
Alles andere als vorbildlich: Britney Spears verlor wegen ihrer Drogenprobleme und Skandale 2007 das Sorgerecht für ihre Söhne Sean Preston und Jayden James. 2008 wurde sie von ihren eigenen Eltern entmündigt.
Man ist auch Vorbild, wenn man gerade keins ist. Das realisieren Eltern spätestens dann, wenn sie den eigenen Worten und Verhaltensmuster im Kinderzimmer begegnen: Wenn die kleine Tochter ihre Puppe anherrscht, jetzt doch endlich mal anständig zu essen, sonst…Oder der pubertierende Sohn die Erziehungsoffensive des Vater elegant zum Ausgangspunkt zurücklenkt mit den Worten: «Du trinkst doch auch mal über den Durst.» Kindern entgeht nichts und sie kopieren alles, nicht zuletzt das, was nicht als Vorlage gedacht war.
So banal diese Einsicht ist, so weitreichend sind die Konsequenzen: Bedeutet die Imitationslust des Nachwuchses nun, dass der gelegentliche Joint tabu ist, sobald ein Baby das Licht der Welt erblickt? Und jeder elterliche Streit auf die Zeit verschoben werden muss, wenn die Kinder schlafen?
Das habe ich im Auftrag des «Beobachters» Mütter und Väter gefragt. Und darauf ganz verschiedene Antworten bekommen: Ein Vater war überzeugt, dass man nur als Vorbild wahrgenommen werde, wenn man sich selber nicht zensuriere, also authentisch bleibe. Schliesslich nütze es wenig, jeden Streit vor den Kindern zu verstecken, da diese sowieso spürten, dass Ärger in der Luft liege. Ein anderer gestand, von seinen eigenen Kindern gezwungen worden zu sein, seine Vorbildrolle zu hinterfragen: «Meine Tochter wünschte sich zu ihrem zwölften Geburtstag, dass ich mit dem Rauchen aufhöre. Da musste ich Stellung beziehen.» Eine Mutter und Jugendarbeiterin wiederum betonte, dass Teenager nicht zuletzt auch Vorbilder bräuchten, die sie nicht gestillt und aufgezogen haben. Weil die Eltern ihren Kindern gegenüber oftmals zu verblendet seien, um auf Drogen- oder Gewaltprobleme vorbildlich zu reagieren.
Tatsächlich wird, wenn immer die Jugend über die Stränge haut, reflexartig nach Vorbildern gerufen. Schule und Medien beklagen regelmässig den Niedergang einer Generation, die sich mangels starker Vorbilder zu Botellones zusammenrottet, Gewaltorgien feiert oder bekifft den Anschluss an die Arbeitswelt verpasst. Nur die Anleitung zum beispielhaften Voranschreiten wird nicht mitgeliefert. Die muss jede Mutter und jeder Vater selber verfassen. Darüber waren sich die befragten Eltern einig. So verschieden ihre Erziehungsstile auch sind, sie teilen die Einsicht, dass die Vorbilder der eigenen Kindheit mitmischen. Nicht zuletzt, indem man sich von ihnen distanziert: Die Mutter, die Angst hat, vor ihren Kindern mit dem Mann zu streiten, ist ein Scheidungskind. Der Vater, der vor seinen Teenagern auch mal einen Joint raucht, wuchs mit Abstinenz und Verboten auf. Ausnahmslos alle Befragten schliesslich fanden, dass es verdammt hart ist, permanent Vorbild sein zu müssen.
Bleibt die Frage: Wieviele Schwächen kann sich ein starkes Vorbild leisten? Und leidet die heutige Jugend tatsächlich an Vorbildmangel?
Lesen Sie dazu auch: Sind beschwippste Mütter die besseren Mütter?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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die nächste frage, wäre interessanter: wie begegne ich verfehlungen aus meinem gelebten vorbild; wann und wie kann und darf ich eingreiffen?
oder ganz zu ende gedacht; wo gibt es den schlüssel zur “richtigen” erziehung von kindern?
im mamablog
wer will
@zysi: wo gibt es den schlüssel zur “richtigen” erziehung von kindern?
gleich neben dem töpfchen mit gold neben dem regenbogen…
@zysi “wie begegne ich verfehlungen aus meinem gelebten vorbild”, was meinst Du damit? Falls es Dein Fehlerverhalten wäre, ist mein Tipp: Zugeben und erklären.
