Wenn der Siebenjährige ein Sixpack will

(Flickr/Dennis Brekke)

Von gesundem Znüni bis «dickem Bauch»: Ernährung ist schon für die Kleinen ein grosses Thema. (Flickr/Dennis Brekke)

Der Wecker hat nicht geklingelt! Viel zu spät stürme ich ins Bad, knurre schlaftrunken, weil an eine morgendliche Meditation nicht mal zu denken ist und bin froh, unter dem Haarknäuel wenigstens ein (mein?) Gesicht zu erkennen. Und zack, springt auch schon die Türe auf und zwei Füsschen tapsen hinein. Ich stöhne innerlich. Ja, wenn mir am Morgen meine heiligen 30 Minuten abhandenkommen und sich meine energetischen Einzelteile noch nicht zusammengefügt haben, fällt es mir schwer, mich gleichzeitig auf andere Lebewesen einzulassen.

Natürlich ist es genau an einem solchen, seltenen Morgen, als die Kinderfüsse ein bereits plapperndes Mundwerk mitbringen: «Mami?» – (durchatmen) «Guten Morgen mein Schatz!» – «Ich möchte heute Cornflakes zum Frühstück.» – (Wasser ins Gesicht spritzen.) «Kein Problem!» – «Ohne Schokopulver.» – (Pyjama in die Ecke pfeffern) «In Ordnung.» – «Ohne Zucker.» – «Prima.» – «Und haben wir diese Milch, wo eine Null drauf steht?» – Stopp! Hä? Meine letzte Hirnzelle entscheidet, wach zu werden: «Du meinst die Null-Prozent-Fett-Milch?» – «Ja.» – «Die haben wir nicht. Sag mal, woher kennst du die überhaupt?»

Erst in diesem Moment sehe ich sie: Die hängenden Mundwinkel und traurigen Augen meines Siebenjährigen. «Hey, was ist denn mit dir los?», ich streiche ihm über die Wange. «Und woher kennst du diese Milch? Seit wann magst du Cornflakes? Erst recht ohne Zusätze?» Die Staumauer bricht und ein Meer aus Tränen ergiesst sich über meine noch nackte Schulter: «Ich will unbedingt ein Sixpack haben! Unbedingt! Und mein Freund sagt, mein Bauch sei viel zu dick dafür und ich müsse Cornflakes essen!» Schock. Mein Kopf ist leergefegt. Oder haben sich meine Hirnzellen wieder für den komatösen Schlaf entschieden? Die Pause und mein entsetztes Gesicht kommentiert meine Zehnjährige mit den Worten: «Aber Mami, du sagst ja auch, Müsli sei besser als ein Nutellabrot.» Bääm. Meine aufgrund der Hetze nicht vorhandene Mitte verabschiedet sich komplett.

Stattdessen melden sich – gestatten – Frau Schuldgefühle und Herr Panikmacher, die mich den ganzen Morgen munter zutexten: «DU hast deinen Kindern gesagt, dass ungesunde Ernährung krank und dick macht.» – «DU hast dieses Thema auf den Tisch gebracht.» – «DU förderst damit Essstörungen.» – «Auch DU kümmerst dich um deine Bikinifigur und lebst es vor.» – «DU…» «Ruhe jetzt!» Nach dem zweiten Kaffee übernimmt gottlob meine Seele wieder das Kommando: Ja, wir versuchen unseren Kindern eine gesunde Ernährung nahezubringen.

Unterstützend wirkte dabei das Realienthema unserer Grossen, als sie vor einem Jahr die Ernährungspyramide genaustens studiert und daheim besprochen hat. Seither wissen beide, welche Lebensmittel wichtig und welche überflüssig sind. Und auch, dass ich das wortwörtlich grösste Gewicht auf das individuelle Bauch- und Sättigungsgefühl lege und Sport (der Spass macht!) sowie stilles Wasser als Lebenselixier erachte. Dennoch: Seit ein paar Jahren hat das Thema Sixpack in unserem Bekanntenkreis deutlich zugenommen. Plötzlich reden Göttis, Onkel und Freunde über Ernährung, verzichten auf Dessert oder Bierchen und präsentieren am See ihre gestählten Oberkörper. Das ging an unserem Sohn definitiv nicht vorbei. Von den Frauen gar nicht zu reden: Dass wir Diät halten und über Mehrkilos reden, ist völlig normal. Selbstverständlich realisieren das unsere Töchter.

So erfahre ich an unserem langen Folgegespräch am Nachmittag auch, dass eine Schulkameradin unserer Tochter regelmässig das T-Shirt hochzieht und ihren Bauch mit den Worten «Schau mal, wie dünn ich bin» kommentiert. Hochkonjunktur hat im Freundeskreis unseres Sohnes derzeit der Kraftraum eines Vaters: Hier spielen die Jungs, sie seien erfolgreiche Muskelprotze. Gerade jetzt im Januar scheint das Figurthema omnipräsent.

Ich muss der Tatsache ins Auge schauen und gebe zu: Ich habe das Thema in diesem Alter total unterschätzt! Sicher braucht es die Ernährungsaufklärung. Doch viel wichtiger und kraftvoller sollte die Selbstwertstärkung sein. Und zwar aus vollem Herzen: Das Stärken und Wertschätzen der inneren Eigenschaften im Gegenzug zu den äusseren. Das Lernen beziehungsweise Vorleben, sich selber so anzunehmen, wie man ist. Eine wunderbare Übung dafür ist: Stellen Sie sich täglich mit Ihrem Kind vor den Spiegel, schauen Sie sich an und sagen: «Ich bin wunderschön, genau so, wie ich bin.» Das heilt nicht nur Kinder.

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* Martina Marti ist freie Journalistin und Psychosoziale Beraterin in eigener Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, www.martinamarti.ch. Sie lebt mit ihrem Mann und den gemeinsamen Kindern (Jg. 06 und 09) in der Nähe von Zürich.

91 Kommentare zu «Wenn der Siebenjährige ein Sixpack will»

  • Muttis Liebling sagt:

    Zu den unergründlichen Tiefen der menschliche Psyche gehört die Tatsache, dass Themenaffinität und Themenwissen häufig indirekt proportional sind. Spitzenreiter sind Politik und Gesundheit. Jeder meint mitreden zu dürfen, aber bei 99.99% aller Zeitgenossen sind nicht mal Grundkenntnisse vorhanden.

    ‚Sicher braucht es die Ernährungsaufklärung‘, aber dafür gibt es ein Studium. Von Trivialwissen abgesehen, ist mit gesundem Menschenverstand, Ratgeber- oder Zeitschriftenlektüre nichts zu machen. Eine einfache Regel wird im Blog bereits verletzt. Nahrungsmittel, welche mehr als einen industriellen Veredelungsschritt hinter sich haben, lässt man weg. Cornflakes oder fettarme Milchprodukte gehören in die Biotonne, nicht in den menschlichen Magen.

