«Mama, ich bin schwul»

«Prayers for Bobby». (Daniel Sladek Entertainment)

Coming-out ohne Happy End: Szene aus «Prayers for Bobby». (Daniel Sladek Entertainment)

Haben Sie ein Problem mit Homosexuellen? Vermutlich verneinen Sie vehement. Was aber, wenn das eigene Kind Ihnen offenbaren würde, dass es schwul beziehungsweise lesbisch ist? Hier zögern Sie vielleicht schon mit der Antwort. «Betrifft es die eigene Familie, haben viele Leute immer noch ein Problem mit der Homosexualität», sagt Patrick Weber, Berater bei Du-bist-Du.ch. Das bestätigt auch die Studie «Coming out – und dann…?!», die das deutsche Jugendinstitut gerade veröffentlicht hat.

Mehr als 5000 Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren wurden via Onlinefragebogen befragt. Dabei kam heraus, dass das Coming-out in der Familie als schwieriger bewertet wird als dasjenige im Freundeskreis, in der Schule oder am Arbeitsort. Sieben von zehn befragten Jugendlichen sagten ausserdem, dass die Ablehnung durch die eigene Familie ihre zweitgrösste Sorge sei. Und diese Sorge ist nicht unbegründet: Ganze 45 Prozent der Befragten gaben an, innerhalb der Familie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert worden zu sein. Konkret ist die Rede davon, dass das Ganze nicht ernst genommen oder bewusst ignoriert wurde, die Betroffenen beschimpft und ausgegrenzt oder in seltenen Fällen sogar körperlich angegriffen wurden.

Die meisten Eltern sind schlicht überfordert, wenn ihr Kind ihnen mitteilt, dass es schwul, lesbisch oder bisexuell ist. Das mag damit zusammenhängen, dass der Grossteil sein Coming-out mit 16 oder 17 Jahren hat. «Viele Eltern haben während der Pubertät sowieso das Gefühl, die vermeintliche Kontrolle über ihre Kinder zu verlieren», sagt Eveline Männel Fretz, Elternberaterin bei Pro Juventute, «da kann so eine Mitteilung zusätzlich verunsichern.» Häufig tun Mutter und Vater die Homosexualität erst einmal als Phase ab. Der völlig falsche Weg, wie Weber findet: «Es ist enorm wichtig, dass Eltern ihr Kind in so einem Moment ernst nehmen.» Seine Zweifel könne man durchaus formulieren, aber dann müssten die Worte sorgfältig gewählt sein. «Ist das Kind selber unsicher, was genau mit ihm los ist, kann man ihm zum Beispiel sagen, dass es sich noch nicht festlegen muss», so Weber.

Auch Männel Fretz ist es ein Anliegen, dass die Eltern authentisch reagieren: «Es kann im ersten Moment verletzend für den betroffenen Jugendlichen sein, wenn die Eltern geschockt sind. Spricht man aber nachher ruhig über seine Ängste und Gefühle, stärkt das den betroffenen Jugendlichen für weitere Coming-out-Situationen.»

Ist es denn nicht so, dass die Eltern die Wahrheit oft sowieso schon lange kennen, sie einfach nicht wahrhaben wollten? «Das ist offenbar tatsächlich so, gerade die Mütter vermuten es meist schon länger», bestätigt Weber. Das Kind aktiv darauf anzusprechen, empfiehlt er Eltern trotzdem nicht, «es soll selber damit kommen, wenn es bereit dazu ist». Allerdings können Eltern dem Sohn oder der Tochter helfen, indem sie immer wieder ihre Offenheit und Gesprächsbereitschaft signalisieren. «Man kann zum Beispiel einen passenden Zeitungsartikel als Aufhänger nehmen, um ganz unverkrampft über gleichgeschlechtliche Beziehungen zu reden.»

Ginge es nach Patrick Weber, sollten Eltern schon ab frühester Kindheit viel bedachter mit dem Thema umgehen. «Warum sagen wir zu kleinen Jungs Sätze wie ‹Wenn du später einmal eine Frau hast…›, anstatt ‹Wenn du später einmal eine Frau oder einen Mann hast…›?», fragt Weber. «Würden wir bewusst alles offenlassen, hätten homosexuelle Jugendliche später weniger Mühe, sich ihren Eltern gegenüber zu öffnen.» Die Realität sieht indes anders aus. So rufen bei der Pro-Juventute-Elternberatung sogar schon Eltern von Kleinkindern an, weil der Nachwuchs sich nicht gender-konform verhält: «Wenn kleine Jungs gerne in Röcken herumrennen oder Mädchen sich wie Buben geben, machen sich Eltern oft grosse Sorgen, dass ihr Kind deswegen ausgegrenzt wird», sagt Männel Fretz.

Sorgen, die auch Patrick Webers Mutter bei seinem Coming-out überkommen haben. «Sie hatte Tränen in den Augen, als ich ihr gesagt habe, dass ich schwul bin», sagt Weber, «aber nicht etwa, weil sie sich geschämt hätte, sondern aus Sorge um mich: Sie hatte Angst, dass ich in meinem künftigen Leben stets diskriminiert würde.»

Um Eltern diese Sorgen zu nehmen, ist laut Weber und Männel Fretz vor allem eines nötig: Information. Und die bekommt man heute auch ganz anonym dank dem Internet und diversen Beratungsstellen.

Du-bist-Du.ch: Jugendberatung, die Berater selber sind auch jung und schwul, lesbisch, bi oder trans. Antwort innert 72 Stunden.
Feel-ok.ch: Gesundheitsberatung für Jugendliche mit Foren, Fachartikeln zu Körper und Psyche und der Möglichkeit, mit Beratern zu chatten.
Pinkcross.ch: Seite des Schweizerischen Dachverbandes für Schwule. Infos, Rechtliches und Beratung zu allen Themen rund um Homosexualität.
Pro-Juventute-Elternberatung: 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag erreichbar unter Telefon 058 261 61 61 oder online.

105 Kommentare zu ««Mama, ich bin schwul»»

  • Lia sagt:

    das wäre mir so was von egal, Hauptsache, mein Sohn ist glücklich. Er fragt auch heute mit 5 Jahren oft, ob Männer auch Männer heiraten können, was ich bejahe – er fand das zwar etwas komisch, versteht aber die Erklärung gut, dass Menschen, die sich lieben, heiraten können, egal, ob es zwei Männer, zwei Frauen oder ein Mann und eine Frau sind. Meine Eltern und Schwiegereltern sehen das genauso, nur mein Mann hätte wohl Mühe damit.

  • Andreas sagt:

    Aus rein biologischer Sicht, dient die Sexualität der Fortpflanzung. Demzufolge ist die Heterosexualität das Natürliche und die Homosexualität das Unnatürliche.
    Das ist eine von der Homo-Lobby permanent geleugnete Tatsache! Da kann man verstehen, wenn ein Vater oder eine Mutter sich schwer tut, wenn ihr Kind nicht „normal“ ist.
    Nach wie vor wissen wir nicht genau, wie die Homosesualität entsteht. Im Raum stehen genetische Veranlagung, Erziehung, traumatische Ereignisse, psychische Erkrankungen oder einfach frei gewählter Lebensstil. Die einen leiden unter dem Anderssein und wären gerne normal, doch es gibt kaum eine Therapie gegen diese „Krankheit“.
    Andere dagegen celebrieren ihre Homosexualität in einer Art und Weise, dass sie die meisten noch wohlgesinnten Menschen vergrämen!

