Der Frau nach mir hat er das Nasenbein gebrochen

Ein Gastbeitrag von Verena Schulemann*

Gesellschaftliche Akzeptanz der männlichen Gewalt ist mit ein Grund: 95 Prozent der Opfer verzichten auf eine Anzeige. Foto: Luis Berg (Keystone, nachgestellte Szene)

Gesellschaftliche Akzeptanz der männlichen Gewalt ist mit ein Grund: 95 Prozent der Opfer verzichten auf eine Anzeige. Foto: Luis Berg (Keystone, nachgestellte Szene)

Er schmiss mich aufs Bett und zog sich seine Hose runter. Ich sagte: «Lass das.» Dann drückte er mich runter und rief: «Dann kannst du dich wenigstens ficken lassen, du Schlampe.» Ich drückte ihn von mir. Er drückte mich zurück aufs Bett.

Ich kannte ihn seit Jahren. Wir alle kannten ihn. Er war lustig, viel unterwegs. Sein Hintergrund: bürgerlich. Er hatte eine grosse Wohnung, grosses Auto, eine kleine Agentur. Er wirkte ein wenig flirrig, aber das hier war neu. Die letzten Wochen hatten wir eine lose Affäre gehabt, aber als ich merkte, dass er sein erstes Bier schon morgens nach dem Aufstehen trank, sah ich keine Zukunft für mich mit diesem Mann. Das hatte ich ihm gerade gesagt. Ich wollte gehen, da packte er mich und schmiss mich auf sein Bett.

25 Prozent aller Frauen zwischen 16 bis 85 Jahren gaben laut einer europäischen Studie an, bereits mindestens einmal innerhalb einer Partnerschaft Gewalt erfahren zu haben. 95 Prozent verzichteten auf eine Anzeige. Aber selbst wenn, liegt die Verurteilungsquote der meist männlichen Täter bei sexuellen Gewalttaten unter 10 Prozent – zusammen mit Kindsmissbrauch die niedrigste Quote überhaupt.

Ich wehrte mich, konnte mich aufrichten. Er hielt mich fest: «Verpiss dich, du Schlampe.» Er schlug mir ins Gesicht. Ich wollte gehen und hatte Angst, dass er mir nachkommen würde. Ich war aufgewühlt, ich wollte noch einen Hocker umwerfen, verhindern, dass er mir nachkommt, da stürzte er auf mich, griff mich, schlang seinen Fuss um mein Bein und schleuderte mich in einem Judowurf auf den Rücken. Es knackte, ich kam auf dem Rücken zum Liegen. Es waren Sekunden, ich hatte keine Chance. Mein linker Fuss war komplett aus der Verankerung gerissen, er hing schlaff neben meinem Unterschenkel. «Ruf den Notarzt», rief ich. Er weigerte sich: «Du kannst die Treppen gehen.» Ich versuchte an meine Tasche zu kommen, die im Flur stand, doch es war unmöglich. Schliesslich nahm er sein Handy und drückte es mir in die Hand …

Es ist ein Umstand, der sich durch alle Kulturen und Gesellschaftsschichten zieht: Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Gewalt im öffentlichen Raum oder häuslich durch den eigenen Ehemann oder auch Vater – zum grossen Teil sind Frauen die Opfer. Und in den meisten Fällen werden die Täter nicht bestraft.

Der Täter fuhr dem Krankenwagen hinterher. Er blieb die ganze Zeit in der Klinik. Ich sagte, dass er das gemacht hatte. Er gab es zu. Die Pfleger sagten zu ihm: «Was sind Sie denn für ein Mann?» Das war alles. Nichts passierte, keine Polizei. Keine Seelsorge. Im Gegenteil, der Chefarzt nannte ihm – vor mir – die Diagnose: Ein mehrfacher Bruch des Sprunggelenkes, mehrere OPs seien notwendig. Mehrere Wochen Arbeitsunfähigkeit, 14 Tage Klinikaufenthalt sollten folgen. Der Mann, der mich gerade ins Krankenhaus geprügelt hatte, wurde von dem studierten Chirurgen wie ein Vormund eingesetzt – statt dass er die Polizei informierte.

