Väter babysitten nicht

Viel mehr als nur ein Babysitter: Der Papa hilft beim Zähneputzen. Foto: Gaëtan Bally/Keystone

Er hat wöchentlich seinen Papitag, ist jeden Dienstagabend Babysitter der eigenen Kinder, und hütet sie hin und wieder an einem Papa-Wochenende. Dann «passt der Daddy auf sie auf». In diesen Zeiten geht seine Frau – die Mutter der gemeinsamen Kinder – ihrer Teilzeitarbeit nach, mit Freunden aus oder verbringt eines ihrer raren Wochenenden ohne Familie. So weit, so gut. Normaler Familienalltag und nicht gross der Rede wert – eigentlich.

Auffallend ist allerdings, wie unterschiedlich viele Väter und Mütter ihre Aufgabe der Kinderbetreuung benennen: Schaut eine Mutter auf den Nachwuchs, sagt sie in der Regel, sie «habe die Kinder». Sie spricht nicht von «Mamitag», «hüten» oder «Babysitten». Das wäre auch recht merkwürdig. Die beiden letzten Begriffe klingen distanziert und suggerieren, die Mutter kümmere sich um Nachbarskinder und nicht um ihre eigenen.

Sobald aber ein Vater Betreuungsaufgaben übernimmt, die über ein bescheidenes Mass hinausgehen, glauben er und seine Frau, sie müssten das hervorheben und speziell benennen. Als ob sie beide es nicht recht fassen könnten, was der Mann tut: Wie bitte? Papa wechselt dem Kleinkind die Windeln, schaut auf das Neugeborene, geht mit den Kindern einkaufen UND kocht das Mittagessen?

Irgendwie unglaublich. Damit meine ich nicht die Leistung, die der Vater vollbringt. Unglaublich ist vielmehr, wie unterschiedlich die alltägliche Kinderbetreuung noch heute benannt und damit bewertet wird. Dabei geht es um die grundlegende Aufgabe von Eltern kleiner Kinder: Für sie da zu sein und auf sie zu schauen, weil sie das alleine noch nicht können.

Die etwas distanzierte Väter-Terminologie im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung scheint auch in anderen Ländern verbreitet zu sein. Die US-Autorin Rachel Toalson schrieb in ihrem Blog Crash Test Parents, dass ihr Mann NICHT hilft oder babysittet, wenn er sich um die sechs gemeinsamen Kinder und den Haushalt kümmere. Freunde, Babysitter oder Nannys würden helfen oder babysitten. Er als Vater dagegen übernehme die Aufgaben des Elternseins. «He’s parenting», schreibt Rachel Toalson. Das heisst übersetzt so viel wie erziehen und ja: Verantwortung übernehmen.

Wer jetzt glaubt, es gehe hierbei um Wortklauberei und primär darum, die Mutterrolle zu stärken, irrt. Es geht vielmehr darum, dass Väter ernst genommen werden sollen. Doch so lange man Erziehungsaufgaben als «Papi-Zeit» verniedlicht und für väterliche Kinderbetreuung den Begriff «babysitten» verwendet, ist das nicht der Fall.

75 Kommentare zu «Väter babysitten nicht»

  • Søren Erlandsen sagt:

    Bitte schauen Sie doch ein bisschen in die Norden Europas statt nach USA.
    Ich wohne mitten in Stadt Zürich und mami und ich teilen uns natürlich 50/50 die Kinder Betreuung. Natürlich kann es Abweichungen geben aber alles anders als 50/50 als Grund Regel scheint mir in Bezug auf Kinder Betreuung außer tritt mit der zeit.

  • Boris sagt:

    Ich finde es gut, dass sich dieser Beitrag den Terminologien des Elternseins widmet.
    Ich spreche vom «Papitag», aber die Definition bezieht klar auf die Arbeitswelt, es ist eine Art Abgrenzung und Erklärung, dass ich dann nicht einfach «frei» habe, was so der O-Ton von Vielen noch immer ist. So macht das Wort «Papitag» Sinn, denn es ist der Tag in der Arbeitswoche an dem ich Vater bin und nicht arbeite. Mein Papitag eben.
    Irritierend fand ich mehr die andere Seite, «habe die Kinder» tönt für mich aus emanzipierter Sicht mehr nach «habe die Grippe» an. Nach einer Bürde welche die Natur der Mutter auferlegt hat, die sie nun durchstehen muss.
    Ich finde Mamitag, oder «bini mit de Chind» auch total in Ordnung. Elterntag wäre wohl das «parenting» pendant. Aber das ist schon sehr trocken.