    • SrdjanM sagt:

      Nur ist der Mensch weitaus mehr als eine biologische Maschine und die Homosexualität gibt es trotz natürlicher Selektion auch bei den Tieren. Wenn sie so unnatürlich und unnütz wäre, da sie zu keinem Nachwuchs führt, wieso ist sie noch so verbreitet?
      Dass man heute noch nicht genau weiss WARUM es die Homosexualität gibt, das stimmt.
      Man weiss aber schon sehr sicher dass es keine Krankheit, freie Entscheidung, anerzogen oder Folge traumatischer Ereignisse ist. Man kann Homosexualität bestimmt nicht heilen oder die eigene sexuelle Ausrichtung frei wählen.
      Homophobie hingegen…

      Und stört Sie das Zelebrieren der Heterosexualität nicht (machen Sie eine Zeitschrift auf, irgendeine…)?
      Ich finde die Homosexuellen halten sich im Vergleich noch sehr zurück.

    • Lukas sagt:

      Und dann wundern sich die Leute noch über die hohe Suizid-Rate unter homosexuellen Jugendlichen…..

  • Markus Schneider sagt:

    Die tatsächliche Meinung über Schwule und Lesben darf hewute ja gar nicht mehr geäussert werden. So glauben diese, sie wären allseits beliebt und akzeptiert. Aber das ist ein Irrtum.

    • Hulda Zwingli sagt:

      Dafür ist dann die CVP-Familieninitiative da, ums den Schwulen und Lesben wiedermal heimzuzahlen und zu zeigen dass sie sich in falscher Sicherheit wähnen…
      Wie immer: ein einig Volk von Deppen, die lieber die Faust im Sack machen, als mal offen zu reden und sich mit den Menschen und Dingen auseinanderzusetzen!

  • Tigre . sagt:

    Sexuelle orientierung ist bei den meisten menschen nicht eindeutig festgelegt.
    Sofern offenheit sich selber gegenüber besteht sollte man sich auf seine gefühle einlassen egal welches geschlecht man gegenüber hat . allerdings erfährt man dann diskriminierungen von schwuler seite,da viele schwule mühe mit bisexuellen haben ,die heteros sind da oft schon weiter.
    Den sex habe ich grundsätzlich als sehr ähnlich erlebt,verschieden ist eher das zusammensein mit frau oder mann. Und wichtig ist mir viel mehr die persönlichkeit der ich begegne als ihr geschlecht ,denn meine liebe kennt keine
    einschränkung. Im moment bin ich in einer wunderschönen romantischen verbindung mit einem 34 jahre jüngeren mann ,dem ich die kunst des tai chi beibringe….grüsse aus valparaiso

  • Thommen, Peter 65 sagt:

    Heterosexuelle definieren sich sehr wohl über ihre Sexualität! Erst müssen sie abschätzige Bemerkungen über Schwule machen und dann jederM erzählen, sie hätten eine Freundin, seien verlobt, verheiratet, Vater, Mutter und Familie geworden und dann immer diese blöden Fragen nach den Kindern…
    Ich weiss, alles Wörter ohne Sex, damit die Kinder nichts mitbekommen! 😛
    Es ist für Frauen und Schwule gefährlich, sich nicht AUCH über die Sexualität zu definieren, weil sie gerade DA gerne diskriminiert werden!
    Ich muss mir dauernd Hetenzeugs ansehen und anhören und mich fragt keineR: Willst Du das wissen?
    Schwules ist selbstverständlich uninteressant, und stört nur das heimelige hetero Bild! man/frau dreht sich lieber um sich selbst!

  • Horst Berchtold sagt:

    Wir versuchen uns offen zu geben, aber auch heute gibt es eine riesige Diskriminierung und sie nimmt, dank gewissen Parteien, wieder zu. Karriere im Beruf, Sport oder Militär ist vorbei, wenn alle auf Distanz gehen nach einem Coming-out. Du bist schwul und ich muss jetzt ab sofort auf meinen Hintern aufpassen? Ich bedaure es sehr, dass überall noch das Bild von „normaler Sexualität“ vermittelt wird in den Schulen. Homosexuelle werden immer über ihre Sexualität beurteilt, als ob das so dominierend wäre. Kein Heti wird je über seine Sexualität definiert! Irgendwann wird man auch müde gefragt zu werden, ob es heilbar ist, ob „der Wille“ einfach zu schwach ist oder einfach die Richtige kommen muss. Gewisse Eltern kann man nicht ändern, aber die Schulen könnten mehr Offenheit vermitteln.

    • Alpöhi sagt:

      HB, Sie schreiben: „Homosexuelle werden immer über ihre Sexualität beurteilt, als ob das so dominierend wäre. Kein Heti wird je über seine Sexualität definiert!“ – Was könnte man denn tun, damit das ändert, „normnaler“ wird?

      • Horst Berchtold sagt:

        Alpöhi, z.B. fragen :-), dabei eher fragen, wie sich jemand fühlt und weniger Sensationslust an sexuellen Praktiken zeigen. Ich glaube, dass viele sich der eigenen Sexualität nicht bewusst sind und viel Unausgesprochenes und viel Unsicherheit erleben. Wie kann ich so einem Homosexuellen begegnen, wenn ich selber meine Sexualität und Lust nicht verstehe? Darum glaube ich, dass die riesige Varianz der Sexualität(!) und die Bildung von mehr Selbstbewusstsein an den Schulen thematisiert werden sollte: Mein Aussehen ist in Ordnung, meine (sexuellen) Gefühle sind „richtig“ und gehören zu mir, dafür braucht sich niemand zu schämen. Obige Links sind super – haben mir geholfen. Schade, dass wir nicht mehr und offener über unsere, ganz eigene, Sexualität reden können und uns austauschen können.

  • charly büchi sagt:

    Ich hatte damals Glück, dass ich über einen Psychiater mich finden konnte und auch meine Eltern konnten dies akzeptieren – auch öffentlich an Diskussionen. Ich habe ihnen damals (1981) viele Infos über Homosexualität in Buchform gegeben. Zudem war ich damals auch für die Jugendgruppe Spot25 zuständig, die sich schon – wie auch heute wieder – für Jugendliche einsetzt (zusammen mit andern Organisationen für LGBTI-Jugendlichen). Jedoch ist es leider auch heute noch der Fall, dass sich Jugendliche, welche nicht in die gängigen Normen einreihen können oder wollen es sehr schwierig haben. Die Sexualinformation in den Schulen ist ja z.T. immer noch einseitig. Es gibt zum Glück auch Leute, die sich für Informationen in den Schulen einsetzen und auch öffters eingeladen und auch eingeladen werden.

  • Didi sagt:

    Meine Mutter, heute 92, hat sich bis heute nicht für zahllose Übergriffe bei meinem coming out entschuldigt. Ich wurde ohne Einkommen, ohne Beruf mit knapp 18 von ihr auf die Strasse gesetzt und mit Worten wie „ein Mörder als Sohn“ bedacht. Nach einer gewissen Phase der Konsolidierung konnte ich mein Studium beginnen, mit der Note 1 abschließen, mit summa cum laude promovieren, eine stabile Beziehung eingehen, meinen Beruf ausüben, nach dem entsprechenden Gesetz eine Lebenspartnerschaft eingehen, einen guten Freundeskreis aufbauen. Meine Mutter nimmt kontinuierlich weiter übel seit mittlerweile 43 Jahren. Das wirklich Traurige ist, dass sie in Selbstgerechtigkeit und Mangel an Liebe und Mitgefühl ihr Leben verbringen muss, statt sich mit Sohn und Schwiegersohn am Dasein zu erfreuen.

    • vorbildlich! sagt:

      gratuliere, didi, Sie sind einer der starken, wovon es halt leider nicht so viele gibt. weiterhin alles gute & viel power!

