Leben


Michèle Binswanger am Mittwoch den 11. November 2009

Die Bully-Frage

Bully Moe macht Calvin das Leben schwer. Aus dem Comic Calvin and Hobbes, von Bill Waterson.

Bully Moe macht Calvin das Leben schwer. Aus dem Comic «Calvin and Hobbes: Its a magical World» von Bill Waterson.

Spielplätze sind ideale Bühnen für das Schauspiel menschlichen Verhaltens in all seinen faszinierenden Facetten. Nirgendwo lassen sich Kinder und ihre sozialen Interaktionen in freier Wildbahn besser beobachten.

Vergangenen Sommer etwa führte ich an einem hitzigen Tag eine Horde Nachbarskinder in den nahe gelegenen Stadtpark, um sie im dortigen Weiher abzukühlen. Das Wasser war ein einziges Gewimmel kindlicher Gliedmassen und meine Gefolgschaft diffundierte im Getümmel wie Wasserstoffmoleküle auf der Suche nach einer geeigneten chemischen Verbindung. Die Kinder spielten Fangen. Wie ich sie bei ihrem selbstvergessenen Treiben beobachtete, bemerkte ich plötzlich einen etwa sechsjährigen Buben, der sich der Gruppe mit nacktem Oberkörper, geschwellter Brust und nach Manier eines Poulets, mit gespreizten Oberarmen näherte. Er drängte sich mit seinem Dominanzgebaren zwischen meine Kinder, die gar nicht auf den Störenfried eingingen, so dass sich ihm keinerlei Angriffsfläche bot, worauf er seinen Versuch schliesslich aufgab. Ein klassischer Bully im Trainingsgelände für späteren Terror an allfälligen Mitschülern.

Solchen Bullys begegnet man mit schöner Regelmässigkeit. Sie bewerfen andere Kinder mit Sand oder mopsen ihnen den Ball. Meistens materialisiert sich in ihrem Gefolge unverzüglich eine Mutter mit erhobenem Zeigefinger und ermahnt den Bösewicht, lieb zu sein, den Ball zurückzugeben und sich gut aufzuführen.

Allerdings nicht immer. Was die Erwachsenen vor knifflige Fragen stellt.

Ein Freund schilderte mir neulich folgende Situation: Sein Sohn, 17 Monate, buddelte im Sandkasten, als ein deutlich älteres Kind sich mit einem Kessel voller Sand näherte, um ihn über dem Kopf des Kleineren zu entleeren. Mein Freund fand das nicht lustig. Und als die Mater ex Machina auf sich warten liess, die solches Verhalten hätte geisseln sollen, griff der Freund kurzerhand selber zum Kesseli, füllte es mit Sand und liess selbigen auf den Kopf des Bullys regnen.

«Wie», fragte mich der Freund später, «muss man in einer solchen Situation reagieren?»

Eine knifflige Frage. Ich bin nicht der Meinung, dass Eltern einen Exklusivanspruch auf die Erziehung ihrer Kinder haben, besonders wenn sie anderen schaden. Deshalb habe ich in entsprechenden Momenten keinerlei Hemmungen, den Bullys mit Donnerstimme die Grundlagen sozialverträglichen Verhaltens nahezubringen, mit leiser Wehmut ob der Gewissheit, dass dies wenig bis gar nichts bewirken wird. Doch trotz biblischem Furor glaube ich nicht, dass man bei Kindern Gleiches mit Gleichem vergelten sollte. Ausserdem neigt man, wenn es um die eigenen Kinder geht, nicht gerade zur Objektivität.

Was meinen Sie? Lernt ein Bully so vielleicht, dass sein Verhalten sehr unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen kann? Oder sieht er sich in seiner Weltsicht bestätigt, dass der Stärkere grundsätzlich recht hat? Verhielt mein Freund sich vielleicht selber wie ein Bully höherer Ordnung?