  • Hans Hintermeier sagt:

    Der Artikel stimmt mich nachdenklich. Selbstvertrauen stärken ist sicherlich zentral, ich sehe aber das Problem auch noch woanders verortet. In unserer individualistischen Gesellschaft ist jeder extrem auf sich selbst zurückgeworfen, jeder muss etwas Spezielles sein, muss herausstechen, das erzeugt einen grossen Druck. Leider wird dies in unserer konsumorientierten und oberflächlichen Gesellschaft nur über das äussere Erscheinungsbild versucht. Dies ist nun so offensichtlich geworden, dass es nun sogar schon Kindern auffällt, respektive sie sich davon anstecken lassen.

    • Hans Hintermeier sagt:

      Wenn innere Inhalte fehlen, ist es auch schwierig ein Selbstvertrauen aufzubauen. An etwas muss man sich ja festhalten und wenn es sonst nichts gibt, dann muss man halt einen Körperkult zelebrieren. „Das Wissen um eine Lebensaufgabe hat einen eminent […] psychohygienischen Wert. Wer um einen Sinn seines Lebens weiß, dem verhilft dieses Bewußtsein mehr als alles andere dazu, äußere Schwierigkeiten und innere Beschwerden zu überwinden.“ Viktor Frankl

      • Carolina sagt:

        HH: Gefällt mir, was Sie geschrieben haben. Ich glaube auch, dass wir manchmal in Gefahr sind, ein angebliches ‚Recht auf Glück‘, auf Nicht-belästigt-werden-mit-unangenehmen-Themen, auf eine umfassende Schonhaltung dem Einzelnen gegenüber verwechseln mit wirklichem Leben; mit einer Sinnsuche, die extrem schmerzhaft sein kann; mit einem Leben, das uns früher oder später alle kalt erwischt, in welcher Form auch immer.
        Wenn man das mal erfahren hat, kann man über den heutigen Körperkult eigentlich nur lachen – er ist angesichts der Dinge, die auf uns alle zukommen, lächerlich und wird uns in keiner Weise befähigen, mit dem Leben umzugehen. Er ist nur Zeitvertreib und Oberflächlichkeit. Leider leiden Kinder darunter – und es ist extrem schwierig, sie aus dieser Spirale herauszuholen.

    • Sportpapi sagt:

      Bezüglich Körpergewicht sind die meisten doch froh, nichts Spezielles zu sein…

      • Hans Hintermeier sagt:

        Habe nicht das Gewicht gemeint, sondern die Fixiertheit auf einen Sixpack.

  • Sportpapi sagt:

    Muss man gleich von Figurwahn sprechen, wenn das Kind mit einer versponnenen Idee heimkommt?
    Auf der anderen Seite ist klar: Was wir vorleben, nehmen die Kinder auf. Und das ist ja nicht nur negativ. Auch meine Jungs zeigen gerne ihren (nicht vorhandenen) Bizeps. Und möchten gerne mitmachen, wenn der Älteste ein paar Kraftübungen macht. Und bei der Ernährung sind wir ja auch achtsam, wenn auch alles andere als vorbildlich.

  • Kristina sagt:

    Nachdem die Primarlehrkraft im Plenum jeden Schüler einzeln auf die Waage gestellt hatte funktionierte das mit dem Spiegel nicht mehr. Minderwertigkeitskomplex erfolgreich angelegt.
    Sport und Körpergefühl (Musik und Tanz) wirken dagegen.

    • Mamivon4 sagt:

      so erging es unserer ältesten Tochter damals auch. Sie haben alle Kinder gewogen, dass war, glaube ich, im Rahmen von einem Mathethema, aber die Auswirkungen darüber enorm. Die etwas schwereren wurden ausgelacht, ungeachtet dessen, welche Grösse sie dazu hatten. Es war extrem schlimm!

      • tststs sagt:

        Gibt es diese Schuluntersuchungen (ich glaube im 1., 5. und 8. Schuljahr) nicht mehr? Da wurden wir auch vor einander vermessen und getestet…

        Und bevor man mir jetzt eine gewisse Unsensibilität vorwirft: in der 8. Klasse hatte bei mir der Pubertätsspeck voll zugeschlagen und mir war der Gang auf die Waage vor allen auch unangenehm. Aaaber irgendwie hatte ich wohl einfach die netteren Mitschüler: Ich habe sie gebeten, nicht so genau hinzuschauen, da ich mich ein wenig schäme und sofort kamen die aufmunternden Worte!
        (Mir ist schon klar, dass nicht alle Kinder/Jugendlichen immer sooo nett sind, aber es sind auch nicht alle gefühlslose Spotter…)

      • Sportpapi sagt:

        Oh, diese lieben Mitschüler. Da weist man sie schon auf das Problem hin, und sie nehmen es dann sogar wie gewünscht gar nicht zur Kenntnis. Jetzt mal ernsthaft: Ist denn für Leute, die Sie täglich sehen, das Resultat der Waage wirklich so überraschend?

      • tststs sagt:

        3xdurchgelesen, Frage immer noch nicht verstanden. „Ist denn für Leute, die Sie täglich sehen, das Resultat der Waage wirklich so überraschend?“ Also, wenn die Leute selber auf die Waage stehen? Oder wenn sie bei mir zuschauen…Hilfio?!? 🙂

      • Sportpapi sagt:

        Ich sehe nicht, weshalb der Gang auf die Waage vor den Schulkolleginnen schwierig sein soll. Dies wissen doch genau, wer sportlich und/oder mehr oder weniger übergewichtig ist. Wenn schon erbringt die Waage eher eine positive Überraschung.

      • tststs sagt:

        Natürlich stimme ich Ihnen zu, ist nicht so schlimm; wenn Kinder auslachen wollen, dann finden sie immer einen Grund.
        Aaaaber, wir sind dann doch alles auch nur Menschen, mit einer menschlichen Psyche (die gerade in der Pubertät sehr wankelmütig ist), und niemand steht gerne abseits der Norm. Ich war halt das schwerste von allen Mädchen. Und da ich selber keine Ahnung hatte, welche Zahl mich erwartete (wir hatten keine Personenwaage zuhause), war ich dann doch verunsichert.
        Andererseits hatte ich natürlich Glück, dass ich zu so viel Selbstbewusstsein erzogen wurde, dass ich dies dann auch ansprechen konnte vor den anderen…

      • Widerspenstige sagt:

        Ein absolutes No-Go ist das Wägen vor versammelten KollegInnen – egal in welchem Kontext! Ein No-Go, ok?