Später, Monate später, nachdem ich einigermassen kuriert war und mich erkundigt hatte, erfuhr ich, dass es eine Einrichtung in dieser so berühmten Berliner Charité gibt – für die Fälle häuslicher Gewalt. Dass die Ärzte angehalten, ja verpflichtet sind, genau das dann zu melden, Hilfe anzubieten. Das war nicht geschehen. Wieso? Ich fragte später beim Arzt nach. Er wurde ungehalten, sagte, das sei undankbar, er hätte mich doch so gut operiert. Das stimmte, aber was hatte das eine mit dem anderen zu tun?

Es liegt an einer Akzeptanz von männlicher Gewalt gegenüber Frauen und dem Anspruch der Männer auf die Sexualität. Ein Grund, warum es Jahrzehnte dauerte, bis Vergewaltigung unabhängig gemacht wurde vom Ehestatus der Opfer: Innerhalb einer Ehe sei Vergewaltigung nicht möglich, lautete der patriarchale Einwand.

Ich hatte einen Psychologen angefordert, wollte Hilfe haben, um mich – ich war ans Bett gebunden – schützen zu können. Den Täter anzuzeigen. Auch hier erfuhr der Täter durch den Stationsarzt von dem Umstand und er drohte mir, in dem er mein Handgelenk in seine beiden Hände nahm und eine Drehbewegung andeutete: «Wenn du was sagst, dann … Knacks.» Er drehte seine Hände gegensätzlich und deutete an, dass er mir das Gelenk brechen würde. Dabei lachte er.

Danach tat ich das, was Millionen Frauen machen. Ich arrangierte mich. Ich log und erzählte die absurdeste Geschichte, die man sich denken kann: Wir hätten zu heftig Tango getanzt, dabei sei es irgendwie passiert.

Erst eine Woche später, nachdem ich mich in ein anderes Krankenhaus verlegen liess, in dem ich ein Einzelzimmer hatte, das ich abschliessen konnte, eine Seelsorgerin auf die Station kam, der ich alles berichten, ich dem Mann Hausverbot erteilen, ihn anzeigen konnte, konnte ich mein Schweigen brechen. Doch die Angst blieb – und das über eine sehr, sehr lange Zeit.

In Afghanistan muss eine Frau vier männliche Zeugen benennen können, um einen Mann wegen Vergewaltigung anzeigen zu können. In anderen Ländern werden Frauen selbst für die Tat verantwortlich gemacht und gesteinigt, gefoltert und sogar getötet. Doch auch in den europäischen Demokratien sind vor allem die Gewalttaten an Frauen mit unglaublichen Vorurteilen belegt. Sogar Frauen selbst urteilen Opfer ab, suchen die Schuld bei ihnen statt beim Täter. «Victim Blaming» heisst der Umstand, hinter dem oft keine Bösartigkeit, sondern ein Selbstschutz steht: Die eigene Angst, selbst so einer Tat zum Opfer zu fallen, wird kleiner, wenn man die Taten verdrängt oder sogar negiert.

Im Zuge meiner Anzeige stellte sich heraus: Der Täter hatte bereits zwei Anzeigen wegen Körperverletzung. Dafür, dass er mir mein Gelenk zerborsten, meine Muskeln, Nerven und Sehnen zerrissen, monatelange Schmerzen und Angstzustände verursacht hatte, wurde der Täter, der zu spät und alkoholisiert beim Prozess erschien, freigesprochen. Man könne ihm die Tat nicht nachweisen, in dubio pro reo, es gebe keine Zeugen. Er musste lediglich 350 Euro für eine Ohrfeige zahlen, die er zugegeben hatte, und die Tat und die Anzeige wurden eingetragen. Der Frau nach mir hat er das Nasenbein gebrochen.

schulemann*Die Journalistin und Bloggerin (www.mamaberlin.org) Verena Schulemann lebt in Berlin.