@gargamel
dann werde ich mal den erziehungs-regenbogen aufsuchen….
@tamara
zysi sagt:
30. November 2009 um 11:01
mia und ursula
zwei herrausragende merkmale zur frage, welche auch auf jedes andere familienthema abgeleitet werden kann:
mia / erziehung ist selbsterziehung; ein nebenvorbei winden geht nicht !!
ursula / verzeihung; eigene fehler und ursachen erkennen, eingestehen und das gegenüber um verzeihung bitten
keine türe geht von alleine auf, da braucht es schon die schlüssel dazu, zwei haben wir!
wie kann ich sonst noch helfen?
@zysi: Wase du sage wotsch, Mann? Muesche tütlich rede, suscht ich nix verschtan! Gitte dänn mega Puff!
@tamara
nun, da war mal eine ursula, die bloggte heute um 11 uhr hier im mamablog und erwähnte das thema “verzeihung”.
mir schien dies nebst dem beitrag einer mia, auch heute hier im mamablog (kann man übrigens alles nachlesen), welche auf die selbsterziehung beim erziehen eingeht, eine bedeutsame und wirkungsvolle haltung zum thema des heutigen blog’s.
nun habe ich darauf geantwortet, und diesen beitrag in die antwort an dich rein-kopiert; um dir zu zeigen, dass ich mit deinem tipp sehr gut leben kann, da ich diese ansicht (zugeben, erklären ) auch vertrete (eigene fehler und ursachen erkennen, eingestehen und das gegenüber um verzeihung bitten).
bitte entschuldige meine lasche unklare wortwahl
@zysi: Hab’s gecheckt – einverstanden. Habe schon wieder ein PC-Fehler vermutet. Mit Deinem “Selbsterziehung” habe ich noch manchmal Mühe (Bier), aber im Prinzip hast Du recht. Und zum Glück sind die wichtigen Prägungen unserer Kinder von solchen Eindrücken, die nachhaltig vorgelebt werden, will umgekehrt heissen: kleine Ausrutscher und eigene Fehler führen eher selten zu bleibenden Schäden.
und was halt meiner meinung nach auch gilt und den kindern auch einleuchtet: “was dem jupiter erlaubt ist, ist dem ochsen noch lange nicht erlaubt”, wie mein vater jeweils zu sagen pflegte.
gargamel, informieren sie sich bitte, bevor sie behaupten, es gebe keine grenzwerte für kohlenmonoxid und stickstoffoxid und das autofahren gegen das rücksichtslose einpaffen von mitmenschen anführen. erstens gibt es sehr wohl grenzwerte für die beiden genannten stoffe (für tabakrauch nicht, weil er zu riskant ist), und zweitens ist der gebrauch von motorfahrzeugen sehr strikt geregelt, weil er (potenziell) schäden bei dritten verursacht. – diese diskussion zeigt wieder einmal mehr, dass gewisse zeitgenossen nicht manns und anständig genug sind, ihre für dritte schädlichen handlungen auf sich zu beschränken, sondern es aus bequemlichkeit oder rücksichtslosigkeit vorziehen, die doofsten scheinargumente an den haaren herbeiziehen, um ihr tun zu rechtfertigen. nochmals: es geht mir nur darum, dass man dritten keinen schaden zufügt. dritte sind andere! also mitmenschen, eben andere menschen! im vorliegenden fall kindern, die sich kaum wehren können! aber das geht offenbar schwer in ein hirn, wenn das thema mit sucht verbunden ist.
Jamiaca ist keine Atommacht. Das Atomic Bong ist eine Friedensinitiative.
ihr habt beim Wodka-Ganja Mix die Antidepressiva vergessen. Auch so ein Moedeli zum Hirntuning, das süchtig macht.
“Bleibt die Frage: Wieviele Schwächen kann sich ein starkes Vorbild leisten? Und leidet die heutige Jugend tatsächlich an Vorbildmangel?”
es ist eine Charakterstärke, Schwächen zu zeigen oder zeigen zu können. der erste Teil der Frage erübrigt sich so.