      • Sportpapi sagt:

        Ich vermute gerade, mein Ältester könnte auch der Schwerste sein in der Klasse…

      • tststs sagt:

        Wobei mir gerade auffällt, wie willkürlich die menschliche Psyche ist (okee, evtl. ist es auch nur die meinige):
        So war es für mich an besagtem Messtag kein Problem, die grösste von allen Mädchen (also auch ausserhalb der Norm) zu sein…
        Und ich möchte hier nochmals betonen, dass es gerade dieses „No-Go“ war, dass meinen eigenen Blickwinkel auf mich selber positiv verändert hat (ich war unsicher und hatte diesem Ganzen einen falschen Stellenwert zugeschrieben, meine Kameraden haben das dann wieder relativiert)

      • Sportpapi sagt:

        Eben. Und ausserdem ist vermutlich auch das schon aufgefallen, bevor Sie gemessen wurden.

      • Sportpapi sagt:

        Weisst du, WS, die Leute werden nicht leichter, nur weil sie im geheimen oder noch besser gar nicht gewogen werden. Das Problem ist doch nicht das wiegen!

      • Alpöhi sagt:

        Da war doch vor Jahren der Bericht über Silvia von Ballmoos (ehemalige Fernsehansagerin) in der Ringierpresse. Kurzfassung: Sie war eines Tages dick. Alle Diäten nützten nichts. Dann sagte sie sich „schei** drauf, ich bin gut genug so wie ich bin“, und ass was Spass machte (und gesund ist). Und siehe da, übers Jahr hat sich der Umfang normalisiert. Von selber.

      • Emx sagt:

        Wiegen vor der ganzen Klasse ist etwa so, als würde man die Noten einer Klausur vor der ganzen Klasse runterlesen. Auch da könnte man wie SP argumentieren, dass die ganze Klasse ja eh schon weiss, wer wohl bei den schlechtesten sein wird. Ich würde dies als Lehrperson aus Respekt vor den Schülern nie tun, weil ich auch überzeugt bin, dass es nichts bringt. Wird jemand besser in Mathe, wenn ich der ganzen Klasse mitteile, wie schlecht er ist? Und in unserer Gesellschaft ist nun mal etwas dicker sein, nicht gleich, wie etwas grösser sein. Das ist mit sehr viel Scham etc. behaftet. Anstatt übergewichtige Kinder blosszustellen würde man doch lieber den Spass an frischen Nahrungsmitteln und Bewegung hervorheben (ohne dann direkt auf Betroffene zu zeigen)

      • Carolina sagt:

        Widerspenstige, ich stimme Ihnen vollumfänglich zu! Auch die vage Vermutung, die Betroffenen wüssten ja eh schon davon, dass sie zu dick/zu dünn/zu gross/zu klein seien, ändert nichts daran, dass es ein Recht auf Intimsphäre auch (und gerade) bei Kindern gibt – und ganz sicher gehören Gewicht, Körpergrosse und gerade das öffentliche Aushandeln vor den Mitschülern zu dieser Privatsphäre dazu.

      • Emx sagt:

        Carolina, stimmt genau. Viel treffender ausgedrückt, danke.

      • tststs sagt:

        „Weisst du, WS, die Leute werden nicht leichter, nur weil sie im geheimen oder noch besser gar nicht gewogen werden. Das Problem ist doch nicht das wiegen!“ Noch einmal, SP, ich kann Ihnen nur zustimmen; auch war in meinem Fall schon vorher klar, dass ich wohl die schwerste bin. Aber dieses „ist doch kein Problem“ geht nur, wenn man das Ganze nüchtern und sachlich betrachtet. Wenn man in der Situation drin ist – wie in meinem Fall noch im Pubertätshormonrausch – dann ist es dann doch nicht ganz so einfach.
        Eben die menschliche Psyche…hat irgendwie meist so gar keine Lust auf Vernunft…

      • Carolina sagt:

        Als ob Körpergefühl, Selbstwert, Essstörungen etc etwas mit dem Verstand zu tun hätten!
        Gerade bei Mädchen (und ich erlebe es jetzt bei meinem 9-jährigen Sohn auch wieder) ist es geradezu fahrlässig, als Eltern alles auf einer verstandesmässigen Ebene behandeln zu wollen. Meinungsbildung, Selbstwertgefühl, Akzeptanz und Respekt bilden sich dort, wo Empathie entgegengebracht wird, wo eben gerade nicht die eigenen Ansprüche und Erwartungen zu den Maximen der Erziehung gemacht werden. Zugegeben, das ist eine echte Kunst und ich bin/war auch keine Meisterin drin – aber man kann ja dazulernen und vielleicht von den eigenen einbetonierten Haltungen abweichen, nur mal so als Experiment.

      • Sportpapi sagt:

        Ich wehre mich einzig gegen dieses absolute „No go“. Keine Regel ohne sinnvolle Ausnahme. Und ich glaube auch nicht daran, dass solche Erlebnisse die viel zitierten traumatischen Folgen nach sich ziehen (beim wägen, beim wählen im Sport, beim Stangen klettern, usw.).
        Vielmehr lenkt die Diskussion um die Art des Wägens davon ab, dass viele offenbar glauben, dass Problem entstehe durch das Wägen, und nicht etwa durch a) zu viele Pfunde und b) ein schlechtes Klassenklima.

      • Sportpapi sagt:

        @Caro: Gerne mal in deinem Gebiet. Wie läuft denn das ab mit dem Selbstwertgefühl? Reicht es, negatives einfach auszublenden, nicht zu erfassen oder umzudeuten? Geht es nicht auch um Selbstwirksamkeitserfahrungen? Positive Erfahrungen, Fortschritte, die allerdings auch real passieren? Mit Samthandschuhen anpacken, oder wirklich anpacken?
        Ich habe bezüglich Sportunterricht vor kurzem ein sehr spannendes Interview gehört. Da hat eine Psychologin sinngemäss gesagt, der Schulsport würde nicht nur fast allen, sondern gar allen gefallen, wenn nur endlich diese leidigen Messungen und Wettbewerbssituationen wegfallen würden. Der Meinung bin ich gar nicht…

      • Carolina sagt:

        Ich habe nirgends ein Wort von gezwungenem Positivismus gesagt; Du weisst auch nach dieser langen Zeit, dass ich kein Anhänger von Kuschelpädagogik bin, im Gegenteil, mir ist heutzutage vieles zu sehr auf Vorsicht, auf Einschränkung, auf ständige Gefahrenhinweise bedacht.
        Da ich selber mal ein Mädchen war, das ziemlich schwere Probleme hatte; da ich dann später in meiner Praxis gesehen habe, wieviele Kinder (immer mehr auch Knaben) kein gesundes Körpergefühl entwickeln können, aus welchen Gründen auch immer; und da ich bis heute denn Sinn für ein kollektives Wiegen nicht einsehe (jeder von uns weiss, dass Kinder sich in ihrer Entwicklung nur selten an vorgegebene Percentilen halte), lehne ich dieses (wie Du weiss, auch aus eigener Erfahrung) ab.

