Ein Hoch auf die Väter

The Chairman of Pan American Silver Corporation Ross Beaty is hit in the face with a pie during fundraising for Sick Children's Hospital in Vancouver, British Columbia May 12, 2005. The pie throwing is part of the Mining for Charity Fair held annually in the city. REUTERS/Andy Clark AC - RTRAYUX

Er ist oftmals der Ernährer, und muss trotzdem unten durch: Der Vater in Gestalt eines Mannes, der sich mit Torten bewerfen lässt. Foto: Andy Clark (Reuters)

Die Welt ist ein komplexer Ort, dennoch oder gerade deshalb muss ich mich hier auf das Vereinfachen beschränken. Und vereinfachen heisst logischerweise auch, dass nie alles für alle zutrifft. Tut es aber ohnehin kaum je. Damit kann ich leben.

Und so will ich heute ein Loblied auf die Väter singen. In letzter Zeit wurde gerade etwas gar schwungvoll über sie hergezogen. Darum scheint es mir angebracht, dem etwas entgegenzustellen. Von einer Frau. Und von einer Mutter. Dazu muss ich generalisieren. Die, die es nicht verdient haben – das Lob oder das Generalisieren –, merken es ja hoffentlich von selbst.

Liebe Väter, die ich kenne oder im Tram, am See oder bei der täglichen Arbeit beobachte, das hier ist für euch und für alle, die sind wie ihr.

  • Danke dafür, dass ihr euch immer noch als Ernährer der Familie versteht. In den meisten Fällen seid ihr das ja auch. Und falls ihr es nicht alleine seid und eure Frau substanziell mitverdient und daheim helft, scheint doch in euch drin dieser Kern zu stecken, der sich verantwortlich fühlt. Das macht euch manchmal etwas besonnener — und, ja, auch langweiliger und weniger wagemutig —, als ihr gern wärt. Als wir euch gern hätten. Dennoch bleibt ihr bei diesem Selbstverständnis. Das hat Respekt verdient.
  • Danke dafür, dass ihr nach der Arbeit nicht mehr prinzipiell die Flossen auf den Couchtisch knallt und euch ein Bier bringen lasst. Dass ihr versucht, euren Kindern zuzuhören und auch eurer Frau.
  • Danke, dass ihr es aushaltet, dass eure Söhne selbst die friedfertigsten unter euch Vätern als Konkurrenten wahrnehmen und mit euch das ganze öde Ödipusspiel um die Gunst der Mutter spielen wollen (na ja, Gott sei Dank nicht das ganze). Und eure Söhne mit euch zanken und knuffen dürfen, obwohl ihr viel lieber mal entspannt den Tagi auf dem Tablet überfliegen würdet.
  • Danke dafür, dass ihr euren Frauen dabei zuschaut, wie sie euch Kinder gebären, oft von sehr, sehr Nahem. Und dabei, wie sie sich aller Mühe, Pilates, Magerpülverli zum Trotz dennoch verändern. Sie werden weicher, faltiger, behäbiger. Das ist völlig normal. Aber ihr liebt sie in der Regel trotzdem.
  • Danke, dass ihr euch anhört, wie traurig eure Frauen darüber sind, dass sie nicht ewig jung und knackig bleiben können. Denn schliesslich sollen sie das alles trotz Familie schaffen und dabei auch noch totaaaal erfolgreich sein, sie müssen sich nur genug Mühe geben. Steht in jedem hirnlosen Heftli. Und danke, dass ihr ihnen sagt, dass sie für euch trotzdem schön und wichtig und klug sind, und es auch so meint, obwohl sie euch nur für ganz kurz glauben, bevor alles wieder von vorn losgeht.
  • Danke, dass ihr es aushaltet, in Kinderfragen oft bloss als Zweitmeinung zu dienen, aber nicht wirklich als Experten. Wenn ihr in eurer Papizeit (was für ein beknackter Begriff, Mamizeit gibt es ja auch nicht), wenn ihr euch also in dieser Papizeit um die Kinder kümmert, bekommt ihr Ratschläge, Tipps und Ermahnungen aufs Auge gedrückt. Frau vertraut euch nicht hundertprozentig in dieser Sache. Danke, dass ihr trotzdem nicht das Handtuch werft.
  • Danke, dass ihr damit lebt, offenbar nie genug im Haushalt mitzuhelfen (damit meine ich nur euch, die ihr wirklich mit anpackt). Selbst wenn ihr mal sicher seid, alles vollständig und richtig erledigt zu haben, fällt euch ohne Vorwarnung von irgendwo ein Vorwurf an. Denn eure Frauen sind auch am Anschlag. Ebenso wie ihr müssen sie auch alles gleichzeitig tun und das perfekt. Erfolgreich, schön und so weiter, kennt man ja schon.
  • Ah ja, danke, dass ihr die Quadratur des Kreises versucht, im Alltag sanft und rücksichtsvoll, aber im Bett ein Macho zu sein, und zwar kein grober, mei mei.

