cool? Das wichtigste aber geht in dieser „Diskussion“ unter: Das Geben einer bedingungslosen Liebe und das Empfangen deren Dankbarkeit! Wir haben im Gegensatz zu vielen anderen Eltern (auch jüngere) ein inniges, liebevolles Verhältnis und nur das zählt!

    • Muttis Liebling sagt:

      Nein, primär zählt die Biologie. Wir wissen noch wenig über die Krankheitsbiographie spät Geborener, aber das was wir wissen, klingt nicht gut.

      Sie werden es nicht erleben, wenn Ihre Kinder früher und miserabler sterben, als die von jungen Eltern.

  • Rainer sagt:

    Tja, wenn’s klappt werde ich auch so einer dieser Ü40 Väter.
    Je älter ich wurde, desto mehr habe ich die Leute bewundert, die das schon während des Studiums „geregelt“ haben.
    An alle, die immer „musst halt früher anfangen“ rufen – das ist ja alles richtig, aber es gehören immer zwei dazu.

    Meine Freundin hat recht spät den Führerschein gemacht und wir sind auf einen Verkehrsübungsplatz in .de gefahren. Dort habe ich einen älteren Herrn gesehen, der einem c.a. 18-jährigen das Autofahren erklärte. Da hatte ich dann wirklich das erste mal einen dieser „Oh Shit“-Momente, wo man 40+20 addiert und merkt, was für ein alter Sack man jetzt schon ist – und was in 20 Jahren noch draufgesattelt wird..

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