      • Carolina sagt:

        Es würde ja auch nie jemand auf die Idee kommen, die persönlichen Verdauungsgewohnheiten öffentlich abzufragen oder den Kindern nicht separate Umkleidekabinen zuzuweisen, wenn irgend möglich.
        Sportunterricht für alle: auf jeden Fall! Wettbewerb und Sich-durchbeissen-lernen auch! Aber auch Kindern muss eine Intimsphäre zugestanden werden.
        Gegenfrage, SP: Warum ist es für Dich so unglaublich schwierig zu begreifen, dass ein Wiegen vor den Gschpänli sehr belastend sein kann (kann, wohlbemerkt! Aber warum sollte man es erzwingen?)?

      • Katharina sagt:

        was soll daran sinnvoll sein, das Gewichtwägen im Plenum zu machen?

        Eine Kabine oder mindestens ein Vorhang drumherum, wenn es sich um die schulärztliche Untersuchung handelt. Das Plenum geht das ganze nichts an.

      • Sportpapi sagt:

        „jeder von uns weiss, dass Kinder sich in ihrer Entwicklung nur selten an vorgegebene Percentilen halte“. Nein, das weiss ich eigentlich nicht. Was ich weiss ist, dass ein sehr hoher Zusammenhang zwischen dem Gewicht bei Schuleintritt (6-7jährig) und -austritt besteht, dieses sog. Tracking ist sehr ausgeprägt. Und wer bei Schuleintritt übergewichtig oder vor allem adipös ist, wird dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsener sein – meist noch viel ausgeprägter.

      • Sportpapi sagt:

        „Warum ist es für Dich so unglaublich schwierig zu begreifen, dass ein Wiegen vor den Gschpänli sehr belastend sein kann“. Caro, ich kann mir das schon vorstellen. Ebenso wie ich weiss, dass Stangenklettern und Teambildung durch wählen belastend sein können. Also gilt es das abzuwägen. Aber noch einmal: Am Grundproblem ändert es nichts, ob nun öffentlich oder gar nicht gewogen wird.

  • Norah Spring sagt:

    Der Mensch ist von Grund auf sehr unsicher (der Überlebenskampf hat seine Spuren hinterlassen). Dazugehören, sich von der Gesellschaft oder einer höheren Macht getragen zu wissen ist wichtig. Und da wir uns nun so kritisch vom Dogma der Kirche abgelöst haben, unterwerfen wir uns freudig den Dogmen der Fitnessindustrie, die übrigens aus dem ach-so-oft kritisierten Amerika kommt.
    Aber Hollywood machts vor und der Rest der Welt folgt. Plötzlich wollen alle wie kalifornische Models aussehen, und den Körper eines Spartaners besitzen um sich gegen die Widrigkeiten des harten Lebens behaupten zu können. Aber mal ganz ehrlich, Bewegung und gute Ernährung sich wichtig, aber ein Sixpack, Grösse 0, Jugendwahn machen weder einen besseren Mitmenschen noch schützen sie vor einer Demenz.

  • Mia Mia sagt:

    Mich wundert dieses Verhalten (im Artikel beschriebene) überhaupt nicht. Mein 4-jähriges Kind darf im Chindsgi keine Geburtstage mehr feiern, weil das zu viel Süsses sei. Dabei haben sie die Geburtstage bereits gruppiert, sodass eben nicht 3-4x pro Monat ein Kuchen daherkommt.
    Als er mal kein Frühstück essen wollte wegen zu müde, hab ich ihm ein winziges Choggichäferli neben seinem Apfel mitgegeben. Welches prompt verboten wurde. Da werden die Kleinsten schon voll auf das Thema gedrillt. Klar geht es nicht wenn täglich Chips und Mars und Snickers als Znüni kommen, aber mal ehrlich, sind es nicht die Ausnahmen die solche Dinge noch mitgeben? Muss man wirklich so extrem alles verbieten, selbst die Banane wurde ihm schon als schlecht erklärt…

    • Mamivon4 sagt:

      hier gehts aber primär darum, dass die Süssen Sachen wegen den Zähnen verboten werden und nicht wegen der Diät…

      • Rosa Grün sagt:

        Was hat sich der Kindergarten da einzumischen?

      • Realistin sagt:

        Äpfel und sonstige Früchte sind genauso „schädlich“ für die Zähne wie ein Stück Schoggi. Bei den Früchten kommt nicht nur der (Frucht-)Zucker ins Spiel sondern auch noch die für Zähne aggresive Säure.

    • Widerspenstige sagt:

      Ja, das kommt halt eben davon, dass wir keine nationalen Regeln kennen im Schulwesen. Da wehrt sich ja jeder Kanton, was sage ich da, jeder Kindergarten pro Dorf wehrt sich für den eigenen z’Nüniböxliinhalt (sehr empfehlenswert die Realsatire von Nadia Meier zu diesem Thema hier im MB….hihi).

      Aber auch das geht nur so ein bis zwei Jahre für geplagte Eltern und zu Hause regiert dann Anarchie deswegen im Essplan… Wir freien Schweizer wollen uns doch von gar niemandem Vorschriften aufbrummen lassen…..nur bei Abstimmungen stehen wir stramm und machen genau das, was von oben befohlen wird oder gehen einfach nicht abstimmen.

      • Sportpapi sagt:

        Wie kommst du darauf, dass nationale Regeln anders wären? Die wären vermutlich noch stärker städtisch geprägt und strikter.

      • Katharina sagt:

        Ach, dazu fällt mir nur die ‚First Lady‘ ein, in Anlehnung an Potus Flotus genannt.

        Da gab es diversen bürokratischen Nonsense wegen verbotener Bananen und so und jemand, der ihrem Kind ein Reeses in die Znünibox mitgab, wurde vor den Schoolprincipal zitiert.

        Mittlerweile ist bekannt, dass der Hintern der FLOTUS genauso ausladend floppt wie solche Nationalen Ernährungsertüchtigungsprogramme ™

        Chlorhühner waren da übrigens nie verboten.

        In der Schweiz müssten wohl Speckrösti mit Ei, Fondue und andere ungesunde Sachen verboten werden. Ganz schlimm, drum sind die dort ja alle übergewichtig. Aber die Waadtländer wüsten das zu verhindern, neben den Bernern. (Ironie).

  • tststs sagt:

    „Eine wunderbare Übung dafür ist: Stellen Sie sich täglich mit Ihrem Kind vor den Spiegel, schauen Sie sich an und sagen: «Ich bin wunderschön, genau so, wie ich bin.»“
    Sorry, es ist am Morgen früh, deshalb in aller Härte: Was für eine BS-Idee. Einerseits schreibt die Autorin ja selber, dass das Thema schon viel zu omnipräsent im Leben der Kinder ist, und anstatt jetzt dort eine Diät zu verordnen, was macht man? Man macht das eigene Spiegelbild zum täglichen Anker (Narziss lässt grüssen).
    Tststs, da kann ich nur den Kopf schütteln….