Liebe Väter, ich danke euch für den Wahnsinnsjob, den ihr leistet. Er ist nicht schwerer als unserer. Das stimmt. Aber auch nicht einfacher. Und darum sollt ihr euch ebenso beschweren dürfen wie wir. Das ist sogar gut. Denn vielleicht geht uns so allen endlich mal ein Lichtlein auf: Die Frauen sind überfordert, die Männer auch? Allenfalls wäre weniger von allem auch genug.

Drum: Hören wir doch endlich auf, uns zu vergleichen und zu messen, wir Mütter und Väter. Benutzen wir unsere Münder lieber zum Küssen statt zum Jammern und Fordern. Bringt viel mehr.

113 Kommentare zu «Ein Hoch auf die Väter»

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    jep. aber. frau fischer schulthess. (klingt wie müller lüdenscheidt). 🙂 sie haben – mit diesem artikel – den „mama-blog“ gleich selbst abgeschafft, bzw. deren legitimation vernichtet. als mann gratuliere ich ihnen hierzu.
    aber – wie/wann/und wo – darf sich die „mama-blog-frau“ nun weiterhin auslassen? -> beim realen kafichränzli der unausgelasteten damen?
    in erwartung weiterer zugeständnisse verbleibe ich – in höchster verzückung. ihr pr.

  • Adelheid Bölzli sagt:

    Soll das witzig gemeint sein? Eine Art Satire? Frau Fischer, diesmal verstehe ich Sie wirklich nicht. Wollen Sie Frauen oder Männer mit diesen Klischees und nicht grad raffiniert versteckten Forderungen beleidigen? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, einen ernsthafteren Text zum Thema Väter zu schreiben? Für Väter aus den 10er Jahren, die sich mit Teilzeitforderungen im Geschäft unbeliebt machen und sich für Vaterschaftsurlaub stark machen? Und was soll das Friedensangebot am Schluss des Textes? Sind wir im Krieg? Hab ich etwas verpasst?

    • Sabine sagt:

      Es kommt das bekannte Doris Lessing Zitat einem in den Sinn:
      «Die dümmsten, ungebildetsten und scheusslichsten Frauen können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer kritisieren und niemand sagt etwas dagegen. Die Männer scheinen so eingeschüchtert zu sein, dass sie sich nicht wehren. Aber sie sollten es tun.»

  • Martina sagt:

    Sind wir zurück in den 50er Jahren? DANKE dass ihr mit euren Söhnen spielt??????

  • Reincarnation of XY sagt:

    Köstlich zu sehen wie ein und derselbe Text auf so verschiedene Ohren trifft.
    Ich verstehe den Text durchs Band positiv.

  • Lia sagt:

    wie bitte? Die Männer machen nach wie vor nur einen Bruchteil der Arbeit einer Mutter – die meisten Frauen arbeiten Teilzeit, das ist mehr als eine Doppelbelastung, während der Mann nach wie vor meistens wie ein Pascha zu Hause hockt. Wieso wird jeder Mann, der ein kleines bisschen mehr macht als Kohle zu scheffeln, gleich in den Himmel gelobt?!

    • Freddy sagt:

      was für eine „perception „…
      ist dies aus der Vogelschau durch den Flaschenboden gekartoffel-stempelt ? 😉

    • Enrico sagt:

      Lia,Frauen sind doch schlicht zu grosse Prinzessinnen um Kohle zu scheffeln. Oder faul ? Beim Kohlenschaufeln wird Mann dreckig, schwitzt, macht den Rücken kaputt und der Lunge geht’s auch nicht mehr so gut.
      Dann doch lieber Jerry Hall nacheifern, schnell einen 85 jährigem heiraten , sich, wetten, in zwei Jahren wieder scheiden lassen, und mehr abkassieren als jeder Topmanager oder Sportstar.
      Danke an Frau Fischer!