  • Marc sagt:

    Liebe Jeanette,

    Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Artikel! Ich hatte vor wenigen Jahren, mit 23 relativ spät, selber mein coming-out und bin durch viele der beschriebenen Erfahrungen gegangen. Obwohl meine Eltern, Verwandte und Freunde durchwegs positiv reagierten, spürt man den gesellschaftlichen Druck von vielerlei Seiten. Oben beschriebene Aussagen bauen Erwartungen auf, welche von homosexuellen Kindern und Jugendlich nicht erfüllbar sind und daher unweigerlich zu Druck und Konformismus führen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass nicht nur Eltern, sondern auch die gesamte Gesellschaft sich bewusst werden, dass Toleranz und Akzeptanz kommunikativ eingesetzt werden können. Dies würde das Leben vieler Jugendlicher sicherlich vereinfachen.

    • Simone sagt:

      ich würde mir wünschen, dass es gar kein coming-out mehr braucht.. irgendwann habe ich einen Partner, irgendwann vielleicht einen anderen, irgendwann vielleicht eine Partnerin…
      na und? schön, dass immer genügend Liebe da ist und dass es um die Menschen geht, unabhängig vom Geschlecht.

  • Onkel Arnold sagt:

    In sehr vielen Familien funktioniert doch sowieso das „Don’t ask, don’t tell“-Prinzip. Meine Eltern haben mir zumindest noch nie eine Frage gestellt, die den Dunstkreis Liebe/Beziehung tangiert hätte. Und ich wüsste nicht, wieso ich es gerade ihnen erzählen sollte, falls ich schwul wäre.

  • Katharina sagt:

    I have a Dream. Heute ist Dr. Martin Luther King Tag…

    Mein Traum: dass die geschlechtliche ‚Konfiguration‘ meiner Liebes- und Partnerschaftsbeziehungen kein Thema mehr sind, sondern nur noch wahrgenommen werden als jemand, die Liebe gefunden hat. Good for You!

    Das heisst auch, dass Fragen wie ‚who’s the man in your relationship‘ – oft mit dem Zusatz ‚I mean when you do it, you know..‘ nur noch in Satiren gefragt wird.

    Jugendliche sollten nicht mehr Angst haben müssen, oder hinterfragen müssen, ob da was anders (und ‚falsch‘) sein, wenn sie die ersten Schritte in die Welt der Zuneigung machen.

    Aber angesichts vieler in meiner Stadt gestrandeter Jugendlicher, die von den Eltern im ganzen Land rausgeschmissen werden, ist das ein noch langer Weg.

    • Katharina sagt:

      Dennoch: Viele sehen es inzwischen als ’no big deal‘. Also ein Wandel ist im Tun, das ist gut. Ich vermute aber, dass es für Jungens schwerer ist, sich zu outen als für Mädchen. Bei Mädchen ist es ja geradezu ‚chic‘ geworden, was auch seine Gefahren birgt. Für eine heterosexuelle Jugendliche fast schon eine Art double victimization.

      Eine weitere Gefahr: Auch LGBT Kreise haben so ihre ‚Regeln‘: Wehe sie will sich nicht dem Butch bzw Femme Paradigma unterwerfen. Dann wird sie aus der Gruppe ausgestossen. Somit: Wer Inklusiv sein will, muss auch im eigenen Ghetto aufräumen.

    • Katharina sagt:

      Mehr habe ich eigentlich nicht zu sagen. Ich las hier so das übliche von nicht natürlich über statistisch nebensächlich – als ob die rechte statistisch begründet seien – bis zum keine sorge und kein problem. been there, read it all before. etwas müde, zumal in meinem land sich das zum guten verschoben hat. aber der backlash ist da. die müdigkeit betreffend politischem aktivismus ist gefährlich.

  • Big B. sagt:

    Also der Satz ‹Wenn du später einmal eine Frau oder einen Mann hast…› ist nun wirklich übertrieben. Genau solche Sachen, diese Pseudo-Rücksichtnahme und Dergleichen, fördert doch erst recht die Ablehnung von Homosexuellen bei vielen Leuten. Ich sage zu meinen Kindern ja auch nicht „wenn du später einmal Auto oder Rollstuhl fährst“ nur weil ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung eine Lähmung oder ähnliches erleidet. Interessant auch, dass der Prozentsatz von Homosexuellen kürzlich noch bei 5, dann bei 10, und jetzt schon bei bis zu 15 Prozent liegt. Da kenn ich wohl einfach die falschen Leute …

    • Simone sagt:

      spannend, dass Rollstuhl- und Autofahren bei Ihnen als gleichwertige Mobilität gilt.. Auto- oder Motorradfahren wäre passend. das ist gleichwertig, so wie mit einer Frau oder einem Mann zusammen zu sein.

    • Christian sagt:

      Es wirkt auf Sie übertrieben, da es daran rüttelt, was gemeinhin als Norm behandelt wird. Aber genau dieses Denken treibt doch so viele homosexuelle Jugendliche in die Depression. Dieser Satz, den Sie kritisieren, wird keinem heterosexuellen Kind/Jugendlichen irgendeinen Schaden zufügen. Er würde aber homosexuellen Kindern von Grund auf die Sicherheit geben, dass sie genau richtig sind und überhaupt nichts mit ihnen nicht stimmen würde. Das soll dieser Satz zum Ausdruck bringen. Wir sollten aufhören, Kindern solch unnötige Normen aufzudrängen und in der Erziehung sollte man die Möglichkeit der Homosexualität mitbedenken. Denn ihre statistische Wahrscheinlichkeit ist nunmal äusserst hoch.

      • Lukas sagt:

        Ich als schwuler Jugendlicher finde das auch übertrieben,wenn man „Wenn du später einmal eine Frau oder einen Mann hast“ Sagt. Auf Dauer nervt es eher und man kann sowieso nie alle Minderheiten abdecken. Wichtiger dagegen finde ich, wenn man von Anfang an kommuniziert, dass Homosexualität etwas normales ist. Auch sollten die Eltern, wie im Artikel beschrieben, ihr Kind ernst nehmen und die Tatsache auf keinen Fall wie etwas schlimmes darstellen.
        (Zur Information, ich bin 18 und bei meinen Eltern geoutet.)

  • Gino Ramsch sagt:

    Bin von wenigen Monaten Papi geworden….. Fühle mich unwohl weil ich insgeheim hoffe dass die Kleine einestages eine Freundin nach Hause bringt. Ich will einfach nicht daran denken dass mein Mädchen mit einem Man sex haben könnte….. Da wäre eine lesbische neigung eine gute Lösung!

    • SrdjanM sagt:

      Das ist… egal wie Sie zum eigentlichen Thema Homosexualität stehen, einfach nur… daneben… auf so vielen verschiedenen Ebenen.

  • Alpöhi sagt:

    Warum ist das eigentlich so ein riesen Thema? Weil die gleichgeschlechtlich Empfindenden von der „Gesellschaft“ nicht zugebilligt bekommen, so zu sein wie sie sind. Daran muss die Gesellschaft arbeiten. Wenn Homosexuelle nicht mehr diskriminiert werden, braucht es auch keine Gay-Paraden usw. mehr.

    Darüber hinaus hat Kurt Aeschbacher vor Jahren den Nagel auf den Kopf getroffen: „Meine Persönlichkeit besteht aus viel mehr als meine sexuelle Orientierung.“ Päng! Recht hat er.