468 Kommentare zu «Der Frau nach mir hat er das Nasenbein gebrochen»

  • Stefan Bucher sagt:

    Übergriffe egal ob sexueller oder gewalttätiger Art sind immer sehr schlimm und werden meiner Meinung nach von unseren Gerichten nicht hart genug bestraft. Oder die Mindeststrafen im Strafgesetzbuch zu gering. Ich bin kein Jurist. Das dass Personal seiner Verantwortung nicht nachgekommen ist sollte vom Gesetz her sanktioniert werden. Es gibt doch heute für alles eine Checkliste die unterschrieben werden muss! Im Zweifel für den Angeklagten ist ein wichtiger Rechtsgrundsatz. Wieso die Gerichte oder Gesetzgebung bei solchen Wiederholungstätern (2 Anzeigen vor ihr 1 nach ihr macht mind. 4 von unterschiedlichen Personen) nicht auch im Zweifel gegen den vermeintlichen Täter entscheiden können sollte diskutiert werden.

  • Stefan Bucher sagt:

    Wichtig ist, dass sich so viele Opfer von Gewalttaten wie möglich Anzeige erstatten. Wenn der Prozess vielleicht auch nicht gewonnen werden kann, so ist er für den Täter sehr unangenehm. Wenn 95% anstatt 5% der Fälle angezeigt würden so hätte dies sicher eine präventive Wirkung.

    PS. Leider kommt auch die Umkehrung von Täter und Opfer vor. Will heissen jemand erstattet Anzeige um einem Anderen zu schaden obwohl keine Straftat vorliegt. Dies sollte ebenfalls hart bestraft werden.

  • lz sagt:

    Ich war während meiner Kindheit/Jugend extremer körperlicher Gewalt ausgesetzt und schaffe es noch heute (40 Jahre später) kaum, darüber zu sprechen (ausser anonym und sehr allgemein gehalten). Und ganz ehrlich: bei vielen der hier veröffentlichten Kommentare weiss ich wirklich nicht, ob ich nun lieber weinen oder lachen soll.

    • Sofia sagt:

      Es irgendwie beruhigend, dass trotz allem hier auch noch Leute wie Sie zu Wort kommen. Was da alles gesagt worden ist (insbesondere von manchen Herren) ist abartig, ich könnte kotzen. Ignorieren wir diese Wahrheitsverdreher lieber, denn ich glaube, dass diese „Meinungen“ nicht repräsentativ sind.

      • Sportpapi sagt:

        Sofia, mich ärgert das ein bisschen. Da führen Sie ganz vernünftige Diskussionen, die mehr oder weniger gesittet ablaufen und auch das eine oder andere erhellen.
        Und an anderer Stelle „unter Freundinnen“ ziehen Sie dann wieder über die Gesprächspartner her. Ich finde das unredlich.
        „Wahrheitsverdreher“ können Sie da stellen, wo sie aktiv sind. Wenn Sie es besser wissen. Und die Wahrheit objektiv eine ist, und nicht nur die ihre.

      • Sofia sagt:

        Sportpapi, Sie nehmen es wieder mal persönlich, aber sagen Sie mir einfach, ob ich Kommentare wie diese…

        «Die Geschichte kann irgendwie nicht stimmen.»

        «Die ganze Geschichte stinkt doch zum Himmel.»

        «Wer soll bitte diese Geschichte noch glauben und deswegen Verurteilen?»

        … nicht als Wahrheitsverdrehung werten soll.

      • Sportpapi sagt:

        @Sofia: Das ist definitiv keine Wahrheitsverdrehung. Sondern schlicht und einfach (übertriebenes?) Misstrauen. Ehrlich gesagt hätte ich beim einen oder anderen Punkt auch gerne nachgefragt, ob sich das wirklich so zugetragen hat (und warum).