Wie auch immer, das Erlebnis erwies sich letztlich als Lektion. Denn kaum hatte das erste Sandkorn aus dem Kesseli den Schädel des Bullys getroffen, kam die zuvor auffällig abwesende Mutter in gestrecktem Galopp angerannt und nur mit Mühe konnte der Freund verhindern, dass sie ihm mit dem Kesseli den Schädel einschlug. Ja, Spielplätze sind eine vortreffliche Bühne für Menschliches, Allzumenschliches.

125 Kommentare zu „Die Bully-Frage“

  1. Laura sagt:

    @Brunhild.
    Ja das achte ich auch, dass andere anders sind, deshalb hab ich ja meine Kinder auch so erzogen, dass sie Rücksicht nehmen auf Schwächere, dass sie sich sorgen um die anderen. Was ich hier lese ist, dass es Eltern gibt, die finden, dass sie verbal alles lösen können, geht aber nicht, nicht jedes Kind ist verbal erreichbar, nicht jedes Kind braucht Hilfe. Ich möchte, dass sich eben diese Eltern, die einen Bully rumschubbsen, weil er ihr Kind rumgeschubbst hat, mal fragen, ob sie sich da vielleicht nicht zu früh eingemischt haben. Vielleicht hätte das Kind einen Weg gefunden sich selber zu wehren. Ich sage nicht, dass man nicht zu Hilfe kommen soll, ( ich schaue ja auch nicht weg, wenn andere in Bedrängnis sind), aber manchmal kann es auch sein, dass man seinem Kind zu wenig zutraut, dass man zu schnell und zu sehr beschützt.
    Ich habe auch heute noch den Impuls,meinen Kindern am liebsten alles aus dem Weg zu räumen, meine Tochter , die den ersten Liebekummer hat, (ach wie gerne hätte ich es gesehen, wenn sie dieses Gefühl nie hätte erleben müssen), meiner Wut auf den jungen Mann, der sie verschmäht hat, hätte ich am liebsten lauthals rausgebrüllt, aber damit hätte ich wohl mehr geschadet als genützt.

  2. lisi sagt:

    @laura
    Wow, ich habe das Gefühl, dass du von allen erwartest für deine Situation Verständnis zu haben, aber du überhaupt kein Verständnis für die Geschichten der anderen Menschen hast. Nur weil du ein Bully hattest, darf ich meine Kinder nicht vor eben diesen schützen. Somit erwartest du doch genau auch von allen, dass wir deinen Bully schützen in dem wir in gewähren lassen. Die passende Entschuldigung hast du auch für ihn, Tod eines Geschwisters und der Wegzug des Vaters. Dies ist sehr schrecklich und tut mir unendlich leid, aber deshalb ist es ihm trotzdem nicht gestattet andere zu ärgern. Für mich gibt es nicht nur schwarz oder weiss. Ich entscheide je nach Situation und Alter der Kinder sehr individuell. Ganz einfach gesagt altersgerecht.

    Wir müssen entscheiden wessen Problem es ist, denn wir tragen die Verantwortung für unsere Kinder. Manchmal hilft es wenn man sich folgende Fragen stellt:

    1. Werden meine Rechte missachtet?
    2. Könnte jemand verletzt werden?
    3. Könnte das Eigentum von jemandem beschädigt werden?
    4. Ist unser Kind zu jung, um für dieses Problem verantwortlich zu sein?

    Wenn eine der obigen Fragen mit ja beantwortet wird, dann ist es unser Problem.

  3. Brunhild Steiner sagt:

    @Laura: hm, so kam es aber gar nicht rüber, eher dass jedem der nach hinschauen/Lage beurteilen/auf sein Kind eingehen unterstellt wird, er sei automatisch überbeschützend und hätte seinem Kind die Chance vergeben, eigene Abwehrstrategien zu entwickeln. Oder sei, noch schlimmer, so ein inkarnierterengel-Überzeugter. Und warum brauchen Sie das Wort “Bully rumschubsen” für die hier gemachten Posts, die teilweise ja schon sehr eindrücklich zeigen wohin ein Nicht-einmischen führen kann? Dass das gleich in der Schublade “rumschubsen” landet ist doch interessant.