Vorbildmangel.
es wurde immer über die Stränge gehauen. das Kind erforscht die Grenzen und wünscht sich dabei auch die Führung des Grenzen-Setzens. mit mehr Erfahrung und Vertrauen werden die Grenzen weiter gesteckt. Beide (Eltern, Kinder) wachsen also miteinander.
über die Stränge hauen.
da scheint mir ein Wandel zu exzessiverem zu sein. als ich Kind war, gab es die gelegentliche Prügelei wegen einem Beschiss beim Spielen, oder man versaute sich die Kleider, weil nach dem Regen der Aushub auf der Baustelle nebenan so schön glitschig zum Runterrutschen war. oder man hat dem unbeliebten Lehrer am Auto die Luft rausgelassen. usw. No big deal, die Strafe liess nicht lange auf sich warten.
was ich heute lese: in der U-Bahn wird jemand von jungen zu Tode geprügelt. andere klauen ne knarre und schiessen eine schulklasse tot. wieder andere saufen sich halb bewusstlos und setzen Strassenzüge in Brand. wieder andere versetzen den Partydrink mit Haldol und vergewaltigen das Mädchen als Gruppe.
sehr viele Suizide.
das ist im Massstab, der Häufigkeit und dem grad an Aggression weit grösser als das Frühere.
mein Erklärungsversuch dazu:
wenn die Zukunft so aussieht, dass:
a) die Umwelt irreversibel zerstört ist und etwa am ende dieses Jahrhunderts nur noch mittels künstlicher Klimatisierung und rezykliertem Wasser auf diesem Planeten gewohnt werden kann,
b) die ökonomischen Prozesse so laufen, dass die angehäuften Schulden der nächsten Generation oder zwei, drei eine riesige Zinslast verursacht,
c) die schulischen Prozesse dermassen diskriminierend sind, dass das falsche Gender, Rasse, ethnische Angehörigkeit oder Land und nicht zuletzt zu kleines Portemonnaie ein Kind von Anfang an chancenlos lässt,
dann sind die verursachenden ‘Vorbilder’ diejenigen, die diese Hoffnungslosigkeit gebaut haben.
nicht einmal pubertär rebellieren kann man gegen so was.
und auf diese Hoffnungslosigkeit wird eben mit Gewaltexzessen geantwortet. der einzige kick, der bei der Perspektive noch übrigbleibt.
tatsächlich ein Mangel an Vorbildern.
Jamaica, nicht Jamiaca. ich geb mal der Tastatur die schuld.
Ich will mal eine Lanze für die Jugend brechen: Stimmt es denn WIRKLICH, dass die heutige Jugend schlimmer ist als alle anderen vor ihr? Ist es nicht eher ein Wahrnehmungsproblem, dass uns denken lässt:
1. es sei so
2. es wird immer schlimmer
3. man kann nichts dagegen tun, ausser sich selbst das Feierabendbier abzutrainieren.
Vielleicht sollten wir stattdessen lieber aufhören, Boulevard-Zeitungen, Boulevard-Radio- und Boulevard-TV-Sendungen zu verfolgen. Dann ist auch wieder mehr Zeit zum erklären, warum das Feierabendbier jetzt doch gut ist.
Zentral für mich ist, dass wir unserer nächsten Generation keinen Saustall überlassen hat doch etwas mit Eigenverantwortung zu tun.