      • Sportpapi sagt:

        Vor mir auch kann man das auch als Abwehr werten, als Verweigerung, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

      • Sofia sagt:

        Dass ich es „Wahrheitsverdrehung“ nenne, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass ich den Opfer von sexualisierten Gewalt grundsätzlich viel Vertrauen entgegenbringe, weil ich finde, dass in unserer Gesellschaft das Victim Blaming beschämenderweise an der Tagesordnung ist. Es ist also ein Mittel um dagegen ein Zeichen zu setzen.

        Mit „insbesondere manche Herren“ meinte ich natürlich nicht Leute, die sich wenigstens um eine vernünftige Diskussion bemühen, sondern die Truppe der Herausposauner, die in den Tagi-Foristerie wuchern.

      • Sportpapi sagt:

        @Sofia: Unter Victim blaming verstehe ich eigentlich, das Opfer für die Tat verantwortlich zu machen, das Opfer zum Täter zu machen. Und nicht, Vorgänge zu hinterfragen.
        Indem Sie von Opfer sprechen urteilen Sie, ergreifen Sie Partei. Im Beispiel ist das sicher richtig, da es wenig Grund gibt, die Tat als solche zu bezweifeln.

      • Sportpapi sagt:

        Ausserdem stelle ich im Allgemeinen nicht übermässges „Victim blaming“ fest, sondern das genaue Gegenteil.
        Irgendwo braucht es wohl einen Mittelwert zwischen „es braucht immer zwei“ und „ich bin Opfer und für das Geschehen in keiner Art und Weise mitverantwortlich“. Interessanterweise können die gleichen Leute mal die eine, mal die andere Position einnehmen.

      • Sofia sagt:

        „Im Beispiel ist das sicher richtig, da es wenig Grund gibt, die Tat als solche zu bezweifeln“, sehen Sie, mir geht es genau darum! Viele dieser Kommentare waren auf die Geschichte dieser Journalistin gerichtet und das finde ich mehr als grenzwertig…

      • Sportpapi sagt:

        „Viele dieser Kommentare waren auf die Geschichte dieser Journalistin gerichtet“. Aber nach meinem Empfinden nicht auf die Tat, sondern das, was nachher geschah. Und ich wiederhole mich: Z.B. die Vorgänge im Krankenhaus kann auch ich kaum glauben.

      • Sofia sagt:

        Ich kann das mit dem Krankenhaus leider gut glauben: Es passieren auch in unseren angeblich fortschrittlichen Breitengeraden solche Dinge.

        So jetzt verlasse ich diese Forum, ein schöner Tag und bis zur nächsten Diskussionsgelegenheit!

  • Hans Hintermeier sagt:

    Das Thema der häuslichen/sexuellen Gewalt und seiner Folgen für die Opfer ist ein sehr wichtiges. Deshalb verstehe ich nicht, weshalb gewisse Gruppen ihn noch zusätzlich mit Ideologie aufladen und somit eine dringend wichtige Verständigung noch zusätzlich erschweren. Ich bin überzeugt, das Thema würde mehr Gehör finden, wäre es nicht mit ideologischen Floskeln aufgeladen wie z.B. „Gewalt an Frauen ist aufgrund der patriarchalen Strukturen bei uns akzeptiert.“ Ich habe das Gefühl, der Dialog wird von gewissen Ideologinnen missbraucht um ihr Weltbild unter die Leute zu bringen. Eine strikte Trennung von feministischer Weltanschauung und das Problem von häuslicher Gewalt würde der Sache sehr dienen. Viele Kommentare sind denn auch gegen feministische Verallgemeinerungen gerichtet und nicht ge

    • Hans Hintermeier sagt:

      /gegen die Opfer von häuslicher Gewalt. Es ist leider so, dass oft v.a. feministische Ideologie/Gesinnung ins Feld geführt wird bei solchen Artikeln, als angebliche (alleinige) Erklärung des Phänomens. Geschehnisse werden einseitig mittels der Hintergrundfolie der feministischen Ideologie interpretiert. Dies führt dann eben zu so abgehobenen/weltfremden Interpretationen (was die CH betrifft), dass Gewalt an Frauen aufgrund des „Patriarchats“ bei uns akzeptiert sei!?? Dabei wird jeder Mann, der eine Frau schlägt, von den anderen Männern zurecht nicht als Mann angeschaut. Es ist eben gerade umgekehrt: Gewalt an Frauen wird (zum Glück!) nicht akzeptiert. Ja, es wird nicht nur nicht akzeptiert, es wird sogar von anderen Männern sanktioniert!

  • gabi sagt:

    Der arme Kerl. Ist ja auch nur ein Opfer. Hatte bestimmt eine schwere Kindheit. Und gerät halt immer wieder an die falschen Frauen. Die ihn aufs Blut provozieren und seine liebenswerten Eigenheiten nicht akzeptieren können (Morgenbierchen… Pah!)

    … Oder wie weiss man das – grad als Frau auch! – sonst jeweils klein zu reden?

  • Widerspenstige sagt:

    Diese Gewaltspiralen enden immer mehr tödlich – trauriger Spitzenreiter ist einmal mehr die Schweiz im europäischen Vergleich. Das sollte sämtliche Alarmglocken klingeln lassen und nicht mehr ausschaltbar sein! Was haben notorische Verharmloser dazu zu sagen? Eine Einschätzung von Walter Hollstein und er sagt u.a. ‚..Die Mehrheit der Männer hingegen hat die eigene Emanzipation verpasst. Deshalb können sie auf neue, unabhängige Frauen oft nur mit Gewalt und Mord reagieren…‘:
    http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Die-Liebesmoerder/story/13393480

    • Carolina sagt:

      WS: Wenn Sie schon Hollstein zitieren, dann bitte auch richtig! Vor dem von Ihnen gesetzten Zitat sagt er nämlich:
      ‚…Der Grund ist relativ einfach: Frauen haben sich aus ihrer abhängigen Rolle befreit und damit auch aus der einst gesetzlich verankerten Vormundschaft des Mannes. Rund 70 Prozent der Trennungen und Scheidungen in der Schweiz gehen heute von Frauen aus……‘
      Das bestreiten Sie doch immer, oder? Dass Frauen sich befreit haben, dass sie unabhängiger sind. Wollten Sie tatsächlich sagen, dass ‚die Männer‘ für ihre eigene Emanzipation verantwortlich seien, Frauen aber gefälligst die Emanzipation ‚gewährt‘ wird? Das ist doch eine total verkehrte Wirklichkeit!

  • Carolina sagt:

    MZ: Ich höre Sie – und, wenn Sie vielleicht ein wenig zurückdenken, dann wissen Sie auch, dass ich ein ausgesprochener Gegner von Genderpolitik bin, Quoten etc. Und ja, ich habe kein Problem damit zuzugeben, dass mir bei meinen Geschlechtsgenossinnen (und bei mir selber, muss ich leider gestehen) gewisse – ich nenne sie jetzt mal so, der Einfachheit halber – Opferreflexe auffallen. Merkwürdigerweise ist das erst so, seitdem ich in der Schweiz lebe. Ich komme aus einem Kulturkreis, in dem immer klar war, dass ich für mich selber sorgen muss; in dem mir niemand die Sorge um Ausbildung, Durchsetzen meiner Fähigkeiten und Karriere (= Laufbahn!) abnahm. Die Frauen meines Alters hier erinnern mich in punkto Selbstbestimmung eher an die vorige Generation meiner Eltern.