  4. Laura sagt:

    @lisi
    ich habe meinem Bully nicht erlaubt andere rum zuschubsen, ich habe ihn gescholten dafür und ich habe auch Verständnis für andere Mütter gehabt, die ihre Kinder beschützt haben. Ich habe nur gesagt, dass die Interventionen der Erwachsenen keinerlei Eindruck bei meinem Bully hinterlassen haben. Erst das sich wehren der anderen Kinder ist zu ihm durchgedrungen.

    @Brunhild
    ich habe mich eher auf den Leitartikel bezogen, wo der Vater dem Bully den Sand über den Kopf geleert hat, in meinem Fall hat ein Elternteil meinen Bully rumgeschubst, um ihm zu zeigen, wie es sich anfühlt, wenn man geschubst wird.
    Und in meinem Fall ist es so, dass sich die Bullies der Primarstufe ausnahmslos alle eingerenkt haben. Ich kenne keinen, der sich jetzt asozial verhält ganz im Gegensatz dazu, kenne ich ein paar andere, die sich auch jetzt als Teenager noch hinter den überbesorgten Eltern verstecken und keinerlei Empathie entwickelt haben.
    Die Schwierigkeit liegt doch darin, dass man als Eltern lernen muss, wann eingreifen und wann nicht, wo kann das Kind sich selber wehren und wo nicht, wo muss es die Konsequenzen seines Handelns alleine trage und wo kann es das nicht. Ständiges (und ich betone dieses Wort “ständiges”, ich meine damit weder dosiertes noch gerechtfertigtes) ) Eingreifen der Erwachsenen hilft sowohl den Bullies wie auch deren Opfer nicht weiter.

  5. Brunhild Steiner sagt:

    @Laura: na, ich denk so sehen das eigentlich die Meisten hier :-)
    aber dass sich alle Bullies automatisch einrenken ist halt schon nicht so, siehe auch den persönlichen Bericht von xyxyxy….,
    und vielleicht hätte der eine oder andere die Kurve besser gekriegt wenn von zartem Alter an auch mitgeschaut worden wäre.

  6. Laura sagt:

    @Brunhild
    Ich habe nicht gesagt, dass die Bullies sich AUTOMATISCH einrenken, ich habe gesagt, dass sie sich eingerenkt haben, ob das durch’s älter werden oder durch die Erziehung oder durch Grenzen erfahren gekommen ist, kann ich nicht bei allen beurteilen.

  7. Brunhild Steiner sagt:

    …ehm, und ich hab nicht gesagt dass “die Bullies sich nicht automatisch einrenken”, sondern dass sich nicht ALLE einrenken, ob automatisch oder halbautomatisch ist mir da eigentlich ziemlich wurscht. Aber es schimmerte immer wieder mal die Meinung, auch in andern Posts durch, schon nur weil der Bully dann soziale Probleme kriegt, keine echten Freunde usw. würde er schon wieder auf den richtigen Weg finden. Und das ist naiv, denn die Realität zeigt was anderes.

  8. lisi sagt:

    @Laura, bist du so sicher, dass es “nur” daran lag, dass dein Sohn das Wehren der anderen spührte. Bestimmt hatte es doch auch einen Einfluss, dass du Verständnis für die Mütter und die anderen Kinder hattest und du deinem Sohn immer und immer wieder gesagt hast, dass das so nicht geht. Das Thema war ja auch nicht Mütter die ihren Kindern alle Steine aus dem Weg räumen, sondern wann helfe ich meinem Kind und wann nicht.
    Als Mutter kann ich nicht Einfluss nehmen auf die Erziehungsmethoden der anderen, aber ich kann für meine Kinder da sein. Und nur weil sich eine Mutter auch mal einmischt, mischt sie sich nicht automatisch immer ein und findet automatisch ihr Kind sei immer im Recht. Ich habe keine Bullys zu Hause, aber meine Kinder können trotzdem gewisse Konflikte alleine lösen. Wenn ich mal unsicher bin, überlege ich mir die 4 Fragen im letzten Post und dann weiss ich “meistens” was ich mache. Es kommt wie überall auf das Mass an.