Viele Errinnerungen habe ich noch aus meiner Kindheit, so Streiche z.B. Glockenzügli, einfach irgendwo klingeln und dann abzurennen. Normal ist, jedes Kind probiert Grenzen aus. Vorbildfunktion gehört auch dazu. Wir können Vorbilder sein geht auch ohne sich autoritär aufzuplustern, d.h. für mich von oben herab. Wenn ich mit einem kleinen Kind spreche tue ich das auf
Augenhöhe, Kinder möchten Ernst genommen werden. Zum Wohl von Kindern wurde auch vieles getan, z.B die Robinsonspielplätze, da früher die meisten Kinder autoritär sozialisiert wurden, haben sie auch oft die Verbote heimlich ausgelebt. Kinder sind sehr gmerkig, die spüren alles auch Zwistigkeit zwischen Eltern auch wenn ein Ehestreit nicht offen vor
den Kindern ausgetragen wird. Aus der Psychologieecke gibts ja Literatur um sich zu informieren. Die Quintessenz über Erziehung ist für mich das Gedankengut von Alice Miller, Kindheitsforscherin, für mich waren ihre Bücher eine Bereicherung, so eine Art feedback. Pauschalisierung bringt einfach nichts, die heutige Jugend zu Sündenböcken zu machen
ist fatal. Ich hatte beruflich viel zu tun mit jungen Menschen und habe ohne Erwartungshaltung gute Erfahrungen gemacht.
und wie wäre es, mal die kinder und jugendlichen zu fragen, was sie denn von all ihren vorbildern halten?
@ bougaeva – sehr gute Frage! Wir diskutieren über uns als Vorbilder, dabei währe die besste Antwort, die Jungendliche selber zu fragen, wehr? ihre Vorbilder sind und wie? sie sie Wahrnehmen (bzw. warum).
@Gargame, @Tata82l: Zum Thema Vodka und Joint: ich muss dem Tata zustimmen, Alkohol ist nicht gleich Canabis. Denn die Kinder sehen ihre Eltern oft mit Alkohol anstossen, zum Z’nacht es gläsli Wii, mit Freunden es Chüpli, Papi mit Bier. So ist es gut die Kinder darauf zu “sensibilisieren”. Denn Alkohol, im Mass natürlich, zu trinken gehört zum Leben eines Gourmet.
Mit einem Joint ist es wohl nicht so und man verpestet die Atemluft des Kindes.
Ich habe selber in meiner Jugend gekifft und stehe dazu. Aber irgendwann, meiner Meinung nach, und wie fast alle meine Freunde, wächst man darüber hinweg!
@ Ursula ( und Rahel ):
) Und nehme sie so wie sie sind. So, glaube ich, lernen die Kinder schneller, ihrem Instinkt zu vertrauen und zwischen gut und schlecht zu unterscheiden.
Super Eintrag! Ich gebe mich auch meinen Kindern gegenüber, so wie ich bin. (zum Glück bin ich ein guter Mensch
Die Welt ist nicht perfekt! Und darum ist sie Interessant!
Der Schlüssel ist zu lernen, mit der Welt locker umzugehen!!!
Cannabis bindet and Rezeptoren im Gehirn und beinflusst bereits beim ersten Mal die Anzahl dieser Rezeptoren. Bei regelmaessigem Rauchen fuehrt dies zu klaren Aenderungen des Gehirns. Beim Rauchen ist das aehnlich mit dem Nikotin. Rotwein hingegen ist bei maessigem Genuss ganz klar gesundheitsfoerdernd. Man kann ja auch ein Glass
Wein pro Tag trinken denke ich? Daher ist fuer mich PERSOENLICH klar, dass Wein ein Genuss ist. Hingegen habe ich bei Kiffen oder Zigaretten null Toleranz. Mir ist es dabei voellig egal wie andere darueber denken. Kinder koennen lernen Wein beim Essen zu geniessen, ab einem gewissen Alter. Dann lernen sie auch einen vernuenftigen Umgang mit Alkohohol. Cannabis und Nikotin sollte man hingegen nicht noch foerdern.
“Wieviele Joints darf eine gute Mutter rauchen?”: Keine, sie sollte diese pubertären Züge abgelegt haben und einsehen, dass es schädlich ist für sie und das Kind.
lieber heiri müller
nochmals: es geht mir nur darum, dass man dritten keinen schaden zufügt. dritte sind andere! also mitmenschen, eben andere menschen! im vorliegenden fall kindern, die sich kaum wehren können!
die jährlich 40′000 verkehrstoten in europa sind vermutlich alles selbstmörder und keine “dritten”, gell. und kinder kommen ja auch nie unter die räder, jaja.
und zu den grenzwerten: nuckeln sie mal ein weilchen an ihrem auspuff und ich rauche nebendran eine zigarette… schauen wir mal, wer’s länger macht.