    • Carolina sagt:

      /2 Ich habe also keine deutliche Antwort an Sie, nur das: der Prozess, Frauen nach einem sehr, sehr spät erfolgten Wahlrecht (da ich Schweizerin bin, werde ich im Ausland immer noch darauf angesprochen!) auch die praktische Gleichstellung zu ermöglichen, ist nicht einfach durch eine Gesetzesänderung möglich. Er muss sich in den Köpfen manifestieren, in der Erziehung folgender Generationen und vor allem im gelebten Alltag.
      Dabei wird – da stimme ich Ihnen zu – über die Stränge geschlagen: ich persönlich bin (wie z.B. auch beim Thema Entwicklungshilfe) der Meinung, dass diese unzähligen Förderungsmassnahmen Menschen kleinhalten können, dass sie Frauen sozusagen (ungewollt) bevormunden. Ueberhaupt birgt die Ausrichtung nach Minderheiten, die immer mehr grassierende politische Korrektheit,

      • Carolina sagt:

        /3 die sehr reelle Gefahr, Menschen zu entmündigen
        Trotzdem: ein Rechtsstaat, in dem ich leben will, misst sich auch daran, wie er mit den Minderheiten, mit Gewalt, mit den unerwünschten Auswüchsen umgeht – dass da zur einen oder anderen Seite Fehler gemacht werden, sehe ich auch. Und ich habe explizit oben gesagt, dass ich noch ein Programm für Frauen nicht befürworte, sondern eine Anlaufstelle für Gewaltopfer, für alle! Daher meine Frage an MF, ggfs eine Meldepflicht einzuführen. Es kann doch nicht angehen, dass wir implizit Gewalt in all ihren Formen für nebensächlich erklären – vor allem, weil sie für den einzelnen/die einzelne unglaubliches Leid beinhaltet.

      • Zufferey Marcel sagt:

        1) Wissen Sie, vielleicht ist ja die ganze Geschlechterfrage langsam überflüssig. Unsere Zeit ist genug mit Problemen belastet, die beide Geschlechter, alle Menschen betreffen. Wir haben es zunehmend mit gesamtgesellschaftlichen Problemen zu tun, nicht (alleine) geschlechterspezifischen. Natürlich kann ein Blick auf die jeweilige Situation eines Geschlechtes helfen. Aber dabei sollten wir die Gesamtsituation nicht aus den Augen verlieren.

      • Zufferey Marcel sagt:

        2) Gewalt ist ein grosses Problem- und gleichzeitig ein wesentlicher Bestandteil unseres Daseins. Sie wird nicht verschwinden, leider- schon gar nicht per Gesetz. Gerechtigkeit ist eine Illusion. Dürrenmatt hat dazu einmal einen sehr treffenden Satz formuliert:

        „Die Gesellschaft kann nie gerecht, frei, sozial
        sein, sondern nur gerechter, freier, sozialer werden.“

        Das war 1990 in seiner umstrittenen Rede „Die Schweiz- ein Gefängnis“.

      • Carolina sagt:

        Ich würde noch hinzufügen, dass etwas vom Wichtigsten, das eine Gesellschaft braucht, Mitgefühl ist, Empathie bzw wenn Sie gläubig sind, Nächstenliebe. Ich weiss, ich weiss, hört sich naiv an, aber wenn man das Konzept mal durchdenkt, hört man vielleicht eher auf, immer mit dem Finger auf andere zu zeigen. Gewalt an Frauen wird nicht dadurch besser, dass es Gewalt an Männern gibt – und umgekehrt. Eigentlich hat das alles mit Gender herzlich wenig zu tun – es sei denn, man muss die Welt in Schubladen einteilen.
        Was mir auch oft genug fehlt, ist ein gewisses Mass an Zivilcourage. Man muss sich nicht selber in Gefahr bringen, um im Bekannten- oder Verwandtenkreis klar und deutlich Stellung zu beziehen und auch hier – wie das viele auch machen – unmögliche Haltungen zu benennen. Nochmal,

      • Carolina sagt:

        /2 vielleicht bin ich hoffnungslos naiv, aber zuerst muss man mal in seinem eigenen Kopf ausmisten, sich klar machen, warum man es (wie z.B. ein gewisser Martin auf Seite 3) nötig hat, Frauen herunterzumachen und zwar alle und nicht mehr einen Funken Mitgefühl zu haben für jemanden, der Schlimmes erlebt hat. Und das gilt auch umgekehrt: ich sehe doch nicht alle Männer als Schläger an, nur weil ich im Frauenhaus die Opfer tagtäglich erlebe. Ich sehe nur Menschen, die alle irgendwo fehlbar und imperfekt sind, keine Geschlechter.