    Sehe das auch so wie Brunhild und auch andere hier, man kann nicht immer automatisch warten bis sich etwas von selbst einrenkt, weder bei einem Bully noch bei Kindern die sich vielleicht nicht gut selber wehren können. Wenn ich da denke, naja irgendwann merkt das Kind es von selbst wie es sich wehren soll. Besteht die Gefahr, dass sich das Kind so wertlos und hilflos fühlt, dass es sich nie wehren wird. So kann man Menschen auch brechen. Wir müssen unseren Kindern Wege aufzeigen die es ihm ermöglichen etwas selber zu lösen. Das ist nicht das Selbe wie das Kind alleine zu lassen. Manchmal braucht das Kind unsere Hilfe. Denke so weit sind wir uns schon einig, oder? Deine Kinder sind ja auch nicht durch das “Nicht erziehen” so toll geworden, sondern duch deine Erziehung.

  9. Laura sagt:

    Ja lisi, da bin ich sicher, dass mein Sohn das Wehen der anderen “geweckt” hat. Wochenlang habe ich getadelt, gescholten, er durfte nicht mehr alleine raus, weil ich eben nicht sicher sein konnte, dass er keinen Schaden anrichtet. Es liess ihn alles kalt, auch wenn er mal gar nicht raus durfte. Meine Frage, ob es denn angenehm sei, wenn die anderen Mütter ihn schubsen oder tadeln beantwortete er mit, nein, aber die sind eh gross und ich klein. Es war eine schlimme Zeit. Ich war alles andere als stolz auf das Verhalten meines Sohns und das hat er sicher auch bemerkt. Nur geändert hat es nichts.

    Deine 4 Fragen finde ich übrigens gut, die kann ich sicher auch heute noch anwenden, obwohl bei meinen Kindern der “Grobschliff” fertig ist, jetzt geht es noch um den “Feinschliff” und das Polieren des Diamanten :-)

    Also wenn du mich jetzt fragst, ob meine Erziehung Schuld ist, dass meine Kinder so geworden sind, dann muss ich sagen, ich hoffe nicht, denn ich finde sie grad nicht so toll. In einer Stunde wird sich das hoffentlich wieder geändert haben :-)

  10. lisi sagt:

    @Laura, ja das kenne ich auch, aber daran sind wir Mütter natürlich nie schuld sondern die Hormone, die Pubertät, die Trotzphase oder alle anderen. Hoffe eine Stunde hat gereicht und jetzt sind sie wieder die tollsten Kinder der Welt. :-) ;-)

  11. max sagt:

    Bubis.
    Das Problem mit den Jugo-Schlägern auf den Pausenplätzen ist, dass sich die anderen Kinder nicht wehren. Diese sind nämlich in der Überzahl und könnten einen solchen Bully einfach einmal einsacken. Das meine ich wörtlich: In den Sack stecken und draufschlagen. Und richtig, solches macht nur Eindruck, wenn es von gleichaltrigen kommt. Darum bin ich mit der Laura ganz und gar einverstanden.

    Zwar entwickeln viele Südländer jünger schon mehr Körperkraft. Aber unsere Kinder könnten auch einfach lernen, sich mit den Fäusten zu wehren, wenn das einmal nötig ist. Leider werden sie von ihren Müttern und Lehrerinnen zu “sozialkompetenten” und “konfliktfähigen” Milchbubeli verzogen und das fängt schon in der Krippe an, wo sie immer nur brav sein müssen.