  • Walter sagt:

    Ich habe noch nie im Haushalt mitgeholfen oder Kinder gehütet. Sondern ich führe zusammen mit meiner Partnerin einen Haushalt und gestalte den Alltag der Familie mit. Das sind zwei so wichtige Bereiche in meinem Leben, dass ich die Verantwortung dafür nicht delegieren möchte. Umgekehrt übernimmt meine Partnerin ihren Teil der Verantwortung für das Familieneinkommen.
    Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Partnerschaft und „unter die Haube kommen“ (wer kommt da eigentlich unter wessen Haube?)

  • Deborah sagt:

    Sehr interessanter Artikel. Mein Mann hilft viel im Haushalt mit und hütet oft die Kinder. Wie diese Aufgabe genau genannt oder bezeichnet wird, war nie ein grosses Thema. Es ist einfach Teil des normalen Alltags. Es klappt super.
    Wie wir Kinder (4!) und Ordnung in eine enge Stadtzürcher 3-Zimmerwohnung beherrschen, erfährt ihr auf:
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  • Reto sagt:

    Ist doch egal wie die Öffentlichkeit dies nennt, solange der Mann weiss wieso und warum er tut was er tut und die Familie gestärkt wird und alle betroffenen profitieren und mehr zusammen wachsen, ist man denn so abhängig was die Gesellschaft meint, die ist doch eh wie das Schilf im Wind, wenn denn dies eine Rolle spielt hat man eh verloren und macht sich von Ihr abhängig. Jeden Tag kommen neue Begriffe für irgend etwas soll man sich nun nach alle dem richten wo soll da noch Platz zum leben bleiben. Leben wir um der Bedeutung von Begriffen gerecht zu werden oder unseren Familien / Partnern / Überzeugungen etc.

  • Eisenbahner sagt:

    Die semantischen Probleme frustrierter Büroleute zwischen Selbstverwirklichung und sozialem Anerkennungskampf.

  • fabian sagt:

    Wieder mal das obligate Väter- und Männer-Bashing.
    Gratulation.

  • Al sagt:

    Es ist doch normal, dass ich als Vater Windeln wechsle, einkaufe und koche. Nein? Da draussen scheint es ein Paralleluniversum zu geben, zu welchem ich keinen Zugang habe.

  • Tina sagt:

    Übrigens, die Männer aus unserem Bekanntenkreis, die mehr als 1 Tag die Woche zu Hause sind, sprechen bezeichnenderweise nie von „Papi-Tag“ sondern bezeichnen sich als Hausmann…

  • Tina sagt:

    Ich arbeite wie einige meiner Abteilungs-Kollegen 80%. Meine Kollegen sprechen dann jeweils vom „Papi-Tag“, an dem wahlweise das Babyschwimmen oder der Besuch bei den Grosseltern stattfindet. Gerne werden, während der Kleine spielt, auch noch von zu Hause die Emails beantwortet oder ein Bericht fertig geschrieben („das muss er eben lernen, dass der Papi nicht immer Zeit hat“) .
    Bei mir hingegen findet an diesem Tag neben der Kinderbetreuung das Aufräumen, die Wäsche, der Kinderarztbesuch, der Winterstiefelkauf und das Abendessenkochen statt. Nie im Leben würde es mir einfallen, diesen Tag als „Mami-Tag“ zu verniedlichen.

    • linus sagt:

      Wenn Sie 80% arbeiten, dann übernimmt sicher ihr Mann – welcher wohl auch Teilzeit arbeitet – einen Grossteil der Arbeit. Falls nicht, dann sollten Sie sich eine Raumpflegerin anstellen. Bessere Investition als einen Volvo XC60 zu kaufen.

  • Malena sagt:

    Ich finde in diesem Zusammenhang spannend, wie schnell die Wahrnehmung von „Kinder betreuen müssen“ (wenn der andere Elternteil eigenen Aktivitäten nachgehen will – kann man als Babysitting sehen), und „Kinder betreuen dürfen“ (weil der andere Elternteil diese Aufgabe für sich beansprucht) hin und her wechseln kann. Besonders ausgeprägt nach einer Trennung.

