Väter babysitten nicht

Viel mehr als nur ein Babysitter: Der Papa hilft beim Zähneputzen. Foto: Gaëtan Bally/Keystone

Er hat wöchentlich seinen Papitag, ist jeden Dienstagabend Babysitter der eigenen Kinder, und hütet sie hin und wieder an einem Papa-Wochenende. Dann «passt der Daddy auf sie auf». In diesen Zeiten geht seine Frau – die Mutter der gemeinsamen Kinder – ihrer Teilzeitarbeit nach, mit Freunden aus oder verbringt eines ihrer raren Wochenenden ohne Familie. So weit, so gut. Normaler Familienalltag und nicht gross der Rede wert – eigentlich.

Auffallend ist allerdings, wie unterschiedlich viele Väter und Mütter ihre Aufgabe der Kinderbetreuung benennen: Schaut eine Mutter auf den Nachwuchs, sagt sie in der Regel, sie «habe die Kinder». Sie spricht nicht von «Mamitag», «hüten» oder «Babysitten». Das wäre auch recht merkwürdig. Die beiden letzten Begriffe klingen distanziert und suggerieren, die Mutter kümmere sich um Nachbarskinder und nicht um ihre eigenen.

Sobald aber ein Vater Betreuungsaufgaben übernimmt, die über ein bescheidenes Mass hinausgehen, glauben er und seine Frau, sie müssten das hervorheben und speziell benennen. Als ob sie beide es nicht recht fassen könnten, was der Mann tut: Wie bitte? Papa wechselt dem Kleinkind die Windeln, schaut auf das Neugeborene, geht mit den Kindern einkaufen UND kocht das Mittagessen?

Irgendwie unglaublich. Damit meine ich nicht die Leistung, die der Vater vollbringt. Unglaublich ist vielmehr, wie unterschiedlich die alltägliche Kinderbetreuung noch heute benannt und damit bewertet wird. Dabei geht es um die grundlegende Aufgabe von Eltern kleiner Kinder: Für sie da zu sein und auf sie zu schauen, weil sie das alleine noch nicht können.

Die etwas distanzierte Väter-Terminologie im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung scheint auch in anderen Ländern verbreitet zu sein. Die US-Autorin Rachel Toalson schrieb in ihrem Blog Crash Test Parents, dass ihr Mann NICHT hilft oder babysittet, wenn er sich um die sechs gemeinsamen Kinder und den Haushalt kümmere. Freunde, Babysitter oder Nannys würden helfen oder babysitten. Er als Vater dagegen übernehme die Aufgaben des Elternseins. «He’s parenting», schreibt Rachel Toalson. Das heisst übersetzt so viel wie erziehen und ja: Verantwortung übernehmen.

Wer jetzt glaubt, es gehe hierbei um Wortklauberei und primär darum, die Mutterrolle zu stärken, irrt. Es geht vielmehr darum, dass Väter ernst genommen werden sollen. Doch so lange man Erziehungsaufgaben als «Papi-Zeit» verniedlicht und für väterliche Kinderbetreuung den Begriff «babysitten» verwendet, ist das nicht der Fall.

74 Kommentare zu «Väter babysitten nicht»

  • Boris sagt:

    Ich finde es gut, dass sich dieser Beitrag den Terminologien des Elternseins widmet.
    Ich spreche vom «Papitag», aber die Definition bezieht klar auf die Arbeitswelt, es ist eine Art Abgrenzung und Erklärung, dass ich dann nicht einfach «frei» habe, was so der O-Ton von Vielen noch immer ist. So macht das Wort «Papitag» Sinn, denn es ist der Tag in der Arbeitswoche an dem ich Vater bin und nicht arbeite. Mein Papitag eben.
    Irritierend fand ich mehr die andere Seite, «habe die Kinder» tönt für mich aus emanzipierter Sicht mehr nach «habe die Grippe» an. Nach einer Bürde welche die Natur der Mutter auferlegt hat, die sie nun durchstehen muss.
    Ich finde Mamitag, oder «bini mit de Chind» auch total in Ordnung. Elterntag wäre wohl das «parenting» pendant. Aber das ist schon sehr trocken.

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