  12. lisi sagt:

    @max
    Sie haben aber eine sehr einfache Sichtweise der Dinge.
    Wenn ich Sie richtig verstehe sind Bullys alles Jugo-Schläger? Das ist mir neu, hier hat vor Ihnen niemand von Jugo Schlägern gesprochen, so weit ich das sehe war und ist auch Lauras Sohn kein Jugo-Schläger.

    Und je nach Schule stimmt Ihre Aussage betreffend Überzahl / Unterzahl wohl auch nicht. In manchen Schulen sind die von Ihnen erwähnten Kinder durchaus in der Überzahl, wobei ich sicher bin, dass auch dort nicht alle Schläger sind.

    Was genau Ihre Theorie nun auch noch mit den Krippen zu tun hat verstehe ich nicht. Laut Ihnen sind also alle Krippenkinder oder gar alle Kinder die nicht aus dem südlichen Raum kommen Bubelis? Hoffe Sie waren Heute um 8.00 Uhr nicht bereits am Bohnen kochen.

  13. Brunhild Steiner sagt:

    @max: welche Altersgruppe haben Sie dabei im Visier? Je nachdem könnte das ganz böse enden. Szenario 1: “Schläger” organisiert sich noch kurz vor in Sack gesteckt werden über Natel Verstärkung, ua kommen ihm dann auch grössere Kinder zu Hilfe (alles schon vorgekommen), er passt die beteiligten Kinder nach der Aktion einzeln ab. Das gleichaltrige Kind ist alleine, “Schläger” natürlich nicht. Er organisiert sich Hilfsmittel wie Messer, Steinschleuder uä., in unserem Nachbarsquartier hat ein Mädchen infolge einer solchen “Gangabrechnung” ein Auge verloren. Die Abrechnung fand auf dem Schulgelände statt.
    Sicher, das sind Einzelfälle, aber wenn Ihr Kind an einer Ambulanz/Sanitätern in Aktion vorbeiläuft, und später erfährt, dass da ein Bruder eines Schulkameraden von unbekannten grösseren Kindern zusammengeschlagen wurde, dann fragen Sie sich schon, was war mit diesen Kindern als sie 4, 5, 6, 7 Jahre alt waren?

  14. BigMac sagt:

    Naja, was die Schule angeht, war das bei uns in der Primarschulzeit so, dass es einen Abwart alter Schule gab. Dieser war DIE Autoritätsperson auf dem Schulgelände. Am morgen stand er an der Tür und hat jeden Schüler einzeln per Handschlag begrüsst. JEDEN! Während den Pausen war er meist irgendwo in Sichtweite am Arbeiten. Kleinere Raufereien waren toleriert, ging das aber weiter, war er mit einem raschen Griff an die Ohren der betreffenden zur Stelle. Hat keinem geschadet. War das Wetter schlecht, hingen vor dem Eingang kleine Beseli und der Hüter unserer täglichen Ordnung wachte mit Argusaugen darüber, dass auch jeder sich seine Schuhe brav abwischt.

    Halbstarke, die auf dem Schulgelände rumlungern, ihren Dreck liegen lassen oder die kleineren anpöbeln, gabs keine. Eine Begegnung mit unser aller Schutzpatron hat ausgereicht, dass die “Gangs” einen weiten Bogen um unser Schulhaus gemacht haben.

    Ich habe diesen Mann geachtet und vielleicht sogar ein kleines bisschen geliebt und denke, es ging den meisten Mitschülern so. Sein junger Nachfolger hat sich dann nicht mehr engagiert und heute sieht es dort auf dem Pausenplatz so aus, wie überall sonst auch. Ich denke, dass auch hier all die klagefreudigen Eltern den Abwart alter Schule, wie ich Ihn noch kennen lernen durften, ausgerottet haben.

  15. max sagt:

    @lisi:
    Kinder in der Krippe lernen vor allem brav, angepasst und unauffällig zu sein. Eine eigene Person, mit eigenem Wissen und Können werden sie nicht. Als 12-jährige sind sie dann auf dem Pausenplatz ausgeliefert und wissen sich nicht zu helfen, wenn sie angegriffen werden.