  • Fritz Lehre sagt:

    Ja, alle Eltern sollten wissen, dass auch ihre Tochter einmal sagen könnte: Ich liebe eine Frau“ oder ihr Sohn sagen könnte: Ich liebe einen Mann und dann?
    Dann brauchen unsere Kinder uns Eltern! Und wir, die Eltern, brauchen vielleicht auch Unterstützung. Denn damit, dass die eigene Tochter oder der eigene Sohn nicht heterosexuell ist, rechnet niemand. Die erste Reaktionn darauf ist oft Schock, Enttäuschung oder Abweisung. Wenn das Leben anders ist, als wir es uns vorgestellt haben, brauchen wir Zeit, das Neue zu verdauen. Das ist auch bei diesem Thema so.
    Wahrnehmen, verstehen, akzeptieren, das ist der Weg den Eltern gehen müssen. Vielleicht ist es kein Problem, vielleicht braucht das Zeit, doch das Ziel Akzeptanz muss sein! http://www.fels-eltern.ch bietet Gesprächsmöglichkeiten.

  • Hannes Müller sagt:

    „Il profumo di una donna“ fasst es doch schön zusammen: Die einen riechen gerne Frauen, die anderen riechen gerne Männer. Bei ein paar Leuten betrifft’s dann das eigene Geschlecht.

    Da gibt’s kein Kraut dagegen.

    Da die Heterosexualität der Normalfall ist, wird das halt beim Outing zu Irritationen führen.

    Umgekehrt wärs auch mühsam:
    „Sag nur, wenn du schwul bist“
    „Bin ich nicht“
    „Du kannst es ruhig sagen, wir haben damit kein Problem“
    „Bin nun mal hetero“
    „Nun sperre dich nicht, wir haben dich trotzdem gern“
    usw.

    • Christoph Bögli sagt:

      Ich verstehe nicht ganz, wieso etwas, das nicht „der Normalfall“ ist, zwangsweise zu „Irritationen“ führen muss. Schliesslich ist jede Biographie individuell, weshalb niemand einer absoluten Norm entspricht. Gerade auch bei der Partnerwahl. Welches Kind bringt schon den Partner heim, den sich Eltern in irgendeinem schwachen Traumhochzeits-Moment ausgemalt haben?

      Der Rest stimmt dann aber wieder. Gerade auch die Überbetonung der elterlichen Toleranz kann schnell problematisch werden, insbesondere wenn sich ein junger Mensch eh schon schwierig tut in dem Bereich. Am sinnvollsten ist es immer noch, wenn man als Eltern einfach unterstützend da ist und sich ansonsten nicht einmischt..

      • Hannes Müller sagt:

        Was vom Normalfall (= dem häufigen Fall) abweicht, führt in der Regel zu Irritationen, auch wenn es nicht politisch korrekt ist, das zu sagen. Der Verstand hilft dann weiter. Bei emotionellen Themen dauert das etwas länger.

  • N. Kohler sagt:

    Also bei mir wars so, als ich (w) meiner Mutter von meinem ersten Freund erzählt habe, meinte sie nur: Eigentlich dachte ich immer du seist lesbisch, ich hab mich schon auf deine erste Freundin gefreut.

    Ich war einfach nur perplex, fand es aber total lustig, da ich bi bin und ohne es davor je erwähnt zu haben, von ihr die Klarheit hatte, dass es genauso okay gewesen wäre, hätte ich eine Freundin mit nach Hause gebracht.

  • Mia Meyer sagt:

    Ich selber achte mich auf meine Sprache. „Wenn du mal eine Frau oder einen Mann hast“ kommt arg gekünstelt daher. Aber man kann so vieles neutral formulieren. „Bist du in einer Beziehung?“ statt „Hast du einen Freund?“ „Warst du schon mal verliebt?“ statt „Gefiel dir schon mal ein Mädchen besonders gut?“ Es lässt alles offen; ein Hetero wird es nicht mal bemerken, während es einem Homosexuellen sowohl die Möglichkeit gibt, ebenso neutral zu antworten, wenn er sich gerade nicht outen will, oder aber sich völlig selbstverständlich zu outen. Es ist mir aber klar, dass jemand, der sich nicht intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hat, auf diese Idee schon gar nicht kommt. Eine Minderheit wird immer damit leben müssen, dass die Mehrheit nicht von Vornherein Rücksicht nimmt.

  • Widerspenstige sagt:

    ‚… «Warum sagen wir zu kleinen Jungs Sätze wie ‹Wenn du später einmal eine Frau hast…›, anstatt ‹Wenn du später einmal eine Frau oder einen Mann hast…›?», fragt Weber….‘

    Oder ganz vereinfacht sagen: ‹Wenn du später einmal jemanden liebst und zusammen leben möchtest….›

    • Muttis Liebling sagt:

      Damit hast Du zwar einfach nur recht, zumal es auch nichtmenschliche Lebenspartner einschliesst, was es ja auch geben soll.

      Aber das reicht nicht für ein Beraterhonorar. Da muss es trotz Inhaltsleere schon professionell geschwollen, aber immer noch im Mainstream verhaftet, kommen.

    • Sportpapi sagt:

      Eigentlich sagt man ja eher: „Wenn du mal gross bist“ (ab welcher Körpergrösse gilt das wohl?) oder „wenn du mal eigene Kinder hast“ (und wenn nicht?). Ansonsten – naja, finde ich nun nicht gerade die kindsgerechtere Lösung.

  • Irene feldmann sagt:

    Nicht der NORM zu entsprechen, d.h. Einer Minderheit anzugehören ist auch heute noch ein Kampf, vielleicht nicht mehr gegen die Titanen doch trotzdem eine Herausforderung. Als Mutter stellte ich mir auch schon die Frage, was wäre wenn….wenn man sein Kind als Individuum respektiert dann hat man mit keiner Bekenntnis Schwierigkeiten. Nur wenn man sich als Baum betrachtet und seine Kinder als dessen Äste, dann wird hinterfragt, verzweifelt und abgelehnt.

    • Widerspenstige sagt:

      Genau, Irene Feldmann: ‚…..wenn man sein Kind als Individuum respektiert….‘ Das ist doch eine ganz einfache Sache und handhabe ich so gut es geht bei meinen drei Kindern. Je eher man das einsieht, desto leichter geht Erziehung von der Elternbühne aus und ja, auch das Loslassen können, wenn sie ausziehen, erspart einem zahlreiche innere Kämpfe und schlaflose Nächte oder wenigstens weniger davon…

  • SrdjanM sagt:

    Die eigene Einstellung dazu müsste bereits viel früher ein Thema sein, schon wenn man sich erste Gedanken über die Gründung einer eigenen Familie macht.

    Wer dann nicht bereit ist, dem eigenen Nachwuchs die gleiche Wertschätzung und Unterstützung zu bieten wie man es auch für sich selbst erwartet, egal ob der sexuellen Ausrichtung oder sonstigen „Eigenarten“ , der soll am besten keine Kinder bekommen.
    Die Kinder „gehören“ nicht den Eltern, sie sind nur in deren Obhut und Verantwortung.
    Und dazu braucht es unbedingt auch die Fähigkeit, „persönliche Merkmale“ der eigenen Kinder akzeptieren zu können und sie bedienungslos zu lieben und zu unterstützen, so lange wie das gewünscht, notwendig und angebracht ist.

    • voll 1verstanden sagt:

      jajajaja, bravo, bin absolut gleicher m1ung mit ihren statements:
      mit der kl. korrektur, dass es ‚bedingungslos“ [unconditional im engl.] & nicht bedienungslos ist

  • dres sagt:

    «Mama, ich bin schwul» – was ist denn das für ein sexistischer Titel? Sollten unsere Söhne homosexuell werden, dann outen sie sich selbstverständlich bei mir. Alles Andere wäre das Chalb gemacht. Und dann? Bei mir würde definitiv keine Welt zusammenbrechen deswegen…

    • 13 sagt:

      Homosexuell werden oder homosexuell sein?