  • linus sagt:

    Das Wort „hüten“ nutze ich für den Abschnitt zwischen 21.00 und 07.00 Uhr. (Sorry, kann heut abend nicht auf ein Bier, hüte die Kinder). Für mich das treffende Wort, denn in dieser Zeit mache ich nix anderes für die Kinder als „hüten“.
    Meine sonstigen Arbeiten als 50% Hausmann und Vater benenne ich anders.

  • Nadine sagt:

    ‚Hüten‘ ist doch ein schönes, warmes, sorge tragendes wort? Mein mann und ich verwenden es gleichermassen mit einem augenzwinkern in unserem umfeld, das aus sehr vielen nicht eltern besteht (und wo das ‚zuhause sein‘ mit ‚faulenzen‘ gleichgesetzt wird) bezeichnungen mamitag und papitag führen wir für die jüngste als verständnishilfe, was sich bewährt hat.
    😉 Zum glück ‚betreuen‘ wir unsere kinder nicht -‚betreuen‘ tut ein anwalt und der begriff kinderbetreung empfinde ich als zu kalt und zu wirtschaftlich. ‚Professionell‘ ist auch so ein liebloses wort und hat mit kindern so gar nichts am hut 😉

  • Violet sagt:

    Ich bin aus einem urbanen Umfeld, lebe aber seit zwei Jahren, seit der Geburt unserer Tochter auf dem Land, arbeite weiterhin in der Stadt (drei Tage die Woche). Auffallend: in meinem Arbeitsumfeld und unter meinen Freunden kenne ich kaum eine Familie, bei der der Vater nicht mindestens einen Tag eingebunden ist. Hier auf dem Land kenne ich hingegen kaum eine Familie, bei der der Vater einen „Papi-Tag“ hat. Was aber nicht heisst, dass er nicht auch mithilft. Allerdings finde ich den Begriff „Papi-Tag“ weder abwertend noch überbewertend. Wenn ich arbeite und jemandem mitteilen muss, dass ich am folgenden Tag nicht erreichbar bin, dann sage ich auch: morgen bin ich nicht im Büro, da hab ich „Mami-Tag“. Und dann gibts noch Familientage.

  • Alpöhi sagt:

    Gehört auch zum Thema, ist aber mehr als Wortklauberei: Wenn der Wickeltisch ausschliesslich im Damenklo angebracht ist.

    Gleich schlimm, aber mit baulichen Massnahmen nicht zu lösen: Wenn Papi die kleine Tochter aufs Damenklo begleiten muss. Und dann vor der Kabine, d.h. im Bereich der Waschbecken, Löcher in die Luft guckt und wartet bis die Tochter fertig ist… uh oh

    • Mia sagt:

      Und warum nicht das Mädchen mit zu den Männern nehmen? Ist im Kindergarten noch i.O. und spätestens in der Schule nicht mehr nötig.
      Frau nimmt ja den Bub auch mit in die Damentoilette und geht nicht zu den Männern rein.

    • Mia sagt:

      Die gleiche Frage stellt sich übrigens auch beim Umkleiden in der Badi mit nur einem Elternteil….
      Einfach nicht komplizierter tun als es ist.

      • KA sagt:

        die offene Pissoiranlage in den Männerklos ist halt doch für die Mädchen nicht so angenehm und hält wohl einige Väter davon ab, mit den Mädchen aufs Männerklo zu gehen.

  • Matthias sagt:

    Als 80% arbeitender Mann nenne ich meinen Tag mit dem Kind auch Papitag. Ich finde es nicht mehr als eine schöne Bezeichnung für das, was ich dann tue.
    Wenn ich damit hervorhebe, dass ich als Mann das tue umso besser. Tatsache ist nämlich, dass immer noch nur ein sehr kleiner Teil der Väter Teilzeit arbeiten und die anderen Tage ihre Kinder betreuen. Mit dem Hervorheben dieser Tatsache ermutige ich vielleicht andere Männer dies ebenso zu tun. Gem. aktuellen Studien würden dies ja viele Männer gerne tun, trauen sich aber nicht (aus bekannten Gründen).

  • sole sagt:

    Interessant, wie viele sich an dem Begriff „Papitag“ stören. Ich verwende den auch, meiner Meinung nach wertfrei. Es gibt bei uns Mamitage, Papitage und Krippentage. Und wenn unsere Tochter am Wochenende manchmal fragt, was für ein Tag sei, dann sage ich meist „Mami-und-Papi-Tag“.
    Dass Väter ihre Kinder „hüten“ oder „mithelfen“ finde ich auch befremdlich formuliert, höre das aber auch so gut wie gar nie. Eigentlich lese ich von sowas nur im Mamablog.