  • Mamivon4 sagt:

    Ich denke, wenn das Thema Gewicht, Aussehen, Diät im Alltag und der Familie dauernd (oder immer wieder) angesprochen wird, sind die Kinder automatisch „dabei“. Meine Meinung, damit das Ganze ein normales und natürliches Verhältnis hat, sollten die Eltern solche Dinge nicht zum Thema machen und den Kindern ein gesundes Leben vorleben…ohne grosse Diskussionen darüber.
    Und das mit dem: jeden Tag mit dem Kind gemeinsam vor den Spiegel stehen, finde ich ein bisschen absurd. Sorry. Irgendwie wird so die Thematik immer wieder aufgelebt….

    • tststs sagt:

      Würde ich genauso unterschreiben.
      Auch bei uns gab es gewisse Dinge nicht, z.B. gezuckerte Süssgetränke. Was es jedoch nicht gab, waren ellenlange Erklärungen von meiner Mutter, wieso es dieses oder jenes bei uns nicht gab; es war halt einfach so. Punkt.

      • Sportpapi sagt:

        Interessant. Also bei uns zu Hause wurde viel diskutiert.

      • tststs sagt:

        @SP: Ich glaube, mein Mantra hängt den Leuten langsam zum Halse raus, aber trotzdem noch einmal: Im Kindesalter gelten Regeln, die die Eltern aufgestellt haben; und sie gelten deshalb, WEIL die Eltern (Autorität) sie aufgestellt haben, nicht weil eine diskussionswürdige Begründung nachgeliefert wurde. Dies verlangt eine gewisse Denkensreife, die Kindern noch nicht gegeben ist. Deshalb ist IMHO diskutieren über Regeln zuhause und deren Herleitung (nicht diskutieren per se) in einem gewissen Alter alles andere als kindsgerecht.

      • Sportpapi sagt:

        @tststs: Das ist völlig richtig. Allerdings beginnt es schon sehr früh – vor dem Schulalter – dass Kinder anfangen, zu hinterfragen. Und in der Lage sind, Begründungen auf Stichhaltigkeit zu prüfen. Ausserdem: auch wenn sie die Argumente nicht verstehen, ist es doch sinnvoll, Argumente für Gebote und Verbote zu haben – und diese auch mal zu hinterfragen.

    • tina sagt:

      hihi ja das dachte ich mir auch Mamivon4. ich hätte mich ja bedankt, wenn meine mutter mir so gekommen wäre. und meine söhne bräuchten es glaubs auch nicht so ;-). aber ich sage ihnen mehrmals wöchentlich, dass sie gut aussehen. allerdings fände ich blöd, wenn man öfter das aussehen anspricht anstatt andere positive eigenschaften oder verhaltensweisen zu betonen

    • Katharina sagt:

      ‚sind die Kinder automatisch „dabei“ … sollten die Eltern solche Dinge nicht zum Thema machen‘

      in Anlehnung an gestern: Die Kids tauschen sich via Whatsapp aus und tauschen da auch Selfies aus. Im angeberischen Modus.

      Es braucht also nicht die Eltern, damit das Thema auf den Tisch kommt und das Bedürfnis nach Doktor Nip and Tuck geweckt wird.

      Abhilfe? Jocelyn Wildenstein vielleicht.

  • Heidi K. sagt:

    Es ist schade, dass wir so auf das Äussere fixiert sind. Innere Werte spielen keine Rolle mehr. Das sollte sich schleunigst ändern und wir alle sollten auch toleranter sein gegenüber Menschen, die nicht unserem Schönheitsideal entsprechen. Wer sagt denn, dass schlank wirklich schön ist? Vor nicht wenigen Jahrzehnten waren üppige Kurven ein Must. Leider hat sich das alles auch auf unsere Kinder übertragen und ja auch meine Kids achten auf die Figur und verzichten manchmal auf Süssspeisen. Der Fehler liegt eindeutig bei meinem Mann und mir, weil wir beide eben auch eitel sind und auf unsere Körper achten mit viel Sport. Kein Wunder, dass die Kids auch so sind. Aber als neuen Vorsatz nehme ich mir nun vor, vor den Kids relaxter zu sein, damit sie sehen, dass es noch andere Dinge im Leben gibt

    • tststs sagt:

      Wieso ist das „schade“?
      Der visuelle Sinn ist nun mal beim Menschen der am stärksten ausgeprägte!
      Der Hund liegt eher dort begraben, wenn vom Äusseren Rückschlüsse auf den Charakter oder die Fähigkeiten gezogen werden.

      Und auch viel Sport zu machen ist per se keine schlechte Vorbildfunktion. Die Motivation hierfür ist entscheidend (und prägend für das Kind): macht man es, weil es Spass macht, ein Hobby/Zeitvertreib ist (so wie man z.B. ein Instrument spielt oder ein Buch liest)? Oder macht man es, weil man eitel ist, „besser“ aussehen will?
      Ersteres ist für ein Kind sicher gut (etwas mit Leidenschaft machen), zweiteres eher weniger.

  • Alpöhi sagt:

    Gretchen fragt: Wie würde die psychosoziale Beraterin mit eigener Praxis mit dem Kind umgehen?

    • Carolina sagt:

      Meinen Sie mich? 😉
      Ich habe am Anfang meiner Laufbahn sehr viel mit essgestörten Kindern zu tun gehabt – wenn es überhaupt einen roten Faden gibt, dann den, dass hinter den meisten ein Elternteil steht, der hohe Erwartungen in punkto Aussehen, Fitness etc an sich und sein Kind hat – aber nur über ein sehr geringes Selbstwertgefühl verfügt. Wenn man für sich den Sinn des Lebens meint, in Oberflächlichkeiten gefunden zu haben, überträgt man diese Haltung, gewollt oder ungewollt, auch auf das Kind. Viele sind resilient gegenüber solchen Erwartungen (wie sie auch die Anfeindungen der Klassenkameraden wegstecken können, die immer und überall vorkommen), aber manche verinnerlichen sie leider und entwickeln z.T. hochproblematische Verhaltensweisen.