      Ansonsten denke ich, dass die meisten Jugendlichen sich zuerst bei dem Elternteil outen werden, von dem sie mehr Verständnis und Unterstützung erwarten. Welcher das ist, hängt vom Charakter und der Beziehung untereinander ab.

      • dres sagt:

        Werden weil in der Zukunft. Bei einem Fünfmonatigen und einem Fünfjährigen ist das momentan noch schwer abzuschätzen. 😉 Und outen dürfen sie sich im allerschlimmsten Fall auch bei der Mama…;-)

      • 13 sagt:

        Das war eben meine Frage: Wird man homosexuell oder ist man es von Geburt auf, egal ob man es da schon abschätzen kann oder nicht? 😉

      • Katharina sagt:

        13: Im Nachhinein kann ich sagen, ich wusste es ‚irgendwie‘ als Kind früh. Als ich mit 14 meine erste Erfahrung und Liebe mit einer Frau erlebte, war es für mich das natürlichste der Welt. Ich empfand nichst anderes als das ich mit ihr eben wollte. Sie war älter (bi) und ich machte den ersten Move wie es heisst.

        Das Homogen wurde nie gefunden und wird wohl auch nie. Es gibt eine schwache Vererbungskorrelation (indirekt über in zweitem Grad genetisch Verwandten).

      • 13 sagt:

        @ Katharina
        Danke, genau davon ging ich aus. Das mit dem Gen wusste ich, aber man „wird“ homosexuell finde ich gefährlich, weil das impliziert, dass äussere Faktoren dazu beitragen oder dass es eben die eigene Wahl war.

  • Monika sagt:

    Letztens lief auf KIKA in den Kindernachrichten etwas über Homosexualität und das dies in einigen Ländern unter Strafe gestellt sei. Meine Kinder 4 +6 haben interessiert geguckt und waren völlig entsetzt darüber das es so böse Leute gibt. Es darf doch jeder lieben wer er möchte haben Sie gesagt. Ich war in diesem Moment sehr stolz auf die beiden. Wir werden auch in Zukunft offen über allerlei reden und ich hoffe sehr das meine Kinder irgendwann mal keine Angst haben mir zu sagen wenn was ist… (coming out, Schwangerschaft oder was auch immer)
    PS: Auch ich sagte schon zu den beiden: wenn ihr mal einen Mann oder eine Frau habt. Aber bis jetzt sind sie gaaanz sicher das sie dann mal einen Mann und viele Kinder haben werden ;)… mal sehen

  • Hannes sagt:

    @Dani: Dann sind rote Haare auch unnatürlich? Oder gar widernatürlich?! Sind jedenfalls statistisch gesehen nicht normal. Homo- und Bisexualität gibt es in vielen Arten, nicht nur beim Menschen. Homophobie gibt es allerdings nur beim Menschen.

  • Dani sagt:

    «Warum sagen wir zu kleinen Jungs Sätze wie ‹Wenn du später einmal eine Frau hast…›, anstatt ‹Wenn du später einmal eine Frau oder einen Mann hast…›?», fragt Weber. «Würden wir bewusst alles offenlassen, hätten homosexuelle Jugendliche später weniger Mühe, sich ihren Eltern gegenüber zu öffnen.»

    Ganz einfach, weil es eben widernatürlich und nicht normal ist. Es liegt nunmal in der Ordnung der Natur, das ein Mann zu einer Frau gehört und umgekehrt.
    Kein Gericht, keine Worte, kein Zeitgeist und auch kein Mamablog-Artikel kann diese einfache Wahrheit umkehren.

    • P. H. sagt:

      Genau solche Aussagen treiben diese Menschen in den Selbstmord.
      Die Selbstmordrate bei solchen Jugendlichen ist statistisch deutlich überdurchschnittlich.

      Keiner entscheidet sich freiwillig dazu sich sein Leben lang erklären zu müssen und zu den Schwierigkeiten die es auch heute noch mit sich bringt.

    • Carina Walder sagt:

      Amen. Und jetzt schliessen sie bitte mal die Bibel, gehen sie raus in die Welt, lernen sie andere Leute und „Wahrheiten“ kennen und fangen an, nicht das nachzuplappern, was uralte Märchenbücher predigen sondern benutzen sie zur Abwechslung einmal ihre eigene graue Masse.

      • Andreas Meier sagt:

        Bravo – Eine Antwort, die prächtig sitzt.

      • Annalena sagt:

        Genau die Ohrfeige, die diese Grüsel verdient haben. Schade hat man den Scheiterhaufen für Homos abgeschafft, nicht wahr Herr Meier. Mich wundert nur, dass ausgerechnet die christlichen Fundis, denen die Nächstenliebe am Sonntag in der Kirche nur so aus dem Mund tropft, am Montag dermassen hasserfüllte Statements abgeben. Schon mal überlegt, dass es Ihr Gott ist, der schwule und lesbische Menschen schafft schon von Mutterleib an?

    • Fabian sagt:

      Ich bin verwundert, dass Ihr Beitrag veröffentlicht wird. Wenn Homosexualität als „widernatürlich und nicht normal“ bezeichnet wird, ist das im besten Fall als „unsachlich“ zu bezeichnen, aber auch eine Ehrverletzung könnte man hier diskutieren.
      Inhaltlich ist Ihr Beitrag nicht die (Gegen-)Rede wert. Beispielsweise zeigen zahlreiche Beispiele aus dem Tierreich, dass Homosexualität eben nicht wider der Natur, sondern weit verbreitet ist. Aber ich fürchte, bei Ihrer Meinung sind Sie für sinnvolle Argumente nicht zugänglich.

      • Hannes Müller sagt:

        Ich finds ganz gut, dass so ein Kommentar veröffentlicht wird. Oder soll man sich in der Illusion wiegen, dass alle Verständnis haben? Wenn einer sich aber äussern kann, dann kann man auch dagegen reden. Das ist der Vorteil von Meinungs(äusserungs)freiheit.

    • Franz Vontobel sagt:

      Da homosexuelles Verhalten auch in der freien Tierwelt beobachtet werden kann, würde ihre Aussage bedeuten, dass die Natur „Widernatürliches“ hervorbringt – und „puff!“, löste sich dani Dani in ein Logikwölkchen auf.

    • Christoph Bögli sagt:

      Welche „Ordnung der Natur“ bitte? „Natürlich“ wäre es auch, Frauen als Besitz zu monopolisieren und allfällige Rivalen totzuprügeln, soll das also legalisiert werden? In dem Kontext ist homosexuelles Verhalten wesentlich „natürlicher“ als das religiös-sozioökonomische Konstrukt der monogamen Ehe. Denn ersteres gab es lange vor letzterem.
      Zum Glück leben wir aber sowieso nicht nach irgendwelchen atavistisch-grausamen Regeln der Natur, sondern in einer zivilisierten Gesellschaft. Und in dieser gelten die Normen, Regeln und Werte, die wir selbst definieren. Dass innerhalb dieser die Liebe zwischen zwei Personen, unabhängig von deren Geschlecht, als normal und erfreulich akzeptiert wird, sollte eigentlich trivial sein, wenn man nicht steinzeitlich denkt und ein Herz aus Stein hat.