  • tststs sagt:

    Oje, ich glaub ich bin im letzten Jahrtausend stehengeblieben:
    1. Mamitag: der zweite Sonntag im Mai
    2. Papitag: gab es nicht, nur ennet der Grenze, an Christi Himmelfahrt oder so…
    3. Wir haben anno domini als Kinder einfach die Tage in zwei Kategorien eingeteilt: Schultage und freie Tage 😉

    • Muttis Liebling sagt:

      Der Begriff ‚Vatertag‘, der im Deutsch- Deutschen für Saufgelage an Himmelfahrt noch weit verbreitet ist, bezieht sich nicht auf die Vaterrolle, sondern auf die spätmittelalterliche Gewohnheit, dass Ehemann und Ehefrau sich gegenseitig mit ‚Vater‘ und ‚Mutter‘ ansprachen. In nicht völlig verhunzten Märchen der Gebrüder Grimm kann man das nachlesen.

    • Alpöhi sagt:

      Vatertag ist am 6. Dezember 🙁

  • Andrea Elvedi sagt:

    Ich finde einfache die Begriffe „Papitag“, „Grositag“ etc. ein bisschen doof und verwende sie darum nicht. Mein Sohn versteht es auch, wenn ich sage: Morgen kommt s’Grosmami oder morgen ist der Papi daheim oder morgen ist Krippe.

  • Stolzer Vater sagt:

    Auch wenn Frau Braun es verneint, es ist Wortklauberei.
    Von den betroffenen Vätern (zu denen ich mich ebenso zähle) wird sich wohl kaum einer pikiert fühlen, wenn der Tag zuhause mit den Kindern als Papitag bezeichnet wird.

    „Papitag“ (oder Hüten, Babysitten) im Kontext eines Vaters ist nun einmal die kürzeste Bezeichnung für „Ich führe zuhause den Haushalt und verbringe den Tag mit meinen Kindern während meine Frau arbeitet“ ist. Spricht man dagegen von einem Papitag, wissen alle direkt was damit gemeint ist.

    Daher ist diese Ausdrucksweise eher Zeichen von Effizienz / Faulheit beim Diskutieren als eine Wertung der Leistungen des Vaters.

  • SooAnderst? sagt:

    Seit 2011 arbeite ich 60%.
    Damals in der Mütternberatung habe ich mich schon etwas komisch gefühlt und auch heute noch im kindergarten wenn man der einzige mann unter x frauen ist denke ich manchmal, bin ich soo anderst?
    Ist mir aber egal…
    Meine Kinder sind extrem anstrengend und können ziemlich nerven aber ich habe meinen entscheid noch keine minute bereut.

  • Sofie sagt:

    Nein, dieser Beitrag ist nicht irrelevant. Ich kenne diese Situation aus zwei Firmen, wo sogar das HR-Personal den Begriff „Papitag“ verwendet. Eines ist ein grosses Tochterunternehmen der Swisscom.
    Als zB. ich im Betrieb sagte ich sei schwanger, war die erste Frage ob oder wieviel % ich nachher noch arbeite. Als ich meinte 80% (in Kaderfunktion), wollte man mir das ausreden und hatte schlussendlich auch keine solchen Job für mich, mit dem „kollegialen“ Hinweis so ein kleines Baby sei sehr kräfteraubend. Ich habe mir eine 1a-Karriere über 15 Jahre hinweg aufgebaut und war die am besten qualifizierte Mitarbeitern unter 40 Kollegen…
    Solche Begriffe zeigen die Geisteshaltung gegenüber dem Thema Elternschaft auf.

    • Greatsheep sagt:

      Ein wahrer Satz: … die Geistehaltung gegenüber dem Thema Elternschaft…
      Mir geht es als 100% arbeitender Mann nicht anders. Homeoffice wird zwar vollmundig propagiert, aber für jeden halben Tag schon gibt es epische Diskussionen. Karriere? „Vergessen Sie es, Sie haben Kinder“. Auch als Mann hört man das. Arbeitszeit flexibel aufteilen? Jaaaahh, wir sind zwar schon offen für neue Ideen aber das? Das geht doch nicht, wie sollen wir das kontrollieren?