      • Carolina sagt:

        Die Uebung mit dem Spiegel halte ich für kontraproduktiv: jeden Tag diesen – doch sehr gezwungenen – Fokus auf das Thema zu lenken, geht für mich genau in die oben beschriebene Richtung.
        Viel sinnvoller wäre es, in der Familie wenigstens einfach zu leben, statt ständig Sportlichkeit, gesundes Essverhalten, Diäten etc zu thematisieren.
        Dann können die Kinder auch unbefangener daheim über diese Dinge sprechen und man kann ihnen sagen, dass es immer irgendwo jemanden gibt, der angibt bzw meint, dem anderen an den Karren fahren zu müssen.
        Natürlich kann man gesund essen und Sport treiben, aber dieses immer wieder zu thematisieren und zum Lebenssinn hochzustilisieren, wird bei anfälligen Kindern dazu führen, dass sie sich wertlos, ungeliebt und nicht akzeptiert fühlen – und da fängt die

      • Carolina sagt:

        Spirale oft an – mit einem gestörten Körpergefühl, verbunden mit wenig Selbstwertgefühl (denn wer soll es einem denn vermittelt haben?) und das Schlimme ist, dass man das, anfangs zumindest, kaum bemerkt.
        Kinder sind kein Projekt, das ‚gestreamlined‘ werden muss, sie sind eigenständige Wesen, die erwarten dürfen, dass wir nicht unsere eigenen Minderwertigkeitsgefühle und Probleme auf sie übertragen. Dazu gehört ein Minimum an Kritikfähigkeit und sich ab und zu mal überlegen, ob es wirklich der Sinn des Lebens sein kann, seine Zeit mit dem ständigen Streben nach Körperoptimierung zuzubringen.

      • Alpöhi sagt:

        Eigentlich meinte ich Martina Marti.
        Aber danke für Ihre Ausführungen 😉

      • Martin Frey sagt:

        Schön dargelegt, Carolina, bin sehr einverstanden. Finden den Approach der Autorin zum Thema gelinde gesagt, etwas seltsam. Sie sollte sich wohl besser die Frage stellen, welches ihr Anteil ist an der ganzen nun manifesten Fixation auf Sixpack-Zucker-Bikinilinie-Null-Prozent-Fett-Milch-…. Respektive der ihres restlichen Umfeldes, welches ja auch wenig andere Themen zu kennen scheint. Wobei ich den ihrerseits vorgeschlagenen Lösungsweg mit dem Spiegel für wenig zielführend halte.
        Würde die Autorin gerne fragen, wo sie denkt, dass der Systemfehler liegt… Bei den Kindern?

      • Sportpapi sagt:

        Auch hier noch einmal: wo beginnen denn Oberflächlichkeiten, wo geht es um Grundhaltungen, wo vielleicht auch um Leidenschaften? Es ist ja nicht so, dass Jugendliche nur trainieren und Diäten, um gut auszusehen. Ausserdem beginnen doch diese „Äusserlichkeiten“ Bedeutung zu bekommen, wo die Mutter beginnt, auf die Kleidung der Tochter (oder des Sohnes) zu achten, sie frisiert, usw.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Für mich beginnt der Systemfehler da, wo die Mutter eine riesen Geschichte aus einer Episode macht, die der Sohn womöglich am nächsten Tag bereits wieder vergessen hat.
        Ausserdem findet ich es nicht falsch, die Familie zu einer gewissen Sportlichkeit zu erziehen, ohne darin gleich einen „Lebenssinn“ zu sehen. Aber die Familie könnte auch miteinander musizieren, beten, malen, und/oder anderes. Andererseits – was ist denn Lebenssinn?

      • Martin Frey sagt:

        Es ist sicher nicht so, dass Jugendliche nur trainieren und Diäten, um gut auszusehen. Oft aber schon, SP, gerade in Abhängigkeit vom Alter. Die Geschlechterfrage lasse ich da mal aussen vor. Wenn es aber, v.a. in sehr jungem Alter, primär darum geht, gut auszusehen um etwaig von den Erwachsenen als Gradmesser vorgegeben Werten nachzueifern, dann halte ich das für wenig zielführend und auch nicht für gesund. Denn die erst sich entwickelnde Persönlichkeit definiert sich dann über ebendiese (aufoktroyierten) Aeusserlichkeiten und generiert sich eben nicht aus sich selbst, Training und Diäten sind dannzumal nur noch Mittel zum Zweck und nicht Ausdruck eines gesunden Körperbewusstseins oder eines natürlichen Sport- und Bewegungstriebes.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Sie merken aber schon, dass es auch hier wieder Erwachsene sind, die „gesund“ und „natürlich“ als Qualitätsmerkmale vorgeben. Während ich doch einigermassen bezweifele, dass Körperideale von Jugendlichen ausschliesslich von Erwachsenen vorgegeben werden. Die Sixpacks leben die Eltern jedenfalls meistens nicht vor.
        Worauf ich hinauswollte: Mit dem neuen Trainingstrend verbunden ist auch ein Streben nach Leistung(sfähigkeit), üben, trainieren. Etwas, das gerade von Eltern und Pädagogen lange verpöhnt wurde – und schon schlägt das Pendel zurück.

      • Martin Frey sagt:

        Alle Eltern wollen, dass ihre Kinder gut aussehen. Aber die Kinder selber sollten sich nicht darüber definieren und ihren Selbstwert daraus beziehen. Schlimm genug dass dies so einige Erwachsene tun, meine ich.

      • Sportpapi sagt:

        Noch mehr möchte ich allerdings, dass meine Kinder gut sind in der Schule. Dass sie viele Freunde haben, dass sie gewisse Werte verinnerlicht haben, die uns Eltern wichtig sind. Dass der Charakter stimmt. Ja, es gibt ganz vieles, was wir Eltern und von und für unsere Kinder wünschen.

      • Martin Frey sagt:

        Sie haben mich falsch verstanden, SP. Ich bin weder gegen Sport noch Training oder Förderung jeglicher Art, sie sollte einfach gesund und im Kindesinteresse sein. Aber ich werde beim Lesen des Beitrags den Verdacht nicht ganz los, dass hier einfach mittlerweile langsam geerntet wird was von Mutter inklusive Umfeld zuvor gesät wurde.

    • Carolina sagt:

      Ansonsten stimme ich Ts oben zu: die Motivation ist das Entscheidende! Treibe ich Sport, weil ich meinen inneren Schweinehund besiegen will und mich selber und meine Grenzen kennenlernen will oder muss ich ein Sixpack haben? Bin ich versessen auf Diäten, weil ich objektiv zu fett bin oder ist es schon eine Lebenshaltung geworden, weil ich keine besseren Themen habe?
      Missioniere ich, will ich meine Kinder formen nach meinen Erwartungen? Oder versuche ich, meinen Kindern die Freiheit zu lassen, ihre eigenen Leidenschaften zu entdecken? Ist mir völlig egal was, aber alles, was mit Leidenschaft getan wird, sei es auch KRD-sammeln, ist dann ok – es zeigt, dass das Kind sich freiwillig begeistern kann für eine Sache, auch wenn sie nicht die meine ist.

      • Sportpapi sagt:

        Was sind denn „bessere Themen“? Und wer bestimmt das?
        Ausserdem geht es hier und heute ja grad nicht um missionieren, sondern um ein Kind, das aus dem Freundeskreis und/oder eigenem Antrieb ein Anliegen heimbringt, das der Mutter nicht gefällt.