    • Peter Gamper sagt:

      Danke Dani, endlich mal ein vernünftiges Wort hier. Ich rege mich grausam auf über die aktuellen Entwicklungen der letzten Jahre. Diese sogenannte „politische Korrektheit“ wo man nicht mehr sagen darf was Sache ist. Tatsache ist, dass die allermeisten Menschen hetero sind und dass ich noch niemand kennengelernt habe der bei diesem Thema total sorglos sagt es sei ihm völlig egal wenn sein Kind „homo“ ist. Das Problem ist ja nicht mal meine persönliche Meinung dazu sondern das natürliche Gefühl des „Ekels“ und der „Scham“ das in uns angeboren ist. Man tut immer so als sei „homo“ was völlig normales. Ist es aber nicht. Akzeptiert die Leute wie sie sind. Es ist ok wenn jemand schwul ist, aber so zu tun als sei es völlig irrelevant ist schlicht blauäugig.

      • Christoph Bögli sagt:

        1. „Ekel“ und „Scham“ sind gerade in solchen Fragen keineswegs angeboren, sondern primär erlernt, also ein Produkt der kulturellen Sozialisation. Wenn man diese gesellschaftliche Stigmatisierung mal überwindet, dann ist daran auch nichts mehr „eklig“, zumindest nicht „ekliger“ als wenn man durchschnittlich-unattraktive Heteros bei intensivem Körperkontakt zusehen muss.
        2. Was daran nicht „normal“ sein soll ist auch rätselhaft, denn auch Minderheiten sind natürlich ein Teil der gesellschaftlichen Normalität. Wenn man alles als nicht normal deklariert, was nicht eine Mehrheit hat, dann ist praktisch niemand mehr „normal“. Insofern kann einem die sexuelle Ausrichtung von jemandem auch egal sein, dass sich Leute wie Sie deswegen so aufregen oder gar „ekeln“ ist schlicht absurd.

      • lieselotte sagt:

        „das natürliche Gefühl des Ekels und Scham, das uns angeboren ist“ gegenüber Schwulen und Lesben. Ich glaub, ich les nicht richtig! Wieso sollte Homosexualität nicht natürlich sein? Sie wird ja nicht technisch konstruiert und dann auf Bestellung oder unter Zwang „einmontiert“. Schwule und Lesben kommen mit genau dieser Sexualität auf die Welt – wie Heterosexuelle mit der ihren. Da ist eins so natürlich wie das andere. Und als „rettungslos“ heterosexueller Mensch hab ich noch nie Ekel oder Scham gegenüber Schwulen oder Lesben empfunden. Wieso auch? Die sind genauso nett oder bescheuert, wie alle anderen Menschen auch. Eklig sind höchstens die Bigotten, die sich meinen über andere erheben zu müssen.

      • SrdjanM sagt:

        „wo man nicht mehr sagen darf was Sache ist.“

        Dürfte man schon, wenn es „Sache“ wäre, Herr Gamper.
        Das Homosexualität nicht normal oder unmoralisch ist, das ist keine Tatsache, kein Fakt, es ist einfach bloss eine diskriminierende und beleidigende persönliche Meinung. Kann man Ihnen nicht verbieten, aber man kann und muss Ihnen beim Verbreiten von solcher menschenverachtenden Sprüchen widersprechen.

        Und wer dann die eigenen Kinder wegen ihrer Homosexualität ausschliesst und sie mit Unverständnis und Ablehnung begegnet ist schlussendlich nur ein schlechter Mensch und bemitleidenswert.

      • Martin sagt:

        @Bögli & Lotte: Falsch! Scham oder Ekel, sind nicht anerzogen. Oder weshalb fürchten sich so viele Frauen vor Spinnen? Anerzogen? Manche Leute finden dies eklig, andere anderes. Man kann auch schwule/ lesbische Pärchen abstossend finden. Das ist kein Verbrechen und jeder sollte sagen dürfen, was er denkt! Wir müssen uns nicht zurückhalten, schliesslich gilt hier „freie Meinungsäusserung“!

      • Annalena sagt:

        @ Martin: Arachnophobie, die Angst vor Spinnen, lässt sich therapieren, indem der Betroffene der angstauslösenden Spezies ausgesetzt wird in einer kontrollierten Situation. Phobien lassen sich nicht mit anerzogenen Ekel- oder Schamgefühlen vergleichen, die zur Stigmatisierung einer Personengruppe führen (seien das Homosexuelle, Ungläubige oder andere). Homosexuelle Paare per se als abstossend zu empfinden ist wie rothaarige oder weisse Menschen abzulehnen, nur weil sie in der Minderheit sind und somit widernatürlich.

    • Widerspenstige sagt:

      Das einzig einfache daran ist die Denkweise der Danis dieser Welt. Aber das überfordert natürlich ganz beträchtlich, solche Denkweise mal zu hinterfragen. Es geht im Grunde niemand etwas an, wer wie tickt. Das geht nur Betroffene etwas an und die haben genügend damit zu tun, sich selber anzunehmen.

    • Dorli Knüsli sagt:

      Das erinnert mich daran, wie ich vor ca. 50 Jahren, im zarten Jugendalter „politisiert“ wurde: In einer TV-Diskussion zum Thema „Homosexualität“ meinte die Vertreterin eines „Vereins besorgter Eltern oder so“ mit treuherzigem Dackelblick: „Ich habe nichts gegen Schwule, solange sie sauber und anständig sind.“
      Darauf entgegnete der Vertreter des „Schwulenclubs oder so“: „Super, dann sind wir uns ja einig. Ich habe nichts gegen Heteros, solange sie sauber und anständig sind.“ …….

    • 13 sagt:

      „Kein Gericht, keine Worte, kein Zeitgeist und auch kein Mamablog-Artikel kann diese einfache Wahrheit umkehren.“

      Richtig, nur die Natur selber, kann die Wahrheit hervorbringen und diese ist ganz einfach: Wäre Homosexualität widernatürlich gäbe es sie nicht. Das Gefühl, sich zu jemanden hingezogen zu fühlen, ist eines der letzten Instinkte, die wir uns in der westlichen Welt erhalten haben. Wir heiraten in den meisten Fällen aus Liebe und wählen unsere Sexualpartner frei. Wäre es also nicht in der Natur eines Mannes, sich zu einem anderen Mann hingezogen zu fühlen, sondern würde, wie beschrieben sich beim Gedanken, ein Ekelgefühl einstellen, dann würde sich der besagte Mann, nicht zum anderen hingezogen fühlen. Die Tatsache, dass er das tut, ist aber ein Beweis, dass es natürlich ist.

      • blaue augen sind blau! sagt:

        gute, ueberzeugende argumentation. 13.
        stimmt ueberein mit: da gibt es nix zu waehlen. das ist 1fach so. [akzeptieren, dazu stehen od. in the closet forever].
        wer wuerde sich schon 1 repressives leben als aussenseiter & randstaendig, als verachtet & nicht gleichwertig, auswaehlen, wenn er es so leicht vermeiden koennte mit 1 gegengeschlechtlichen partner?!

    • Anne sagt:

      Wegen solchen Aussagen, wie Sie es machen, Dani, weinen Eltern heute, wenn die Kinder Ihnen eröffnen, dass sie homosexuell sind. Zu wissen, dass sie mit solch menschenfeindlichen, geistig starren Personen wie Ihnen zu tun haben werden und zu hoffen, dass die Kinder trotzdem stark dem Weg ihres Herzens folgen können.

    • Papperlapapi sagt:

      Ich hatte einen Schulkameraden mit dem ich 12 Jahre (Primar und Kanti) die Schulbank gedrückt habe. Hochintelligenter, Bursche. Strenge, Konservativ-katholische Familie. Ab etwa 17 bis nach der Matur hatte er grosse psychische Probleme, Alkoholabstürze, Depressionen, brachte es nicht mehr auf die Reihe, Studium abgebrochen…. Dann hat er sich geoutet. Die Familie hatte (für ihn überraschend) damit wenig Probleme. Er ist aufgeblüht, hat das Wirtschaftsstudium beendet. Ich habe ihn etwas aus den Augen verloren, aber gemäss Facebook hat er einen tollen Job und ist viel unterwegs, ist mit seinem Freund mittlerweile verheiratet…. Nur so als Denkanstoss für die Danis dieser Erde…..