  • Markus Tschopp sagt:

    Ich gratuliere der Autorin!
    Sie macht darauf aufmerksam, wie eine bestimmte Haltung in der Sache in der Sprache zu einem bestimmten Ausdruck führt, und dieser wiederum genauso eine Haltung – meist unbewusst – weiter verbreitet. Dies hat nicht nur im persönlichen Leben Folgen, sondern noch viel mehr in Wirtschaft und Politik. Aber eben, es ist so bequem, wenn man darauf nicht auch noch achten muss …
    Im weiteren ist es auch so, dass die Art einer Fragestellung die Art der Antwort bereits vorweg nimmt. Gewiefte Politiker, welche eine populistische Sprache sprechen, setzten diesen Mechanismus sehr gezielt und mit viel Erfolg ein. Leider merken dies die meisten Leute gar nicht …

    • Muttis Liebling sagt:

      Die Sprache der Politik ist voll von begrifflicher Unschärfe, welche hintergründig über die sinnliche Besetzung der Worte manipuliert, dem Konzept von NLP folgend.

      Weil ‚Staat‘ so abstrakt und nicht emotional besetzt ist, spricht man grob falsch von der ‚Nation‘, oder von ‚Land‘.

      Die KK- Prämien werden ‚Gesundheitskosten‘ genannt, weil Gesundheit positiv besetzt ist, obwohl die Krankenkassen, wie der Name sagt, die Krankenversorgung finanzieren und mit Gesundheit gar nichts zu tun haben.

      ‚Papitag‘ ist so ein Einschmeichelbegriff, welcher die leider doch noch bestehende Asymmetrie der Elternschaft verniedlicht.

      Sprache ist ein Machtmittel und in einem Staat, wie die Schweiz, welche keine Nationalsprache hat, besonders leicht zu manipulieren.

  • Sportpapi sagt:

    Wo ist eigentlich genau der Unterschied zwischen „auf die Kinder schauen“ und „hüten“? Und weshalb ist das noch unpräzisere „habe die Kinder“ besser?

    • Christoph Bögli sagt:

      Gute Frage. Und auch, wieso automatisch davon ausgegangen wird, dass das nur einseitig so gesagt wird. Wenn die Mutter sagt, dass heute der Vater die Kinder hütet, wird vermutlich der Vater im umgekehrten Fall das genau Gleiche sagen weil das offenbar in der Familie so ausgedrückt wird. Das Ganze kommt entsprechend sehr stark als Wortklauberei her um irgendeine vorbestimmte These zu untermalen.

  • MissYa sagt:

    Mein Chef sagt auch immer er muss seine Kinder hüten. Ich antworte dann immer er gehe ja nur seinen Vaterpflichten nach.
    Ausserdem höre ich immer wieder solche doofe Kommentare, speziell im Tessin. Als meinen Partner und ich uns entschieden haben, dass ich 100% arbeite und er er Hausmann ist und somit auch die Betreuung von unserem Sohn übernimmt, haben gewisse Leute gesagt er sei jetzt „il mammo“ so zusagen die männliche Mutter.

    • Markus Tschopp sagt:

      Sehr schön.
      Ich erinnere mich an die Zeit, als unser kleiner Sohn sprechen lernte und eines seiner ersten Worte „Mappi“ war. Ich kam damals aus dem Staunen nicht mehr heraus …

  • beat sagt:

    Warum unterstellt die Frau dem Mann ein Problem mit Begriffen? Hat der Papi die Kinderaufsicht, so ist der Papitag informativer für alle.

    • Nadine sagt:

      Tönt auf jedefall schöner als ‚aufsicht‘ (gefängnisaufsicht, stationsaufsicht, wachaufsicht,.. Gibt sicher noch mehr)

  • C. Achermann sagt:

    Wir haben Papitag, Mamitag, Grositag, Horttag… Was soll da verniedlichend sein? So wissen die Kinder (und wir auch!) wenigstens, was am nächsten Tag Sache ist.

  • Christoph Bögli sagt:

    Man konstruiere einen leicht anzugreifenden da absurd-vorgestrigen Strohmann, verallgemeinere diesen zum Standard und zerlege ihn dann genüsslich – et voilà, fertig ist die billige Polemik. Dass das Ganze wenig bis nichts mit der Realität zu tun hat ist dann offensichtlich egal. Oder wie kommt die Autorin zu der Annahme, dass alle Eltern solch eine Sprachregelung hätten, wie der Text impliziert? Ich hätte jedenfalls noch nie entsprechendes gehört, schon gar nicht von der heutigen Generation junger Eltern. Da wird einfach völlig selbstverständlich sich gleichermassen um die Kinder gekümmert, entsprechend bleibt auch kein Raum, über komische Sprachregelungen zu diskutieren oder absurderweise vom „Babysitten“ der eigenen Kinder zu reden..