  • gabi sagt:

    Apropos emanzipieren, WS…..

    Was ist denn nun von Ihrem grossen, frauenbefreienden Segregationstraum in Saudlarabien geworden, wo Sie das abgetrennte Halten von Frauen, in eigens dafür erbaute Städte, als einziges Bsp. für das Gute anführten, das der I. der Mennschheit angeblich in mannigfaltiger Gestalt bringe?

    Noch was Anderes gefunden, inzwischen, dass „Feminismus“ und Frauenunterdrückung derart unterhaltsam verbindet?

  • Zufferey Marcel sagt:

    … Die Legende des Opfers ging folgendermaßen: Sie habe am 14. Januar ihre Wohnung verlassen, um zur Schwebebahnhaltestelle „Werther Brücke“ zu gehen. Auf dem Weg wurde sie von einem Täter betäubt. Auf dem Spielplatz Werther Brücke wurde sie dann von einer Zeugin, einer Autofahrerin, gefunden. Eine der Freundinnen mimte eine Zeugin, die die Polizei rief (…) Die Verletzungen, die sie sich selbst zugefügt hatte, ließen selbst die Ärzte glauben, dass sie Opfer einer Sexualstraftat geworden ist“

    Quelle: http://goo.gl/mViFpk

  • Katharina sagt:

    1) „Überhaupt birgt die Ausrichtung nach Minderheiten, die immer mehr grassierende politische Korrektheit, /3 die sehr reelle Gefahr, Menschen zu entmündigen“

    Das erinnert mich an folgendes:

    „I hate identity politics – Ted Cruz“.

    In dem Sinn ordne ich – angehörige einer sog. Minderheit – solches im Dunstkreis von Leuten wie Ted Cruz an, und seiner als Komiker getarnten rechten Hand, Donald the Dumbette, obwohl ich betreffend PC die Meinung verstehe.

    Impulstext war eine persönliche Schilderung eines üblen Übergriffes, dem eigenen zögern, diesen anzuzeigen und anscheinend auch einem falschen Umgang mit der Situation im Spital und dort behandelndem Personal. Weiter zeigt der Impulstext das grundsätzliche Problem der Jurisprudenz mit Vier-Augen-Delikten.

    • Katharina sagt:

      Diesem Problem könnte mit rel. kleinen Änderungen der Verfahrensgesetze entgegnet werden: Als Beispiel die so zeitnah wie möglich erfolgende Aufnahme medizinischer Befunde und deren Meldung, weiter Kontaktverbote solange der Fall untersucht wird, und dies als Offizialdelikt. Was wir suchen ist ‚Justice being served‘ statt diesem Ohnmachtsgefühl gegen einen Apparat, der aufgrund des Systemmangels das ganze lieber unter den Teppich wischt.
      Überlebenden, und das ist das Wort, womit das Opfer sich sehen lernen muss, um darüber weg zu kommen, ist meist bewusst, dass das System hier einen Mangel hat, und Aussage gegen Aussage halt oft einfach so ist. Eine Umkehr der Beweislast, einem Grundpfeiler der Jurisprudenz, der sich seit über 2 Millenia bewährt hat, rechtfertigt das nicht.

    • Katharina sagt:

      3) . Im Gegenteil. Auch Falschaussagen unterstehen dieser Rule of Law und eine Behinderung und absichtliche Missleitung einer Untersuchung wird nicht ohne Grund oft härter bestraft als ein vorgeworfenes Delikt.

