Warum Männer nicht miteinander reden

Männer brauchen keinen Small Talk, um über Kinder zu reden. Männer pokern (Szene aus «James Bond – Casino Royale»). Foto: Sony Pictures

Ding, dong, Besuch ist da! Die Kinder stürmen jubelnd zur Tür. Nur um sich dort an die Jeans der Eltern zu klammern. Bis das Eis gebrochen ist. Danach sieht man sie nur noch vereinzelt. Entweder tobend, blutend, weinend oder in einer Kombination davon zu Mama rennen. Oder wenn kindergerechte Basisnahrung aufgetischt wird. Kuchen zum Beispiel. Ansonsten beschäftigt sich der Nachwuchs die nächsten Stunden eingehend mit sich selbst. Und der gründlichen Verwüstung zuvor mühselig hergestellter Ordnung.

Bei den Eltern startet die Veranstaltung mit «Ja, wir haben es gut gefunden», «Nein, es hatte keinen Verkehr. Hier ein kleines Geschenk und danke für die Einladung». Als erstes Highlight folgt eine Wohnungsbesichtigung. Falls der Besuch Premiere feiert. Oder schon länger nicht mehr die Zeit fand. Die Führung endet in der guten Stube, die aussieht wie auf der Frontseite von «Schöner Wohnen», ausnahmsweise. «Schön habt ihrs hier!»

Beim selbst gemachten Apérogebäck (oder Migros Sélction, man hat sich nicht lumpen lassen) formieren sich Gesprächsgruppen und Themen. Es sind immer dieselben. Die Mütter finden sofort zu den kleinsten gemeinsamen Nennern: den Kindern. «Unsere Kleine schläft seit Wochen nicht mehr durch! Und die Grosse teilt uns jetzt Arschloch aus, seit sie im Kindergarten ist!» – «Ah, ja, unsere schlafen beide durch bis 9 Uhr. Und gestern hat der Grosse zum ersten Mal bla, bla, bla und bla, bla, bla.» Je nach Kindesalter tauschen sich die Frauen aus über Entbindung, Stillprobleme, Krippe, Einschulung, Erziehung – die Themen gehen einfach nie aus (siehe Mamablog).

Das Ganze hört sich an wie Radio. In Stereo. Zwei parallel laufende Monologe. Die Mütter erzählen sich gegenseitig, wie sie was machen. Sehr ausführlich, detailliert und persönlich. Gewertet wird dabei nicht. Respektive erst, wenn der Besuch gegangen ist. Dann aber schonungslos.

Ausgelassen wird eigentlich nur das Thema Männer. Weil die auch da sind. Und die stehen mittlerweile etwas abseits mit je einem Bier in der Hand. Und fragen sich zunächst mal gegenseitig, wie es im Job laufe. Weiter geht es mit Ferien, Fussball, Ferrari, iOS, Android, Roger Federer oder dem Weltgeschehen. Die Kinder kommen sporadisch auch zur Sprache. Diese Gespräche vertiefen sich aber nur selten. Sie bleiben fast immer auf der Erlebnisebene (ich komme gleich dazu). Oder werden mit witzigen Bemerkungen jeglicher Tiefe beraubt.

Das ändert sich auch nicht, wenn Männer unter sich sind. Mann zeigt Fotos. Mann ist stolz. Mann klopft frisch gebackenen Vätern auf die Schultern. «Hast du es auch geschafft!» Väter reden über ihre Sprösslinge im Abenteuermodus. Sie berichten von ihren eigenen Erlebnissen mit den Kindern. Und von Meilensteinen. Kann gehen, kann reden, kann kacken. Haha. Dass Kinder und Familie zum alles dominierenden Thema avancieren, habe ich noch nie erlebt.

Warum ist das so? Zu bereden gäbe es genug. Die Vaterschaft steht im Flutlicht der Gesellschaft. Die Medien titeln da und dort über den neuen Mann, der angeblich in der Krise steckt, der im Zweifrontenkrieg zwischen Job und Familie niedergemäht wird.

Interessiert das schlicht und einfach nicht? Oder liegt es daran, dass die meisten Männer generell ungern über persönliche Probleme reden und diese lieber selber lösen wollen? Oder weil sie die Auseinandersetzung mit Erziehung, Ernährung und Einschulung nur am Rande betrifft, da sie die Problemlösung an die Mütter delegiert haben? Warum werden solche Themen nur in den Väter-Foren der Birkenstock-Fraktion diskutiert (immerhin da)? Weil es uncool ist? Weil es Wichtigeres gibt?

Dass sich die Väter der Themen der Elternschaft auf gleiche Art und Weise wie die Mütter annehmen, wird nicht passieren. Weil sie keine Mütter sind. Sie regeln das wie Männer. Sie gehen bowlen. Oder pokern. Und das ist gut so. Mann kann auch mit zwei Assen in der Hand darüber diskutieren, ob man Nuschelis bei 60 oder 90 Grad wäscht. All in!

146 Kommentare zu «Warum Männer nicht miteinander reden»

  • Michael sagt:

    Gähn – hier wird zum tausendsten Mal abgehandelt, das Männer und Frauen deutlich unterschiedlich sind. Das gilt für die Interessen sowie in der gleichgeschlechtlichen Kommunikation. Für uns Männer reicht eben meistens die Antwort – gut – auf die Frage – wie geht’s ! Was dann noch im Detail wichtig sein könnte, wie Fussball, Ehe, Autos, Kinder, Arbeit, Motorrad, Musik kommt vielleicht danach, muss aber nicht. Begreift das endlich.

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