    • 13 sagt:

      Wo spricht denn die Autorin von „alle Eltern“, also in meinem Text steht „viele“. Damit muss nicht einmal die Mehrheit gemeint sein, sondern einfach dass das Phänomen existiert und da gebe ich ihr recht. Sie haben noch nie von einer Frau gehört: „Also, ich kann abends oder am Wochenende, da kann dann mein Mann hüten.“ oder „Mein Mann hilft mir viel mit den Kindern“ ähnliches? Wirklich?

      • Peter Zenger sagt:

        Mama- und Papatage haben wir auch, Babysitten tun weder Mama noch Papa, aber der Artikel hat trotzdem was: Ich als Papa verwende das „Hüten“, die Mama nicht. Ist mir noch nie aufgefallen (offenbar bin ich aus dem letzten Jahrhundert), ich bin jedenfalls froh um den Hinweis darauf in diesem Blog!

      • Sportpapi sagt:

        „Also, ich kann abends oder am Wochenende, da kann dann mein Mann hüten.“ Doch. Und gleichermassen umgekehrt. „Dann kann meine Frau hüten.“

      • Christoph Bögli sagt:

        „Viele“ ist aber genau eine solch subjektiv-diffuse Formulierung, die – wie der restliche Text – impliziert, dass das die Norm ist und damit quasi den Standard-Eltern entspricht. Und das völlig ohne konkrete Zahlen oder Belege, noch nicht einmal mit einem realen anekdotischen Beispiel.

        Und nein, so formuliert hätte ich das effektiv noch nie gehört. Aber liegt vermutlich auch an meinem Umfeld, ich kann mir schon vorstellen, dass es in Familien mit traditionellen Rollenmustern so gesagt wird. Aber eben, die Verallgemeinerung ist ein Schlag ins Gesicht für den Rest.

        Im übrigen, dass z.B. bei einer Feier er oder sie sagt, dass er/sie teilnehmen könne weil das andere Elternteil an dem Abend zu den Kindern schaue, höre ich von Vätern wie Müttern gleichermassen.

      • 13 sagt:

        @ Herr Bögli
        Das was Sie als „impliziert“ bezeichnen, ist Ihre persönliche Auffassung. Ich habe den Text so gelesen, wie er da steht: Es kommt vor und nicht gerade selten.
        Was das Umfeld anbelangt, habe Sie sicher nicht unrecht. Wobei mein Umfeld alles andere als traditionell ist. Im Gegenteil arbeiten ausser zwei alle Männer Teilzeit, Hausfrauen kenne ich nur als entfernte Bekannte oder Nachbarinnen, im Freundeskreis habe ich keine. Ich würde eher sagen, dass es einigen wichtig ist und sie sich darum mehr achten als andere.

  • andi por sagt:

    hab jede Woche am Mo „Papitag“ – die Mutter arbeitet dann und ich schmeisse mit meinen beiden Jungs den gesamten Tag & Haushalt. Ich empfand aber „Papitag“ aber nie als verniedlichend oder abwertend – „hüte“ allerdings auch nie die Kinder.
    1. brauchen wir den Ausdruck um z.B. Kollegen bei der Arbeit zu vermitteln, dass ich nicht aus Spass bzw. easy-going „nur“ 80% im Büro bin, sondern echte Verantwortung übernehme.
    2. können sich die Jungs (1 + 3 Jahre alt) viel konkreter etwas vorstellen, wenn ich sage: „morgen ist Papitag“, als „Papa schaut nach euch“
    Die wissen dann, morgen geht Mami arbeiten & Papa ist da.
    Ich denke, es es einzig entscheidend, wie die Eltern die gemeinsame Kinderbetreuung und die Betreuung durch den Vater taxieren. Die Namen hierfür sind unwichtig.

  • Muttis Liebling sagt:

    Die Benutzung unscharfer Begriffe, welche eine verdeckte Wertung enthalten, ist inzwischen ein Standard in der nicht nur politischen Publizistik. Klassiker sind immer noch ‚Arbeitgeber‘ und ‚Arbeitnehmer‘.