    • Katharina sagt:

      4) Der Rest, also die Mehrheit des Kommentarverlaufs, ist eine Ansammlung von Strohmannargumenten und den üblichen Einwürfen, von dieser Problemkonstellation auf anderes abzulenken. Dabei als erstes (mehr) Gewalt gegen Männer. Je nachdem wie gezählt wird, stimmt das. Wird nur auf häusliche Gewalt eingeschränkt, stimmt es nicht. Macht man da eine historisierte Betrachtung, steigt der weibliche Anteil, je näher zu heute die Zahlenerfassung ist und verbleibt dann in etwa so, wie die Verteilung m/f in der Bevölkerung im Allgemeinen ist. Gender kann also kein Faktor von Gewaltausübung sein. Emanzipation als Weg weg von einem submissiven Rollenverständnis spiegelt sich ironischerweise also auch bei diesem traurigen Aspekt der menschlichen Gesellschaft.

    • Katharina sagt:

      5) Weiter sind die Hinweise auf Falschbeschuldigung, die es sicher gibt – genau wie bei anderen Delikten, die schwer nachweisbar sind – eine Ablenkung vom Grundproblem: nämlich einerseits das juristische Dilemma (Beweislast) an sich und dass Opfer, denen dies geschah, nicht ernst genommen werden und gar verlacht werden. Frauen sind inzwischen lautstarker, aber fragen Sie mal männliche Opfer. Die getrauen sich selten nur einen Pieps davon zu sagen.

      Dass der übliche Austausch von Strohmannargumenten es nicht verdient, dass ich darauf eingehe, habe ich vor 2 Tagen ja kurz gesagt.

      MZ hat übrigens einen guten Hinweis betreffend Viktimologie gemacht: Ko-Abhängigkeiten. Ein möglicher Grund, warum sich Täter-Opfer Beziehungen als Muster über Generationen perpetuieren können.

  • Zufferey Marcel sagt:

    @Carolina 1: Da hier die Kommentare wieder drohen, durcheinander zu wirbeln- der zweite Teil über eine ganz besonders kaltblütig eingefädelte Falschanschuldigung dümpelt hier vor sich hin, während der erste auf Kommentarseite vier zu finden ist- vielleicht ganz kurz an dieser Stelle: Vielen Frauen ist offenbar überhaupt nicht bewusst, wie unvergleichlich stark ihre (sexuelle) Wirkung auf Männer ist.

  • Zufferey Marcel sagt:

    @Carolina 2: Viele Männer haben Mühe, mit der Unmittelbarkeit dieser Macht angemessen umzugehen und sind überfordert, dauerhaft bisweilen. Die Sexualität ist bekanntermassen ein überaus zartes Pflänzchen, für dessen gesunde Entwicklung eine Jugend alleine bei Weitem nicht ausreicht. Was ich sagen will: Als Mann muss man in der Lage sein, Frauen uneingeschränkt begehren zu können und seine Grenzen trotzdem zu kennen. Wenn Mann das nicht schafft, kann das problamtisch weden- je nach Biografie und kulturellem Hintergrund sogar sehr. Deshalb bin ich als heterosexueller Mann auch alles andere als empfänglich für weibliche Unabhängigkeits- und Emanzipationsbekundungen, wie sie z. b. an Slut Walks propagiert werden. Mehr gegenseitige Rücksichtnahme würde allen Beteiligten viel mehr bringen!

  • Joerg Hanspeter sagt:

    Und wer ist an vorderster Front dabei, wenn es darum geht Täter zu schützen? Frauen sind besonders aktiv, wenn es darum geht psychologische Entschuldigungen für Schwerkriminelle zu finden, im Extremfall bauen sie sogar Beziehungen zu Mördern im Gefängnis auf und heiraten sie. Sie schützen teilweise Sexualverbrecher und Schläger. Frauen sollten mal bei sich selber anfangen, wenn sie die Welt verändern wollen, nicht immer nur den Mann als Feindbild aufbauen.

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