    • Sportpapi sagt:

      Die Statistiken dazu sagen allerdings etwas anderes. Ausserdem sind Sie selber schuld, wenn Sie einen Pascha zu Hause akzeptieren – wie die Männer auch, die sich ein Prinzesschen halten.

  • Stefan sagt:

    Dieser „Feminismus“ überlebt wohl nur noch dank den Clichés, die es selber produziert, um es dann bekämpfen zu können. Die Autorin lässt da eine selbstgerechte, überhebliche Sicht durchblicken, die selbst den Jihadi-Jon differenziert aussehen lässt. Ein bisschen Rhetorik (oder Propaganda), null Inhalt. Viel Spass beim Weiterkämpfen im Feministinnen-Staat.

  • Marcos sagt:

    Also ich denke es gibt verschieden Interpretationen für diesen Text:
    a) ein wirkliches Lob an die Männer
    b) versteckte Kritik und Forderungen an die Männer
    c) eine Satire auf die Vorstellungen der Frauen
    d) ein ambivalenter Text der möglichst viele Kommentare generieren soll, so dass sogar Typen wie ich in die Tasten hauen 🙂

    ich glaube es ist d).

    • Diana sagt:

      Das Beste am Artikel ist sowieso das Titelbild: der Mann der mit Torte beworfen wird.
      Da sieht man den Mann von seiner „softer side“, finde ich toll. Ich musste gleicht an meinem Papa denken weil seine grösste Stärke diejenige war immer wieder auch seine Schwäche durchblicken zu lassen.
      Da ich glücklicherweise einen tollen Vater hatte war für mich der Fall klar:
      a) Lob an die Vätter.

  • Gregor sagt:

    Und wieder so eine Zeilenschinderei. Ist der Autorin bei ihrem Ausflug nach Griechenland die Phantasie abhanden gekommen? Und übrigens: Den Tagesanzeiger kann man nicht nur auf dem „Tablet“ lesen, sondern auch auf Papier. Ist besonders in Gesellschaft sehr praktisch: Alle rundum sehen, dass man liest und gestört werden darf.

  • Zufferey Marcel sagt:

    Gewisse Frauen tun sich ausgesprochen schwer damit, Männer zu loben und gewisse Männer tun sich ebenso schwer, Lob von gewissen Frauen überhaupt noch a) richtig interpretieren zu können und b) annehmen zu können. Klingt alles ziemlich neurotisch, knarzig und verbockt.

  • Marianne Kehl sagt:

    Belanglos. Ein kläglicher Versuch, der in lächerliche abdriftet. Schade.

  • Sabine sagt:

    Da scheint eine ganze Generation von Frauen Mühe zu haben, den Männern ganz ehrlich und ohne fiese Hintergedanken Komplimente zu machen. Gut, beginnen sich die Männer zu wehren und den zänkischen egoistischen Feminismus abzustrafen.
    ps. schon mal überlegt, weshalb der ‚Wutbürger‘ (womit üblicherweise unsere einheimischen Männer gemeint sind) in der Politik ein solch fulminantes Revival hat?

    • Susi sagt:

      Es geht um die Art der Komplimente, Sabine, nicht um Komplimente per se.
      (Wenn Sie sich bei ihrem Mann dafür bedanken, dass Sie ihm das Bier nicht bringen müssen, dann schön für Ihn…)

    • Zufferey Marcel sagt:

      Männer leisten auch sonst keinen Beitrag an das Gedeihen unserer Kultur- zumindest nach offizieller Leseart. Ein zweifellos reduktionistisches und ausgesprochen sexistisches Männerbild hat man da in unseren Köpfen verankert! Wem das nützen soll, bleibt im Dunkeln. Ein paar ganz besonders radikalen Feministinnen vielleicht. Und frustrierten Frauen, die sich auf einer politischen Ebene- oder dem, was sie darunter verstehen- an den Männern abreagieren können. Ja, die Leistung von Männern hat man in den letzten Jahrzehnten mehr oder minder erfolgreich abgewertet. Da lohnt sich doch wieder einmal ein Blick auf die Lebenswirklichkeit:

      https://www.freitag.de/autoren/thx1138/was-niemand-ueber-maenner-zu-sagen-wagt

      • tina sagt:

        im gegenteil herr zuffrey: das lob sagt doch aus, dass es eben in den letzten jahrzehnten geändert hat. ich weiss nicht wie alt Sie sind, aber mein vater und die väter meiner bekannten in meinem alter haben nicht mit uns gespielt als wir klein waren. und unsere mütter brachten ihnen bier, während sie sport im tv schauten. sie wechselten ihren babys keine windeln. unsere väter waren gute väter, aber das lief einfach vor 30, 40, 50 jahren anders als heute. andrea fischer wird kaum ihrem mann danke sagen, dass er mit den kindern spielt anstatt sich ein bier bringen zu lassen. das lob ging doch mehr an die entwicklung, die die vaterfigur machte. denke ich

      • fabian sagt:

        besten dank marcel für diese links.
        sie entlarven die feministische männerhassende ideologie bestens. männliche gesellschaft überwinden? eine steuer für männer?
        an die tina und susis: ihr könnte euch den hinweis sparen, dass die feministinnen ja nur die männer hassen würden, die nicht nach feministischen grundsätzen leben.
        sabine, ja, muss noch das abstimm-couvert ausfüllen. vielleicht stimme ich für einmal als wutbürger ab. wer öffentlich wie der tagi in seinen bIogs hier wiederholt die ächtung des männlichen geschlechts fordert, der verdient auch keinen rechtsstaat. punkt.

      • Susi sagt:

        @Fabian: „an die tina und susis: ihr könnte euch den hinweis sparen, dass die feministinnen ja nur die männer hassen würden, die nicht nach feministischen grundsätzen leben.“

        Ein solcher Hinweis lag mir nicht auf den Lippen. (Ich zähle mich auch nicht zu „den Feministinnen“, ich stehe nämlich durchaus auf Männer mit Machozügen.)

        Aber was ist denn Ihnen eigentlich passiert, dass Sie so verbitterte Kommentare schreiben müssen?

    • Sportpapi sagt:

      „schon mal überlegt, weshalb der ‚Wutbürger‘ (womit üblicherweise unsere einheimischen Männer gemeint sind) in der Politik ein solch fulminantes Revival hat?“
      Das würde mich ja mal Wunder nehmen.
      PS: Ich glaube, damit sind durchaus auch Frauen gemeint. Ich wundere mich sogar, wie viele da mitmischen. Die es ansonsten nicht so mit Politik haben.

  • Birgit Gegier Steiner sagt:

    Ein herzig-herzlicher Beitrag! Merci – nur zu schade wie humorlos – gnadenlos zu viele andere Leser mit dem Blogbeitrag umgehen…. aber wie Sie schon eingangs bemerken: unsere Welt ist zu komplex, als dass man es allen Recht machen könnte.
    Für alle die dennoch das Herz auf dem rechten Fleck und Humor im Geiste haben, möchte ich gerne folgendes Buch empfehlen: Artgerechte Haltung – Es ist Zeit für eine jungengerechte Erziehung, Birgit Gegier Steiner, erschienen im Gütersloher Verlagshaus 2015 – darin werden nicht nur Jungs, sondern auch die dazugehörigen Väter verstanden.

    http://www.randomhouse.de/Paperback/Artgerechte-Haltung-Es-ist-Zeit-fuer-eine-jungengerechte-Erziehung/Birgit-Gegier-Steiner/e485237.rhd

  • Marianne Kehl sagt:

    Liebe Birgit,
    Das Problem des Beitrags ist, dass der Titel impliziert, er sei ernst gemeint, und die ersten zwei, drei Sätze bestätigen diese Absicht. Allerdings kann man alles was dann folgt nicht ernst nehmen. Ist das, was da steht, wirklich alles? Eigentlich schreibt Frau Fischer ja nur: Danke, dass ihr uns Frauen aushaltet und euch um die Kinder kümmert. Mit dermassen dummen Argumenten, dass der Text nicht mal als Satire gelten kann, denn Satire setzt zumindest ein gewisses Mass an Wortwitz und Eleganz voraus, beides geht dem Text aber komplett ab. Schade. Wenn es wenigstens gute Satire wäre, könnte man über das verschrobene Rollenbild hinweg sehen.

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