  • Alpöhi sagt:

    Bei uns wird grundsätzlich das gekocht und gegessen, worauf man Lust hat. Wichtig ist: Aufhören mit Essen, wenn man satt ist. Dann erübrigen sich Diskussionen zum Gewicht.

  • Jugendinfo Zürich - JOB SHOP/INFO SHOP sagt:

    Schön geschrieben!!!

    Hier gibts Infos zum Muskeprotz!
    Materialien zum Thema für Jugendliche

  • Karl-Heinz Failenschmid sagt:

    Ich habe regelmässig mit Kindern zu tun. Kinder haben in der Regel kaum diese Probleme, ihre Eltern ja. Kinder, die nicht indoktriniert sind, spielen unvoreingenommen zusammen, sie unterscheiden nicht nach Rasse, Religion Hautfarbe etc. Die Probleme werden durch die Erwachsenen erzeugt.

    • Rosa Grün sagt:

      Doch, Kinder sind grausam, dicke Kinder haben es nicht lustig…

      • tststs sagt:

        Kinder sind nicht grausam… Kindermund tut Wahrheit kund!
        Problematisch wird’s erst, wenn das dicke Kind wegen des Dickseins ausgeschlossen wird, resp. aus dem Dicksein andere Eigenschaften abgeleitet werden.
        Ausserdem haben auch Kinder und Jugendliche besseres zu tun, als sich ständig gegenseitig zu beobachten und zu bewerten 😉

  • Katharina sagt:

    Es ist die erste Woche im neuen Jahr nach den üppigen Festtagen.

    Ein bisschen Schuldgefühle streuen und schon laufen dutzenweise Werbungen für:

    – ‚Diäten die ganz sicher wirken‘ – ich schwörs!
    – Allerlei sperrige Fitnessapparaturen

    und am wichtigsten:
    – teure Jahresverträge im Fitnessstudio de luxe, die nie benutzt werden.

    Same procedure as last year.

    • Katharina sagt:

      etwas ernster:

      Ab welchem Alter zieht eigentlich die morphologische Freiheit? Nur so, wenn der Junge sich tatsächlich ein Sixpack antrainieren will, weil er sich so wohler fühlt?

      • Sportpapi sagt:

        Ab welchem Alter kann sich ein Junge überhaupt wirklich ein Sixpack antrainieren?

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Katharina

        mir wäre vor allem wichtig dass die beanspruchte „morphologische Freiheit“ ihre Quelle nicht im, manchmal sehr versteckten und nicht so leicht fassbaren „sonst gehöre ich nicht (mehr) dazu“ hat.

        Und dass sie im gesunden Rahmen bleibt, gerade wenn es um Muskelaufbau geht- da wüssten wohl ausgebildtete Sportlehrpersonen Bescheid was ab welcher Altersstufe und in welchem Umfang Sinn macht, resp in Bezug auf den körperlichen Entwicklungsstand wird das wohl variieren.

        Tatoos und Piercings kann sich ein 7jähriger, jedenfalls hierzulande, auch nicht einfach so machen lassen.

      • Katharina sagt:

        Ab welchem Alter, SP? Ich weiss es nicht. Als Sportlehrer kannst Du das sicher beantworten. Nur: Wenn er will, sagen wir schätzungsweise beim Anfang der Pubertät, warum nicht regelmässiges Training mit dem Anpeilen von Zielen fördern, wenn das sein Wunsch ist. Nicht der dümmste Weg, das Erreichen von Zielen anzutrainieren, nicht? Natürlich langweilen sie sich in dem Alter vielleicht allzuschnell und suchen nach Neuem. Aber auch das kann eine Lebenslektion sein. Ich bin da eher offen und unverkrampft. Das Verkrampfen, sprich daraus eine rieseige ideologische Sache machen, ist, was oft abtörnt, nicht nur Pubertierende und Adoleszente.

      • Sportpapi sagt:

        Das Volksschulamt hat im Kanton Zürich gerade entschieden, dass ausgebildete Sportlehrer in der Volksschule nicht nur unnötig, sondern sogar unerwünscht sind.
        Ansonsten sind die Sportlehrer sich einig, dass ein altersgerechtes Krafttraining eigentlich schon sehr früh beginnen könnte – das äussert sich aber nicht im Sixpack, und schon gar nicht beim Bizeps, weil noch gar kein ausgesprochenes Muskelwachstum möglich ist. Sondern eher in funktionalen Verbesserungen.

      • Sportpapi sagt:

        @Katharina: Erst mit der Pubertät sind die Hormone da, die ein eigentliches Muskelwachstum ermöglichen. Aber ja, auch sonst soll man ein Kind eher nicht bremsen, wenn es sich selber Ziele setzt (und sich dabei nicht verrennt).

      • Katharina sagt:

        BS: Also ich selber befremde mich über Tattoos. Ich verstand das nie und würde es nie machen lassen. Aber als Kunstform und auch als Ausdruck morphologischer Freiheit lass ich es gelten. Zum Alter: Ich denke, wenn das Kind entscheidungsfähig ist im rechtlichen Sinn (bei uns darf ab 16 Auto gefahren werden, mit Einschränkungen), also etwa 16 und älter, ist es seine Sache.

        Piercings sind reversibel, also eigentlich unproblematischer, ausser dem hygienischen Aspekt. Aber auch da: Als Mutter habe ich kein Recht, seine morphologische Freiheit zu beeinträchtigen. das bedeutet auch, dass ich nicht ihm im Kindergartenalter ein Ohrpiercing stecken lasse, weil es in meiner Kultur dazugehöre o.ä. Wenn es mit 16 aber so was will,

      • Katharina sagt:

        …kann ich nicht nein sagen, aber sagen es muss das Geld selber auftreiben.

        Morphologische Freiheit geht weiter, als das kleine saisonale Thema des Abspeckens. Oder der bewussten Entscheidung, die eigene Üppigkeit als Asset und nicht als Mangel zu sehen. Siehe die Kardashians, die eigentlich zu üppig sind, aber ihr Aussehen ist im Latino Umfeld wirklich ein Asset 😉
        In dem Umfeld bin ich eher in der dürren, unterbemittelten Liga (das ist eine kleine Untertreibung).

        Perspektiven. Da hilft es, ausserhalb der Müsli Werbung umzuschauen und unseren Kindern das auch so zu vermitteln.

      • Katharina sagt:

        SP: ‚Das Volksschulamt hat im Kanton Zürich gerade entschieden, dass ausgebildete Sportlehrer in der Volksschule nicht nur unnötig, sondern sogar unerwünscht sind.‘ Also das verstehe ich nun gar nicht. Warum? Kosten?

        Ich denke eher, dass unausgebildete gerade beim Sport und Training verschlimmbessern, sprich falsches Training kann gerade bei Menschen im Wachstum langfristige Schäden verursachen.