    • Peter sagt:

      Dass Homosexualität nicht „natürlich“ ist, mag je nach Interpretation zutreffen (wenn man bedenkt, dass alle Lebewesen von von einem Fortpflanzungsdrang getrieben werden, ist Heterosexualität tatsächlich „natürlich“, und nein, in meiner Definition sehe ich nicht alles, was im Tierreich anzutreffen ist, als „natürlich“ an, wieso sollte ich auch?). Aber inwiefern sollte sie nicht „normal“ sein? Was verstehen Sie unter „normal“? Was statistisch gesehen häufiger vorkommt? Dann sind auch blonde Menschen nicht „normal“ (Blonde Haarfarben kommen eher weniger vor). Oder Leute, die gewisse Speisen nicht mögen, obwohl der grösste Teil der Weltbevölkerung diese geniesen? Das ist einfach lächerlich und absurd.

  • Bastian Baumann sagt:

    Und, liebe Eltern: Schwul- oder Lesbischsein sucht man sich NICHT aus. Es ist nicht ein gewählter Weg (wer würden den Weg von Ausgrenzung, Minderheit und Diskriminierung schon freiwillig wählen?). Ihr habt euch auch nie «entschieden» heterosexuell zu werden. Diese Frage stellt sich schlichtweg nicht, es passiert einfach.

    Immer wieder erlebe ich, wie Eltern sagen: «Mein Kind soll glücklich mit dem gewählten Weg sein» / «Die habens sich ja so ausgesucht» / «Wir sollten sie so leben lassen wie sie möchten» / «Das ist doch grad in Mode heute, schwul zu sein»

    Es gibt hier in dieser Frage kein «möchten» oder eine Wahl. Es ist also unsere Pflicht, unsere Kinder auf diesem nicht immer einfachen Weg mit voller Familien- und Elternliebe zu unterstützen.

    • Mia Meyer sagt:

      Danke für diese Worte. Genau dies scheinen so wenige Leute zu verstehen. Nicht nur Eltern, sondern ganz allgemein.

    • Alpöhi sagt:

      Zustimm! Als ich das kapierte, hat es bei mir „klick“ gemacht.

      Ich möchte noch anfügen. Die ganze Gender-Schei..e („du kannst dein Geschlecht wählen“) mag ich trotzdem nicht. Erstens aus dem Grund, den BB nannte. Und zweitens, weil (wie weiter oben von anderen ausgeführt) Homosexualität für die Gesellschaft als Ganzes einfach nicht der statistische Normalfall ist. Das Thema wird grauenhaft überbewertet.

      Wichtig finde ich, dass man gleichgeschlechtlich Empfindende ernst nimmt und sie sich selbst sein dürfen, so wie sie sind. Wenn wir das schaffen, dann müssen sie auch nicht mehr im pinken Fummel demonstrieren auf der Strasse.

    • Sparter sagt:

      @Bastian Baumann
      Es stimmt zwar, dass man sich seine Orientierung nicht aussuchen kann, aber was spielt das eigentlich für eine Rolle? Selbst wenn sie gewählt wäre, was würde sich ändern? Ob man nun hetero- homo- oder bisexuell ist, es ist so oder so ok und gleichwertig.

      • Alpöhi sagt:

        @Sparter: Wenn mensch sich die Orientierung nicht aussuchen kann, dann möchte mensch trotzdem einfach „nur dazugehören“. Basta. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn wir aber davon ausgehen, dass mensch eine Wahl hat… dann wird alles ungleich viel komplizierter.

  • Helmut Kohl sagt:

    Zitat: “ Wenn du später einmal eine Frau oder einen Mann hast…›?“, fragt Weber. «Würden wir bewusst alles offenlassen . . . .“ – Sorry, aber von welchem Planeten kommt der denn? Wegen einer minimalen statistischen Wahrscheinlichkeit, mehr ist es nämlich nicht statistisch gesehen mit dem Schwul/ Lesbisch soll ich diese Kunstsätze verbrechen? Ach ja , das sind ja auch die Typen die empfehlen meinem Kind zu sagen, dass wir jetzt eine Schneeperson bauen gehen. Wenn es denn so sein sollte, so what? Das man sich nicht freut ist wohl klar, aber schliesslich ist das Kind und bleibt es auch. Bleibt mal auf dem Boden mit den Füssen.

    • Jane Bissig sagt:

      Also, so minimal ist die Chance eigentlich nicht. Man geht von rund 10 Prozent aus. Das wären etwa zwei pro Schulklasse. Und warum eigentlich, ist es „klar“, das man sich nicht freut? Ich hoffe doch sehr, dass ich mich freuen werde, wenn mein Kind seine Sexualität entdeckt und mich über seine Orientierung (oder sein Nachdenken darüber) einweiht. Aber schön, dass Ihr Kind so ode so Ihr Kind bleiben würde. Immerhin.

    • Karin S. sagt:

      8-15% der Bevölkerung sind Homosexuell, somit ist es absolut richtig. Teenager z.b.Jungen nicht mit Zwangsfragerei…hast schon eine Freundin…formen zu wollen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Wollen wir mal nicht übertreiben. Zählen kann man nur die offen gelebte Homosexualität und da kommen nicht mehr als 2% zusammen. Der Rest ist reine Spekulation, beruht auf (Telefon-) Interviews und berücksichtigt weder unabsichtliche Fehleinschätzungen oder die Tatsache, dass auch die sexuelle Ausrichtung nicht lebenszeitstabil sein muss und bei manchen öfters mal hin und her schwankt.

        Ansonsten hat SP weiter unten recht, biographische Vollzeit- Singles sind viel häufiger als homosexuell liierte. Das kritisierte Zitat ist tatsächlich nicht nur sprachlich unterhalb jeder Schmerzgrenze.

      • Katharina sagt:

        Wenn ich offen gelebte Homo- und Bisexualität anschaue:

        35% der Frauen.
        20% der Männer.

        Die Zahlen beziehen sich auf Heiraten, bzw registrierte Partnerschaften und Family Trusts (Bisexuelle und andere nicht binomische Beziehungen mit Kindern) vom Los Angeles County Registrar.

        Mit der Grösse des Counties und seiner Biodiversität ( 😉 ) ein representativer Ausschnitt der Weltbevölkerung.

    • Christoph Bögli sagt:

      Ich bin ja definitiv kein Freund von „gegenderter“, politisch korrekt durchkonstruierter Sprache. Dass man sich ab und zu Gedanken über die über starke normative Wirkung von Sprache macht und die eigene Wortwahl hinterfragt ist aber trotzdem richtig und wichtig. Denn gerade in dem Bereich ist durchaus vieles im Argen. Entsprechend wäre etwas mehr Zurückhaltung generell ratsam, nicht nur hinsichtlich Homosexualität, sondern ganz generell, dass man Kindern nicht die eigene Vorstellung aufdrängt, wie diese zu leben haben.

    • Sportpapi sagt:

      “ Wenn du später einmal eine Frau oder einen Mann hast…›?“ Da scheint mir wahrscheinlicher, dass jemand aus verschiedenen Gründen Mann oder Frau nicht findet oder will, als dass er/sie homosexuell ist.