    Allerdings weist allein die Existenz solcher Begriffe auf ein real existierendes Spannungsfeld hin. Das Nichtäquivalenz der Vater- und der Mutter- und der sozialen Mann-, Fraurollen ist in der Schweiz eben deutlich stärker ausgeprägt, als z.B. in Deutschland oder den anderen westeuropäischen Staaten.

  • 13 sagt:

    Den Papitag gibt es bei uns, wie auch den Mamitag. Das empfinde ich als wertfrei und bezeichnet einfach den, der an dem Tag die Hausarbeit macht. Den Rest kann ich zu 100% unterschreiben. Ich höre es sehr oft: „Oh, Du bist ohne Kinder unterwegs. Hat Papi Hüetidienst?“ Wie bitte? Oder noch viel öfters: „Hilft Dein Mann Dir mit den Kindern/ dem Haushalt?“ Ein furchtbarer Ausdruck. Wenn aber nun viele schreiben, sie kennen das nicht, stimmt mich das sehr positiv!

  • Koller sagt:

    Bei uns gibt es Papitage, nur wo ist das Problem? Ist auch gut dass unser Kind verschiedene Lebensaufassungen kennen lernt. Wie öde wäre es wenn der Papi wie die Mama ist? Mama hebt nie das Kind an den Beinen hoch, wie es unsere Tochtet liebt.

  • workingMami sagt:

    Also bei uns gibt es einen Mamatag, Papatag und einen MamaPapatag. Weder hat der eine etwas mit Babysitting zu tun noch ist der andere ist spezieller – ausser natuerlich unser einziger Familientag, von dem es viel zu wenige gibt! So ist leider die Realität wenn beide Vollzeit arbeiten. Die 3 Ausdrücke tönen schon ein bisschen doof aber es war das Einfachste was uns dazumal in den Sinn kam. Der Trick ist einfach jede Minute mit Kinder und Familie zu geniessen!

    • Papperlapapi sagt:

      Bei uns gibts einen Papitag, zwei Mamitage, einen Grossmamitag und einen Tattatag. Die Begriffe sind wertneutral und umschreiben lediglich wer (an den Werktagen) zuhause ist. Hüten und babysitten tue ich nicht, das hat mir auch noch nie jemand unterstellt. Ich sage jeweils, am Mitwoch sei ich Hausmann. Gefragt werde ich z.B.: Gell, am Mittwoch bist Du zuhause?

    • CeDe sagt:

      Bei uns gibt es auch Papitag, Mamitag, Chrippe-/Horttag und Wochenende ;-). Das beschreibt – hauptsächlich für die Kinder – wer zu Hause ist, bzw. wo sie betreut werden.

      Babysitten und hüten käme mir auch komisch vor…

  • Sarah sagt:

    In meinem Umfeld kenne ich das auch nicht und meine Kinder sind schon etwas grösser (10,12,14) Wir sagen höchstens noch Papi und Mamiwochenende, damit klar ist, bei wem sie sind und wer dann versntwortlich ist. Der Vater hütet ja die Kinder auch nicht, sondern gibt sich mit ihnen ab. Ein Papitag ist für mich, wenn der Vater mit dem Kind sich ganz auf das Kind speziell einlässt und es nur mit dem Papi eine spezielle Aktivität ausführt. Der Vater meiner Kinder hat aber schon immer auch zu Hause mitgeholfen wir haben uns die Arbeiten einfach geteilt. In einer Familie hat halt jeder seine Kernaufgaben, die er macht, bei uns ist es auch heute noch so, dass ich sie für sie Schule abfrage und er geht mit ihnen Fussballspielen, je nachdem was wer lieber macht und besser kann. Eltern sind beide!

  • mascha sagt:

    …ein irrelevanter Beitrag, der komplett an der Realität vieler Familien vorbeigeht…

  • Fabiola sagt:

    Doch, das kenne ich wirklich von meinem Umfeld (Freunde und auch Familie). Die Papis werden oft gelobt für Ihren Einsatz, wenn sie zu den Kindern schauen (hüten), wenn das Mami arbeitet.. Mein Mann schaut oft zu den Kindern wenn ich arbeite und ist auch 1-2 Abende alleine mit den Kids. Er nennt das auch „hüten“, obwohl das für Ihn eigentlich Routine ist und dazu gehört. Ich habe mich auch immer an diesem Ausdruck gestört und es ihm auch immer wieder gesagt. 😉 Er sei schliesslich der Papi und hüten tun nur die Omas etc…