      • maia sagt:

        @Sportpapi: Bei der Erfahrung, die ich mit ausgebildeten Sportlehrern gemacht habe, ist mir das ehrlich gesagt „Wurst“. Die konnten in der Regel mit Sportmuffeln oder schlechten Sportlern einfach nicht umgehen. Bei mir ist es zwar schon etwas länger her, aber was ich mir in der Mittelschule von einer „ausgebildeten Sportlehrerin“ gefallen lassen musste geht auf keine Kuhaut.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Katharina

        bezüglich Tatoos ist mir 16 entschieden zu früh, da kann sich in der persönlichen Entwicklungen noch so viel ändern und entfernt ist das nicht so schnell wie ein Ohr- oder Nasenstecker, bei Piercings ausserhalb der Ohren wäre ich ebenfalls vorsichtig; aber klar, irgendwann machen sie es dann einfach 😉

        Aber wenn es ein Tatoo sein müsste, dann wär mir äusserst wichtig dass es auch bleibt, und nicht bei einer „Unsichtbarmachaktion“ noch ihren Körper schadstoffbelastet.

        Den Entscheid bezüglich Sportlehrer (auch @Sportpapi) find ich ebenfalls kompletter Schwachsinn, jede Wette dass es dann in paar Jahren plötzlich dringend neue Präventionsprogramme geben muss weil man inzwischen was vermurkst hat…

      • Brunhild Steiner sagt:

        @maia

        unsere sind im Mittelstufenalter, und war ein paar mal sehr froh eine ausgebildete Fachkraft als Ansprechperson zu haben. Ebenfalls eher mit negativen Erfahrungen was Sportunterricht betrifft, war ich sehr erleichtert zu hören dass sich die Ausbildung, im Vergleich zu früher, sehr geändert hat, und das Meiste was mir damals Mühe gemacht hat auch als problematisch erkannt worden ist, und heute anders angegangen wird.

        Von daher finde ich diesen Entscheid, gerade aus gesundheitlicher Sicht ein Paradebeispiel für die Kurzsichtigkeit der praxisfernen, aber entscheidungsbefugten Bürobesitzern…

      • Sportpapi sagt:

        @maia: Auch wenn ich nicht von einer Erfahrung auf alle schliessen würde, so ist das möglicherweise schon ein Problem, dass Sportlehrern, denen alles im Sport immer leicht fiel, sich nicht so einfühlen können, wenn es anders geht.
        Ob es bei einem Allroundlehrer anders aussieht, weiss ich nicht. Seine Ausbildung ist aber so „bescheiden“, dass er schlicht einen Teil der im Lehrplan vorgesehenen Inhalte nicht ausreichend beherrscht – und vermutlich weglässt.

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Physiologisch unmöglich. Kinder können keinen Muskelaufbau treiben. Das einzige was geht ist Kraftkoordination und in einem beschränkten Mass Schnellkraft.

    Die Antwort ist dieselbe, wie wenn der Kleine unbedingt Ferrari fahren will: „Das ist für die Grossen und Du bist jetzt noch ein Kind“.

    Ob das Kind mit einer solchen Antwort etwas anfangen kann, hängt davon ab, ob es in der Erwachsenenwelt seinen Platz hat oder ob man es täglich in das professionell geführte Kinderghetto abschiebt, um sich im narzisstischen Selbstverwirklungswahn weiter einzuspinnen.

    Jürg Brechbühl, dailyecologist

  • gabi sagt:

    Die Kinder so früh wie möglich an einen vernünftigen Sport heran zu führen, der Spass macht, ist die klügste Möglichkeit, überhaupt nie aufs Thema Körperbau des Aussehens wegen zu sprechen zu kommen…. Und ich meine richtigen Sport, nicht Bodybuilding!
    Dann steht nämlich Spass an der Bewegung im Vordergrund. Der Homo ludens, der im Kinde, leidenschaftlicher und purer, schlicht und einfach Freude am Spielen hat und das tut, was er gerne tut.
    Dabei werden Kalorien verbrannt und Muskeln geformt. Einfach so nebenbei, ohne jede narzisstische Absicht und frei von Komplexen, die einzig durch die hypnotisierte Selbstbeschauung in die Köpfe gesunder Kinder gelangen.

  • Heidi Ulrich sagt:

    Also ich weiss nicht, aber irgndwie leben die Eltern, Familien, die solche Probleme haben, auf einem anderen Planeten als ich. Wir sind eine 6-koepfige Familie mit Kiddis von 8 bis 25 Jahren. Wir leben gesund, natuerlich und NORMAL – mehrheitlich vegetarisch. Niemand zaehlt Kalorien, niemand hat oder hatte je Uebergewicht. Die Kinder waren immer aktiv, draussen spielen und rennen etc. Die Bikinifigur ist eine normale Sache und nichts, was man sich erarbeiten muesste, sei es mit Kalorien zaehlen oder abtrainieren. Meine Kinder haben sich nie Gedanken ueber ihren Koerper gemacht und ob der wohl genuegend atlethisch oder schlank ist. Diese Themen kommen mir alle so kuenstlich vor. Diese Erde hat doch andere Probleme, viel dringendere….

  • Jenni Thomas sagt:

    Sixpack muss sein ansonsten droht Unfallgefahr. Einer meiner beiden Jungs ist im Kunstturnen Aktiv und ist mit 8 Jahren durchtrainiert und ohne ein gramm Fett am Körper. Trainiert 3 bis 5 mal in der Woche damit die Muskulatur bei den Übungen die Belastungen an den gelenken kompensieren kann. Ohne Muskeln kein Sport. Finde es absolut richtig wenn 7 jährige Muskeln wollen und in Ihrer Sportart täglich heftig Trainieren. Vereinssport und Sport Allgemein ist die beste Lebensschule mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Kids Ihren Körper schon früh kennen lernen und so in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wachsen kann. Sixpack ist ein Zeichen von Stärke und Willen und Ausdauer und Disziplin und gesunder Ernährung. Sollte Pflicht für alle Schüler und Schülerinnen werden.

  • Christoph Bögli sagt:

    Das Lustigste an der Geschichte finde ich ja die Vorstellung, dass man ernsthaft Cornflakes essen müsste, um den Körperfettanteil zu reduzieren. Ausgerechnet diese Zuckerklumpen, die wohl das ungesündeste Frühstück in der Menschheitsgeschichte sind. Dann doch lieber noch das Nutellabrot..

    Ansonsten gilt wie immer: Solchen Trends mit all ihren hysterischen Halbwahrheiten und Gerüchten hält man am besten mit Information und entspanntem Vorleben entgegen. Etwa indem man eben gerade über solche Cornflakes-Mythen und allen anderen Unsinn aufklärt und unbeschwerte, ausgewogene Ernährung praktiziert. Selber irgendeinem Diätwahn anhängen, das Thema totschweigen oder alles schönreden sind hingegen alles sehr schlechte Optionen.

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