    • 13 sagt:

      Es ist ja auch nicht nötig, sich zu verstellen. Und doch ist zwischendurch etwas Reflexion ganz gut. Vor Kurzem auf dem Spielplatz gehört: Ein Junge zu seiner Mutter: „Wenn ich mal gross bin, heirate ich den Fabian!“ Mutter: „Das geht nicht, Du kannst keinen Mann heiraten.“ Ich weiss natürlich nicht, ob die Frau wirklich homophob war oder einfach unbedacht, aber durch solche Äusserungen formieren dann schon unser Denken und natürlich das unserer Kinder.

      Der Satz: „Wenn Du später einmal eine Frau hast…“ finde ich eh merkwürdig. In welcher Situation sollte man das zu seinem Kind sagen?

      • SrdjanM sagt:

        Wieso Homophob, sie gibt nur die faktische rechtliche Lage wieder, welche die CVP neu auch in der Verfassung verankern möchte.
        Sie will wohl dem Sohn nur die Realität näherbringen und ihm so die Enttäuschung etwas mildern…

      • 13 sagt:

        Guter Punkt, wobei noch die Hoffnung besteht. Sowohl was die Ablehnung der Verfassungsänderung anbelangt, wie auch dass die Gesetzeslage in 20 Jahren etwas anders aussehen wird.

      • Sportpapi sagt:

        Vielleicht darf man ja dann in 20 Jahren auch die Mutter heiraten, was ja auch oft gewünscht wird…

      • 13 sagt:

        @ SP
        Theoretisch schon…praktisch gibt es doch realistische Erwartungen an die Entwicklung der Gesetzeslandschaft und eher unrealistische (wobei ich zugeben muss, dass eine besagte Partei in den letzten Jahren so einiges durchgebracht hat, was ich vor 10 Jahren als sehr unrealistisch eingestuft hätte, von daher ist alles möglich).

      • Katharina sagt:

        Angesichst solcher CVP (?) Initiativen bin ich froh, in einem Land mit einem Verfassungsgericht zu leben, wo nicht jedes Mikroanliegen (hier ein DOMA von kirchlichen Dogmatikern) in die Verfassung geschrieben werden muss.

        Mit Hollingsworth v. Perry ist das Thema eigentlich gegessen. Auch, dass die Rechte Homosexueller NICHT Thema einer Abstimmung sein können.

        SCOTUS Entscheide haben oft einen Einfluss auf andere Jurisdiktionen, auch wenn das seine Zeit braucht.

        Ich wette leider aber auf eine Annahme der CVP Initiative.

      • Brugger sagt:

        Meine Mutter hat so einen Satz zu meiner Schwester gesagt: “ Wenn du einmal einen Mann hast, kannst du Tampons benützen.“
        Ich war pubertärer Ohrenzeuge.
        Dieselbe Mutter hatte mir einmal gesagt:
        „Schwul, tu mir das nicht an.“
        Das war so um 1977.
        O tempora, o mores, wer glaubt schon seiner Mutter.

    • Anne sagt:

      Auf unserem Planeten kommt das vor, Helmut Kohl. Und zwar seit der Götti des einen Kindes schwul ist, die Kleine sagt, sie wolle dann mal ihre Freundin heiraten und die Grosse, sie sei fest in ihre Schulfreundin verliebt.

  • Reto sagt:

    Meine Kinder sollen vor allem glücklich sein!

  • P. H. sagt:

    Ein sehr guter Artikel.

    Es stimmt auch, dass nichts lästiger ist als zu einem Comming-Out gedrängt zu werden von überfürsorglichen Elternteilen.

  • Oliver Marfurt sagt:

    Erwähnenswert scheint mir, dass man auch den Eltern respektive dem Umfeld genügend Zeit gibt mit dem Outing und der neuen Situation zurecht zu kommen. Wenn wir vielfach schon Krämpfe hatten unser „anders sein“ zu akzeptieren und damit umzugehen können wir auch von unseren Eltern nicht erwarten dass sie sofort Freudentänze aufführen. Teilweise vielleicht begründete Ängste und Sorgen um das zukünftige Leben der Kinder sitzen tief. Offene vertrauliche Gespräche und Zeit bringen meistens mehr als Holzhammer-Methoden.

    • 13 sagt:

      Danke für diese Worte, das war auch mein erster Gedanke. Dass man als Elternteil im ersten Moment etwas überrascht, vor den Kopf gestossen etc. ist, ist denke ich menschlich und sollte nicht so verstanden werden, dass man das nicht respektiert oder das Kind nicht so annimmt, wie es ist. Der Jugendliche selber hat sich ja meistens lange Zeit genommen, um zu realisieren, was los ist und sich auf das Gespräch vorzubereiten. Manche Eltern haben es vielleicht schon vermutet, andere nicht, trotzdem kommt das Coming out für diese Seite oftmals überraschend. Das muss auch berücksichtigt werden.

  • Pascal sagt:

    Coming-Out der Kinder:
    Ganz viele Eltern haben die Vorstellung von einem Wunschkind und sind unglücklich, wenn ihr reales Kind nicht dem Wunschkind entspricht. Und dann akzeptiert man nicht das reale Kind als den Menschen, der er ist, sondern versucht sich sein Kind zurechtzubiegen.

  • Muttis Liebling sagt:

    Beratungsstellen, empirische Sozialforschung, Prävention durch Aufklärung gehört zu dem Überflüssigsten, was die spätbürgerliche Gesellschaft hervorgebracht hat. Was da oben als Tipp seht, könnte alles aus zeitlich angepassten Kalenderblättern stammen, mit denen man vor 100 Jahren Lebensweisheiten an das platte Volk gebracht hat.

    Der Kardinalfehler hinter dem Konzept besteht darin, anzunehmen, dass man rein informationell Bewustseinsinhalte manipulieren kann. Von Ausnahmen abgesehen (Psychoanalyse), funktioniert das aber nicht und wenn, dauert es sehr, sehr lange und verlangt eine ausgefeilte Technik auf Seiten des dann Therapeuten (nicht Berater)

    Ansonsten prägt das reale Erleben das Bewusstsein und das kann man sich auf die Dauer nicht schön reden.

    • Muttis Liebling sagt:

      Zum engeren Thema: Wer heute noch ein individuelles Problem mit individueller nicht heterosexueller Neigung hat, braucht keine Aufklärung, sondern eine Psychiater.

      Etwas ganz anderes ist der gesellschaftliche Umgang Nicht_Heterosexuellen. Da muss man wirklich noch etwas nachdenken. So platt, wie der Zeitgeist sich das denkt, einfach heterosexuelle Begriffe und Organisationsformen (die sog. Homoehe) drüber stülpen, das funktioniert sicher nicht. Das Besondere braucht auch den besonderen Umgang damit und da ist der Zeitgeist noch so blind wie ein Maulwurf.

      Nur da helfen bestimmt keine Berater und schon gar nicht die Denkprothese ‚gesunder Menschenverstand‘.

      • Katharina sagt:

        es sind nicht heterosexuelle Begriffe, die Marriage Equality durchsetzten. Auch wenn die Frage der Heteronormativität der Ehe Diskussionsthema waren – neben White und Male Privilege: Hollingsworth v. Perry wurde mehr vom Gay Aktivismus unterstützt als vom Lesbian Aktivismus. Queer Persons of Color etwa standen und stehen der LGBT Bewegung skeptisch gegenüber, weil es mehrheitlich eine weisse Bewegung bleibt. die bedeutend schwierigeren Hürden eines Coming Out in einem nicht weissen Umfeld werden von den LGBT Proponenten selten angesprochen.

        Aber letztlich ging es um die unveräusserlichen Rechte – was schlussendlich im SCOTUS bestätigt wurde und auch in sog. Red States (e.g. TX) inzwischen zum Tragen kommt.

        Im Vergleich ist die Schweiz da altertümlicher als die Carolinas.

Kommentar

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