  • Rosa Grün sagt:

    Wer redet so? Die, die so reden sind selber schuld. Ich würde sagen: „DEr Vater ist mit den Kindern“ oder „die Kinder sind bei/mit ihrem Vater“

  • Lina sagt:

    Das sieht in meinem Umfeld definitiv anders aus, von den Vätern tönt ähnlich wie bei Ladybird, auch sie „haben die Kinder.“
    Ein Babysitter hingegen ist in meinem Verständnis eine Person, der man vor dem Weggehen noch ein Briefing gibt, der man Schöggeli hinstellt, mehrfach dankt und/oder einen Lohn bezahlt. Schade für alle Paare, die solch ein Arrangement auch als Paar leben (müssen).

  • Ladybird sagt:

    Ist dem wirklich so? In meinem Umfeld kenne ich niemanden, der beim leiblichen Vater von „babysitten“ spricht. Sondern es werden die genau gleichen Begriffe übernommen wie bei der Mutter. Nämlich genauso wie oben für die Mutter beschrieben: Der Vater „isch für d’Chind da“, „er luegt dänn für d’Chind“ oder „er häd sie dänn“ oder „sie sind dänn bi ihm“ bei getrenntlebenden Paaren z.B übers Wochenende. Also immer ist damit auch seine (Mit)Verantwortung als Elternteil miteingeschlossen. Ok, manchmal gibt es auch einen speziellen „Papitag“, nämlich in dem Sinn, dass die Kinder sich eine Unternehmung bzw. etwas ganz Besonderes mit ihm wünschen dürfen. Etwas, das das Mami eben gerade nicht macht…… nach dem Motto „Abenteuertag pur“ halt!

  • Carl sagt:

    in welchem Jahrzehnt lebt die Autorin? So ein Quatsch, in meinem Bekanntenkreis redet niemand mehr von Papitag etc., das gemeinsame Betreuen ist ganz normale Realität.
    Hauptsache wieder mal so ein Gutmenschenblog….

    • Thomas Mayer sagt:

      @Carl: Bitte überlegen Sie vor dem Schreiben woher das Wort „Gutmensch“ kommt. In welchem Jahrzehnt leben Sie?

      • Anne sagt:

        Danke Thomas Mayer, ich wollte gerade einen ähnlichen Kommentar zu „Gutmensch“ loswerden. Was, Carl, ist schlimm daran, ein guter Mensch zu sein?
        Was mich stört, ist eher die Grundeinstellung vieler Männer (und natürlich auch Frauen) zum Thema Kinderbetreuung allgemein. Noch immer reduzieren sehr wenige Schweizer Männer ihr Pensum, wenn sie Väter werden (Tendenz leicht steigend). Das bedeutet: Es gibt für viele gar keinen „Papitag“, sondern nur „Mamitage“. Schauen Sie sich die Statistik mal an (2013 arbeiteten nur 9,2% aller Väter mit Kleinkindern unter 90%). Für mich sind das Verhaltensweisen aus dem letzten Jahrhundert.

      • Muttis Liebling sagt:

        ‚Gutmensch‘ ist just heute zum Unwort des Jahres 2015 gewählt worden, u.a. weil es eben nicht ‚guter Mensch‘ meint.

    • Blog-Redaktion sagt:

      @Carl. Sie sind ja lustig. Ich lebe in einem urbanen Umfeld und beschreibe die Beobachtung, die ich mache – und die entspricht dem Text. Gabriela Braun

      • Laurence sagt:

        Ich (48) höre das 2016 ebenfalls nach wie vor oft im beruflichem Umfeld. Klassiker ist der Mann der genau um diesen (Papi-)Tag sein Pensum reduziert hat.

  • Hans Hintermeier sagt:

    Stimmt, ich würde mir auch komisch vorkommen, wenn jemand sagt, ich würde meine Kinder „babysitten“. Es kommt wahrscheinlich aber auch darauf an, wie selbstverständlich es ist, dass man als Vater für seine Kinder da ist.

    • Simone sagt:

      ich habe eine Bekannte, die sagt:“ da kann ich nicht, da hüte ich“ ( es geht um ihre eigenen Kinder) und eine andere Frau spricht vom Mama-Tag,
      vom Papa-Tag und von den Krippen-Tagen.. ich nehme das jeweils befremdend zu Kenntnis und spreche anders.

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