    Meine Feststellungen bezgl. “Jugo-Schläger” bezog sich auf den Artikel von Frau Binswanger, wo sie schreibt: “Ein klassischer Bully im Trainingsgelände für späteren Terror an allfälligen Mitschülern.” Die Frage ist nicht nur, wie einer zum Bully wird, sondern wie die anderen zu Opfern werden.b

    @Brunhild:
    Ihre Geschichte nehme ich sehr schwer. Ein solcher Vorfall wäre für mich der Grund, um an einen anderen Wohnort zu ziehen.

    Sie schreiben, es sei auf dem Schulgelände passiert. Wo waren die Lehrer? Oder war es nach Schulschluss? Wo war der Schulhausabwart? Wer treibt sich auf dem Schulgelände nach Schulschluss herum? In meiner Kindheit hatte niemand etwas auf dem Schulgelände zu suchen, ausser er hatte Schule oder einen Termin in der Schule. Wenn sich jemand nicht daran hielt, rief der Schulhausabwart die Polizei. Das kam ungefähr einmal in zwei oder drei Jahren vor und dann wusste das ganze Dorf, wer der Missetäter war.

    In Ihrer Geschichte geht es nicht mehr um den Umgang unter den Kindern, auch nicht darum ob sich eine Gruppe gegen einen Bully zur Wehr setzen kann. Hier geht es um das jämmerliche Versagen der Erwachsenen, die darauf verzichten, eine gütlige Rechtsordnung zu schaffen und durchzusetzen.

    Da finden wir dann bei den Vätern, Lehrern, Richtern, Politikern die gleichen Männer-Bubis, die von ihren Müttern noch mit 4-jährig im Kindswagen durch die Stadt gestossen wurden, die von ihren Müttern lernten, dass man auf dem Trottoir Velo fährt und als Erwachsene nie wirklich erwachsen werden sondern als Jammertaschen bei jeder Gelegenheit den Kopf einziehen und nett sein wollen.

  16. Brunhild Steiner sagt:

    @max: der Vorfall ist ausserhalb der Schulzeiten geschehen, und die Abwarte wohnen glaub nicht mehr überall gleich neben dem Schulhaus.

  17. max sagt:

    Nach meinem Dafühalten gibt es für solche Fälle nur wenig Möglichkeiten:

    1.) Die zuständigen Behörden schriftlich informieren und zu unmittelbarem Handeln auffordern. Sofort und mit sehr deutlichen Worten Fristen setzen bis wann ich als Bürger und Steuerzahler das Problem gelöst sehen will. Gleichzeitig bekannt geben, wann und wo ich persönlich den Erfolg der Massnahme kontrolliere. Es gibt Behördenmitglieder, die erst ernsthaft handeln, wenn man ihnen im unerbittlichen Tonfall vorbeikommt. Solches in jedem Fall schriftlich vornehemen. Im anderen Fall werden sich die Behörden feige herausreden und einem Worte in den Mund legen, die man nie gesagt hat.

    2.) Den Umzug vorbereiten mit Sack und Pack. Wenn eine Gemeinde so weit verkommen ist, dass so etwas überhaupt geschieht, dann hat sie meine Anwesenheit nicht mehr verdient. Dieselben Täter sind mit Sicherheit früher schon auffällig geworden und die Psychotanten und Sozialonkel fanden, man könne doch nicht so tun und müsse bitte sehr die armen Migrationshintergründler integrieren.

    3.) Nur im absoluten Notfall ein Gespräch unter vier Augen und ohne Zeugen mit dem Vater des Täters. Diesem werden ebenfalls eine absolute und unmissverständliche Handlungsanweisung überbracht und die Konsequenzen bekanntgegeben.

  18. Brunhild Steiner sagt:

    hm, die Konsequenz war eine Schulhausversetzung des Steinschleuderers… .
    Also eigentlich will ich hier alt werden (falls mich nicht vorher ein Bully niedermacht) und mein Herz schlägt sehr für die Migrationshintergründler, sowie Inlandbullies, nur manchmal komme ich ins sinnieren… . Wünschte mir manchmal, dass Kinder von klein auf von der Gesellschaft wahrgenommen und aufgenommen wären, eben nicht die gesamte Erziehung/Nichterziehung den Eltern überlassen ist, sondern es normal wäre dass im Draussenbereich auch Mitmenschen, die Mit-gesellschaft was sagen dürfte/würde. Logisch in angemessenem Tonfall, Humor ist dabei immer hilfreich, aber dass es einfach ein normales Miteinander wäre, sich dann niemand gleich in der elterlichen Autorität angegriffen fühlen müsste usw. Nicht so ein anonymes Nebeneinanderher.

  19. max sagt:

    @Brunhild
    Da bin ich einverstanden, dass man Kinder beachten soll. Und ich gehe sehr wohl auch auf fremde Kinder zu, wenn es etwas zu sagen gibt. Das tue ich vor allem, wenn es um Sicherheit im Strassenverkehr, um fremdes Eigentum oder Gefahren am Fluss geht. Dabei bleibe ich immer sehr einfach und bei der Sache. Allerdings sehe ich schon immer wieder Kinder, die vollkommen ahnungslos sind, weil ihnen zuhause die Erziehung fehlt.

    Es gibt übrigens eine ganz bestimmte Sorte von hysterischen alleinerziehenden Müttern, die gar nicht klar kommt damit, wenn man ihre Kinder mahnt.

    Etwas anderes sind die Kinder, die zu mir kommen und mich über alles mögliche ausfragen, meine Ausrüstung, mein Werkzeug, meine Abenteuer.

  20. Beat Hess sagt:

    @Gabriela W.: Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich natürlich aus meinen eigenen Erfahrungen als Kind (der 70er Jahre) und nun als Vater schreibe. “Peinlich” mag tatsächlich von speziell Pubertierenden in sehr reichlichem Masse benutzt werden, die entsprechende Gemütslage dürfte aber nicht nur diesen bekannt sein. Ich werde fortan versuchen, sprachliche Verallgemeinerungen zu vermeiden.

    Wir sollten uns vielleicht etwas von der Täter-Perspektive weg und uns den bedrängten Nicht-Bullies zuwenden. Ich bin überzeugt, dass der nachhaltigere Erfolg dann erzeugt werden kann, wenn sich diese selbst und selbstbewusst dem Bully gegenüberstellen und ihm klarmachen, dass sie nicht länger die Opfer-Rolle spielen wollen. (Mit etwas Glück nimmt das sogar für den Bully noch ein gutes Ende, wie dies Laura sehr schön beschrieben hat.)

    Dazu notwendig ist ein gutes Selbstbewusstsein und ich denke, dass dessen Stärkung eine der wichtigsten Aufgaben der Eltern ist. Den Kindern den Rücken stärken, nicht, indem man sich den Bully selber “vorknöpft”, sondern den eigenen Kindern das Gefühl gibt, dass ihre Meinung und ihre Rechte zählen und es wert sind, verteidigt zu werden. Vielleicht ist das gerade beim Bully etwas zu wenig geschehen.

    Noch wegen dem “Rausgehauen werden” und Vergleichen mit Anwälten und Polizei: Erstere sollte man erst dann bemühen, wenn man sonst nicht mehr weiterkommt. Streitereien mit Anwälten und Gerichten dauern meistens länger, sind teurer und schaden allen Beteiligten mehr als solche, die man unter sich ausmachen kann. Letzere haben wir dann nötig, wenn es um Leib und Leben geht. Es steht für mich ausser Frage, dass ich mich dann einmischen würde, wenn ich sehe, dass meinem Kind (oder mein nächster) ernsthafter Schaden droht oder es angesichts der puren Übermacht seines Widersachers gar nicht wehren kann. Sofern aber einigermassen mit gleichen Ellen gefochten wird, würde ich mich raushalten.

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